5. Beringe zum Wiesbadener Tagblatt.
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441. Wor-rrr-Aitsgsde. den 20. September. 44 Iahr-an-, 1896.
nur so eine Art hatte. Nicht ein eütjiger Schuß fiel nie Erwideriing, auch sah man feine Feinde. Aber bitt macht« bit fniftrfiri/en Truppen nur umso besorgter, weil sie bestimmt amiahmen, baß bie Rebellen sich i» btnt Flecken verborgen hielten unb ihre Gegner durch niehr» tägiger Schweigen gründlich zu täuschen versuchten. Am vierten Tage kam noch Verstärkung, unb nuu glaubte man einen Sturmangriff auf bit verdächtige Ortschaft wagen zu dürfen. Die Geschütze begannen also wieder wüthend zu feuern, worauf sich bie tapferen Krieger tu Bewegung setzten. Al« sie bie ersten Häuser erreicht hatten, trafen sie eine lahme alte Frau, von ber sie jetzt gefragt wurden, weshalb sie denn mir so lange geschofsen hätten. Der Ort wäre nämlich längst von allen Einwochncru verlassen und außer ihr selbst wären nur noch zwei blinde alte Weiber zurückgebliebeu.
Aus Kunst und Zrben.
♦ Die zoologische» Kenntnisse englischer Kastn- beamten scheinen nicht weit her zu sein. In der „Times" klagt ein Radfahrer darüber, daß die englischen Bahnen Fahrräder nicht als Gepäck, womöglich a!8 Freigepäck, sondern als Thierc behandeln, die einen besonderen Fahrschein brauchen. Er müsse dabei an bie Antwort denken, die ein Bahnbeamtcr einem Reiserrden gab, der sein Erstannett darüber ausbrückte, baß eine schlvere Schilbkröte al« Gepäck befördert werbe, während seine Katze eine Hnitdekarte brauche: „Katzen sind Hunde und Kaninchen sind Hunde", war die Antwort, „aber die Schilbkröte da ist ein Insekt." Fahrräder seien offenbar Pferde.
* Verschiedene Miitheilnnge». Die vierte Jahresversammlung des Bcrcin« deutscher Irrenärzte wurde am Freitag in Heidelberg durch Geheimrath Dr. Jolly-Berlin eröffnet. Die Versammlung war von ca. 120 Aerzten besucht. Nach dreistündiger Debatte wurde eine Reihe von Leitsätzelt angenommen, deren Grundgedanken in einem Antrag des Professors Fiirstner (Karlsruhe) iiicdergelegt ist, der folgenden Wortlaut hat: Es ist anzuftreben, daß für die Behandlung Geisteskranker tin besonders ausgebildetes Pflegepersonal gewonnen werde, das längere Zeit im Berufe bleibt.
Der „Bremer Ken.-Anz." bringt eine Nachricht, die wir mit Vorbehalt wiedergeben: Herr F. Dormann, zur Zeit tu Syke bei Bremen, habe neue Durch drinifnitgsstrahleu entdeckt, welche es ermöglichen, durch bitte (22 cm starke) Eisenplatten zu photographiren. Es finb bereits Über 50 Aufnahmen gemacht. Profeffor Slaby-Berliu soll sich sehr für die Entdeckung interefiiren. Möglich scheint jetzt Alles zu sein.
Der A stro nomen-Kongreß m Ba mberg beschloß, bie nächste Versammlung in B ubapest abznhalttu.
Eine Ente ist dieser Tage durch die Preffe geflattert. Der Direktor des Bades Neuenahr tlieilt nämlich mit, daß bei ihm teilte Eingabe israelitischer Kurgäste, betreffend Wegfall des Chorals der Kurmnsik, eingelaufen fei. Somit ist die betreffende sensationelle Notiz hinfällig.
In Pari« wurde der inlernationale meteorologische Kongreß eröffnet. Zum Präsidenten wurde Marcart-PariS und zum Vicepräsidenten Geheimrath Dr. v. Bezold-Berlin gewählt. Die Dauer des Kongreffe« ist auf acht Tage berechnet.
Ein Reiterstandbild Garibaldis wird am 20. d. M., beut großen italienischen Nationalfeiertag, in Siena enthüllt werben. Die bei dieser Gelegenheit stattfindenben Feste sollen fünf Tage dauern.
Die deutschen Theater in Rußland gehen immer mehr zurück. Am meisten bedrolst sind bie Bühnen in Lodz und Riga, letztere trotz einer namhafte» Unterstützung der Ritterschaft. Mit ber zunehmenden Russifijirnng ber Städte schwindet bas Juteresse auch au bett deutschen Bühnen. I» Lodz, dessen Fabrikauten sprichwörtlich reich sind, mußten die Preise für die Plätze so ermäßigt werben, baß ber Uitternehmer noch eben auf feine Kosten kommt.
Von bett Wetterwarten ber Vereinigten Staaten werden fetz vielfach Papierbrachett in bie Höhe gesandt, um in benobersten Luftschichten bie Wärmegrabe,.Feuchtigkeit, Windrichtiuig durch sinnreich ausgefiihrte Vorrichtungen zu bestimmen. Früher war es sehr schwierig, diese Drachen bei starkem Winde zn halten, was jetzt durch besondere Vorkehrimgen ermöglicht wird. Von ber Wetterwarte auf Blue-Hill bei Boston hat man im August einen solchen Drachen steigen lassen, ber angeblich bi» zur Höhe von 7333 Fuß empor gelangte.
macht, alles Dies ergiebt, daß das „Wiesbadener Tagblatt" ein schier unentbehrlicher treuer Hausfreund für die Bewohner Wiesbadens und seiner Umgebung geworden ist. Ls wird sich auch ferner als solcher bewähren.
Belgische und englische Greuel im schwarzen Erdtheil.
Der Engländer Mr. Parminter, welcher kürzlich die schweren Anklagen gegen btt Congortgierung erhob, veröffentlicht im Brüsseler »®»ir" ein Schreiben, worin er nicht blo» bie bisherigen ««Hauptungen aufrecht erhält, sondern auch neue Anklagen formulirt. Parminter versichert, daß im August 1894 anläßlich der Züchtigung eines Ntgerstainmes sechzig Frauen unb Kinder ermordet und theilweise verstümmelt wurden. Parminter erklärt ferner, die
Deutsches Reich.
* den Syaniifiurinljuubtl in den deutschen
Kolonieen wird eine ständige Agitation vorbereitet. Zu Anfang dieses Jahres hat sich ein Counts gebildet, hinter deut anfangs heben evangelische Missions-Gesellschaften imb der evangelischeAfrika- verciti standen; seitdem sind der Deutsche Verein gegen den Mißbrauch geistiger Getränke und andere Gesellschaste» beigetreten; auch katholische Vereine wurden um Beitritt ersucht. Geschäftsführer ist Pastor Gustav Müller in Groppeudorf bei Hakenstedt, Bezirk Magdeburg. Er hat eine vorzügliche Schrift über ben Vranntweinhaubel tn Kamerun und Togo verfaßt, in ber er nicht nur bie bortige Branntweiiinoth, sondern auch bie gangbaren Wege zur Abhülfe Ichtlbert. Die Schrift ist von der Geschäftsstelle des Vereins gegen Mißbrauch geistiger Getränke zu Hildesheim gegen 10 Pfennig, in Partiten gegen 5 Pfennig zu beziehen. Diese Schrift soll uamtnt- lich unter den Kolonialfreimden stark verbreitet werden; außerdem ist eine Eingabe an den Reichskanzler beschlossen, in der tun Erhöhung ber Spiritiiosenzölle in Kamerun und Togo und Aendernug des betreffenden Vertrags gebeten wird.
* Stntiffifd)«o vom deutschen Durst. Znm ersten Male zeigt bie neueste Verbrauchsstatistik eilte gleichzeitige Abnahme des Bier- unb Braunlweinkonsuin«. Für Trinkbramttwein kamen 1894/95 nur 4,3 Liter absoluten Alkohols auf bett Kopf (= 12,9 Liter zu 33 pCt., wie er im Durchschnitt getrunken wirb), während bie Vorjahre 4,4 unb 4,5 aufweisem Da« Bier, welches von 1886 - 94 Don 89 auf 108,5 Liter anwuchS, ist jetzt nur 106,9 znrückgesunken Eine starke Kotikurrenz für da« deutsche Bier stellt bie wachsende Einfuhr ans Oesterreich dar; wir geben für Bier 8,7 Millionen Mark an bas Ausland. Im Ganzen führen wir für 40,6 Millionen Mark geistige Getränke aus unb für 58,8 Millionen Mark ei», habe» allo hier einen jährlichen Verlust von 18,2 Millionen Mark au das Ausland. In unserer Ausfuhr spielt eine traurige Rolle Tetitsch-Westasrika. Auf der Kieler Gtutralversaimulung des Deutschen Verein» gegen Mißbrauch geistiger Getränke behandelte der Missions-Inspektor Dr. Zahn a»S Bremen bie Frage: Dürfen christliche Völker nichtchristliche zur Trunksucht versiibren? Die Antwort sollte sehr einfach nein lauten. Aber da« Deutsche Reich duldet eine überaus starke Einfuhr von schlechtem Schnaps in diesen Theil seiner Kolonieen. In Togo niache» die Spirituosen 676,000 Mk. unter 2,241,000 Mk. Gesammt- wcrth ber Einfuhr aus!
Congoregiening habe dies« Gieuelthaten gekannt, ohne tinznfchreiten Parminter sucht auch bie von einigen Coiigoblättern gegen ihn er Kvbeiten Anklagen zu widerlegen, als habt er sich beim Baden nti Negerkindern umgebet,, tun nicht selbst von den Krokodilen anfgefreffet zn weichen, und fährt fort, bie belgischen Offiziere zu beschitldigen bett Siegern bie Hände und Ohr tu unb den Negerinnen bie Brüst, abgeschnitten zu habe». Das betreffenbe Deuieuti der Congo- regieriiug bedeute gar nichts, inSbesoitdere nicht die Behauptung, bi, Unschuld de» belgischen Offiziers be Keyser sei erwiesen worden I» dem bet» „Soir" zugesandten Aktenmaterial befindet sich Vieh mehr ein Brief des Congoagenten Lepage, welcher Augettzeuge bei Greneltlmteu be Kehsers war und erflärt, von den Congobebörbtii burd) Drohungen und Einschüchterungen zur Zurückhaltung feinet Aussagen gezwungen worden z» sei». Lepage berichtet ferner übet weitere Raubmorde unb Verstümmelungen, die sich die belgische» Offiziere während einer Eppedition zu Schulden kommen ließen, mit fügt hinzu, er werde bald Gelegenheit bekomme», seine Ettthüllttttget, i» der belgischen Presse zt, veröffentlichen. Parminter hat dem „Sotr" außer dem Briefe Lepages »och eine Abrechnung mit einet Hanbelsgesellfchaft, de» Wortlaut kitte« zu seinen Gut,stet, lautendeu Urtheil« eine« Prozesse«, den er im Congostaate geführt, unb bet, genauen Wortlaut eine« für ihn günstige» ZeitgniffeS ber Cougw reflitruttfl zugesatibt, welches für Parminter schmeichelhafter ist al« bas von der Congoregierung vor einigen Tagen in Brüsseler Blättern veröffentlichte. Die Angelegenheit erregt große Sensation.
®ernbe in biefer Zeit, wo die englische Presse in Anbetracht der Grausamkeiten, die in Kreta, Konstantinopel, Annettien unb am Congo verübt werden, sich und ihre Nation als einzige Ver- lheidigtr der Hnmanilät in den Vordergrund drängt, berührt der in bett „(Saft Augliea» Time«" veröffentlichte Brief eilte« jungen Englättbers vom Schauplätze des Malabele-Feldzugs höchst tigetithnmlich. Der Betreffende bespricht nämlich bit kurze, energische Art und Weise, in ber gegen bie Eingeborenen vorgegangen wurde unb führt, wie uns mitgctbeill wirb, als Beispiel folgende Thatsache an: „Als wir vor ungefäht ein bis zwei Woche» auf einem Patrouillenritt aus waren, über- rafchteti wir plötzlich fünf Kaffer», bie eine Ziegeitheerdt betvachten; sowie sie uns sahen, sprangen sie auf, warfen ihre Schilbe unb Assegai« fort nnb bedeckten bas Gesicht mit bett Händen. Ein kurzes Kommanbo unb die fünf Kaffer» waren erschossen; und wir ritten weiter, als ob gar nicht« geschehen wäre. In einem zweiten Falle war ein junger Doktor, sehr grün und höchst human, wohl frisch von der Rothen Kreuz-Gesellschaft hergeschickt, bannt befdjaftigt, eilten verwundete» Neger zu verbinden. Ein llnterofsizier kam dazu. „Nanu, Doktor," fragte er, „was mache» Sie denn da Verrücktes?" „Ich verbinde den Matabele, wie Sie sehen", antwortete ber junge Medikus. „Unsinn", sagte der Unteroffizier, „lassen Sie doch den Schwarzen unb kommen Sie zu meinen Jungens." „Kann ich nicht; erst muß ich diesen hier fertig Derbiuben.“ „So, wirklich? Na, bann verbinden Sie nur los!" Unb damit zog er seinen Revolver und schoß den Reger in den Kopf. Der Schreiber dieses Brieses scheint übrigens die letztere Anekdote für einen Witz zu halte», bett» er fährt fort: „Der junge Doktor wird wohl noch lange daniit geuzt werden!"
der künstlerisch ausgestattete Wandlmlenvrr. das jährlich zweimal erscheinende hübsche F.-chrplanbitchelchrn, die regelmäßig wiederkehrende reichhaltige Land- und hausWMH- srtzafllirhc Rundschau unb die so beliebte illustrkrte Rindrr- rcirung, ferner das in zwangloser Folge erscheinende Rechksbnch Les „Wiesbadener Tagblatts", das sich eine gemeinverständliche Darstellung aller Rechtsmaterien durch erprobte Juristen zur Ausgabe macht und in diesem Jahre schon an vierzig größere Aufsätze brachte. Ebensoviel heilwiffenschaftlichc Artikel aus der Feder bewährter Aerzte brachte das Rerjkliche Hausbuch des „Wiesbadener Tagblatts", und so ist denn dem Leser auch reichlich Gelegenheit geboten, sich über die Fragen des Rechts und der Gesundheit Belehrung zu verschaffen.
Line ausgiebige und schnelle Berichterstattung über alle lokalen Begebenheiten, über alles Wiffenswerthe in Stadt und Land, ferner eine eingehende kritische Würdigung alles Dessen, was uns hier die dramatische und musikalische Kunst bieten, ein ausgiebiger telegraphischer Nachrichtendienst des Herold und des wolffschen Depeschenbüreaus, eine kirapxgefaßte Chronik interessanter Geschehnisse, ein täglicher Lourszettel, Marktberichte, Börsenwochenberichte, verloosungslisten, Fremdenliste, Tages- und ver- guügungsanzeiger, eine reichhaltige Räthfelecke mit vexirbildern und Rebussen, sodann die Veröffentlichung sämmtlicher, für die Allgemeinheit wiffenswerthe Bekanntmachungen »Her hiesigen Behörden und ein Inseratentheil, der an Umfang und Reichhaltigkeit den sämmtlicher nassauischen Blätter bei weitem übertrifft und das „Wiesbadener Tagblatt" zum
Hauxkanrriger Nassaus
Ausland.
* Belgien. Die Congoblätter hatten vor einigen Tage» gemeldet, baß ber berühmte Afrikasorscher Stanley i» ber „Times" bett Congostaat gegen alle gegen benfelben erhobenen Anklagen ver- theibigt habe. Nachdem dieser Brief seit drei Tagen erschienen ist, hat noch teilt Organ ber Gongoregierung diese vermeintliche Vertheibigmig reprobuzirt. Der „Soir" bemerkt, dieses Zögern erkläre sich aus folgender englischer Preßstimme „Pall Mall Gazzette" schreibt nämlich über diesen Brief: Stanley vertheidigt zwar den Congostaat, giebt aber zu, daß bie belgischen Offiziere diese Grenelthaten nur in entern An gen blick begangen haben könnten, wo sie nicht recht bei Sinnen waren. Dies fei eine schwache Vertheidigung für einen Staat, welcher beauftragt ist, bie Wohlthalcn der Cioilisatio» nach Afrika zn tragen.
* Frankreich. Der Pariser Gemeinderath beschloß, ben russischen Kaiser in corpore am Bahnhof zu empfattgen. Wenn der Czar das Stadthaus besucht, wirb ein großes Konzert gegeben, wobei bas Volk in da« Stadthaus zngekassen wird, andererseits ist ein Nachtfest in allen Pariser Vierteln beschlossen. Die Länge der JlluntittatioitSanIagen hierfür soll sechzig Kilometer betragen. Der städtische Architekt erhält für bie Festveranstaltungen unbeschränkte» Kredit eröffnet. 200,000 Franc« werden an die Armen vertheilt. Die Arbeiieii werden uiiverzüglich begonnen.
* Ast«». Ein Berichterstatter der „Peking and Tientsin Times" au« Kaitfu giebt ein geradezu einziges Pröbchen von der großen Tapferkeit der kaiserlich chinesischen Legionen, bie sich dort schon seit vielen Monaten bemühen, der utuhammedanifchen Empörung endlich ben Garaus zu machen. Acht Bataillone schreibt er, wollte» ben Ort Snkiapu den Rebellen entreißen' Vier Tage lang schossen sie also mit Rationen darauf los, daß es
CQit dem v Oktober beginnt ein neues Quartal unseres im «5.Jahrgänge erscheinenden
„Wiesbadener Tagblatts".
Das „Wiesbadener Tagblatt", das im kaufe dieses (Quartals wohl bie Zahl von 14,60« Abonnenten Überschreiten bürste, ist das weitaus verbreiterte Blatt Wiesbadens unb des ehemaligen Herzogthums Nassaus. (Es verdankt seine ungemein große Verbreitung und Beliebtheit nicht nur dem Umstand, daß cs bei täglich zweimaligem (Erscheinen bas billigste unb umfangreichste Blatt in Nassau ist unb auch im verhältuiß zu Umfang unb Verbreitung bie billigsten unb wirksamsten Anzeigen bietet, sondern auch der großen Reichhaltigkeit unb Vielseitigkeit feines redaktionellen Textes.
Ohne sich in die Schranke» einer bestimmten Partei ein- jnrängen zu lassen, ist das „Wiesbadener Tagblatt" doch in feiner politischen Richtung nicht farblos. Auf durchaus nationalem Boden stehend nimmt es freimiithig Stellung zu den politischen Tagesfragen und, während es alles fruchtlose Parteigezänk aus seinen Spalten fern hält, ist es für seinen Theil ehrlich bemüht, durch socialpolitische Aufsätze aufklärend zu wirken und die socialen Gegensätze auszugleichen. Berufene Fachgcckehrte von anerkannter Bedeutung stehen der Redaktion bei diesem Bemühen zur Seite, während bie jeweiligen inneren und äußeren politischen Tagesfragen von erfahrenen publieisten stets eine schnelle und interessante Darstellung erfahren. <Es giebt kaum eine Ha>G>t- stadt (Europas, aus ber bas „Wiesbadener Tagblatt" über wichtigere politische Ereignisse nicht schnell durch seine Korrefpoubeuten unterrichtet würde. So ist ben» ber Leser über alle einschlägigen Fragen stets gut informirt, währeub die Redaktion ben Ballast unwesentlicher nnb uninteressanter Nachrichten thunlichst vermeibet.
Dem Unterhaltungsbebiirfniß in Haus und Familie befoubers Rechnung tragend, hat bas „IViesbabener Tagblatt" sich bie Ausdehnung unb Pflege des Feuilletons besonders angelegen fern lassen. Noch in jüngster Zeit hat dieses wieder eine wesentliche Erweiterung erfahren und selbst die größten politischen Tageszeitungen, deren Abounementsxrcis ein drei- unb vierfach höherer ist, bieten nicht so viel an Text „unter betn Strich". 3» Durchschnitt bcs Jahres berechnet, bringt bas „Wiesbadener Tagblatt" täglich drei vollständige Feuilletons unter - haltenben unb belehreuben Inhalts. Besonbers in ber Winterszeit, in ber bie langen Abcnbe zur Lektüre einlaben, zeigt es bie größte Reichhaltigkeit. Außer ben Feuilletons erscheinen täglich zwei große Romanfortseh ungen. Bei ber Auswahl ber Romane wird besonders auf deren litterarischen Werth gesehen. Fortgesetzt find die Namen unserer ersten und beliebtesten Erzähler (wir nennen nur: Hans Hoffmann, Theodor Fontane, Marie von Lb ner - Esch enbach, Konrad Telmann, Arthur Zapp rc.) im „Wiesbadener Tagblatt" vertreten, das für die kommende Saison u. 21. Arbeiten von Rudolf Stratz, Helene Böhl au, Johanna Feil mann, Adolf Streckfuß, Lisa weise, Georg Engels erworben hat. Dem Lesepublikum steht somit wieder ein reicher littcrarischer Genuß unb eine gebiegene Unterhaltung in Aussicht.
Einer befonberen Beliebtheit erfreuen sich bie unentgeltlich gelieferten
Zonderbeilagen des „Wiesbadener Tagblatt":
Aus Stadt und Zand.
Wiesbaden, 20. September.
— Zur Erinnerung. Vor40Jahren,am 20. September 1856, fand die Vermählung der Prinzessin Luise von P reiißen mit Großherzog Friedrich von Baden statt. Sie ist die einzigste Tochter des verewigten ersten deutsche» Kaiser« Wilhelm l. Wie sie sich der Liebe ihres Vaters ganz besonder« zu erfreuen hatte, so wird sie auch in ihrem Laude, dem Großherzogthum Baden, hoch verehrt, wie das erst kürzlich die festlichen Tage des 70. Geburtstage« ihre« hohen Gemahles bewiesen haben. — Am 21. September 1860 starb der berühmte, deutsche Philosoph Arthur Schopenhauer. Die Philosophie derselben beruht ihre» Grundlagen nach auf einer Benutzung und Umbildung Kantscher und Fichtescher Lehren, während deren Ausführung und Anwendung in hohem Grade eigenthiinilich und Original ist. Ohne hier auf Einzelheiten eingeheu zu können, fei gesagt, daß Schopenhauer der Hanptvertreter unb energischer Vorkämpfer des Pessimismus ist und daß in neuerer Zeit feine Lehren starke Verbreitung gefunden haben. Sei» Hauptwerk ist: „Die Wett al« Wille und Vorstellung".
— Kenrralsnperintendent D. Ernst. Die Nachricht von der Einreichung des Abschiedsgesuch« de« Herrn Geueralsuperintendeuten v. Ernst hat in der evangelische» Geistlichkeit unseres Regierungsbezirks in weiten Kreisen schmerzliches Bedauern hervorgerufen, zugleich aber auch zu dem Entschlüsse geführt, der Verehrung für ihren Oberhirten Ausdruck zu geben in einer an den Herrn Kultusminister gerichtete» Petition, dahingehend, den Herrn General- superiutendenteu D. Ernst unter Behebung der etwa vorhandenen amtlichen Schwierigkeiten der nassanischen Kirche erhalten zu wollen. Zur Besprechung dieser Angelegenheit fand am Freitag Nachmittag, 3 Uhr, hier im Schlitzenhos eine größere Versammlung von Geistlichen au« der Umgegend statt.
— Das gross« Künstler-Konzert zum Beste» des Fond« für das Grabdenkmal Franz Bethges, welches ursprünglich auf Montag, ben 28. September, geplant unb wofür ber neue, prachtvolle Saal zur „Loge Plato" soweit gesichert war, wurde von dem Konzert-Comitö ans Dienstag, ben 29. September, verlegt. Grund hierzu war der Umstand, daß ber mitwirkenbe Herr August Junkerman» bereits am 29. September früh eine Kun streife an- treten muß unb hier am 28. September eine Reuter-Soiree zum Besten des Verein« vom „Rothen Krenz" veranstalten wirb. Der Kartenverkauf ist bereits derart, daß er zu der Hoffnung berechtigt, es werde ber erwünschte Erfolg nicht fehlen.
— 5d|uln«hrid)trn. Bei bet am 17. unb 18. d. M. in Frankfurt a. M. stattgehabten staatliche» Ha»darbeit«-Lehrerinnen- Prüfniig haben Fräulein Luise Diebel aus Wurzbach, Susanne Herget aus Hanau und Elisabeth Zapp an« Neunkirchen bei Trier, sämmtlich in der Vietorschen Schule ausgebildet, da« Examen bestanden. Der genannten Anstalt liegen stet« Nachfragen nach tüchtigen Lehrerinnen vor, ohne daß sie immer in der Sage wäre, geeignete Kräfte Vorschlägen zu können, ein Beweis, daß sich auf diesem Gebiete für strebsame junge Damen Gelegenheit zu lohnender Thatigkeit bietet.
