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Seite 22. 18. Jnni 1886 Wiesbadener Tagbkatt (Morgen-Ausgabe). Verlag: Langga^e 27.

44 Jahrgang. 7C0. »tv.

Kermischtss,

Übung noch nicht gefunden; einem großen Theil des Volkes bleibt fic schon deshalb vorcnthalten, weil der gefahrlose Gebrauch der Fluß­bäder in den Badeanstalten mit zu großen Unkosten verknüpft ist. Ebenso verhält cs sich mit der Erlernung des Schwimmens; doch sollte bei der Erziehung der Knaben Jeder, der sich die nötlügen Ausgaben nur einigermaßen gestatten kann, der Erlernung dieser Kunst Rechnung tragen.

Laut reden! Eigentlich sollte man cs selbstverständlich finden, daß die Kinder laut sprechen. Aber die recht unliebsamen Erfahrungen, die der Lehrer in dieser Richtung namentlich zu Beginn des Elementarunterrichts macht, berechtigen uns, diesem Gegenstand eine besondere Hervorhebung angedeihen zu lassen. Wie viele Kinder kommen in die Schule und säuseln und flöten ihre Worte, daß man sie kaum zu vernehmen vermag! Der Lehrer muß wiederholt fragen, der Schüler wird eingeschiichtert, das Interesse am Lehrgegeufland wird gestört 2C. Welch große Geduld muß der Lehrer in solchen Fällen haben! Und wie viele kostbare Zeit sieht er unansgeniitzt dahingehen! Das Kind soll also früh angehalten werden, laut zu reden! Laut ist ja sein ganzes Wese», folglich muß cs auch seine Sprache sein. Auf gegebene Fragen soll es deutlich und vernehmlich antworten. Was laut ist, ist unzweideutig, steht moralisch höher und verräth gleichzeitig Kraft und Entschiedenheit, abgesehen davon, daß das laute Reden zumal in der Jngcnd die Sprach- und Athmungswcrkzeuge übt und belebt und wohlthueud auf deren gesunde Entwicklung cinwirkt.

Gesperrt. Die Sedan st raße, zwischen der Walramstraße und dem Sedanplatz, wird znm Zweck der Herstellung einerWasser- und Gasleitung vorn 18. d. M. ab ans die Dauer der Arbeit für den Fuhrverkehr polizeilich gesperrt.

Ans Kunst und Leben.

. * Soßbarre Geschenk. Dem Czarenpaar hat der Präsident

v» französischen Republik einen mächtigen Gobelin geschenkt. Die er-c an f n.l,6 nicht weniger als sieben Meter in der Breite und P*1* der Höhe. Sie stellt das »Pathenkind der Feen"

Karton Mazerrollcs gewirkt. In einer ®leac ru!,t. das neugeborene Kind, um da» sich die Fern rn Gestalt immer und hübscher Frauen drängen, dem Kinde eint

wachen. Reden wir sie an, so wird sie antworten. Aber wer antwortet? Das Bewußtsein des tagwachenIch" ist geschwunden. Irgend Jcmaiid aber muß es doch fein, der da antwortet! Flugs ist wie im Traum, durch irgend eiueAnrcgung erzeugt, eine fingirte Person da, die, je mehr sie redet und hört, um so bestimmtere Formen entwickelt und bald ihren eigenen, nur auf diese Neubildung sich beziehenden Erfahrungsschatz hat, und somit ist ein neues Ich, eine neue geistige Per­sönlichkeit entstanden, mit der sich unsere Somnambule identifizirt.

Doch nun zu Fräulein Coucsuou! Die neue Seherinvon Paris ist weiter nichts wie eine Somnambule, und nur der Umstand der Unwissenheit der meisten Menschen in Betreff des Somnambulismus und der reichen Litteratur desselben hat sie so plötzlich zum Gegenstand des öffentlichen Interesses gemacht. Ihre überraschenden Offenbarungen aus der Ver­gangenheit von Personen rc. könnten vielleicht auf einer Art von Hellsehen beruhen, das bei somnambulen Zu­ständen mitunter vorzukommen scheint, obgleich sich die meisten Fälle wohl auf Gedankenlesen zurückführen lassen. Ihre Prophezeiungen, wenn sie eintreffen, sind wohl auf die bei Somnambulen häufige Steigerung geistiger Fähigkeiten zurückziiführen. Die meisten jedoch, das wird die Zukunft lehren, werden ebenso wenig eintreffen, wie die Mehrzahl aller derartigen Orakcleicn. v. H.

Nerrlns-Pachrkchtrn.

«kurze sachliche Berichte werden berrjtluilligS artet dieser Nebrctchrtft ausgenommen.!

* Donnerstag Abend, 9 Uhr, findet imWiesbadener Rhein- und Taunu s-Ktub" die Berathung derb.Hanpttour: Nicderbrechc», Villmar, König Konrad-Deukmal, Runkel, Schupbach, Christianshütte, Bnrg Merenberg-Weilburg im Klublokal,Walther?

Dom Astrin, 17. Juni. Der Rhein wächst fortgesetzt täglich noch 10 bis 12 Cenlimetcr. Die erste Marke de? Hochwasscr- standes dürfte bei weiterem, gleich starkem Steigen bis morgen er­reicht werden. An den niedrig gelegenen Anban-Geländen im Rheingau ist der Sirom bereits über die Ufer getreten. Die Pcr- sonen-Dainpsichiffahrt ist bei dem guten Waffcrstand in der Lage, ihre Fahrten mit der größten Regelmäßigkeit auSznfnhrcn, hingegen hat der Schieppverkehr, der durch monatelang anhaltenden guten Wafferstand begünstigt war, merklich abgenommen.

* <i-gmto-®rd)nng, der Gast ans demReich der Mitte", steht, gegenwärtig im Alter von 76 Jahren. Li entstammt einer angeieheiicii Familie der Provinz Rgauhuci (Nanking). Seine Vorfahren nahmen während mehrerer Generationen wichtige Stellungen ein, sein Vater war Mitglied der berühmten Hanlin- Akademie in Peking und einer der obersten Beamten des dortigen Strafgerichtshoses. Li wurde im Jahre 1823 in dem HeimathS- I dorfe seiner Familie, Hwei-lung, geboren und erhielt'eine für chinesische Verhälinisse sehr sorgfältige Erziehung. Die zun, Beauitenberufe in China erforderlichen litterarischen Studien ver­folgte Li bis zu seinem 24. Lebensjahre. Als Diplomat feierte Li seine größten Tririn-phe gelegentlich der heiklen Toukni- Angelegeuheit, in der er sich trotz aller Uitimatumzuschriften, Abberufung de« frauzösischen Gesandten, Besetzung von Formosa diirch die Franzosen ec. nicht aus seiner Fassung I bringen ließ und den für China immerhin vortheilhafteu I Vertrag von Tientsin (1885) durchsetzte. Die Rotte, die Li-Huug- I Tschang in dem letzte» Kriege mit Japan spielte, das Geschick, mit I dem er das chinesische Staatsschiff durch die gefährliche Shimonoseki- I straße bugsirte, sind in frischer Erinnerung. Daß er während des I Krieges zeitweilig in Ungnade fiel und ihm die gelbe Reitjacke iviedcr I entzogen wurde, hat in China nicht viel zu sagen. Es fehlt dort I eben an Mitteln, nm die richtigen Schuldigen heranszusiuden, häufig I liegt die Schuld an Systemcu, au der ganzen chinesiichen Kultur, I allein die Tradition verlangt cs, daß Jemand gcstras! werde, und gc- I wohnlich ist dieser Jemaild der Höchstbetheiligte, in diesem Falle Li. I Nach dem Abschluß des Friedensvertrags mit den Japanern wiirde I er wieder in alle seine früheren Ehren eingesetzt, überdies noch als I Großsekretär oder eine Art Reichskanzler nach Peking berufen, wo I sein Einfluß heute größer und fester zu sein scheint als je, trotz seiner I vielen und mächtigen Feinde. Neben seinen vielen und anstrengenden | Arbeiten offizieller Art hat Li, wie E. v. Hesse-Wartegg in der I Voss. Ztg." schreibt, au» Zeit gesunden, sich an privaten Unter- I nehm,ingen zu bethciligen. Er ist der eigentliche Schöpfer der | größten chinesischen Dampfergesellschast, er eröffnete die Kohlenminen j von Taiping, er gründete Handelsgesellschaften, vergab Kontrakte und wußte dabei seinen eigenen Vortheil so sehr zu sichern, daß er heute ein nach vielen Millionen zählende? Vermögen besitzt und als der reichste Mann Chinas angesehen wird. Ebenso verhalf er auch feinen Verwandten zu guten Kontrakten und fetten Posten die von Vettern und Neffen so sehr ausgebeutet wurden, daß diese im Jahre 1894 trotz Lis Einfluß mit Schimpf und Schande verjagt wurden, und die Censoreu sogar auch Li selbst unlauterer Machen­schaften bezichtigten.

* lieber die Katastrophe auf dem Chodinkky-Fclde hat sich der Moskauer Polizcimcister Wlassowski gegenüber einem Vertreter derNeuen Fr. Pr." ausgesprochen. Er weist natürlich jede Schuld weit von sich.Ich war nicht auf dem Felde, mein Stellvertreter war da. Ich konnte nicht überall sein. Ich war in der Nähe bee Czars, aber telephonisch mit meinem Stellvertreter in Verbindung. Er war der Meinung, daß die Leute nichts Böses im führen und daß der bestimmte Termin der Vertheilung eingehalteu werden könne. Ich sah dies als richtig an, weil ich ungeordnet hatte, daß die Arbeiter nur mit Stadtbeamten und Gendarmen g» der Spitze auf das Feld dürfen, und zwar nicht vor acht Uhr Ich glaubte diese Verordnung eingehalten und hatte fg," 9 Uhr meine Dispositionen getroffen. Mein System bei einer Menschenansammlung ist, diese nicht von oben zurückzudräng«».- weil dies nur die Verwirrung erhöht. Ich wollte neun Eskadron« Kosaken am äußersten Ende des Feldes, also beim Ab. schlussc des Menschenkiiänels, aufstcllen, um im schlimmsten Fatz, dort die Menschen abzudrängen und Luft für den oberen Theil zu gewinnen. Das Ungethüm war am Schweif, nicht am Kopf zu fassen. Bei den Buden war die Truppenmacht aus­reichend. Ich wiederhole, meine Dispositionen waren für de. Morgen getroffen. Fortwährend brückte mich der Gedanke, daß die Art dieser Volksbefcheukuugs-Gcbräuche in unserer Zeit die größt« Schwierigkeiten macht. Bei der Krönung Alexanders II., wo noch Ochsen gebraten und Geld unter die Menge geworfen wurde, kamen 5000 Menschen um6 Leben. Selbst bei der vorletzten Krönung, roo eine ganze Division au (geboten war, die Spaliere ünd Dnrchlässt bildete, gab cs Verluste." Und trotzdem hatte man auch diesmal wieder den veralteten Gebrauch der Masseubescheukung beibehalte»?

I Das ist umso befremdlicher, als der Moskauer Polizeimeister nutz») I dem noch zu berichten weiß:Im Lande war das Gerücht vei.' I breitet, jedes Geschcukpäckchen enthalte eine Anweisung auf ein j Pferd, eine Kuh, ein Loos auf Treffer von 50 und 100 Rubelä. - I Das wurde geglaubt, so fest geglaubt, daß Leute, welche die Päckchen ! erlangten und die Anweisung darin nicht fanden, umkehrten und m I den Tod gingen."

I m * yüötl ht Zuchthäusern und Gefängnissen. Die Londoner I WochenschriftTit-Bits bringt in einer ihrer letzten Nummer» folgende Mittheilungeu:Den Insassen des StaatSgefängnisies ooej Michigan (Vereinigte Staaten) ist es gestattet, Vögel zu halte». Nicht weniger als rund 600 gefiederte Säuger sind im Besitz mid der Pflege der daselbst eiugesperrteii Verbrecher und erheben mit bem

i Dämmern des Tags ihren lieblichen Gesang im schroffm I Gegensatz zu der Stimmung ihrer Besitzer und doch zur Milderung > von deren Weh und Herzeleid. Bei vielen der hartgefottensteu Ver­brecher sollte man ihrem Aussehen und ihrer Entwicklung nach kam» aunehmen, daß fie irgend eine Neigung zu einem anderen Wesen oder überhaupt eine feinere Regung des Gemüths empfinden könne», und doch zeigen sic die zärtlichste Fürsorge für die kleinen Geschöpfe, welche mit ihnen die Einsamkeit der Gesängißzelle theilen. Ueber drei Viertel der Zellen der gcnaniiten Anstalt beherbergen auch eine» oder mehrere Sanarien und ebenso finden sich solche in den ver­schiedenen Arbeitsstilen. Bei Tage werden die Vögel, wenn cs die Witterung erlaubt, außen angehängt und Abends, wenn die Gc- fongcncu von der Arbeit zurückkchren, wieder hereingeuommen. Die Wirkuilg, welche diese Vogelhaltuug auf die Zuchthäusler übt, nach der Aussage der Anstaltsbeamtm eine äußerst wohlthätige; denn abgesehen davon, daß der Gefangene in der Gesellschaft eines ihm lieben Wesens in der öden, einsamen Zelle sich heimischer fühle, übe diese Liebhaberei auch einen entschieden bessernden und vercdclndcu Einfluß, selbst auf de» verhärtetsten Verbrecher, «ine Thatsache, ivelche durch die Erfahrungen einer langen Reihe vo» Jahren bestätigt werde. Noch eine andere Rücksicht hat die Ver­waltung des Zuchthauses zur Gestattung der Vogelhaltung bestimmt,^ nämlich die Fürsorge für die materielle Zukunft der Gefangene», sie dürfen nämlich die Vögel auch züchten und die gezüchteten vei- taufen. Der Erlös kommt natürlich nicht in ihre Hände, solange sic in der Anstalt sind; er wird ihnen gntgcschrieben und erst bei der Entlassung auSgehändigt." Hierzu bemerkt R. Neunzig in der > von Karl Nuß herausgegebcnen Wochenschrift für Vogelliebhaber, -Züchter und -HändlerDie geflederte Welt":Die rührende Er­zählung von dem Verbrecher, der sich eine in seiner Zelle banfenbe matte zähmt, au dem Thier mit der ganzen Liebe seines Herzens hangt und sich an der Wand seines Gelasses dm Schädel zerschellt, - als der rohe Fuß des gefühllosen Aufsehers da« Thier eines Tage« zertritt, ist weiiverbreitet und ebenso wie die obige Darstellung eilt Beitrag zu der Anschauung, daß fein Mensch, selbst nicht der ver- komuieustc, aller GemüthSregungei! bar ist, sondern daß auch dieser I das Verlangen empfindet, einem anderen Wesen, einem Thier, Siebe zu erzeigen und ihm feine Sorge zu widmen. Die ohu- große» Aufwand mögliche und bei dm Eigenschaften der Vögel so anrcgmbe - und daiikenSwerthe Haltung dieser Thicre zeigt sich besonders geeignet, . bie Reste menschlicher Empfindung, deren auch das härtesic Per­brecherherz nicht entbehrt, zu beleben und zu stärken. So muß den» - das Verhalten der Zuchthankverwaltung des genannten Staate» s treubtfl begrüßt rind gewünscht werden, daß feine Handlungsweise anderwärts Nachahmung finde und so ein Lichtstrahl in die Dunkel­heit des Zuchlhauslebeus auch in anderen Ländern fallen ruöge." Jedenfalls wäre cs auch nicht von der Hand zn weisen, den Ge­fangenen die Pflege einiger Topfpflanzen zn gestatten.

* Zmnoristischrs. Unterschied. Herr:Sie sind als, umgcsattelt ? Sonunt Ihnen das medizinische Studium nicht schwerer vor als das juristische?" Student:Ach nein, man trinkt eben nur täglich ein paar Schoppen mehr."---Herbe Kritik.

Maler:Ich habe eben zwei Gemälde beendet, über die ich air»

Beispiel sei der Fall der mehr als 30 Jahre ärztlich be­obachteten. Näherin Fölida in Lyon angeführt:In ihrem einen Zustande ist fie gesprächig, lebhaft, lebeusiustig. In ihrem zweiten Zustande düster, mürrisch, verschlossen und ihrer Erinnerung sind alle Thatsachen ans dem Leben des anderen Ich" entschwunden. In ihrer ersten, jetzt vorherrschenden Exsstcnz wurde sie einmal von der Untreue ihres Mannes unterrichtet, überhäufte darauf ihre Rivalin mit Vor­würfen und Drohungen und versuchte, nach Hanse zurück- gekehrt, sogar einen Selbstmord, von dessen Ausführung sie jedoch znrückgehalten wurde. Nach einiger Zeit trat die gewohnte Krisis ein und Fölida erwachte aus ihr ohne die geringste Erinnerung an den stattgehabten Vorfall und ver­kehrte wie ehemals mit der Rivalin. Erst mit einer neuen Krisis ist plötzlich das Gedächtniß wiedergekehrt."

Ich erinnere noch an den bekannten Marinesoldaten in Rochefort, der sogar sechs vollständig scharf getrennte Persön- nchkeiten zeigte.

Waren dies Fälle, wo, allerdings bei Kranken, das be- .reffende Individuum in wachendem Zustande eine neue »tt htln«^ wechselnde Persönlichkeit darbot, so ereignet sich dies noch leichter in schlafartigen Zuständen, wie z. D. im >somnainbulid.iiius. Hierbei wirkt noch unser uns inne' wohnendes dramatisches Talent mit, das wir in jedem Traum bewundern können, wo wir handelnd und denkend die ver­schiedensten Personen und Charaktere vor unserem geistigen Auge vorführen, wo wir selbst den Zuschauer, selbst den Schauspieler und Dichter machen.

Nehmen wir nach allem bisher Gesagten eine Person in tiefem somnambulen Zustande an, bei der alle Theile der Gehirnrinde, die das Bewußtsein des eigenenIch" enthalten, in Unthätigkeit versetzt find. Es ist nun in ihrem Zustande begründet, daß fie hören und sprechen kann, ohne zn er-

glucklichc Zukunft vrophezeiend. Auf der rechten Seite befindet sch Venus mit ihrem Gefolge, während auf der linken die böfc Fcc 3 Caraboffe, eine alte magere Frau mit einer Geieruase und gift» erfülltem Blick, die Liebesgötter zu verhindern sucht, sich der Wiege 1 zu nähern. Diese Tapisserie ist im Jahre 1872 begonnen und 1«89 i wenige Wochen vor Eröffnung der Aiisstellung. in der sie Prunk- stuck des großen Ktippclsaales bildete, fertiggestellt worden. Auch i auf den Ausstellungen von Bordeaux und Chicago, auf die sie vo» der französischeii Regierung geschickt wurde, hat sie Bewunderung erregt, s

* Verschieden- MittheUungerr. Auf der diesjährige», der sogeiiauiitcn Pfingst-Aiisstclluiig des KunstvercinS fürdieRhei» X laude und Westfalen wurden au» den Mitteln des Vereins zu«. 1 Zweck der Verloosung unter feine Mitglieder für insgesamnckH 46,000 Mk. Kunstwerke angekauft.

Die von Dr. Heinrich Felbermann in Frankfurt a. SU, 1 Taunusanlagen 18, begründete und hcrausgcgedenc, reichhaltige eng» lffche Wochenschrift:The English Mail hat das erste Jahr ihre» : Bestehens vollendet und sich wahrend dieser Zeit so viel Sympa» 3 thieen in betreffenden Kreisen erworben, daß ihr Fortbestand ge» i Mc" ist während inzwischen eine andere, hier gegründete englisch« - ZeitschriftThe Union eingegangen ist.

Einem Fürsten der Wissenschaft hat die Universität Glasgow am sonntag eine eigenartige Ehrung bereitet: Der berühmte ; Pbhssker Lord Kelvin (Sir William Thompson) feierte fei» Z fünfzigjährige» Jubiläum als Professor an der Glasgower Unioer» . fitat. Am Montag Abend wurde au» diesem Anlaß eine ga« i außerordentliche telegraphische Leistung ausgeführt: E» wurde] nämlich ein tclegrap bischer Glückwunsch der Glasgow« Umveriiiat um die Welt gesandt und schon nach 7 Miaut« Lord Kelvin auSgehändigt. Die Antwort des Jubilar», welch« auf bemielben Wege erfolgte, traf schon nach 4 Minuten ein.

Man schreibt aus London: In St. Martin» Townhall tst eine intcreffanteAusstellung von Allem, was zur Krankcn» pflege gehört, eröffnet worden. Die Verwendung ausgqcichnetcr . Puppenmodelle macht die Ausstellung auch für den Laien lehrreich - und anschaulich. Hier sehen wir z. B. in einem kleinen Bett ein lj^sucs Mädchen tn Behandlung nach einer Tracheotomie mit de» Luftröhren und allen Wertzeugen, die zu dieser Operation gehören, am rechten Platz. Ein andere» Modell steckt im neuesten Eis bad, wieder andere Modelle illustriren die verschiedenen Stadien in d« verschiedensten Operationen re.

Kavrn Ziehhunde Anspruch ans Nachtruhe? So iaciete bie Frage, die das preußische Oberverwaltuugsgericht zu entscheiden hatte. Ein Färberntcister einer rheinischen Stadt nahm für zivei Hunde Steuerfreiheit in Anspruch, da er den einen Hund zur Bewachung seines Grundstücks und den anderen im Gewerbe­betrieb als Ziehhund unbedingt brauche. Der SSürgermeifter er­klärte aber, der Ziehhund könne auch Nachts das Grundstück bc- ioachcn. Der Färbermcister machte dagegen geltend, der Ziehbund müsse seine Nachtruhe haben, um am anderen Tage mit frischer Kraft feine Arbeit wieder aufiiehmen zu können. Gegen die bem Färber- meister günstige Entscheidung des BczirkLausschusses erhob darauf der Bürgermeister Revision beim Oberverwaltungsgericht und bestritt, daß der Ziehhund irgend einen Anspruch auf Nachtruhe habe. Das Obervcrwaltnngsgcricht bestätigte iiidesscu die Vorentscheidung.

Der Zeichenunterricht in der Volksschule ist noch immer etn vlelumstrittcucs Gebiet, obgleich die Sache durch ministerielle Verfügung seit Jahren geregelt ist. Diese letztere, die vor mehr als neun Jahren erlassen, wurde, hatte in unseren städtischen Volks­und Mittclschnleii keine merklichen Aenderungen zur Folge; an anderen Lehranstalten, besonders an höheren Mädchenschulen, ist man von bem vorgcschriebencn frühen Beginn des Zeichnens wieder zurückgekommen, weil bie Erfolge nicht befriedigten. Nichts desto weniger wurde auf die Ministerialverfiigung in den letzten Wochen zurnckgegriffen und der Beginn des Zeichnens wird jetzt auch hier in das zweite Schuljahr gelegt. Wenn nun der Welt noch ein Zeicheugenie verloren geht, bann kann bie Schule ihre Hände in Unschuld waschen und behaupten, daß früh genug begonnen worden ist, um das Gefühl für bildliche Kunst zu wecken und zu Pflegen. Anders, und man darf wohl sagen, nicht unrichtig, fassen die Ettern die Maßregel auf. Es erscheint ihnen bedeukiich, den ohnehin sehr ausgedehnten Unterricht ihrer Kinder nochmals zn erweitern. 26 bis 80 wöchentliche Unterrichtsstunden für 7- bi? 10-jährige Kinder dürfte denn doch des Guten zu viel sein, und es entsteht bei dieser angestrengte» Geistesarbeit eine ernste Gefahr für die körper­liche Eittwicklung. Diese aber kann eine vernünftige Erziehung nicht aus dem Auge lassen, denn die Gesundheit, die körperliche wie die geistige, ist mttf bleibt der Menschheit höchstes und erstrebens- werthestes Gut.

- Das Licht der Zukunft. Großer Aufsehen erregt in den Kreisen der Elektrotechniker Nicola TcSlas Erklärung, daß er seine bekannte wunderbare Lichterzengungs-Meihode in einer Art berbeffert habe, welche vollkommen praktischen Erfolg verbürgt. TeSla selbst gab sich bis jetzt keiner Täuschung darüber hin, daß seine wissenschaftlichen Funde vorläufig noch keine praktische Bedeutung hatten, und seine eifrigen Anhänger waren derselben Meinung ba kommt nun bie Mittheilung, daß der große Erfinder nach 4 Jahren harter Arbeit die Welt mit der Kunde von der praktischen Nutzbarmachung seiner Funde Überrascht. Auch heute glaubt er nicht etwa, daß er schon das Vollendetste erreicht, aber doch, daß er eine durchaus praktische und geschäftlich auszunutzende Methode der Hervorbringung von Licht in luftleeren Glasröhren gefunden habe, welche alle' bis­herigen Methoden übertrifft. Zu dieser Meldung aus Ncw-Pork I schreibt dasB. T.":Halten wir uns ungleich den amerikanischen Blattern an das, was in seinen Worten gesagt ist, nämlich, daß er eine bessere Methode zur Erzeugung von Licht in luftleeren Glas­röhren gesunden hat, al« bisher bekannt war, so wird die Praxis davon dennoch vermuthlich unberührt bleiben. Tesla versetzt den in luftleeren Glaskugeln noch vorhandenen Lichtäther durch un­geheuer rasch wechselnde Ströme in Lichtschwingungen, ohne einen Draht hinznleiten, aber die Kosten der dazu benöthigten Apparate sind sehr bedeutend und der Kraftverbranch sehr hock, während der wichtigste Umstand darin besteht, daß man die Teslaströme fast gar nicht durch Drähte in bie Ferne leiten kann. Niemand zweifelt in- | dessen, daß das Genie des serbischen Erfinders auch diesen Schwierig- | feiten gewachsen fein wird, wenn ihre Ucberwindung überhaupt im I Bereich menschlichen Scharfsinns liegt.

Dav Kchruimmeu ist eine mit deut Baden verbundene l Letbesnbung, bie in ber gegenwärtigen Zeit dringend empfohlen zn | werden verdient. Leider ist uns dasselbe nicht, wie den meisten I Thiercn, angeboren, sondern es muß erlernt werden. Auch ist c« I nicht allgemein zutreffend, daß der menschliche Körper in der Rücken- I läge mit zurückgewandtem Haupte sich ohne Weiteres schwebend I erhält, wenn nur Mund und Nase außer dem Wasser gehalten I werden. Das bringen nur wenige gut geübte Schwimmer fertig. I Die meisten Menschen bedürfen, um nicht uuterzugehen und um I iu einer bestimmten Richtung vorwärts zu gelangen, ber Bewegung I ihrer Gliedmaßen. Diese Bewegungen haben die Menschen dem I Frosche abgelernt; sic sind die leichtesten und wirksanistcn, was man I beobachten kann, wenn man die Schwiminbewegungen des Hundts I uachznahmen versucht. Das Schwimmen auf dem Rücken bietet dem I Schwimmer eine angenehme Abwechselung, kann aber schon deshalb jenes nicht ersetzen, weil es feinen freien Ausblick ans die Wasserfläche gestattet. Das Schwinnneu sollte schon deshalb die sorgsamste Psiege finden, weil cs oft ber einzige Weg ist, das eigene Leben oder das des ge­fährdeten Mitmenschen zu retten. Daneben bildet es eine ans« gezeichnete LeibeSübuiig und eine Kunst, welche das Baden in Flüssen, Teichen und anderen freien Gewässern mtereffnut gestaltet Bedauerlicher Weise ist das Schwimmen, wie auch das Baden im Flusse vernachlässigt worden, seitdem im Mittelalter da? Riltcrthum verfiel und die gelehrte Erziehung in den Vorder­grund gehoben wurde. Große Volkserzieher späterer Zeiten predigten die Rückkehr zur Natur, allein eine merkliche Besserung 1 trat erst etn, als man in militärischen Kreisen auffug, dem I Schwimmen wieder größere Sorgfalt zn Theil werden zu lassen. Doch die verdiente Würdigung hat diese gesunde Körper- 1