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LLicsbadcuer Tagblatt (Abenb-AuSgavei. Verlag: Langgafse 27,
44 Jahrgang No. S<
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Dieser
mit den erklärt, Mächte Krieges Mächte
das diplomatische Corps dertretenc» Sviweraine und Negierungen für die Wohlfahrt Frankreichs und das Wohlergehen des Präsidenlcii Fanrc ziun Ausdruck. Baron v. Mohrenheim sagte: „Möchten doch während des neuen Jahres, dem mau, da cs unter günstigen Auspizien deginur kann, I.....
n Auspizien deginur, mit Bertrauen enlgcgcusehcu , diese einstimmigen aufrichtigen Wünsche in demselben reichen Maste und derselben Lollstäudigkeit in Erfüllung
ans nicht angenehm, diesmal als „Hammerschlag", bemerkbar. Der Chor hatte gestern keinen sonderlich glücklichen Tag — vielleicht Nachwchen des vorangcgangenen Sylvesterabends? Die Intonation wackelte oft nicht unbedeutend, auch wurde die phystsche Kraft oft überboten. Möge das dritte Konzert wieder eine aufstcigende Linie verzeichnen!
die Ermahnung, sich nicht von feinen Pflichten zn entfernen und sich fremd den Angelegenheiten gegenüber zn verhalten, die sich nicht mit der Würde eines Studenten vereinigen. Es war hohe Zeit, daß die Negierung mit ihrer Meinung nicht hinter dem Berge hielt, den Herren vielmehr klar machte, daß Todlenmeffe» und Proklamationen jedenfalls nicht zusammenpassen.
Die endlosen und schweren Eisenbahn-Katastrophen der letzten Zeit in Rußland habe» sogar die interessante Studentenfrage auf den zweiten Platz gedrückt. Es vergeht fast kein Tag, der nicht von einem neuen Unglück Kunde bringt. Während man in der Nähe der Hauptstadt täglich Versuche anstellt, nm eine höhere Fahrgeschwindigkeit zu erzielen (45 Werst pro Stunde), Versuche, die daS gewütischte Resultat voll erreicht haben, pasfiren bei der sprichwörtlichen Langsamkeit unseres Eisenbahnverkehrs mehr Katastrophen, als sonst irgendwo. Selten nur sind schadhafte Wege und schlechtes Material die Ursache der unheimlich oft wiederkehrenden Unglücksfälle, sondern immer wieder ist die Sorglosigkeit unseres Beamtenpersonals daran schuld, die nur dann schwinden wird, menn die Gehaltsverhältnisse sich verbessern werden. Die Eisenbahnbeamten sind materiell ver- hältuißutäßig zu schlecht gestellt, nm mit voller Hingabe und Eifer ihrem Dienste obzuliegen. Die Pensionsverhültnisse befinden sich in ganz desolatem Zustande und bieten weder den Interessenten noch ihren Angehörigen irgend welche positiven Garantteen für ihr Alter. Die meisten Angestellten betrachten den Eiseichahndienst als Uebergangsstadium zu einer vortheilhafteren Stellung. Daß unter solchen Umständen der Dienst und Pflichteifer nicht besonders gehoben, noch gestählt wird, ist nur zu klar. Erst wenn die Besoldungs- sowie die Pensionsfrage eine befriedigende Erledigung gefunden haben wird, kann man auf zuverlässige Beamte zählen.
Wir sind in Rußland bekanntlich in der Zeitrechnung um zwölf Tage zurück, daher treten wir erst in das Zeichen
iso zusammen, wie so lauge man die
wie die Künstler ihren Impresarien gegenüber. Petersburg ist für die internationalen Künstler immer noch das anziehende Dorado, das sie alle immer mit großer Regelmäßigkeit wieder aufsuchen. Wer will da noch behaupten, daß Rußland wenig Geld hat, wenn man Marcella Sembrich oder Angelo Masini pro Abend 1500 resp. 2000 Rubel zahltl Augenblicklich floriren hier zwei italienische Operu- stagioue. Gustavo Salvini, der Sohn seines berühmten Vaters, hatte augenblicklich wenig Glück, man hat hier bessere Tragöden gesehen,)sund da sein Gastspiel mit dem der großen Düse zusammenfiel, opferte man Geld und Zeit selbstredend der letzteren. Unbeschreibliche Triumphe feierte die geniale Frau in Sudermanns „Heimath". Die erste Darstellerin der „Magda" in Petersburg war vor drei Jahren Fräulein Dumont aus Stuttgart, die mit dem Elite- Ensemble deutscher Künstler unter Direktion des frühere» kaiserlichen Ober-RegisseurS Philipp Bock uns zuerst mit dem Sudermannschen Drama bekannt machte. Die Dumont verhalf dem Stück damals zu einem sensationellen Erfolg und wurde mit einem Schlage eine erste Kraft. Doch neben der Düse mutz Alles verblüffen. Das ist keine Komödie, daS ist wahre, echte Wirklichkeit! Schmerz, Verzweiflmtg, Leid und Freud'. Alles ist so echt, so tief empfunden, daß man stannt über diesen virtuosen Realismus, der dennoch die höchste, vollendetste Kunst bleibt. Eine wahre Reise bedingt daS übermorgen stattfindende Barnay-Gastspiel, welches ganz außerhalb der Stadt im „Aquarmm-Thcater" stattfindet. Der Himmel hat vorsichtiger Weise schon seit Wochen die schönste Schlittenbahn dazu vorbereitet, sodaß man damit gleichzeitig eine schöne Ausfahrt jenseits der Newa verbindet. Ausfahrten find überhaupt ein Hauptgenuß für jeden Petersburger, ebenso wie für Angereiste. Es gehört hier zum guten Ton, in der „saison“ ab und zu „Troikafahrten" (Dreigespann) nach den Inseln „Krestowski", „Arkadia",
Oserki" und wie die Orte alle heißen, zu machen, die gast-
sattelfester Violinist, der mit Geschmack vorzutragen weiß und über einen recht ausgiebigen Ton verfügt. Die Sängerin Fräulein B n r nm ft e r besitzt eine füllcreiche. sympathische Mezzosopranstimme, sowie viel Temperament und intonirt gut. Sie fang die Arie: „Nun beut die Flur" aus Haydns „Schöpfung", da» Gebet der Elisabeth aus dem „Tannhäuser" und Lieder von Hillmann, Stange, Bendel und Schubert, sich eines reichgemesieuen Beifall» erfreuend. Das ganze Naturell der jungen Sängerin scheint sie in erster Linie auf die Bühne — vielleicht gerade auf den sogenannten „Wagnergesaug" — hiuzmveisen. Der sie begleitende Lehrer hätte sich,im Aceompagnement wohl etwas weniger energisch äußern dürfen. Der Chor fang Kompositionen von Kremser, Hillmann („Abendfeier in Venedig"; in diesem Werk störte eine als Glockenspiel fungirenbe Stahl- harmonika recht empfindlich die Wirkung), Wilm („Abendruhe", stimmungsvoll und gut wirkend), Dregcrt und Gounod. Auch in dem Chor des Letztgenannten machte sich die Stahlharmouika dnrch-
Ans Kunst und Zeben.
* ALriigtlche Zchansplelc. Nm trotz der vielen Erkrankungen das Nevertoire in würdigster Weise aufrecht halten zn können, scheut die Kgl. Intendanz selbst vor größeren Opfern nicht zurück. Co wird au Stelle der Frau Neuß-Beste am Sonntag, den 3. d. M., in der „Loheugrin"-Aufführnng keine Geringere als die Großherzoglich Badische Kammersängerin Frl. Meinharc vom Hos- thcatcr inKarlsrnhe die „Crtinb" singen. Fetner wird für den erkrankten Herrn Kammeisünger Müller derBatylonistHerr Strakosch die Rolle des „Friedrich von Telramund" zur Darstellung bringen. DieseVotsteUnng kommt im Abonnement I) zn mittleren Preisen zur Aufführung. Anfang 6'/» Uhr. — Wochen -Sp iclen twurs: Sonntag, den 3. Januar, Abonnement D, 21. Vorstellung: „Lohengrin". Anfang 6V2 Uhr. Montag, den 4., Abonnement A, 22. Vorstellung: „Egmont". .Anfang 6'/- Uhr. Dienstag, den 5., Abonnement 13, 23. Vorstellung: „Faust" (Oper). Anfang 6'/-Uhr. Mittwoch, den 6, Abonnement C, 22. Vorstellung: „Martha". Anfang 7 Uhr. Donnerstag, den 7., Abonnement D, 22. Vorstellung: „Der Bibliothekar". Anfang 7 Uhr. Freitag, den 8., Abomiement A, 23. Vorstellung, neu eiustudirt: „Figaros töochzeil". Ansang 6'1» Uhr. Samstaa, den 9., Abonnement D, 23. Vorstellung : „Nora". Anfang? Uhr. Sonntag, den 10., Abonnement C, 23. Vorstellung: „Der Prophet". Anfang 67- Uhr. Montag, den 11., Abonnement D, 23. Vorstellung: „Cavalleria rustieana“. — „Slavische Brautwerbung" (Ballet). Atisang 7 Uhr.
* Konzert. Der unter Leiluug des Herrn Kapellmeisters Hillmann stehende Mänuergefang-Vercin „Concordia" gab gestern, am Abend des NeujahrstageS, im großen Saale des Kasino sein zweites Konzert. Als Mitlvirkeude erschienen Fräulein Marie Burmeister, eine Gesangsschülerin des Herrn Hillmann (Mezzosopran), und der Violinist Herr Kgl. Mnsikdireklor Julius Oertltug Ter Letztgenannte hat vor nicht langer Zeit seinen Wohnsitz von Crefeld, wo er lauge Jahre als Dirigent des städtischen Orchesters itud eines Sängerchors mit Auszeichnung gewirkt hat, nach hier verlegt. In noch früheren Jahren war er schon in Berlin als geschätzter Violinist, besonders als Kammermusikspieler und Führer eines Streichquartetts, thätig. Im Vortrag der ersten beiden Sätze der sogeuannteu „Krentzersouate" von Beethoven (in Gemeinschaft mit dem Sercinsbirigcuten), des Larghetto ans dem Klariuetlen-Quinteit vonMozart und einer recht wiikungsvollen Tarantclle eigener Komposition erwies er sich als ein durchaus
der „Tanne", wenn Sie bereits angenehme Erinneruitgeit an die vellcblcu Festtage anstanschen. Doch sind auch bei uns die Vorbereitungen zum Feste schon im vollen Gange. Dem Russen gilt das WeihnaeWfcst mehr als Fest der Kinder und macht cs überall den Eindruck, als ob den Kleinen zn Ehren alle Vorbereitungen und Fcstfrendcu veranstaltet würden. In allen Instituten, Schulen und Wohlthätigkeits- anstaltcn brennt der Ehristbanm, Jubel und Freude im reichsten .Maße hervorzaubernd. Im großen Dumasaal (Rathhans) findet die ganze Woche vor dem Feste der alljährliche riesige Weihnachlsbazar statt, dessen Ertrag von vielen tausend Rttbclu den Armen zn gute kommt. Die „Jasli" (Krippen), eine Wohlthätigkeitsciiirichtnug unter dem Protektorat der jungen Großfürstin Xenia, der Schwester dcS Czaren, haben ebenfalls ihren Weihiiachtsbazar eröffnet. Der Besuch dort- selbst ist ganz enorm, da cs zum guten Ton der upper ten thousand gehört, dort gesehen zu werden, sei es als liebenswürdige Verkäuferin in neuester Toilette, ober als kaufende Wühlthatcrin. Ueberhaupt mit Beginn der WeihnachtS- vorbereitnngen treten wir in die ,,haute saison“, di; hier glänzender als sonst wo zn sein pflegt. Theater, Konzerte, Bälle, Bazare, AuLstcllnitgcn sorgen freundlichst für stete Zerstreuungen. Wohl dem, der sich für diese Zeit mit dem wichtigsten Metall in genügender Quantität versorgt hat, das zwar nicht immer glücklich macht, aber auch selten Frohsinn und Lebensfreude stört. Die Amüsements in Petersburg sind horrend thruer und eigentlich nur dem Vessersitnirten zugänglich. Uitternchmnngcn, die der Devise „billig und schlecht" huldigen, gehören zu den Eintagsfliegen, dafür ist hier kein Geld. Theater und Konzerte bieten keinen Halbwegs anständigen Platz unter 3 Rubel (7 Mark). Man müßte meinen, daß die starke Konkurrenz gerade in der haute saison immerhin von Einfluß auf die Eintrittspreise sein müßte, leider ist das ein frommer Wunsch. Die Entrepreneure sind in ihren Anforderungen ebenso konservativ.
Winkel dieser Erde gegangen sind. Die britische Negierung mag zu dem Schluffe gekommeu sein, daß es besser wäre, diese Unglückliche» in ein Lund überzufübren, wo sie Gelegenheit Haden, ein anftäubiges, christliches Leben zu führen. Möge sie mit uns zufauimenwirkeul" Die Heilsarmee will, daß Jeder sich feinen Lebensunterhalt selbst verdienen möge. Für die City-Kolonie wurden 98,000 Pfund Sterling verausgabt. 91,000 Pfund Sterling kamen ein. Der Ausfall ist deshalb in Anbetracht des menschlichen Zweck» nicht bedeutend.
* Rußland. Ein kaiserlicher Erlaß setzt die allgemeine Volkszählung für das ganze Reich auf den 28. Januar fest. — Der Kaiser hat die Erlonbuiß zu ©ammlungen im ganzen Reiche für die aus der Türkei nach Nnßland eingewanderteu Armenier crtheilt.
* Zpanleu. Der Ministerrath beschloß die sofortige Einführung von Nesormen ans Puerto Nico. — Die Hanpt- blätter enthüllten am Donnerstag llute.rschleife der Kriegs- verwaltuug aus Cuba. Die Soldaten wtirdeu gänzlich verwahrlost; die Vorgesetzten steckte» die für Arzneien, Kleidung und Lebensmittel beftimmten Summen zu einem großen Theile ein. Der „Jmparcial" verlangt heftig die Abberufung der Schuldige»; der Kriegsministcr Azearraga solle den Oberbefehl aus Cuba Übcrnchuicn. Wetzlers Stellung ist sehr erschüttert.
* Serbien. Nach Berichte» aus allen Theilen des Landes erfreut sich die neue Negierung allgemeiner Sympathie, lleberaü herrscht musterhafte Ordnung. Die Zulassung der gelammten neuen Anleihe zur Notiruug an der Berliner Börse hat bei der Negierung und der Bevölkerung de» angenehmsten Eindruck hervorgerufen.
— Die wird einmal von jeher mit allerlei
Allotria „festlich" begangen, und es wird auch noch lange so gehalten werden, trotz aller Bestrebungen der Polizeibehörden, die darauf hiuausgehe», de» tollen — manchmal freilich auch ein wenig übertriebene» — Neujahrsulke gründlich anszutreiben, nicht mit frommen Zaubersprüchen, sondern mit dem probateren Mittel, so man „Strafzettel wegen groben Unfugs" nennt. Neujahrsnacht und Feuerwerkerei gehören ebeitf" *“t--------- —:-
Neujahrsuacht und Sylvesterpunsch, und s_ .....______ ...
Ankunft des neuen Jahres beim Punsch in der warme» Stube feiert, wird man auch ouS gleichem Grunde auf de» Straßen Pistolen loskuallen, Schwärmer und jene Feuerwerkskörper, die man ihrer hüpfenden Eigenschaft wegen mit dem Namen „Frösche" belegt hat, sowie andere knatternde, zischende, sprühende unl» glühende Gegenstände Hüpfen und fliegen lasten, luftigen und nervenstarken Leute» zum Vergnügen, den andere» aber zum Greuel. Den „§ 11" — laß Dich nicht erwischen — wird in der Neujahrsnacht strenge beachtet, sowohl in der Stadt wie auf dem Lande. Es ist mit der Sitte, in der Nenjahrsnacht eine große Quantität Pulver zu „verblitzeu" und die gewohnte Ordnung einmal ein bischen auf den Kopf zu stellen, wie mit allen Sitten, welche sich im Volke eingebürgert haben: auszurotten ist sie nicht mehr. So lange sie sich in mäßigen Grenzen bewegt, ist ja auch im Grunde hier nichts einzuwcndeu, anders dagegen, wenn sie wirklich jum „groben Unfug" wird, wie das leider vorzukouuueu häufig pflegt. In der diesmaligen Nettjahrsnacht ging es in unserer Stadt, wie immer, ungemein lebhaft zu; die „Frösche", welche sich beim Eintritt der Dämmerung vereinzelt auf dem Straßenpflaster einstellten, mehrte» sich in de» spätere» Nachtstunden ganz unheimlich, und im Schießen wurde besonders iu einzelnen Straßen Bedeutendes geleistet. In manche» Gegenden der Stadt ging es in der Sylvesternacht besonders lebhaft zu. Namentlich gilt dies von dem nördlichen
* Amerika. Nach einer Meldung der „Times" veröffentlicht die Nciv-Aorker „Eveuiiig Post" ein Telegramm aus Clinton (Ohio) mit einem Entwurf der Politik Me Kinleys in kurzer, durch den Präsidenten des Haudelsamts Saiupanl auf Grund eigener Aeußcruuge» Me Kinleys zusammengestellter Fassung. Hiernach umfaßt Sic. Kinleys Politik u. A. folgende Punkte: Unverzügliche Nevisiou der Tarife auf der Grundlage eines mäßigen Schutzzolles, Wiederherstellung der Neciprocitätsverträge, Bemühung um Einführung des internationalen BimetaUismuS und Sparsamkeit in de» Staatsausgaben. — Wie gerüchtweise verlautet, werden Senator Walcott und der Natioualökouom Franeio Walker sich in nächster Zeit nach Europa begeben, um iu nichtoffizieller Weise europäischen Biutetallisten zu verhandeln. — Die „Post" trotz aller Dementi stehe es fest, daß die europäischen znsautmengehen werden, sobald der Ausbruch eines zwischen Amerika und Spanien zu befürchten sei. Die würden derartige Verwickelungen zu vermeiden suchen.
Meldung fügt das Blatt die Bemerkung hinzu, der Wiener Gesandte in Washington und der amerikanische Staatssekretär wüßten sehr wohl, daß alle Gesandten in Washington die Instruktion erhalten hätten, in dem Augenblick, wo die amerikanische Negierung für Cuba Stellung nehmen sollte, dagegen zu protestiren. Deulfch- land mache alle Anstrengungen, um die dänischen Besitzungen iu bett Antillen zu kaufen.
gehen, wie die, welche wir hier vor einem Jahre irargebracht haben! Möge Frankreich, deut allgemein Sympathie und Achtung entgegengebracht werden, die Erfüllung dieser Wünsche besonders in dem endgültigen Obsiegen der heiligen Sache des Friedens finden, der e» unaufhörlich und so edelmiithig feine machtvolle Unterstützung geliehen hat, wodurch es für feinen Theil in reichem Maße dazu beitrug, der dankbare» Welt das hohe Gut des Friedens zu sichernl" Präsident Fattre dankte und erwiderte: „Es war mir angenehm, daß die lange Anwesenheit des Barons v. Mohrenheim als Botschafter in Paris diesen dazu bestimmte, die Glückwünsche anszusprechen. Ich schätze mich glücklich, in so gerechter »nd beredter Weise da» Werk der Negierung der Republik und die Gefühle würdigen zn hören, von denen ihre Politik geleitet wird. Der gleiche Wunsch nach dem Einvernehmen und der Vereinigung, von dem die Mächte sich beseelt zeigen, rechtfertigt das Vertrauen, welches Sie mir so fest an der Schwelle de» neuen Jahre» bezeugen. Diese» Vertraue» tuirb noch gefestigt durch die ausgezeichneten Beziehungen, welche ztvische» Frankreich und den übrigen Nationen bestehen. Es sind dies übrigens die einzigen Bürgschaften, welche das verflossene Jahr gesichert hat für den Frieden der Welt. Die Mithülfe Frankreichs wird niemals den Werken fehlen, welche bestimmi sind, die Nationen und Regierungen in dem gemeinsame» Gedanken der Gerechtigkeit und des Friedens zu vereinigen." — Zwischen Bourgeois und Donuier ist eine heftige Zektungspolentik auSgebrochen. Wahrend Doitmer behauptet, Bourgeois habe die lleberuahme de» Postetts eine» Generalgonverttettrs von Indo-China durch £oumer vollständig gebilligt, erklärt Bourgeois iu allen Blättern genau das Gegentheil.
* Zchwrdr» und Uorrveae». Das schwedische „Dagbladet" theilt mit, daß das Testament Alfred Nobels vorgestern eröffnet worden sei, doch könne der Wortlaut desselben vorläufig noch nicht veröffentlicht werden, weil sich »och verschiedene NachlragS- bestimmungeu in Paris befänden. Die Hauptbeftimmnug des Testamentes sei jedoch, daß da» ganze Vermögen de» Erblassers al» internationaler Fonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung hinterlegt werde, dessen Zinsen als Preise für Koukurrenz- arbeiten von Gelehrten aller Länder vertheilt werden sollen. Die Größe dirs.o Fonds sei noch nicht genau bestimmbar, indessen seien die Angaben der ausländische!, Blätter stark übertrieben.
* Tie Berichte über die Einnahmen des
Staates iu den letzten 9 Monaten weifen eine Zunahme von 1,780,298 Pfund Sterling auf gegenüber den Eiunahnieii in derselben Periode des Vorjahres. — Ans Loudon schreibt man: Der Heilsarmee-„General" Vooth zeigt, was sein „sozialer Flügel" im abgelaufenen Jahre geleistet hat. Die Zahlen sind groß. Im letzten Jahre hat die Heilsarmee 3,231,237 billige Mahlzeiten zu V« d. bis 4 d. verabreicht. Sie hat 1,339,246mal billiges Nachtquartier versck-afft. Die Obdachlofen hatte» 1 d„ 2 d., 3 d. und 4 d. zu zahlen. 5363 Versammlungen wurden in den „Asylen" ab- gchalteu. 2501 Personen wurden in die Fabriken der Heilsarmee aufgenommen. Im Arbeitsbiireau der Heilsarmee wurden 11,142 Namen von Leuten, die Arbeit haben wollten, eingetragen. 1535 Männer und Frauen wurden in dem Nettungsheiiu auf» genommen. 53,573 Besuche stattete der soziale RettuugSfliigel der Heilsarmee Familicn in den Londoner „slums1- (den Zufluchtsstätten der Arrnnth und de» Verbrechen») ab. Für 3,325,020 firaufe sorgte die Heilsarmee. „General" Booth sagt in seinem Bericht: „Wege» Mangels an Mitteln hat die Heilsarmee nicht alle Dinge leisten können, die matt von ihr in diesem unseren „dunklen England" erwartete. Aber wir müssen sagen, daß wir in die dunkelsten
Form mit bisheriger Umsicht die Regierung unterstütze und nur die Interessen de» Landes, nicht aber, wie ihre Feinde (natürlich nur als Klage) behaupten, selbstsüchtige Zwecke sich vor Augen halte. Er hoffe und baue auf die Festigkeit, Einheit und hingebungsvolle Iliiterstütznng der liberalen Partei. Er hoffe, daß das glücklich hergestellte herzliche Einvernehmen zwischen der Krone und der Nation dauernd ungetrübt bleibe und die gefestigten Baude zwischen der Negierung und der liberalen Partei auch im kommenden Reichstag heilbringenden Erfolg haben werden. Die Rede wurde mit laug anhaltenden, begeisterten EIjenrufen aufgencnniten. Der Ministerpräsident begrüßte sodann auf» Herzlichste die einzelnen Parteimitglieder. — Der Gerichtshof iu Budapest verurtheille den Diurnist Paschodt im Ackerbauministerium wegen Entwendung diplomatischer Aktcustücke bezüglich der Angelegenheit der dentsch- ruffischen Handelsbeziehungen zn 7 Monaten Kerker und de» Redakteur des „Magyar OrSzüg", welcher diese Aktenstücke veröffentlichte, wegen Bcstechnng zu 3 Monaten Gefänguiß und 400 Gulden Geldstrafe.
* Frankreich. Der Kaiser von Rußland bat an den Präsidenten Fanrc folgendes Telegramm gerichtet: „Anläßlich des Jahreswechsels ist es mir Bedürfniß, Ihnen meine aufrichtigen Glückwünsche darzubringen und Ihnen meinerseits wie im Namen der Kaiserin die besten Wünsche für die Wohlfahrt Frankreichs auSznfprechen. Unter den angenehmsten Erinnerungen des eben verflossenen Jahres wird diejenige an die reizvolle» Tage, die ich in Ihrem schönen Vaterlaude verlebte, nuanslöschbar bleiben. Nicolaus." — Bei dem Nenjahrsempsang im Elysüe brachte der ruisische Botschafter, Baro» v. Mohreuheim, als Doyen die Wünsche der durch
Ans Stadt «nd Sand.
Wiesbaden, 2. Januar.
— Grschichtskaieudrr. 2. Janna- 1547. Fiesco (Graf FitSchi), Verschwörer, ertrank im Hafen DortXSeuua. 1721. Herzog Ferdinand von Branitschweig, preuß. Feldherr, * Braunschweig 1740. Math. Claudius, Dichter, * Reinfeld. 1777. Christian Rauch, Bildhauer, * Arolsen. 1778. I. G. Singler, Technolog, * Zweibrücken. 1783. Joh. Jak. Bodmer, Dichter und Litterar- historiker, f bei Zürich. 1801. Joh. Kaspar Lavater, Schriftsteller, T Zürich. 1814. Clara Mundt (Luise Mühlbach), Schriftstellerin, * Neubrandenburg. 1830. E. L. Tümmler, Geschichtschreiber, * Berlin. 1831. B. G. Niebuhr, Geschichtschreiber, t Bon». 1835. E. Langbein, Dichter, f Berlin. 1861. Friedrich Wilhelm IV., König von Preußen, f Berlin. 1861. Prinz Wilhelm von Preußen wird König. 1872. L. Wienbarg, Dichter, f Altona. 1896. Fröre- Orban, belg. Staatsmann, t Brüssel. — 3. Januar. 1571. Kurfürst Joachim v. Brandenburg f. 1710. G. B. Pergolese, ital. Komponist, * Jesi. 1752. Johannes v. Müller, Geschichtschreiber, t Schaffhausen. 1803. Dongla» Jerrold, engl. Humorist, "London. 1835. Hans Hopfe», Schriftsteller, * München. 1836. O. Fotirton, franz. Staatsmann, * Riberac. 1858. Elise Rachel, Tragödin, t (Sauet b. Cannes. 1868. Moritz Hauptmann, Musiktheoretiker, t Leipzig. 1871. Sieg (Soeben» über Faidherbe bei Bapamne. 1890. K. 21. v. Hase, Theolog, f Jena. 1896. 81. v. Glümer, prcuß. General, f Freiburg i. Br. 1896. Sieg der Boerc» bei Krügersdorp über die Banden der Chartered Compagnie.
— Knrstano. In dem morgen, Sonntag, Nachmittags, im Kurhause stattsindeude» Symphonie-Konzert des Kurorchesters wird Herr Konzertmeister Herrn. Irin er das 2. Konzert in Fis-moll für Violine von Vienxtemps zum Vortrag bringen. Es komme» ferner zur Ausführung: der erste Satz aus der romantischen Symphonie (zum ersten Male) von Anton Bruckner und die Italienische Snite in E-moll von Raff.
G. Seh. Aefidrni-Slieriteu. Die Sonntag- und Moukag- Vorstellttngen sind ganz dem heiteren Genre gewidmet. Sonntag Nachmittag geht „"Unter falscher Flagge" bereits zum dritten Male in Scene, und Abends folgt „Hotel zum Freihafen", während am Montag die unverwüstlichen „Bocksprünge" bereits ihre 23. Aufführung erleben.
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