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4«. Jahrgang.
Verlag: Langgaffe 27.
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Ua. 461.
Bezirks-Fernsprecher No. 52.
Freitag» den 2. October.
Bezirks-Fernsprecher No. 52. 1896.
IHIorgen-ftMsgabe
Deutsches Reich.
* Kerli», 1. October. Sollte der Preußische Landtag, woran die Regierung noch seslziihalten scheiut, um die Mitte November e,»berufe» werden, so wurden, abgesehen von der Hessischen Lndwigsbahn, die Vorlagen rorgcit Bildung eines Aus- gleichsfonds und Tilgung der Staatsschulden, das Lehrerbesolduugs- gcsetz, die Vorlage wegen weiterer Durchführung der Erhöhung der Beaintenbesoldiing uud die Laudgemcinde- und Städteorduung für Hessen-Nassau zu diesem Zeitpunkt vorlagereif sein. Die ersten Lesungen dieses uinfangreichen Berathungsstoffes würden sich also in rascher Folge erledigen und der Rest des Abschnitt« vor Weihnachten mit den Koiumissionsberathunge» nnefüllcn lassen, sodaß au« deni gleichzeitigen Tagen mit dem Reichstag den Arbeitei, des letzteren keinerlei ncnnciiöwerthe Störung erwachsen würde.
In einem höchst beachteiirwerthen Aussatz der „Preußischen Jahrbücher" bespricht Professor Delbrück die armenische» Greuel t ha tri,. Professor Delbrück mißt den Angaben des Pfarrers Lepsins vollen Glauben bei, nennt die Bcschttldiguiig, daß sich die Armenier einer revolutionären Bcweguug schuldig gemacht hätten, grundlos uud weist auf die TKalsache hin, daß cs von jeher Sitte der Türken gewesen, ihuen mißliebige Völker ausziiniorden, z. B. 1822 die griechischen Bewohner der Insel Chios. Er hält daher die philarmenischc Bewegung in Deutschland für berechtigt und unterstützenswertb, muß aber gleichwohl zugebcn, daß Deutschland vorerst nicht eingreifen kanii und zu einer Politik des Abwarteus vcrurtheilt ist.
daß sich ein akademisch gebildeter Mann derart beuch men könnte." Da der Regierungs-Assessor v. Volkmann infolge des Verhaltens de« AintsgerichtSraths Alexander zur eigentlichen Erledigung seines Auftrags nicht gekommen, insbesondere auch der Ausdriick „Forderung" im Laufe des Gesprächs nicht gefallen war, Herr Umpfenbach aber eine formelle Herausforderung seines Gegners für nothwendig erachtete, erübrigte sich für den KarteUträgcr nur die Erledigung seines Auftrags auf schriftlichem Wege. Der betreffende Brief wird in dem Bericht wörtlich mitgctheilt. Der AmtSgerichtSrath Alexander antwortete brieflich, daß er die Angelegenheit der königlichen StaatSauivaltschaft unterbreitet habe und die Aiiuahiuc der Fordcrniig uud jeden weiteren Verkehr über die Angelegenheit ablehne. Unter dem 18. Juui d. I. erhielt alsdann der Nepierniigs-Asscssor v. Volkiiiaiin ein Schreiben der Direktioii der Börseiihalle, durch welches ihm die erthciltc Einladungskarte zum Besuche des Börsen- gartciiS entzogen wurde. Diese beleidigende Maßregel ivnrde solgenderniaßcn begründet:
„Wir (die Tireklio» der Börseiihalle) sind dabei von der Erwägung geleitet, daß die Haltung jenes Schreibens, die Bciseitclaffuiig der üblichen gesellschaftlichen Höflichkcilsforinen offenbar eine BniSkirung des Herrn AmtsgerjchtsrathS Alexander enthält, obgleich derselbe bei Ihrem Besuche in keincr Wcise diePflichteu der Höflichkeit verletzthat.nnd daß diese Angelegenheit den Herrn Aiiitsgerichtsrath A. nicht für seine Person, sondern in seiner Eigenschaft al« Direktor derBöifeuhallen- Gescllschast angebt und diesem Letzteren daher durch das Schreiben Euer Hochwohlgeboren zu nahe getreten ist" rc.
Angesichts dieser Vorgänge machte sich zunächst die RegieruugS- Tischgcscllschafl in der Königshalle eiiimüthig dahin schlüssig, der Direktion des Börscugartens die den eiiizclneii Mitgliedern zur Ver- füfluiifl gestellten Eintrittskarten zurückzugeben. Bevor jedoch zur Ausführung dieses Beschlusses geschriltcu wurde, wollte man sich des EinvcrsläuduisseS der vorgesetzten Dienstbehörde versichern, die nnnniehr sich veranlaßt sah, ihrerseits zu der Sache Stellung zu nehmen.
Das kriegsgerichtliche Verfahren gegen den NegierniigL-Asseffor Umpfenbach, das erst gegen Ende August abgeschloffen wiirde, führte zu der Verurtheilung zu drei Tagen Feflniig wegen Hcrans- fordcrung zum Zweikampf. Diese Strafe ist im Gnadenwege in Stubenarrest ningcwandelt worden. Die Eiiileitung einer ehrengerichtlichen Untersuchung ist abgelehnt worden, weil nach den, Ergebuiß der kriegsgerichtlichen Feststellungen da« Verhalten des Regierungs-Assessors Umpscubach korrekt befunden worden ist. (Worüber wohl auch nach dieser Darstellung keinerlei Zweifel bestehen kann.)
Die Königsberger Körsengarten- Angelegenheit.
Die bekannte Augelegeuheit, die, aus einem unbedeutenden persönlichen Streitfall hervorgegangen, so viel Staub ausgewirbelt hat und allmählich zu einem unaugenehmen Konflikt mit politischem Hintcrgrnnde geworden ist, ist bisher stet« so uiigenügend und offenbar gefärbt dargcftellt worden, daß wir nur dasNolhwcudigste darüber bringen konnte» und für die Beurthcilung der aiiffallenden Stellungnahme der Behörden keine genügende Unterlage hatten. Die „Köuigsb. AUg. Ztg." dringt jetzt eine Darstellung, die von „autoritativer" Seite stammen soll und wenigstens über das Vorgehen des Oberpräsidiums uud des Generalkommandos Klarheit bringt. Danach soll sich nach akteumäßigcr Feststellung durch zeugeneidliche Aussagen der Vorgang in folgender Weise abgespielt haben:
An dem fraglichen Abend war die Fran Geheimrath Proscsior Umpfenbach nebst Tochter und ihrem Sohn, dem Negiermigs-Asseffor Umpfenbach, zu später Stunde — etwa um ‘/ill Uhr — in den Börsengarten gekommen. Unmittelbar nach Betreten des Gartens war die Gruppe einige Augenblicke auf dem Gange am Schloßteich, auf welchem eine Bootfahrt mit Lampions stattfand, stehen geblieben. Der Amtsgerichtsrath Alexander, in dessen Begleitung sich der Rentner Collos befand, forderte die Gruppe zum Wcitergehen auf. Die Aufforderung erging in einem Tone, den ein eidlich vernonimener Zenge als „brutal" bezeichnet uud Don dem er bekundet hat, int gewöhnlichen Leben würde er sagen: „Er schnauzte da« Publikum an." Es ist ferner festgestellt, daß Fran Geheimrath Umpfenbach ditrch diese Art und Weise der Behandlung verletzt war und ihrem Unwillen darüber ihrer Be- pleituug gegenüber mit dem Bemerke» Ausdruck gab, so etwas sei ihr beit» doch »och nicht vorgekommen. Daraus hat der Assessor Umpfenbach im Gesprächston zu ihr gesagt: „Ja, das ist wohl die Polizeibehörde des Börfengarteus." Kaum hatte er diese Bemerkttug gemacht, als der Amtsgerichtsrath Alexander auf ihn losfuhr mit den Worten: „Was wünschen Sie, mein Herr, was haben Sie gesagt?" Assessor Umpfenbach entgegnete: „Ich wünsche gar nichts von Ihnen." Es entspann sich darauf in Gegenwart der Damen eine äußerst peinliche, Aufsehen erregende Scene. " Im Verlause des entstehenden Wortwechsel« hat der AmtSgerichtSrath Alexander den Regierungs-Assessor Uiiipseubach 7 in überlautem Tone nach seinem Namen und seiner Karte gefragt, ihn dann, als die AnSknuft hierüber erthcilt war (Regierungs- Affeffor Umpfenbach war nicht im Besitze einer Karte für seine Person, besuchte den Garten vielmehr auf Grund der Familieukarte seine« Vaters), in verletzender Weise über seine Beinerkuug zur Rede gestellt und ihm schließlich gesagt, sei» Betragen sei höchst ungehörig, er sei hier nur Gast und habe sich al« solcher zu beuehmeii, eine Bemerkung, die damit erwidert wurde: „Und Sic haben sich als anständiger Mensch zu benehmen." Es ist festgcstellt, daß der Regierungs-Assessor Umpfenbach während des ganzen Austritts äußerlich vollkommen ruhig war, während die beiden Vorstandsmitglieder, besonders Herr Alexander, eine hochgradige Auiregnng an den Tag legten. Als der Regierung« - Assessor Umpfenbach unmittelbar darauf mit seinen Damen im Begriff stand, de» Garten zn oerlaffen, rief Herr Alexander, welcher inzwischen an ihnen vorüber |ttm Ausgang vorauSgeeilt war, in überlautem Tone dem Portier zu: „Hier, dieser Herr, der wird nicht mehr in den Garten gelassen!" Zugleich machte er einen Versuch, den Assessor Umpfenbach in die Portierloge zu sistiren, indem er ihm, und zwar über dessen Mutter hinweg, welche I neben ihm ging, zuries: „Bitte, hier herein!" Hiernach hat das Vorstandsmitglied, AmtSgerichtSrath Alexander, de» Regierutigs-Assessor I Umpfenbach durch die verletzende Art, in welcher er diesen und die I ■ in seiner Begleitung befindlichen Dame» zum Weitergehen ausforderte, I in hohem Maße gereizt und die durchaus erklärliche und an und für I sich harmlose Abwehr des Regierungs-Affeffors Umpfenbach mit Be- I lcidigungen gröblichster Art erwidert.
Am solgenden Vormittag entsandte der Regierungs-Assessor I Umpfenbach den Regierungs-Assessor v. Volkmann zu dem Amts- gerichtSrath Alexander mit dem Auftrage, mit diesem als Kartell- I träger zu verhandeln und ihm im Falle der Verweigerung einer I genügenden Erklärung in seinem Namen eine Pistolenforderuug zu I überbringen. Regierungs-Assessor v. Volkmatin — so wird es in I dem amtlichen Bericht geschildert — ließ sich bei dem AmtsgerichtSrath I Alexander in dessen Privatwohnung mittels Visiteiikarte an- melden und wurde vom Dicttstmädchen in ein Zimmer I
geführt, das mit mehrereit anderen durch offene Thtircu in I Verbindung stand. In einem Der anstoßenden Zimmer machte I sich eine weibliche Person zu schaffen, auch ein Kind spielte I dort herum. Nach kurzer Zeit erschien Herr Alexander. Derselbe I beantwortete die Verbeugung des Regierungs-Assessors v. Volkmann I mit einer zum Setze» einladenden Handbewcgung. Da die Thiiren I offen geblieben waren, was dem Regiernngs-Affessor v. Volkmann I sehr anffallen mußte, beantwortete derselbe diese Einladung ginn I Platznehmen als Hinweis auf die Veranlaffuitg seines Besuchs mit I mit den Worten: „Ich komme im Auftrage des Herrn Regierungs- I Assessors Umpfenbach", worauf er von Dein AmtsgerichtSrath I Alexander wiederum, diesmal mit Worten, aufgefordert I wurde, Platz zu nehmen. Er lehnte diese Aufforderung I nb mit den Worten: „Danke sehr, die Sache läßt sich wohl I auch im Stehen verhandeln." Herr AmtsgerichtSrath Alexander I gerieth dadurch in eine hochgradige Erregung. Nach Angabe des I RegierungS-AflefforS v. Volkmann fuhr er denselben in polterndem I Tone gröblichst an, was ihm einfalle und wie er dazu komme, den I angeboterten Platz abzulehnen. Die weiteren in erregtem Tone und I in sich überstürzenden Sätzen von dem AmtsgerichtSrath Alexander I gemachten Aenßerungen gingen dahin, daß die Angelegenheit sowohl I die Direktion der Borsenhallen-Gesellschast als auch die Kgl. Staats- I anwaltschast beschäftigen würde. Der Regiernngs-Affessor v. Volkmann I machte mit Rücksicht auf den Ton, dessen sich der ÄmtSgerichtsrath I Alexander ihm gegenüber bediente, diesen darauf aufmerksam, daß er in I semcmHause und daher ihm gegenüber wehrlos fei, und erklärte ihm, der I sich nochmals sehr unzufrieden darüber ausließ, daß seine Einladung, I Platz zu nehmen, abgelehiit worden fei, schließlich, daß er unter den I obwaltende» Umstände» feilten Auftrag an dieser Stelle als erledigt I betrachten müsse. Assessor v. Volkmann nahm sodann feine aus I bent Tisch liegende Visitenkarte wieder an sich und entfernte sich. I Bezeichnend für den Eindruck, den der Empfang auf ihn ge- I macht hatte, ist die Thatsache, daß er, auf der Straße au- I gekommen, zu seinem ibn erwartenden Auftraggeber sagte: I , ^Abgelehiit — der Mann ist mir gegenüber selbst schwer grob I getzwrdcnl" und kurz daraus: „Ich hätte nie geglaubt, I \
* Verschiedene Mitthrilnngrn. Au« London meldet man: Der Zeichner und Maler Fred Ba rnard ist in Wimbledon, im Hanse eines seiner Freunde, bei dem er zu Besuche weilte, während eines ausgebrochenen Feuers im Bette erstickt. Seine Illustrationen zu den Dickensscheit Romanen »nd dem Simsschen Buche: „Wie die Armen leben" sind Meisterstücke typischer Charakterisirtnig.
Der bekannte Komponist Herr vr. Hans Hartha», welcher auch kurze Zeit hier in Wiesbaden tbätig war, ist z» Anfang Mai in Santjago (Chile) eiiigetroffen und hat Die Leitung des dortigen Staats-Konversatoriums (600 Schüler) übernommen. Durch ein vor Kurzem veranstaltete« Orchesterkouzert, dessen Programm klassische und moderne Werke in sorgfältiger Auswahl enthielt, führte sich Herr Hartha» bei dem dortigen Publikum als Pianist, Komponist und Dirigent in vortrefflicher Weise ein. Man bringt seinen künstlerischen Bestrebungen die allgemciiisten Sympathieen entgegen.
Ans Stadt nnd §and.
Wiesbaden, 2. October.
— Zur Erinnerung. Am 2. October 1800 ist der öfter» retchische Staatsmann Fürst von Schwarzenberg geboten. Im November 1848 österreichischer Ministerpräsident, begann er seitdem etuen energischen und erfolgreichen Kampf gegen Die preußischen Uitionsbeftrebungen. Er war uud blieb der hauptsächlichste Leiter der antipreußische» Politik Oesterreichs in Deutschland und die Seele Der deutsch-österreichischen Reaktion, welche durch Bmidesexekittion in Hessen-Cassel und Schleswig-Holstein jenes Land vollständig der Willkürherrschaft, dieses an Dänemark überantwortete.
. — Vom ©dotier. In den letzten Tagen hat sich das Wetter ei» klein wenig gebessert: Der Regen, Den wir schon einige Wochen lang säst gar nicht mehr los wurden, ist seltener geworden. Das letzte Viertel des Jahres 1896 ist angebrochen, und obwohl wir kalendermäßig noch im Anfang des Herbstes stehen, macht sich doch schon bemerkbar, daß der Winter nicht mehr allzu ferne ist. Dies verkünden tut« nicht allein die immer zahlreicher über das Straße,ipflastrr rasselnden Kohlenkarren und die hier und dort bereits nnftoudjenben Paletots -auch die sich mehr und mehr in die Kugel zurückziehende Onecksilberfäiile unserer Theruiometer zeigt an, daß die schönen Tage für dieses Jahr wohl vorbei sein werden. Also „Vom October"! Vom September ließe sich eigentlich noch viel, sehr viel sagen, aber in Hiissicht der 'vielen Klagen, die ihm fein wässerige« Verhalten bereits eingetragen hat und wissend, daß durch Klagen Geschehenes nicht mehr ungeschehen zu machen ist, wollen wir von seinen Frevellhaten schweige» und nur wünschen, daß der October das schlechte Vorbild seiner Vorgänger ztt Schanden macht und ein Herbstinonat »ach dem Herze» des Volkes wird: „Frische Nächte, warme Tage und verschont von Negenplage". Falb, der mit seiner Prophezeiung vom September wieder das Rechte getroffen hat, sagt auch vom October nichts Gutes voraus. Eine znsammenhängeiide Reihe guter Tage, tagt er, seien in diesem Monat kaum zu erwarten, hingegen würden ihn anhaltende, zum Thcil recht ergiebige Landregen anszeichnen. vjo, stellenwetie wurden sogar schon Schneefälle eintreten. Der 6. ist »ach Falb ein kritischer Tag erster »nd der 21. ein solcher Dritter Ordnung. So Dürfte Denn, wenn Falb auch diesmal wieder recht behalt. Der October seine beibeit Vorgänger an UnfreunDlichkeit noch übertreffen. Falbs Rus al« WetterkmiDiger wurde Durch Die Bestätigung, Die seine Wetterprognosen in Der letzten Zeit gesunden haben, gefestigt, und mancher ungläubige Thoma«, der sich den Wahsspnich erkoren hat: „Was meine Augen feilen, glaubt mein Herz , fangt nun an, in ihm den Meister zu erkennen, nnd wohl die Meiste», die Falbs Prophezeimige» der letzten Zeit gelesen habe», sehen letzt mit Grauen de» anhaltenden, zum Theil recht ergiebige» Landregen entgegen, fast davon überzeugt, daß sich die von dem Herrn Professor schon Monate vorher nngemelbeteu Plagen auch etiistellen werde». Der gestrige erste October macht zwar ein recht freundliches Gesicht — ganz verstockte Gegner der Falbschen Theorie bietet infolge dessen die Hosfuimg an einen „Heren,fall" Falb« Mion letzt einiges Ergötzen —, bekanntlich aber find da« die rechten Katze,,, Die vorne schmeicheln, hinten kratzen. Hoffe» wir, daß der October sich nur einigermaßen gut hält — daß er sich ganz gut halte, das getrauen wir Iltis nach den Erfahrmigen der letzten Wochen gar nicht zu wünschen —, Damit wenigstens nufere Land- wirtlie Das, was der Regen »och nicht verdorben, glücklich unter Dach uttb rxach bringen. Es ist übrigen« auch Zeit, daß
,A' ^ht. denn es heißt in den Bauernregeln: „Ans St. Gallus soll daheim sein Alles, denn das Arbeiten im Freien hat den Dalles", »nd „Ans St. Gallus jeder Apfel in leinen Sack muß." Daß Schneefall im Oktober gerade auch keine Seltenheit ist, sagt uns folgende Regel: „St. Gallen läßt den eisten «chnee fallen." Der Octoberschnee soll milden Januar au«
»ach andererLeSart aber einen milden Winter überhaupt bedeuten C S heißt: „ixäll t der erste Schnee in den Dreck, so bleibt der ganzeWinter ein Geck. Aehnlich wie vom Januar heißt es auch vom October: „Hat der October viel Regen gebracht, so hat er die Gottesäcker bedacht." Von weiteren Bauernregeln des OctoberS seien »och die solgeiide» genannt: „Wenn das Laub im October nicht fallen will, so folgt int nächsten Jahr Raupenfraß." — „Langes Haften der Blatter an, Baum deutet auf einen kalten Winter." — „Octobergewitter sagen beständig, der künftige Winter sei wetterwendig." , Wenn zu uns eimoit und Judas wandel», so wollen sie mit dem Wetter handeln," — «Nichts kann mehr vor Raupen schützen, als wenn der October erscheint mit Pfützen." (Demnach hätte doch auch ein ver- rtfifieter October feine gute Seite!) — „Halten Birken und Weiden ihr Wtpfellaub lange, ist zeitiger Winter und gut Frühjahr im Gange", und das könnte man sich schließlich gefallen lassen.
— Erbrochen wurde der Aushängekasten des Uhrmacher« Herrn L-chiitz, Große Burgstraße 10, in der vorvorigen Nacht Der Dieb hat den Laden abgebrochen, fand aber nichts z„ stetsten' da der Kasten allabendlich entleert wird.
„ . - I^^bltten-Versteiserung. Im Monat September c sind hierselvst Id Hamer tur zulau,meu 887,300 Mk und 21 Grundslucke für zusammen 235,459 Mk. freiwillig verkauft worden. Bei den Sanfern betrug der höchste Kaufpreis 126,700 Mk. und der geringste 22,000 Mk. In ,demselben Monat de« vorhergegangenen Jahres wurde» 7 Hauser für zusammen 513,750 Mk. und 10 Grund- stücke für zusammen 113,071 Mk. freiwillig verkauft.
Verein» -Nachrichten.
tknrze sachliche Berichte werde» bereilwwigft unter dieser u-berschrist ausgenommen.
* Wir machen darauf aufmerksam, daß die Moiiatsverfammlung des „Lehrerinnen-Vereins für Nassau" diesmal nicht am «steu Samstaa des Monats, sondern erst Samstag, den 10. Oktober.
Ausland.
* Franltreich. Die französische Gesellschaft gegen den Gebrauch Des Tabaks hat an Die Deputirteiikammer eine Petition gerichtet, sic möge Doch ein Gesetz machen, welche« KinDern unter 16 Jahren den Tabakgei,uß untersagt. Da« luürDe ja wohl nach Der Anschauung gewisser Leute gegen Die „Menschenrechte" verstoßen; aber hoffentlich kommt Die Kammer in ihrer erdrückenden Mehrheit zur Einsicht in die hohe gesundheitliche Bedeutung eines solchen Verbots. — In der Fremdenlegion find wieder 16 Elsaß- Lothringer zn Grunde gegangen.
* Rumänien. Der Bukarester Korrespondent der „Neuen Freien Presse" hatte mit einer hohe» rumänischen Persönlichkeit eine Unterteilung über die Bedeutung des Besuchs Kaiser Franz Josefs. Dieselbe betonte, daß Der Besuch als ein hochdedeutendcr Ereigniß für Rumänien anzusehen sei. Derselbe bilDe vor Allem Die größt- benfbarfte Auszeichnung itnD in politischer Beziehung werde der Kaiser sich persönlich überzeugt haben, Daß Rnmä,sie» andauernd bestrebt geblieben sei, den Ausspruch eines großen deutschen Staatsmannes: .Rtimänien müsse Der eiserne Riegel werden, welcher Rußland de» Weg »ach Der Türkei versperrt", zur Wahrheit zu machen. Rumänien verfolge lediglich friedliche Zwecke und fei bestrebt, ein Pilot für die friedliche Eiitwickelimg Der Balkanstaaten und des Orients überhaupt zu werden. Daß Rumäniens Haltung vollständige Anerkennung gefunden habe, beweise der Besuch des österreichischen Kaiser«._____________
Ans Kunst «nd Kebcn.
* Die Lichtstrahlen de« Gluhmürmchen« hat der bekannte Physiker Charles Henn während seiner Forschungen über die Röutgensche» Strahle» untersucht und seine Beobachtungen der Pariser Akadentie der Wissenschaft mitgetheilt. Er setzte ein Glühwürmchen für eine halbe bis zwei Stunde» auf eine in schwarzes Papier eingewickelte photographische Platte. Beim Entwickel,t zeigten sich auf der Platte schwarze und weiße Streifen, die ziemlich genau den Weg Wiedergaben, den da« Thierche» mit seinem unter dem Bauche getragenen Lateruchei, auf der Platte zurückgelegt hatte. ES scheint hier also eine ähnliche Wirkung wie bei gewisse» phosphores- zirenden und fluoreszirenden Körpern vorhanden z» sein deren Strahlen gewisse, für gewöhnliches Licht undurchlässige Eegeiistäiide zu durchdringen vermögen.
