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Anzeigen-Prei-r
1897
Freitag, den 1 Januar.
Bczirks-Fcrusprecher No. 52.
Bezirks-Fernsprecher No. 52.
Handelsvertrag mit der Republik 16. Dezember ein Abkommen mit
die
Tylvcster-Nacht.
an
ungebärdig werden.
— Prrsonal-Uachrlchtrn. An Stelle de» verstorbenen Geheimen Bauraths Haupt ist der Geheime Baurath Schatt au er bicrielbst zum bauleitcnden Beamten für Preußen wegen Reguliruiig der Rheinstrecke Mainz—Bingen und zugleich zum Staatskommiffar
Der Zng des Codes im Jahre 1896.
Aus der groben Zahl hervorragender Persönlichkeiten, welche der Sichel des Todes im nun vergangenen Jahre anheimfielen,
Verlaine; am 1 LeuziNger;am
. (J, '4 Vertag: L-Nggatze 27.
Abonnenten
ES ist so still und friedlich hier. Wer klopft so ipät an meine Thür? In tiefer Nacht, wer kann e« sein. Der leise tritt zu mir herein?
Jetzt kenn' ich Dich, Du alter Freund, Der cS hat gut mit mir gemeint. Nun stehst Du vor mir ernst und still. Wie Einer, welcher scheiden will.
Zwölf Monden waren wir vereint, Du hast mit mir gelacht, geweint. Die Zeit flog wie aus Flügeln schnell. Wer tritt wohl nun an Deine stell' ?
Ein fremder Gast — soll ich ihm trau’r Ihm hoffnungsvoll ins Ange schaun? Gewiß l Ist er auch unbekannt. Er kommt, gesührt von Gottes Hand!
für die Abend-Ausgab
TQCtßCtt -Annaymr uä-hsterscheinenden Ausgabe w
der dritten Lesung leider zu Grabe getragen; der 8tad)9tafl hielt einen von der Regierung für unannehmbar erklärten Beschluß, nach welchem die Strafkammern mit fünf anstatt drei Richten, zu besetzen seien, aufrecht, worauf die Regierung da» ganze Gefetz znruck- zog. Die EtatSberathnng hatte am 30. November begonnen. Am 9. Dezember gelangte ein neuer Handelsvertrag mit der Republik Nicaragua zur Annahme; am 16. Dezember ein Abkommen nut Frankreich, betreffend die Handelsbeziehungen zu Tunis. Zwei Interpellationen führten den, sonst meist erschreckend leeren Hau,e eine beschlußfähige Anzahl von Abgeordnete» zu: am 16 November betreffs der Enihülluuflen der „Hamburger Nachrichten und am 17. November betreffs der Nlilitär-Strafprozeßordnuiig, welch letztere sich gegenwärtig im Bunderrathe befindet.
Der preußische Landtags, welcher seine erste Tagung am 15. Januar begann, erledigte ein weniger umfangreiches Arbttts- penfum. Die EtatSberathnng wurde am 14. Marz i» Ende geführt. Ferner gelangten zur Annahme die Gesetze, betreffend die Abänderung des Peusionsgesetzes von 1872; betreffend den Wiederaufbau des abgebrannten Fleckens Brotterode; betreffend Abänderung der Aerzretoxe; eine Novelle zur schleswig-holsteinischen Syuodal- ordnung; Gesetze, betreffend Errichtung einer Geueralkomiiiifsion für Ostpreußen, die Veroiehrung des Betriebskapitals der Central- Genoffenschaftskasse von 3 auf 20 Millionen Mark, Erweiterung des Staatseif-ubahnnktzes, Errichtung von Kornhausern »um Verkaufe landmirthschaftlicher Erzeugniffe auf genossenschaftlicher Gruudlage, gemeinschaftliche Holzungen, das Anerbenrecht bei Rcnten- und AnsiedelungS,filtern. Zu heftigen parlamentarischen Kämpfen gaben die Regierungsvorlagen, betreffend die Besoldung der Volks- ichullehrer und die Richter«,hälter, Aiilaß. Ersteres, ui welchem namentlich die Städte eine schwere sinauzielle Belastung zu Gunsten des Platten Landes erblickten, gelangte nach wesentlichen Abänderungen der RegierungSvorschläge am 22. April im Abgeordnetenhaus zur Annahme, wurde aber am 30. April vom Herrenhause rundweg abgclehnt. Das zweitgenaunte Gesetz scheiterte an dem sogenannten Assessoreuparaaraphen, welcher die Verwendung und Bc- sörderung der Ass-ssoreu in die Hände des JustizmiuisterS legte und vom Abgeordnetenhanse abgelehnt wurde, worauf die Regierung das ganze Gesetz zurückzog. Auch das Abgeordnetenhaus nahm am 16 Juni Stellung gegen die Bäckereiverordnung des BundeSratheS. Am 20. Juni erfolgte der Schluß der Tagung. — Bereits zum 20. November wurde der Landtag zu einer zweiten Lvgmig ein- berufen. Da« Lehrerbesoldungsgesetz wurde ihm in umgcarbeiteter Forin vorgelcgt; sein Schicksal ist heute noch nngewiß. Angenommen wurden am 20. November das Gesetz, betreffend die Uiuwaudlung der vierprozentigeu Koiisol» in 3'/- prozentige, sowie nm 5. Dezember da« Gesetz, betreffend die Verstaatlichung der hessischen Lndwigsbahn; ferner ein Vertrag mit Holland, vetreffmd die lluterhaltuiig des SeeseuerS auf Borkum, sowie der Beleuchtung, Betonnung und Be- baknng der UnteremS; ein Gesetzentwurf wegen Aenderung des Gesetzes vom 3. Juli 1876, betreffend die Besteuerung des Gewerbebetriebes im Umhcrziehen. (Fortsetzung folgt.)
Die einspaltige Petitzeile für letale A»zeige» 15 Pfg., für auswärtige Anzeige« 2t> Psg. — Steel ameu die Petitzeile für Wiesbaden 50 Pfg., für Auswärts 75 Pfg.
Gewerbemnfeums in Nürnberg Professor Stockbauer; am 22. März in Stuttgart der Schriftsteller und Sprachforscher Ludwig Laistner; am 27. März in Düsseldorf der Landschaftsmaler Ludwig M ii »t h e; am 28. März in Wien der Schriftsteller Joses Rank, ehemals Mitglied des Frankfurter Parlaments; am 6. April in Berlin der Komponist Ferdinand G umpert; am 13. April in München der Komponist Alexander Ritter und in Smhrna der Archäologe Hnmann, der Finder von Pergamon; am 14. April in Reichenhall der Baumeister Ludwigs II. Oberbaurath Ritter v. Brandl; am 16. April in Wien der Bildhauer Viktor Tilgner; am 22. April der Direktor der Kieler Sternwarte Professor Adalbert Krüger; am 28. April in Berlin der Historiker Prof. Heinrich v. Tretts chke; an demselben Tage in Meiningen der Schriftsteller Ewald v. Z e d t w i tz, der unter dem Namen E. v. Wald-Zedtwitz schrieb und unseren Leiern au» vielen Beiträgen für das „Wiesbadener Tagblatt" bekannt war; am 1. Mai in München der Geh. Justiz- rath Profeffor Dr. Gesscken (beim Brande seines Schlafzimmers erstickt); am 2. Mai in Köstritz der Dichter Julius Sturm; am 11. Mai in Godesberg das frühere Mitglied des Reichsgesundheits- amts Geheimrath Profeffor Dr. Finkelnburg; am 18. Mai in Freiburg im Breisgau der Professor des EivilrechtS Geh. Hofrath Dr. W. J.Behaghelt; am20.Mai iuFrankfurta.M.dieKlavier- virtuofin und Komponistin Frau Clara Schumann; am 21. Mai in München der Hofschauspieler Heinrich Richter; am 23. Mai in Wien der Komponist und Mufikschriftsteller vr.HanS Paumgartner; am 2 Juni in Godesberg a. Rh. der Asrikaforscher Gerhard Rohlf S; am 4. Juni in Pescara der italienische Schauspieler Ernesto Rossi; am 1. Juli die amerikanische Schriftstellerin Frau Harriet Beecher-Stowe; am 8. Juli in Neubabelsberg der Bildhauer Erdmann Encke; am 9. Juli in Frankfurt a. W. der Maler Professor Eugen Klimsch; am 11. Juli in Berlm der Archäologe Ernst Curtius; am 12. Juli iu Hamburg der Orgelvirtnose Karl Armbrust; am 13. Juli in Bonn der Chemiker Geh. Rath Professor Kekulö; am 16. Juli der französische Schriftsteller Edmund Go n eo u rt; am 13. August in London der Maler und Direktor der Akademie Sir John WillaiS; am 19. Anglist der Züricher Philofophte-
Das Jahr 1896.
Deutschland.
Der Reichstag begann am 7. Januar seine durch bk Weihuachtsserien unterbrochene Tagung wieder. Sie dehnte sich ungewöhnlich lauge, bi» in den Hochsommer hinein, au», brachte «der auch ein ungewöhnliches, denkwürdiges und für die ganze Nation hochbedeutsames gesetzgeberisches Ergebniß z i wege, das de« Schweißes der Edlen wohl werth war: da» bürgerliche Gesetzbuch. Da» große Werk, die Furcht einer mühevollen Arv, it zweier Jahrzehnte, gelaugte, nachdem es zu Anfang Februar oie erste Lesung zmrchgemacht, in einer eigens dazu eingesetzten Reichstagskommission zu einer gründlichen und fleißigen Durcharbeitung. Ernste Meinuiig«- verschiedeuheitcn brachten nur die die Eheschließung und die Fraiien- recht- betreffenden Abschnitte. In ersterer Hinsicht suchte das Centrum, in letzterer die vom Freiherrn von stumm geführte Reichspartei Aenderungen heibeizuführen. Die voui Centrum beantragte wahlfreie Civrlehe lehnte die Kommisston nm 25. April ab; ebenso drangen die Wünsche Stumm» betreffs'Erweiterung der Frauenrechte nicht durch. Am 19. Juni begann sie zweite Lesung bei Gesetzbuch», und am 1. Juli erfolgte mit 222 gegen 48 Stimmen e bei 18 Stimmenthaltungen die allseitig freudig degriiffte endgültige An- mchme desselben, das am 1. Januar 190A n Krafft reten soll. Auch der übrigen Früchte der Reichstagstagun^ waren nicht wenige. An Regierungsvorlagen gelangten zur Annahme: der Etat, dessen Berathuna am 24. März deendigt war; em 7. Mai da» Gesetz zur Bekämpfung des unlauteren Wettbewerbs", am 15. Mai ein neues Zuckersteuergesetz, welche» Besteuerung m t Koutingentirung mehr be i Wünschen der Jntereflenten entspre,i end regeln sollte; am IS. Mai ein Nachtragsetat mit Neubewilli» uigen für Südwestafrika, lowie eine Neufestsetzung der Abgaben ii Kaiser Wilhelm-Kanal; am 1. Juni der Handelsvertrag mit Japan- welcher am 27. Juli 1897 in Kraft treten soll, auf der Grundlage der Meistbegünstigung steht und u. B auch die deutsch« KonsnlurgerichtSt'arkeit beseitigt; am gleichen Tage das Depot- und Börfenge.etz, in welch letztere» anch da» am 1. Mai beschlossene Verbot de» TerNiinhandelS in Getreide LLühienfabrikatru Luftumomuien wurde, sowie eine Novelle zum Gesetz, betreffend die Erwerbs- und Wirthschasts- genaffenschasten, welches die Bildung solcher genauen gesetzlichen Be- üimmungeu unter wirst, und ein Gesetz, betreffend die Organisation der Schutztruppen in Ost- und Sudw fiofrifa; am 16. Juni ein Rachtragsetat, betreffend die Zusammenziehung der 1892 eingeführten Dkrien Bataillone zu neuen Regimenter.; am 22. Juli eine Novelle
Gewerbeordnung, in welche u. A. t'HS Verbot des Detailreisens, SÄischrankuugeu der Haufierwefen«, neue Konzesfloiisverpflichtungeii it. ausgenommeu wurden. An aus dem Hause hervorgegangeiien Beschlüsse» sind zu erwähnen: die am 17. Januar mit 219 gegen 97 Stimmen erfolgte Ablehnung des Antrags Kamtz; em am 24. Marz angenommenes Gesetz, nach welchem im Etatrjahe 1896/97 die Hülste der Ueberschüffe der indir-rkteu Steuern zur Schuldentilgung zu verwenden ist; eine am 21. April einstimmig gefaßte Resolution gegen da» Duell; ein am 22. April angenommener Beschluß gegen die Bundesrathrverordnuug, betreffend die Arbeitszeit in Bäckereien und Konditoreien; eine a ti 13. Juni gefaßte Resolution, welche die Aufhebung des DiktaturpanZgraphen und die Einführung des ReichSpreßgefeyeS in Elfaß-Lothringen fordert. Bo» den vor- jähriaen ReichsiagSarbeiteii war vom Bnndesrathe der Beschluß betreffs Herbeiführung eiuer Wärriugskoilserenz, sowie da» Mirgariuegefetz abgelehnt worden. "Tim die wahrend der Tagung gl Abschluß gediehenen Arbeiten der Juftizkommissioii lucht billig zu machen, wurde der Reichstag am 2. Juni nicht geschlossen, dem nur vertagt. — Am 10. Nov-niber trat er wieder zusammen und nahm alsbald die Jilstiznovelle, welche u. A. die Entschädigung unschuldig Verurtheilter, die Wiedereinführung der Berufung in Strafsachen, sowie wichtige Aenderungeil der Genchtsversaffuiia enthält, in Angriff. Sie wurde indeß am 16. Dezember beim Beginn
Aus Stadt un- Knud.
Wiesbaden, 1. Januar.
15. Jahrgang.
Erscheint ht zwei Ausgaben. -BezugS-PreiS: 60 Pfennig monatlich für beide Au-L gaben •ufammen. — Der Bezug kann jederzeit gönnen werde«.
Professor Richard Avenariu»; am 24. August der Münchener Anatom Profeffor Dr. Rüdinger; am 25. August in Bozen der Schriftsteller Heinrich Nos; am 6. September der Verleger der „Köln. Ztg." August Neven-Dumout; am 7. September der englische Kunstschriftsteller und Diplomat Sir Joses C r o w e; am 8. September in Prag die Schauspielerin Anna Verfing» Hauptmann; am 9. September der Schriftsteller Alexander Baron v. Robert»; am 10. September der Direktor veS Vesiiv-Observatoriums Senator Palmieri; am 15. September in Graz die frühere Opernsängerin Frau Karoline Fischer« Achten; am 21. September in Berlin die Schauspielerin Katharina Klafsky; am 3. October der englische Dichter William Morris; am 8. October der englische Schriftsteller und Maler DuMauri er; am 11. October in Wien der Komponist Dr. Anton Bruckner; am 12. Octoder in Melbourne der Botaniker Ferdinand v.M ul le r; am 16. October in Berlin der Geheime LegationSrath Dr. Constantin Rößler, der frühere Leiter des Preßbüreaus im Auswärtigen Amte; am 20. Oktober der Direktor des Pariser Observatorium» v. T i s f e r a n b; am 7. November der schweizerische Kulturhistoriker Prof.J.J.H onegger; am9. November der frühere Generalarzl des 5. Armeecorps Dr. Schrader; am 16. November der rufsifche Historiker, Staatsrath und Profeffor Alexander Bruckner; am 26. November in Berlin die Jugendfchristftellenn Clementine Helm; am 29. November der Wiener Kunsthistoriker Dr. Albert J l g; am 8. Dezember der frühere Direktor des statistischen Bureau» in Berlin Geh. Oberregierniigsrath Engel; am 9. Dezember M San Nemo der schwedische Techniker und Erfinder de» Dynamit» Alfred 9tcbel; am 15. Dezember der italienische Tragöde Alexander S a l v i n i; am 17. Dezember in Baden-Baden der Musikschrtststelle- Richard Pohl, in Marburg der Historiker Professor NaudL und in München der frühere Professor der Anatomie m Erlangen Dr. v. Gerlach; am 18. Dezember in Leipzig der Reichsgerichts» rath Pape und in Paris der Schriftsteller Paul Aröne; am 23. Dezember in Kiel der Profeffor der Mathematik und Mronomie Geh. Rath Dr. Georg Weher; am 26. Dezember in Berlin der Physiologe Profeffor Dr. Du Bois-Reymond und am gleichest Tage in Zürich der Holzarchitekt Profeffor Emst Gladbach.
(S-Wp kofüt,)
Ss&fttaa» für die Morgen-Nusgabe bis 3 Uhr Nachmittag». - Für die Aufnahme später eingereichter Anzeigen zur ^Abtvähr übernommen, jedoch nach Möglichkeit Sorge getragen.
ernannt worden.
— Uom Januar. „Prosit Neujahrl" Allerwegen klingt un» dieser fröhliche Sylvestergruß entgegen, und die Post kau» in diesen Tagen die Menge der bekannten kleinen, Glückwunschkarte» von Sreunden und Bekannten enthaltenden Couvert» kaum bewältigen, uch mancher lose Bogel befindet sich unter denselben, de. dem Empfänger, je nachdem diesem der Abseiider freundlich ober unfreundlich gesinnt ist, ein schalkhafte» Liedlein oder ein ärgerliche» Spottgedicht vorsingt. In der verfloffeuen Nacht knallten in den Dörfern die Pistolen der ihren Schönen das neue Jahr anschießendeft Burschen auf allen Straßen in Stadt und Land knatterten btt „Frösche", und überall wurde eine Menge Pulver dem alten Jahre zum Abschied und dem neuen Jahre »nm Willkouim verpufft. Junge Schöne, aus mandjerlci Gründen neugierig, einen Blick-IU die Zukunft zu werfen, gossen Blei und deuteten au» den entstehenden grotesken Figürchen das sie erwartende Schicksal. Und gewiß hat manches alte Mütterchen des Abends vorm Schlafengehen, nachdem es das Licht ausgeblasen, mit zitternder Hand das Gesangbuch aus- geschlagen und ein Lesezeichen an die betreffende Stelle gelegt; feite lieft es null andächtig die so gesundeneu Lieder, aus ihrem Inhalt die Gestaltung des bevorstehenden Jahres errathend. Die Nacht, in welcher sich das alte Jahr verabschiedet und das neue au seine Stelle tritt, wird nun einmal von jeher als besonders geeignet erachtet, eine», Blick in die Zukunft zu lhnn — freilich, heute bildet fast durchgängig die Erforschung der Zukunft lediglich eine Spielerei, eenen hübschen unterhaltenden Sylvester-Zeitvertreib. Der erste Monat dc» neuen Jahres, der Januar, führt sich mit vielem Spektakel und, je nachdem, mit Lust und Freude ober mit Wehmut!) imb Thränen ein, und wie da» Volk vom Sonntag sagt, daß er da» Witter der Woche mache, so sagt es auch vom Januar, daß man an dessen Wesen ersehen könne, wie da» angefangene Jahr sich gestalte. Zeichnet er sich durch unbeständiges Wetter au», so soll auch die Witterung de» ganzen Jahres unbeständig seiu, so zwar, daß man während des sommers mitunter die Unterkleider anzreuen könne, bald darauf es aber auch vor Hitze nicht aurzuhalten vermöge. Unbeständig und warm soll das Januarwetter nicht fein. „Unbeständiger Januar verdirbt oft das ganze Jahr", und „Januar warm, daß Goll erbarm", heißt eS. Der Januar, als Hauptwinteruionat, soll auch von seinem Rechte Gebrauch machen. „Im Januar muffen die Bäume vor Kälte knacken, wenn man in der Ernte gut will sacken." — „Ist der Jailuar kalt und weiß, ist der Sommer sicher heiß", aber: „2Bemi 8 Gras wächst im Januar, bann wächst e» schlecht das ganze Jahr . — „Tanzen im Januar die Mucken, muß der Bauer nach dem Futter gucken" (d.h.: er muß besorgt jein, haft dasselbe ihm im Februar ober gar im März wieder erfriert). Sehr unbeliebt ist ferner auch der Januar-Regen. Er heißt: „Januar-Regen dringt den Früchten kemeu Segen", —' „Ist der Januar warm und naß, bleiben leer Scheune und Faß', — „Im Januar viel Regen und wenig Schnee, khut den Saaten, Wiesen und Bäumen weh", — „Wenn der Januar R'egen bringt, werden die Gottesäcker gedüngt" rc. Tiefer und hoher Schnee ist dagegen sehr willkommen, da unter ihm die Pflänzchen auch bei der grimmigsten Kälte hinreichend vor dem Erfrieren geschützt sind. Von besonderen Werktagen des Januars ist zunächst der Tag St. Pauli zu neunen. Dieser Tag soll klar und hell icm, denn: „St. Pauli klar, bringt gute» Jahr", und „St. Pauli Sonnenschein, bringt viel Korn, Obst und Wein". Dann kommt St. Vincent. „Wie da» Wetter am St. Vincent war, so wird e» meist das ganze Jahr —", „Vincenten-Soiiiienfchein füllt die Fässer mit Wein". St. Marcellus zeigt das Wetter de» kommenden September
und „Der heilige Fabian läßt (freilich etwa» frühzeitig) den Saft in die Bäume gähn". Morgeurolh am Neujahrstag soll, so berichtet eine iönumireael, viel Jahresiwth anzeigen. Man weiß jetzt so ungefähr, tote bet Januar fein soll und wie er nicht fein soll; wie er wird, das bleibt abzuwarten. Nach Profeffor Falb verläuft der Januar ziemlich trocken und bedeutend kälter als der Januar vorigen Jahres. Gegen Ende de» Monats fei Thanwetter wahrscheinlich und in der Mitte de» Monats würden theilweife heftige Schneefälle auftreten. Die Kritische» de» Januar stellen sich am 3. und 18. des Monats als solche zweiter Ordnung ein. Ihnen nach scheint also der Januar nicht sehr schlimm zu werden, denn wenn die „Kritischen" zweiter Ordnung sind, so wird die Wittenina des Januar doch hoffentlich nicht „elfter Ordnung", d. h. äußerst
heben wir folgende hervor: .
Fürstliche Persönlichkeiten. Am 4. Januar Prinz Alexander von Preußen; am 20. Januar während des Ajchaiiti-Zuges Prinz Heinrich von Battenberg, der Gemahl der jüngsten Tochter der Königin Victoria; am 2. Februar die Großherzogin Elisabeth von Oldenburg; am 16. Februar die türstin Hermann von Waldeck-Pyrmont, geb. Gräfin Agnes eleki; am 27. Februar in Bozen der österreichische EHherzog Albrecht Salvator; am 1. Mai ist der Schah von Persien, Nassr-ed-din Schah en Schah, ermordet worden; am 19. Mai starb der Bruder des Kaiser» dc» Oesterreich Erzherzog Karl Ludwig; am26.J>ini Prinz Ludwig von Orleans, Herzog von Nemours; am 25. August der Sultan Mu ha mm cd bin Szumi von Sansibar; am 21. September die Prinzessin Olga von Montenegro; am6.Novernderder Herzog Wilhelm von Württemberg, österreichischer Feldzeugmeister; am27.November in Nizza Fürst Karl Egon von Fürsteiiberg und am 28. November die Fürstin Elisabeth zu Lippe-Detmold.
Kunst und Wissenschaft, Litteratur. Am 7. Januar in Leipzig der Buchhändler Philipp See,am, bet Herausgeber der Umversalbibliothek; am 8. Januar der französische Dichter Paul Januar der schweizerische Kartograph Rudolf «... — Januar der englische Maler Lord Leighton, Präsident der Londoner Akademie; am 27. Januar in Hamburg der frühere Direktor des Thaliatheaters Chen Maurice; am 10. Februar in Heidelberg der Historiker Prof. Dr. Winkelmann; am 12. Februar der französische Komponist Amdroise Thoma«; am 13. Februar in Bremen der Komponist und Musikdirektor Rhein thaler und in Wien der Hofschauspieler Ludwig Gabillon; am 16. Februar de-, Wiener Theaterschrlststeller Aloir Lerla; am 26. Februar der französische Schriftsteller Arföne Sonfsaye; am 18. März in Darmstadt der Dichter Otto »qnette; am 19. März der Linktor de» bayrischen
Morgen ■Ausgabe.
Mrge«des Ueafahrsf-st-s erscheint die nächste Airs gadr de» „Wiesbadener Tagdtatt" am Kamstag Nachmittag.
