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Wiesbadener Sagblatt

Verlag: Langgaffe 27.

13,800 Abonnenten.

1896.

Mittwoch, den 28. Oktober.

Ko. 505

Bezirks-Fernsprecher No. 52.

Bezirks-Fernsprecher No. 52.

Morgen-Ausgabe

Ausland

Kleine Chronik

Wie dieKölnische Volkszeitung" ans Düsseld wurden dort durch den Einsturz eines Straß

o r f meldet.

wurden dort durch den Einsturz eines Straßenkanals mehrere Arbeiter verschüttet.

In Troisdorf bei Köln erstach ein bisher unbekannter Mann einen Familienvaterund verletzte dessen Schwager schwer.

Ein jugendlicher Brandstifter, der 17-jährige Knecht Zosef Fingerhut ans Giesenberg-Solingen. wurde in Dortmund zu drei Jahren Gcfängniß verurthcilt. Er war bei einem Landwirthe als Pferdeknecht eingetreten; da ihm auch zugemuthet wurde, beim Kartoffclschälen zu helfen, und die Magd ihm eine Ohrfeige versetzte, glaubte er, sich durch irgend eine That rächen zu müssen. Er ging hin und zündete die Scheune seine« Dienstherr» an, die bis aus den Grund niederbranute.

* Großbritannien. Eine Depesche desTelegraphie" ans Konstantinopel meldet, die Armenier hätte» beschlosst«, sofort zu handeln, ohne länger die Einigung der Mächte abznwarteu. Es soll sich hierbei nm nichts weniger handeln, als Kon­stantinopel an allen vier Ecken in Brand zu setzen.

Bauer zum Unteroffizier avancire» ließ, so ein Esel!" Diese Aciißeruiig büßte der Feldwebel G. mit drei Wochen Arrest lind strafwciscr Versetzung nach Heilbronn. Dort kam G. in die dritte Compagnie, wo fehlt« Gmünder Widersachers jüngerer Bruder diente. Dieses Zusaniiuentrcffen war für diese» verhängniß- voll. Der alte Bauer hat auf Grund eines reichen Zeugcnmaterials, das zur Hauptsache aus Civilifteukreisen stammt, für folgende That- sachen Beweise beigebracht: 1. Niemals ist Karl Bauer mit seinem richtigen Namen angcrusen worden; seine Anrede lautete vielmehr: Lump, Fetz, Tropf, Lausekerl, elender Seckel!" Einmal erhielt er einen so wuchtigen Stoß vor die Brust, daß er rücklings zu Boden stürzte und später noch eine Zeit lang wie betäubt torkelte. Wieder­holt wurde er am Bruuuen nackt ausgezogen, mit Bürsten, Stroh­wischen und anderen rauhen Gegenständen derart gerieben und geschunden, bis er stark blutete. Einmal hing ihm die Haut an der Nase und an der Wange in Fetze» herunter; das andere Mal bemcrklcn die Scinigcn an den Armen ihres Karl von oben bis unten lange blutige Kratzwunden. Im Manöver zu Niedliiigc» wurde der Bauer fieben Mal hinter­einander ins Gesicht geschlagen, weil er nicht sofort die Instruktion der Vorpostenconipagnie nachsagcn konnte. Kurz zuvor war Bauer von einigen Kameraden in Teppiche gewickelt und derart gebanen worden, daß er vor Schuierz und Verzweiflung zum Fenster hinauszuspringen versuchte. Dieser erste Selbstmordversuch miß­glückte. Als er sodann zu Riedlingen durch die Schuld seines Lieutenants um acht Minuten verspätet antrat, erhielt er sofort drei Tage Arrest und Schläge mit dem Säbel. Diese Hiebe waren derart wuchtig und schinerzerregend, daß Bauer laut zu weinen begann. Und nun fiel die furchtbare Drohung:Dich bringe ich in diesem Winter noch ins MilitärznchthauS »ach Ulm". Nun war's aus. Bauer griff in seine»! Quartier zum Gewehr. Der erste Schuß ging fehl. Der ziveite zerschniettertc ihm de» Gaumen und ein Auge. Das geschah am 17. September. Am 18. traf der alte Bauer in Riedlingen ein und fand seine» Sohn beim klarsten Bcwiißtsein; jetzt erst erzählte dieser vor mehreren Zeugen seine ganze Leidensgeschichte. Am Abend des 20. September wurde der alle Bauer wieder heimgeschickt, weil man den Sohu außer Lebensgefahr wähnte. Wenige Stunden später starb dieser. Die niilitärgerichlliche Untersuchung, die in Riedlingen sofort eiu- gcleitet und durchgesührt wurde, ergab, -so heißt cs in dem genannten Blatt, nicht« als einen Selbstmord. Run meldeten sich aber später Beamte und angesehene Bürger von Riedlingen bei bei» tiefgebeugten Vater und boten sich al« Augeiizcugeu für die empöreuden Sceuen an. Unterm 8. d. M. wurde dem Beschwerdeführer die Eröffnung zu Theil, daß die Untersuchung begonnen habe; sie richtet sich gegen den Feldwebel Gölshöfer und Lieutenant Rabe.

Deutsches Keich.

* Der Kaiser bei Krupp. Ans Meppen, 27. October, Wird berichtet: Der Kaiser und Prinz Heinrich find mit Gefolge heute kurz vor 9 Uhr hier eingetroffen und von Geheimrath Krupp, Admiral v. Knorr und Staatssekretär Hollmann empfangen worden. Dieselben bestiege» sodann den Hofzug und geleiteten Se. Diajeftiit nach dem Kruppschen Schießplatz. Kurz nach 9 Uhr traf der Hoszug auf dem Schießplatz ein. Der Kaiser begrüßte huldvollst ben anwesende» Direktor der Kruppschen Werke nnb ebenso die an­wesenden Marine-Offiziere. Dann wohnte der Kaiser den Schießübungen der kaiserlichen Marine mit Geschütze» bei, die zur Ausrüstung der neuesten Panzerschiffe in Aussicht genommen sind. I» den Schieß- versnchen, die um 91/« Uhr begannen, trat gegen Mittag eine Pause ein, während welcher tut EmpsangSgebäude eine Frühstückstasel zu 28 Gedecken statlfand. Nach der Tafel wurden die Schießversuche fortgesetzt. Nachmittags gegen 4 Uhr reiften der Kaiser und Prinz Heinrich nach der Kruppsche» VillaHügel" bei Essen ab. Seit 10 Uhr Vormittags herrscht Rege».

* Air große Sicherheit im deutsche» Poskverhehr läßt sich an dem Umstande messen, daß die Ausgabe au Ersatzleistuugen für Postsendungen von 18911895 durchschnittlich nur 114,262 Mk. für jedes Jahr betragen hat, was bei dem durchschnittlichen JahreS- betrage der vermittelte» Werthe von 20,200 Millionen Mark nur /in für da« Tausend au«macht. Das Veihültniß der abhanden gekouinienen Packete ohne angegebenen Werth hat sich nach dem jährlichen Durchschuilt von 18911895 ans nur eins von 32,100 der anfgelieferten Packele gestellt. ES ist das ein umfo beachlenS- wertheres Ergebuiß, als innerhalb dieses ZeilronmS »ichrnials aus unaufgeklärten Ursachen die aus Postpacketen bestehende gesammte Ladung von Eisenbahnwagen verbrannt ist, und außerdem durch den Untergang von Postdampfern Packete in größerer Zahl verloren gegangen sind._________________________________________

Aus Aurich war ein Seitenstück zu dem Fall des Lieute­nants Brüsewitz gemeldet worden, das allerdings von vornherein lange nicht so drastisch und beunruhigend wirkte. Danach hatte ein Offizier einem Gastwirth, der sich ihm gegenüber unziemlich geäußert batte, mit dem Säbel eine klaffende Kopfwunde beigedracht. Nu»

i Iür Hlovemöer und Dezember!

Der Bezug

täglich in zwei Ausgaben erscheinenden und hier mehr als K doppelt so stark wie andere Blätter verbreiteten Wiesbadener Tagblatt"

Organ für amtliche und nichtamtliche Veltairnt- machungen der Stadt Wiesbaden nnd Umgebnng mit seinen 8 Gratis-Beilagen

^darunter dieIllnstrirte Kinder-Zeitung") ' ntonatlich IO Pfennig_____

kann jederzeit begonnen werden. Man bestelle sofort.

zu zeigen, wie sich der Seeleubegriff frühzeitig entwickelt hat. Aus dem reichhaltigen Inhalt der Nummer de«Magazin für Litteratttr" fei ferner eine Studie von Arthur Eloeffer über die jüngste litterarifche Entwicklung Frankreichs hervorgehobeu. Preis pro Quartal 4 Mk. (Conrad Skopnik, Berlin NW., Dorotheenstraße 8.)

DerDeutsche Liederkrauz" von New-Fork beschloß in feiner Generalversammlung von, 6. October, zur Feier seines 50-jährigen Jnbilälims im Mai nächsten Jahres eine» Sängerzug durch Deutschland und Oesterreich zu machen. Die Fahrt nach Europa soll über Gibraltar und Genua nach Mailand, den nord- italienifchen Seen, Venedig, Triest, Wie», Dresden, Berlin, Leipzig, München, Stuttgart, Frankfurt a. M., zum Niederwald-Denkinal und nach Köln führen, in welch letztgenannter Stadt die gemein» fchristliche Reise ihren Abschluß findet. In allen Städten sollen Konzerte veranstaltet werden- deren Ertrag den Armen der be­treffenden Städte überwiesen wird.

Der bekannte Hnngerkünstler Dr. Sanner ist bei eines- Brande in Cleveland, Ohio, verbrannt. Dr. Sanner rourbt znerst bekannt, als er im Jahre 1880 in New-Aork 40 Tage lang, saftete. Seitdem haben Andere noch länger gehungert. Späte: verknuste Dr. Tauner im Westen Pateut-Medikameilte und daun gründete er ein Findelhaus, aber auch dies Geschäft ging nicht recht. Schon im Jahre 1882 ließ sich feine Frau von ihm scheiden.

Anzei«e«.Prti-r

Die einspaltige Petitzeile für locale Anzeigen 15 Pfg., für auswärtige Anzeigen 25 Pfg. Reklamen die Petitzeile für Wiesbaden 50 Pfg., für Auswärts 75 Pfg.

Ans Stadt und Land.

Wiesbaden, 28. Octoder.

Zur Grinnernng. Am 28. Oktober 1787 ist der deutsche Schrislsteller I. Musäus gestorben. Seine Schriften waren ehemals sehr beliebt, sind aber heute bis aus dieVolksmärcheu bei Deutschen" fast vergessen. Diese Märchen besitzen, wennschon slr die SageuftoGe keineswegs in naiv volksmäßiger Gestalt wieder» geben, dennoch durch joviale Laune, liebenswürdige Schalkhaftigkeit sind lebendige Aumuth des Vortrages, die aus ihnen spricht, einen eigeuthümlicheu Reiz. Sie werden heute noch gern gelesen.

yrrfornil-lladiriditeit. Ihre Hoheit die Fran Fürstin v o ii S ch a u m b u r g - L i p p e ist wieder von hier nach Bückeburg abgereift. Herr Negierniigs-Civil-Superuumerar Leber bei der Königlichen Regierung dahier hat nm 19., 20. und 23. d. M. zu Kassel die Prüfung für die bei ben Königl. Regierungen (Ober-Präsidien) anziistelleiiden Sekretariat«- und Kafseubeamten abgelegt.

Kirchliches. Heute Abend, 6 Uhr, beginnen wieder für diesen Winter die von Divisioiispfarrer Runge im Saale der Oberrealschule, Oraiiieiisiraße 7, allwöchentlich an den Mittwoch- Abenden gehaltenen öffentlichen Bibelstunden. Der Gegenstand derselben wird auch in diesem Winter, wie uns mitgetheilt wird, die Offenbarung Johannis fein.

Schwurgericht. Am 30. October gelangt noch die An­klage gegen den Schlosser und Backsteinmacher Johann Kumlehn, zuletzt in Erbenheim, gebürtig in Warmsroth bei Kreuznach, wegen vorsätzlicher Gefährdung eines Eisenbahntransports zur Ver­handlung. Vertheidiger ist Herr Rechtsanwalt Dr. Loeb.

Ausläirdische Fette «ud Gele. In der Presse ist jüngst der Vorschlag gemacht worden, znm Schutze des koiisuniirenden Publikums mib der inländischen Produktion neben der bereits be­stehenden lleberwachung des Verkehrs mit Speisefetten nnb Speise­ölen durch die innere Marktpolizei noch eine besondere Kontrolle einzurichten, durch welche die au« dem AnSlaube kommenden Fette und Oele der bezeichneten Art sowie die zu ihrer Herstellung au« dem Auslände bezogenen Rohstoffe schon unmittelbar an den Grenz- eingaiigsstelleu aus ihre vorschriftsmäßige Beschaffenheit untersucht werde». Eine ähnliche Anregung, die im Reichstag gelegentlich der Verhandlungen über den Margarine-Gesetzentwurf erfolgt ist, hat zur Annahme einer Resolution geführt. Die Regierung hat sich bereits mit der Angelegenheit befaßt. Sie unterliegt zur Zeit einer sachverständigen Prüfung durch die zuständige» Behörden, von bereit Ergebniß die weitere Entschließung abhängt.

Kesißwechsel. Herr Glasermeister Karl Merz hat seine Hänker Kapelleustraße 6 und 8, des erstere an Herrn Buchhalter Heinrich Cron lind da« letztere an Herrn Kansmcmn Philipp Kiff el hier verkauft.

«». Jahrgang.

Erscheint in zwei Ausgaben. BezugS-Preis: 60 Pfennig monatlich für beide Ausgaben zusammen. Der Bezug kann jederzeit be­gonnen werden.

XXVI.

- Franenheim für Wochenpflege. Die Anstalt, die am . 1. April d. I. eröffnet wurde, hat die Bestimmung, verheiralhete Frauen aller Stände anfzuiiehmeii, welche im eigenen Hause der nöthigen Pflege entbehren, oder au» anderen Gründen eine sorg- wltige, ständige lleberwachung und Pflege bei und »ach der Eiit-. bmdtvig in einer zweckeutsprecheuden Anstalt sich zu sichern wünschen.

- Das Frauenheim befindet sich in der Villa Blumenstraße 7, die mit allen Eiiirichtungen, deren eine moderne Heilanstalt in Bezug auf Hhgieiue nnd Komfort bedarf, versehe» ist. Um den verschiedene», a»ch hochgestellten Ansprüche» an Zimmer, Verpflegung, Wartung rc. N genügen, sind drei Verpflegungsklaffen eingerichtet. Wie gÄW sieht, unterscheidet sich die Anstalt von unserem feine Leistungen Regen Fällen unentgeltlich darbietendenWöchnerinnen-Asyl" im

Wesentlichen dadurch, daß sie im Allgemeinen nur gegen ent- Entschädigung in Wirksamkeit tritt und auch der wohl- WWenden Fran zugänglich ist, doch ist auch hier, durch die Er-

Mhtung von Freibelten, für deren Unterhaltung bestens gesorgt torb, unbemittelten Ehefrauen die Aufnahme gesichert. Die ärzt- «6t Oberleitung liegt in den Hände» de« Frauenarztes Herrn xM. Wehm er. I» der Anstalt selbst wohnt, außer der Oberin

> dem Wartepersonal, ständig eine Hebamme.

I «..Jam Ittttrtkm« für die Abend-Ausgabe bis 11 Uhr Vormittags, für die Morgen-Ausgabe bis 3 Uhr Nachmittags. - Für die Aufnahme später eingereichter Anzeigen zur uächsterscheinenden Ausgabe wird keine Gewähr übernommen, jedoch nach Möglichkeit Sorge getragen.

Soldatenmißhandtung.

Leber einen schweren Fall von Mißhandlung eine« Soldaten «ringt derFränk. Kur." Aufsehen erregende Mittheilnngen, von 'tttn wir Notiz nehmen, nachdem sie in einem großen Theil der Dresse unwiderrusen die Runde gemacht haben. Danach hat der Vater des Mißhandelten, ein Weingärtner A. Bauer in Neckarsulm, Am Kommando de« württembergischen Infanterie-Regiments Rr. 122 zu Heilbronn Strafantrag gestellt,weil sein Sohn Karl durch fortgesetzte Beschimpfung, schwere körperliche Miß­handlung und rechtswidrige Bedrohung mit dem Militär- tuchthaus z» Ulm in Verzweiflung und Tod getrieben Worden fei". DerFränk. Kur." berichtet: Diese an er» kreisende» Einzelheiten reiche Tragödie begann mit einem Wilitärprozeß zn Gmünd. Der alte Bauer hatte in den Zähren 1895 und 1896 vier Söhne beim Militär. Der älteste stand ® der Garnison Gmünd, und als dieser zum Unteroffizier befördert wurde, machte ein Feldwebel G. in einem WirthshauS die Be- Lkküingr .Den Major möchte ich auch kennen, der den Joses

Ans Kunst und Leben.

* Verschiedene Mittheilnngen. Auf den heute, 71/« Uhr, in) der LogePlato" stattfindenden Lieder-Abend von Frau Zerlett-Oisenins sei hiermit nochmals aufmerksam gemacht

An seinem 80. Geburtstage find dem Nestor der schwäbische» Dichter, I. G. Fischer in Stuttgart, reiche Ehrungen zu Theil geworden. Der König ließ ihn durch den KabiiietlSches beglück­wünschen; die Stadt überreichte ihm eine Glückwunschadreffe, desgleichen zahlreiche litterarische und andere Vereine.

Der VerwaltungSrathder Bühnensestsp iele in Bayreuth hat beschlossen, im nächsten Jahre wieder Anfführnngen zu ver­anstalten und zwar drei desRinges der Nibelungen" und acht des Parsisal". Die Aufführungen desRinges" find auf den 21. bis 24. Juli, 2. bis 5. August und 14. bis 17. August, die vonParsifal" auf ben 19., 27., 28. und 30. Juli, 8., 9., 11. und 19. August an» beraumt. Leber die BesetzuugSfrage find endgültige Entscheidungen noch nicht getroffen.

Die psychologischen Frage», die die moderne Wissenschaft be­schäftigen, finden eingehende Erörterung in zwei inhaltsreichen Artikeln der neuesten Nummer desMagazin für tiitteratur". Professor Ludwig Büchner bespricht uub widerlegt die Theorie des Neovitalismus, die auf der jüngsten Naturforscher-Versammlung wiederum ihre Vertreter gesunden hat, und Thomas AcheliS geht von den neuesten Entdeckungen auf ethnologischem Gebiet aus, um

Vereins - Nachrichten.

Kurze sachliche Berichte werden bereitwiaizst unter dieser Ueberschrist aufgenoomen.

* I» der Statistik de« Mäniiergesang-VereinsConcordia" muß es an der betreffenden Stelle heiße», daß Herr C. Haßler von 1891 ab das Präsidium führte. Ferner tragen wir noch nach, daß auch der Mäniiergesaiig-VereinFriede" gelegeiitlich des Kommerses als ZugabeGrüße an die Heimath" vortrug.

* Frankfurt, 27. October. In dem heute Vormittag vo» dem hiesigen Oberlandesgericht verhandelten Entschädigungs- Prozeß des Inhaber« desHotelsznm Schwan" gegen die Stadt- geuieinde Frankfurt es handelt sich um die Kosten für den Aufent­halt des Kaisers, der am 10. Mai al« Gast der Stadt Frankfurt in dem Friedenshotel" wohnte einigten sich beide Parteien dahiu, die Entscheidung der Sache einem Schiedsgericht zn übertragen, i» das beide Parteien je einen Vertreter entsenden. Die Vertreter habe» das Recht der Kooptation. Seitens der Stadt Frankfurt wurde Geheimer Justizrath Hamburger zum Vertreter ernannt. Für den Fall, daß keine Einigung erzielt wird, soll ein neuer Termin auf de» 6. November vor dem hiesigen Oberlandesgericht anberaumt werde».

Die MohlthLligkelts-Ginrichtnngen Wiesbadens.

(Eigener Aufsatz für dasWiesbadener Tagblatt") Von Adolf Hahn.

XXV.

Heimath. Die auf Veranlassung der Damen Fräulein L. Eibach-Will lind Fra» Pfarrer Grei» am 1. October 1894 2.«folgte Gründung derHeimath" geschah in der Absicht, bessere» MmWnchen Aiigestellten, wie Verkäuserinneii, Arbeiterinnen bei ÄHtfettioiisbrandje, Bonnen rc., ein behagliches Heim zu bieten, ihnen mit Rath und That zur Seite zu stehen und sie vor den ihnen drohenden mannigfachen Versuchnngen zu bewahren. Durch Unter­stützung edler Menschenfreunde war man in der Lage, zu diesem Zweck zunächst eine Etage des Hauses Kapellen- stratz« 2b zu miethen und entsprechend zu möbliren. Die ganze Einrichtung, darunter 8 Bette», wurde von einer hochherzigen Dame, die nicht genannt sein will, geschenkt. DieHeimath" erfreute sich bald der größten Beliebtheit; bas gebt besonders daraus hervor, daß sie sich schon nach einjährigem Bestehen als zu klein erwies. Aber die Freunde der Sache mußte» Rath. Sie stellten größere Summen, theils unverzinslich, theils zu sehr mäßigem - ZklSfnß, zur Versügnng, so daß man in ben Staub gesetzt war, das Hans Lehr st raße 11 zu erwerben und den Zwecken der Anstalt dienstbar zu mache». Die feierliche Eröffnung des neuen Hauses sand im October 1895 statt. Dasselbe ist prächtig UHfc gesund gelegen, dabei aber doch nicht weit von dem Ceiitrnni der Stadt entfernt. 19 Bette» sind jetzt in derHeimath" auf« geMt. Die Mädchen haben für eine freundliche Wohnung mit guter Kost, je nach Ansprüchen, nur 30 bis 40 Mk. per Monat zu xihlen. Es giebt nämlich Zimmer für eine Person allein, die natürlich am theuersten sind, ferner solche für je 2 oder je Personen. Zur Einnahme der Speisen dient ein geräumiger Etzsaal, der durch einen Speisen-Auszug mit der, modernen ^Anforderungen entsprechend, im Souterrain gelegenen Küche verbunden ist. I» der wärmere» Jahreszeit tritt zuweilen das geräumige Gartenhaus, das in dem an bas Haus grenzenden schönen Garten gelegen ist, an Stelle des Eßsaales, «ehr beliebt find die hi» uub wieder an Sonntagen unter Leitung mehrerer Damen veranstaltete» Theeabende, an denen auch Mädchen, die nicht in derHeimath" wohnen, Theil nehme» können. In der Woche ist den Mädchen, die Englisch lerne» wollen,dazu unentgeltlich Gelegenheit geboten. Bemerkenswerth ist, daß die von Fräulein Becker verwaltete Anstalt stets gut besucht ist und im Lause eines i Jahres durchschnittlich über 100 Mädchen in derselbe» Unterkunft naben; natürlich werden auch stellenlose bezw. stellensuchende Mädchen aufgHiommen. Nicht versäumen wollen wir zum Schluß noch, dieHeimath" der Unterstützung wohlthätiger Menschen zu empfehlen.