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4. Anlage zum Wiesbadener Tagblatt.

44. Jahrgang. 1896.

Freitag, den 4. September.

Ua. 413. Morgen-Ausgabe

des Reiches.

den 15./27. August 1896.

nach Malla.)

*

der Welt gegenüber makellos dastehen. Die Freundschaft, welche u»S seit 600 Jahren mit der türkischen Nation verbindet, die Dankbarkeit gegen die kaiserliche Regierung und S. M. den Smtan wird nie vergehen; dieses zur öffentlichen Kenntnis; gelangen zu laflen, ist der Zweck dieser im Namen der armenische» Gemeinde veröffentlichter« Adresse. Vertrauensvoll bitten wir, Borstehcudes an die VilayctS zu berichten und dcingeinäße Weisnngcu zu ertheilen.

Wir, der gemischte Rath und mit uns die ganze armenisch« Gciueilide richten unsere Gebete zum Höchsten für die Wohlfahrt

der neue Locum tenens des armenischen Patriarchen gemeint, von dem Sie weiter unten eine Probe deL Ausflusses seiner geistlichen Würde finden werden.)

Diese gewissenlosen, schon oft abgesirasten Individuen haben auch diesmal die llnruhen verursacht. Mittwoch sind eine Anzahl von armenischen Uebclthätcrn unter dein Borwande, dafl sie Geschäfte hatten, in die Bank einzeln oder zu Zweien gekommen und haben dort Unruhen begonnen. , .... t .

Die hiervon verständigte Behörde entsandte sofort dorthin, sowie an andere Orte Patrouille». Die Uuruheslistcr wurden aus der Bank hcrauSgebracht und die Ordnung wieder hergestellt.

Die Unruhestisler wurden.verhaiict und der Justiz übergeben. (Die Ordnung wurde noch lange nicht hergestellt. Die Uurnhestifter sind unter Anfgcbot aller Sicherheit? maß regeln für ihr kostbares Leben auf ei»' Schiff gebracht worden und segeln augenblicklich

Adresse S. G. Mgr. Bartholomäus, Locum tenens des armenischen Patriarchen, an S. H. den Großvezier:

(Nachdruck verboten.)

Konstantinopeler Krirf.

(Von unserem eigenen Korrespondenten.)

Ktnmbnl, de» 30. August 1896.

Nachdem gestern den ganzen Tag über Ruhe herrschte vnd bereits einige Geschäfte wieder geöffnet hatten, erdröhnte gegen Abend, 53/« Uhr, ein Flintenfcuer von Galata herüber, so heftig, wie ich es bisher nicht gehört hatte. Das­selbe währte etwa eine halbe Stunde, es knallte dann nur noch ab und zu ein- oder einige Male und Alles war wieder still. Es war dieselbe Geschichte wie vorgestern zu Mittag: einige Armenier waren wieder unterhalb der Bank nach demGoldenen Horn" zu in die Häuser eingcdrungcn und warfen von den Dächern Bomben auf das patrouillirrude Militär herab. Dieses, in der Meinung, der Angriff käme aus den Reihen der zusammeu- gelauftnen Volksmenge, feuerte zunächst auf diese, bis es seinen Jrrlhum erkannte und seine Salven nunmehr auf die mit Insurgenten besetzten Häuser richtete. Es gab eine Anzahl Todte und Verwundete, das Ganze war aber doch mehr ein Zwischenfall, obwohl sich der Mob sofort wieder auf die Beine machte, nm mit Knütteln zu fegen und zu plündern.

Seit dieser Zeit bis heute, Sonntag, Nachmittag 3 Uhr, ist Alles still geblieben und man könnte sich, wenn man nicht im nächsten Augenblick wieder gestört wird, einer ruhigen Betrachtung hingeben; nun, versuchen kann man's ja.

In den letzten Tagen wurden amtlicher­seits zur Beruhigung der Gemüther einige Bekanntmachungen veröffentlicht, die nach der Uebersetzung derOsmanischen Post" einen Wortlaut haben, von dem man nicht weiß, ob man ihn belachen oder sich entrüsten soll. Aber man kann Beides nicht; für das Erstere sind die Zeiten zu ernst und für das Letztere ist der Inhalt zu dumm. Ich gebe Ihnen hier den wörtlichen Text mit einigen Rand­bemerkungen:

Eiuige armenische Rebellen hatte» die Kühnheit, Unruhe» in unserer Stadt an zu zetteln.

Die kaiserliche Regierung hat, um dieselben zu beendigen, die schärfste» Maßregeln getroffen (und in wenige» Stunden, nicht etwa durch Militär oder Polizei, sondern durch den gemeinsten Mob Tausende Unschuldige abschlachten lassen!)

In der ganzen Stadt und der Umgebung der­selben cirknliren Patrouillen, denen cs obliegt, die öffentliche Ordnung und Sicherheit zn wahren (die aber in der That nichts Andere» getha» haben, als denErmordungen ruhig zuzuschen),sodaßJederinann

in Ruhe seinen Geschäften nachgehen kann. Di« Schuldige" zu be­strafen, ist allein das Recht der Negierung und ihrer Organe. (Wenn da« Recht, die Schuldigen zu bestrafen, allein der Negieriing und ihren Organen zukommt, warum hat mau dem Gesindel, das die Unschuldigen ermordete, kein Haar gelrümmt?) Alle, welche sich unbefugt dieses Recht anniaßcu und auf diese Weise Schaden verursachen, werden ohne Unterschied der Nationalität und der Religion mit der ganzen Schwere des Gesches bestraft werden. Es wird zur allgemeine» Kenntniß gebracht, daß die Behörden die nöthigeu Befehle erhallen und Maßregeln getroffen haben, so­daß der Wiederaufnahme der Geschäfte kein Hiuderniß mctzr im Wege steht.

Während unter den hohen Auspizien Seiner kaiserlichen Majestät des Sultans alle Uutcrthanen sich der Wohltkaten der Justiz und Orduuilg erfreuen und ungehindert ihren Geschäften nachgehen, er­kühnen sich e i n i g e Individuen der armenischen Glaubensgenosseuschaft au« persöiilichen Motiven und zum Schaden und gegen de» Willen ihrer Religionsgenossen seit einiger Zeit Unrnhen zn stiften. Diese Agitationen werden von dem ehreniverthen Theil der Armenier ver- urtheilt auf da« Schärfste und verlangt derselbe eine strenge Be­strafung der Schuldigen. .

(Mit dem chrenwerthcn Theil der Armenier ist wahrscheinlich

An verschiedenen Stellen der Hauptstadt fiiib wiederholt Ruhe­störungen angezcttelt worden, welche nach der allgenicincn Meinung vo.li Mitgliedern de« armeuischen CoinitcS herrühreu. Mitlivoch drangen einige der Aufrührer in die Banque Imperiale Ottomane ein, warfen sich auf die Wächter, tödleten dieselben und gaben sich den schlimmsten Ausschreitungen hin. Diese Handlungsweise hat allgemeiiie gerechte Eiitrüstnug hervorgeruscn. Dank den unter den Auspizien S. M. des Sultans getroffenen Maßregeln wurde dort die Ordnung hergestellt, ohne die öffeiitliche Ruhe zu stören. (Unerhört! Dies sagt der oberste geistliche Hirt der Aruieuier, nachdem 10,000 seiner Schafe abgeschlachtct wurde», von denen doch nur ein verschwindender Bruchtheil und zlvar der vom ehreiiwerlheu Theil als Kanonenfutter verführte, schuldig sein kann.)

Es ist selbstverständlich, daß die Schuldigen, ivelche auf eine so schändliche Weise gegen die göttlichen nnd menschlichen Gesetze ge­handelt habe», von der schwersten Strafe betroffen werden iiiüffeii, dies iiniso mehr, als sie vorgeben,im Namen der armenische» Gemeiude zn handeln. Unsere Nation, eingedenk ihrer heiligen Pflichten, ver­achtet diese Handlungen auf das Tiefste, welche gegen die religiösen, nationalen und persönlicheii Pflichten verstoße».

Die Schuldigen mit der gaiizcu Strenge zu bestrafen ist Pflicht, auf das die türkische sowohl, als auch die armenische Nation

Es sicht heute vollstäudig fest nnd es hat sich durch den ganzen Verlauf der Dinge bestätigt, daß die Türken vor Ausbruch des Putsches von dem beabsichtigten Anschlag unterrichtet waren und daß von oben herab, selbstverständlich durch den Kanal der Pfaffen, die Bewaffnung des Pöbels angcordnet war. Daß ganz am Schluß des Gemetzels Polizei und Militär Miene machten, dem Morden Einhalt zu thun, hat natürlich gar keine Bedeutung, da das Hauptgeschäft besorgt war und man schließlich doch etwas thun muß, um der fremden Diplomatie gegenüber behaupten zu können, man habe sich die größte Mühe gegeben, Ruhe zu stiften, und der türkische Pöbel habe sich in der Nothwrhr befunden. _________________________

Das Bombardement von Zanzibar.

A» der Ostküste Afrikas haben die Kanonen englischer Kriegsschiffe gesprochen und einen Sultan­palast in Asche gelegt. Diese Thatsache bezeichnet »hii allem Anschein nach eine weitere Etappe in der Entfaltung des britischen Kolonialbesitzes im schivarzen Erdthcil, tvoselbst das bisher nur unter Protektorat genommene Sultanat Zanzibar in die Reihe der englischen Kronkolonieen eingefügt werden soll. Der äußere Anlaß zu diesem Vor­gang war folgender:

Am 25. Angnst war der Sultan von Zauzjbar Hamin b-ii Twain!, welcher seit März 1893 regierte und erst im 42. Lebensjahre stand, gestorben, d. h. er ist wahrscheinlich durch seinen Onkel S aid Kalid, der schon vor 3 Jahren den vergebliche» Versuch gemacht hatte, sich des Thrones zu bemächtigen, vergiftet worden. Said Kalid hatte den verstorbenen Herrscher unmittelbar nach erfolgtem Tode beerdigen lasse» nild den durch Barrikaden befestigten und mi, mehreren Geschützen versehenen Palast mit 700 Askari», welche die Leibwache de» Sultans bildeten, besetzt. Ei» Kampf stand allem An­schein nach nnmittelbar bevor.

Am Todestage Hamid bi» Twainis lagen außer einem, dem Sultan gehörige» Kriegsdampfer, die beide» deutschen Kreuzer IV. KlaffeSeeadler" undCormoran", das italienische Kanonenboot Volturno", der englische Kreuzer III. Klasse ,P h i l o in e l nnd die beiden ebenfalls englischen KanonenbooteSparrow" undThruSh" im Hafen. Bon den englische» Schiffen wurden

sofort nach Bekanuiwerdeli des Todesfalles Mannschaften beim alten Zollgebäude gelandet zur Besetzung de» englischen Konsulats und zum Schutz der englischen Uutertyanen, falls Unruhen entstehen sollte». Desgleichen schickte das italienisch« K riegsschiff einen Theil seiner Besatzung zum Schutz des italienischen, französischen und österreichischen Konsulats an Land, und am 26. August wurden mich von den deutschen Schiffen 60 Mann zum Schutze der dentscheii Unterthanen gelandet. Doch war diese Streit- macht zu gering, nm einen erfolgreichen Angriff auf die de» Palast besetzt haltenden Askaris unternehmen zu können.

Am 26. August trafen dann noch der englische Kreuzer III. Klaff« Racoon" nnd der englisch« PanzerkreuzerSt. George", das Flaggschiff de« südafrikanischen Geschwaders, mit dem Admiral R a w s o n an Bord, im Hase» von Zanzibar ein. Die englischen KanonenbooteSparrow" lindThruSh" lagen, dem Land« zunächst, dem Palast des Sultans direkt gegenüber. Unsere bei» stehende Kartenskizze giebt einen Ueberblick über die nunmehr ge­schaffene Situation.

Sofort nach dem Eintreffen des englischen Adnnralschiffe», das ein Landungscorps in Stärke von 200 Mann zum wirksamen Schutze der Europäer in der Stadt ausschiffte, wurde dem Usurpator Said Kalid von dem Admiral Rawson ein Ultimatum zugestellt

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Zum Bombardement von Zanzibar:

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(Nachdruck verboten.)

Pariser Brief.

vorherbstliches. Vom Theater. de la Com6die-Franqaisc. Deutsche Opern. Ter Czar.

Vari», 2. September.

Wenn von 8er Mehrzahl der Menschheit der neunte Monat des Jahres auch nicht gerade mit Freuden begrüßt wird, da er ja das Ende des Sommers mit sich bringt, die Journalisten vieler Länder pflegen ihn mit einem Seufzer der Erleichterung kommen zu sehen, denn mit ihm geht doch die Zeit ihrem Ende entgegen, in der sich nichts oder doch wenigstens nichts Interessantes zuträgt, wo man sein armes Hirn zermartern muß, um dem Zeitungsleser seine gewohnte Lektüre zu bieten. Aber wenn auch wo anders diese schreck­liche Periode nun so gut wie vorüber, bei uns ist sie es noch lange nicht, denn merkwürdiger Weise sind es ja nicht die schönsten und heißesten Monate des Jahres, Juli und August, in denen die Schulen geschlossen und die Bewohner der Metropole fern von ihr weilen, erst Anfang August fangen die Ferien hier an, um sich bis zum Anfang des Oktobers zu erstrecken. So weilt man denn auf dem Lande und am Meere, wenn die Schalten des Abends sich bereits recht früh herniedersenken, wenn der Morgen und die Nacht eine mehr als erfrischende Kühle bringen, und Keiner wüßte zu sagen, weshalb er dann nicht lieber in die schützenden Mauern der Großstadt und in das behag­liche Heim zurückkehrt. Man fügt sich den Geboten der Mode, die uns ans London überkommen und in der eng- lischen Hauptstadt vielleicht ihre Berechtigung haben mag, und bleibt Paris fern, das im September sich mit am schönsten prüfen tirt. Freilich ist es bereits zum Theil dann gelbes und rothes Laub, das die meisten Bäume schmückt,

und die Blätter der Kastanien rascheln, herabgefallcn, unter unseren Füßen, wenn man die Avenuen durchschreitet, die sie oft vierfach in dichten Reihen durchziehen; aber die Luft ist so klar und goldig wie sonst fast nie und erfrischende Regen haben den Auguststaub hinweggefegt. Das Sterben in der Natur zu bemerken, wird uns ja allerdings auch in dieser grünsten aller Metropolen nicht erspart, aber es trägt oder trüge jedenfalls den melancholischen Charakter nicht, wie er ihm auf dem Lande eigen, wenn das fröhliche Treiben ihrer Bewohner dafür entschädigte, die Boulevards das gewohnte Leben zeigten, die Theater alle ihre Pforten wieder öffneten.

Einzelne der letzteren haben dies übrigens, infolge deö kalten Wetters, daS die letzten Tage des August gebracht, bereits jetzt, um mindestens einen Monat früher als sonst, gethan und gänzlich theaterlos braucht der arme Pariser sich sogar auH während der morte-saison ja nicht zu fühlen, denn die subventionirten Institute sind verpflichtet, das ganze Jahr hindurch zu spielen. Das Beste wird natürlich nicht geboten; die Fremden, welche um diese Zeit z. B. die große Oper besuchen, werden mehr die Schönheit des Hauses als der Darstellung zu loben wissen; die Comddio fran$aise tritt mit Neuheiten gewöhnlich erst zu Tag«, wenn das gutzahlende Publikum wieder zurück ist, um Logen und Ränge zu füllen; aber wenigstens liegen sie nicht wie leer nnd ausgestorben da, sondern zeigen am Abend den gewöhnten Lichterglanz. Eine Zeit verhältnißmäßiger Ruhe ist ja wohl auch ihnen nöthig, um sich für die Winter­saison vorzubereiten, und diesmal will man für dieselbe alle möglichen Anstrengungen machen. Daß beide Operninstitute im edlen Wetlstrelt beschlossen haben,Don Inan" zur Aufführung zu bringen, habe ich Ihnen bereits berichtet, und beide erklären nun auch, ihn im September, d. h. zu

Ende des Monats, wenn ein Theil des tont Laris wenigstens wieder anwesend ist, zu geben. Bei dem nämlichen Maler haben sowohl die Leiter der großen Oper als der der Opera comiqne die Dekorationen bestellt, hier wie dort wird mit größtem Eifer gelernt und gearbeitet. So bliebe eigent­lich nur noch übrig, daß an ein und demselben Abend die Premieren stattfinden.

Jedenfalls dürfte die Rivalität wohl eins zur Folge haben, nämlich, daß Mozart? Meisterwerk in würdiger Weise zur Darstellung kommt, was sonst durchaus nicht so sicher wäre, da, wie ich schon manchmal erwähnt, weder die Ope'ra comiquo noch die große Oper im Allgemeinen den Ruf ver­dienen, b«t sie int AuSlaude noch immer genießen. Sich Mitglied der letzteren besonders zu nennen, das gilt in Künstlerkreisen als eine Art Adelstitel, obgleich man sehr wohl derselben angehöre» oder angehört haben kann, ohne sich außergewöhnlicher Fähigkeiten zu erfreue«. Gar mancher Mißbrauch wird daher auch mit dieser Vezeichuuug getrieben, und erst kürzlich las ich, daß eine Dame, die bei Kroll in Berlin auftrat, wo ein Theil der Königlichen Oper ja jetzt wohl spielt, sich alsvon der großen Oper in Paris" bezeichnete, obgleich ihr Engagement hier, aus Deutschenhaß angeblich, nicht perfekt geworden. Beim Hören dieser Sängerin dürften die Berliner sich gesagt haben, daß wohl noch andere Gründe als politische Feindschaft zur Ablehnung geführt, besonders da die Dame keine eigentliche Deutsche, sondern eine Landsmännin des Fräulein Lola Veth ist, die an derselben Stätte, die jener verschlossen wurde, hier stets Triumphe feiert. Jedenfalls hatte ersttte wohl teilt Recht, sich ein Mitglied des Instituts zu nennen, das sie, aus welchem Grunde es immer sei, zurückwies, doch ist sie ja in dieser Beziehung nicht die einzige Sünderin. Wie viele, die sich dieses Prädikat beilegen,