Wiesbadener Tagblaü
Verlag: Langgasse 27,
44. Jahrgang
Erscheint in zwei Ausgabe». — Bezugs-PreiS: SO Pfennig monatlich für beide Ausgaben
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1896
Montag» den 22. Ium
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U». 286.
Bezirks-Fernsprecher No. 52.
Bezirks-Fernsprecher No. 52.
Abend-Ausgabe
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ist das ganze 'Richter- und es bleibt somit auch der Richtergehältcr beim treten also nicht an Stelle Minimal- und Maximal-
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Herrenhauses nicht decken, so besoldungsgesetz gescheitert, in Bezug auf die Normirung Alten. Die Dienstalterszulagen des bisherigen Systems der
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zusammen. — Der Bezug kann jederzeit begonnen werden.
und 619a. Damit ist das zweite Buch erledigt. Beim dritten Buch erfolgt Vertagung auf Montag, 1 Uhr. Außerdem Abstimmung über die Gewerbenovelle.
Deutsches Deich.
* Dof- und Versonat-Uachrichtr». Samstag Abend traf Vicekönig Li-Hung-Tschang in Begleitung seines Gefolges mittels Sonderzugcs in Kiel ein und wurde am Bahnhof von dem Staatssekretär des Rcichsmarincamts, Admiral Hollmann, dem Ches der Marincstation der Ostsee, Vice-Admiral Thomsen, dem Oberwerftdirektor.Kapitän Diedrichsen, und dem Stadtkommandanten, Oberstlientenant v. Hoepfncr, empfangen. Eine überaus zahlreiche Menschenmenge begrüßte den Vicekönig mit wiederholten lebhaften Zurufen. Nach der Vorstellung der zum Empfang erschienenen Persönlichkeiten fuhr der Vicekönig in sein Absteigquarticr „Bellevue". Gestern Morgen hat derselbe S. M. Schiff „Kurfürst Friedrich Wilhelm", die kaiserliche und Germauiawcrst besichtigt.
* Berlin, 22. Juni. Die „Nordd. Allg. Zig." schreibt: Die „Post" will in ihrer letzten Nummer erfahren haben, ein Vorschlag des Kolonialraths zum Entwurf eines Auswanderungsgesetzes sei auf entschiedenen Widerstand der handelspolitischen Ablheilung des Auswärtigen Amts gestoßen, sodaß man sich entschlossen habe, den Entwurf vorläufig ganz zurückzuziehen. Diese Behauptung ist völlig unbegründet. Sicherem Vernehmen nach sind die Arbeiten zum Auswanderungsgesetz so weit gefördert, daß die Einbringung des Entwurfs im Reichstag für die nächste Session, und zwar zu Beginn derselben, mit Sicherheit zu erwarten ist.
84 Sitzungen hat das Abgeordnetenhaus, 19 das Herrenhaus in der letzten Session abgehalten.
Der Assessoren-Paragraph ist im Herrenhause nicht mehr zur Verhandlung gekommen. Da nun die Beschlüsse des Abgeordnetenhauses sich mit den Beschlüssen des
Aus Knust und Kebeu.
* Königliche Zchanspirle. Im Königlichen Theater werden für die kommende Saison unter Ausnutzung der Ferien namentlich in scenischer Hinsicht die umfasiendstcn Vorbereitungen getroffen. Im Schauspiel bringt der August 2 Neueinstudirungen: G. v. Moser- Lustspiel „Glück bei Frauen" und Baumfelds 4-aktiges Charaktergcmälde „Krisen", denen am 2. und 3. September die „Wallenstein-Trilogie" folgen soll. Die erste Novität der Saison wird das Schönthan-Koppel-Ellfcldtsche Lustspiel „Renaissance" sein. An Neueinstudirungen im klassischen Repertoire werden dann „Rome o und Iulia",„Do»Carlos" und „Egmont"folgen. In der Oper geht Anfang September „AIda" in völlig neuer Ausstattung und ueueinstudirt in Scene, welcher „Der Maskenball" von Ander, sowie Meyerbcers „Robert der Teufel" und Anders „Schwarzer Domino" folgen werden. Als Novität in der Oper geht Anfang October die Schilling- Sporcksche „Jngwelde" mit der Kammersängerin Frau Reuß- Belce in der Titelrolle erstmalig in Scene. Als zweite Novität ist Reznircks „Donna Diana" ins Auge gefaßt. DieOperette wird dnrchMillöckerS„Gasparone"vcrtreten sein. — Im neuen Jahre wird „Der Ring des Nibelungen" geplant, soweit er bei der Kürze der Zeit sceuisch zu bewältigen sein wird, esaleichen Wagners „Tristan und Isolde". Auch im Schau-
Politische Tagea-Rundschau.
— Landtags-Bilanz. Die Bilanz der soeben beendigten Session des preußischen Landtags wurde, als er in die Pfingstferien ging und wo er recht gut hätte geschlossen werden können, schon gezogen und heute ist in der früheren Rechnung nichts Wesentliches zu berichtigen. Das Richterbesoldungsgesetz, das schon damals für gefallen galt, ist inzwischen definitiv gescheitert, nachdem das Herrenhaus einen Afsessorenparagraphen, der noch weniger annehmbar als der der Regierungsvorlage war, eingefügt hatte. Es wird, wie- das Lehrerbesoldungsgesetz, in der für November in Aussicht genommenen Tagung wiederkehren; ob auch eine Handelskammer - Vorlage an Stelle der zurückgewiesenen und sodann zurückgezogenen in näherer Zukunft wieder eingebracht werden soll, darüber verlautet nichts Be- sfimmtes. Den drei negativen Ergebnissen stehen, wie in Erinnerung gebracht werden mag, die perfekt gewordenen Gesetze über Einführung des Anerbenrechts bei Renten- und Ansiedelungsgütern, über den Bau von Sekundär- und Kleinbahnen, sowie von Getreidekagerhäusern und über die Erhöhung des Kapitals der Eentral-Genossenschaftskasse gegenüber. Es sind außerdem eine Reihe von Initiativanträgen angenommen worden, darunter der Antrag Wallbrecht, der einen neuen Weg zur Sicherung der Bauhandwerker gegen betrügerische Ausbeutung zeigt, Resolutionen über den Ladenschluß und die Verordnung für den Betrieb von Bäckereien und der an das Lichtenbergsche Messer erinnernde Beschluß über die Besteuerung von Waarenhüusern, Bazars und dergleichen. Die greifbaren Früchte der Session, die sich über fünf Monate hinzog, sind also sehr spärlich. Um so üppiger ist der Strauß von Redeblumen, der in den 84 Plenarsitzungen gewunden worden ist. Irgend welche Merkmale politischer Entwickelung hinterläßt die Session nicht. Auch die schroffen Angriffe, die noch zuletzt ein konservativer Führer gegen den Ministerpräsidenten gerichtet hat, beanspruchen keine sonderliche Beachtung. Man Ist an solche Zwischenfälle gewöhnt und auch daran, daß sie die Regierungspolitik nicht beeinflussen.
— Einzelheiten über die Beendigung des Aufstandes in Südwest-Afrika find zur Zeit noch nicht bekannt, aber die kurzgefaßte Benachrichtigung des Auswärtigen Amts stellt es außer Zweifel, daß der wackere Major Leutwein seine in der Kolonie erworbenen Verdienste um eine glänzende Waffenthat bereichert hat. Die Freude, die sein Erfolg in einem aufgezwnngencn Kampf bei uns hervorgerufen hat, gilt denn auch nicht nur der politischen Tragweite des Sieges, sondern gleichzeitig diesem selbst und wird keineswegs durch die Vermuthung gemindert, daß man in England und anderwärts lieber den deutschen Landeshauptmann in den Händen des Kahimema gesehen hätte statt umgekehrt. Bei dem dankbaren Gedenken der Opfer, die der Aufstand gefordert, regt sich der Wunsch nach einer ständigen Einrichtung zur Ehrung der deutschen Krieger, die ihr Leben für die Sicherung unseres überseeischen Besitzes hingegeben haben. Sie könnte vielleicht in der Anlegung eines Ehrenbuches gefunden werden. Die Verewigung der Namen in den Heimathsgemeinden, wie sie den Gefallenen von 1870/71 zu Theil geworden ist, wird in den vereinzelten kolonialen Fällen wohl nicht zu bewirken sein. ____________________________________________
das Reich zu erhalten, zu.schütze» und zu vermehren, er lebe hoch 1 hoch! hoch!"
* Rundschau im Reiche. Wie aus Sachsen berichtet wird, sprachen sich mehr als 100 sächsische Geistliche auf einer in Meißen abgehalteneu Konferenz für die Beibehaltung derobligatorischeu Civilehe aus. — Im Monat Mai d. I. haben 1360 Schiffe mit einem Netto-Naunigehalt von 139,787 Reg -Tonnen den Kaiser Wilhelm-Kanal benutzt und an Gebühren zusammen 78,206 M. entrichtet.
Gehälter. Voraussichtlich wird in der einen oder anderen Gestalt ein Besoldungsgesetz in der nächsten Session wieder zur Vorlage gelangen.
Eine friedliche Karawane arabischer Händler von der Küste Ostafrikas ist am südöstlichen Ufer des Tanganjika- Sees von Truppen des Kongostaates überfallen und ausgeraubt worden. Die Araber waren, wie die „Köln. Ztg." schreibt, deutsche Schutzbefohlene aus Bagamoyo und keineswegs reiche Leute. Die deutsche Regierung hat durch ihren Gesandten in Brüssel nachträglich Beschwerde erhoben und 100,000 Mk. Schadenersatz fordern lassen. Der Kongostaat hat Untersuchung und Bestrafung der Schuldigen zugesagt.
* Rede des Großherzig» von Kaden. Au» Hackenheim (Baden), 21. Juni, wird gemeldet: Bei dem heutigen Kriegerfeste hielt gelegentlich der Enthüllung des Kriegerdenkmals der Großherzog ungefähr folgende Rede: „Die .25-jährige Gedächtniß- seier ist allenthalben gefeiert worden in der verschiedensten und mannigfaltigsten Weife. Die» ist dankbar zu begrüßen. Sie wiffen, daß vor wenige» Tagen eine Feier begangen wurde, um ein Denkmal einzuweihen, das der Nation gewidmet, welchen Akt der Kaiser leitete und welcher den Abschluß einer großen Zeit bildet, der wir heute in Dankbarkeit gedenken. Aber was sollen die Folgen dieser Feier sein? Was ist es, was uns fortgetzt beschäftigt? Wir wollen geloben, sestzuhalten, was begründet wurde; nicht nur gegen die Feinde von Außen, sondern auch gegen die im Inner» des Reichs wollen wir ankämpfen. Wir wollen fest zu- samnicnstehen, mögen die Angriffe kommen, woher sie wollen, und von Leuten ausgehen, welche es auch immer fein mögen. Gott behüte uns vor dem Mangel an Hingebung zu Kaiser und Reich, vor dem Mangel an Liebe, die Alles überragen muß. Rur in der Liebe können wir uns kleinlicher Dinge ent« schlagen. Das ist es, was ich Ihnen an dieser Stelle zurufe. Haltet Euch getreu und fest an dem Einen, was wir seinerzeit errungen, dem Deutschen Vaterlande." Der Großherzog schloß mit den Worten: „Ich nehme an, daß Alle, welche hier anwesend sind, mir zustimme» in dem, was ich eben gesprochen. Halten Sie fest zusammen, damit das Reich bestehe und stimmen Sie Alle ein in den Rus: Der deutsche Kaiser, unser Kriegsherr, der bestimnit ist.
Ausland.
* Oesterreich-Ungar». Großes Aufsehen erregt die Blättermeldung, daß von der Geistlichkeit des Comitats Szabolcs die bäuerliche Bevölkerung vom Besuch der Milenniiims-Ausstellung abgehalten wird unter dem Vorwande, daß dort anti-religiöse Handlungen vollbracht würden.
* Italien. Dem„Messagero" zufolge ist durch die Vermittelung eines in Schoa wohnhaften französischen Staatsangehörigen ein Brief eines bei Menelik gefangen gehalteiie» italienischen Soldaten an dessen Familie in Turin gelangt, nach welchem sich in Addisaaba 1500 Gefangene befinden. Ihre Reise dauerte zwei Monate. Sw nährten sich während dieser Zeit von gerösteter oder roher Gerste und kamen mangelhaft bekleidet, theilweise mit blutenden Füßen an. Viele in Addisaaba wohnhafte Europäer unterstützten die Gefangenen. Diese» wurde augekündigt, daß sie zur Erbauung einer neuen Königsburg für Menelik verwendet werden sollen.
* Spanien. Dem Kongreß ist von der Regierung ein Gesetzentwurf folgenden Inhalts vorgelegt worden: Die Regierung wird ermächtigt, den Boden-Erzeugnissen und Industrie- Erzeugnissen des Deutsche» Reiches die Zollsätze des zweiten Tarifs (Minimaltarif) aus dem gegenwärtig für Spanien und Cuba sowie Portorico geltenden Zolltarif ohne weitergehende Zugeständnisse zu gewähren, wofern Deutschland seinerseits den Erzeugnissen ans Spanien und seinen Kolonieen die Zollsätze seines Generaltariscs gewährt, ohne die Zuschläge, welchen gegenwärtig einzelne Waarengattunge» unterworfen sind. — Die amerikanische Regierung hat den augenblicklich in Madrid weilenden dortigen Gesandte» aufgefordert, der spanischen Regierung Vorstellungen zu machen und sie zu fragen, welche Genugthuung ste gebe für die Unbill, welche dem Dr. Dclvado und anderen amerikanischen Bürger» durch spanische Soldaten zugesügt worden ift
* Rußland. Aus Liiblin wird die Verhaftung von 26 Schülern gemeldet. Dieselben sollen ein Cirkular vertheilt haben, welches die Aufforderung enthielt, sich von allen Feierlichkeiten anläßlich der Czarenkrönung sernznhaltcn. — Gras Potocki und Marquis Wielapolski suchten bei», Czaren um eine Audienz nach, um die Freilassung des verhafteten Schriflstellers ChemielvwSki zu erbitten.
* Bulgarien. Das macedonische Central-Comits lud für gestern 'Nachmittag alle Parteien ein, einem öffentlichen Meeting beiznwohneu, um sich über die Frage der Reformen für Macedonicn auszniprechen.
* Rumänien. Wie ein offiziöses Blatt meldet, steht die Anschaffung eines neuen Jnfanteriegewehrs für die rumänische Armee unmittelbar bevor, da das jetzige Gewehr als vollständig unbrauchbar bezeichnet wird.
* Türkei. Nach einer Meldung der „Agenzia Stefani" auS Konstantinopel unternimmt der österreichisch-ungarische Botschafter, Freiherr v. Calice, Schritte, die auf eine Wiederherstellung der Ruhe auf Kreta hinzieleu. Der Botschafter verlangt zu diesem Zweck Ernennung eines christlichen Gouverneurs, Wiederherstellung des Vertrages von Haleppa und Einberufung des Landtages. Alle Botschafter seien beauftragt, die Schritte des österreichisch-ungarischen Botschafters zu unterstützen. — Die „Agence Havas" meldet: Die Aufständischen auf Kreta weigern sich, die von der Pforte gestellten Bedingungen anzunehmen. Die Türken zogen sich nach Vnkolis zurück, während die Christen nach Mikianu vorrücken. Zwei Dampser sind nach Kreta abgegangen, um die Frauen und Kinder ausznnehme», deren Lage als höchst bedauernswerth geschildert wird. — Die Ernennung eine» christlichen Bali sürZeitun ist nunmehr vom Sultan in einem Jrade angeorduct worden. — Marschall Derwisch Pascha, Oberkoinmandant von Rnmelicn, ist in einem Alter von 90 Jahren gestorben. — Ain Samstag fand eine längere Konferenz der Botschafter wegen Kreta statt, worauf der Vertreter Oesterreichs sich zur Pforte begab.
* Afrika. Eine Triippenabtheilung unter Hauptmann Mahon erreichte Kedden, 40 Meilen von Suarda entfernt am Fuße de» Kataraktes von Kaiber, ’/i Stunden Weges von Wadihalfa nach Dongola. — Die Cholera in Kairo und Alexandrien ist weiter im Abnehmen begriffen, in der Provinz nimmt sie zu. Daselbst kamen gestern 189 neue Fälle vor, von denen 172 tödtlich endeten. — Eine vom Dorfe Eluatia in Tunis eingetroffene Karawane berichtet, daß sie die 5 Leichen der zu der Mission des Marquis Morö» gehörigen Personen erkannt habe.
Preußischer Landtag.
O Berlin, 20. Juni. Herrenhaus.
Das Herreuhaus ehrte heute vor Eintritt in die Tagesordnung das Andenken des verstorbene» Mitgliedes des Hauses Grafen v. Dhyrn durch Erheben von den Sitzen und ertheilte sodann dem Gesetzentwurf, betreffend die Aufhebung der Hhpothekenämter im Geltungsbereich des rheinischen Rechts, in der vom Äbgeordneten- hause beschlossenen Fassung die Zustimmung. Der Präsident giebt darauf dem Hause den üblichen geschäftlichen Ueberblick, und der Herzog v. Ratibor spricht dem Präsidium den Dank des Hauses für die Leitung der Geschäfte aus. Es wird beschlossen, dem erkrankten Präsidenten Fürsten zu Stolberg-Wernigerode in einem Telegramm die Verehrung des Hauses und die Wünsche für baldige Genesung anszusprechen. Das Herrenhaus schließt daraus seine Sitzungen mit einem dreifachen Hoch auf Se. Majestät den Kaiser und König.
Beide Häuser des Landtags —
hielten Samstag Nachmittag, 3 Uhr,im Sitzungssaal des Abgeordueten- hauses die gemeinsame Schlußsitzung ab. Der Vicepräsident des Herrenhauses, Frhr. v. Manteuffel, übernimmt de» Vorsitz. Der Ministerpräsident Reichskanzler Fürst zn Hohenlohe verliest die Allerhöchste Botschaft, gegeben Kiel, de» 19. Juni, durch welche der Ministerpräsident ermächtigt wird, den Landtag am 20. Juni zu schließen, und erklärt den Landtag für geschlossen. — Freiherr v. Manteuffel bringt ein begeistert aufgeiiommeues Hoch auf Se. Majestät beit Kaiser und König aus und schließt alsdann die Sitzung.
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Deutscher Reichstag.
O Kerlin, 20. Juni.
Am BundeSrathslische Staatssekretär o. Boetticher, Staatssekretär Nieberding und Andere. Zunächst eutspinvt sich eine kurze Geschäftsordnungsdebatte über einen Antrag Vielhaben (Antis.). die Schlußabstimmung über die Gewerbeordnungsnovelle zuerst vor- zunehmiN. Antragsteller sowie Abg. v. Liebermann weisen in ihren Anssührnngen ans die gestrigen Vorgänge hin. Nach längerer Debatte wird der Antrag Äielhaben abgelehnt. ES folgt die Weiter- beralbung des bürgerlichen Gesetzbuch». Zunächst werden die §§ 130 bis 134 des ersten Buchs, deren Erledigung gestern ausgesetzt wurde, nach längerer Debatte in der Fassung der Kommission angenommen und die Abänderungsanträge abgelehnt. Es folgt das zweite Buch: „Recht der Schuldverhältuiffe". Der erste Abschnitt: „Inhalt der Schuldverhältmsse" wird fast debattelos erledigt. Beim zweite» Abschnitt: „Schuldverhältnisse aus Verträgen", ' handelt § 318 von den Arbeitsverträgen, und zwar davon, daß dem einen Theil eine ihm obliegende Leistung durch vertretbare Schuld des andere» Theils unmöglich gemacht ist. Dasselbe soll den Anspruch auf die vertragliche Gegenleistung erhalten, aber, so lautet der zweite Absatz des Paragraphen, er mnß sich dasjenige anrechneu lasten, was er infolge der Befreiung von der Leistung ober anderweit erwirbt oder zu erwerben böswillig unterläßt. Verschiedene Anträge des Abg. Auer hierzu werden abgelehni. Beim 7. Abschnitt „Einzelne Schuld- verhältniste" wird ein Abänderungsantrag Haußmann (südd. LolkSp.) abgelent. Beim Titel „Mieihe und Pacht" (§ 546 wird ein Antrag Auer, dem Vermiether die vorzeitige Kündigung des MielhSverhältnisteS nicht schon bei jedem vertragswidrigen Gebrauch einer gemieteten Sache Seitens des Mielbers zu gestatten, sondern erst bei einem erheblichen vertragswidrigen Gebrauch, angenommen. Die Berathnug des Titel „Dienstvertrag" (88 604 Bv 64t) wird äusgcietzt. Ebenso die Berathnug über 8 619
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