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Mksbil-em ianbldtt.
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Bezirks-Fernsprecher No. 52.
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Abend-Ausgabe
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Di« Modelle, denen die nothigsten Erklärungen beigefugt sind, stnd P auf das Sorgsamste ausgeführt und auf das Getreueste den Ort-
Fahrzeuge („Arcomi" und „Gazelle"), die dem Mutterland
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hat für Alle». >vaS irgendwie mit der See znfanimeuhäugt, das weitestgehciu'e Interesse; ob das noch von dem eheinaligen Fischer- do»se herriihri, aus welcheni unsere heutige glänzende Kaiserstadt
entstanden, ist hier zu untersuchen nicht der Platz, die Thatsache ist eben da uub wird von Neuem durch die sichtlich starke Theilnahine
(Nachdruck verboten.)
SteMÄge durch die Berliner Gewerbe- AussteUnng.
Bon Paul Lindenberg.
Das Seewesen aus der Ausstellung.
»einen Theile von selbst verbot. Der Schiffbau hat ja in Berlin selbstverftändlich keine Stätte, nur zwei Finnen sind in seiner Rubrik Mgesührt, L. Froehlich iu Berlin mit eiiiigen Motorbooten und die Schiss- und Maschinenbau-Aktien-Gesellschast „Germania" in Berlin-Tegel und Kiel mit der Maschinen- und Kcffelanlagc eines
bestätigt, welche gerade Seitens der breiteren Volksschichten aus unserer Ansstelluiig dem Seewesen cntgegeugebracht wird.
Letzerem ist keine znsammcuhängcude Gruppe eiiigeräumt M worden, was sich auch schon durch die Verschiedenartigkeit der ein»
torpedoarmirten Dampfbeibootes. Eine fesselnde Sonder- Ausstellung veranstaltete dafür das R e i ch s in a r i n e - A m t, sie wäre noch weit nmsaugreicher ausgefallen, wenn sich nicht die staatlichen Behörden für die Kieler Ausstellung, wo die Kaiserliche Marine geschlossen auftritt, gebiiuden hätten. So muffen wir uns denn mit den Modellen der Fahrzeuge unserer jungen deutschen Marine begnüge», die in stattlicher Zahl in den beiden Ehrcnhallcn des Hanptpalastes zur Aufstellung gelaugten. Alle Typen unserer Kriegsfahrzeuge sind hier vereinigt worden und zwar in demselben Größenverhältniß, sodaß man eine wahre Vorstellung erhält, wie sich die Schiffe in ihrer Größe zu einander verhalten. Da sehen wir die schweren Eisenkolosse mit ihrer im Ernstfälle verderbenfpeienden starken Annirung, die leichtereu, mehr zum Küstenschutz dienenden Panzerschiffe, die Kreuzer, darunter S. M. Dacht „Hohenzollerii" und Panzer-Kanonenboote, die Avisos und Kreiqerkorvetten, endlich Torpedo-DivisionLboote und Torpedoboote. Die Modelle, denen die nöthigsten Erklärungen beigefügt sind, sind
„Berlin wird Seestadt" — man kennt dies Schlagwort, welches zu verschiedenen Zeiten schon zu lebhaften, eingehenden Eröi tcrungen Veranlassung geboten, die mit dem Bau eines Kanals zusaiunicn- hingen, der Berlin mit der Ostsee verbinden und der auch für größere Schiffe fahrbar sein sollte. Nun, der Plan, jetzt von Neuem vou Stettin au» angeregt, wird sicher einmal verwirklicht werden, aber es dürfte bis dahin noch viel Wasser die Oder uiib j Spree hinunterfließen, ehe wir aus einem eleganten Dampfer von Berlin nach Rügen oder Kopenhagen fahren. Eins ist sicher, daß ff .„nferc gesummte Bevölkerung der Idee mit großer Sympathie 2 gegenüberstchi, der Berliner ist ja eine geborene „Wasserratte" und
Von Tony Kellen (Essen a. d. R.).
Wer in Essen auf dem Bergisch-Märkischen Bahnhof 5 ankommt und durch die sich immer mehr verjüngenden Strafen 2 der jetzt 100,000 Einwohner zählenden Stadt geht, wird r - «ur durch ein Denkmal Alfred Krupps auf dem Markt * daran erinnert, daß er sich in der Nähe des gewaltigen «MRPpschen Reiches befindet, dem in diesen Tagen der Besuch Seiner Majestät des Kaisers zngedacht ist. Die großen 5 Geschäftshäuser mit ihren prachtvollen Läden geben der ’S Stadt bereits ganz das Aussehen einer Großstadt. Geht S man aber Morgens, Mittags oder Abends die Liuibacher- 9 praße, die Hauptverkehrsader Essens, hinunter, so sieht man * ungeheure Schaaren von Arbeitern nach der Kruppschen » | Fabrik hinströmen oder aus derselben zurückkehren, und < kommt man näher, so benierkt man ein ganzes Heer von * uescnhohen Schornsteinen in die Lüfte ragen. Da raucht * 1 Md qualmt es Tag und Nacht, da wird gehämmert, daß | der Boden erdröhnt. Die Kruppsche Gußstahlfabrik bildet s M der westlichen Grenze von Essen eine ganze Stadt für sich.^eingeschlossen von Mauern und Wällen wie eine Festung, z s Schon einige Zahlen werden einen Begriff geben von J : der Bedeutung dieses Reiches, über das ein einzelner Mann Unumschränkt herrscht. Die Firma Krupp, deren alleiniger I Lnhabcr der Geh. Kommerzienrath Friedrich Alfred Krupp M, besitzt auf dem Gebiete der Stadtgemeinde Essen und der anstoßenden Gemeinden ein Grundeigenthum von 352 Hektar, ®uf welchen die Gußstahlfabrik und mehrere Arbeiter- ^ionieen errichtet sind. Außerdem gehören ihr verschiedene «ußenwerke: Hütten bei Sähe, Engers, Neuwied und Duisburg, das Stahlwerk bei Annen und das Grusouwerk « Buckau bei Magdeburg, die eine Ausdehnung von
(Nachdruck verboten.)
t Das Deich des Kanonenirönigs Krupp
# ßmalen nachgebildet; verschiedene» von ihnen sind die Modelle T ihrer Maschinen beigefügt, die einen Einblick in die sonst schwer
5 Wgängliche, gcheimnißvolle Triebkraft der Schiffe ermögliche». Ist
sie auch noch nicht allzu umfangreich, die deutsche Flotte, so flößt t sie doch durch ihre kraftvollen Einzeltheile Vertrauen auf ihre Hülfe • • - in Gefahr ein, und daß sie von Jahr zu Jahr eine zielbewußte l Vermehrung erfährt, zeigen die Modelle der schon im Bau bc- • - -eiffenen ober erst jüngst in Auftrag gegebenen neuen Panzerschiffe und Krenzerkorvetten, die sich durch viele neue, als praktisch bewährte Einrichtungen auszeichnen.
Wgs uns aber mit berechtigtem Stolz erfüllen darf, ist, daß all die Fahrzeuge, die uns hier in ihren Verkleineiuugen vor Augen geführt werden, auf deutschen Werften gebaut würbe», und da müssen wir vor der Leistungsfähigkeit und der Arbeitskraft der einschlägigen Industriezweige den Hut ziehe». Ist es doch jetzt gerade vierzig Jahre her, daß in Deutschland mit dem Bau der ersten größeren Kriegsschiffe der Anfang gemacht wurde, aber es waren
Freitag» den 7. August.
BezirkS-Fernsprecher No. 52.
1896.
ihre Entstehung verdankten, und als die mit Panzerschntz versehene» eisernen Schiffe auf dem Plan erschienen, da mußte sich Deutschland au das Ausland wenden, und unsere ersten Panzer wurden aus französischen und englischen Werften erbaut. 1869 begann inan auch bei uns in Stettin und Kiel mit dem Bau gepanzerter Schiffe, aber noch 1876 lief der Aviso „Ziethen" auf einer englischen Werst vom Stapel, allerdings war es das letzte deutsche Kriegsschiff, das im Ausland entstand. Heute liefern tntfere Werste» nicht blos für die deutsche Marine die Fahrzeuge, sonder» auch für fremde Mächte, ein Erfolg, wie ihn kein anderes Land binnen so kurzer Frist auch mir in annäherndem Maße anfzuweiseu hat.
Zeigen uns die erwähnten Modelle unsere Kriegs-Marine, so verkörpert UNS das vom „Norddeutschen Lloyd" ausgestellte Kaiserschiff „Bremen" unsere Passagier- und Handels-Flotte. Mit seinem gewaltige» Vordertheil ragt das mächtige Schiff süiifzig Nieter in die Spree hinein, während sein Steuertheil i» einer Scklenseu- Anlage endet, die Vorstellung erweckend, als ob das Riescnschiff gerade seinen Auslauf halten wollte. Das Schiff ist eine genaue Nachbildung des dem „Norddeutschen Lloyd" in Bremen gehörenden und zur Zeit noch im Bau begriffenen Doppelschranben-Passagier- danipfers „Bremen", dessen eine Hälfte es uns in einer Länge von 88 Meter» vorführt. Man betritt das Schiff durch das erwähnte Schlenfenthor, innerhalb dessen Taucher-Vvrsnhrnngen stattsinben, und gelangt zunächst in den Marinesaa! mit sehr anschaulichen Modellen verschiedenartigster Schiffe des „Norddentschen Lloyd" und graphischen Darstellungen ans dem Betriebe des letzteren, aus denen hervorgeht, daß der „Norddeutsche Lloyd" den ersten Rang in der Haiidelsniarine der ganzen Welt einnimint. Besichtigen wir die „Bremen" de» Näheren, so wundern wir uns nicht, daß nicht mir bei uk» , sondern auch im Aukland der „Norddeutsche Lloyd" das höchste Ansehen genießt und Franzosen wie Engländer und Amerikaner mit besonderer Vorliebe seine Danipfer zu überfeeifdjen Fahrten benutzen. Alle zur Aufnahme der Passagiere bicnenben Räume sind luftig und sauber, ihre Ausstattung ist gediegen und behaglich, von vornehmem Geschmack zeugen die Speise- und Lesesäle, einladend find die Badezimmer, großartig wirkt die Dampsküche mit ihrer für 2000 Personen ausreichenden Ausstattung. Ans dem vorderen Haiipideck liegen die Gemächer des Kaisers und der Kaiserin; im Salon des Kaiser» bestehen die Wände au» rothgebeiztem Neu-Guineaholz, die gelbseideiien Gardinen paffen gut zu den dunkelblauen Ledermöbeln und dem Hellen Smyrnateppich; mit grünem Stoff überspannt sind die Wände im Salo» der Kaiserin, auch die seidenen Gardinen weisen die gleiche Farbe auf, und ferner ein Theil der Stoffmödel, während andere mit eisenbeinfarbig gestreifter Seide bezogen sind. Das Arbeitszimmer des Kaisers ist in Hellem Eichenholz ansgesuhrt, die Wände sind mit röthlichein Stoff bezogen, eine kunstvolle Holzschnitzerei, Kaiser Wilhelm I. und seine Helden vor Paris darstellend, ziert die Füllung des Schreibtischs.
Aus kleinen Anfängen ist der „Norddeutsche Lloyd" zu seiner heutigen machtgebietenden Stellung eniporgewachsen; als er im Jahre 1857 von einigen roeitblkfcnbeii Kaufleuten Bremen» ins Leben gernfeit wurde, da beherrschte unumschränkt der englische Handel und die englische Schiffahrt alle Weltheile und Weltmeere, und gegen England» Seeverkehr in friedlichem Wettbewerb auzukämpfen, galt als Wahnsinn. Mit drei kleinen Schiffen, die zwischen Breme» und dem britischen Jnselreich verkehrte», begann der „Norddeutsche Lloyd" feine Fahrt, aber bald schon mußte er seine Schiffe vermehren unb seine Seewege a»»dehnen, beim mit Ileberraschnng erkannte da»Jn- laub, baß jene vom Lloyb neu eröffnete» Linien Bahnen barstellten, auf benen in Deutschland erzeugte Maaren durch Vermittelung fremder Nationen entweder schon gegangen waren oder mit Erfolg gehen konnten. Jede dieser ««»eröffneten Linien aber, nach Italien und Spanien, nach Amerika, nach Ost-Asien, nach Australien 2c., bedeuteten für Deutschland einen großen handelspolitischen Sieg, denn nicht allein stieg die Anrsuhr aller Maaren ungemein, auch unser Vaterland selbst gewann in handelspolitischer Beziehung an Unabhängigkeit, an Selbstvertrauen und Anregung. Heute besitzt der „Norddeutsche Lloyb" in seine» Linie» nach New-Uork bie größte Schuelldampferflotte ber Welt, unb von seinem Ansehen spricht bie Thatsache, daß durch seine Fahrzeuge bisher insgesammt 3*/« Millionen Passagiere befördert worbe», bie für 93'/- Millionen Mark Proviant verzehrten. Die von ben Schiffen bes „Lloyb" im letzten Jahre bnrchlaufene Distanz betrug über 2'/» Millionen Meilen,
das bedeutet, daß der Umfang ber Erde 121 mal von diesen Schiffen umsegelt wurde. Eine wichtige Erweiterung erfuhren di« Betriebe des „Nordbeutscheu Lloyd" 1885 durch bie Errichtung bet Neichspostdampserlinien nach Ostasien uub Australien. Seit bcm Bestehen ber Neichspostdampserlinien ist ber deutsche Handelsverkehr mit China gewachsen von 18 Millionen auf 47 Millionen Ma«. Der deutsche Handel mit Japan von 5 Millionen auf 26 Millionen, ber deutsch« Handel mit Australien von 17 Millionen auf mehr als 114 Millionen. Enorme Summen find es, welche der „Nordd.eutschc Lloyb" feit dem Bestehen bieser Neichrpostlinien der dcntfcheu Industrie zahlte: für Neubauten 16,689,000 Mk., für Umbauten 6,847,334 Mk., für Reparaturen an Reichspostdampsern 2,399,117 Mk., für Proviant, Labungsunkosten, Kohlen, Hafenunkosten in deutschen Häsen 26,804,202 Mk. Jnsgesamiitt also verausgabte der „Norddeutsche Lloyb" im Betriebe ber ReichSpostbampserliuien an beutsche Empfänger 52,739,654 Mk. in 9 Jahren.
In einundzwanzig Schiffahrtslinien durcht'nrchen achtzig mächtig« Danipfer de» „Norbbeulschen Lloyd" alle Weltmeere, dem deutschen Name» Ehre machend und unserem Handel wichtige Bahnen weisend, überall, wo sie erscheine», verknüpft sich mit ihnen bie Ausbreitung beutsche» Ansehen» unb deutscher Tüchtigkeit. Dem „Norbdeutfchen Lloyb" muß man besonbereu Dank wissen, baß er burch die „Bremen" unsere Ausstellung um eine ihrer interessantesten Sehenswürdigkeiten bereichert hat, mbem vielen Tausenden von Julänbern Gelegenheit geboten wurde, einen der großen Oceandampfer auf das Genaueste kennen zu lernen.
Zu>^ unserer Kriegsflotte zurück führen uns die Marine- Schauspiele, welche auf einer Wasserfläche von etwa 10,000 qm staltfindeu, und zwar Seitens eines Dutzend ca. vier Meter langer Fahrzeuge, bie auf bas Getreueste ben neuesten Schiffen nuferer Kriegsmarine nachgebildet sind. Zur Bedienung jedes derselben genügt ein Mann, sie werden durch Elektricität bewegt, besitzen elektrische Scheinwerfer, lassen Raketen-und Leuchtkugelsignale steige», verständigen sich gegenseitig durch Flaggenhissnng, und können ein weniger mörderisches wie bröhneude» Feuer eröffnen, ba einzeln« bieser Miniatur-Banzer vierhunbert Schüsse hintereinanber abzugeben vermögen. Die Wasserfläche wirb ans ber einen Seite burch bie Nachbilbung eines Küstenforts und einer Hafenanlag« abgeschlossen, auf der anderen erheben sich bie teraffenförmige» Tribünen, bie sich an eine halb knlissen- ar-tige Nachahmung ber „Hohenzollern" aulehuen, deren weißleuch- tenber, hnnbert Meter langer Rumps mit ben beiden gewaltigen hellbraunen Schornsteinen schon weithin sichtbar ist. Das Innere dieser Nachahmung bient NestanrationSzweckeu unb zerfällt in einen großen, im Barockstil prächtig gehaltenen Speisesaal, von dem ans man direkt auf bas mit Takelage, Sonnenfegel und Rettinigsdooten versehene Deck gelangen kann, und in einen nicht minder formvollendet ansgestattelen Restanrationssaal, ber an LnxnS freilich durch ben Kaisersalon, welcher für einen eventuelle» Besuch des Monarchen beftimmt ist, noch bebeutenb übertroffen wird.
Täglich finden mehrere Aufführungen dieser maritimen Schauspiele statt, die sich schnell große Beliebtheit unb damit starken Besuch erworben habe». Die Vorführungen biete» aber auch eine spannende unb lehrreiche Unterhaltung; bie Schiffchen tummeln sich auf ber große» Wasserfläche wie von Geisterhaub geführt umher. Sämmtliche Schiffsklasfeu unserer Marine finb unter ben Fahrzeugen vertreten, bie Parabe, mit welcher bie Vorstellung eröffnet wirb, geht ebenso glatt vor sich wie bas Manöver; vou lebhaftem Effekt unb aufregender Steigerung sind bie Darstellungen der Ver- tbeibigimg der Küstenforts durch unterseeische Minen und der 8ltz- griff von Torpedobooten auf Panzerschiffe, von denen eins in bie Lust gesprengt wird.
Unser Reichsmarine-Amt ist sodann noch durch feine Unterstützung, welche es der deutschen Hochseefischerei zu Theil Verden läßt, in dem Gebäude für Fischerei rc. vertreten; wir kommen darauf bei der näheren Behandlung dieser Abtheilnng zurück.
Politische Tages-Ruudfcha«.
— Zum Fall Schröder. Immer mehr Zeugen melden sich jetzt in der Oeffenilichkeit für die an Wahnwitz grenzenden Grenelthaten, die der Friedrich Schröder als Angestellter der Ostafrikanischen Plantagengesellschaft jahrelang
621 Hektar haben, sodaß der ggnze Grundbesitz einen Flächenraum von 973 Hektar oder 3840 Morgen umfaßt. Hierin ist die „Villa Hügel", das prachtvolle Kruppsche Schloß auf einer Anhöhe des Ruhrthals mit Wäldern und Ländereien, nicht eingerechnet.
Auf den Kruppschen Werken sind jetzt annähernd 30,000 Arbeiter und Beamte beschäftigt, sodaß einschließlich der Familienmitglieder wohl 100,000 Personen von dem Kanonenkönig abhängig sind. In den der Firnta gehörigen Koloniecn wohnen etwa 26,000 Personen. Diese Kvlonieen stnd meistens in der Nähe der Fabrik errichtet und haben wesentlich zu der Vergrößerung der Stadt bcigetragen. Man kann überhaupt sagen, daß Essen hanptsächlich dnrch Krupp eine Großstadt geworden ist.
Der Begründer der Fabrik war Friedrich Krupp, der, 1787 geboren, 1810 ein kleines Hammerwerk in Altenessen erwarb, das dnrch Wasser getrieben wurde. Da infolge der Kontinentalsperre kein Gußstahl aus England auf dem Festland eingeführt werden durfte, suchte Krupp solchen selbst zu erzeugen. Solches gelang ihm auch, obschon er nur wenige Arbeiter hatte und über sehr bescheidene Mittel verfügte, aber einen materiellen Erfolg fand er nicht. Seine Gesundheit wurde infolge der anstrengenden Arbeiten untergraben, und er starb am 8. Oktober 1826. Seine Wittwe suchte die Fabrik fortzuführen, und sie machte bekannt, daß dnrch das frühe Hinscheiden ihres Galten „das Ge- heimniß der Bereitung des Gußstahls nicht verloren gegangen, sondern durch seine Vorsorge auf den ältesten Sohn, der unter des Vaters Leitung schon einige Zeit der Fabrik vorgestauden, überkommen sei". So wurde der kaum 14-jährige Alfred Krupp das Haupt des Geschäftes. Er mußte den Besuch des Gymnasiums aufgeben und selbst in dem Hammerwerk zugreifen. Er war zugleich Hammerschmied und Buchhalter, Packer und Reisender, und es ge
lang ihm nur mit vieler Mühe, seine Arbeiter zu bezahlen, deren Zahl sich 1832 erst ans 20 belief. Erst 10 Jahre später erreichte diese Zahl nahezu 100. Durch den Verkauf eines Patents auf die Löffelwalze, das erste wichtige Erzcngniß in Gußstahl, wurde Krupp in den Stand gesetzt, sein Werk wesentlich zu erweitern. Infolge der ungünstigen wirthschaftlichen Verhältnisse ging jedoch die Zahl der Arbeiter wieder zurück. Auf der Industrie-Ausstellung in London im Jahre 1851 errang Krupp seinen ersten Sieg. Er hatte dort eine Sechspfünder - Mantelkanone aus Gußstahl und einen 45 Centner schweren Gußstahlblock ausgestellt. Die Kanone erregte ungeheures Aufsehen, weil man sich ein solches Feldgeschütz nur aus Bronce praktisch verwendbar dachte. Krupp erhielt nun massenhaft Aufträge auf Gußstahlfabrikate, Walzen, Eisenbahnmaterial und bald auch auf die von ihm erfundenen Gußstahlbandagen (Reifenbeschläge ohne Schweißnaht für Eisenbahnwagenräder). Auf der Pariser Weltausstellung im Jahre 1855 setzte Krupp die ganze Welt mit einem Gußstahlblock von 10,000 Psttnd und einer Gußstahlkanone, einem zwölfvfündigen Granatgeschütz, in Erstaunen. Nun regnete es förmlich Kanonenbestellungen in der Kruppschen Fabrik. In dem einen Jahre 18&4 wurden allein 817 Kanonen geliefert. In diesem Jahre verbrauchte Krupp 54 Millionen Pfund Gußstahl gegen 25 Millionen im Jahre zuvor, und die Zahl seiner Arbeitskräfte erhöhte er von 4031 auf 6413. Zu diesem gewaltigen Aufschwung hatte besonders der Umstand beigetragen, daß die Kruppschen Kanonen sich 1864 im dänischen Kriege zum ersten Mal aufs Glänzendste bewährt hatten.
Nun erweiterten sich die Fabrikanlagen ins Ungeheuere. Krupp kaufte fortwährend Grund und Boden für die Vergrößerung seiner Fabrik an, ließ immer mehr Oefen und Hämmer, Werkstätten und ragende Schlote errichten; er erwarb Kohlenzechen und Eisenfteingruben, um sich das Roh«
