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Mesbildemr Sagblatt

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Atizelgen-PrelSr

Verlag: Langgasse 27.

13,500 Abonnenten

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1896

Montag, den 3. August

Bezirks-Fernsprecher 91». 52.

Ile. 358.

BrzirkS-FernsPrecher No. 52.

Abend-Ausgabe

M ’ in den weitesten Kreisen ein M g| wissen Bestürzung gemischt ist.

führende Untergang

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f ANzayl nemer yui)ryiiMc «uw der deutschen Kanonenbootestatiomrt. Mit der Frage der Bcrmchrung der

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Die Trauerkuude von dem Untergange des deutschen Kanonen­bootes „Iltis" in einem Taisnu in den chinesischen Gewässern hat

• — " - " Mitgefühl erregt, welches nut einer ge-

'"t. Denn unwillkürlich drängt sich die

kommenden MecreSgebiet in der !Ni lstnng von Osten nach Westen gegen die Küste zu bewegen, so ist d e Strandung des „jltts' von der Ostknste von Shanlnng crklär.ich. Den Trahlmeldungcn zu­folge ist sic 9 bi« 10 Seemeilen nördlich von bin Leuchtthurm passirt, der, auf einer kleinen Felsciii ffcl errichtet, die Slldostccke der

Das im Taifun «ntergegangrue Kanonenboot „Iltis".

fanme der chinesischenProvinz Schau- tung, an deren Rordküste der Kriegs- hafs» Wei-hai-wei und von diesem weBich Chcfoo liegt, jener Hasen- orl.von dem aus das Unglückgemeldet ist. Chefoo ist nämlich durch Telcgravhenliuic mit Tsinnn im Innern uudoonda mit Shanghai verbunden. Nach den letzten «chiffsnachrichten

' aus Ostasien, die vom 24. Juli datirtcn, befanden sich zur Zeit i folgende deutsche Kriegsschiffe in den chinesischen Gewässern. Die t den Schiffsiiamcn bcigesctzten Zahlen bezeichnen da« Deplacement * in Tonnen. Tas Datum vor dem Orte bedeutet Ankunft daselbst.

Shantuiig-Halbiuskl markirt und als Southcast-Fire bezeichnet Wird. Derselbe ist 16 Seemeilen weit sichtbar. Etwa 33 Seemeilen nordnordöstlich von ihm b-findet sich das Shantnng-Promoutory mit dem gleichnamigen 20 Seemeilen weit sichtbaren Feuer (Lcnchtthurm), zwifchcn beiden wcist die Küste mchrerc Einbuchtungen auf, die jedoch keineswegs gut- Haseiiplätze bieten, sondern durch Untiefen und zerstrent liegende Felsenrissc und -Justin einen höchst gefährlichen Charakter auswciscn. Bon Norden nach Süden gerechnet folgen: Zuerst die Uung-Ching-Bai, jene Meeresbucht, in welcher die zum Angriff auf den chinesischen Kriegshafen Wei-hai-wei (f. oben links in der Seekarte) fchreiteiidcn Japaner s. Z. einen Thril ihrer Truppen landeten; sodann kommt südlich die Rockp-Bai, die Litan-Bai, die Aylan-Bai, dann die geräumige Sang-Kau-Bai, die südlich bis zum Flat-Rocky Pt. reicht. Dieser Punkt liegt ziemlich genau 9 Seemeilen nördlich von Southcast-Fire entfernt, und bitt dürste der „Iltis" also den Unter­gang gefunden haben. Die Stelle ist in unserer Zeichnung durch eine Schiffrsignatur markirt, und auch die Richtung, in welcher sich

statwnirt gewesen. „Iltis" hat wäh­rend des chinesisch-japanischen Krieges unter seinem früheren Kommandanten Kapitän-Lieutenant Jngenohl aktiv eiugegriffen. Als ein dentscherDampfer X an der Ausfahrt aus einem Hasen F auf Formosa verhindert wurde, gab

„Iltis" einige scharfe Schüsse auf die : durch Fort» befestigte Hafenstadt ab : und erzwang dadurch die Ausfahrt i des Dampfers. , . .

Es ist die Frage anfgctancht, ob mit dem TYP des „Iltis" nicht ein zu kleines Schiff so weit hinansgesandt worden sei. Diese Frage ist zu bet» „einen. Zunächst erfordert der Dienst auf der ostasiatischen Station, daß die dortigen Kriegsschiffe, die dem SclMtzc des Handel« der europäischen Stationen dienen, geeignet sein müssen, die chinesischen Ströme weit land­einwärts hinauffahren zu können, da die Handelsniederlassungen sich viele hunderte von Kilometern stromauf­wärts befinden. Dies bedingt einen geringen Tiefgang und also eine ge­wisse Kleinheit des Schiffskörpers. Sämmtliche Nationen haben daher neben den in den chiiiestschen Gewässern kreuzenden größeren Schiffen eine Anzahl kleiner Fahrzeuge nach Art

Kriegsschiffe. Dasselbe wurde anscheinend bei einer Küstenfahrt von einem aus östlicher Richtung kommenden Taifun überrascht und an den Klippen der Küste zerschellt. .

Rach den Meldungen aus Chefoo hat sich der Untergang des Kanoueuboote« „Iltis" durch den Taifun in Form einer Strandung an der Ostküste von Shaiitnng vollzogen. Bcistehend geben wir eine Abbildiiiig der in Betracht kommenden Knstengebiets. Taifune sind bekanntlich Wirbelstürme, die bei kleinem Durchmesser vernichtende Starke besitzen. Ein in ihr Centrnm ober nahe an dasselbe hin» qerathene« Schiff ist fast unbedingt verloren. Im Allgemeinen macht sich ihr Eintrele» vorher, freilich hauptsächlich an der Küste bemerk­bar, nicht ober immer auf See, so daß selbst tin vorzüglicher Navigateur in einen Taifmi unverschuldeter Weise huieingtralycn und mit seinem Schiff zu Grunde gehen kann.

Da sich die Bahnen der Taifune auf dem hier in Betracht

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M. Jahrgang.

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______men icui.

„Iltis", der Marincstation der Nord­see in Wilhelmshaven zugetheilt, war ein Kauoiicuboot mit 85 Mann Besatzung, dTonuen Deplacement, einer Maschine von 340 Pserdekräfleii, die dem Schiff bis 9'/- Secmeilcu Fahrt in der Stunde verleihen konnte (2'/- deutsche Meilen) und führte außer seiner Maschine »och eine ziemlich erhebliche Besegelung, da es darauf ankam, da« Schiff weite Resten unter Segel zurücklege» zu lassen. ES ~ war al« Schoouerbark getakelt, d.h. von ’S i seinen drei Masten, die sämmtlich Gaffcl- ä seqel führten, waren die beiden vorderen mit Raasegcln versehen. Die Armirung bestand aus 2 Kruppschen Hinterladern von 12 bczw. 8 Ecntiincr Kaliber und mehrerenRevolverkanoue». „Iltis" war ein Schwesterschiff der genau ebenso großen Kanonenboote „Wolf und „Mine", von denen ersteres sich zur Zeit in Danzig in Reparatur befindet. Das Baumaterial jft Eisen, der Vorder­steven des weiß gestrichenen Fnhrzciig« hat einen ausschießenden Bug mit Gallion, die Länge betrug 42 Meter bei

Kurfürst" im Kanal vor Folkestone hinzuzurechuci» ist.

* * * *

lieber den Untergang des „Iltis" liegt jetzt eine kurze Meldung des „Rcutcrschcir Bürean«" aus Shanghai vor, durch welche der Umstand erklärt wird, daß elf Mann von der Besatzung sich retten konnten. Das Tclegramm lautet: „Rach ferneren hier eiugegangenen Einzelheiten über den Untergang des „Iltis" brach das Kanonenboot in zwei Theile aus­einander, nachdem cs auf Felsen ans- gelanfen war. Der vordere Theil blieb über Wasser. Die elf llcbeilcbenben hielten sich zwei Tage an den Triimmern fest, bevor sic gereitet wurden."

Anknüpsciid an den Untergang des „Iltis" hatte die „Schief. Ztg." die Forderung gestellt, daß „kein seiner Anfgabe nicht ganz gewachsene« Kriegsfahrzeug die Reise über da« Weltmeer an treten und nie mit dem Ersatz derjenigen Fahrzeuge auch mit einen Moment gezögert werden dürfe, deren Zustand nicht mehr in jeder Richtung den Erforder­nissen cntsprechc, die an die Wider­standskraft eine« Schiffes in dem Kampf gegen den Feind und die Elemente gemacht werden müssen. Gleichzeitig betont das Blatt, daß bei den Erörterungen über die Flottenbaiiplänc aber von berufener Seite die unwidersprochen gebliebene Ansicht geäußert worden sei, daß dies nicht bei allen Schiffen der deutschen Kriegsmarine mehr der Fall fei“. Darauf wird nun anscheinend offiziös erwidert, daß die „Schles. Ztg." diese im Reichstag gefallene amtliche Aeuße- rmifl völlig mißverstanden haben müsse. Diese Acnßernng hätte sich lediglich auf den Werth der Schiffe als Waffe oder Kricgswerkzeng, jedoch nicht auf die Seccigenschaften der veralteten Fahrzeuge bezogen. In Bezug auf die Seetüchtigkeit hätten sich unsere säinmtlichen Schiffe während ihrer Judieusthallung trotz ihres zu­weilen hohen Alter« stet« vollständig bewährt. Deshalb könne auch unter keinen Umständen der Untergang des Kanonenboots „Iltis" seinem Alter zugeschrieben werden.

C.T.C. Coburg, 2. August. Der St a i f e r bat an den Herzog Alfred von Coburg folgendes Telegramm gerichtet: Für Deine durch Admiral Hollmau» übermittelte Theilnahmc an dem Verlust des KauoneubostcS „Iltis" besten Dank. Es ist ein harter Schlag für die Marine, fo viele Offiziere und Mannschaften einzubüßen. Wilhelm. — Admiral Hollmaun hat an de» Herzog Alfred ebenfalls ein Danktelegramm gerichtet, da« mit de» Worten schließt: Mit mir wird die ganze Marine Ew. Kgl. Hoheit für die Theilnahme an dem schweren Unglück immer dankbar bleiben.

D.B.H. Kcrlln, 2. Slugnst. Der Kaiser von Oesterreich hat au« Anlaß des Unterganges de« Kaiioneiibootes „Iltis" schon am 29. Juli ein überaus warme« Beileidstelegramm an den deutschen Kaiser gesandt.

C.T.C. Pari», 2. August. Der „TempS" gedenkt in einem Artikel über die Springfluth-Kataftrophe in Haichau auch-des Unter­gangs der „Iltis" »nd bemerkt: DcrTod der Besatzung des „Iltis" trägt einen erhaben menschlichen Charakter und bewegt uns tiefer, al« der Untergang bet namenlosen Masse, welche der Springfluth zum Opfer fiel. Dieser Kommandant und diese Mannschaft des deutschen Kanonenboote«, welche im Augenblick des Versinkens drei Hiirrahs auf ihren Kaiser auäbringeii — ein Schauer ergreift uns. Indem wir daran gedenken, wie sie gestorben, weil sie im letzten höchsten Augenblick eine Energie, eine Verleugnung des eigenen Ich und eine Treue gezeigt haben, welche der meilschlichen Natur zur Ehre gereicht.

5 ! deutschen Kreuze» flotte und der h Schaffung größerer Schiffstypen für 8t biefdbe hat dieser Unglück-fall daher nicht« zu thun. " .. ,

Der Ort de« Untergänge« liegt $ an dem äußersten östlichen Küsteu-

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7,7 Meter größter Breite mit) 3 Meter Tiefgang. Da« Kanonen­boot „Iltis" war am 18. September 1878 auf der ka.,erliche,. Werft zu Danzig vom Stapel gelaufen und trat am 1. Juli 1880 feine erst« Reise »ach Ostasien an. Diese wahrte bis 1886. Nach ein­jährigem Aufenthalt in Wilhelmshaven lief e« tut April 1887 wieder nach Ostasien an« und ist

# ■ seitdem auf der ostasiatischen Station

. nach dem Orte Abgang von dort. Kreuzer lll. Klaffe „A r c o n a" 'flabt. z. S. Sarnow) 12.6. Chefoo. (Postst. Hongkong.) Ä Kreuzer IV. Klasse „Cormoran" 1640 Tonnen (Korv.-Kapt. ♦ Brinkmann) 21.6.Chefoo (Postst.Hongkoiig). Kanonenboot „Iltis" 487Tonnen(Kapt.-Lieut. Braun)23.6. C he foo. (Postst. Hongkong), yf Am 23. Juli uutergegangen. Kreuzer II. Klasse „Irene" 4400 2 Tonnen lKavt. z.S. btt Bois) 30. 5. Chefoo. (Postst. Hongkong). St Panzerschiff II. Klaffe „Kaiser" 7676 Tonuen (Kapt. z. S. Zehe) 24. 6. Chefoo. (Postst. Hongkong) und ber Kreuzer II. Klasse 64 „Prinzeß Wilhelm" 4400 Tonnen(Korv.-Kapt.v.Holtzendorff) •3 22. 7. Shiakwan (Postst. Hongkong). Der untergegangene „Iltis" " ' war also das bei Weitem kleinste der dort ftationirtcu deutschen

booten, andererseits der durch einen Znsamuieustoß mit dem „König Wilhelm" enistanbcnc, zumTotalverlust de« Schiffs mit dem größten Theil seiner Besatztnig des „ Große»

Frage nach den Ursachen der Katastrophe auf, handelt e« sich doch um ein in durchaus feefäbigem Zustande befindliches und mit vor­züglicher Maniischaft versehenes Kriegsschiff. Zugleich lenkt sich . dann ber Blick aus ba« Fahrzeug selbst, V das den Elementen zum Opfer gefallen. S Unfern Lesern wird daher die beistehende S Abbildiiiig be« „Iltis", bie ba« Schiff » in bewegter See, bei stürmischem Winde, ji mit gestrichenen Stengen da »stellt, will- 2 kotmncn sein.

vermuthlich ber Taifun von See her bem Laube genähert hat, durch Pfeile angebeutet. Auch die beiden Leuchtfeuer sind au der Kilsten- linie in unserer Karte markirt. „

Die Uebcrsichtsskizze oben links in unserer Zeichnung ermöglicht eine geographische Oricutirung über die Lage der Unglücksstelle in Beziehung zn dem Hascuort Chefoo sowohl wie Tieutfin und dein gesammten McereSgebiete. An die chinesischen Gemäss« knüpft sich die Erinnerung au einen anderen deutschen, damals preußischen Schiffsvcrlust, den Untergang des Schooners „Franenlo b", der von der Korvette „Arkona" während eine? Taifuns in« Schlepptau genommen, nach dem Bruch desselben bei Nachts mit Mann »ab Mans in ber empörten See verschwand ohne baß bie „Arkona" ihm Hülfe zu bringen vermochte. Eben­falls im Wirbelsturm verunglückte die Krenzerkorvette „Auguste" 1885 im westlichen Theil des Indischen Oceans im Golf von

Aden, und ber 1892 erfolgenbc Unter­gang ber Kanoueuboote „Adler" und „Eber" im Hasen von Apia (Samoa- Inseln) ist gleichfalls einem Ctzklou zn- zuschreiben. Da« Kadettenschnlschiff „Amazone" verschwand seiucr Zeit in der Nordsee, unweit der holländischen Küste, bie Schiffssimgenbrigg „llnbine" ftranbete, allerbing« ohne jeden Verlust an Menschen­leben, 1888 an ber Westküste Jütland». Die« sind iuSgesamint bie durch Elementar­gewalt herbeigesnhrtcu Verluste an größeren Kriegsschiffen ber deutschen bezw. preußischen Marine, betten einer­seits »och einige Verluste von Totpcdo-

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