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MtMemr Sagblatt

1896

Freitag, den 12. Inni.

BezirkS-Fernfprechcr No. 52.

N-. 270.

Bezirks-Fernsprecher No. 52.

Abend-Ausgabe

(Nachdruck verboten.)

Pariser Sri es.

—, 8. Juni.

Tode seiner zahlreichen Verdienste, die er sich um Frankreich | «worben hat, seiner Uneigennützigkeit und seines konse-

Jnleressiren wird Sie noch, wie man hier die Sympathie­beweise ausgenommen hat, welche Kaiser Wilhelm anläßlich des Todes Jules Simons dem Präsidenten Faure gegen­über ausdrückte. Ich habe ja schon in meinen früheren Briesen erwähnt, daß man hier Ihrem Kaiser nicht mehr so absolut ablehnend gegenübersteht, daß man vielmehr mit sich immer steigerndem Interesse dem Wirken desselben Auf­merksamkeit schenkt. Auch die jetzige sympathische Kund­gebung des Kaisers für Frankreich hat hier in allen ersten Kreisen angenehm berührt. Die kindische Veröffentlichung des gefälschten Telegramms des Kaisers an die Hinter­bliebenen Jules Simons wird in den gebildeten Be­völkerungsschichten stark verurtheilt.

Die Annahme, daß die Patriotenliga der Fälschung nahe stehe, dürfte nicht so ganz von der Hand gewiesen werden. Diese unter dem bekannten Heißsporn Deroulede gegründete Vereinigung, welche den Zweck verfolgte, Elsaß- Lothringen wieder zu erobern, läßt seit ihrer Auflösung im Jahre 1889 nur sehr selten in der Oeffcntlichkeit von sich hören, man wird an ihre Existenz nur erinnert durch ver­einzelt wiederkehrende Bosheiten und Ungezogenheiten, mit denen die große Masse in Frankreich gegen Deutschland auf­gestachelt werden soll. In den seltensten Fällen gelingt das aber noch, und so wird denn auch das neueste Werk der Liga jedenfalls weiter keine Folgen haben. Im Gcgentheil, man kennzeichnet bereits recht deutlich die verwerflichen Mittel, deren man sich bedient, um Unfrieden zwischen Frankreich und Deutschland zu säen.

ein halbes Hundert verschiedener Orchideenarten, von denen etwa 40 Arten in der Umgegend von Jena vorkommen. Ihre Wurzel besteht meist aus einfachen oder handförmig getheiltcn Knollen, die das Salepmehl enthalten und seit den ältesten Zeiten bei dem Volke als Liebesmittcl galten. Die Blüthezeit unserer einheimischen Orchideen beginnt ge­wöhnlich schon im Mai und geht im Juni gu Ende, nur einige wenige Arten blühen bis in den Juli hinein.

Eine der frühesten ist die Wiesen-Orchis oder das gemeine Knabenkraut (Orchis Morio), eine schöne, zuweilen fußhohe Pflanze, die mit ihren bald rosencoth, bald purpur­violett, seltener weiß schimmernden Blumen eine der herr­lichsten Zierden trockener Wiesen ist. Diese Blumen bilden eine Art von Helm, zu dem sich die drei Kelchblätter über die viel kleineren Kronenblättchen schließen, und aus dem, gleich einem breiten, purpurnen Zünglein, die gewölbte, drei- lappig getheilte, gespornte Lippe herabhängt. Die Blümchen sitzen zu sechs bis acht in einer lockeren Traube an dem aufrechten Stengel. Etwas später als die Wiesen-Orchis, nur auf fumpfigen Wiesen, fängt das breilblätterige Knabenkraut (Orchis latifolia) zu blühen an. Es hat vier bis sechs ziem­lich große Blätter, die au dem hohlen Stengel sitzen. Diese Blumen sind tiefroth, auf der Lippe mit mehr. oder weniger dunklen Flecken bedeckt, die auch auf den Blättern unregelmäßig verstreut liegen. Die schöne Pflanze mit der langen Blüthenähre hat eine nahe Verwandte in dem tm Walde blühenden gefleckten Knabenkraut (Orchis maculata), dessen Stengel nicht hohl ist und an deffen Blättern und Blüthen der Schmuck der dunklen Flecken noch zahlreicher vorhanden ist. Das in Norddeutschland seltenere männliche Knabenkraut (Orchis mascula) mit bei lockeren Blüthenähre und den purpur- oder hrllroth gefärbten Blumen, da»

Mit Jules Simon haben wir wieder einen unserer be­deutendsten Staatsmänner verloren, an denen wir wahrlich keinen großen Ucberfluß mehr haben. Trotzdem der Ver­storbene in der letzten Zeit wenig mehr in den Vordergrund getreten war, so erinnert man sich doch jetzt bei seinem

«*. Jahrgang.

Erscheint in zwei Ausgaben. — Bezugs-Preis; 50 Pfennig monatlich für beide Ausgaben zusammen. — Der Bezug kann jederzeit be­gonnen werden.

(Nachdruck verboten.)

Einheimische Orchideen.

Bon Dr. Julins Pasig.

I Zu den interessantesten Pflanzen unserer einheimischen Flora gehören die theils auf Wiesen, theils im Walde - wachsenden Orchideenarten, die zwar an Pracht und Glanz ihren exotischen Verwandten nachstehen, aber immerhin die r Aufmerksamkeit des Naturfreundes mit vollem Rechte ver­dienen. Wer je eine blühende Orchis draußen gefunden hat, ter kann nie vergessen, daß er sie gesehen Hat, sie nie mit einer anderen Blume verwechseln. Sie ist eben ganz anders als das übrige Blüihenvolk; sie sicht sich so an, als wäre sie aus einer anderen Zeit vergessen zurückgeblieben, oder als käme sie aus einem uns fremden Wunderreiche, r aus einem unterirdischen Garten emporgetaucht, um uns von L den Räthseln dort unten zu erzählen und für kurze Zeit mitten unter dem harmlosen Völkchen unserer Wiesen- und Waldbliiinen als fremder Gast zu prangen. Der Reich-

5 chum an Orchideen verleiht einer Flora ihren schönsten 1 und fast feenhaften Schmuck, indem selbst unsere

schlichten Glieder dieser interessanten Pflanzenfamilie reich an wunderlichen Formen ihrer Blüthe und namentlich der Honiglippe sind, welche sich allen möglichen Formen der Thicrwclt angepaßt hat und so Insekten, Fliegen, S3unen, | Spinnen ja selbst die menschliche Gestalt nachahmt. Die einzelnen Blumen stehen gewöhnlich in Aehren oder lockeren Trauben, und an ihnen sind zunächst drei äußere Blumen­blätter zu unterscheiden, die häufig zu einer Art Helm oder Haube zusammengeneigt sind. Vos den drei inneren, mit jenen abwechselnden Blumenblättern sind zwei häufig den äußeren ähnlich und im Helm mit eingeschloffen, das dritte

' auciiten Verhaltens bei jeder Gelegenheit. Sie in Deutsch­land haben ja Jules Simon im Jahre 1870 kennen gc- (ernt als er als Delegirter Frankreichs au der von Kaiser | Wilhelm veranlaßten internationalen Arbcitcrschutzkonferenz

u, Berlin Theil nahm und von Ihrem Monarchen in I io ehrenvoller Weise ausgezeichnet wurde. Ebenso be­kannt ist Ihnen ja, daß er dieser Auszeichnung wegen hier in Frankreich manche Anfeindungen zu erdulden hatte. Aber dabei zeigte sich gerade der felsenfeste Charakter Jules Simons, der stets nach den ihm vorschwebenden Grund- ■■ fltzm handelte, gleichviel, ob er damit anstieß und Miß­gunst erregte ober nicht. Ich habe schon oben gesagt, daß Frankreich nicht mehr allzu viele Männer vom Schlage Simons hat. Das sehen wir an den mancherlei Schwankungen, denen unsere ganze Regierungsmaschine aus­gesetzt ist, besonders an den Wandlungen, die man Mada- gascar gegenüber durchgemacht hat. Es giebt hier eine ganze Reihe von Politikern, welche mit der Annexion der Insel gar nicht einverstanden sind, es vielmehr lieber bei einem Protektorate bewenden ließen. Man fragt sich mit Recht, ob diese Besitzergreifung nicht ansteckend wirken wird auf andere Mächte, z. B. auf England bezüglich Egyptens. Hierbei möchte ich noch erwähnen, daß man sich vielfach der Hoffnung hingab, sofort nach der Czarenkröiiung werde eine Aufrollung der egyptstchen Frage erfolgen. Man erwartet mit Gespanntheit, wie sich die russische Regierung in dieser Sache stellt, und zeigt sich bereits etwas enttäuscht, daß noch gar keine Andeutung aus Petersburg gekommen ist' betreffs einer zu ergreifenden Initiative. Die Czareukrönung hat überhaupt hier die Er- ' Nüchterung bezüglich unseres Verhältnisses zu Frankreich sehr zu fördern vermocht. Die Schwärmerei für den öst­lichen Freund und Verbündeten hat ganz erheblich nach- gelaffen und wird nur noch künstlich aufrecht erhalten. Wenn in unserer Presse immer wieder auf den warmen Empfang hingewiesen wird, welchen General Boisdeffre und die übrigen Mitglieder der französischen Deputation beim Czarrnpaare und dem russischen Volke gefunden, so muß betont werden, daß solche Meldungen von Neuem in die Presse lancirt werden, um die Liebe zu Rußland wieder aufzufrischen, die in den breiten Schichten der französischen Bevölkerung nicht mehr allzu warm ist. Das hat sich noch kürzlich bei der projektieren Sammlung für die Opfer der MoÄauer Katastrophe gezeigt, für welche mächtig ins Horn geblasen wurde, die aber ziemlich kläglich verlief. Alan fängt schon an, dem russischen Freunde gegenüber den Geld­beutel zugeknöpfter zu halten.

da, wo Unterdrückung der Schwachen durch die Starken oder soustige Mißstände vorlägen. Redner empfieblt seinen Antrag, während er den Antrag Hitze-Stumm als nnamiehmbar bezeichnet. Letzterer sei nur erträglich, wenn das Zusatz-Amendement Placke angenommen würde. — Abg. Vogt Herr (Soz.) bemerkt, das vor­liegende Gesetz sei wieder ein solches, das nach Gunst und Willkür ausgesührt werde. Schon ein Blick auf die vielen vorliegenden AbänderungSanträge zeige, wie viel Unklarheiten und wie viel verschiedene Auffassungen herrschten. Redner kommt hierauf auf die kürzliche Rede des Abg. Prinzen Hohenlohe zn sprechen, wobei er meint, was nütze die schöne Rede vom Sohne des Reichs­kanzlers, wenn dieser selbst auf anderen Wegen wandele! Wichtiger wäre es, die Scharsmache-Politik des Abg. v. Stumm in ihrer Wirkung aus die praktische Politik zu untersuchen. In seinen weiteren AuS- sührnngen verwirft Redner alle Abänderungsanträge. — Abg. Frhr. v. Stumni wendet sich in längerer Rede gegen die Aenßernngen des Abg Richter und bezeichnet es sodann als eine Pflicht des Reichstags, nach den Versprechungen, die man Jahre lang dem Mittelstände gegeben, aus diesem Gebiet Wandel zu schaffen. — Abg. Lenzmann (freis. Volksp.) warnt vor Ueberhastnug und Ueberstürzmig, mit der hier fortgesetzt Abbröckelungen an der Gewerbesreiheit vorgenommen würden. Er findet es als bezeichnend, daß diese Versuche jetzt gerade in die Zeit der großen Hitze fallen. (Heiterkeit.) Was die Petitionen aubelange, so sei der Unter­schied zwischen Freisinnigen und Konservativen der, daß letztere nur Namen tragen von Leuten, die zur Unterschrift einfach kommandirt seien. Es müsse endlich einmal ein Einhalt geboten werden, daß Alles unter Polizei-Aufsicht gestellt wird. Man kann sich nicht wundern, daß die Süddeutschen von dem preußischen Polizeistaat nichts wissen wollen und daß sie aus den Ausspruch des bayrischen Prinzen, der mir völlig werthlos erscheint, et» ge­wisses Gewicht vom vartikiilaristischen Standpunkt aus legen. Die Detail-Reisenden haben jetzt ihre Legilimationskarten und sind nicht solchen Polizeichikaiien unterworfen wie die Hausirer; die Gleich- stelliiiig beider Klassen ist eine Rückkehr zu mittelalterlichen äustäiiden, deren Herrlichkeit wir allerdings nicht verstehen sollen.

Senn man die Reisenden in jeder Gemeinde besonders besteuert, dann kommt maii schließlich auch dazu, die Waaren aus den anderen Gemeinden zn besteuern; dann kommt mau zu mittelalterlichen Zwangs- und Vannrechten und zn der strengen Kontrolle an den Thoren. Herr v. Bötticher ist ja nicht sehr erbaut von der Sache; er meint, es handle sich um einen Majoritätsbeschluß des Reichs­tags, dem die Regierung nachgeben muß. Ich wünschte, daß die Regierung auch auf anderen Gebieten die Wunsche des Reichstags respektirte; sonst merkt man sehr , wenig von der Rücksicht auf das Parlament. Ist es nicht rücksichtslos, wenn die Regierung nm eines einzigen Gesetzes willen, das erst in 4 Jahren in Kraft tritt, uns in den Sommermonate» so lange hier sitzen läßt zu einer Zeit, wo man in Berlin kaum Obdach finden kann? (Widerspruch rechts.) Weshalb haben die Verbündeten Regierungen nicht den einstimmigen Beschluß des Reichstags in per Dnellsrage erfüllt? Auch die Reform des Wahlgesetzes wird seit Langem von der Mehrheit des Reichstags gewünscht, und doch thut ihr die Regiernng nicht den Gefallen. Vor Ostern sprach man voN dem Schatz des kaufenden Publikums, heute spricht malt von dem Schutz des Mittelstatides und des seßhaften Kattsiuauns, aber derSchutz erfolgt nicht auf Kosten der höheren Klassen; die Bestinimuiige», die dahin führen mürben, sind wohlweislich vermieden. (Präfidenl v Bu o l bittet den Redner, nicht in die Generaldebatte zurück- züfallett.) Todtgeschlagett werden ja die Detail-Reisenden nicht, aber vernichtet wird die Existenz der Hausirer unter 25 Jahre», und di« ganze» Detail-Reisenden werden ebenso wie die Hausirer zu politisch abhängigen Meufcbe». Herr v. Stumni meinte, daß die Invaliden der Arbeit zu kleinen Kaufleuten würden; diese Leute werden eher Hausirer. Detail-Reisende verfügen nicht über das Kapital, nm Kauf- feilte zu werden. Redner erklärt sich gegen den Antrag Hitze-stumm und auch gegen den Antrag Hasse, der immer noch für gewisse Gewerbe die Gefahr mit sich bringt, daß sie unter Polizei-Aufsicht gestellt werde». Die Furcht davor wird ein Daruiederliegen des betreffenden Gewerbezweiqes mit sich bringen. Wir werden gegen alle Anträge »üb gegen die Beschlüsse zweiter Lesniig stimmen; für fcen Fall der Annahme eines Antrags, namentlich des Antrags Haffe, werden wir für den zllsammeufafsenden Antrag Richter stimmen, um die Besugniffe des Bundesraths wenigste»» einigermaßeu einzuschränken. Lassen Sie den Artikel 8 fallen, dann ist die übrige Vorlage noch reaktionär genug, um die

Artzeigett-PktiS r

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Deutscher Reichstag.

O Kerli», 11. Juni.

Am Tische des Viindesraths: v. Bötticher. Die dritte Be- rathiing des Gesetzentwurfs, betr.'Abäiidernng der Gewerbe-Ordnung, wird fortgesetzt. Zinn Artikel 8, der das Verbot des Detailreiiens enthält, liegt von der freisinnigen Seite der Antrag vor, denselben ganz zu streichen. Wenn dies aber nicht geschieht, daun solle» die gestatteten Ansnahmen vermehrt werden. Nach den Beschlüssen zweiter Lefnng sind ausgenommen die Druck|ehrlstel> und Bild­werke und die Gegenstände der Leinen- inid Wäschesabrikauon; dem Bundesrath ist ferner die Besugniß ertheilt, für andere Maaren, Gegenden ober Gruppen von Gewerbetreibenden weitere Ausnahmen zuziilassen. Die Anträge gehen dahin, das Detailreifen weiterhin zuzulasfen für Gegenstände der Textil-Jndustrie und BcileivungS- stiicke aller Art (Antrag 31 nefer, freis. Volksp.), für laudwnth- schasttiche Maschine» (Bassermann, nat.-Iib.) für Wem, Cigarre» und andere Tabaksfabrikate (Pachuicke, frei,'. Ver.), Mmikinstrnmcnte, Gegenstände der Möbelfabrikation und der Bautischlerei (Lenzmaun, freif. Volksp.), Gegenstände der Zimmer-Ausstattung (Casselnmmi, freif. Volksp.), Baumaterialien (Fischbeck, freif. Volksp.), endlich Näh­maschine» und Fahrräder (Ancker, freis. Volksp.).- Em Antrag Fischbeck will bestimme», daß unter Gewerbebetrieb im Sinne der Be- ftiinnuiiiflen auch der Betrieb der Landwirthschaft zu verstehe» sein soll Eine Milderung der Bestimmuiigen unter Aufrechterhaltung des allgemeinen Grundsatzes ist von zwei Seiten beabsichtigt. — Abg. Hitze (Centr.) führt aus: Unser Antrag stellt sich als em Kompromiß-Antrag dar, welcher zwischen den entgegensteheiiden Ansichten vermitteln will. Auf Ersuche» soll em Detail-Reisender Bestellungen aufsuchen könne». Dadurch wird es allerdings diesen Reisenden schwer, neue Kundschast zu erwerben und sich neu zu eiauliren. Aber wir wollen eben den Stand der Detail-Reiseuden em wemg auf den Aussterbe-Etat fetzen, jedoch den noch vorhandenen Detail- Reisenden schonen, auch in seinem Ehrgefühl, wen» er etwa das Loien eines Wandergewerbescheines, wie wir ihn Vorschlägen, als etwas Unehrendes ansehen sollte. Unser Antrag kommt den bestehenden Verhältnissen zur Genüge entgegen. (Beifall mi .Centrum.) — Abg. Hasse (nat.-lib.) betont, feine Partei sei prinzipiell gegen die Einschränkung der Gewerbesreiheit und wolle Beschrankimgeu nur

aber, die Lippe, hängt mit aus dem Helm heraus, erfährt die wunderbarsten Umwandlungen in Form und Zeichnung und bedingt recht eigentlich die Mannigfalligkeit der Ge­stalten in dieser Familie.

Aber auch die inneren Theile der Blüthe sind wunderlich gebildet und ihre Staubbeutel weichen von dem der übrigen Pflanzen auf ganz eigenthümliche Weise ab. Es liegen nämlich ein oder zwei keulenförmige Körperchen, welche ans einer Anhäufung wachsartiger Pollenmassen bestehen, in zwei sich zur Bestäubungszeit öffnenden Höhlen eines fleischigen Körpers im Mittelpunkt der Blüthe. Dieser Körper kann als der Staubbeutel angesehen werden, aus welchem die Pollen in zusammenhängenden Mafien austreten. _ Die Orchideenblüthe ist auch in dieser Beziehung ein rathsel- haftes Ding. Man sucht auf den ersten Augenblick dann umsonst nach Befruchtungstheilen, und bei Dielen fragt man sich ob man die Blätter, welche die Blutheu bilden, für' Blumenblätter ober für Kelchblätter halten solle. Der dicke fast stets etwas gedrehte Blumenstiel ist mehr als dies, er ist der Fruchtknoten, der an seiner Spitze die übrigen Blütheutheile trägt. Zu ihrer Befruchtuiig bedur en die Pollen fremder Mithülfe, und diesen Dienst leisten allerlei Insekten, welche, durch die bizarren Formen an- gelockr, herbeieilen, um den reichlich vorhandenen Honig zu genießen. Dieser liegt tief im Innern der Blutheu. Will nun irgend ein Insekt an dem saftigen Inhalt schmausen, so kleben sich die beiden Polleniuassen wie zwei Hörner auf feinen Kopf, und es wandert, oft mit einer ganzen Anzahl solcher Hörner versehen, zu anderen Blüthen, auf deren fiebriger Narbe es die Pollen abstreift und so die Blüthe ^Jn^ Deutschland und Oesterreich finden sich mehr als

Verlag: Lauggasse 27

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