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Verlag: Langgasse 27.

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1896

Dienstag, den 23. August

Bezirks-Fernsprecher No. 52.

BezirtS-Fernsprecher No. 52.

Abend-Ausgabe

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und man hört Worte der Anerkennung:

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getragen, ihn aus seiner schüchternen Reserve heranslreten zu lassen. Acußerlich gleicht er dem Großvater wenig, aber die intellektuellen Gaben hat er von ihm geerbt und, soweit sich bis jetzt ersehen läßt, auch die politische Voraussicht und Beurtheiluug.

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und dieser wird Schnbcrtsche Lieder zum Vortrag bringen, weil man erfahren hat, Schubert sei der Lieblings-Komponist der jungen Czarin.

An sonstigen Vorbereitungen fehlt es nicht, und Wien bekommt, ehe noch die tobte Saison zu Ende ist, einen heiteren Anstrich. Mit den im Stadtrath bewilligten 25,000 Gulden errichtet der Bürgermeister auf der Ring­straße eine regelrechte via triumphalis. Riesige rottj angestrichene Maste mit goldenen Knöpfen erheben sich zwischen grünen Ailanthusbüumen und am Schwarzenbergplatz fährt die Tramway unter einer kolossalen roth-grün-goldenen Triuniph- pforte durch. Immer umstehen Neugierige die Arbeitenden

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sich, was für Wien dabei herausschauen soll. Außer vielleicht einem russischen Orden für bett Bürgermeister Strohbach — gar nichts. Wer früh aussteht, kann zusehen, wie die Sechserzüge von Braunen unb Schimmeln für das Czaren- paar abgerichtet uitb eingefahren werben. Der erste Obersthofmeister beS Kaisers, Fürst Rudolf Liechtenstein, war vorher jahrelang Oberststallmeister — und noch immer liegen ihm die Kaiserlichen Pferde am meisten am Herzen. Jeden Morgen um 6 Uhr ist er auf seinem Zweirad beim Einfahren der Sechserzüge zugegen. Alle Burschen, die der Kaiserliche Stall entbehren kann, haben Dienst und ziehen mit großen Fahnen auf — eine Militärkapelle ist auch dabei und nun wird den Pferden Hoch in die Ohren gebrüllt, die Fahnen werden wüthend vor ihren Augen geschwenkt und die russische Hymne wird ihnen vorgeblasen. Die Vollblut Lipizaner und Trakehner erschrecken durchaus nicht, aber fte

Prinz von Neapel ist daher auch jetzt, obgleich nicht groß und etwas zart erscheinend, von guter Gesundheit. Richtig ist aber, daß er sehr gründliche Studien gemacht, sowohl in militärischer als in wiffenschaftlicher Hinsicht. Kaiser Wilhelm dient ihm als Vorbild, ihm möchte er gleichkommen, ja ihn noch übertreffen. Von sanftem Wesen, ist der Prinz doch ein außerordentlich strikter Offizier, der in Bezug auf Alles, was den Dienst betrifft, die weitestgehenden Anfordernngen stellt. Trotzdem, ober vielleicht gerade deshalb, ist seine Popularität in militärischen Kreisen eine sehr große, größer als die des Königs, der sonst aber bei der Bevölkerung feiner außer­ordentlichen Herablassung und Güte wegen, die der Kron­prinz noch nicht in dem Maße gezeigt, beliebter ist.

Seit circa zwei Jahren hat letzterer auch Beweise be­deutender intellektueller Begabung gegeben und sich besonders viel mit Archäologie, Münzenkunde und Politik beschäftigt. Wie gewöhnlich, heißt es auch hier, der Kronprinz hege in Bezug auf letztere durchaus andere Ansichten als sein Vater und er sei es gewesen, der zum Sturze Crispis das Meiste beigetragen habe, doch ist es sehr schwer, in dieser Beziehung sich ein Urtheil zu bilden. Falls ihre politischen Ansichten auch vielleicht manchmal anseinander gehen mögen, so bleibt doch das Verhältuiß zwischen Vater und Sohn das denk­bar beste.

Es fehlt natürlich Seitens der franzosenfrenndlicheu Minderheit in der Umgebung des Thronfolgers nicht an Beuiühnngen, seine bentschfreundlichen Gesinnungen zu be­kämpfen, doch scheinen sie bis jetzt vollständig ohne Erfolg zu fein; abgesehen von allem Anderen, lenken seine

Licht werden länger ihre Herrlichkeiten unversehrt bewahren, aber nahezu fünfzig Jahre Gasbeleuchtung hatten die Bilder und das Gold so stark geschivärzt, daß man Fremde nicht mehr auf die einstige Schönheit der Malereien aufmerksam machen mochte. Nun prangen die acht be­rühmten Medaillon-Gemälde wieder farbenreich in ihren plastischen Goldumrahmungen, die Begeisterung, die Melancholie, die Lebenslust, die Andacht, Liebe, Er­gebung, die Heiterkeit und der Zorn, und auch Bacchus thront am Himmel des Prosceniums inmitten schöner allegorischer Figuren. Auch der von Rabl genialte Vorhang mit der Orphensinythe wurde gänzlich renovirt und auf­gefrischt. In den Logen und den Parquet- und Parterre- sttzen wurden die kostbaren Stoffe ausgewechselt und manche Verbesserungen angebracht. Das Operntheater ist, wie die Wiener sagen, „ganz wie aus dem Schachteri", wie eben ein Theater sein soll, denn der Kunstgenuß muß schon ein großartiger sein, wenn er uns ein unsauberes, un­bequemes Theater erträglich macht. Für das The'ätre pare am 27. d. M., bei welchem das russische Kaiserpaar erscheint, wird das ganze Opernhaus noch besonders dekorirt — mit Palmen und blühenden Gewächsen, und taghell beleuchtet. Eine französische Oper wurde für die Vorstellung gewühlt — Massenets „Manon" mit van Dyk und Marie Renard in den Hauptrollen, van Dyk hoffte auch im Hofkonzert am darauffolgenden Tage aufzutreten und hörte sich schon: ,;La vie pour le Tsar!" singen, was ihn zum Mittelpunkt des Abends gemacht hätte. Es wird aber nichts daraus — „La vie pour le Tsar" wird gar nicht gesungen, der auserwählte Tenor wird Schroedter fein,

Jahren, also mit dem 25. Jahre, wurde Prinz von Neapel, der bekanntlich die Namen „Re Galantuomo“, Victor Emanuel, trägt, General die Gewohnheit des Befehlens hat wohl mit dazu

feiten sind auf Grnnd ihrer Stellung in der Lage, von ihrem Einfluß einen Gebrauch zu machen, der unseres Er­achtens nicht im öffentlichen Interesse liegt. Nach der am 24. April 1896 heransgegebenen Rang- und Quartierliste besteht das Militärkabinett aus dem General v. Hhhnke als Chef, sodann ans dem Generalmajor v. Lippe, dem Oberst v. Villaume, den Majors v. Graffen, v. Hartung, Frhrn. v. Diepenbroick-Grüter, v. Seybewitz und dem zur Dienst­leistung kommandirten Oberst-Lieutenant v. Marchtaler. In Betracht kommen daneben noch im Hauptquartier des Kaisers als bienstthuender General-Adjutant General-Lieutenant v. Plessen, als dienstlhuenbe Generale ä la suite General- Major v. Kessel und v. Engelbrecht, als bienstthuende Flügel- Adjiilauten bte Obersten v. Scholl, v. Arnim, v. Moltke und Major Graf v. Moltke.

— Di e Mili täranwärter und die Gemeinden. Wie vor Kurzem bayrische Städte sich energisch gegen die Verpflichtung, Militäranwürier anzustellen, erklärten, so bäumt man auch jetzt in Württemberg gegen diese Zu- muthnng auf. Das Organ des Vereins der württem- bergischen Körperschastsbeamten, die „Württ. Gemeinde- zcitnng", bringt einen Artikel „Die Militäranwärter auf den Rathhäusern", worin die ernste Gefahr besprochen wird, die der bisher wohl behüteten Selbständigkeit der wiirttem- bcrgischen Gemeindeverwaltung und dem Stand der Verwaltungskandidaten von der geplanten Verordnung, be­treffend die Anstellung der Militüranwärter int Gemeinde- bienft, droht. Das Blatt weist auf die Stellungnahme des Stuttgarter Gemeinderaths zu dieser Frage hin und richtet den dringenden Mahnruf an alle betheiligten Gemeinde­vertretungen und -Beamten: Wahret die Rechte der Gemeinde- aulonomie und reitet bett bewährten Stand der Verwaltungs- kandidaten durch eiumüthige Unterzeichnung der Stuttgarter Eingabe. Das Blatt schließt mit den Worten: Wohl werden, auch wenn die von uns bekämpfte Neuerung eingeführt würde, von ihr nur unsere größeren Städte, Stuttgart, Ulm, Heilbronn und vielleicht noch einige, betroffen werden. In der Ver­waltung der mittleren und kleineren Städte und Land­gemeinden giebt es unseres Erachtens überhaupt keine Stelle, die von einem Militäranwärter versehen werden könnte. Allein es handelt sich hier um ein Prinzip, das für uns Alle heilig und unverletzlich sein muß, um das Selbstbestimmungsrecht der Gemeinden auf einem wichtigen Vcrwaltnngsgebiet, und deshalb ist es Pflicht jeder Gemeinde, dem ' Versuch eines Durchbruchs jenes Rechts den kräftigsten Protest entgegenzusetzen, unbekümmert darum, ob die einzelne Gemeinde unter der drohenden Vergewaltigung zu leiden haben wird oder nicht. Wir wollen uns nicht auf den Standpunkt stellen, den unsere großen Städte seiner Zeit in Sachen der freiwilligen Gerichtsbarkeit eingenommen haben; nein, wir wollen der von der Residenz­stadt ausgegangenen Bewegung vollzählig beitreten.

Deutsches Keich.

* Hcrlitt, 25. August. Auf Antrag der Staats­anwaltschaft hat das Amtsgericht I Berlin die Posener Polizeibehörde aufgefordert, das bekannte polnische Lied: „Noch ist Polen nicht verloren" zu beschlagnahmen, weil dasselbe die Aufforderung an die polnische Bevölkerung zur An- wendmig von Waffen behufs Wiederherstelluiig eines selbst- stänbigen polnischen Reiches enthält. Ob nun die Polen Polen für verloren halten?

(Nachdruck verboten.)

Wiener Krief.

Die renovirte Oper. — Empfangsvorbereltungen für daS - Ezarenpaar. — Der Obersthofmeister aus dem Zweirad. | — Reminiseenzeu an seinen Vorgänger. — Heuer auf

dem Hofball, nächstes Jahr „auf dem Vrettl".— Nansens

Rückkehr in Oesterreich venrtheilt.— Die Unbill des Wetters.

militärischen Neigungen und seine Bewunderung unseres Kaisers seine Sympalhieen Deutschland zu. Vor ' :

Koiitische Tages Kundschnu.

— Zur „Reichsa nzeiger" - Erklärung. Der offiziöse „Hamb. Korresp." urtheilt über den Artikel des „Reichsanzeiger" nicht anders, wie die gelammte liberale und klerikale Presse. Wenn das Militärkabinett, so lesen mir daselbst, „sich wirklich indem vom „Reichsanzeiger" geschilderten Rahmen hielte, so wäre kein Wort zu verlieren. Aber eben der Zweifel, ob es gegenwärtig diese Position einhalte, ob es nicht vielmehr Einflüsse ausübe, die der Thätigkeit des Ministers häufig nicht konform, ja bisweilen direkt zmviderlaufen, sodaß die Entscheidung nicht ans den Rath verfassungsmäßig Ver­antwortlicher Rathgeber der Krone, sondern unverantwort­licher erfolgt — dieser Zweifel hat in den weitesten Be­völkerungskreisen so tiefe Wurzel geschlagen, daß eilte ein­fache Regierung ihn nicht ausrotten würde, selbst wenn der „Reichsanzeiger" nicht gerade den springenden Punkt ver­miede". — Herr v. LucauuS und nicht das Militärkabinett soll die Erklärung dem „Reichsanzeiger übermittelt haben. — Nicht das Militärkabinett als solches, so schreibt die „Köln. Ztg.", sondern einzelne zu ihm gehörende Personlich-

Die schönen Gemälde am Plafond find renovirt worden und ihre Umrahmungen neu und echt vergoldet. Es war dazu auch höchste Zeit. Künftige Theater mit elektrischem

44. Jahrgang.

Erscheint in zwei Ausgaben. — Bezugs-PreiS: SO Pfennig monatlich für beide Ausgaben rufammen. — Der Bezug kann jederzeit be­gonnen werde».

Anzeigen-PreiSr

Die einspaltige Petitzeile für locale Anzeigen 15 Pfg., für auswärtige Anzeigen 25 Pfg. — Neclame« die Petitzeile für Wiesbaden 50 Pfg.» für Auswärts 75 Pfg.

Wien, im August.

Das Hofoperntheater hat seine Pforten vorigen Sonntag wieder geöffnet und die spärlichen Fremden, welche Wien zu dieser Zeit besuchen, haben nicht mehr die Qual der Wahl zwischen dem Jantschthcater, dem Weigltheater und der improvisirten Bühne im dritten Kaffeehaus im Prater, die den ganzen Sommer über die einzig erreichbarenKunstgenüffeboten. K Das Operntheater hat sogar gegen seine Gewohnheit gleich mit der ; großen Oper begonnen und die ersten Kräfte desselben treten in ihren glänzendsten Rollen auf. In früheren Jahren wurden : immer zehn Tage lang die abgetragensten Ballete gegeben, am den Sängern Zeit zu lassen, sich schön langsam bei der Arbeit einzufinden. Heuer geht Alles aus einem strammeren Ton, denn der Besuch des Czarenpaares Hal bei Hof in der ; sonst stillen Jahreszeit eine förmliche Revolution verursacht, in deren Wirbel Alles, was mit dem Hof in irgendwelcher 7 Beziehung steht, mit einbezogen wurde. Im Opernhause

(Nachdruck verboten.)

Der Drin; von Neapel.

No««, 22. August.

ES ist das Schicksal der Kronprinzen, daß, obgleich sie die allgemeine Aufmerksamkeit ja stets in hohem Grabe er­regen, benn sie bebeuten bie Zukunft unb wir leben mehr in bieser als in ber Gegenwart, sie boch gewöhnlich nicht nur wenig gekannt, sonbcrn meistens sehr verkannt werden. Alles, was sie thun und sagen, wird eben einer Auslegung unterworfen, und daraus sucht man nach und nach ein Ge- fammtbilb sich zu gestalten, das meist der Wahrheit - sehr wenig entspricht. Nur über Personen, bie direkt in ber Oeffentlichkeit stehen, läßt sich auch von fern einigermaßen ein Urtheil bilben, sonst ge­winnt allein Bie nächste Umgebung ein solches unb biefe pflegt nicht inittheilsam zu fein. Weniger noch, als bieS sonst der Fall, ist aber wohl über beit Prinzen von Neapel bisher Authentisches bekannt geworben, benn sein ernstes, etwas verschlossenes Wesen hat ihn selten hervortreten lassen, unb so dürften Ihren Lesern jetzt, wo infolge der Ver­lobung mit der montenegrinischen Prinzessin die öffentliche Aufmerksamkeit sich ihm im erhöhten Maße znwcndet, einige , aus sicherer Quelle stammende Informationell über ihn vielleicht willkommen fein.

Um zuerst ein paar Worte über bie Verlobung selbst zu sagen, so gehören all bie btirnn geknüpften politischen ' Deutungen in bas Reich ber Fabel. Persönliche Neigung hat ein Wort babei mitgesprochen, ausschlaggebenb war jedoch die Religion der Prinzessin. Eine protestantische Fürstentochter zu ehelichen, das ist gegen die Tradition des Hauses Savoyen, eine römisch-katholische aber hätte natür­lich bie Einwilligung des Vatikans nie erhalten und dieser denn doch nicht entrathen mögen. Prinzeß Helene von ; Montenegro ist griechisch-katholisch, es trennt sie von der Religion ihres zukünftigen Gemahls also nur wenig, haupt­sächlich aber, und bas ist der Vortheil, baß sie den Papst nicht als bas Oberhaupt ihrer Kirche betrachtet.

Wenn es allgemein heißt, baß ber Kronprinz es war, der nach hartem Kamps eS endlich durchsetzte, seiner eigenen Neigung zu folgen, so beweist bieS, obgleich es ber Wahr­heit nicht entspricht, baß man von ber früher über ihn gehegten Meinung, er sei energielos, zurückgekommeu ist. Diese Ansicht hatte sich herausgebilbet, weil er, infolge einer kränklichen Kindheit, als er zuerst mehr in die Oeffentlichkeit trat, sich etwas schüchtern zeigte. Es ist r oielfach behauptet worden, eine verkehrte Erziehung trage die Hauptschuld daran und daß der Prinz, obgleich von sehr schwächlicher Konstitution, ganz übertrieben angestrengt worden sei, da König Humbert ihm eine gründliche mili­tärische Ausbildung angedeihen lassen wollte und die Königin, bie bekanntlich eine ungewöhnliche Intelligenz und hohe Gelehrsamkeit besitzt, darauf bestand, daß feine geistigen Fähig­keiten nach dieser Seite entwickelt würden, sodaß eine Art leben­digen Konversationslexikons aus ihm gemacht werden sollte. In Wahrheit liebt das Königspaar den einzigen Sohn zu sehr, als daß es sein kostbares Leben je derart aufs Spiel ge­setzt hätte. Leiblichen Hebungen, der Kräftigung des Körpers wurde stets ein großer Raum eingeräumt und ber

L | wurden die Ferien gut ausgenutzt — erneut und verjüngt Z machte eS bei der Eröffnung am Sonntag beinahe den Ein-

~ druck eines neuen prächtigen Theaters.