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Wiesbadener Sagblatt

Anzeigen-Preiör

Verlag: Langgasse 27.

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Für die Aufnahme später eingereichter Anzeigenzur

1896

Donnerstag, den 17. Dezember

Bezirks-Fernsprecher No. 52.

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Bezirks-Fernsprecher No. 52.

Morgen»Russabe

Vermischtes

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:J*- 4 « ä für die Abend »Ausgabe bis 11 Uhr Vormittags, für die Morgen»Nusgabr bis 3 Uhr Nachmittags.

Anzeigen -Annahme nächsterscheinenden Ausgabe wird keine Gewähr übernommen, jedoch nach Möglichkeit Sorge getragen.

sich das Eiserne Kreuz erworben. Weiler verlas Kreß ein Schreiben des Gardc-Füsilier-RegimentS, daß der Tapezirer Hermann Schmidt nur in der Zeit vom 25. September bis 18. November 1866 bei der 10. Compagnie des Regiments gedient und dann zur Disposition der Ersatzbehördcn als unbrauchbar entlassen worden sei. Ferner bescheinigte weiter das Regiment, dab in den Kriegsstammrollen des Regiments vom Jahre 1870/71 Schmidt nicht mehr verzeichnet steht und de» Feldzug 1870/71 gar nicht mitgemacht hat. Auf diese Euthüllungeu hin verließ Schmidt die Versammlung, weil er

tuti... .....---------------- --------

Versendung unterEinschreiben" kostet mich nur 10 Pfennig mehr

wie gewöhnlich. Ich erreiche dadurch aber, daß meint Sachen erstens eine weit schnellere und zweitens eine bessere Beförderung und Behandlung erhalten. Die Werth-, also auch die Einschreib- packetc kommen vor den anderen zur Beförderung und werden von Hand zu Hand gegen Quittung übergeben. Dadurch, da« ledcr Beamte und jede Anstalt für die ihnen anvertranten Werth- sendungen in erster Linie haftet, wird diesen Gegenständen größere Beachtung zugewendet als den gewöhnlichen Sendungen. Sie er­leiden keine Verzögerung lind gelangen immer, auch bei noch so großem Verkehr, mit den planmäßigen Ingen ziir Weiterbesordernng. Ganz anders ist es mit ben gewöhnlichen Packcten. Hier ist der Zugang in - den letzten Tagen vor Weihnachten immer ein weit größerer als der Abgang. Zu Hunderten, !-> Tausenden werden sie zugeführt und dann in die ivcitcrgehenden Wagen eingeladcn und zwar so lange, als Platz vorhanden ist. Da ift es mitunter bei dem besten Willen und aller Aufilierkiauik-it Seitens der Beamten nicht zu vermeiden, daß Packet« Tage lang liegen bleiben. Auch kann ihiien keine sehr ausmerksame Behandlung zu Theü werden. Da werden schwere Kisten auf schwächer verpackte Sendungen gelegt -c. und die Folge ist, daß manches Packet beschädigt wird. Ferner hat die Versendung unter .Einschreiben" gegen dieiemge unter .Werth noch den Vorzug, daß keine Versitgelnua nothweudig ist.

Vereins - Nachrichten.

kurze sachliche Berichte werden bereitwmigft nutet dieser lleberlchrist ausgenommen.

* DerWiesbadeuer Lehrervereiii" hält feint letzte diesjährige Monatsversammllnig am Samstag, den 19 Dezember, Abends 8 Uhr, imDeutschen Ho!" ab. Ein Vortrag steht diesmal nicht auf der TageSordunug; dieselbe wird vielmehr mit VereinS- angelcgeuheiten Jahresbericht, Rechiiungrablagt, RechnnngS- überschlag, VorstaudSwahl und dergl. ausgefüllt.

Stimmen ans dem Publikum»

(Siir BeröffcrttliÄunaeu unter dieser Überschrift übernimmt die Redamon tcinmti ßeranttoortuua.)

* Trotz vielseitigen Verlangens der Bewohner der Bertram» und oberen Ltelliuniidstraße und trotz der Anerkennnng des Bedürf­nisses Seitens der Kaiserlichen Postdirektion ist die Anbringung eines Briefkastens doitselbst bis jetzt nicht erfolgt. Es wirv deshalb ans das Eingesandt von Anfang November höflichst Bezug genommen und die Kaiserliche Postdirektioii wiederholt dringend ge­beten, doch für möglichst umgehende Anbringung eines Brief» kastciiS an der Ecke der Bertram- und Helliiiundstraße Sorge zu tragen.

Mehrere Bewohner der obengenannten beiden Straßen.

-r- Uir-ernhanfen, 15. Dezember. Heute Morgen starb dahier nach langein Leiden unser zweiter Lehrer, Herr Schwarz, im jugendlichen Alter von 25 Jahren. Der Verstorbene hinterlaßt eilte trauernde Wittwe und ein Kind. Die Beerdigung des so früh Heimgegangenen findet nächsten Freitag um 2 Uhr Mittags statt.

lieber die Giftigkeit de» Acetylen, durch das erst dieser Tage in Berlin das große Exploflonsnnglück «folgte, hat der italienische Physiologe Ugeline Mosso mit Ottolenghi in Genua zahlreiche und sorgfältige Experimente an Thieren angestellt: die Ergebnisse sind in einem Berichte an die Accademia dei Lincei M Rom enthalten. Bei der indnstriellen Bedeutung, die da« genannte Ga« zn gewinnen im Begriffe steht, ist allerdings viel daran gelegen, daß die beiden gefährsichen Eigenschaften dieses Körpers, seine Explosionsgefahr und seine Giftigkeit, genau untersucht und tuet» haltlos aufgedeckt werden. Die Gistwirknng de« Acechlen« ist nach den Versuchen MossoS außerordentlid) groß. Die Mahnung zur äußersten Vorsicht ist daher bei dem industriellen Gebrauche von Acetylen umso mehr angebracht, weil das GaS leicht zu erzeugen ist und weil seine Vorzüge schon an sich genügend ins Auge spnngen.

Dir Gefahr der Anmrndung des SchöUkrante». Vor Kurzem wurde eine Mittheilung au» einer Petersburger ärzt­lichen Zeitschrift erwähnt, worin von einer Wiederholung des schon früher gemachten Versuchs, bösartige Krebsleiden durch Emspritzen des Saftes ober Auszuges unseres gemeinen Schöllkrautes (Chelidonium majus) zu heilen, berichtet wurde. Zugleich aber wurde hervorgehoben, daß der Saft des Schöllkrautes zwei sehr giftige Alkaloide enthält, sodaß die Anwendung vieles Mittels ihre besonderen Gefahren hat. Wie sehr diese Mahnung berechtigt war, ist jetzt durch einen mitgetheilten traurigen Fall bestätigt worden, indem ein solcher Versuch in einer deutschen Stadt de» Tod einet Kranken herbeigeführt bat.

Kleine Uokiren. Unter dem Viehbestände des Milchkur» anstalt-Besitzers Koster aus der Dietenmühle ist der Ausbruch der M a li l - n u d K l a li e u s e i, ch e festgestellt worden.

Aus Stadt und Land.

Wiesbaden. 17. Dezember.

Zur Erinnerung. Vor 1350Jahren, am 17. Dezember 546, eroberte der Oflgothen-Köuig Totila Rom und gab die ewige Stadt seinen Soldaten zur Plünderung preis. ES war die« nicht die erste Heiinsuchung, welche die Hauptstadt des ehemaligen römischen Weltreiche« durch die tapferen Schaaren deutscher Vdlkerstamme zu erdulden batte. Waren es doch hauptsächlich Germanen, welche da« morsche römifdie Reich in Trümmer schlugen und aus seinen Ve- standlheilen neue Reiche schufen.

Elektrische KahnSahnhöf« Walkmühle". Mehr­fachen Wünschen entsprechend, hat die Direktion der Straßenbahn, wie schon kurz gemeldet, die Aushebung der Haltestelle vor der Theresienapotheke in der Eniserstraße und dagegen die Errichtung ie eine solcher au der Walram- sowie au der Hellmnndstraße veranlaßt. Diese Neuerung wird heute in Kraft treten.

Zum Kelten des PamenheimsAngnst.i Victoria Kifto" findet am zweiten Weihnachlsfeiertag, Abends 7 llhr, mi Hotel Kaiierhoi" eine größere fünftlerifdie Veranstaltung statt, bei der, neben Damen und Herren der hiesigen Gesellschaft, hervor­ragende künstlerische Kniffe betheiligt sind. Die Vorstellung soll sich, wie wir hören, aus einem sceuischen Prolog und lebenden Bildern mit Gesang und Deklamation zusammensetzen. Da» reizend anSgestaltete Programm hat in liebenswürdiger Werse der durch seine Ausstellung im hiesigen Museum so überaus vortheilhast bekannte geniale Maler H. Thoma aus Franksurt entworfen. Den vielversprechenden Abend sollen em zwang­lose» Souper und Tanz beschließen. Billet« sind in der Bnch- handlung voii Feller und Gecks, sowie intKaiserhof" zu haben. Ebendort liegen Listen für Vormerkungen zum Souper au«.

erkrankt sei.

* Ein mulhige« Mädchen. Aus Vöcklabruck wird be­richtet: In beut Orte Straß befindet sich an der Salzburger Straße, wo die Straße nach Kammer am Attersee abzweigt, das sogenannte Matttbhäuschett, ein einzelnstehendes Gebäude, in dem ein Wirthsgeschäst von zwei Frauen, Franziska Schiemer und ihrer Tochter Anna, betrieben wird. Dieser, Tage, als Beide sich zum Schlafengehen anschickten, sah die Tochter Anna, als sie zufällig unter das Bett blickte, dort einen Mau» liegen, der ein offenes Messer in der Hand hielt. Schnell entschlossen ergriff Anna einen Degen, der nach dem Tode ihres Vaters zurückgeblieben war, lind stieß mit der Waffe auf bett Strolch ein. Hierauf eilte sie in das Freie, um Hülfe herbeizurufen. ES gelang ihr, von Thalheim beit (Semeiubcbietier und einige ent­schlossene Männer zu holen. Der Eindringling war aber inzwischen entflohen. Er war offenbar verwundet und die Männer verfolgte» mit der Laterne die Blutspuren, die aber beim sogenannten Post» berge plötzlich aufhörten. Wahrscheinlich hatte der Strolch die Straße verlaffen, um über die Felder zu flüchten. Die Gendarmerie verfolgte die Spur de» Flüchtling«, und _e8 gelang ihr, den Gauner einzuholen und dem Bezirksgerichte zu übergeben.

* Eine Bärenjagd in den Ztratzrn Neapels. Auf dem Korso Garibaldi in Neapel befindet sich ein Laden, in dem ein Thierbäudiger gegen ein geringes Eintrittsgeld abgerichtete Bären vorführt. An einem der letzten Abende ging der Bändiger au« und vergaß den Laben zu schließen. Einer von den Bären verließ nun bas Lokal und wanberte lustig unb guter Dinge über die Straße zu dem Staube eines Obsthändlers, der mit jähem Schrecke» entfloh, als er den seltenen Käufer erblickte. Meister Petz steckte in­zwischen seine Schnauze in alle Kisten unb Körbe unb hielt eine sachverstänbige Auswahl unter ben aufgeschichteten AepselN unb Orangen. Dann ging aber die Hetz' los. Einige muthige junge Leute hatten sich die Ausgabe gesetzt, den Bären zu fangen unb zu fesseln. Dieser nahm aber, als er bie Gefahr erkannte, schnurstracks Reißaus unb lief durch bie Straßen bes neuen Vasto» Viertels, wo jein Erscheinen Sensation und Furcht erregte. Nach

Die einspaltige Petitzeile für locale Anzeigen 15 Pfg., für auswärtige Anzeigen 25 Pfg. Reclamen bie Petitzeile für Wiesbaden 50 Pfg., für Auswärts 75 Pfg.

Der Kochdrunnen-Ansschank nebst der Berechtigung des Gläser-Ausschanks ist vom l.Inmiar 1897 ab für eine JahreS- pachtsnmme von 3600 Mk. au Fräulein Ritter, Tochter des Herrn Hotelbesitzers Jean Ritter hier, nett verpachtet worden.

- Weihnachts-Stolle». Mau nimmt 15 Liter (12 ko) Weizenmehl. Da« Mehl wird in einen Backtrog gethan unb ein Damm von biefem Mehl gedruckt. 350 g Stückhefe werden ge­nommen und ein trockenes Hefestück mit l'/i biS2Liter Inner Mild) angesetzt. Dieses läßt man gehörig reif werden-, ist e« im Fallen begriffen, so werden 1 Speiselöffel voll Salz, 1/« ko Butter, ebenso viel klarer Zucker, 250 g süße, 125 g bittere Mandeln, die man vorher abzog unb wiegte, auch 6 Eier, das Abgeriebene von zwei Gitronen, etwas Mnskatblüthe und '/«Mer Jamaika-Rum in das Hefe- r.o.... ,.... ....

stück gethan und fein ^ergriffen, da« Mehl und die nöthige Menge Mild) I ba8 Eiserne Krenz nicht besitzt, wohl aber habe der inzwischen verstorbene nnter die Masse gemischt,zuletzt250 g Citronat hinzngethan. Das Ganze I Fabrikaufseher Hermann Schmidt vom Garde-Füfilier-Regiment giebt einen Mandelstollenteig und e« kann dieser Teig oder ein Theil ' -- ---- - ' m " -------- --

desselben zu Mandelstolleu verwandt werden. Dem Teig, ben man nicht zu Mandelstolleu verwendet, setzt man vielleicht 750 g große unb ebenso viel kleine Rosinen hinzu. Werden die Rosinen sogleich unter den Teig gemischt, so färben sie den Teig grau. Der Teig muß. nachdem er fertig ist, '/, Stunde ober etwas länger gehen, dann wirb das Gebäck jederzeit fehlerlos werden. Obige Masse giebt 8 bis 9 Stollen. Dieses ist ein gutes, mittelseines Gebäck. Feinere Gebäcke, in welche viel mehr Zucker, Butter, Rosinen und andere Gewürze gethan werden, bedürfen bann cnlfpredjenb auch viel mehr Hefe unb eines größeren Hefestückes. Zn bemerken ist iiod) weiter, daß Stolleuteige im Allgemeinen fest gemacht werden müssen, weil sonst die Butler unb der Zucker bie Teigmaffe int Backofen flüssig machen unb bann das Gebäck fletzschig und breit werden würde. Die Eier dürfen bet gutem Gebäck niemals fehlen, indem sie ein Bindemittel mehr sind. Bei gewöhnlichen Teigmasfeii sind die Eier nicht von Nutzen, da sie das Gebäck zähe und trocken machen.

MaKronen-Knthen. Au« V« kg feinem Mehl, 2o0 g Butter, 200 g Zucker, zwei ganzen Eiern und vi-r Eidottern, einem Eßlöffel voll gestoßenem Zimmet und drei Eßlöffeln Rahm bereitet man einen mürben Teig, knetet denselben gut durcheinander und stellt ihn eine Stunde lang falt. Während dieser Zeit stellt man die Makroneninasse her, iiideni man V« kg geschälte und geriebene Mandell,, sowie/» kg gestoßenen Zucker unter stetem Uinrühren über mäßigem Feuer gut erwärmt, hieraus vom Feuer nimmt, mit dem Saft unb ber seingehackten Schale einer Citrone nebst 8 g gestoßenem Ziiumet verrührt unb mit bem steifen Schnee von 7 bis 8 Eiweißen untermischt. Ans dem Mürdteig rollt man nun einen dünnen, runden Kuchen auf, bestreicht ihn mit ber Makronenmasse, legt ein Gitter von Teigstreifen über dieselbe und einen Teigrand ringsherum, überpinselt den Kuchen mit geichlageuein Ei und bäckt ihn eine Stunde bei ganz gelinder Hitze.

Das Kammergerichl erhärte eine Verordnung des Regierungspräsidenten von Posen vom 17. April 1891 für rechts­gültig, nach weicher es ohne polizeiliche Erlaiibuiß nicht gestattet ist, Fahnen oder Flaggen in anderen als preußische», deutschen, Reichs- ober atiberett Landesfarben ausziihängen.

Muss Mielste gebracht oder geholt werden? lieber diese Frage hat das Amtsgericht in Marienwerder entschieden, welches einen Hausbesitzer mit der Klage auf Exmission abwies, weil der beklagte Miether dem Kläger die Miethe zum Abholeu aus seiner Wohnung augeboten unb zwar mit ber Begründung, daß ber Kläger verpflichtet ist, ftdj bie Miethe abzuholen, wenn der Miether sie nicht freiwillig überbringe. Dieser Auffassung hat sich bie Civil- kammer des Landgerichts in ihrer Entscheidung angeschiosse».

* Gin falscher Ritter des Eisernen Kreuzes wurde uad) dem BerlinerLokalanz." am Montag in der Generm« Versammlung ber Berliner Tapezirer-Innung entlarvt. Tapezirerineister Herrn. Schmidt, der bei allen Gelegenheiten auf feine Kriegsthaten von 1870/71 pochte unb sich mit dein Eisernen Kreuz schmückte, ist ein Hauptgegner des Obermeisters ber Innung, Kreß. Kreß verlas nun am Montag ein Schreiben de» Präses ber Geueral-Ordenskommission, daß der am 23. Januar 1846 zu Berlin geborene Tapezirer Hermann Schmidt vom Garde-Füfilier-Regiment

44. Jahrgang.

1 Erscheint in zwei Ausgaben.- Bezugö-PreiS: SO Pfennig monatlich für beide Ausgaben zusammen. Der Bezug kann jederzeit be­gonnen werden.

(Nachdruck verboten.)

Etwas «der das Ginparken.

Von M. Rasch.

In der Erinnerung Vieler lebt wohl noch da« sogenanntePost- t", ein launiges Reimwerk, welche« vor ungefähr 12 wahren, ,.. ich nicht irre, zuerst in berMagded. Zig." erschien, und sehr ällig aufgeuomnten, eine Rundreise bnrch die meisten TageS- _...r machte. Der Verfasser desselben wandte sich an bie Frauen mit der Ermahnung unb Bitte zugleich, bie Weihuachtssendungen «eckmäßig zu verpacken, unb rechtzeitig zur Beförderung ansziigebeii, «d id) glaube und hoffe, baß seine Rathschläge guten Erfolg «habt, denn im Allgemeinen hört man unter den Postbeamten letzt »eiliger Klagen über schlecht verwahrte und unbestellbare WechnachtS- mnr befestigt an den Ecken mit den bekannten kleinen Flecken Ult Siegelack, bie schon zerkracht, bevor das Stück zur Post gebracht.

Ich nehme daher and) gern an, daß meine lieben Leserinnen, wenn sie etwa« verschicken, weder haltlose Karton«, noch alte, zer- Mlitzte Papiere benutzen werden, um schöne und ost mühsam t irbeitele WeihnachtS-Ueberraschuiigeii darin zn betten, sondern sich iS an das vorschriftsmäßige Kistchen halten,

deß' Deckel man verschieben kann"!

Nicht über die äußere Beschaffenheit der Verpackung will id) darum heute reden, sondern übet die Art, ben Inhalt, bie einzelnen Geschenke zu verwickeln, ineinnnber zu passen und ihnen ein ent­sprechendes Ansehen zu geben.Gut gedeckt ift halb gespeist", an tiefe« alte Wort mußte ich denken, als id) einmal Gelegenheit halte, «et Weihnachtsfeuduugen zu vergleichen vielleicht veranschaulicht He genaue Beschreibung derselben am Besten, iva« id) sagen mochte. Leibe Kistchen waren von tüchtigen Frauen, Schwestern, gepackt unb gefüllt, bie eine Spenderin lebt im behaglichen Wohlstand eines Hommerschen Rittergutes und giebt gern unb mit herzlicher Ge­sinnung, doch ist ihr Sinn nur allein darauf gerichtet,ne olle, Wichtige Kiste zu schicken", und auf 50 Mk. mehrkömmt bat nid) «i, wenn sie sich man freuen!" Die andere hat, wenn and) keinen Mangel keimen gelernt, doch die Lehre vom Eintheileii ihr Lebelang beherzige» müssen. . -.

In der großen Kiste also lag neben ber unvermeidlichen Gan« eine Fülle von guten Kleiderstoffen, hübschen Scherzen, auch Büchern tut die Knaben 2C., and) mancher ziemlich überflüssige Gegenstand wie ihn ein glücklicher Galauteriewaareuhändler in Stettin der ein-' leiifenbeu Fran Ritlergutrbesitzerin aufgeschmatzt haben mochte kürz, bie Sendung erinnerte nicht an die Noth der Landwirthschaft! Jedes Stück war in Zeitungspapier gewickelt und eine beigefügle Ke bekundete, für wen von den Nichten unb Neffen das Einzelne imnit das Marzipan für Alle hieß e« zum Schluß. Das ^Marzipan war Tautens Stolz, sie bildete sich auf ihre Kunst der Bereitung etwa» ein und hatte eine stattliche Anzahl von Sd)NiIteii unb Törtchen in eine ehemalige Korsettschachtel gelegt!

Weit, weit bescheidenere Dinge enthielt da» andere Kistchen, unb bock) stieg es daran» wie ber Dust an« einer anderen, foiinigeren Welt. Der erste Blick, nachdem der Deckel abgttiommen, fiel auf ernt dünne Schicht weißer, flimmernder Watte, die, ans Papier ge­heftet, genau das Viereck aussüllte, ein Taunenkranz umschloß das Ganze und in der Mitte prangte ein hübscher, papierner Engel: Fröhliche Weihnachten! stand auf bem Zettel, den et hielt. Nun firnen die Päckchen, jede» in weißes Papier, mit rothem Faden fest Wb sauber umwunden unb an jedem ein kleiner Tauneuzweig, Elunebeii staub ber Nome de« Empfängers bezeichnet unb immer eine Bemerkung dazu, wie:Meiner lieben Else mit . ber Bitte, gelegentlich ein Blättchen davon nach N. flattern zu lassen" es Ware» Briefbogen mit aufgemalten vier- blättrigen Kleeblättern. Dann:Meinem wackeren Ernst, als Talisman bei künftigen Examen zn tragen", eine Shlipsnadel in «Form eines Glückskäfer».Meiner Grethel" ein gläserner Hand- " Seichter, als Lichtmanschette um die rosa Kerze dient ein zierliches Moorkränzchen. Dann für das kleinste Schwesterchen ein große« Briefcouvert mit 5 Haselnüssen als Siegel daraus, e« enthielt ein Schürzchen, in dessen Taschen sich kleine Püppchen und Bretzeln fanden, und dabei hieß es:

Die Bretzeln hat Tante im Weihnachtsland Vom Baume gepflückt mit eigner Hand, Erdmännlein stand mit ber Laterne daneben Hat für« Lieschen ihr freundlich bie Püppchen gegeben. M Unb der Vater bekam einen mächtigen Spickaal mit Vater- wörbern und blauer Kravatte, ein Gruß vom Göhrener Strande ^-Heckte, zur Papiercigarre gerollt, ihm im Rachen. Sogar an da« L feiblidje Dienstmädchen war gedacht, waren Winterhaiidschnhe und WMonigkiid)eii, dazu eine hübsche Weihnachtskarte strahlend empfing ? fie Rothwangige diese Aufmerksamkeit. Und endlich für Muller auf bem Boden des Kistchens: eine kleine Mappe, darin die Jugend- D triefe ihre» längst verstorbenen Bruder«, sowie fein Bild, mit ge­trocknetem Erika niukränzt.

Poesie unb Prosa, wie meine Schwestern selbst find, sagte SL Äülterdjeii mit feuchten gingen unb jubelte heimlich, weil ihre Äfiiber sich aiisuahinslos über den Inhalt der kleinen Kiste am M, Meisten erfreut zeigten. Jede« empfand de» tiefen Sinn, bet mit P- Wenigem so viel zu geben verstand, und dankbarste« Gedenken flog durch die Stille ber heiligen Nacht zu ber einsamen Tante im Wittwenstübchen, die so liebe Kistchen zu packen verstandl

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lieber bi« Versendung von Weihnachtrpacketen schreibt E «inPostmann": Neulich wurde auf die Vorschriften im Päckerei- verkehr während ber Weihnachtstage aufmerksam gemacht unb dabei i gleichzeitig ber Rath gegeben, bie WeihnachtSfeubuilgen so früh wie ~ möglich zur Auflieferung zu bringen. Die Befolgung diese« Rathe» kann vor Allem im Interesse des Publikums und bann auch im Interesse der Post nicht bringend genug anempfohlen werden. Der Nichtpostmann, ber niemals den Verkehr an Weihnachten keimen i; gelernt hat, kann sich gar keinen Begriff machen von den An- forbentngen, die in solchen Tagen an bie Post gestellt werden. Deshalb sei die Devise: so früh wie möglich absenden! Wenn . nun bie Senbungen nicht früher fertig werd«! konnten, ober man mußte aus irgend einem anderen Grunde bis in die letzten Tage warten, so beachte man em Ver­fahren, das id) schon seit Jahren aiiwende und da« mir