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Wirsbdiinirr SagMatt

Verlag: Laiiggasse 27.

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Po. 404.

Samstag, den 29. August

1896.

Bezirks-Fernsprecher No. 52.

vezirkS-Fernsprecher Ro. 52.

Abend-Ausgabe

Großen des Landes unterzeichnet. Er stellt das Gebiet von Sansanne-Mangu unter den Schutz Deutschlands. Lieutenant Baud hat sich freilich Mühe gegeben, diesen Vertrag rück­gängig zu machen, aber es ist ihm nicht gelungen. Die deutsche Expedition ist lange nach dem Abzüge Bauds nochmals in Sansanne - Mangu gewesen und hat sich davon überzeugt, daß der König an dem Schutz­vertrag mit Deutschland festhalte. In diesem Falle hat also Deutschland neben der „occnpation effective“, die es in Sansanne-Mangu zur Geltung gebracht hat, auch noch einen vollwerthigen Vertrag auf seiner Seite. In einer Beziehung dürfte die jetzige Auseinandersetzung von Nutzen sein. Früher wurde, namentlich von englischer Seite aus, behauptet, das Gebiet von Sansanne-Mangu sei dem Sultanat von Borg» tributär und der König Nbema sei gar nicht in der Lage, eigenmächtig Verträge abzuschlirßen. Diesen Einwand wird man in Zukunft nicht mehr geltend machen können, nachdem die Engländer versucht haben, den von Fergusson abgeschlossenen Vertrag für ihre Interessen zu vcrwerthen, und nachdem die Franzosen den Vertrag des Lieutenants Baud mit Nbema zur Grundlage ihrer An­sprüche gemacht haben. Die Unabhängigkeit des Gebiets von Sansanne-Mangu, die schon von Dr. Büttner und Dr. Kling konstatirt wurde, wird bei den voraussichtlichen Auseinandersetzungen über die Theilung des Gebiets im großen Niger-Bogen nicht mehr in Zweifel gezogen werden können. Bei den verwickelten politischen Verhältnissen in diesem Gebiet ist das immerhin von einigem Werth.

Resultate der zu diesem Zweck angestellten eingehenden Untersuchungen liegen für Süddeutschland bereits vor. Sie bieten eine Bestätigung der Beobachtung, daß der ländliche kleine und mittlere Grundbesitz besonders schwer unter den Personalschulden zu leiden hat, da sein Ncalkredit ein be­schränkter ist. Was die Ursache dieser Verschuldung anbelangt, so haben die Untersuchungen, welche sich der Vollständigkeit und der Vergleichung halber nicht streng auf den Klcin- gruudbesitz beschränkten, ergeben, daß in dieser Beziehung ein Unterschied zwischen Groß- und Kleiubesitz nicht statthat. Immer und immer kehrt die Angabe wieder, daß die Hauptschuld an der steigenden Verschuldung der Land- wirthschaft die zu hohen Gntsübernahmen oder zu hohe Gutskäufe bilden; in vielen Fällen freilich wird auch die Unwirthschafllichkeit der Landwirthe als Grund angegeben, Auf agrarischer Seite sucht man noch immer zu leugnen, daß die hohen Güterpreise einen wesent­lichen Einfluß auf die gegenwärtige Nothlage der Land- wirthschaft ausgeübt hätten. Die Erhebungen des Vereins für Sozialpolitik beweisen aber, daß diese Ableugnung nicht begründet ist. Man darf auf die Resultate dieser Erhebungen in Norddcutschland einigermaßen gespannt sei».

— Koloniales. Es war vorauszusehen, daß die von deutscher Seite kürzlich erfolgte Besetzung von Sansanne- Mangu im Hinterland« unserer Togo-Kolonie von den Franzosen angefochten werden würde. Die Bedeutung dieses Platzes ist längst allseitig als eine wichtige anerkannt worden, und man kann von einem förmlichen Wettlauf sprechen, der von Deutschen, Engländern und Franzosen um die Protektoratszusage des „Königs" Nbema angestellt worden ist. Merkwürdig ist nur die Art und Weise, wie die Franzosen ihre vermeintlichen Ansprüche geltend zu machen suchen. Während sie neuestens die Theorie der occupation effective an die Stelle der Verträge setzten und behaupteten, alle mit den eingeborenen Fürsten abgeschlossenen Verträge seien werthlose Stücke Papier, die keine Rechtsansprüche auf die Länder dieser Fürsten begründeten, weil die letzteren keine Ahnung von der Bedeutung der Kreuze hätten, die sie auf Veranlassung des Reisenden unter einen Vertrag setzten, dessen Sprache und Inhalt sie gar nicht verständen, muß bei Sansanne-Mangu plötzlich wieder der Vertrag ^er­halten, den der Lieutenant Baud mit dem dortigen Häupt­ling abgeschlossen zu haben vorgicbt. Nun steht es aber gerade mit diesem Vertrage sehr windig, und wenn auf irgend einen, so ist auf ihn die Nichtigkeitserklärung an­wendbar, die aus den oben angeführten Gründen die „Politique coloniale“ gegenüber den Verträgen mit den Ein­geborenen überhaupt ausgesprochen hat. Lieutenant Baud behauptet, der von ihm mit dem König Nbema abgeschlossene Vertrag habe denjenigen, welchen Dr. Gruner vorher mit dem König vereinbart hat, annullirt. Dieser Vertrag ist aber, im Gegensatz zu dem von dem Mulatten Fergusson Namens Eng­lands abgeschlossenen Frcundschafts-und Handelsvertragundim Gegensatz zu den von Lieutenant Baud und vorher von dem Oberst Alby mit Nbema vereinbarten Verträgen, in arabischer Sprache abgefaßt und von dem Könige und allen

Politische Tages-R«ndschon.

— Die Aufgaben der nächsten Tagung des Reichstags werden in den „B.P.N." erörtert. Zunächst werde er ein recht umfangreiches Ueberbleibsel, und zwar - die Novelle zum Gerichtsverfassungsgesetz und zur Straf­prozeßordnung, in der Fragen wie die Entschädigung un­schuldig Verurthcilter, Wiedereinführung der Berufung in Strafsachen u. A. m. ihre Erledigung finbc» sollen, auf­zuarbeiten haben. Die Novelle ist einer besonderen Kommission zur Berathung überwiesen gewesen. Ein ausführlicher Bericht der letzteren liegt auch vor. Immerhin werde man mit recht langwierigen Einzelberathungen der zweiten mib dritten Lesung im Plenum des Reichstags zu rechnen haben. Daß. die Militär-Strafprozeß-Ordnung im Herbst an den Bundesrath gelangen wird, steht nunmehr fest. Wenngleich auch die begründetste Aussicht vorhanden ist, daß der Bnndesrath die Vorlage an den Reichstag weiter­gebe« wird, so dürfte noch nicht festslehcn, daß sie sich unter de» ersten Entwürfen befinden wird, die dem Reichstag zugehen werden. Die Bcrathung im Bundesrath werde doch einige Zeit erfordern. Dagegen bestehe die Hoffnung, daß der Reichshaushalt für 1897/98 auch dies­mal, obschon der Tagungsabschnitt wesentlich früher beginnt, als die sonstigen Tagungen, bald nach der Wiederaufnahme der Sitzungen eingebracht werden kann. Auch mit dem zur Vorlage am weitesten vorbereiteten der an das bürgerliche Gesetzbuch sich anschließenden Entwürfe, dem neuen Handels- r gefetzbuch, hoffe man, nachdem zum Beginn des Oktober die letzten Gutachten der Jnteressenkreise eingegangen sein ■ werden, so frühzeitig fertig zu werden, daß es dem Reichstag bald werde zugestellt werden können. Kommt zu diesen l Entwürfen noch der betreffs des Answanderungsgcsctzes - hinzu, von dem auch den „B. P. N." bestätigt wird, daß er den Reichstag demnächst beschäftigen soll, so wäre damit schon, und noch mehr, wenn man bedenkt, daß die Handwerksorganisatious-Vorlage in anderer Gestalt als in dem vorigen Tagungsabschnitte an den Reichstag gelangen ■' soll, eine Fülle von Aufgaben zur Lösung gestellt, wie sie nur in recht bedeutungsvollen Tagungen vorzukommen pflegt.

— Zur Verschuldung der Landwirthschaft. An einer einigermaßen erschöpfenden Darstellung des Um- faugs der Verschuldung der Landwirthschaft in Preußen und ihren Ursachen fehlt es bekanntlich noch immer. Mir der Veröffentlichung der Resultate einer vor Jahren an- gcstellteu Enquete hat man rasch eingehalten, als diese Resultate namentlich in Bezug auf die Ursachen der Ver­schuldung einen sehr wenig erfreulichen Zug aufwiesen. Seither ist in dieser Richtung nichts mehr geschehen. Um so dankcnswerther erscheint das Vorgehen des Vereins für Sozialpolitik, welcher es unternommen hat, ' eine umfassende Darstellung des Personalkredits des länd­lichen Kleingrundbesitzes in Deutschland zu liefern. Die

Deutsches Deich.

Krrlin, 29. August. Im Auftrage des Deutsche» Aus­schusses der freien Vereinigung der Inhaber griechischer Werthpapiere überreichte vorgestern dessen Vorsitzender dem Kaiser persönlich ein Immediatgesuch, worin um Hülfe für die geschädigten deutschen Gläubiger Griechenlands gebeten wird.

* Rundschau im Reich«. Wegen Mißhandlung im Amte dezw. Erpressung eines Gestand nisse s durch Miß­handlung wurden von der Ferien-Strafkammer des Landgerichts Stettin die Polizeisergeanteu Richard Meier und Wilhelm Lorenz aus Alt-Damm, ersterer zu sechs Monaten Gesängniß, letzterer aber zu 1 Jahr Zuchthaus vcrurlheilt. Lorenz wurde sofort nach Ver­kündigung des Unheils verhaftet. — Den hessischen Schullehrer» seuiiiiaricu in Bensheim, Friedberg und Alzey wurde, wie die „Darmstädter Zeitung" meldet, die Berechtigung verliehen, den Zöglinge» der obersten Klasse, welche die Entlaffnngsprüfuiig unter dem Vorsitz des staatlichen KommiffarS bestanden haben, das wissenschaftliche Besähtgung szeugnib zum einjährig- freiwilligen Militärdieust auSziistellen. — Das Polizei- präsidiuui in Breslau übt anläßlich des Cz ar en besuch« an­dauernd eine scharfe Kontrolle über die Besucher Breslaus aus Russisch-Polen ans. Die betreffenden Personen werden angewiesen, »ach Protokollirung ihrer Personalien und des Aufenthaltsorts, des Zwecks ihrer Anwesenheit und ihrer hiesige» Wohnung, die Stadt bis zum 1. September zu verlassen.

Ausland.

♦ Oesterreich-Ungarn. Die für gestern angesetzte Kaiser- Parade wurde wegen der ungünstigen Witterung auf heute ver­schoben. Der Czar wohnte einer Hasenjagd im Lainzer Thiergarten

bie Laute verschmelzen zu einem großen harmonischen Akkord, und die ganze Stadt scheint in einen einzigen, ungeheurenKonzcrt- salon verwandelt zu sein. Und wenn die verschiedenen Orchester- Punkt elf ihre Konzerte mit einer rhythmischen Marschmelodie be­endigen, stirbt das Leben darum nicht aus. Noch lange nachher sind große Menschenmasscn in Bewegung, allent­halben vernimmt man Lachen und heitere Konversation, und in den Alleen bewegen sich Schaaren von Spaziergängern. Leichte Dämmerung liegt über die prächtige Stadt, über die Seen und Wälder ausgebreitet, jenes herrliche Zwielicht der nordischen Sommernacht, das nie in volles Dunkel übergeht und schon kurz nach Mitternacht vom Hellen Tageslichte ab­gelöst wird. Dann liegt die Stadt wie eine bezaubernde Sirene am Ufer des Meeres.

Man kann sagen, daß man wohl nirgends sein Geld so leicht und so gern ausgiebt wie in Stockholm, und nirgends genießt man das Leben in so vollen Zügen wie hier. Stockholm mit seinen prächtigen Parken und herrlichen An­lagen, mit seinen imponircnden Gebäuden und eleganten Promenaden scheint viel größer zu sein, als die Stadt in Wirklichkeit ist, und macht auf den Fremden den Eindruck einer Weltstadt wie Paris oder Berlin.

Untersucht man die Gründe dieses Phänomens, daß eine Stadt mit 260,000 Einwohnern den Eindruck einer Groß­stadt ersten Ranges macht, kann man dieselben theils im Charakter der Bewohner, theils in der Lage der Stadt finden.

Es ist ein Hauptzug im Nalionalcharaktcr der heutigen Schweden, einer frohen und heiteren Lebensanschanung zu huldigen. Sie leben froh und fröhlich in den Tag hinein und machen sich wegen des morgigen Tages keine Sorgen. Sie haben ein sehr leichtes und sanguinisches Temperament, und sie sind wie die Franzosen, mit denen sie ja übrigens so große Aehnlichkeit haben, sorglos und leichtsinnig. Ihr Leichtsinn ist nur mit ihrer großen persönliche» Liebens­würdigkeit zu vergleichen.

Wenn man einen Nachmittag in einem der fashionablen

Sommerrestaurants verbringt, und wenn man steht, wie der Champagner hier wie Wasser fließt, und mit welcher Leichtigkeit die Schweben das Golb rollen lassen, erhält man den Eindruck, daß diese Leute das Leben als ein Fest, das bis zum letzten Moment genossen werden soll, be­trachten. Sie freuen sich des gegenwärtigen Angenblicks und sagen wie der französische König: „Apres nons le deluge!“ Man muß ihnen aber anch lassen, daß sie es wie wenige verstehen, das Leben zu genießen. Die wohlhabenden Schweben treten als grand seigneur auf, in ihren Wohnungen, ihren Toiletten und ihren Vergnügungen, in Allein zeigt sich der größte Luxus und Raffinement.

Sie lieben den Luxus unter allen Formen, selbst eine einfache Näherin wendet mit der größten Sorglosigkeit ihren ganzen Wochenlohn dazu an, sich eine elegante Sonntags­toilette zu kaufen. Die Arbeiter kleiden sich, wenn sie am Sonntag spazieren gehen, wie feine Herren, die Dienst­mädchen wie elegante Damen. Der Luxus ist hier in allen Schichten der Bevölkerung, in allen Gesellschaftsklassen ver­treten, man trifft ihn unter irgend einer Form in der ein­fachsten Arbeiterfamilie. Alle wollen ihre» Antheil an den Freuden des Daseins haben, alle wollen am Bankett des Lebens einen Platz, wenn auch nur einen kleinen, einnehmen. Dies erklärt die Lebensfreude und Lebenslust, die das öffentliche Leben in der schwedischen Hauptstadt durchströmt und demselben ein ganz eigenthümliches, aber sehr an­genehmes und liebenswürdiges Gepräge verleiht.

Dazu kommt noch ein anderes Moment: die wunder­volle Lage der Stadt. Man hat Stockholm oft mit Neapel oder Venedig verglichen, und es braucht sich eines Ver­gleiches mit einer der üppigen Städte des Südens nicht zu schämen. Diese Schönheit hat aber einen besonderen Reiz, sie ist wie die Schönheit einer blendenden Courtisane, die Einem zuruft: „Das Leben ist kurz, laßt uns den Augen­blick genießen!" Die. eine Hälfte der Hauptstadt ist auf einem Felsen gebaut, und während einige Gebäude von

(Nachdruck verboten.)

„Nordens Varis."

Stockholm, im August.

O Nicht mit Unrecht wird Stockholm „Nordens Paris" v genannt. Es gießt wohl kaum in ganz Europa eine Stadt, wo das öffentliche Leben eine so frohe und heitere Gestalt annimmt, wie in der schwedischen Hauptstadt. Nicht in Einwohnerzahl, sondern in großstädtischem Leben und Treiben kann Stockholm eine Weltstadt genannt werden. Nirgends trifft man diese Lebenslust, diese Freude am Leben, diese Genußsucht im höheren Grade als in Stockholm. Dies giebt dem öffentlichen Leben hier sein eigenthüm- ckrches Gepräge und verleiht ihm einen besonderen Reiz. Wenn man an einem schönen Sommertage nach

dem „Djurgarden", dem „Hasselbakken" oder einer der zahlreichen reizenden Vergnügungsanstalten, die sich in der unmittelbaren Nähe der Hauptstadt befinden, hinausfährt, - wird man nicht nur durch die Schönheit der Natur, sondern auch durch den großstädtischen Verkehr, der überall herrscht, überrascht. Ueberall trifft man frohe und freudige Menschen, bie nur baran zu benten scheinen, wie sie sich am besten amüsiren können. Zeit unb Gelb scheinen hier fast Alle zu haben. Selbst an Wochentagen finb alle Vergnügungs­anstallen nicht nur voll, sondern überfüllt, sodaß

man sich nur mit größter Mühe einen Platz ver­schaffen kann. Spaziert man des Abends am Gustav Adolfs - Torö, in dem herrlichen Park „Kungstrads- - garten" oder vor „Blanches Cafö", herrscht überall ein | großstädtischer Verkehr. Die Stockholmer flaniren wie die ß Pariser, sie lieben den Aufenthalt im Freien und genießen - ihre schöne Stadt mit vollen Zügen. Abends versammelt sich ganz Stockholm zu einem riesigen Konzert. Hier spielt = ein italienisches, dort ein holländisches und anderswo ein - rumänisches Militärorchester. Ströme von Harmonie schallen [ Einem überall entgegen, die Luft vibrirt förmlich von Musik,

44. Jahrgang.

Erscheint in zwei Ausgaben. — BezngS-PreiS: 50 Pfennig monatlich für beide Ausgaben zusammen. — Der Bezug kann jederzeit be­gonnen werden.

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