WitM-ener Tilgblaü
««. Jahrgang,
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— Für die Aufnahme später eingcreichter Anzeigen zur
N-. 503
Montag, den 26. Grtoder,
1896.
BezlrkS-Fcrnsprechcr Wo. 52.
Bezirks-Fernsprecher No. 52.
Abend-Ausgabe
* Rundschau im Reiche. In Hof tagte gestern die Versammlung der Führer und Aerzte der deutschen Sanitäts- Kolonnen vom Rothen Kreuz, zu welcher etwa 200 Thcil- nchmer ans allen Theilcn Deutschlands cingetroffen waren. In der vorgestern Abend stattgchabtcn konstitnirenden Versainmlnng wurde Hauptmann Halder-München zum ersten Vorsitzenden gewählt. Es wurde eine Reihe von Vorträgen gehalten. Für da? nächste Jahr ist wiederum die Abhaltung eines Führer- und Aerztc-Tages hi Aussicht genommen. — Die württe in bergische Auwalts- ka m vier beschloß gestern mit 45 gegen 3 Stimmen, daß die Verleihung de« Juftizrathstitcls an Rechtsanwälte als nicht im Interesse des Berufs liegend erachtet werde.
* Bulgarien. Der Prozeß Stambulow ist auf Anfang Dezember allen Stils verschoben worden.
* Rumänien. Gut unterrichtete Kreise erklären den bevorstehenden Besuch des Königs von Serbien am hiesigen Hofe als einen Schritt zum engeren Anschluß Serbiens an den Dreibund und als ein frenudlichcs Entgegenkommen gegenüber Rumänien. Diese Thatsache soll durch die Haltung Bulgariens wesentlich gefördert worden sein.
* Türkei. Die Botschafter überreichten gestern der Pforte eine Kollektiv-Note, worin sie um Aufklärung über die Nachricht ersuchen, daß die Pforte eine Zwaugsanleihe und militärische Maßregeln plane. — Von Seiten der Pforte wird die Behauptung ausgestellt, daß sie sich im Besitz zuverlässiger Nachrichten befinde, nach welchen das armenische Central-Comitö in Genf einen Anschlag ans eine Botschaft in Konstantinopel plane, um in dieser Weise, wie cs schon immer beabsichtigt war, die Jnterveution einer fremde« Macht zn provoziren.
* Amerika. Eine Depesche aus Havana meldet einen Zusanimenstoß zweier Militärzüge in der Nähe von Guincs, wobei 4 Soldaten getödtet und 30 verwundet wurden, darunter 1 Major und 7 Offiziere.
Sicherheit der Herrscherin eines gewaltigen Reiches gewonnen hat, sieht schöner und strahlender aus, als jemals. Wie gewaltig der Unterschied zwischen ihrer Abreise von hier vor zwei Jahren, da sie als Braut an das Todtenbett des Schwiegervaters mit schwerem. sorgenvollem Herzen eilen mußte, und ihrer jetzigen Ankunft in Glück und Glanz!
Wenn man den vertrauten Verkehr der hohen Herrschaften völlig unbefangen beobachtet, wie sie ohne jedes Zeichen ihrer Stellung in einfachem „Civil" durch die Straßen wandern, an diesem oder jenem Schaufenster stehen bleiben und meistens unerkannt bleiben; wenn man sich vergegenwärtigt, wie unsere im Ganzen doch durchaus deutsch erzogene Fürsteutochter ganz in deutschen Anschauungen hcrangewachsen ist, die höchstens von einem englischen Hauch angeflogen sind, — wenn mau endlich daran festhält, daß trotz aller gegenteiligen Zeilungsweisheit das Verhältniß des Czaren zum deutschen Kaiser ein durchaus^ gutes und freundliches ist: so will es uns nicht in den Sinn, daß die in Chalons vom Czaren betonte confraternite d’armes irgend eine Spitze gegen Deutschland haben könnten. Es liegt uns als unpolitischem Berichterstatter durchaus fern, über das franko- russische Bündniß irgend welche Betrachtungen auzustellen, oder zu untersuchen, ob dieses gefährliche Wort von „Waffenbrüderschaft" nicht hätte vermieden werden können, da es doch zweifellos die eingeschlummcrten Revanchegelüste der Franzosen aufs Neue beleben mußte, — aber das glauben wir doch aussprechen zu müssen, daß die Tendenz des Czaren eine durchaus friedliche ist und daß er nicht daran denken kann und wird, durch Unterstützung der ftanzösischen Herzenswünsche einen der furchtbarsten Kriege zu entfesseln, die die Welt jemals gesehen hat. Es darf auch der Umstand nicht übersetzen werden, daß der junge Czar die französische Entente
nicht selbst angebahnt hat, daß ihm dieselbe vielmehr als ein Vermächtniß seines verehrten Vaters zurückgelaffen wurde, das er in kindlicher Pietät festzuhalten und weiter auszubauen verpflichtet war.
Wie man jede unbedeutende Kleinigkeit, die in diesen russischen Tagen hier in die Erscheinung tritt, sofort glaubt politisch verwerthen zu müssen, davon nur ein Beispiel: Bei dem Besuch des Czaren in Wiesbaden beim deutschen Kaiser blieben die russische Kaiserin und die Großherzogin in Darmstadt. Darüber wurde sofort in den Zeitungen gelärmt und eine Unfreundlichkeit in dieser Zurückhaltung der hohen Damen gefunden. Thatsache aber ist, daß die Kaiserin wie die Großherzogin den Kaiser Wilhelm bei dessen Besuch in Darmstadt gebeten hatten, mit Rücksicht auf ihre „Ermüdung" von einer Begleitung des Kaisers Nikolaus bei seinem Besuche in Wiesbaden Abstand nehmen zu dürfen. Es ist auch zwischen den beiden Kaisern die kurze Dauer des Besuches des russischen Kaisers in Wiesbaden festgesetzt morden, weil Kaiser Wilhelm gewünscht habe, den der Ruhe so sehr bedürftigen Czaren nicht für längere Zeit seiner Erholung in Darmstadt zu entziehen. Das sind doch ganz natürliche Rücksichten! Ebenso ist es den stille Politik treibenden Dilettanten „aufgefallen", daß in Darmstadt der Czar den deutschen Kaiser nicht auf den Bahnhof begleitet hat, wie dieser ihn in Wiesbaden. Diese „Politiker" beachten aber gar nicht, daß der Czar Gast in unserer Residenz ist, Kaiser Wilhelm aber ist in Wiesbaden nicht bloß Reichsoberhaupt, sondern auch Landesherr. Der Unterschied des Ceremoniells ist also vollkommen gerechtfertigt.
Wir bleiben dabei stehen, daß das Verhältniß der beiden Herrscher ein gutes ist und daß beide ernstlich den Frieden wollen. Daß die Kaiserin Friedrich zum Geburtstag der
Ans Kunst und Lebe».
* Königliche Schauspiele. Anschließend an die gestrige Wiederholung der „Jngwelde" dürfte noch die s.Zt. nicht genügend bekannt gewordene Thatsache von Interesse sein, daß Se. Majestät der Kaiser und König nach der ersten „Jiig>velde"-Anffül>rung den Intendanten Herrn v. Hülsen speziell beauftragte, der Frau Reuß-Belce, der Allerhöchstihm schon rühmlichst von Karlsruhe bekannten Künstlerin,für die geradezu hervorragende Durchführung der „Jngwelde" die höchste Anerkennung und Zufriedenheit ailSzusprechen. Auch Herr Intendant v. Perfall hat sich i» geradezu enthusiastischer Weise über die Künstlerin geäußert. — Die nächste Rolle der Frau Reuß wird die „Venus" in der Neu- cinstudirung des „Tannhäuser" (Pariser Bearbeitung) sein. Noch im Laute des November wird sie als „Brüuhilde" („Walküre") vor das hiesige Publikum treten.
* Konzert. Das vornehm gehaltenen Programm für den am nächsten Mittwoch im Saale der Loge „Plato" stattfilidenden Lieder« abend von Frau RosalieZerlett-OlfeniuS ist folgendes: 1. a) Gesänge des Harfners, b) Die junge Nonne — Lieder von Schubert. 2. Ungarische Phantasie (Klavier), Liszt. 3. a) Schöne Wiege meiner Leide», b) Schneeglöckchen, Jasmineiistrauch, c) Die Soldatenbraut — Lieder von Schuman». 4. a) Feldeinsamkeit von Brahms, b) Die Waldhere von Rubinstein, c) Abcndreih'n von Scholz. 5. Klavierstücke von Zerlett und Mosskowsky. 6. a) Vne Nuit de Mai von Thomas, b) Solvejgs Lied von Grieg, a) Vorfrühling von Zerlett.
h. Frankfurter Schauspielhaus, 25. October. Die unter dem Sammelnamen „Moritnri" laufenden drei Einakter von Hermann Sudermann wurden gestern vor ausverkanstem Hause erstmals gegeben und sanden durchweg freundliche Aufnahme. De« stärksteil Eindruck machte das unserem Empfinden am nächsten liegende moderne Drama „Fritzchen", während das Gothendrama „Teja" einen mehr äußerlichen Erfolg hatte. Der Witz des atirischen Einakters: „Das ewig Männliche" befremdete mehr, als er zündete. Gespielt wurde durchweg sehr gut.
* Verschiedene Mittheiiungen. In Weimar wurde gestern das Denkmal des verstorbenen Erbgroßherzogs Karl August in Anwesenheit der Erbgroßherzogiii-Wittwe und der beiden Söhne des Verstorbene», Erbgroßhcrzog Wilhelm Ernst und Prinz Bernhard Heinrich, feierlich enthüllt.
Wegen der edlen „Nelly Kneebs" war Professor Eggeling von der Berliner Thicrärztlichen Hochschule, wie seiner Zeit berichtet, int Auftrag des Gerichts uach Amerika gereist, um in dem bekannten Rcunprozeß die Identität des Pferdes fcstznstcllcn. Professor Eggeling ist nun nach Deutschland zurückgekehrt; er ist zu einem für den inhaftirten Kneebs ungünstigen Resultat gelaugt.
Anstand.
* Gesterreich-Ungarn. Aus vielen Ortschaften Ungarns laufen weitere Meldtingeii über Wahl-Excesse ei». Im Borsoder Komitat wurde ein Bürgermeister mit seiner Frau bei einem solchen Exccß erschossen. Die Wahlbewegung nimmt immer größere und heftigere Dimensionen an. Trotzdem rechnet die Negierung auf eilte Majorität von 100 Stimmen.
* Italien. Der Vermählung des Prinzen von Neapel mit der Prinzessin Helene von Montenegro, welche Samstag Vormittag, 10 Uhr, im Quirinal stattsand, wohnten nur wenige Personen bei. Die Ceremonie in der Maria-Augeli-Kirche war äußerst feierlich. Nach derselben besuchte da« Neuvermählte Paar das Pautheo», wo es am Grabe Victor Emanuels einige Zeit in stiller Betrachtung verweilte. Die am gleichen Abend statt- geftindeue Jllttmittatiott verlief großartig. — Einer Blättermeldnng zufolge beabsichtigt Ministerpräsident Rndini die Kammer vor die Alternative zu stellen, entweder das Budget für Afrika von 20 auf 40 Millionen zu erhöhen, oder die Kolonie auf Maffana zu beschränken, was einem Ausgebern derselben ziemlich gleichkommt. — Der König hat einen Erlaß unterzeichnet, betreffend eine Amnestie für gemeine, politische, militärische und finanzielle Vergehen.
* Niederlande. Königin Wilhelmine nahm gestern in Gegenwart der Königin-Regentin, der Hofstaates, der Behörden und einer großen Zahl anderer Personen zum ersten Mal das heilige Abendmahl. — Der General-Adjutant Kaiser Wilhelms, General der Infanterie v. Hahnke, welcher der Königin ein Geschenk des Kaisers überbringt, ist im Haag cingetroffen, am Bahnhof offiziell empfangen worden und im Palais abgefiiegtn.
* Frankreich. In Alby wurde gestern unter Festlichkeiten die Glashütte eingeweiht, welche von den frühere» Ausstätidigen von Carina»; vermittels der durch verschiedene Subskriptionen aufgebrachten Beiträge eingerichtet worden ist. Rochefort und zahlreiche sozialistische Deputirte wohnten der Feier bei. Die Glashütte wird von Arbeitern verwaltet werde».— Wie die „PetiteRöpirbligiie" meldet, beschäftigte sich der Gcncralstab infolge der Errrichtiing eine« Lagers in Maluicdy mit der Frage einer Verstärkung der Garnisonen im Norde». Der Effektivbestand des I. Armeccorps wurde um ein Viertel erhöht werden. — Redemptoristen hielten kürzlich in der Herz Jesn-Kirche in ArmeittiörcS eine Mission ab. Da sie in den Predigten politische Fragen behandeltcit, organisirten gestern Abend 200 Personen eine Gcgeiiknndgcbuiig. Ein Theilnehmer derselben verlangte, die Kanzel besteige» zu dürfen zur Widerlegung der politischen Predigt. Als dies verweigert wurde, stimmte die Menge die Marseillaise an und andere Lieder. Die Kundgebung endigte mit einer Schlägerei, sodaß die Polizei einschreiten mußte und mehrere Verhaftungen vornahnt. — Der ehemalige französische Abgeordnete Estancelin giebt im „Ganlois" den Engländern die Pille zu schlucken, daß Biserla an der Nordspitze von Tunis als Winterhafen für die russische Mittelmcerflotte in Aussicht genommen et, und hebt die Bedeutitug hervor, welche die gleichzeitige Anwesenheit der russischen und der französischen Flotte in Biserta für das Mitleluieer und für den Orient haben würde.
* Rußland. Die „Nowoje Wrcmja" begrüßt befriedigt den Eintritt einer slavischcn Prinzessin in die italienische Königssamilie und nennt bett Kronprinzen von Italien einen aufrichtigen Anhänger Rußlands, was die Anbahnung herzlicher Beziehungen Italiens auch zu Frankreich bedeute.
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(Nachdruck verboten.)
D Das Darmstadter Czaren-Idyü.
s (Eigener Aufsatz für bas „Wiesbadener Tagblatt".) Darmstadt, 24. October.
©eit dem 10. October hält das Czarenpaar bei uns | Rast nach den anstrengenden Tagen von Wien, Breslau, s Paris. Die Diplomatie und Politik ist verstummt, die - ruhige Behaglichkeit des hessischen Fürstcnhofes wird den £ verstimmten und erregten Nerven ihre Ruhe wiedergeben. L Die hohen Herrschaften machen bei gutem Wetter Ausflüge " in unsere Bergstraße, empfangen unpolitische Besuche, - viusiziren, wenden den Vorstellungen unseres tüchtigen Hof- L theaters ihren regelmäßigen Besuch zu und bestimmen ß gemeinsam mit unserem kunstsitinigen Großherzog den w Spielplan. Donnerstag haben sie sich an LÄrronges lustigem „Compagnon" erfreut, Freitag schritt die düstere F „Ahnfrau" Grillparzers über die Bühne, für Sonntag ist F bereits „Tannhäuser" festgesetzt. Der Aufenthalt an unserem | stillen Ort wirkt augenscheinlich beruhigend und erfrischend k auf das russische Kaiserpaar. Der Czar kam blaß, ernst und angegriffen her, heute sieht er bereits frischer und E heiterer aus. Als am Donnerstag Mittag, 12 Uhr, die | Kaiserin Friedrich von Cronberg hier zum Besuche des F Czarenpaares eintraf und ich zufällig einen Blick in den vom k Bahnhof kommenden Wagen warf, in welchem das hohe Paar, L die Kaiserin Friedrich und der Großherzog saßen, konnte es t mir nicht entgehen, wie bei der augenscheinlich ganz heiteren | Konversation, die der Großherzog führte, das sonst so ernste | Gesicht de§ Czaren sich zum Lächeln aufhellte, wie ferner | seine Farbe frischer, sein Auge lebendiger geworden war. d Und die Czarina, unsere liebreizende Fürstentochter, die zu i ihrer jugendlichen, mädchenhaften Anmuth die Würde und
Deutsches Deich.
* Sof- und Versonal-Uachrichten. Samstag Vormittag fand in der Schloßkirche die Trauung des Erbgroßherzogs von Oldenburg mit der Prinzessin Elisabeth von Mecklenburg-Schwerin statt. Den Hochzeiiszug eröffnete der Kaiser, welcher die Großfürstin Maria Panlowna führte; es folgte Prinz Heinrich von Preußen mit der Erbgroßherzogin von Meckleuburg-Strelitz, Großfürst Wladimir mit der Herzogin Engenie von Oldenburg und daun die anderen Fürstlichkeiten. Darauf folgten der Bräutigam, Erbgroßhcrzog von Oldenburg, geführt von den Großherzoginnen Marie und Anastasia, und die Brant, geführt von dem Großherzog von Oldenburg und dem Großherzog von Mecklenburg-Schwerin. Nach beendigter Trauung fand eine Dcfilir- cour und sodann Familientafel in der Waffeuhalle statt. — In P oi S dam ist die P r i nzes sin Karl Anton von Hohenzollern, geborene Prinzessin Josefine von Belgien, Freitag Nachmittag von einer Prinzessin entbunden worden. — Der bisherige Kolonial- Direktor vr. Kayser hat seine Amtsgeschäste an seinen Nachfolger, Freiherrn v. Richthofen, übergeben. Die Ernennung vr. Kayfers zum Senatspräsidenten am Reichsgericht «st bereite offiziell vollzogen.
Kerlin, 26. October. Major v. Wißmaun hat, wie die „Nat.-Ztg " hört, feinen endgültigen Entschluß, ob er noch einmal für einige Zeil auf feinen Posten in Deutsch-Ostafrika zurückkehren werde, »och nicht gefaßt. Einzelne Blätter neunen den Geheimen Legationsralh ans der Kolonial-Äbtheilnug des Auswärtigen Amts - als feinen eventuellen Nachfolger. Von der „Nat.-Ztg." wird diese | Angabe al? unrichtig bezeichnet. Was den Etat für Deutsch-Ostafrika betrifft, fr wird derselbe eine Verminderung des Rcichszuschuffes, nicht, wie behauptet wurde, eine Erhöhung ergeben.
B . Die „Nordd. Allgcm. Ztg." schreibt: Das Gerücht von der bevorstehenden Versetzung des Polizeipräsidenten in Frankfurt a.M., Fncherrn v. Müffling, das in der „Frankf. Ztg." mitgetbeilt war, entbehrt ebenso wie die damit in Zusammenhang gebrachte Kombination nach den von uns eingezogenen Erkundigungen jeglicher Begründung.
Im Ncichsamt des Innern findet Ende dieser Woche eine Konferenz von Vertretern der betbeiligten NeichSrcssorts und der preußischen Regierung statt, um über eine rcichsgesetzliche Regelung des Lcichenschanwesens zu beratheu. In den fämmtlidjen Bundesstaaten ist die Angelegenheit bereits geregelt; nur in Preußen fehlt eS an einem Gesetz, wenigstens soweit auch das flache Land betroffen wird. Die Regelung der Sache in Preußen soll nun nach der „Post" als Gelegenheit benutzt werden, ein einheitliches Recht im ganzen Reich einzuführen.
Professor Quid de-München sprach am Freitag im Westen l Berlins in einer öffentlichen Volksversammlung über Zeitfragen. “ Die Versammlung war sehr gut besucht. Redner fritifirtc besonders F scharf den Fall Brüsewitz und erntete damit natürlich lebhaften Beifall.
* Aufgehobene Verfügung. Der Minister der geistlichen :c.-Angelegenheiten hat die Königliche Negierung zu Magdeburg beauftragt, ihre Verfügung vorn 2. September d. Js., betreffend die dreijährigen Schnlverwaltungsberichte, insoweit auszuheben, als darin 1. die Schulaufsichtsbeamten zur Erstattung allgemeiner Berichte über das amtliche und anßeramtliche Verhalten, insbesondere über die sittliche Haltung der Lehrer, 2. die Landräthc zur Aenße- rung über die politische Haltung der Lehrer veranlaßt werden. (Die s bett. Verfügung hatte allgemeine» Aufsehen und Mißfallen erregt.)
* Der Grnte-Grlrag im Deutschen R'ich stellte sich nach einer vorläufigen Schätzung, die sich im October auf Weizen, Spelz und Sommergerste erstreckte, folgeudcrntaßen: bei Wintcrweizeii 18,0 Doppelcentner vom Hektar gegen 16,7 im Jahre 1895, Sommerweizen 14,9 Doppelcentner vom Hektar gegen 13,8 im Jahre 1895, Winterspclz 13,2 Doppelcentner vom Hektar gegen 13,9 im Jahre 1895, Sommergerste 16,5 Doppelcentner vom Hektar gegen 16,8 Doppel-
s antner im Jahre 1895.
