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Wiesbadener TagblÄ

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Anzcigcn-Prcisr

Verlag: Langgasie 27,

13,5<M> Abonnenten

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1896.

Domierstoz, ben 9. Juli

U». 316

BezirkS-Fernsprecher N». 52.

Bezirks-Fernsprecher No. 52.

Abend-Ausgabe

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verdoppeltem Eifer. Nur das kann uns zum Ziele führen." Wie aber gedenken Sie das zu thun?" früg ich.Auf

lautete ihre Antwort,und zwar mit

bloße P hrase sind."

politische Tages-Rundscha«.

Das Resultat der Wahlen, so schreibt uns unser Brüsseler Korrespondent, zeigt, daß die katholische Mehrheit den Sieg davontragen wird. Von 66 aus- schcidendcn Klerikalen wurden 28 wiedergewählt und 38 befinden sich in der Stichivahl. In Antwerpen und Philippeville ist die Wahl ihrer Kandidaten sicher, während die Aussichten der Sozialisten in Mecheln und Nivellcs gut stehen und in Brüssel das Resultat zweifelhaft bleibt. Der

große deutsche Nationaldrama, an dessen musikalischer Aus­führung er nun rastlos weiterarbeitete, fordert er das eigene Festspielhaus, in dem Künstler und Publikum, den gewöhnlichen Tageszerstrcuungen entrückt, das Große und Echte vorbereiten und darstcllen und mit offenem Sinn aus sich wirken lassen sollten.

Und von dieser ersten Mittheilnng an währte nun der Hcldenkampf des einen gläubigen Künstlers gegen die spott­süchtige, glaubenslose Welt ein Vierteljahrhundert hindurch, ehe 1876 in Bayreuth die siegreiche That den Genius glänzend bewährte. Eine Zeitlang schien es, als sollte es selbst der königlichen Hülfe Ludwigs von Bayern nicht ge­lingen, den Haß und Widerstand gegen Wagners Lebens- werk zu überwinden. Aufführungen einzelner Theile des Ringes auf der Mürlchener Bühne erwiesen sich, wie es Wagner vorausgesagt hatte, als Mißerfolge. Nur außer­halb des alten Theaterbodens, unter ungewohnten Ver­hältnissen konnte der neue Kunststil errungen werden. Erst vom Festspielhause aus konnten Siegfried und Wotan dem deutschen Musikdrama siegreich die Wege weisen.

1876 hatten es die entstellten Berichte der Gegner, die in den verbreitetsten Zeitungen allein zu Worte kamen, zwar nicht vermocht, das künstlerische Gelingen zu verhindern, indessen glückte es ihnen, einen materiellen Mißerfolg herbei­zuführen. Da die Deutschen nicht Lust hatten, für nationale Bühnenfestspiele das kleinste Opfer zu bringen, mußte der deutsche Meister in London Konzerte geben, um durch eigene Mühe bei" den Engländern den Fehlbetrag der deutschen Festspiele zu decken. Eine Wiederholung des Ringes, wie Wagner sie gewollt hatte, ward dadurch zu seinen Lebzeiten für Bayreuth unmöglich. Erst 1882 öffneten sich nach sechsjährigem Schweigen die Räume des Festspielhauses wieder, um dcS Meisters letzte Botschaft von Parsifals Gralsgewinnung ertönen zu lassen. Wenige Monate später ward er unter den Klängen der für Held Siegfrieds Tod geschaffenen Trauermusik im Garten von Wahnfried zur Ruhe getragen, nach einem an Kämpfen und Mühen,

15 Pfg., für auswärtige Am Rcclamen die Petitzeile für >________

für Auswärts 75 Pfg.

(Nachdruck verboten.)

Zn»a«rig Jahre Bayreuth.

Von Prof. Dr. Max Koch.

Was Dii ererbt von Deinen Vätern hast. Erwirb es, um es zu besitzen. Goethe.

Dem festereichen Erinnerungsjahre deutscher Schlachten­tage reiht sich in diesen Juli- und Augustwochen ein Ju­biläum an, das freilich bescheidenerer Art ift,~ aber nicht minder eine nationale Ruhmesthat erneut, bereit Früchte wir genießen und hoffentlich in den nächsten Jahrzehnten noch immer weitere Kreise mit wachsender Erkenntniß genießen werden. Auch auf dem Gebiete der Kunst ward dieser Sieg des deutschen Geistes nicht kampflos errungen, und auch hier bedarf es theilnehmender Arbeit des jüngeren Geschlechts, nm das vom Genius vor zwanzig Jahren Geschaffene zu wahren und auszubauen.

In früher nicht gekannter Weise lebte seit den Be- fteiungskriegen ein deutsches Nationalgefühl auf, das auch in der Kunst seinen berechtigten Ausdruck finden wollte. In Paris, von wo die neue internationale Prunkoper als Vor­bild für ganz Europa ausging, wandte sich der junge arme Musiker Richard Wagner zuerst der deutschen Sage zu. Der glänzende Schein halte ihn in die gebietende Weltstadt gelockt, aber in der Nähe erkannte er rasch die Hohlheit des trügerischen Schimmers. In Paris schrieb er 1840 die merkwürdige Novelle:Eine Pilgerfahrt zu Beethoven", in der er der großen Modeoper als glänzender Lüge, brillantem Unsinn und überzuckerter Langeweile die Forderung nach einem wahren musikalischen Drama gegenüberstellte. Schon hier erklärte er, kein Theater der Welt zu kennen, das ein solches Werk, wie er es plane, aufführen könnte oder möchte.

Noch ehe ein Jahrzehnt vergangen war, sollte Wagner die Richtigkeit der letzteren Weissagung an sich selbst er­fahren. Schon derTannhäuser", in dem alter Opern- und neuer dramatischer Stil nebeneinander wirkten, konnte

(Nachdruck verböte«.)

Ein neuer Reichstag durch Frauenmacht!

Ein Interview.

M Der kurze, aber heiße Wortkampf, der vor wenigen Tagen zelegentlich der Debatte über das bürgerliche Gesetzbuch im - preußischen Reichstag ansgefochten wurde, hat in ganz 2 Deutschland lebhaften Widerhall gefunden. Die in ihren i Hoffnungen auf eine günstigere Stellung der Frau im neuen Gesetzbuch arg getäuschte Frauenwelt Deutschlands bereitet sieh mit verzehnfachter Kraft zu einem neuen An­sturm gegen das kaum ins Leben gerufene Gesetz vor. Die Spannungsverhältnisse, welche diese neue Enttäuschung unter dem weiblichen Geschlecht hervorgerufen hat, geben einem jüngst von einer deutschen Frau öffentlich gemachten Aus­spruch eine gewisse Bedeutung:Noch eine solche Niederlage - und wir haben gesiegt!"

Unter solchen Umständen ist es nicht uninteressant, die Ansichten zweier Frauen zu hören, welche seit einer Reihe von Jahren an der Spitze der Franenbewegung in Deutsch­land stehen; es ist dies Frau Lina Morgenstern, die Vorsitzende desBerliner Hausfrauen-VereinS" und Heraus­geberin derDeutschen Hausfrauen-Zeitung", und Frau Schulrath Minna Cauer, die Vorsitzende des Vereins Frauenwohl" und Herausgeberin des JournalsDie Frauenbewegung". Beide Frauen stehen übrigens auch an der Spitze des großen Frauen-Kongresses, der für Ende September nach Berlin einberufen. Längere Zeit noch als Frcm Schnlrath Caner, die sich um die Erkämpfung der Frauenrechte so manches Verdienst schon erworben hat, steht Frau Lina Morgenstern inmitten der Frauenbewegung, als deren älteste Pionierin sie gelten muß. Charakteristisch für die Denkweise dieser Frau, bereit Ansicht ich im Nach­stehenden wiedergeben will, ist ihre Antwort auf eine, auch an sie gerichtete RundfrageWann wird eine Frau alt?" Als die Dame für einen Moment abgerttfen wurde, nahm ich . ben auf bem Tisch liegenden soeben erschienenen Band zur Hand und las darin neben manchem gezierten und affektirten Ausspruch, der durchgut klingende und hochgeschätzte" I Namen gefeit ist, auch ihre kurze Aeußerung, bereu Sinn L lautete: Die Frau ist so lange nicht alt, so lange sie liebt und geliebt wird, so lange sie ihren Aufgaben als Mutter , und Gattin gerecht zu werden vermag. Aus eigener Er­fahrung kann ich die Frage nicht beantworten, denn obwohl : ich 65 Jahre alt bin und mich eine Schaar Kinder und Enkel umgiebt, so fühle ich mich doch nicht alt. Als Frau Lina Morgenstern wieder eiutrat, frag ich sie, was die Frauen zu thun gedächten, um die Niederlage | wett zu machen, die sie durch das Inkrafttreten des neuen bürgerlichen Gesetzbuchs erlitten haben.Wir werden

dem Wege der Propaganda," lautete die Antwort,auf die gleiche Weise, wie wir es bis jetzt gethau haben. Unsere Absicht ist, dem Reichstag im November, wenn er wieder gufammeutritt, einen Protestbogen mit wenigstens hundert­tausend Unterschriften vorztilegcn, her ihm beweisen soll, daß wir nicht willens sind, die unwürdige Stellung ein- zuttehmen, die er uns mit der zu Recht geiuorbeiten Fassung des bürgerlichen Gesetzbuchs angetviefett hat. Um diesen Zweck zu erreichen, wird die Protestinitiative gleichzeitig von sänimtlichen Franeuvereiuen in ganz Deulfchlaiib ergriffen. Wir werden nicht eher ruhen, als bis wir alle Frauen Deutschlands gewonnen haben, und ist dies geschehen, dann luerbcu die Männer sich deren Einfluß nicht mehr entziehen könuen. Uebrigens muß ich Ihnen bei dieser Gelegenheit be­merken, baß nameutlich unsere südbeutschen Mitkämpferinnen es sinb, denen wir bis jetzt, durch bas Geschick ebenso wie burch ben Eifer, ben sie in der Vertretung unserer Inter­essen entwickelten, viel zu banken haben."Glauben Sie nicht," so frug ich,daß eine erhöhte Propaganda Seitens der Frauen, noch bevor die zweite Lesung des Gesetzbuchs vorüber war. Manches hätte retten können?"Ich glaube nein. Wir haben gethau, was möglich war, uamentlich in her kurzen Zeit, die uns zu Gebote stand. Die Schuld, daß wir nicht mehr erreicht haben, ist vielmehr in her In­dolenz zu suchen, mit der ein großer, ja leider noch der größere Theil der deutschen Frauen unseren Bestrebungen gegenübersteht. Unsere einzige Wirksamkeit muß sich daher vorläufig darauf richten, neue Streiterinnen und natürlich auch Streiter für unsere berechtigten Forderungen zu gewinnen. Nur auf diesem Wege können wir vorwärts kommen. Ihre Zahl wächst von Tag zu Tag. Durch Wort und Schrift suchen wir uns Gehör zu verschaffen, und immer weiter ziehen allmählich die Kreise unserer Thätigkeit. Ich hoffe, es soll nicht mehr lange dauern, bis alle deutschen Frauen zu der Einsicht kommen, daß cs ihrer unwürbig ist, in Verhältnissen zu leben, wie sie das neue bürgerliche Gesetzbuch uns aufzwiugeu will. Und ist das erreicht, bann wird die Einsicht her Männer, die von Mutter, Gattin, Schwester und Tochter beeinflußt werben, nicht mehr lauge aus sich warten lassen. Daß dies baldigst geschehe, ist zu wünschen, nicht allein um der deutschen Frauen willen, sondern auch um her deutschen Nation willen, die sich nur dadurch vor dem Auslände reffübititiren kann, daß sie bem allgemeinen Fortschritt, her allgemeinen Humauisirung, die unser Jahrhunbert kennzeichnet, anch gegenüber der Stellung her Fran in ihrem bürgerlichen Gesetzbuch Rechnung trägt."---

Frau Schulrath Caner, eine Dame in mittleren Jahren, deren ernstes Gesicht eine lebhafte Intelligenz ver- räth, während die präcise Ausdrucksweife die gewandte und geübte Rednerin erkennen läßt, ging nach einer kleinen Ein­leitung mit sichtlichen! Interesse auf das Thema ein.Die ganze Propaganda, die man beabsichtigt, um zu zeigen, daß die deutschen Frauen nicht' geneigt sind, das bürgerliche Gesetzbuch in seiner jetzigen Form anznnehmen, sei bereits auf das Sorgfältigste organifirt. Vom Herbste ab werden

besonders erwählte Rednerinnen Tourneen antreten, um innerhalb eines bestimmten Landstriches in jeder größeren, kleineren und selbst kleinsten Stadt Vorträge zu halten, an bereut Schluffe sie ben Versammlungen bie Protesterklärung zur Unterschrift vorlegen werden. Ihre Aufgabe ist, eines- theils so viele Unterschriften zu sammeln, als nur immer möglich ist, anbcrentheils immer weitere Kreise zur selbst- thätigen Propaganda anzuregen. Sobald ein Bogen mit tausend Unterschriften bedeckt ist, wird er dem Reichstag pi- gesandt."Wie ich hörte, ober richtiger, wie ich in ben Zeitungen las, soll eine Dame eine Summe von 20,000 Mk. zum Zweck einer möglichst umfangreichen Propaganda ge­spendet haben, privaterseits theilte man mir noch mit, daß es eine Dame H. aus Bremen sei. Hat cs mit dieser Spende seine Richtigkeit?"Ja und nein! Richtig ist, daß bie Dame, bie mir übrigens befreundet ist, die aber nicht will, baß ihr Name genannt wird, einen Betrag von 20,000 Mk. bem VereinFrauenwohl" zur Verfügung gestellt hat. Unrichtig aber ist, baß, wie bie Zeitungen meldeten, dies erst jetzt geschehen ist. Die Spende ist vielmehr schon vor zwei Jahren erfolgt. Das Geld wurde für unseren Verein hinterlegt und sollte zur Hälfte als Studienfonbs, zur anderen Hälfte für Zwecke der Propaganda verwandt werden. Als die Dame aber in der letzten Zeit sah, welch großen Werth unter Umständen eine möglichst intensive und umfangreiche Propaganda haben kant!, traf sie bie Be­stimmung, baß die ganze Summe für Agitationszwccke zu verwenden sei. Thalsächlich wären wir ohne diese Mittel auch außer Stande gewesen, bie Propaganda in der Weise zu betreiben, wie es nach der ersten und nach der zweiten Lesung des bürgerlichen Gesetzbuches geschehen ist."

Und wie denken Sie denn, ist es zu vermeiden, daß das Gesetz in der Weise in Kraft tritt, in der es ans der dritten Lesung hervorgegangen ist?"Das Gesetz soll erst im Jahre 1900 in Kraft treten, 1897 sind neue Reichstags- wahlen. Sind nufere Volksvertreter nicht dazu zu bestimmen, unsere sicherlich gerechtfertigten Wünsche zu berücksichtigen, so müssen wir eben dafür sorgen, daß bet den nächsten Wahlen solche Männer gewählt werden, denen die Interessen der Frauen wichtiger sind, als bie Hasen. Jetzt also wissen Sie das Ziel, auf bas wir hin- ftreben und das wir erreichen müssen und erreichen werben: die Wahl eines Reichstags veranlassen, der auf der Höhe des 19. Jahrhunderts steht u nd dem Humanität und Menschenrechte nicht eine

außerhalb Dresdens nirgends Fuß fassen und fand anch an Wagners Wirkungsstätte zn Dresden nur äußerst geringes Verständniß. DenLohengrin" zur Aufführung zu bringen, war selbst in Dresden unmöglich. Schon bie ersten Schritte von der Oper zum musikalischen Drama hatten zum vollen Bruch zwischen bem bestehcnben Theater und Wagners Arbeiten geführt. In solcher Lage traf ihn das Jahr 1848. In idealer Verblendung hatte er einen Augenblick geglaubt, baß bie politische Reform auch für eine Besserung her Kunst- zustünbe Nanin schaffen würde. Als Verbannter in Zürich fand er sich wieder und damit auch die volle Klarheit über das, was er wdllte und sollte.

Hatte er zuletzt in Dresden noch zwischen großen Dramen- entiviirfen ohne Musik wie Barbarossa, Jesus von Nazareth und musikalischen Dramen wie Achilleus, Wieland der Schmied, Siegfrieds Tod geschwankt, so festigten ihm nun bie tiefstgehenben historischen Studien überOper und Drama" die Ueberzeugung, daß das dramatischeKunstwerk der Zukunft" aus bem innigen Zusammenwirken von Musik unb Dichtung hervorgehen müsse. Durch die Hüllen der späteren Nibelungenbichtungen war er auf ben Kern bes uralten germanischen Mythus durchgedrungen. Und aus dem ursprüngliche einen Drama vom Tode des lebensvollsten herr­lichen Helden entwickelte sich ihm so bie große Welttragödie vomRing des Nibelungen".

Mit der Dichtung des Werkes, wie sie 1853 zum Ab­schluß gelangte, mußte sich Wagner aber auch bie Unmöglich­keit ergeben, es auf einer her bantal» bestehenden Opern- btühnen zur Aufführung zu bringen. Daran konnte selbst Liszts verständnißittnige Freuudschaft, bie soeben (1850) in Weimar bem als bühnen-utimöglich zurückgewiesettenLohen- gritt" das Theater erschlossen hatte, nichts anbei». Anstatt jeboch vor biesen Schwierigkeiten zurückzuschreckeu, steigerten sie nur den kühnen Muth unb Glauben des Verbannten. In derMittheilung an meine Freunde" sprach Wagner 1851 zum ersten Mal die Idee der Bühnettfestspiele aus. Für das

Die einspaltige Petitzeile für locale Anzeigen " "«zeigen 25 Pfg.

Wiesbaden 50 Pfg.,

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44. Jahrgang.

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