Mage jum Wiesbadener Tagblatt.
Ao. 376.
Abend-Ansgabe.
Donnerstag, den 13. August.
44. Iahrg«mg^1896.
* * »
Den Guten bleibt doch immer eine Zuflucht, und das ist das Heiligthum des eigenen Gewissens.
Ferd. GregoroviuS.
(1. Fortsetzung.) (Nachdruck verboten.)
Kem.
Eine Tiroler Bauerngeschichte von Audokf Keinrich Kreinz.
.Der Kaiser hat Dir aber doch nit B'schcid than, wie let Hopfgartner Marketenderin!" neckte sie ein Bursch.
„Dö hat jetzt a was davon! Js mir lieber mei ganzes Ms, als die Scherben!" erwiderte die Leni schnippisch.
Aus deut Pokal der Hopfgartner Marketenderin, die bei WO Schützenfest allgemeines Aufsehen erregte, halte der Kaiser selbst getrunken. Die Freude und der Stolz deS Mädchens war allerdings bald genug zu Nichts geworden. Eine Wespe stach sie in den bloßen Arm, daß sie im ersten Schmerz und Erschrecken den kostbaren Becher fallen ließ, welcher auf dem Boden zu tausend Stücken zerschellte.
Die Danzberger Leni war an den Tisch getreten, an wüchem ihre Eltern saßen. Mehrere Arme streckten sich nach ihrem Glas, das sie soeben wieder gefüllt hatte; nur der Zitherspieler sah nicht auf und schlug fast heftig in sein Instrument.
Das Mädchen wehrte lachend ab und reichte das Glas über den Tisch hinweg einem alten Kerl, der sich mit beiden Ellbogen auf den Tisch stemmte, die kurze Stummelpfeife zwischen die Zähne biß und mächtige Rauchwolken qualmte.
Das Mormonenthum,
welches der Presse noch immer Stoff zu zeitweiligen iutereffanten . Mittheilungen über diese Sekte liefert, findet im neuen zwölften | «tobe vou „Meyers Konversations-Lexikon" die nachfolgende zu- fauimeufassende Tarstelluug, die unseren Lesern nicht unwillkommen sein dürste.
M o rin o neu (Latter-Day Saints, Heilige vom Jüngsten Tage), WWöse Sekte in Nordamerika, gestiftet vou Joe Smith, geboren Dezember 1805 zu Sharon im Staate Vermont. Nachdem sich derselbe im Staate New-Iork in verschiedenen Berussarten versucht, "Hrrib er 1823 auf eine Engelserscheinuiig hin im Hügel Cumorah nach „heiligen Mcssingplatten", welche er unter Leitung g* * Engels am 22. September d. Js. fand, aber nach dessen Be- Mdmnung erst am 22. September 1827 beben durfte. Dieselben sWweu mit einer Schrift bedeckt, welche er nicht lesen konnte; eg-btt Kiste lag jedoch eine Wunderbrille, Urim und Thummim Mmmt, mit durchsichtigen Steine» statt Gläsern, welche den des Westnz unkundigen Smith die geheimnihvollen Zeilen zu lesen be- Whigte, ihm auch die Zukunft enträtselte. 1830 gab Smith die ^druckte englische Uebersetzung der Platten unter dem Titel: |g@6e book of Mormon« (beutlet), Hamburg 1851) heraus. Dieses «mH erzählt in einer der biblischen nachgebildeten Sprache, wie zur spät des Königs Zedekia von Jerusalem ein frommer Israelit, Lehi, AflMit seiner Familie, von Palästina nach Amerika auswanderte und hier stiue wunderbaren Reiseabenteuer, sowie die Offenbarungen, welche ihm Gott hinsichtlich der Zukunft niittheilte, auf Messingplatten . LMichnete. Mehrere seiner Söhne gingen wie Laman in die ^«rldniß und wurden die Stammväter und Häuptlinge der späteren ^«thhäute. Die Nachkommen seines Sohnes Nephi aber waren schon Mehrere Jahrhunderte vor Christus gute Christen, in bereit Mitte die und die Messingplatten forterbten. Dieser Familie ^ erschien dann auch der auferstandene Chrisms und wählte aus R*t zwölf Apostel, die in Kurzm das ganze Land zum Christenthum Wkehrten. Als zu Anfang des 4. Jahrhunderts die Kirche infolge k«ou Spaltung und Kriegen zerfallen war, erschien Mormon (der Pfftme wird vou den Moruioneu als „mehrgut" erklärt),ein gewaltiger "iiegsheld und ein frommer Christ, und vertrieb die damals roth Vwordeneu und der Barbarei verfallenen Lamaniten; doch kehrten d «selben um 400 zurück) und die Nephiten erlagen ihrem Schwert.
„'s erste gehört dem Bettelrichterl" sagte die Leni — „weil der a biß! a Ordnung im Dorf aufrecht halten muß, daß d' Buaben nit gar z'übermüthig werden!"
„Von dem lassen wir uns grad no Vorschriften smchen!" rief ein Bursch am Tische und leerte hastig sein Weinglas.
Der Alte erwiderte nichts, nahm die „Neggelpfeife" einen Augenblick aus dem Mund und schnellte durch eine rasche Bewegung seines Handgelenkes, ohne die Stellung der Arme im mindesten zu verändern, den „Kerschcler" mit einem : Schluck in die Gurgel. Dann rückte er unmerkbar seinen ; alten, schäbigen Filzhut, der schon mehrfach durchlöchert war und eine zerfaserte, schmutzig-weiße Hahnenfeder trug, und qualmte ruhig weiter.
„Der Josl is heut' no nit im rechten Zeug drinnen!" meinte ein Bauer neben ihm.
„Im Zeug bin i schon!" brummte der Alte, sich mit einem jähen Ruck zu dem Sprecher wendend. „Alleiveil luftig ist der Josl! Alleweil fidel! Die ganze Welt soll leben und Du a daneben!" Er warf seinen Hut hoch in die Luft und fing ihn mit bewnndernswerther Geschicklichkeit wieder auf. „So jetzt kann's losgehen! I hab' grad ■6 derweil a bißl nachdenkt auf die alten Zeiten, und da wird's | «Mn leicht a bißl komisch, wenn einer schon am letzten ^Dcumm vom Leben z'käncn hat!"
„Wie alt bist jetzt denn eigentlich, Josl?" fragte einer am Tisch.
„Ja, schau, Bauer," erwiderte der Josl?" den der LWWhengeist aufgeräumt hatte, und stopfte mit dem Daumen Ne Asche in seinem Reggel nach — „dös, Bauer, weiß i (Wer nimmer recht. Amal auf d' Welt kommen bin i. Dös is g'wiß! Sonst wär' i nit da. Es werden wohl Mm gut siebzig Jahr' sein oder no a paar Jahrlen tzWver. Macht nix, wenn i amal ununi komm' in d' andre WM, dö werden's schon wissen. Aber deßwegen alleweil
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fidel, Lentlen! Schenk' mir no amal ein, Leni! Von so a säubern Dirn schmeckt's ei'm tausendmal so gut!“
Die Leni füllte das leere Weinglas des Josl mit Kerscheler. „Damit's amal für a Zeitlang ausgiebig is!" iheinte sie.
Der Josl war schon, seit es die Leute dachten, in Sistrans. Die Aeltesten erinnerten sich seiner noch als kleinen Gaisbuben, mit dem sie zusammen die Schule besucht hatten. Ein alter Organist hielt sie damals in einer Art Scheune, aus der man zur Roth ein Schulzimmer gemacht hatte. Da bekam der Josl immer am meisten Schläge, weil er gewöhnlich bei allen Streichen der Rädelsführer war. Dieser glückliche Humor war ihm denn auch bis in seine alten Tage treu geblieben. Er mar das ledige Kind einer armen Dirn. Von einem Vater hat er nie was gewußt, noch gehört, und die Mutter starb, als er noch in der Wiege lag. Diese hatte nicht in Sistrans gestanden, sondern tief im Wälschtirol drinnen. Dort fiel er einige Zeit der Gemeinde zur Last. Dann, als er kaum gehen konnte, nahmen ihn entfernte Verwandte ins Oberinnthal. Der Josl bekam bei ihnen mehr Schläge als zu essen. Eines Tages war ein wohlhabender Bauer von SisirauS, der auch Viehhandel betrieb, in das Dorf gekommen und fand an dem aufgeweckten Bürschlein, den seine Jugendgenossen allgemein nur den „Wälschen" nannten, Gefallen. Er nahm ihn mit sich. So hielt er als wohlbestellter Gaisbub zuerst seinen Einzug.
Das ist seine Jugendgeschichte. Von seinem weiteren Leben läßt sich abentenerlicheres nichts vermelden. Er brachte sich recht nnd schlecht durch als Knecht bei den Bauern, war auch einige Jahre auf dsr Wanderschaft.
Als die alten Knochen für die grobe Feldarbeit, Holzfällen, Dreschen und dergleichen ihren Dienst versagten, weigerte sich der Josl beharrlich, das Guadcnbrod bei den Bauern zu essen. Er wolle nichts geschenkt haben. Das Wenige, was er brauche, wolle er auch mit seiner ab'grackertcn Krippen') sich noch redlich verdienen.
So verlieh man ihm das Amt eines Nachtwächters, Gemeindedieners und Bettelrichters. Ans den letzten Titel war der Josl am meisten stolz. Bettelrichter oder „Bettelstanzer" 2) nannte und nennt man heutzutage noch vielfach bei uns in Tirol die Gemeindeboten, denen öfters auch eine Art handgreiflicher Gerichtsbarkeit über allzu freche Landstreicher obliegt.
Dem Bettelrichter Josl machten aber einige „harbe" Gemeinderäthe eher noch den Vorwurf, daß er es mit den „Dörchern") etwas gar zu lax') nahm. Es war noch nie bekannt worden, daß der Josl einen „Fahrenden" in den Gemeindearrest gebracht hätte. Gewöhnlich zahlte er ihnen noch ein Glasl Schnaps beim Wirth, unterhielt sich oft prächtig mit ihnen und „stanzte" sie regelmäßig ohne jeden Widerstand ihrerseits als seine guten Freunde über Dorf- und Feldmarkung hinaus.
Damit war jedoch der Wirkungskreis des Josl noch keineswegs geschlossen. Er betrieb noch alle möglichen Handwerke und Kunstfertigkeiten. Für leichtere Zimmermannsund Tischlerarbeiten war er zu verwenden, flickte zerbrochene Kessel, band den Bäuerinnen zerschlagenes Geschirr wieder zusammen, wurde als Viehdoktor zu Rathe gezogen, wußte auch Pflaster, Salben und Kräuter für die Menschen, fertigte den kleinen Buben und Diaudleu vom Dorf allerlei Spielzeug, konnte auch zur Nolh einmal bei einem Tanz aufspielen.
Das war allerdings dem Josl da? unliebste Amt. Er that es nur gezwungen und wenn man ihm einen besonders
*) Körper. *) „stanzen"-hinaus treiben. ’) Landstreicher.
*) leichtsinnig.
Mormans Sohn, Marino, vollendete die Geschichte seines Volkes 420 auf den Messingplatten und bezeichnete auf denselben ausdrücklich Joe Sinith als ihren zukünftigen Entdecker.
Wiewohl Smiths Bibel bald als ein 1812 von einem ehemaligen Pfarrer verfaßter Roman nachgelviesen ward, der un- gedruckt geblieben, aber durch den Buchdrnckergehülfen Sidney Ridgon, einen der eifrigsten Anhänger Smiths, diesem zugekommen war, fand der neue Prophet doch Glauben und organisirte 6. April 1830 die Sekte zu einer Gemeinde in Fayette, einem Städtchen im Staate New-Uork. Im nächsten Jahr siedelte die Sekte, schon mehrere hundert Glieder zählend, nach Ohio, 1833 von hier verjagt, nach dem Staate Missouri über. Ihre Intoleranz veranlaßte aber Konflikte und ihre Ausweisung; nach kürzerem Aufenthalt im Connty Caidwell wandte sich die Sekte nach Illinois, wo sie in der Grafschaft Hancock 1840 die aus 2100 Häusern bestehende Stadt Nanvoo und einen schönen Tempel nach dem von Smith in einer Vision geschauten Bild erbaute. Die Stadt erhob sich unter strenger Ordnung balb zu bedeutendem Wohlstand. Aber 1844 kam es zum offenen Kampf mit den übrigen Einwohnern, in welchem Smith den Tod fand und Nanvoo in Trümmer gelegt ward. Die Moruioncn zogen mm, etwa 1500 Mann stark, auf höchst beschwerlichen Pfaden über das Felsengebirge nach dem fernen Westen nnd ließen sich 1847 am Großen Salzsee (Salt-Lake) nieder, wo sie den bereits 1850 als Territorium anerkannten Staat Utah gründeten, der sich bei der günstigen Lage seiner Hauptstadt, Saltlake City, eines Hauptpunktes für die Karawanen auf dem Wege nach Kalifornien, bei der strengen Ordnung und dem regen Fleiß, welche allgemein herrschten, sowie infolge der begeisterte», immer neue Einwanderer herbeiführenden Proselytemuacherei rasch hob. Die Unions- regieruug hatte den Nachfolger Smiths im Prophetenthum, Brigham Uoung, wegen seines großen Einflusses zum Gouverneur des Territoriums ernannt und der Kongreß diesem 20,000 Doll, für die Errichtung öffentlicher Gebäude und 5000 Doll, für die Anlegung einer Bibliothek übersandt; eine Kongreßakte vom 7. September 1850 ordnete das Verhältniß der Mormonen zur Union. Gleichwohl lehnten sich erstere mehrfach gegen die von der Unionsregierung gesandten VcrwaltungS- und Gerichtsbehörden auf und zwangen dieselben, die Hauptstadt zu verlaffcn. Die Union ernannte 1854 den Obersten Stepton und 1857 A. Cumming zum Gouverneur an Brigham Uoungs Stelle und
guten Trunk zahlte. „Bei meinem Gekrätz kommen ja z'letzt no die Mäus aus den Löchern!" pflegte er zu brummen.
Auch mit dem Schreiben ging eS schlecht. Wenn der Josl, was nicht allzu oft vorkam, Gemeindeakten in die Stadt zu tragen hatte, so war ihm der Gang lange nicht so sauer, als die beiden Worte seines Namens, die er aks Bestätigung der richtigen Abfertigung in das Kontrolbuch zu tragen hatte. Ein Bettelrichter konnte sich doch nicht bloß mit drei Kreuzen unterschreiben. Es brauchte gewöhnlich eine geschlagene Viertelstunde, bis der Josl mit den eilf Buchstaben seines Names „Jodok Angeli" zurecht kam. Den Schreibnamen hätte er längst vergessen, wenn er ihm bei dieser Gelegenheit nicht stets in Erinnerung gebracht worden wäre. Als ihn einmal ein Fremder darauf auf* merksam machte, daß dieser eigentlich soviel wie Engel bedeute, meinte der Josl giftig: „Der Teufel soll den Namen holen! Schad', daß man nit drum g’fragt wirb! I hätt' mir an andern ausg'sucht! I will mit dem wälschen Zeng nix z'thuan haben!" Der Josl, der von Kindesbeinen an in Deutschtirol aufgewachsen war, hatte auch thatsächlich mit Ausnahme einiger Flüche, die er von den durchziehenden Vckgabltnden lernte, nie ein Wort „Wälsch" verstanden.
Seit der Josl Bettelrichter geworden, hatte man ihr» eine eigene Heimstatt zur Verfügung gestellt. War freilich nichts Sonderliches. Etwa eine Viertelstunde oberhalb Sistrans lag am Waldrand eine kleine Mühle mit nur einem Mahlgang, die durch irgend eine uralte Erbschaft der Gemeinde gehörte, aber schon seit Langem gänzlich außer Betrieb stand.
Der Josl setzie das Radwerk, das durch einen kleinen Waldbach betrieben wurde, wieder in Gang und wurde auch noch eine Art Armenmüller. Die alten Weiblein brachten ihm weit aus der Gegend den kärglichen Ertrag eines schmalen Feldstriches zum Mahlen oder auch wohl ein Säckleiu Korn, das sie sich bei einem der wohlhabenden Bauern erbettelt hatten. Der Josl begehrte nie einen Heller für seine Mühe.
„Der Vach verlangt auch nix!" sagte er immer. „Und für's himmliche Schuldbuch kann man von Zeit zu Zeit auch was thun, damit die Rechnung da droben amal nit gar z'schief ausfallt!"
Die Armen waren ohnedies erkenntlich und brachten dem Josl stets eine Ehrengabe in seine Behausung, sobald sie bucken . . . wenn es hoch herging, zu Ostern sogar einen mürben „Fochaz" *) um die heilige Weihnachtszeit einen wohlschmeckenden „Zelten" 2) voll sein geschnittener „Kloa- birnen."3)--
Der „Kerscheler" im Weinglas des Josl neigte sich schon wieder seinem Ende zu. Der Alte strich sich mit der Hand vergnüglich über sein mit weißen Bartstoppeln besätes Gesicht und meinte, lustig zum Nachbar blinzelnd: „Henk'. Kirchpropst, wenn der Himmel sperrangelweit offen stünd und die Engel alle miteinander den Radetzkymarsch blasen thäten, heut brächten sie mi nit eini! Heut' is's bei uns auf der Welt herauf viel z'lustig! Viel lustiger nnd feiner kann's im Himmel a nit zugehen!"
Der Augeredete, der Spinnhofbauer, der als wohlhabender Mann und Kirchpropst in Sistrans in großem Ansehen stand, warf dem Josl einen verweisenden Blick zu: „Daß Du Deine unheiligen Reden gar nie lassen kannst! Wenn dös der hochwürdige Herr Pfarrer g'hört hätt'l"
*) Mürbes Brod. ’) Früchtenbcod. *) Gedörrte Birnen.
(Fortsetzung folgt)
sandte ihn mit 2500 Manu nach Utah. Die Expedition stieß jedoch bei der vorgerückte» Jahreszeit ans viele Schwierigkeiten, und es mußten im folgenden Jahr Verstärkungen nachgesandt werden. Nach einem Gefecht nm 15. Februar 1858 kam es zu Unterhandlungen, es wurde den» Mormonenthum Amnestie erthei!t,uud Uoung blieb thatsächlich Gouverneur, zumal während de« Sezessionskrieges 1861—65.
Das Mormonenthiilli wurde mit keiner fertigen Glaubenslehre eröffnet; die einzelnen Lehren entstanden durch das Zusammenwirken von I. Suiith, Sidney Rigdon, Parley P. Pratt nnd Orsou Pratt und wurden in der spätere» Zeit durch Brigham Uoung noch erweitert. Verzückungen (revivals) und Offenbarungen (revelationa of God) sind die Grundlage, „der Felsen", auf denen da« Glaubens- gebäude der Mormonen aufgebaut ist; Hauptquellen sind das Buch Mormon, das Buch der Lehre und der Bündnisse („The book of doctrine and covenants“, zuerst 1832 englisch gedruckt) und eine Reihe theologischer wie religiös-pädagogischer Katechismen und Schriften ihrer Autoritäten. Im Einzelne» ist dem Buddhismus entlehnt die Lehre von der Seelenwanderung und den vielen Welten, der griechischen nnd römischen Mythologie die unendliche Vielheit der Götter und die ihnen bcigelegte Vielseitigkeit der Liebe, dein Islam die Vielweiberei und das Verbot spiritliöser Getränke, dem rohen Heidcnthum der Glaube au Zauberei, an gute und böse Geister, dem orthodoxen Christenthum der Glaube an Wunder und die TeufelsauStreibungcn, dem Judenthum die bei ihr zur Theodemokratie (Gottesvolksherrschaft) gewordene Staatsverfaffung der Mormonen. Das 1849 zusammengestellte Glaubensbekemitniß der Mormonen weicht Dom ursprünglichen deS Joe Smith mehrfach in der Richtung nach dem gemeinchristlichen Glauben ab. Die hierarchische Organisation erzielt eine vollständige geistige Unterjochung der Anhänger der Sekte; die Priesterjchaft gilt den Mormonen als eine göttliche, unfehlbare Autorität, und es wird für eine Todsünde erachtet, anderer Meinung zu sein als die Priester. Nach vorher- gcgangener Weihe durch Johannes den Täufer, der sich hierzu mit Petrus, Jakobus und Johannes 15. Mai 1825 vom Himmel herabließ, fetzte Joe Smith die Priesterfchaft ein, und zwar theilt sich diese in zwei Stufen: die höhere Stufe Melchisedeks und die niedere Aarons. Zur ersteren gehören: die Präsidentschaft (fünf Mitglieder); das Kollegium (Quorum) der zwölf Apostel, die einen reisenden Hohen Rath bilden; da« Kollegium der Hohenpriester (Zahlunbeschränkt); das Kollegium der Siebziger, Neiseprediger; das Kollegium der Aeltesten. Die zweite Stufe der
