fcbathwr TagblÄ
44. Jahrgang.
Verlag: Langgaffe 27.
13,80® Alronnrnten
Uo. 464.
Samstag, den 3. Ortoder.
Bezirks-Fernsprecher Wo. 52.
1896
BezirkS-Fcrnsprecher Wo. 52.
Abend■Ausgabe
einmal entscheiden
wenigstens behaupten das viele
Zeitungen —, ob die Nationalliberalen einen bleibenden, danerhaften Kern unseres politischen Fraktionslebens bilden oder ob sie neuen Parteibildungen, vielleicht reinen Interessenvertretungen oder einer großen Nationalpartei mit sozialer Gründfärbung oder aber der großen liberalen Partei mit metallischer Basis, Platz zu machen haben. Die baldige völlige Auflösung der nationalliberalen Partei ist ebenso oft wie die Sprengung des festen Centrumsthurms prophezeit worden. Es ist insbesondere der national- liberalen Partei nachgerechnet worden, daß, wieviel Verdienste sie sich auch immer in der Vergangenheit um unser vaterländisches Leben erworben haben mag, ihre Uhr nun abgelaufen sei, und es ist an sie alsdann das dringende Ersuchen gerichtet worden, sich von der Weltbühne zu empfehlen und schnell begraben zu lassen. Wer nun aber weiß, wie schwer es ist, durch ein großes Reich Partei- Organisationen zn bilden, bis ins letzte Haidedorf hinein trotz Tessendorfs Vereinsgesetz-Auslegung Vertrauensmänner zu bestellen und eine Parteipresse in die Höhe zu bringen, der weiß auch, so schreibt die „Tägliche Rundschau", daß, wenn dies Alles einmal gewonnen ist, es nicht über Tag und Jahr in Staub zerfallen kann, und daß schon ganz gewaltige Stürme in der Volksseele toben
der Compagnie Generale Transatlantique, der Messageries Maritimes re. sind heute im Stande, die Oceanfahrten mit einerdurchschnittlichenGeschwindigkeit von20Knotenoder37 km in der Stunde, entsprechend der Geschwindigkeit eines Güterzuges auf freier Strecke, zurückzulegen. Bisher hatte der Doppelschrauben-Dampfer „City of Paris" die schnellste Fahrt nach New-Iork in 5 Tagen 14 Stunden und 24 Minuten, mit einer dnrchschnittlichen Geschwindigkeit von 20,7 Knoten oder 38,4 km in der Stunde zurückgelegt. Heute ist auch diese Geschwindigkeit von den Schnelldampfern „Campania" und „Lncania" der Cunard-Linie übertroffen worden. Die durchschnittliche Geschwindigkeit der „Campania" auf ihrer Reise am 12. April 1894 von Daunts Rock, am Eingänge des Hafens von Queenstown, nach New-Iork betrug 21'/, Knoten oder 39,84 km in der Stunde, die Durchschnitts- geschwindigkcit des günstigsten Tages sogar 22'/, Knoten oder 41,7 km in der Stunde. Die „Lucania" gebrauchte für dieselbe Strecke 51 Minuten weniger als die „Campania," ihr Smndendurchschuilt betrug 21,66 Knoten oder 40,1 km.
Seit Einführung der Schiffsschraube bez. des Doppelschrauben-Systems ist die Geschwindigkeit der transatlantischen Pcrsoueu-Dampfer in außerordentlicher Weise gesteigert worden. Mit Recht rühmen sich die Engländer, diesen neuen Propeller zuerst auf der Oceaufahrt erprobt zu haben. Größer ist aber das Verdienst der Amerikaner, welche zuerst den Dampf an die Stelle der Segel setzten und dadurch die Grundlage zum Ausbau der großartigen Dampferflotte schufen, welche heure das Verbindungsglied zwischen der alten und neuen Welt bildet. .~-
Politische Tages-Rundschau.
— Die Nationalliberalen halten dieser Tage in Berlin ihren Delcgirtentag ab, und da soll es sich wieder
Er eilte mit zornbeflügelten Schritten empor und stand rathlos auf dem obersten Trcppenflur, den er in zwei Monaten, die er hier im Hause wohnte, noch nie betreten hatte.
Die Thüren der den verschiedenen Miethparteien zugehörigen Bodenkammern mündeten hier, und das Geräusch, welches aus einer derselben erklang, ließ ihn geradewegs darauf zugehen. Wie er jedoch rücksichtslos die Thür aufriß, sah er fürs Erste garnichts, denn der dadurch entstehende scharfe Zugwind fuhr in den schneeigen Haufen, der auf dem sorglich darunter gebreiteten weißen Laken lag, und wehte diesen zu einer durcheinander wirbelnden Wolke empor, und im ganzen Raum umher.
„Schließen Sie sofort die Thür!" rief eine klangvolle befehlende Frauenstimme aus der Wolke.
„Es fällt mir nicht ein!" gab er hitzig zurück. „Ich verbitte mir dies Gestöber. Es belästigt mich in der unerhörtesten Weise."
„Dies ist meine Bodenkammer, und ich kann hier thun und lassen was ich will."
„Nein, das können Sie nicht, oder Sie müssen wenigstens das Fenster dabei schließen. Man kann unten schon nicht mehr die Hand vor Augen sehn, so stöbert es in die Zimmer hinein."
„Dann schließen Sie doch Ihr Fenster. Uebrigens scheint mir das mit dem nicht Hand vor Augen sehn können eine starke Uebertreibung."
„So? Dann bemühn Sie sich gefälligst einmal in meine Zimmer. Und kurz und gut: ich verbitte mir das."
„Sie haben sich hier in meiner Bodenkammer gar nichts zu verbitten. Hier bin ich die Herrin!"
Jetzt lichtete sich die Wolke ein wenig, und er sah eine hochgewachsene junge Frau in hellem Kattunkleide vor sich; eng um den Kopf gewunden trug sie ein rothes Seidentuch
Erscheint in zwei Ausgaben. — Bezugs-Preis: 50 Pfennig monatlich für beide Ausgaben zusammen. — Der Bezug kann jederzeit begannen werden.
höhen. Im Jahre 1850 gebrauchten die Dampfer für die Fahrt von Liverpool nach New-Iork 13 Tage, die durchschnittliche Geschwindigkeit betrug 9'/, Knoten oder 17,6 km in der Stunde. 1865 beanspruchte die Reise 11 Tage, die durchschnittliche Geschwindigkest betrug 11'/, Knoten oder 21,1 km in der Stunde. 1870 war es bereits möglich, die Fahrt in 9 Tagen mit einer durchschnittlichen Geschwindigkeit von 14 Knoten oder 25,9 km in der Stunde znrückzulegen. Das Jahr 1880 ist in der Geschichte des transatlantischen Dampferverkehrs besonders hervorznheben, indem von diesem Zeitpunkte der eigentliche Schnelldampfer- Verkehr beginnt. Während bis dahin dieDampfer mit einer durchschnittlichen Geschwindigkeit von 25 bis 26 km in der Stunde den Ocean durchquerten und als Triumphe der Maschinentechnik betrachtet wurden, unternahmen es englische Rhedc- reien, einzelne Dampfer von größerem Tonneugchalt und mit bedeutend vergrößerter Geschwindigkeit in den transatlantischen Verkehr zu stellen. Diesem Vorgehen der englischen Gesellschaften folgte sehr bald die Direktion des „Norddeutschen Lloyd", indem sie 1882 den Dampfer „Elbe", welcher am 30. Januar 1895 bei Lowestoft untcrgegangen ist, für die Oceaufahrt ausrüstete. 1883 folgten die Dampfer „Werra" und „Fulda" des Norddeutschen Lloyd und die englischen Schiffe „Origon" und „Aurania", von welchen das erstere unterging, das letztere auf der ersten Reise eine Zerstörung der Maschine erlitt. 1884 sehen wir die Lloyd- dampfer „Eider" und „Ems" und die englischen Dampfer „Amerika", „Umbria" und„Etruria" für den transatlantischen Verkehr in den Dienst treten. Die „Etruria" legte die Reise nach New-Iork in 6 */, Tagen mit einerdurchschnittlichen Geschwindigkeit von 17'/, Knoten oder 32,4 km in der Stunde zurück. Nachdem im Jahre 1885 vom Norddeutschen Lloyd dieDampfer „Aller", „Trave" und „Saale" in den transatlantischen Verkehr gestellt wurden, erschien 1887 die „Lahn", welche bereits mit einer durchschnittlichen Geschwindigkeit von 18'/, Knoten oder 34,3 km in der Stunde die Fahrt von Bremen nach New-Iork zurücklegte. 1888 unternahmen die englischen Doppelschraubcn-Schnclldampfcr „City ofNew Jork" und „City of Paris", welche von den Engländern als „die Windhunde des Oceans" bezeichnet wurden, ihre ersten trans- atlantischenFahrien.GleichzeitigtratenauchdieDoppeischranben- Dampfer der Hamburg-Amerika-Linie in den Wettbewerb. Der „City of Paris", etwa von der Größe der Schnelldampfer der Hamburg-Amcrika-Linie, wurde auf hoher See durch eine Kesselexplosion die eine Maschine vollständig zerstört, trotzdem konnte der Danipfer, dank der Einrichtung des Doppelschrauben-Systems und der wasserdichten Ab- theilungen (Längs- und Querschotten) ohne fremde Hülfe den Hafen erreichen. Schon früher hatte mau für Kriegsschiffe die Einrichtung getroffen, die fortbewegende Kraft auf zwei getrennte Maschinen und zwei Schrauben zu verthcilen, um bei ein- tretenden Schäden an einer Maschine oder Schraube die Bewegungs- und Steuerfähigkeit des Schiffes zu erhalten. Diese Einrichtung besitzen heute wohl alle transatlantischen Personen-Schnelldampfer, zumal durch dieselbe eine vergrößerte Maschinenstärke und Fahrgeschwindigkeit erzielt worden ist. Die Doppelschrauben-Dampfer des Norddeutschen Lloyd, der Hamburg-Amerika-Linie, der Cnnard-Gesellschaft,
Gleich darauf kitzelte ihn etwas an der Nase, sodaß er niesen mußte. Ei zum Henker! Wieder solch ein Flöckchen! Und dann kam ein ganzes Klümpchen hereingcsegelt, löste sich über dem Schreibtisch auf und stäubte auseinander, sich in seinem Haar und an den Blättern der Abhandlung festhockend.
Nun wäre es wohl das Klügste gewesen, das Fenster zu schließen, doch kam Dr. Wendel zuerst noch nicht auf diesen Gedanken, steckte vielmehr den Kopf zum Fenster hinaus, um zn sehen, wo der außerordentliche Federsegen seinen Ursprung habe; und wie er das that, rieselte es von oben unaufhaltsam auf ihn nieder, sodaß er den Kopf rasch wieder zurückzog.
„Das ist doch eine Rücksichtslosigkeit sonder Gleichen!" schalt er, und rief dann mit einer Stentorstimme hinaus: „Bitte, lassen Sie das Ausständen!"
Seine Stimme verhallte indessen ungehört, denn Frau Anna Weltinger war eben viel zu sehr beschäftigt, um auf den Ruf zn achten, und die Bewohner des zweiten Stockes bezogen denselben im vollen Gefühl ihrer Unschuld nicht auf sich.
Der junge Mann — beim jung war er trotz seiner Gelehrsamkeit — setzte sich wieder an die Arbeit, doch der Wind, der keinen Respekt vor derselben hatte, trieb sein loses Spiel weiter und blies ihm die Däunchen immer anhaltender über die tintennaffe Schrift, bis Dr. Wendel entrüstet aufsprang und nach dem Treppenflur rannte.
„Wer untersteht sich, seine Betten um diese Zeit in den Hof auszuschütteln?" schrie er das Dienstmädchen an, welches ihm gerade begegnete.
Das Mädchen zuckte die Achseln.
„Weiß nicht. Wir sind» nicht. Es wird wohl Frau Weltinger fein; die ist wenigstens oben in ihrer Bodenkammer"
(Nachdruck verboten.)
Die Fehde.
Novellette vou A. v. Klinkowstroem.
Es rieselte in sanften weißen Flocken herab. — Schnee- | gestöber meint Ihr wohl. — FehlgeschossenI Erstens war M es Sommerzeit, und zweitens rührte das Flockengewirbel » daher, daß Frau Anna Weltinger oben auf ihrer Boden- Rkammer Daunenkissen schüttelte.
Nun hätte sie wohl eigentlich das Fenster dabei schließen Mmüssen, aber die Hitze hier direkt unter dem Dach war gar k zu drückend, und so kam es, daß die luftigen Däunchen R eines nach dem anderen zur offenen Lucke hinaus entwischten, [ und vom warmen Südwest durcheinander geweht und sachte | in den Hof hinab getragen wurden, wo sie unbefangen durch l.bie offenen Fenster in bie unteren Wohnungen hineinflogen.
Unten im Erbgeschoß saß aber Dr. Ernst Wendel t am Schreibtisch und arbeitete. Er war fein Medizindoktor, | der den lieben langen Tag Straße auf Straße abfährt, 1 und sich höchstens ein bis zwei Stündchen in seiner Wohnung p aufhält, sondern Philologe, schrieb an einer Abhandlung t über alt-griechische Sprachwurzeln, und verbrachte ausdauernd | bie ganzen Vormittage am Schreibtische
Stellte sich ihm irgend eine Schwierigkeit in den Weg, M oder gar eine Störung, bie ben Fluß seiner gelehrten Ge- | danken unterbrach, so gerieth er rasch in Hitze, denn fein | Temperament gehörte zu den schnell erregbaren, nervösen, x die leicht einen Anlaß zum Aufbrausen finden.
Nun ging ihm an diesem Morgen die Arbeit gut und l glatt von der Hand, und er freute sich gerade dessen, als | so ein winziges luftiges Flöckchen ihm übers Papier weghuschte, t Er spitzte die Lippen zum Pusten und sah dem kleinen Ding rc zu, welches über den Schreibtisch hinkollerte, um mit zarten I Fäserchen am grünen Tuch der Platte hängen zu bleiben.
Ameiaen-Annahme ll.Uhr Vormittags, für bie Morgen-Ausgabe bis 3 Uhr Nachmittags. — Für die Aufnahme später eingereichter Anzeigen zur
,■ v " * nachsterscheinenden Ausgabe wird keine Gewähr übernommen, ledoch nach Möglichkeit Sorge getragen. 3 8
(Nachdruck verboten.)
Die Entwickelung des transatlantischen Schnelldampfer-Derlrehrs.
Von Ingenieur F. Thieß.
Als am 22. Mai 1819 der amerikanische Dampfer „Savannah" zum ersten Mal den Atlantischen Ocean durchquerte, gebrauchte er für die Fahrt von Savannah nach Liverpool 22 Tage. Die durchschnittliche Geschwindigkeit dieses mit eisernen Schaufelrädern ausgerüsteten Dampfers — Räder, welche bei Sturm und schwerer See ans dem Wasser gehoben werden konnten — betrug 6'/4 Knoten oder 11,6 km in der Stunde. Nur bei Windstille oder dem Kurse entgegeiigesetzten Winden trat die 90-pferdige Dampfmaschine in Thätigkeit, beim Sturm ober schwerer See wurden die Segel allein benutzt. Kls das Schiff sich dem Hasen von Liverpool näherte, fuhren ihm unzählige Wißbegierige entgegen. Lauge war der Dampfer der Gegenstand allgemeiner Bewunderung. Nachdem im Jahre 1827 von einigen Holländern vergebliche Versuche unternommen wurden, eine transoceanische Dampferlinie nach Westindien einzilrichteu, ruhten bis zum Jahre 1830 alle Bestrebungen hinsichtlich der Ocean- Dampfschifffahrt. 1831 unternahm der mit einer Dampfmaschine ausgerüstete Schooner „Royal William" eine Reise von Quebec nach London. Inzwischen hatte auch der Dampfer „City of Kingston" den Atlantischen Ocean, zwischen Cork und New-Jork, durchquert. Nach ihm folgten „Great Western" und der kleine Dampfer „SyriuS". Letzterer dampfte am 4. April 1838 um 10 llhr | Morgens gleichzeitig mit dem „Great Westerit" von Cork ; nach New-Jork. Hier trafen beide Schiffe am 23. April ein; der s „Syrius" zwei Stunden vor dem „Great Western". Mit dieser ersten transatlantischen Wettfahrt begann der eigentliche - DampferverkehrzwischenEuropaundAmerika.Nichtnnbedeutcnd waren die Fortschritte, welche man inzwischen im Bau der „ Raddampfer erzielt hatte. Trotzdem hätte der trans- - atlantische Dampferverkehr niemals die gewaltigen Erfolge erzielt, welche er heute aufzuweisen hat, wenn nicht durch die Schiffsschraube ein neuer Propeller geschaffen wäre, der bie Schaufelräder gänzlich verdrängte und den transatlantischen | Dampferverkehr in ganz neue Bahnen lenkte. Der - erste transatlantische Schranbendampfer „Great Britain" wurde in England erbaut und als ein Triumph ' der englischen Schiffsbaukunst betrachtet, da man kein | Vorbild besaß und vollständig Neues schaffen mußte. | Am 26. Juli 1845 wurde mit dem „Great Britain" K- bie erste Fahrt nach New-Jork angetreten. Die Reise nahm | 15 Tage in Anspruch, bie burchschuittliche Geschwindigkeit I betrug 9 Knoten ober 16,7 km in bet Stunbe. Fast um | dieselbe Zeit unternahmen auch die Cunard-Dampfer die ersten I regelmäßigen Fahrten zwischen Liverpool und New-Jork. [ Unablässig war man nun bestrebt, bie Geschwiubigkeit der E Oceanbampfer burch Vervollkommnung ihrer Maschine zu er-
Anzeigen-PrelS:
Die einspaltige Petitzeile für locale Anzeige» 15 Pfg., für auswärtige Anzeigen 25 Pfg. — Reklamen die Petitzeile für Wiesbaden 50 Pfg., für Auswärts 75 Pfg.
