Einzelbild herunterladen
 

Wiesbadener Eggbtstt

Verlag: Langgaffe 27.

13,800 Abonnenten.

fr die Abend-Ausgabe bis 11 Uhr Vormittags, für die Marge«»Ausgabe bis 3 Uhr Nachmittags.

8***?**»*»» nächsterscheinmden Ausgabe wird keine Gewähr übernommen, jedoch nach Möglichkeit Sorge getragen.

Mr die Aufnahme später ringereichter Anzeige» zur

Ko. 511

1896

Samstag, den 31. Oktober

Bezirks-Fernsprecher No. 52.

Bezirks-Fernsprecher No. 52.

Ein

Morgen Ausgabe

>cm-

mit

trei

pf.

119

rget itler >ette igS- stav

_ .. . «rin muß Wandel geschaffen

werden. Die Durchführung unserer Forderungen würde einen ersten Schritt in dieser Richtung bedeuten, fie würde dazu beitragen, die tiefen Gegensätze in unserem Volke zu versöhnen und damit den inneren Frieden sicherer zu schützen, al« Waffengewalt dies je ver­mag. Als erster Unterzeichner des Aufruss-Comitös steht Herr G. Berlet, Geheimer Rath, Präsident des Landgerichts und des Landtags in Gotha.

inn, wltz aler, -itz- epke i-stf

del- illiit du!

eu­

ch«

350

Die einspaltige Petitzeile für tot 15 Pfg., für «»Swürtige Waemtii Reklamen die Petitzeile für WiGd- für Auswär» 75 Pfg.

lfett j ceck-

auf Seite der letzteren mindeftenS so leidenschaftlich waren, wie die Verbrüderung der Franzmänner mit den Ruffen. Thränen- volle Abschiede haben Anfang der abgelaufeneu Woche stattgefunden, denn auchRatto" schloß ja seine Pforten, die Monate hiudnrch bestimmten Berlinerinnen als der Eingang zur irdischen Glück­seligkeit aalten es ist gut, daß der tolle Rummel endlich sein Ende gefunden, bei so Manchen aber dürfte der Katzenjammer länger währen, als die ganze Ausstellung gedanert!

Vieles derselben fordert lebhaft die Satire heraus, unsere Bühnendichter suchen ja sehnsüchtig nach modernen Stoffen, wohlan hier wartet einer ihrer. Für unser« Buhlten ist jetzt die emsigste und ersprießlichste Zeit gekommen, da Weihnachten und die GesellschastS- monatc noch nicht ihren Einfluß geltend niachen und sich stets ein gewisserTheaterhunger" zu Anfang des Winters zeigt. Er wird voraussichtlich bald gestillt werden, denn die Premiörenfluth ist fürchterlich. Keinen Erfolg vermochte sich da« von Adalbert Matkowsky nach dem Spanischen des FrattciSco de Rojas bearbeitete Schau- spiej:Der Graf von Castannar" im Königlichen Schauspiel- Hause zu erringen. Trotz eittzelner wirksamer Sceneti berührt das Stück doch fremd und oft gleichgültig, man steht den Personen und der Handlung kM)l gegenüber und versteht letztere mit unserem modernen Empfinden nicht. Da kommt uns Otto Erich Hartle den mit seinem im Schiller-Theater anfgesührten Schauspiele:Ein Ehrenwort" doch anders tntgegen; von einer fesselnden Seite hat er das alte Thema, ob es nicht die Ehre gebietet, unter ganz bestimmten Umständen das Ehrenwort zu brechen, behandelt, wenngleich auch hier der Schluß nicht ganz befriedigt. Aber die Menschen, die uns geschildert werden, sind lebeitswahr und scharf charakterisirt, und der Ausbau des Stückes zeugt von großer dramatischer Kraft; der warme Erfolg blieb denn auch nicht ans. Auch Franz v. Schön tHan r und Franz Koppel-Ellselds drciaktigesLnstsPiel:Renaissance" fand imLessing-Theater" eine sehr beifällige Aufnahme; es ist nur leichte Maare, bte uns hier geboten wird, aber in einer ansprechenden und wohlgeluugenen Form, welche die Zuschauer von der ersten Scene an mit behaglicher Stimmung erfüllt und sie oft zu fröhlicher Heiterkeit veranlaßt. Und wer das vermag, der hat heute, wie auch dieses Beispiel zeigt, gewonnen Spiel I

ansschließlich aus seinen Standesgenoffen gebildeten Gerichts­höfe stattfindet, alles Dies entspricht nicht dem Rechtsbewußt­sein des Volkes. Wir vermögen nicht anzuerkeunen, daß in einem Falle wie diesem irgend ein Grund besteht, die Gleichheit aller Staateangebörigen vor dem Gesetze aiifyttieben. Deshalb fordern wir zweitens die Beschränkung der Militär­gerichtsbarkeit auf Disziplinarvergehen. Richt einer Mißachtung der Armee oder ihrer Angehörigen entspringen unsere Forderungen. Wir wenden uns dagegen, daß stets und überall, wo vermeintliche militärische Interessen mit solchen des bürgerlichen Lebens zusammen- stoßen, diese hinter den militärischen Hurückstehen sollen, wie e» von Tag zu Tag mehr der Fall ist.

Aus Kunst «nd Kebeu.

* Verschieden» Alittheilnngeu. lieber Fräulein Elsa Müller-Zeidler, die Tochter unseres König!. Konzertmeisters H. Müller, welche schon seit vorigem Winter der Hoioper in Neu­strelitz als Mitglied angehört, berichtet die dortige Prcsie bei Gelegenheit ihres WiederanstretenS als Marie in Donizettis Oper DieRegimentStochiter":.Die Palme dieser Opernvorstellunz errang die talentvolle Vertreterin der Titelrolle. Fräulein Müller-Zeidler, ebenso sehr durch die graziöse Anmuth ihrer Erscheinung wie durch ihr neckischer und seelenvolleS Spiel. Ihre biegsame, silberhelle Sopranstimmeerrang rauschenden Beisall und stürmische Hervorrufe vom Anfang bis zum Schluß. Die junge Künstlerin bat auch in der Durchführung dieser beliebten, schwierigen Rolle ihren bedenteuden Fortschritt bewiesen." Fräulein Müller-Zeidler erfreut sich dort nicht allein der Gunst des Ssublikum«, soudern auch der des Großderzogliche» Hofes, von dem e schon wiederholt Auszeichnungen empfangen hat.

Bei der Probe der OperRomeo und Julie" im Czechischen Nationaltheater in Prag stach in der Dnellscene der Tenorist Wessely mit dem Rapier deit Tenoristen Ptak knapp unterhalb des rechten Auge« und verursachte eine tiefe Wunde. Die Probe wurde sofort abgebrochen.

Die Ortskrankenkasse in Heidelberg hat wohl al» erste für ihre Atigehörigeii eine hygieinische Station mit Badeanstalt (enthaltend Badeziminer-, Douche- und Massage- raum, Dampfbad rc.) errichtet. Dar Bad kommt die Mitglieder auf nur 5 Pfennige zu stehen.

44. Jahrgang.

Erscheint in zwei Ausgabe». Bezugs-Preis: 50 Pfennig msuatlich für beide Ausgaben zusammen. Der Bezng kann jederzeit be­gonnen »erde«.

Falsche Fünfmarkscheine werden neuerdings in Umlauf gesetzt. Auf den Falschstücken besteht die Schrift der Strafandrohung in einfachen Buchstaben, während diese auf den echten Scheinen schattirt sind. Ein weiteres Erkenliungszeichcn ist das verkleckste Gesicht des Landsknechts, sowie da« um/i mm zu kleine Format des Scheine« selbst.'

Zur Klutanffrischnng und Verbefferung der Geweih- bildnng hat der Pächter der Oberrosbacher Gemeindejagd im Taunus, welche als eine« der besten Rothwildreviere weithin be­kannt ist, einen aus Ostpreußen stammenden starken Hirsch (16 Ender) ausgesetzt. Im Jntereffe des Rothwildstande« im Taunus, für btffen Ausbesserung, wie überhaupt für waidgerechte Behandlung der Jagd, derVerein hirschgerechter Taunus-Jäger" unaufhörlich bemüht ist, ist es sehr zu wünschen, daß dieser mit einer vernickelten Kette um den Hals versehene Hirsch auf den dem­nächst stattsindeuden Treibjagden nicht geschossen werde. Es er­geht deshalb an alle echten und gerechten Wachmänner die dringende Bitte um Schonung.

Wetterkundige schließen auf einen bcoorstehenden strengen Winter, weil die Hamster ihren Ban bi« zu einer Tiefe von über drei Meter gelegt heben. Vorherbestimmungen, welche auf dieser Erscheiming beruhen, sollen noch niemals fehl- geschlagen haben. Wir wollen» abwarten.

Knbmifstonr«. In engerer Submisfiou fordern für die Kunst-Schmiedearbeiten an dem Schulhaur-Neuban am Blücherplatz (Wetterfahnen, Dachspitzen und Anker): Herr W. Garnier 418 Mk., Herr W. Hanson 689 Mk. und Herr Karl Boß 1470 Mk. Für den Abbruch de» früheren Schäferschen Hause» im Nerothal bieten: Herr Karl Auer 30 Mk., Herr Fr. Nie« 72 Mk. und die Herren Schätzler n. Röder 46 Mk.

Klein» Notizen. In der Synagoge auf dem MichelSberg wurden gestern, um 4 Uhr, durch den Bezirksrabbiiier Herrn vr. Silberstein die israelitischen Rekruten abpwnirt. Mr

Aus Stadl »nd Land.

Wiesbaden, 81. October.

Zur Erinnerung. Unter jenen Festungen traurigen Angedenkens, welche in der Zeit von Preußen« tiefster Erniedrigung ihrem Könige die Treue so schlecht bewahrten, nimmt auch die Festung Küstrin einen hervorragenden Platz ein. In dieser Festung, einem der festesten Plätze Preußens, kommandirte der Herr v. Ingersleben. König Friedrich Wilhelm III. besuchte ihn auf feiner Flucht und legte ihm die Vertheidiguug dieser Veste dringend au» Herz. Kaum war der König fort und die ersten französischen Husaren sprengten vor die Festung, da ging am 31. October 1806, also vor 90 Jahren, Herr o. Ingersleben in Person hinan», um den Franzosen Küstrin zu übergeben.

Au» der Magiftrato-Sitzung vom 29. October. 1. Die neue Seitenstraße der Platterstraße nordöstlich derselben, oberhalb de» alten Friedhofs, erhält definitiv den Namen: .Ruhberg­str e". 2. Die planmäßig vorgesehene Erbreiterung de» von der Emser st raße gegenüber demSchwalbacher Hos" abzweigenden Fußwegs ist für das nächste Jahr in Aussicht genommen, vor­behaltlich der Bereitstellung der Kosten durch den nächstjährigen Etat. 3. Der Magistrat ist den Bcschlüffen der Stadtoerordneten- Serfammluug vom 23. l. Mts., belr. die Errichtung eines städtischen ElektricitätSwerkes, beigetreten. Ueber die Ausführung wird nunmehr mit der Firma Lahmeyer in Frankfurt a. M. Ver­trag abgeschlossen werden. 4. Der von der Baudeputation auf­gestellte Fluchtlinieuplan für den oberen Theil de» Dambach- t ha les wurde vorbehaltlich der Zustimmung der Stadtverordneten« Versammlung genehmigt.

®in» Petition an den Reichstag, betreffend da« Dnell- luefen und die Militärgerichtsbarkeit, wird soeben überall im Reich zur Unterschrist aufgelegt. Sie beginnt mit den Worten:Dem hohen Reichstag des deutschen Reiches unterbreiten di« ehrerbietiM Unterzeichneten die Bitte, mit allen ihm zu Gebote stehenden Mitteln dahin wirken zu wollen, daß der am 21. April d. I». einstimmig von ihm gefaßte Beschluß, die Beseitigung des Dnellwesen» in der Armee betreffend, zur Anerkennung und Durchführung gelange, und daß die noch immer für die Angehörigen des Militärstandes be­stehende eigene Gerichtsbarkeit, soweit sie sich nicht auf Dienst­vergehen bezieht, aufgehoben werde. Auf eine eingehende Begründung glauben wir verzichten zu dürfen. Weiler heißt es u. 81.: Wir dürfen uns darauf beschränken, den besonderen Grund hervorzuheben, der uns veranlaßt, mit diesen Wünschen an nufere gewühlten Vertreter gerade jetzt heranzutreten. Die grauenvolle Blutthat in Karlsruhe, unter deren Eindruck wir Alle noch stehen, hat sich als eine Frucht des in falscher Richtung entwickelten, kou- ventionellen Ehrbegriffs erwiesen, der in unserem Offizierstande systematisch gepflegt und durch den von der staatlichen Autorität gestützten Duell- zwang befestigt wird. Wir verlangen, daß die Machtmittel des Staates nicht länger der Förderung von Anschauungen dienstbar gemacht werden, die dahin führen, daß der Offizier unter Umständen die Verletzung des Gesetzes als Gebot seiner Stande» ehre ansehen muß. Doch nicht die That allein und die Motive, denen sie entsprungen ist, empören unser sittliche» Empfinden; unser Rechtsgefühl wird auch durch den bei dieser Gelegenheit wieder hervortretenden Unterschied in der Behandlung des Verbrechers, je nachdem er Bürger oder Offizier ist, verletzt. Daß der Tdäter frei und ungehindert den Schauplatz feine» Verbrechens verlassen kann daß er erst nach mehreren Tagen in leichte Hast genommen wird, daß seine Aburtheilung in geheimem Verfahren vor einem

(Nachdruck verboten.)

Berliner Kries.

Von Paul Lindenberg.

Die Mordthat. Ein Gaunerstreich. Jugend. Theater.

, den 30. October.

Die Erregung über die letzte furchtbare Blutthat will sich in unserer Einwohnerschaft noch immer nicht legen, und stets von Neuem kommt man allerorten darauf zurück, immer wieder die grenzenlose Verworfenheit der jugendlichen Mörder behandelnd und daran anschließend die Thätigkeit der Polizei kritisireiid. Letztere muß sich viel unangenehme Dinge sagen lassen, und es steht zu er­warten, daß die Frage der Umgestaltung unserer Kriminal-Behörden ' noch de» Weiteren und an anderer öffentlicher Stelle erörtert werden wird. Die Mißerfolge unserer Polizei gelegentlich einer ganzen Anzahl in den letzten Jahren begangener und unentdeckt gebliebener i Morde find beim doch zu groß »nd auffallend, als daß nicht energisch s Adhülse der betreffenden fehlerhaften Zustände und Einrichtungen ver­langt werden sollte. Hat sich doch schon eine Anzahl Stadtverordneter _ tusammengethan, um den Magistrat zu ersuchen, beim Königlichen 1 Polizei-Präsidium daraus zu dringen, daß die gegenwärtige Ein- LL fiditung der Kriminal-Polizei und de« Nachtwachldienstes einer ein« zehenden Prüfung und erforderlichen Falls einer Verbesserung interzogen werde, wie sie dem Sicherheilsbedürfnifse der Berliner Bürgerschaft und den außerordentlich hohen Aufwendungen der Gemeinde für Polizeizwecke entspricht. Da« sieht einem unangenehmen Bfc Mißtrauens-Votum sehr ähnlich, zu welchem übrigens unsere Stabt« gemeinde völlig da» Recht und unter gewissen Umständen auch die Pflicht hat, beim obwohl die Polizei königlich ist und bem Ministerium »es Innern untersteht, so werben ihre Kosten von ber Stabt be­stritten und zwar jährlich mit ca. l'/i Millionen Mark, die ans ber tafdie der Steuerzahler fließen, wie auch die Stadt den neuen prächtigen Polizei-Palast am Alexanderplatz mit einem Auswand von übet 3 Millionen Mark erbaut hat.

Ausland.

* Belgien. Sius Brüssel wird uns geschrieben: Belgien, al» fast ausschließlich industrieller Staat, dessen große Produktion im Auslände Absatzgebiete suchen muß, hat längst die Wichtigkeit guter Berichte über die HandelSbewegungen auf dem Weltmärkte und die Bedürfnisse fremder Nationen erkannt. Die Rapporte seiner Konsuln sind daher auch klar und eingehend und erhalten besonders dadurch ihren vollen Werth, baß ihre Veröffenilichmig stet» uni« geljenb ftattfindet. Trotzdem ist man hier der Ansicht, daß noch Manches zu tbun übrig bleibt, und vor Allem soll insofern ein Wandel geschaffen werden, al? die Kandidaten für die Posten von Konsuln durch ernstes Examen chre Fähigkeiten zu be­weisen und die Karriere regulär jn durchlaufen haben werden. Bisher wurde mau sofort znm Generalkonsul ernannt, von jetzt ab wird Bicekonsul da» erste Stadium sein, daun nach mindestens 6 Jahren die Ernennung zum Konsul erfolgen, und nur ganz spezielle Verdienste werden da» Recht ans die zum Generalkonsul geben. Nach deutschem Muster will man auch Kredite auswersen, die den Konsuln gestatten, alle 5 Jahre mindestens nach Belgien zurückzukehren, um sich über die hier gemachten Fortschritte zu unterrichten und den Exporteuren mündliche Auskunft erteilen zu können. Diese Bestimmungen düislen sich als nützlicherweisen, und es ist anzuerkenuen, daß man die Erfahrungen des Auslandes zum Beispiel nimmt; es wäre erfreulich, wenn dies auch dort und be­sonders in Deutschland geschähe und man vor Allem gleich wie hier die eingehenden Konsularberichte stets sofort zur Kenntniß der Interessenten brächte, ba sie nut so denselben in der That die be­absichtigten Dienste leisten können.

* Frankreich. Unser Pariser «-Korrespondent schreibt nnS: Die Ansicht, ber Artikel berHamburger Nachrichten" über ben bentsch-russischen Nebenvertrag sei auf bie Initiative be» Fürsten Bismarck zu rückzuführen, welche ja fast überall sofort festftand, wird in ben hiesigen Kreisen nicht unbedingt geiheilt. Die Zweifler sind der Meinung, das genannte Blatt habe au» eigenem Antriebe ber Berliner Regierung Ungelegenbeiten bereiten wollen, wie benn auch auf die Autorität derHamburger Nachrichten" hin Deutschlaub von ber französischen Presse öfters ein Schlag versetzt wird. Trotzdem dieselben der Republik manches Mal recht derbe Wabr- heiten sagen, sind ihre AuSfü brungtn doch meisten« so gehalten, daß sie sich auch gegen unser Vaterland verwenden lassen und zwar vielsach bei Gelegenheiten, bei bettelt eine Mitwirkung be» Fürsten Bismarck ausgeschlossen erscheint. So ließen sie sich z. B. bei ber Ankunft be» Czaren in Cherbourg bepeschiren, biefer hätte ben Präsidenten Fanre geküßt, was doch nur ben Zweck haben konnte, bie Begegnung al» viel intimer hiuzustellen, als sie thalsächlich war. Eine besondere Bedeutung gewinnen solche tendenziösen Mittheilungen aber dadurch, daß der Pariser Korrespoudent berHamburger Nachrichten" alle Preßsachen ber deutschen Gesandtschaft erledigt, ja, wenn ich nicht irre, ein fest angestellter Beamter derselben ist.

Igs- iter, itzki, uns

l und kleinlicher Behelligungen Tag für Tag durch tausend M. und eine Polizeivorschrist. Unter dem neuen Polizei-Präsidenten t ist ja schon Manches besser geworden und wird auch hoffentlich der moderne, frische Zug auhalteu, ber schon einzelne verstockte unb fc.enaltete Anschauungen fortgeblafen hat; unb so steht es beim wohl k zu erwarten, daß nun auch die Kriminal-Polizei, wo es nöthig ist, - mugeftaltet wird, vor Allem muß man ihren Beamten mehr ^ Bewegungsfreiheit lassen und ihnen reichlichere Mittel zur Ver-

Dgnng stellen, denn bisher mußten sie über jeden Groschen sorg- p samste Abrechnung halten und, was schlimmer, um jeden Groschen £/ erst eine Eingabe machen; der Beamtenzopf steht aber schlecht einer 4 Behörde an, die oft von Minute zu Minute handeln und wichtige Entschlüsse umgehend durchführen maß, ohne vorher erst die p. t. ! Herren Vorgesetzten am grünen Tisch um Erlaubniß zu fragen I

Auf ein zweites, anläßlich des Morde» vielfach behandelte» S Thema, die zunehmende Verrohung der Jugend, will ich hier nicht näher eingehen, e» ist ja genugsam von allen Seiten in jüngster Zeit beleuchtet worden. Viele der Eltern aber, die auf ihre Kinder etwas halten, werden wie erlöst von einem Bann attornfen:Gott fei fe Dank, daß bie Gewerbe-Ausstellung geschloffen ist!" Wie die Motten ? ium Siebt, so zog ein guter Theil ber nicht unter strengerer Aufsicht £. sichenden Jugend in den Abendstunden zur Ausstellung hinaus, U Unter dem Vorgeben, sich dort etwa« zu verdiene«, in der Absicht » aber, sich zu belustigen wenn'» auch auf Kosten unrechtmäßig fe. erworbenen Geldes geschah! Eine strengere Beaufsichtigung wäre L sehr wünschenSwerth gewesen, besonder» in den Neben-AuSstellungen, fc- wo es oft toll bergegangen fein soll. Man erzählt sich da Geschichtchen, die ein böses Schlaglicht auf da»neueste" Berlin werfen, und e« sollen Allianzen geschloffen worden tdu »wischen fduukleu Erdensötznm und weißen Dämchrn, die

Zn diesem Palast nehmen die Räume der K r i mi nal-P o liz ei da» nach der Stadtbahn zu belegeneParterregeschoß ein; hier findet ein ewiges Kommen und Gehen statt, Zeugen werden vernommen. Gefangene vorgeführt. Betrogene und Bestohlene erstatten persönliche Anzeige und suchen in den einzelnen Bänden des Verbrecher-Albums nach, ob sie die THüter etwa entdecken, Kriminal-Schutzleute werden zu geheimen Mittheilungen unb Berathungen versammelt nnb bie unteren Beamten erstatten ben Kriminal - Kommissaren nnb -Jn- pektaren Bericht über ihre Thätigkeit während der letzten Stunden ober Tage. Wer nicht ganz reinen Gewissen» ist, wird hier in dieser Abtheilnng, wo die Pickelhauben häufig auftauchen und man überall auf bie energischen Gestalten der Geheimpolizisten trifft, doch von etwa» Bthemnoih befangen, aber selbst in dieser ^Höhle des Löwen" machte vor Jahr und Tag ein abgefeimter Ver­brecher einen tollen Streich: Einer feiner Gefährten war

auf offener That feftgenommen worden unb saß in ber Unter« suchungszelle, um von bem betreffenben Kommissar, der seine Sin« i «legenheit behandelte, vernommen zu werden. Da» wußte der aus = freiem Fuße befindliche Gauner, der auch mit den Oertlichkeiten an» - eigenster Erfahrung genau vertrant war; ohne Kopfbedeckung, die er unter seinem Rock verborgen, betrat er mit hastigem Beamten- schritt die vor einem Doppel-SchutzmannSposteii bewachte Unter­suchungshalle, zog ein Stück Papier hervor:Friedrich Wilhelm Schulze zur Vernehmung auf Zimmer 23 na, vorwärts Schulze, wie lange dauert'» denn noch ?" und zog mit dem Verbrecher getrost, s denn die Schutzleute hielten ihn für einen der Kriminal-Beamten, von ! bannen, durch einen ber vielen Ausgänge ba» Polizei-Präsidium verlassend unb vor bemfelben ruhig eine Droschke besteigen!) . . ..

Damals lachte man tüchtig in Berlin über biefen Gaunerstreich, denn es ist auffallend, wie geringe Sympathieeu hier bie Polizei _ in vielen Bevölkernngsschichten genießt, unb ich bin überzeugt, daß Kiele mit Schadenfreude vernahmen, daß die Behörden so spät des - flüchtigen Werner, eine» der beiden Mörder des Jnstizraths Levy, | Habhast geworden sind. Das entspringt einem häufig zu beobachtenden K schroffen Benehmen der Polizisten, au» welchem man folgern möchte, daß die Beamten nicht für da» Publikum da sind, sondern das ° Publikum für die Beamten! Nicht, wie e» in London der Fall, S» sind bei un» die Schutzleute bie 8ertrauen«männer be» Publikums, M. o nein, letzteres hat mit ihnen am liebsten recht wenig zu tbun. E Statt längerer Ausführungen nur eine kleine Straßenfceue: Ein ; altes, sichtlich aus ber Provinz stammende» Mütterchen will sich mit ; einerFrage an einen Schutzmann wenden:Lieber HerrSchutzmanu.. VIch bin nicht Ihr lieber Herr Schutzmann, ich bin Herr Schutz­es mann!" Das Mütterchen ging, ohne weiter zu fragen, bestürzt von ; bannen. Dagegen erfreuen wir un» Bevormundungen aller Art, ; sobald es sich um Absperrungsniaßregcln unb dergleichen handelt.

:ftu»

iber» . O. and, Herr Herr i.D. ram, -witz. n.