Verlag: Langgasse 27.
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1896
Montag» den 10. Angnk
Ua. 370.
Bezirks-Fernsprecher No. 52.
Bezirks-Fernsprecher No. 52.
Abend-Ausgabe
— Die Studienreise. Es muß auffallen, daß von
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Frieden, aber, wie der in Omaruru stationirte Lieutenant Volkmann an Major Leutwein berichtete, nur äußerlich. Jedenfalls erschien dem Offizier die Situation bedenklich genug, um eine Verstärkung nach Omaruru zu dirigiren. Man wird unter diesen Umständen die Absicht des Majors Leutwein, den nächsten Zug nach Omaruru zu unternehmen, nur billigen können. Seine Bemerkung, daß wir andernfalls eines Tages auch in Omaruru einen ähnlichen unerwarteten Ausbruch von Feindseligkeiien zu erwarten haben würden, wie in Gobabis, ist bezeichnend genug.
Deutsche» Deich.
* Hof- und Personat-Uachrichten. Wie ans Cassel gemeldet wird, hat -sich das Besin den des Kaisers erheblich gebessert. Samstag Vormittag machte er einen Spaziergang zum Herkules hinauf. — Reichskanzler Fürst Hohenlohe ist
Politische Tages-Rundschau.
Ak — Ile6et die Tragweite des kürzlich er- »| gangetten Erlasses des Kriegsmini stets herrscht »ohl nirgends mehr Unklarheit. Der neue Erlaß des M Knegsmiiüsters stellt sich als eine nicht unwesentliche Ergänzung *| der ersten Verfügung dar, indem er ausspricht, daß es den Unteroffizieren und Mannschaften des Heeres „dienstlich ver- kf Boten" ist, sich mit dem Vertrieb von Druckwerken oder 5| Maren auf Veranlassung einer Civilperson zu befassen, und zugleich den Unteroffizieren und Mannschaften die Verpflichtung auferlegt, von jeder Seitens einer Civil- ffi perM an sie ergehenden Aufforderung zum Vertrieb
* teil Druckwerken oder Maaren ihren Vorgesetzten
» Meldung zu machen. Wir gehen wohl nicht fehl, wenn
W wir annehmen, daß das Hauptgewicht bei diesem „Dienst-
y । teW" auf das Verbot des Vertriebs von Druckwerken ge-
l -IM- ist. Es wird dadurch der Möglichkeit vorgebeugt, daß ' üe sozialrevolutionüren Agitatoren die Unerfahrenheit der SMiten mißbrauchen, um unter falscher Flagge ihre Machwerke unter das Heer zu bringen. Während E Ik erste Erlaß des Kriegsministers gegen die unverhüllte ' Mstürzlerische Propaganda im Heere gerichtet ist, trifft die ® r uate Anordnung Vorsorge, daß auch der unbewußten r Agitation durch Verbreitung sozialdemokratischer oder ^ MWhistischer Lektüre in den Kasernen ic. die Thür 6er» s Gerrt werde. Ist den Mannschaften der Vertrieb von
a Druckwerken überhaupt verboten, so wird sich kein Soldat h . in Zukunft damit entschuldigen können, daß er den ® | Inhalt und Charakter einer von ihm unter den N ' Kameraden verbreiteten Druckschrift nicht gekannt habe. Der •I strenge Befehl, von jeder von einer Civilperson ausgehenden - — selbstverständlich nach § 112 des St.-G.-B. straffälligen - — Aufforderung zum Vertrieb von Druckmaaren den Vorgesetzten Meldung zu erstatten, zeigt, daß die Militär- Lerwaltuitg gesonnen ist, mit aller Entschiedenheit die sozial- revolütionäre Propaganda von dem Heer fernzuhalten. Dieses Bestreben verdient rückhaltlose Auerkentinng.
Samstag Nachmittag, 1 Uhr, in Wilhelmshöhe eiugetroffen. — Aus Cassel wird aemdbet, daß der Kaiser persönlich den Reichskanzler Fürsten Hohenlohe in Civilkleiduug am Bahnhof Wilhelms- höhe in offenem Zweispänner abholte und nach dem Schloß geleitete. Der Monarch unterhielt sich sehr lebhaft mit dem Reichskanzler. Nachmittags 4 Uhr fuhr der Kaiser mit dem Reichskanzler allein in einem Zweispänner nach dem 2 Stunden entfernten Schlöffe Wilhelmsthal, von wo sie um 7 Uhr in lebhaftester Unterhaltung nach Wilhelmshöhe zurnckkehrten. — Ihre Majestät die Kaiserin ist mittels Sonderzuges gestern Vormittag nach 8 Uhr inWilhelmS- höhe eingetroffen. —Der Kronprinz und die Kronprinzessin von Griechenland, sowie Prinz Nicolaus von Griechenland sind zu einem achttägigen Besuch bei der Kaiserin Friedrich auf Schloß Friedrichshos cingetroffen. — Die „Leipz. Neueste Nachr." melden ans Hamburg, das Befinden des Fürsten Bismarck ließ in den letzten Tagen zu wünschen übrig. Gleichwohl empfing der Fürst gestern die Söhne des Prinzregentcn Albrecht von Braunschweig und begleitete sie bei ihrer Abfahrt an den Zug, sodaß also M ernsten Befürchtungen kein Anlaß vorliegt. Profcffor Schweninger fast anwesend.
* Berlin, io. August. An zuständiger Stelle soll bezüglich des Unterganges des „JNis" erklärt worden sein, tdaß Admiral Tirpis keine Instruktion habe, telegraphisch über die Vernehmungen der geretteten Seeleute zu berichten, und daß außerdem für derlei Fälle keine Fonds vorhanden seien.
Der Staatssekretär des Reichspostamts v. Stephan scheint einer Verbilligung der Telegrammgebühren für Zeitungen jetzt etwas wohlwollender gegeuüberzustehen, als früher. Es ist nämlich, wie berichtet wird, den Prüflingen für die höhere Postkarriere folgende Frage zur Bearbeitung vor- gelegt worden: „Von Seiten der Zeitungsverleger wird vielfach eine Ermäßigung der Zeitungs-Telegrammgebühren augestrebt. Es kommt in Frage, ob solches gerechtfertigt ist. Die Frage ist sowohl nach den in Betracht kommenden allgemeinen Gesichtspunkten, als auch vom finanziellen Standpunkt ans ausführlich zu erörtern. Je nach Umständen würden begründete Vorschläge über die anderweite Bemessung dieser Gebühren abzugeben sein."
* Rundschau im Reich». Der Geheime Kommerzienrath Krupp errichtete eine Stiftung zum Bau eines RekonvaleS- centenHauses. Ihre Majestät die Kaiserin genehmigte die Bezeichnung „Anguste-Victoria-Hans". Das Hans wird in der Kolonie Altenhof erbaut, wo gleichzeitig zwei Kapellen auf Kosten des Geheimen Kommerzienraths Krupp für Evangelische und Katholiken erbaut werden. — Aus Wilhelmshaven, 9. August, wird gemeldet: Der kommandirende Admiral v. Knorr setzte heute früh bei der Flaggenparade seine Flagge au Bord des „Blücher". Die Flagge wurde von der Rhedesalutirt. Gleichzeitig übernahm Admiral v. Knorr den Oberbefehl über die jetzt formirtc Herbst-NebungSflotte. — Die „Leipziger Neuesten Nachr." schreiben zu dem Dementi der „M.N.N." bezüglich der Kanzlergerüchte: Indem wir nochmals feststellen, daß die von uns reprodnzirte Mittheilnng von einer Seite stammt, bei der wir eine genaue Kemitniß der Vorgänge voraussetzen dürfen, geben wir folgende, uns von unserem Berliner Korrespondenten zugegangene Depesche wieder: „Alle Dementis falsch. Demission des Kanzlers sicher."
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Ausland.
* Italic». General Baldissera übernahm wieder das Kommando in Afrika. — Der italienische Kreuzer „Etna" kaperte 11 italienische Meilen von der italienisch-afrikanischen Küste entfernt den holländischen Dampfer „Doelwyk", der, angeblich nach Kurrackee bestimmt, außerhalb dieser Ronte angetroffen worden war. Der „Doelwyk" hatte volle Ladung, bestehend aus einer außerordentliS großen Menge von Gewehren und KricgSvorräthen. Der „Etna" übergab das gekaperte Schiff dem Kreuzer „Arethusa", welcher dasselbe nach Massana brachte.
* Frankreich. Der „Figaro" fordert die Frauen Frankreichs zu einer Geldsammlung auf, um der Czarin eine Wiege für das Kind, das fie unter dem Herzen trägt, zu überreichen. — Die französische Nähmaschinen-Compagnie v.Moutlucon fallirte Freitag. Die Passiven betragen zwei Millionen Frcs. 300 Arbeiter sind beschäftigungslos. — Die „Antonio" bedauert in einem Artikel den kläglichen Zustand der französischen Marine und sagt, daß auf den französischen Kriegsschiffen die Kessel-Explosionen mit jedem Tag zunehmen. Das Blatt befürchtet, daß auch in anderer Beziehung die französische Marine nicht aus der Hohe der Zeit steht,
* Großbritannien. Auf einem Bankett, welches die am Handel mit China beteiligten Kaufleute zu Ehren Li-Hung- Tschangs in London veranstaltet hatten, erklärte derselbe in Erwiderung eines ihm dargebrachten Toastes, die Schwierigkeiten zwischen England und China seien aus einem Mißverstandniß entstanden. Allein England sei gegen China freundlich gesinnt, es habe dessen Vertrauen und Achtung gewonnen. Es seien zwar noch einige Punkte zurückgeblieben, welche zur Herstellung eines völligen Einvernehmens zu erledigen wären, allein er habe die feste Hoffnung, daß fein gegenwärtiger Besuch manches Hmderniß einer gänzlichen Eintracht zwischen England und China aus dem Wege schaffen werde. Seit er in England weile, halte er seine Augen für Alles offen, u übet hoffe, daß sich die Engländer auch ihrerseits für die Beziehungens zu China interessiren würden. Ter Friede sei Chinas vornehmster Wunsch. Der Handel sei der gemeinsame Bode», anf welchem die Jntereffen Englands und Chinas nebeneinander hergeheu konnten. China würde gern bereit sein, auf die Hülse der HandelSmachte zu rechnen, falls seine Unabhängigkeit bedroht fein sollte.
* Spanien. Ministerpräsident CanovaS erklärte in der Freitag-Sitzung der Cortes, die Inf urgenten würden nie die spanischen Truppen besiegen. Die ersteren suchten die spanischen Truppen auf Cuba zu ermüden, indem fle diesen eine offene Schlacht verweigerten. Sollte aber dadurch kein Erfolg herdeigesührt werden, so trete er für immer vom öffentlichen Leben zurück.
* Rußland. Von kompetenter ärztlicher Seite erhalt die „Frankfi Ztg." über die Reise des Psychiaters Provisor MendelnachPeterSburg eine Mittheilung, die geeignet ist, der Legendenbildung, die sich an diese Reise geknüpft hat, den GarauS zu machen. Di« Mittheilnng lautet: „Herr Professor Melldel war berufen zu dem Petroleum-Kaufmann Alex. Kokorew, Geichast in Petersburg, Quai Anglais 20, gegenwärtig tu der SommrifrnKe
Der Millilirordi-Dom in Wesel
Ain 7. August d. I. wurde, wie gemeldet, in Wesel am Rhein unter ernsten Feierlichkeiten der nach langer Restaurationsarbeit in erneuter Schönheit strahlende altehrwürdige Willibrordi-Dom wieder eröffnet. Vom Hiutergrnnde des großen Marktes mit seinen spät- gothischen Bauten und den Denkinäleru alter und neuer Zeit ragen die edlen Formen des herrlichen Willibrordi-Domes empor. Keine Aufzeichnung gießt uns darüber Kunde, wann mit dem Ban der ersten Willibrordi - Kirche begonnen ist, indeß soll schon gegen Ende des 12. Jahrhunderts Gottesdienst dort abgehalten worden sein. Ter erste Bau ging in, Jahre 1354 durch Brand zu Grunde, wobei auch Rathhaus nud Schule ein Raub der Flammen wurden. Fest steht, daß mit dem jetzigen Bau 1460 begonnen und dieser um die Mitte des 16. Jahrhunderts vollendet wurde. Am 11. Januar des Jahres 1594 traf ein Blitzstrahl den Thurm und zerstörte ihn znni Theil. Die Pfarrgemeinde war in der unglücklichen Zeit nicht in der Lage, dcnstlben wiedcrherstellen zu können, und fo mußte sie sich zunächst darauf beschränken, die Thurmrnine mit einer Schutzkappe zu versehen. Auch zur Instandhaltung der Kirche fehlte es an Mitteln. Sie hat aber trotzdem eine reichbewegte Vergangenheit hinter sich, den» nicht nur diente sie im Wechsel der Zeit verschiedenem Knltus als GotteShanS, fonbern auch im Jahre 1672, als Wesel voni Prinzen Condö erobert wurde, wurde die Willibrordi-Kirche als Kornmagazin und Lazareth benutzt. Die Roth der Zeit und der dauernde Geldmangel hinderten die Gemeinde, dem Verfall des großartigen Bauwerkes entgegen zu arbeiten. Schließlich gestaltete sich die Lage so trostlos, daß der Gottesdienst eingestellt werden mußte und die Kirche im Jahre 1874 geschloffen wurde. Inzwischen war ein Kirchenbaufonds gesammelt, eine kaiserliche, staatliche und provinzielle Unterstützung kam hinzu, ferner das Erträgniß einer Dombaulotterie, und so gelang es, ausgerüstet mit genügenden Mitteln, im Jahre 1882 mit den RestanrationSarbeiten zu beginnen und dieselben im Jahre 1896 zu Ende zu führen. So steht denn nun wieder der altehrwürdige Dom in alter Herrlichkeit da, als eins der prächtigsten Bauwerke der fpätgothischen Zeit am Rhein. Wieder aufgerichtet in alter Pracht erzählt er dem aufmerksam Lauschenden voii der frühesten Römerzeit und von deut muthigen Apostel Willibrordu«, der schon im harten Kampfe gegen die heidnischen Friesen mit den Lorbeerri, des glaubenseifrigen Be- kenuerS geschmückt war und dort, wo jetzt der Chor des stolzen Willibrordi-DomeS, das erhabenste Denkmal dieses Apostels, prangt, eine Taufkapelle errichtete und die heidnischen Sachsen taufte.
Jahrgang.
Erscheint in zwei Ausgaben. — Bezligs-Preis: 60 Pfennig monatlich für beide Ausgaben zusammen. — Der Bezug kann jederzeit begonnen werden.
— K oloniales. Es stellt sich immer deutlicher heraus, daß frühere Landeshauptmann von Deutsch-Süd- | Westafrika, Major v. Francois, sich in wesentlichen » Punkten in der Beurtheilung von Land und Leuten unseres Schutzgebietes geirrt hat. Es hat sich das sowohl bei seiner Handlung Hendrik Witbois, wie in seiner Auffassung der l Pfeilung einzelner Herero-Häuptlinge zur deutschen Sache ^Weigt. Major v. Franxois hat verschiedentlich den Häuptling - Manasse von Omaruru, den mächtigsten der Herero-Häuptlinge, f Ersten Gebiet westlich bis nahe an die Küste und das Land i der Zwartboi-Holtentotten, nördlich bis ans Orambo-Land k Md östlich bis halbwegs zwischen Omburo und Okahandya reicht, wegen seiner wohlwollenden Gesinnung gegen die I deutsche Herrschaft belobt. Auf anderer Seite aber hat man
T* . gerade Manasse als einen unzuverlässigen Gesellen betrachtet. Und daß dieses Urtheil das richtige war, bezw. ist, zeigt ff- Mch der letzte Bericht des Majors Leutwein. Derselbe kvnstatirt, daß die Hereros in Omaruru die größte Lust d bewiesen, anläßlich des Aufftandes der Khauas-Hottentotten - gleichfalls loszuschlagen. Manasse selbst wirkte für den
Seiten der Regierung noch immer nicht die in Aussicht gestellte Veröffentlichung über die Ergebnisse der Studienreise bewerkstelligt worden ist, welche mehrere Herren des Reichsamts -bcS Innern und des preußischen Handelsministeriums im Sommer vorigen Jahres nach Oesterreich unternahmen, um dort an Ort und Stelle die L&fafjrititgcn zu prüfen, die man mit der Z wangs- organisation des Handwerks gemacht hat. i Diese Unterlassung ist umso merkwürdiger, als die Motive zu dem jetzt veröffentlichten Gesetzentwurf über die Organisation ! des Handwerks an mehreren Stellen sich nicht nur auf die allgemeinen Wahrnehmungen berufen, welche man in der - besagten Richtung in Oesterreich gemacht habe, sondern auch direkt auf jene Studienreise, d. h. auf die „Ermittelungen, wehche über die Entwickelung der schon seit Jahren bestehenden Zwangsgenossenschaften in Oesterreich angestellt find", sich beziehen. Für eine gründliche und umfassende | Prüfung des jetzt für Deutschland projektirten Organisations- | planes würden diese „Ermittelungen" zweifellos höchst schützbares Material liefern. Es steht daher zu wünschen und fe- zu hoffen, daß die Regierung durch die Veröffentlichung dieser g „Ergebnisse" die Grundlagen wirksam ergänzt, welche für | die Beurtheilung einer so wichtigen Angelegenheit vor- A L Händen sind und welche theilweise erst durch mühsame Er- l Hebungen, wie die Stichproben-Enquele, geschaffen werden -fiMßten. Andernfalls dürfte es nicht ausbleiben, daß in Jt W der der Zwaugsorganisation des Handwerks grundsätzlich L -- abgeneigten Presse die Meinung hervortritt, jene Er- HMütlungcn in unserem Nachbarlande seien geeignet, vor dem Beschreiten des dort eingeschlagenen Weges abzu- » f schrecken.
