ViesbÄmer TilgblÄ
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Ko. 494.
Mittwoch, den 21. Oktober
1896,
Bezirks Fernsprecher No. 52.
BezirkS-Fernsprecher No. 52.
Abend-Ausgabe
Direkt nördlich von Uhehe liegt der Bezirk Kilimatinbe mit der
kolomie der Wahehe südlich von Kuirenga ein befestigtes Lager bezogen hatte, das als Stützpunkt für weitere Operationen dienen soll. Ein von dein Lieutenant Graf Fugger befehligtes BeobachtungS- corps (ein Theil der Besatzung von Kilossa), welches sich vor den anrückenden Wahcbe hatte znrückziehen müssen, war von dem Expe- dilionscorps des Chefs Prince aufgeiiommeu worden.
Weitere Nachrichten, deren Bestätigung aber noch nicht erfolgt ist, besagen, daß der Oberstlicutenant v. Trotha in einem größeren Gefechte zwischen Kilossa und Usekke den Wahehe eine schwere Niederlage bcigcbracht und dieselben ans Ugogo vertrieben habe. Es soll
bekannt. geworden uud sie haben nun die Zeit für gekommen gehalten, ihre frühere räuberische Thätigkcit wieder aufzunchmen.
Wie die ncuestcu Nachrichten ans Ostafrika besagen, hat der auf der Rückreise vom Seengcbict zur Küste begriffen gewesene Oberst- licutenant v. Trotha durch von der Küste kommende, in Ugogo von den Wahehe anSgeplünderte Karawanen Nachricht von dem Aufstand erhalten. Daraufhin hat er sich in Eilmärschen in das gefährdete Gebiet begeben, wo schon vorher der Compagnieführcr Prince mit 200 Mann und 2 Geschützen zur Nekognoszirung eiu- getroffen war und nach einem siegreichen Gefecht mit einer Streif-
<4. Jahrgang.
Erscheint in zwei Ausgaben. — BezngS-Preis: 60 Pfennig monatlich für beide Ausgaben zusammen. — Der Bezug kann jederzeit begonnen werden.
er geöffnet würde; der Träger weigerte sich und machte auf die Gefährlichkeit aufmerksam, er mußte aber doch gehorchen uud--es gab einen gehörigen Knall. Effendi, Zoll
beamte, Lastträger, Alles, was Beine hatte, rannte wie toll davon oder purzelte durcheinander, in Pera erzählte man sich aber gleich wieder, es hätte einen Kampf zwischen Sofias und Soldaten gegeben und von ersteren wären mehrere erschossen worden.
Das zeigt die nervöse Stimmung, die in Konstantinopel herrscht, es zeigt aber auch, wie leicht thörichte Gerüchte entstehen, die nun sofort vergrößert auswärtigen Zeitungen mitgetheilt werden, und selbst wenn der Korrespondent vorsichtiger Weise anführt: „Es soll das uud das vorgekommen sein", so sagt sich der schlaue Leser: „Ach, das ist ja geschehen, jedenfalls noch viel schlimmer, der Berichterstatter will oder darf es nur nicht so melden."
Nun, Konstantinopel ist jetzt völlig ruhig, wohl durchziehen noch bei Tag und bei Nacht Militärpatrouillen, Infanterie und Kavallerie, die Straßen, aber das scheint kaum noch von Nöthen zu sein: der Schreiber Dieses war mit seinem oben erwähnten Kollegen in den türkischesten Vierteln von Stambul, wo nur selten Europäer, und auch dann nur von einem Dragoman begleitet, hinkommen, wir tranken unseren Kaffee im Schatten einer Moschee in einem entlegenen, von Zelttuch bespannten und von Türken stark besuchten Kaffeehause, wir besuchten NachtS, ohne jeden Schutz, die Hafenkneipen und durchwanderten darauf die verrufensten Gassen, aus deren Spelunken Musik und Gesang herausscholl, es fiel auch keinem einzigen Mohammedaner ein, uns nur mit einem Wort, mit einer Miene zu belästigen, womit aber durchaus nicht gesagt sein soll, daß dies sich nicht einmal ändern kann und die „Knüppelmänner", die heute Euch demülhig die Schuhe putzen. Euch die wundervollen Früchte verkaufen, Eure Koffer schleppen oder Euch in ihren leichten.
Ulanga, östlich von Uhehe, liegt auf dein rechten Ufer des gleichnamigen Flusses und dient speziell zur Sicherung gegen die Wahehe und Mahenge. Die Besatzung bestand bis Anfang dieses Jahres aus der 5. Compagnie der Schutztruppe mit 2 Offizieren, 1 Arzt, 1 Feldwebel, 1 Unteroffizier, 1 Obcrlazareth- gebülfen, 1 Dolmetscher, 10 farbigen Unteroffizieren und 112 Askaris; doch ist der größere Theil der Besatzung mit den beiden Offizieren vor einiger Zeit nach der Küste abgegangcu, sodaß jetzt nur 50 Mann in Ulanga liegen.
Die schon oben genannte Hauptstadt der Wahehe, Kuirenga, am oberen Ruaha gehört zu dem Bezirk Ulanga.
Kilossa, nordöstlich von Uhehe, ist im Jahre 1891 durch den Compagnieführcr Prince angelegt worden zum Schutz der Karawaucn- straßeu nach Dar-es-Saläm. Stationschef ist der Lieutenant Graf Fugger von Glött. Die Besatzung besteht aus einer Abthcilnng der 12. Compagnie, mit 1 Arzt, 1 Zahlmeisteraspiranten, 2Unteroffizieren,4 farbigen Unteroffizieren und 44 Askaris. Die Ariuirung besteht aus 1 4,7 cm Schuellladekanouc und 1 8 mm Maschinengewehr.
An Kilossa schließt sich nach Westen bin Mpwapwa an. Die Militärstation dieses Bezirks liegt an dem Knotenpunkt der wichtigsten aus dem Scengebiet nach der Küste sübrendcn Karawanenstraßen, in der
Landschaft Ugogo. Mpwapwa ist 1889 durch Major v. Wißmann angelegt worben, von einer hohen Maner nnigeben und besitzt 2 Bastionen. Die Besatzung besteht jetzt nur noch aus einer Ab- theilung der 12. Compagnie mit 1 Offizier, 1 Arzt, 2 Unteroffizieren, 1 Oberlazarethgehiilfen, 6 farbigen Unteroffizieren und 34 Askaris. Die Ariuirung besteht aus 1 Nordcnfcldgefchütz und 14,7 cm Schnellladekanone. Mpwapwa ist für durchziehende Truppen imb Karawanen als Etappe noch besonders wichtig durch sein Lazarelh, in welchem 5 Kranke Aufnahme finden köniien.
die Absicht vorhanden sein, die angesehensten der gefangenen Wahehe als Geiseln nach Dar-es-Salüm zu bringen und die Wahehe zur Auslieferung ihrer Hinterlader zu zwingen. Ob diese Absicht mit den vorhandenen Streitkräfte» auf unserer Seite durchführbar ist, wird die nächste Zukunft zeigen. Jedenfalls dürfte es von besonderem Interesse sein, an der Hand der beistehenden Karte fest- ziistelleii, welche Streitkräfte in den, dem Anfstandsgebiet zunächst- liegendcn militärischen Stationen, und welche Chancen zur gründlichen und schnellen Niederwerfung der Revolte vorhanden sind.
Es konirnen hierbei die folgenden 5 Bezirke in Betracht: „Langenburg", „Mpwapwa", „Kilirnatinde", „Ulanga" und „Kilossa". — In jedem dieser Bezirke ist eine Militärstation gleichen Namens wie der Bezirk selbst und eine mehr oder minder große Anzahl von Misstonsstationcn, welche in unserer Karte durch kleine Kreuze bezeichnet sind.
Langenburg, im Süden von Uhehe, ist 1893 durch Major v. Wißmann dicht am Ufer des Nyassa-Sces angelegt und zu einer Besestigiing auSgebailt worden. Eine 2,3 m hohe, 42 m lange, mit Schießscharten versehene Steinmauer schließt die Anlage ein. Die Besatzung besteht aus 1 Offizier, 1 Feldwebel, 3 farbigen Unteroffizieren, 72 Askaris. In Langenburg ist auch der Regicrugsdampfcr „Hcrnianu. v. Wißmann" stationirt, der mit 2 Geschützen und 1 Maximgewehr armirt und mit 25 Karabinern für die Schiffsbesatzung ans- gcstaltet ist.
Aufstand der Wahehe in Dentsch-Gstafrika.
Mitte September kamen Nachrichten aus uuserein deutschen Schutzgebiet in Ostafrika, daß ein allgemeiner Aufstand unter den Wahehe, welche die Gegend Uhehe bevölkern, ausgebroche» sei. Die Wahehe sollten ränbcrische Einfälle in die an ihrer Nordgrenze liegenden Gebiete Ugogo und Usagara gemacht und das Gebiet von Usekke, ans dein sie am 11. und 13. October 1894 nach blutigen Gefechten mit unserer Schutztruppe vertrieben worden waren, verwüstet unb geplündert haben. Ein anderer Theil der Wahehe sollte sich nach Süden gewendet haben unb auf de« Marsche nach der Missionsniebcrlassung Utmgule und der am Nyaffa-See gelegenen Militärstation Langenburg begriffen sein.
Gleichzeitig tauchten auch Gerüchte auf, baßdiesüblichvomTanganika-See wohuenben Wawemba in bas beutsche Gebiet eingefallen und nut noch eine kurze Wegstrecke von Laxenburg entfernt seien.
Die Bestätigung der letzteren Nachricht, wckche aus englischer Quelle von bcn in Kala im Gebiet Ürungu ansässigen Missioncu stammt, muß erst noch abgewartet werden.
Der Aufstand der Wahehe, dein auch von dem augenblicklich in Deutschland weilenden SonverneurvonOstafrika, Major v.Wißmann, größere Bedeutung beigelcgt wird als etwaigen räuberischen Einfällen der Wawemba, und über den bereits genauere Angaben vorlicgen, ist von umso größeren! Interesse, als ja derselbe Stamm am 17. 8.1891 das Expeditions- Mpr des Lieutenants v. Zelewrki in der Nähe von Kuirenga überfiel und fast ganz vernichtete. Später sind den Wahehe noch die Lientenants v. Bülow und Wolfrum und am 6. 10. 1892 bei Kilossa der Lieutenant Brüning zum Opfer gefallen. Als dann im Jahre 1894 der Oberst v.Schele mit etwa 800 Mann der Schutztruppe einen Sirafzng gegen die Wahehe unternahm, wurde am 30. October der für afrikanische Verhältnisse auf Negerart recht gut befestigte Hanptort Kuirenga in Uhehe gestürmt und zerstört. Die Wirkung war, daß sich die Wahehe zurückzogen uud die Bewohner der umliegenden Landstriche fast 2 Jahre hindurch mit ihren bis dahin gewohnheitsmäßig unternommenen Raubzügen verschonten. Das ruhige Verhalten der Wahehe in den beiden letzten Jahren hatte den Gouvernenr Major v. Wißmann veranlaßt, im Januar b. I. die seiner Zeit speziell znm Schlche gegen die Wahehe unb Mafiti gegründete Militärstation Kisaki in Khutn ebenso wie ans ökonomischen Rücksichten Masinde in Usambara anfznheben und bie Besatzungen von Mpwapwa, Kilossa und Ulanga auf je 40 bis 50 Mann herab-
»usetzen, wodurch einerseits eine bebeutcube Ersparniß erzielt wurde andererseits genügend Mannschaften disponibel wurden, nm die neue Militärstation Udjidji am Ostnfer des Tanganika-Sees zu be- setzea unb eine für etwa nothwendig tocrbcube Strasexpeditionen «irtrtüfieube Truppenmacht in Bereitschaft zu haben. Allgemach haben sich die vertriebenen Wahehe wieder in Kuirenga unb Umgegend angefiedelt unb diesen Ort, wie verlautet, stark befestigt. Vermuthlich ist den Wahehe die Verminderung der Besatzungen der Militärstalionen und die Aufhebung der Station Kisaki, sowie bie Jnspiziriingsreise
Kommanbenrs bet Schutztrnppen, Oberstlieutenant v. Trotha,
zu dem ich mich schnellen Schrittes begab. „Mein Herr, hier mein Paß, er ist in Ordnung und ist hi Berlin von der türkischen Botschaft visirt, jedes Buch wird mir herans- genommen--." — „Sie bekommen dieselben ja von
der Censur zurück", meinte der Effendi. — „Aber der Herr", mischte sich jetzt mein Kollege ein, „ist bereits beim Herrn Polizeiminister angemeldet, er ist ein deutscher Schriftsteller, kommt aus Berlin —." — „Ach, Si? sind der Herr?" fragte sehr freundlich der Effendi, und nun plötzlich — bisher war die Unterhaltung französisch geführt worden — deutsch sprechend: „Bitte, setzen Sie sich doch, mein Herr, bitte, darf ich Ihnen eine Cigarette anbieten, bitte, befehlen Sie Kaffee?" und nach wenigen Sekunden stand in dem zierlichen Täßchen der süße, dunkle Trank vor mir und kräuselten sich die duftigen Rauchwölkchen empor, und wir plauderten von Deutschland und znmal von Leipzig, wo der Effendi drei Jahre „studiums- halber" zugebracht. Mitten im eifrigen Gespräch aber zupft's an meiner Schulter, ein Bote bittet um die Schlüssel, damit die Koffer, in die man fein säuberlich sämmtliche Bücher wieder hineingepackt, geschlossen werden können, und auch mein Gegenüber wird mehrfach gestört, indem ihm von dem Zollraume her durch ein Fenster bald eine blecherne Konservenbüchse, bald eine pappene Kuchenschachtel ober eine Holzbüchse mit irgend einem Toilettenwasser hineingereicht ward, damit er die Sachen auf ihre Ungefährlichkeit hin prüfen solle, was meist durch ein kräftiges Schütteln ober Ausklopfeu geschah. Eine nette Nachbarschaft übrigens, wenn wirklich ein Höllenmaschinchen in einer ber Umhüllungen verborgen gewesen wäre....
An bemselben Morgen hatte es schon, wie wir später erfuhren, eine Panik in dem Zollschuppen gegeben; ein Glasballon mit irgend einem ätherischen Oel war zum Verzollen gebracht worden und die Zollbeamten bestanden darauf, daß
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Aus Konstantinopel.
Unser Berliner Feuilleton-Korrespondent Paul Lindenberg, derzeit auf einer Reise in den Balkanländern begriffen, schreibt u. A. aus Konstantinopel vom 11. b. Mts.:
Unser „Meteor", mit dem ich die Reise von Konstanza hierher machte, hatte bie Fahrt schnell zurückgelegt, jetzt war es aber mit der meteorhasten Geschwiubigkeit vorbei, ober schien wenigstens vorbei zu sein, und auch mein weither ntterarischer Freund, der mich an ber Dampfer-Lanbungs- Me erwartete, meinte tröstend: „Nun wappnen Sie sich mit orientalischer Geduld!" Und diese Mahnung war Der Paß wurde aus das Sorgsamste uachgesehen, «amt noch eine Visitenkarte erbeten, andere Reisende wurden gefragt, waS sie in Konstantinopel wollten, wo sie wohnen wie lange sie bleiben würden und dergleichen mehr; darauf ging's zum benachbarten Zollschuppen, wo man früher ®ittelft eines „Bakschisch" jeglichen Sehnsuchtsdrang der Zollbeamten nach etwaigen zollpflichtigen Gegenständen sofort unterdrückte. Jetzt, in der Zeit der Furcht vor armenischen Dynamit-Attentaten, ist das anders. Alles wird durchkramt und jedes eingehüllte Packetchen sorgsam geprüft. So wieder- suhr's auch mir, und zumal schien es mein Zollbeamter auf Akne „Wanderbibliothek", die meist aus neueren französischen Mcheinnngen bestand, abgesehen zu haben. Buch auf Buch We er bei Seite, als er nun aber auch den harrn- "bsen Gothaischen Almanach ergriff und ihn zu dem ver- Kchtigen klebrigen fügen wollte, da ward's mir doch zu -Bbt, ich ergriff den dicken Band und schleuderte ihn in den Mffer zurück: „Jetzt kommt hier nichts mehr heraus, das Aja eine infame Chicanirerei!" Auch mein Türke verlor
Ruhe, er sprang auf den Tisch, auf welchem bie Mer lagen, und fuchtelte mit den Händen zu dem in
Nebenraum sitzenden Chef des Zollwesens hinüber.
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