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Verlag: Langgasse 27.

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1896.

Donnerstag, den 29. Gelober

Uo. 507

Bezirks-Fernsprecher No. 52.

Bezirks-Fernsprecher No. 52.

Morgen-Ausgabe

sachverständiger Seite zunächst erwünscht sein.

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«fr Schierstein, 28. October. Die Arbeiter der hiesigen „RKeinganer Schaumweinfabrik von Söhnlein u. Co." feierten iui Gasthause „Zum Anker" da» 25-jädrige Jubiläum als Arbeiter in der erwähnten Fabrik des Herrn Julius Albien. Bei dieser Gelegenheit überreichten sie dem Jubilar unter entsprechenden Glückwünsche» einen prachtvollen Stammkrug. - Dieser Tage wurde durch den Vorsitzenden des Gewerbe-Vereins, Herrn Schmiedemeister Phil. Wagner, die Abendschule in unserer gewerbliche» Fort­bildungsschule wieder eröffnet. Der Unterricht, an dem sich an 50 Schüler betheiligen, wird, wie auch im Vorjahre, wiederum an zwei Abenden wöchentlich und zwar jedesmal von 6 bis 8 Uhr von

heimischen Geschäftswelt abgeholfen, die sich darauf bezogen, daß die spanischen Konsuln nur solche Ursprnngszeugniffe beglaubigten, in denen der Fabrikant der Waare persönlich den deutschen Ursprung bescheinigt.

— Eine Urform des KreisPhqstKats soll nach der „Volksztg." i» der Form beabsichtigt fein, daß kleinere Physikate zu einem zusamuiengelegt werden sollen. Um den Uebergang zu er­leichtern, läßt man schon jetzt kleine Phvsikate unbesetzt. Man be­absichtigt, die so „überschüssig" gewordenen Kreisphysici zwangs­weise zu pensiouiren und den Zugang zum Physikat auf eine Reihe von Jahren gewissermaßen zu schließen, indem man bei Bedarf aus die pensionirten Physici zurückgreifen will.

— Steckbrieflich verfolgt wird von der hiesige» Kgl. Staats' anwaltschuft der Lieutenant a.D. Arthur Bernhard Hugo Wolf« aus Hamburg wegen des Verdachts der Erpressung. Der Ver­folgte ist 27 Jahre alt und kräftiger Statur.

— Kleine Notizen. Die Eleonorenstraße (früher Kleine Dotzheiniersrraße) wird zum Zweck des Setzens eines Sink­kastens auf die Dauer der Arbeit für den Fuhrverkehr polizeilich gesperrt. _______________

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Ansteckungsstoff der Welt ist. Der Verfasser läßt nämlich einen T. b. — einen Tuberkelbazillus — erzählen, wie viel Abenteuer er erleben muß, nm sein menschenfeindliches Vorhaben auszusühren. Bi« zur Höhe der Romauerfindung steigt Herr Groeniiigen z. B. in dem Kapitel: Vom Ballsaal zum OperalionSsaal. Die Scene ist ans einem Lall. T. B. ist auf den verschiedensten Umwegen aus Frauenhaaren auf Männerlippe», von Logenbrüstungen über Schleppen schließlich auf das Taschentuch einer Schönen geweht worden. Und da erzählt er nun: „Es gehörte einer vollsaftigen rothhaarige» Millionärstochter mit einer seidenweichen Haut, mit Augen, die gewiß im Dunkeln leuchteten und im elektrische» Licht mit diesem um die Wette funkelten vor Lebenslust. Sie schien sich ausgezeichnet zu unterhalten und ließ von den geist­reichen Pikanterieeu, die ihr Tänzer in den Pansen zum Besten gab, keine ohne die lieblichste Belohnung ihrer Augen mtb ihres Mundes. Ais sie bei einer mokante» Bemerkung über die entblößten Schultern einer ältlichen Herzogin gerade wieder mit einem tiefen Atbemzuge zu einem neue» Lachkonzert hinter dem vorgehaltenen winzigen Taschen­tuch ausholte, sog sie mich mit dem Lnststrom plötzlich in ihre Lungen hinab, und gleich darauf saß ich schon in der linken Spitze ganz nahe an der Oberfläche, sodaß ich das Licht schön rosaroth "durch die unbedeckte zarte sammethaut hindurchschimmeru sah. Meine Versuche, in dem herrlichen Gebäude festen Fuß zu faffeu, blieben jedoch erfolglos. Fe» und wohlgesügt wie die Quadern an einer egyptischen Pyramide schlossen die Epithelplatten die Wände aneinander und wehrten jedem Eindringen in die Ge­heimnisse des Innern. Schon sah ich meinen Untergang vor gingen als ein unerwartetes Ereigniß mein Vordringen und damit meine 'Fortentwickelung ermöglichte. Die rothe Dame trat mit dem Grafen in eine Balkon-Nische, deren Fenster hinter den ge­schloffenen Gardine» halb geöffnet waren, um dem Saal frische Lust zuzuiühren. Tas eifrig geführte Gespräch schien Beide sehr zu fessel» obgleich e8 beit ältesten mtb am meisten biirchgesprochenen Gegenstand berührte, den die Welt kennt: die Liebe. War bas Thema auch alt, die Behandlung desselben mit geschäftsmäßig berechnendem Abwägen des Für und Wider war doch neu für mich. Die Schnelligkeit der «zielten Einiguiig sprach indeß nicht gegen die Vorzüge des Verfahrens, das mit einem flüchtigen Kuß besiegelt wurde. „Mein Gott! Sie werden sich erkälten! Ihre Lippen find ja eifig. — Kommen Sie schnell in den Saal zurück!" Ein leicht« Frost- schauer der ihr über den Rücken riefelte, gab ihm Recht. Allein — es war bereits zu spät. Das Blut aus der erhitzte» Oberfläche der entblößten Arme, Schultern, Brust und des Halses hatte sich vor der kalten Nachtluft in Hast nach dem Inner», zu Herz und

Lungen, geflüchtet und hier die Gefäßwände mit mächtigem Anprall gewaltig gedehnt, fodaß der gelinde Druck der Athemluft genügte, mich und einige T. B.-Genossen sanft zwischen bett gelockerten Epithelplatten hindnrchzufchieben? Das Weitere kann sich denken wer will und den Muth dazu hat. Dys arme hübsche Mädel geht zu Grunde. Der Verfasser, der feine Wiffeuschaft auf so eigenthumliche Art zu popularisiren oersiicht, kommt natürlich zu der sehr ernsthaft vorgelragenen Schlußmoral, daß man sich vor den Tuberkelbazillen in Acht nehmen solle. Freilich, wie soll man'« anfangen? Auf keinen Ball mehr gehen? Oder in keiner Nische küssen? Oder gar — fein Taschentuch mitiiehmen?

* Da» Salböl brr Könige Frankreich». Das berühmte Salbgefäß (Sainte Ampoule) des h. Remigius, welches in der Kirche Samt-Remy zu Reims ausbewahrt wird, konnten wir, so schreibt man der „Köln. Volksztg.", nicht besichtigen. Bei der Revolution wurde das ursprüngliche Gesäß ans altrömischem Glas durch den Kommiffar Ruhl feierlich und öffentlich zerschmettert. Der Pfarrer von Saint-Remy aber, Hr. Servaiiic, hatte das Oel vorher heraus» genommen und durch einen ähnlichen braunschwarzen Stoff ersetzt. Nach 1815 übergab er das gerettete Oel der Behörde. Die Regierung ließ dasselbe in ein kleines Kryftallgefäß verschließen, welches seinerseits in eine goldene Truhe eingefaßt wurde, an deren Fuß die Kopfdild« der französischen Könige angebracht sind. Das Gefäß ist auf zwei Seiten sichtbar (nach der Abbildung) nur etwa drei Zoll hoch. Das Oel ist schon längst vor der Revolution zu einer schwärzlichen Masse verdichtet gewesen. Bei der Krönung wurde mit einer goldenen Nadel ein klein wenig davon heransgenoinmen und mit dem vom Papst ober Erzbischof geweihten Salböl vermischt. So geschah eS zuletzt bei ber Krönung Karls X. Auf diese Weise konnte der gerettete kleine Rest des eingedickten, fast ganz fest gewordenen OelS noch für manche Krönung anSreichen. Die Legende, daß eine Taube die Sainte Ampoule zur Tuufe ClodwigS (496) gebracht, tvirb von dem Erzbischof Hincniar (806 bis 886) erzählt.

* Noch eine Sruckner-Anekdote. DttKomponistProfeffor Bruckner wurde unter dem Rektorate de« Professors vr. AdoltExner zum Ehrendoktor der Wiener Universität promovirt. Nach Vollzug de« feierlichen Aktes schickte sich der Pleister an, dem akademischen Senat für die ihm zn Theil gewordene Ehre zu danken. Dies« Aufgabe entledigte sich nun Bruckner in einer rührend unbeholfenen Weise. Nach einigen einleitenben Worten verlor er in dem Maße den Faden der Dankesrcde, daß er öfter zaudernd mnehielt. Durch einen originellen Einfall half er sich schließlich aus d« unangenehmen Situation heraus, indem er sagte: „So wie ich möchte, kann ich Ihnen nicht danken; wäre eine — Orgel hier, ick würde es Ihnen schon sagen."

Aus Stadt und §and.

Wiesbaden, 29. Octob«.

— 3«r GrUm-rung. Daß in Frankreich nichts nnmöglich ist, beweist der Umstand, daß Napoleon III. auf den Thron Frankreichs kommen konnte, obschon er sich dem Schlimmsten, der Lächerlichkeit, ausgesetzt hotte. Bei einer Kur in Baden-Baden hatte Louis Napoleon, der im Geheimen die Anwartschaft auf den Thron nicht aufgab, Verbiudnugen mit Offizieren der Garnison Straßburg aiigeknüpft und am 29. October 1835 erschien er plötzlich in dieser Stadt. Oberst Vandrey, der mit in bet Verschwörung war, stellte beii Prinzen seinem Regiment, dem 4. Artillerie- Regiment, demselben, in dessen Reihen Napoleon I. vor Toulon den Gruiid zu feinem Rnhm gelegt hatte, vor, und das Regiment widerstand dem Zauber nicht, ber noch immer der große Namen übte. Unter lauten Zuruf: „Es Ide ber Kaiser!" setzte es sich in Marsch, um im Norden der Stadl das 46. Jnfanterie- Negimeiit ebenfalls zn gewinnen. Dieses Regiment erwies sich jedoch spröder und es trat ein Augenblick des Besinnens ein, den Oberst Toillendier benutzte, nm die Soldaten zu ihrer Pflicht zurück- zusühren. Napoleon und feine Begleiter mußlen sich gefangen geben. Die französische Regierung war klug genug, da« Ganze als eine Jugeudthorheit anfzufasfeii, und spedirle den Prinzen nach Amerika. Seine Mitschuldigen wurden von, Geschworeiien-Gericht freigesprochen.

— Neber die Akustik de» Aoftheater» lanseii immer noch Klagen ein. So besagt eine Zuschrift an uns, bei der letzten Nora-Vorstellung, „habe die Unmöglichkeit des geistigen Erfassens im Jordanscheli Sinne „durchs Ohr" mit erbarmungsloser Härte beit Zuschauerrauui schon von ber 6. Reihe des PargnetS an getroffen". Wir selbst, obgleich etwas weiter zurücksitzend, haben diese» Mangel nicht bemerkt, hingegen mußten wir mehr­fach schon bei einzelnen Darstellern rügen, daß sie schwer verständlich seien. Wir geben daher auch ber dringende» Bitte der erwähnten Zuschrift heute gern Nanni, die Darsteller, da eine Abhülfe durch bauliche Mittel kaum zu schaffen fei, möchten durch kräftigere Anstrengung ihrer Stinimmittel eine Abhülse ver­suchen. Es verdient bemerkt zu werden, daß manche der Künstler schon an sich verständlich sprechen und es scheint uns weniger uöthig, daß die andern lauter sprechen, als. vielmehr, baß sie die akustischen Verhältnisse des Hauses genauer stubiren. Sicher ist, daß der ge­sprochene Laut nach den verschiedeiien Seiten des Halises hin ver­schiede» trägt.

— Der Stadtauoschnß tritt am Mittwoch, den 4. November c„ Vormittags 11 Uhr, im Nathhause zu einer Sitzung zusammen.

— Reformationsfeier. Donnerstag, den 29. er., Abends 8 Uhr, findet Mauergaffe 4 im „Christlichen Arbeiterverein" eine Neformationssei« statt. Ansprachen werben halten die Herren Pfarrer Lieber: „Luther, der GlaubenSbeld zu Worms" und Stadtmiisionar Jagdstein: „Luthers Wartburg-Anfenthalt in feiner Bedeutung für die Reformation". Gäste haben Zutritt.

— 25 Jahre waren gestern verflossen, feit Fräulein Minna Knapp, gebürtig in Hab», in der Familie der Herrn Georg Knoll, Wilhelmstraße36, in Dietisten trat. Seitens ihrer Herrschaft wurde der wackeren Jubilarin an diesem Ehrentage natürlich die wohl­verdiente Äuerkennung zu Theil.

H.K Die Wählerlisten für die diesjährigen Ergänzinigs- wahlen zur Handelskammer liegen ans den Bürgermeistereien in Rüdesheim, Biebrich, Höchst, Idstein, sowie ans dem Sekretariat der Handelskammer bi« zum 5. November zur Einsicht der Wahl­berechtigten offen. Einsprüche gegen die Nichtigkeit ber Listen find bis zum 15. November bei der Handelskammer anzubringen.

H.K. Zollverkehr mit Spanien. Die Königlich Spanische Negierung hat nunmehr alle spanische» Konfiiln in Deutschland, sowie die spanischen Zollstellen angewiesen, die sricheren Formulare für Ursprungszeugnisse, wie sie vor Ausbruch des Zollkrieges mit Spanien in Gebrauch gewesen, vorläufig wieder anzuerkennen. Durch diese Verfügung wird besonders deuieiiigeii Klagen der

Auzeigen-PreiSr

Die einspaltige Petitzeile für locale Anzeige» 15 Pfg., für auswärtige 8ineigen 25 Psg. — Reklamen die Petitzeile für Wiesbaden 50 Psg., für Auswärts 75 Psg.

Stimmen an» dem Publiltttut.

(Für Veröffentlichungen unter dieser Ueberschrist übernimmt die Redaktion keinerlei Verantwortung.)

* Im „Wiesbadener Tagblatt" ist kürzlich von verschiedenen Seiten angeregt worden, ans Anlaß der ersten Anwesenheit Ihrer Majestät nuferer geliebten Kaiserin in unserer Stadt zum bleibenden A n d e n k e » eine Stiftung ju wachen. Dieser Gedanke erfreut jedes patriotische Herz und findet, wie ich mehrfach wahr- zunehmen Gelegenheit hatte, in allen Kreisen lebhaften Beifall. Möchte» doch nur recht bald geeignete Personen diese Angelegenheit in die Hand nehme», an ein glänzendes Gelingen des Unternehmens ist bei dem bewährten patriotischen Sinn unserer Mitbürger nicht zu zweifeln! Die beiden bisher gemachten Vorschläge: Beichaffung eine« guten Glockenspiels für den Thurm der Hauptkirche, wie auch Aufstelluiig einer Gedenktafel in der Hauptkirche und die innere Ausschmückung der letzteren, erscheinen mir gleich beachtenswerth, wenn ich aber wählen sollte, möchte ich doch dem ersten Vorschläge den Vorzug geben. Ich stelle mir vor, daß durch die Ausführung desselben Wiesbaden zu feinen herrlichen Naturschönheiten und vielen Sehenswürdigkeiten auch eine „Hörenswürdigkeit" — verzeihe» Sie diese» uiigewöhulichen Ausdruck — erhalten könnte, welche geeignet ist, eine weitere Anziehungskraft für nufere schöne Stadt zu werden. Wie andachtsördernd würde es fein, wenn vom Thurm der Hauptkirche herab die Glocken täglich zn beftimmten Stunden die Melodie eines unserer herrlichen Choräle der gefammten Einwohnerschaft zu Gehör brächten! Die Melodie des Chorals würde mit dem Schall der Glocken die Herzen aller Zuhörer — vieler Tausender — zu gleicher Zeit diirchzittern und die Gedanken aller zu dem Allmächtigen leiten. Wie herz- erhebend müßte es sei», wenn die Glocken, durch längeres Spiel, an de» hohen Festtagen fromme Weisen ertönen, auch an vaterländischen Gedenktagen patriotische Melodieen erschallen lassen könnten! Ob die Einrichtung eines wirklich guten Glockenspiels für beit Thurm unserer Hauptkirche Überhaupt möglich ist, und wie hoch die Kosten zu verauschlageti fein werden, darüber dürfte eine Aeußerung von

44. Jahrgang.

Erscheint in zwei Ausgaben. — Bezugs-Preis: 50 Pfennig monatlich für beide Ausgaben zusammen. — Der Bezug kann jederzeit be­gonnen werden.

M die Abend-Ausgabe bis 11 Uhr Vormittags, für die Morgen-Ausgabe bis 3 Uhr Nachmittags. — Für die Aufnahme später eingereichter Anzeigen zur nächsterscheineudeu Ausgabe wird teilte Gewähr Übernommen, jedoch nach Möglichkeit Sorge getragen.

Aus Kunst und Koben.

♦ Denkwürdige Karität. Die „Rhein - Wests. Zeitung" £ berichtet aus Minden: Das reizende Mobiliar ans dem salon der Baiferin auf dem Deukmalsplatz des Wittekindsberges ist von einem t unserer Mitbürger zur Erinnerung angekaust. Die Politur ber £ wasswen Mahagoni-Tischplatte ist durch die heiße Theetaffe, welche E die Kaiserin benutzte, an einer Stelle mit einem Hellen Merkmale tmgebrannt, was durch die eingravirlen Worte: „Eriuuernug an den 18. October 1896" festgehalteu wird!

* Papa und Tochter. Einen größeren Kontra», als zwischen ß *bem Papa Nikita voll Emboupoiut und rundlicher Zufriedenheit WMttd der eleganten, hohen Erscheinung der Tochter — Prinzenbraut - kann man sich, so schreibt der römische Korrespoitdent des „Berl. ’ lagebl.*, kaum denken. Elena — „la bella Elena“, tote der Italiener sie gern nennt — erinnert nur in den wundervollen, £ Stoßen schwarzen Augen an den Later. Im Uebrigen ist sie das, ssi man in Rom bezeichnender Weise eine -Simpaticona“ nennt: kÄtutbig und liebenswürdig, ein artiges Mädchen, wie Goethe ' hgen würde, aber nicht vom Schlage der üppigen, römischen V- Schönheit, auch nicht vom Zauber eines sinnlichen Reizes umfloffen. 8 Da, «was blaffe, träumerische Gesicht hat dafür so viel Liedes, daß MM»» auf die elektristrende Schönheit einer Tizianischen Venus gern WßWchtet. Der König und die Königin haben ihre Schwiegertochter 6 «en» auch sehr ins Herz gefchloffen, ja Re Umberto ließ es sich WrÄD nehmen, sie gestern nach dem Diner per Arm bis au das TlDhor des Ouirinals zu begleiten, wo er sie vor allem Volk innig MMwrmie. Und — ein echt italienisches Bild! — die den Cuirinal iitormigeiibe Menschenmasie brach bei dieser herzlichen Scene tu ; begeisterter Händeklatschen aus und begleitete die.Ptinzefftn nut § Händeklatschen bis zu dem gegenüber liegenden Palaite der Konsnlta k 8>o sie als Braut logirt). So die „Tribuna". Was ein deutscher E$piiDträn dazu sagen würde, falls ihn seine getreue» Unterthauen einen Tenor beklatschen würde»? Aber so etwas ist im lieben E. Deutschland allerdings undenkbar.

M. * Menu Tuberkeln reden. „Wie wird man tuberkulös?" ff das ist gewiß kein schöner Buchtitel. Schon weil er |o klingt, als l. re er heutzutage ein kategorischer Imperativ, sich z» einem AMI - kür obdachlose Keime herzugeben, als gehörte das zur Mode, wie MMrKriuolinenärmelsoder die eingeknicktenDamencyltnderaute. Liber f "o* seltsamer als der Titel ist die Thatsache, daß dieses Buch „Wie wird man tuberkulös ?" Bekenntnisse des Menschenfeindes I. B., auf« W gezeichnet von Dr. G. H. (Sroeiiiiigen (Wiesbaden bei3. F. Bergmann), t diel Stoff zum Lachen flieht, was bekanntlich der einzig gtjuitde

Deutsches Deich.

* Die Karlsruher Affatre und die internationale Friedens- s Propaganda. Zinn Fall Brüsewitz hatte der „Deutsche Verein für internationale Friedenspropaganda" in seiner Versammlung vom 25. d. SD? 18. auf den Antrag seine» Vorsitzenden Dr. Ed. Löwenthal M«Mehe::de Resolution angenommen: „Da ein außer­gewöhnlicher Ehrbegriff in der modernen Gesellschaft keine Exifteuzberechtiguiig hat und der Landesvertheidiger, der zur Wahrung seiner Sonderehre wehrlose Bürger ums Leben bringen zu müssen glaubt, eine Gefahr für die öffentliche Sicherheit r wird, so hält der „Deutsche Verein für internationale Friedens- I Propaganda eine schleunige Abhülfe auf dem Wege der Gesetzgebung - für erforderlich und zwar in dem Sinne, daß Offiziere sowohl wie B gemeine Soldaten, die, ohne sich im Stande wirklicher Nothwehr zu -^Wndeii, außerhalb des Dienstes von ihren Waffen Gebrauch machen, den gewöhnlichen Gerichten zu übergeben sind. Auch sollte die / Gesetzgebung in Erwägung ziehen, ob nicht den Militärpersonen das r Mffeiitrageu außerhalb des Dienstes überhaupt zu untersagen wäre." (Es ist das staatlich anerkannte selbstverständliche Recht jedes freien Mannes, Waffen tragen zu dürfe», mit Ausnahme solcher in Stöcken oder Röhren verborgener. Weitere Ausnahmen für be- ftfamte Distrikte sind nur nach besonderen amtlichen Perordnuiigen [Wie sie unter der Herrschaft des Sozialistengesetzes mehrfach eilt« | traten] zulässig. D. Red.)

* Auf das jugendliche Uerbrecherthum ist durch die | Ermordung des Justizrath« Levy die öffentliche Aufmerksamkeit i «lenkt worden. Da nach den Bestimmungen des Strafgesetzbuchs i ingendliche Verbrecher, die bei Begehung der That das zwölfte, V aber noch nicht das achtzehnte Lebensjahr vollendet haben, milder [ « bestrafen sind als erwachsene Verbrecher, und die Mörder des Kstizraths Levy höchstens eine Gefängnißstrafe von 15 Jahren erhalten können, so wird angesichts der Zunahme solcher Verbrechen i vielfach die Frage erörtert, ob sich nicht eine Aeuderuug dieser Be­stimmungen empfiehlt. Die Kriminalstatistik weist eine erhebliche Zu- 7 nähme ber von jugendlichen Personen verübten Verbrechen in den letzten f Jahren auf. Nach einer Zusammenstellung der „Voff.Ztg." sind wegen e Verbrechen und Vergehen im Jahre 1885 bestraft 30,704, im Jahre | 1886 31,513, 1887 33,113, 1888 33,069, 1889 36,790, 1890 41,003, 1 1891 42,31-2, 1892 46,496, 1893 43,776 und 1891 45,504 Jngend- ’ siche. Hiernach hat von 1885 bis 1892 eine Zunahme um 15,792 oder 51,4 pCt. stattgefunden. Wenn da» folgende Jahr 1893 einen erheblichen Rückgang zeigt, so ist dabei zn berücksichtigen, daß die x Zahl der Diebstähle, an denen die Jugendlichen besonders stark be- i. tfjeiligt sind, in diesem Jahre erheblich zurückgegangeu ist. DaS | Jahr 1894 zeigt wieder eine Zunahme. Die allgemeine Bevölkerungs- imiabme schwächt zwar diese Zahlen etwas ab, immer aber läßt sich ; stststellen, daß auf je 100,000 jugendliche Personen der Gesarnmt- beDslfcruug im Durchschnitt der Jahre 1883 bis 1887 562, int Durch- - schnitt der Jahre 1888 bis 1892 634 und im Jahre 1893 680 Ver- ;' urteilte kommen. Für 1894 und 1895 liegt das Zahlenmaterial I noch nicht vor. Die Kriminalität der Jugendlichen ist viel stärker gestiegen, al« die Kriminalität der Erwachsenen. Ans je 100,000 - Erwachsene kamen im Durchschnitt der Jahre 1883 bis 1887 ff WE im Durchschnitt der Jahre 1888 bis 1892 1204 Ver- urtheilte, die Zahl ber Bestraften ist hiernach vom ersten zum . zweiten Jahrsunf um 3,8 pCt. gestiegen. Bei den jugendlichen

Personen betrug die entsprechende Kriminalitätsziff« im ersten Sebrfünf 562 und im zweiten 634, sodaß eine Zunahme um f i$8 pCt. ftattgefunben hat. Die Straftaten der Jugendlichen be­schränken sich nicht auf die leichteren Vergehen, vielmehr sind auch Sie fchweren Verbrechen unter ihnen ziemlich stark vertreten. Wegen L Kordes (einschließlich Versuch, Anstiftung ec.) find im Jahre 1894 12, Im Jahre 1893 11, im Jahre 1892 15 und im Jahre 1891 11 t ingendliche Personen verurtheilt.