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« Jahrgang.

Verlag: Langgaffe 27;

14,000 Abonnenten.

«lnzeigen-PreiSr

Die einspaltige Petitzeile für locale Anzeige» 15 Pfg., für auswärtige Aiizeigcn 25 Pfg. Reklame» die Petitzeile für Wiesbaden 50 Pfg., für Auswärts 75 Pfg.

Erscheint in zwei Ausgaben. Beziigs-PreiS: 50 Pfennig monatlich für beide Ausgaben zusammen. Der Bezug kann jederzeit be­gonnen werden.

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Atttkmen -Ammffme die Übend - Ausgabe bis 11 Uhr Vormittags, für die Morgen-Ausgabe bis 3 Uhr Nachmittags. Für die Aufnahme später eingereichter Anzeigen zur fr*1?* " ' nachsterscheinenden Ausgabe wird keine Gewahr übernommen, zcdoch nach Möglichkeit Sorge getragen.

Ko. 583.

Sonntag, den 13. Dezember.

Bezirks-Fernsprecher No. 52.

Bezirks-Fernsprecher No. 52. 1896.

MorgenMusgafce.

Aus Stadt und Land.

Wiesbaden, 13. Dezember.

Zur Erinnerung. Seinen 60. Geburtstag feiert am 19. Dezeniber der 1836 in Schrobenhausen (Oberbayern) geborene berühmte Maler Franz Lenbach. Ausaiig« das Manrer- hsndwerk lernend wandte er sich der Kunst aus Neigung zu, ward Schüler Pilotyr tznd wurde, nachdem er im Auftrage des Grafe» Schack Italien besuchte, einer der bedeutendsten Portraitisten der | Gegenwart. Sein« Bildnisse, deren er seit 1870 eine grobe Anzahl W Mgaffen, sind meist von großer plastischer Wirkung und von geist- k iMer Auffassung, welche den Charakter der Dargestellteu mit g; Mchologischer Schärfe wiedcrgicbt. Besonders beriihnit geworden UW. seine Bildnisse von Kaiser Wilhelm I. in dessen letzten Lebens­jahren, von Fürst Bismarck und von Graf Moltke. fc Bor 25 Jahren, am 14. D eze m b c r 1871, wurde dem preußischen Jbwbtag von der Regierung das neue Schulaufstchtsgesetz vorgelcgt, sonach die Aufsicht über alle öffentlichen und privaten Unterrichts- MMM Erziehungs-Anstalten dem Staate znstehni sollte. Das Gesetz ftmd vielfachen Widerstand, wurde aber schließlich angeuommcu. WW,,gab dem Staate die Möglichkeit, da, wo die Schule von geist- MLMN Inspektoren, nach Ansicht de« Staates, ungünstig beeinflußt wurde, Aenderuilgen zu schaffen.

; Der städtische Urrwaltungobrricht für 1895/96, vebher soeben zur Vcrthciluug gelangt, umfaßt 176 Druckseiten. Ungeachtet nicht vorhergesehencr Auswendungen von zusanimcu 193,119 Mk. hat die ordcntlichc Verwaltrnig einen Ueberschuß von 119,811 Mk. ergeben, welcher dem Etat für 1897/98 zu gute koinmt. Der günstige Abschluß ist dadurch entstanden, daß verschiedene Posten tz/Mbreinuahmen ergeben haben, z. B. die direkte Gemcindesteucr 121945 Mk. (dieselbe war zu 1,620,000 Mk. veranschlagt), Accilc 12,271 Mk., Umsatzsteuer 21,426 Mk. Die städtischen Schulden r Mieten sich pro 1895,96 auf 14,439,998 Mk. 61 Pf., dieselben tfWtai sich gegen das Vorjahr um 15,166 Mk. 87 Pf. vermindert. lAn den städtischen Schulden sind die sich selbsttragenden Spezial­verwaltungen (Gaswerk, Wasserwerk, Kurverwaltung, Kurfonds- i Verwaltung für das Badhaus zur Rose, Krankenhans-Verwaltnug für das Badhaus zum Schützeuhof und bas Gemeiudebadhaus und Schlachthaus-Verwaltung) Ende 189' /96 mit 4,090,258 Mk. 91 Pf.

5 detheiligt, sodaß anSMitteln derStadtkasse allein, also aus Stenern 10,349,739 Mk. 70 Pf. zu verzinsen und zu amoriisireu sind.

*$as städtische Vermögen beziffert sich auf 29,828,015 Mk.

59 Pf., es besteht insbesondere au« a) 5,251,188 Mk. 7 Pf. Aktiv- L kpitalien (gegen das vorhergehende Jahr 318,080 Mk. 24 Pf. mehr), U-Gebäude im Taxwcrthc von 15,744,435 Mk.(Brandversicherungs- me 9,974,160 Mk.), c) Bauplätze 1,064,005 Mk., d) Ackerland f_.,737 Mk., e) Wiesen 1,182,747 Mk., f) eine Kies- und Thon- «eube 2741 Mk., g) Wald (948 ha 63 ar 98,25 qm) 1,138,367 Mk., h) Kastanienplautageu 16,679 Mk., Mobiliar nach dem Versicheiungs- werth 1,415,348 Mk. Nach Abzug der Schulden mit 14,439,998 Mk. 61 Pf. von dem Vermögen mit 29,828,015 Mk. 59 Pf. verbleibt ein reines Vermögen von 15,388,016 Mk. 98 Pf. Die Fried­höfe im Flächengehalte von 13 ha 38 ar 75 qm sind nicht taxirt. Die theilweisc in der Ausführung und theilweise in der Vorbereitung begriffenen Neubauten erfordern eine Summe von 2,445,000 Mk. Darin sind u. A enthalten 500,000 Mk. für den Töchterschul- Neuban am Markt, 400,000 Mk. für die Schule am Blücherplatz, BMk. für das Arincnarbeitshaus, 150,000 Mk. für die eines neuen Marktplatzes (Nnterkellerung, Hallen rc.), Mk. für den Neubau eines Acciseamtes nebst Leihhaus, 134,600 Mk. für die Erweiterungsbauten auf dem Neroberg, E. 60,000 Mk. für eine Feuerwehr-Centrale, 50,0002)11. für Beschaffung citlrs Fuhrparks (Straßenbau), 450,000 für Neu- und Erweiteruugs- ' bauten auf dem Schlacht- und Vichhof. Die Zahl der im Berichts­jahre erledigten V a u g e s u ch e betrug 341 und zwar handelte cS sich um 148 gcschlosscugcbaute Vorder- und Hintergebäude, 45 Landhäuser, 112 Bauten geringeren UmfaugS und 36 wider- s nifliche Bauanlagen.

Dolltvlcfchalle. Seit dem 1. October d. I. besiudct sich die von dem hiesigen Zweigvcrein derGesellschaft für Verbreitung von Volksbildung" ins Leben gerufene öffentliche Volkslcsehalle in dem Hause Schwalbacherstraße 17, 1 Treppe. Wie in den anderen Einrichtungen und Veraustaltuugcu des bezüglichen Verein«, wie Bdlksbibliothcken, Fortbildungsschule für Mädchen, Volksunier- ' haltungSabeude, Vermittelung von Volksvoistellungen im Königlichen Lheater rc., so gilt auch die Thätigkeit in der Lesehalle den Be- sirekmgeii, im Interesse der Gesammthcit die Volksbildung zu heben,

ober, wie es in den Satzungen heißt:Der Bevölkerung, welcher durch die Volksichulen im KindcSalter nur die Grundlagen der Bildung zugänglich gemacht werden, dauernd Bilduugsstoff und Bildungsmittel zuzuführcn, um sie in höherem Grade zu befähigen, ihre Aufgaben ini Staate, in Gemciude und Gesellschaft zu erfüllen." Wahrlich schöne, edle gemeinnützige Aufgaben und Zwecke, die wohl verdienen, bei allen guten und einsichtigen VolkSfreunden in wkitgeheudstcm Maße Würdigung, Interesse nnd lhatkräftige Unterstützung zu finden! Durch anhaltende kräftige Förde­rung der Volksbildung wird auch am wirksamsten unser Volk auf die Dauer mit den von anderen Ländern ins Feld geschickten, geistig gereiften und tüchtig geschulten Massen konkurrenzfähig er­halten und zur ruhigen, gedeihlichen Weiterentwicklung de« sozialen Lebens wesentlich beigetrageu. Die Volkslesehalle ist geöffnet: an Wochentagen Abends von 6 bis 9*/i Uhr, an Sonntagen von 3 bis 9*/» Uhr. Es ist Jedermann Gelegenheit geboten, nach Geschmack und Belieben sich Lektüre und Material zur Fortbildung in seinem Berufsfach, wie auch nach der Seite der allgemeinen Bildung zu wählen und in wohlthuender Ruhe sich zuzuführen in schönen, be­haglich ausgestattcten, gut geheizten und mit vorzüglicher Gas­beleuchtung versehenen Räumen. Wohl jedem Geschmack ist Nechnung getragen bei der vorhandciieu reichen Fülle von Tagesblättern und politischen Zeitungen der verschiedenen Nichtuitgcn, von illnstrirten Zeitschriften, Wochenblättern, Monals-Nevuen, belehrenden und uutcrhalteudeu Inhalts, von technischen, gewerblichen und wissen­schaftlichen Schriften, von Büchern zur Belehrung und Unter­haltung etwa 800 Bände Nachschlagewerken rc. Der Bestand ist in der letzten Zeit noch mehr ergänzt und vermehrt worden. Die Besuchsziffer hat sich in den letzten Monaten erfreulich gehoben. Möchten insbesondere die Handwerksmeister und Lehrherren mehr als bisher ihre Gchülscu und Lehrlinge zu recht fleißigem Besuche der Lesehalle im beiderseitigen Interesse bewegen! Sehr zu empfehlen ist die Anstalt auch den Herren von den Amts- und Geschästs- Bürcaus, da sich für sie die beste Gelegenheit bietet, die Abend­stunden nach 6 Uhr angenehin und genußreich aurzusüllen. Selbst­verständlich sind in der Lesehalle auch Damen stets willkommen; auch für sie steht eine Fülle interessanten und lehrreichen Lesestoffes zur Verfügung. Bemerkt fei, daß eins der Lesezimnier eigens für Damen bestimmt ist. Möchten durch die vorstehenden Zeilen recht Viele veranlaßt werden, die gemeinnützige Einrichtung kenneu zu lernen und fleißig zu benntzeu zur Stärkung und Belebung ihres geistigen Menschen. Bei einigermaßen gutem Willen und ehrlichen, ernsthaften Absichten wird gewiß Niemand die Volkslesehalle nn- befriebigt verlassen!

Gin Wohlltzätiglreits - Konzert zum Besten der Weihnachtsbescheerung hiesiger armer Kinder veranstaltet am Dienstag, den 15., AbcudS 7 Uhr, in der Riägkirche die GesellschaftDrei- fIanq". Das Programm (s. Inserat) fft ein vielversprechende«. Den Orgelpart hat Herr Organist Schauß und das Violiusolo die taleutirte Künstlerin Fräulein Lampe, Mitglied der Gesellschaft Dreiklang", übernommen.

Alpen-Verein. Am Dienstag, den 15. d. M., Abends 8'/- Uhr, wird Herr Major Langer im Ecksaale des Civilkasiuor einen Vortrag halten über eine Wanderung rnnd um da« Berner Oberland herum. In den Vortrag werden Mittheilungen ein­geflochten werden über den im September vorigen Jahres statl- gehabteu EiSdrnch an der Altels, einer etwa 3600 m hohen EiS- pyramide, die in der Nähe des von Wallis nach dem Thunersce sührenden GemmipfadeS stolz ihr Haupt emporhebt, und von deren Scheitel durch den Sturz ungeheurer Gletschermassen nicht mir grüne Matten zerstört, sondern auch Meisichenleben und große Herden zu Grunde gerichtet wurden. Gäste können durch Mitglieder eiugeführt werden und sind wie immer willkommen.

Mo ist derKuustschein?" Zu der im vorgestrigen Abendblatt erwähnten Kuustschein-Augelegenheit des Kauimerfängers Herrn P. Bulß schreibt uns Herr Musikdirektor Julins Oertli ug: Dieses Vorkommuiß steht durchaus nicht vereinzelt da, und es dürfte Sie intereffireii, nachstehende» Fall kennen zu lernen. Es war Anfang der siebziger Jahre, als ich für das damals berühmte Kaiser-Cornet-Onartett" Sr. Majestät Kaiser Wilhelms I., be­stehend aus vier hervorragenden Mitgliedern der König! Kapelle in Berlin unter Führung des KLuigl. Kammermusiker« Herrn Koßleck, ein Konzert in Frankfurt a. d. Oder arraugirte. Da es Sommer war, sollte dasselbe im Freien in dem Garten der Aktien-Brauerei zu dem üblichen Preis von 50 Pfennige» ä Person stalifinden. Unmittelbar vor Beginn des Konzert« wurde nun von der zu­ständigen Behörde den Künstlern derGewerbeschein" abverlangt, unter der Motivirung, daß man für 50 Pfennige Entree keine Kunstleistung, sondern mir gewerbsmäßiges Mufiziren liefern könnte. Die Folge davon war, daß die Herren, da sie nun einmal zur Stelle waren und im letzten Augenblick teilt höheres Eutrse erheben konnten, dein versainmelten Publikum den großartigen Kunstgennß

gratis verabreichten. Auf die Beschwerde der Herren Kammermusiker bekam die betreffende Behörde natürlich die wohlverdiente Nase, utfb als ich kurze Zeit darauf ein zweites Konzert unter denselben Preis- verhältuiffeu für das berühmte Quartett veranstaltete, war das Lokal in einer Weise besetzt, daß die Herren reichlich für den Ausfall entschädigt wurden; die Behörde hatte selbst durch ihr Verbot die wirksamste Reklame gemacht."

Mohlthiitigkrit. Als Weihnachtsgeschenke für hiesige WohlthätigkeilSaustaltcn und für andere milde Zwecken sind dem Verlag desWiesbadener Tagblatt" ferner zur Weiterbeförderung übergeben worden: Blindenanstalt: L. M. 5 Mk., G. B. 10 Mk., S. W. 3 Mk., C. und H. R. 5 Mk., H. R. 5 Mk., L. M. 1 Mk., I. v. Sz. 3 Mk., A. v. B. 3 Mk., Frau Lehne 3 Mk., Ungenannt 2 Mk.; Herberge zur Heimath: C. und H. R. 5 Mk., L.M. 5Mk., Frau Lehne 3Mk.; Lindenhaus: Frl. Lehne 10 Mk.; Jdiotenanstalt in Scheuern: G. Ä. 10 Mk.; Verforgnngshans für alte Leute: C. »nd H. R. 5 Mk., S. W. 3 Mk., L. M. 5 Mk., G. B. 10 Mk., Frau E. v. M. 2 Mk., Frau Lehne 2 Mk; Für die Angehörigen von Strafgefangenen: L. M. 5 Mk.; Paulineiistift: S. W. 3 Mk., C. und H. R. 5 Mk., Frau E. v. M. 2 Mk.; Evangel Diakoiiiffcuhaus: L. M. 5 Mk.; Kinderbewahranstalt: C. und H. R. 5 Mk., S. W. 3 M., Frau E. v. M. 2 Mk., L. M. 5 Mk.; Armeuvereiu: K. v. K. 3 Mk., C. und H. R. 5 Mk.; Frauenverein: C. und H. R. 5 Mk.; Rettuiigshaus: S. W. 3 Mk., G. B.lOMk. L. M. 5 Mk., C. nnd H. R. 5 Mk.; Augeubeilanstalt für Arme: S. W. 3 Mk., L. M. 5 Mk., H. R. 5 Mk., C. und H. R. 5 Mk., G. B. 10 Pik.; Naturalverpfleguiigsstatioii: C. und H. R. 5 Mk.; Kohlen für Arme: Ungenannt 2 Mk., Frau E. v. M. 2 Mk., S. W. 3 Mk., L. M. 10 Mk., H. N. 5 Mk., Fräulein Lehne 5 Mk.; Frühstück für arme Schulkinder: 81. v. B. 3 Mk., H. N. 5 Mk., S. W. 3 Mk., I. v. Sz. 3 Mk.

Dav Mietiiverzeichniß, welche» Seiten« der Vermietber bi« zum Schluß des Monat« Januar 1897 bei Vermeidung hoher Strafen eingereicht werde» muß, kann jetzt schon zur Stempelung vorgelegt werden, und letztere« ist sehr zu empfehlen, da voraus­sichtlich Viele diese« Geschäft bi« zum Endtermin verschiebe» und hierdurch ein sehr starker Andrang gerade in den letzten Tage» zu erwarten ist, sodaß unter Umständen Mancher möglicher Weise gar nicht rechtzeitig befördert werden kann uub insolgedeffen in die gesetzliche hohe Strafe verfällt. Von fachverständiger Seite wird ein Vorschlag gemacht, welchen wir der Be­achtung empfehle» möchten; nämlich diejenigen Vermicther, welche nicht vorziehen, die Stempelung im Dezember vor­zunehmen, möchten sich, um großen Andrang zu vermeiden, ent­schließen, die Anmeldung in der Weise zu bewirken, daß Diejenigen, deren Familiennamen beginnen mit den Buchstaben A big G incl. in der erste» Januarwoche, von H bis P incl. in der zweiten und von Q bis Z in der dritten Januarwoche das Miethverzeichniß ein­reichen. Die Stempelung erfolgt auf dem König!. Steueramt (Taunnsbahnhof) und bei Herrn W. Bickel, Langgaffe 20, daselbst sind Miethverzcichniß-Formulare erhältlich und können entsprechende ErNärungen zu Protokoll gegeben werden.

Der Allgemeine Deutsch« Muftber-Urrband hat in weiser Fürsorge feiner Zeit durch Gründung der Musiker-Peiiston-- kasse feinen Mitgliedern Gelegenheit geboten, die Sorge um bog Alter wie bei eintretenben Unglücksfällen erheblich zu mildern. Dieser Verband mit feiner Pension«- uub Wiitwenkaffe besitzt ein Kapital von 2 Millionen Mark uub gewährt a) seinen Mitgliedern bei einem jährlichen Beitrag von 2 Mk. 50 bis 100 Mk. Sterbc- unterftütznng; b) bei einem monatlichen Pensionsbeitrag von 1 Mk. 50 Mk. pro Quote nach 10-jähriger Mitgliedschaft 96 Mk. jährliche Juvalidenpensiou, sodaß durch diese Leistung jeder nachdenkenbe Musiker selbst bei noch so geringen Mitteln sich eine beruhigende Zukunft schafft, zumal durch diese Einrichtung sich jede« Mitglied mit 6 Quoten den 6-fachen Pensionsbetrag erwerben kann; e) durch ben Beitritt in die Wittwen- und Waisen-Unterstützungskaffe jedes Familienvaters schützt er die Seinen vor einer gewöhnlich nicht aus- bleibenben traurigen und kummervollen Lage, da diese Kaffe bei einer monatlichen Steuer von 75 Pf. schon nach 3-jähriger Mit­gliedschaft ein Begräbnißgeld von 200 Mk. nebst einer laufenden Unterstützung für die Wittwen und Waisen gewährt uub biefe Unterstützung nach 10-jähriger Mitgliedschaft verdoppelt, nach 20Jahreu verdreifacht und so fort erhöht. E« sollte daher keine Musik aus­übende Person lange zögern, sondern diesem Vereine beitreten; denn auf die Frage der Zeit: Wie kannst Du Dich nnd die Deinen vor Kummer und Roth am besten schützen? siebt dieser Aufruf die beste Antwort. Wir könne» mit Recht darauf Hinweisen, daß keine Kaffe, auf ähnlicher Grundlage aufgebaut, cxistirt, die ihre» Mitgliedern bei verhältnibmäßig niedrigen Beiträgen so hohe Bortheile gewährt, wie die hier erwähnte. Alles Nähere wird vom Verband Berlin, Besselstraße 20, sowie hier: durch Richard Seidel, Sedanstraße 3 hier, ertbeilt.

(Nachdruck verboten.)

Das Hötel-Dieu in Daris.

Nicht viele von den Taufenden von Besuchern, die alljährlich nach Pari« kommen, um sich an dem, was die Stadt Schönes und Interessante« bietet, zu erfreuen, schenken wohl dem großen, kasernen- artigeu Gebäude, da« sich dem Parvis Notre-Dame gegenüber er­hebt, mehr als einen flüchtigen Blick. Nichts reizt ja, länger darauf i» berroeilen, und nur wer feinen Bädecker genau ftubirt ober den ein gefälliger Freund geleitet, betrachtet es wohl mit einiger Anf- «terffamkeit, weil er erfährt, daß es das Hötel-Dieu fei, da« älteste nnd berühmteste Hospital nicht allein, welches Paris besitzt, sonder» ' auch bas erste, da« überhaupt in Europa entstanden.

Zu gleicher Zeit mit der prächtige» Kathedrale erbaut, in deren Schatte» es sich befindet, mit Notre Dame, ruft es bei den Meisten, gleich jener, eine nicht geringe Enttäuschung hervor. Wie die hyper- enttzufiaftischen Schilderungen Victor Hugo« bezüglich der Kirche die Erwartungen so hoch gespannt, daß beim ersten Anschanen der­selben die Enttäuschung eine so große ist, daß man kaum ihre Schönheit gelten lassen will, so ist man auch erstaunt, in dem zwar ausgedehnten, aber sonst so unscheinbaren Bau bas Hospital zu erkennen, dessen Namen ebenfalls weit über die Grenze Frankreichs gedrungen.

Nicht wie die Kathedrale kann sich da« Gebäude eines großen Alters rühmen, denn obgleich, wie erwähnt, e« das erste Hospital, bas je in Europa errichtet wurde, ist doch an Stelle des früheren Haines längst ein neue« getreten. Dasehemalige rechtfertigte übrigens ben Namen, den e« noch heute trägt, Hotel ober, wie man damals sagte, Maison-Dieu, mehr, al« dies jetzt der Fall ist, denn es war in Wahrheit ein Hau«, das nicht nur ben Kranken, sondern allen GlroSen offen stand. So viel Arme nur immer hinein konnten, wurden

aufgenonimen, sie aßen bald schlecht, bald reichlich, je nachdem die Gelder mehr ober minder zuflossen, und trotz seines riesigen Umfangs war das Hospital oft so voll, daß bis zu 12 Personen in einem Bette schliefen. Die Folgen eines solchen Zustandes lassen sich denken. Da« Hötel-Dieu wurde dadurch nicht eilt Hans, in dem man ge­sundete, sondern eine immense Nekropole, wo Greise, Durchreisende, gesunde und kranke Arme sich Ijüibegaben, um zum großen Theil da zu sterben. Trotzdem die« seit lange erkannt und die Aufmerksamkeit immer wieder darauf gelenkt worden war, blieb diese Einrichtung jahrhundertelang bestehen und inachte erst der heutigen vollständig Platz, als da« alte Hötel-Dieu voui Schauplatz verschwand und an seine Stelle das jetzige trat.

In 1864 war e«, al« Napoleon HI. in einer effektvollen Rede erklärte, er wünsche, daß das Hans der Armen sich zu gleicher Zeit mit dem der Reichen erhebe, daß die Oper nicht erstehen dürfe, ehe der Grundstein zu dem neuen Hospital gelegt fei. Dies geschah denn auch, aber es blieb dem Kaiser nicht beschieden, letzteres zu eröffnen; ehe es vollendet wurde, hatte Frankreich den Thron um- gestoßen und Marschall Mac Mahon war e», der als Präsident der Republik in 1876 der feierliche» Einweihung Vorstand.

Nicht weniger als 36 Millionen Francs hat die Errichtiing des jetzigen Hötel-Dieu gekostet, denn nicht nur wollte Napoleon III. feine Popularität dadurch vergrößern, daß er verlangte, das Hospital solle zu gleicher Zeit mit dem neuen Opernhaus errichtet werden und vor demselben seine Pforten öffnen, sondern auch indem er zeigte, daß er keine Ausgabe für ersteres zu hoch halte, daß er vor Allem auf die Wohlfahrt der Armen und Elenden bedacht fei. Trotzdem entsprach das Gebäude den Erwartungen in keiner Weise, weil man auch hierbei mit dem Leichtsinn vorging, der die Franzosen stet« charakterifirt, sobald es sich um öffentliche Einrichtungen handelt.

Al« die Pläne zu dem neuen Hospital entworfen waren, unter­

breitete man sie einer Kommission, die sehr viel daran ausznsetzen sand; man kümmerte sich aber nicht darum, und erst als e» seiner Vollendung entgegengiiig, hielt man es für gut, die Sociötö Medicale des Höpitaux zu befragen, eine Gesellschaft, die sich au» allen Hospitalärzten von Paris zusammensetzt. Da« Urtheil derselben lautete, daß bas Gebäude für feinen Zweck ungeeignet sei, und da« Resultat war: die Entfernung des obere» Stockwerk«; aber selbst so erschien c« nichts weniger als praktisch. Es hieß daher auch, man wolle den Bau, der mit so großer Pomphaftigkeit ins Lebe» gerufen worden war, für den man, nur weil er den Enterbten bienen sollte, solche llnfummen verschwendet, gar nicht als Hospital benutzen, sondern ein Stadthaus daraus machen, da die Kommunarden da« alte Hotel de Ville zerstört, während Andere wieder meinten, er eignete sich für nicht« al« eine Kaserne.

Letzteren Charakter trägt da« Hau« seinem Aussehen nach noch jetzt, aber ein andere« Hötel-Dieu zu erbauen, dazu mangelte es an Geld, und so entschloß man sich doch, e« als ein solche« zu eröffnen und e« für 500 Kranke einzurichten, eine Zahl, die hinter der ursprünglich bestimmten weit zunickblieb. Und da, wie gesagt, die Fonds knapp geworden, wurden in da« neue Hau« all die Möbel aus dem alten, die schon lange gebient, geschafft, und die wunder­lichen, unmodernen Tische, Schränke und Stühle nehmen sich eigen» thümlich aus in ben elegant ausgestatteten Räumen.

Welche« übrigens die Fehler fein mögen, die beim Sau be­gangen wurden, wie mangelhaft sich auch Manche« in dem jetzigen Hötel-Dieu erweist, beim Volke ist ihm feine Popularität geblieben, und während dies sonst eine merkwürdige Abneigung gegen die Hospitäler zu zeigen pflegt, betrachtet es dieses noch immer ül« eilte Art Zufluchtsort, als das Maison de Refuge, von dem e« in gerader Linie abstammt. W. Walbau.