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s. JttlN 1896. Sette 8

WieSba-ener Tagblatt <AbenV-AnSgabe). «erlag: «anggafse S7

aus

i Die heutige Abend-Ausgabe umfaßt 6 Kette«.

(!) Dotzheim, 8. Juni. Zum Besten der hiesigen, im Bau be­findlichen Klei nkindcrschule soll eine Berloosung von zwer- hundert Handarbeiten, Gebrauchsgegenständen, Büchern rc. im Werthe von ca. 340 Mk. veranstaltet werden. Der Vertrieb der Loose, der in Dotzheim und Umgegend gestattet ist, bat in diesen Tagen be- goiiucn. Die Verloosung selbst findet im Laufe des Monats Juli unter Aufsicht der hiesigen Ortspolizeibehörde statt. Von dem Neiugewinn soll die innere Ausstattung des neuen Schulgebäudes beschafft werden.

△ Königstein, 8.Juni. Di- Großherzogin von Luxem­burg wird morgen hier eintreffen und bis zum 24. Juli, dem Geburtstag des Grobherzogs, hier Aufenthalt nehmen. — Da sich das Bedürfniß einer höheren Schule mehr und mehr hier fühl­bar macht, so ist der Kandidat der Philologie Herr Kretzer von hier bei der König!. Negierung um die Genehmigung zur Gründung einer solchen enigekommen. Man darf wohl aunchmen, daß diesem Gesuche willfahrt werden wird.

* Limburg, 8. Juni. Dem Herrn Kaplan Fuchs an der Liebfrauenkirchc zu Frankfurt ist aus Präsentation des Herrn Grafen von Walderdorff die durch Ernennung des Herrn Pfarrers Kunst zum Frühmesier in Raucnthal frei gewordene Pfarrei Berod verliehen, Herr Kaplan Kochem von Nastätten als Kaplan an die Liebfraueukirche zu Frankfurt, Herr Kaplan Arndts von Hattenheim nach Nastätten, Herr Kaplan Haas von Niederbrechen nach Hattenheiin, Herr Kaplan Fischer von Schwanheim nach Münster und Herr Kaplan Wagner von Münster nach Schwan­heim versetzt worden. (Nass. B.)

* Komburg, 8. Juni. Bei einem Samstag Nacht in Kirdorf ausgebrochencn doppelten Scheuneubrand ist der 56 Jahre alte Arbeiter Wehrheim, der in einer der Scheunen übernachtete, erstickt und verbrannt.

* Mainz, 8. Jnni. Bei der Vorstellling des Hnsaren-Negiments Nr. 13 auf dem Sandbruch vor dem konimaudireuden General v. Wittich kam Li-utcuant v. V i enck c an eincniHinderniß zu Fall und zog sich einen Beinbruch zu.

gtö. 264. 44. Jahrgang

Achte Nachrichten

Hon tin ent al • X eie g ta |>6en. tt on'Dagnlt.

gtvJir, 9. Juni. Die „Vossische Zeitung" meldet Schneidemühl: Die hiesige Strafkammer v crur theilte den Bahuschaffner Oscar Paris, der den Bahn Unfall vom 20. April bei Rosca verschuldete, bei welchem 4 Menschen gelobtet wurden, zu 4 Monaten Gefäuguiß. — Die Morgenblätter melden aus Pest: Bei dem gestrigen Festzug ereigneten sich verschiedene Unfälle: 9 Personen wurden von einer von einem Balkon am Franz Josef-Onai abgetreunteu Eiseiistangc getroffen, wodurch 2 ge- tödtet und 7 verwundet wurden. Mehrere Reiter stürzieii im Banderium, wobei der Oberanwalt von Eisenburg schwer verletzt

Werke mit ihrem Phautasieeiiflug, ihrer nnregenbeii Geistreichigkeit liest, dem mag es oft Vorkommen, als wenn er sich in einen an Zauberklängen reichen Wald begeben hätte. Wir müssen uns den Philosophen in Italien oder in den Alpen auf seinen einsamen Wanderungen denken, wo ihn seine Ideen befallen, die er zunächst in abgerissenen Sätzen zu Papier briugt, nm diese erst später zu stilisiren. „Ich toreibe nicht mit der Hand allein, mein Fuß will stets mein Schreiber sein", sagte er selbst einmal. Wenn wir sein „Also sprach Zarathustra!" lesen, so ist es uns, als gingen wir spazieren: Bäume, Sonucuschein, trübe Wolken, geheimnißvollc Wandlerer, Nachtwind und Sterne erblicken wir mit unserem geistigen Auge. Nietzsche war auch ein seiner Musikkenner, wie ja seine Werke über seinen Freund Richard Wagner beweisen. Nietzsche hat selbst hübsche Kompositionen geschaffen, er mußte aber diese Thätigkeit wegen seines Kopsteideus aufgeben. Des­

halb scheint er auch in der Sprache das sagen zu wollen, was ihm in Tönen auszudrücken versagt war, d. h. nüchterne Ge­danken in Musik umzusetzeu. Nietzsche schwelgt förmlich in über­schwenglichen Worten, wie z. B. „lieberglück", „Uebermensch", „uber- selig" 2C. Man findet solche Worte auch bei Goethe, aber doch in weit geringerem Maße, als bei unserem Philosophen. Nietzsche ist der philologische Philosoph im Gegensatz zu den naturwisseuschastlich- mathematischen Philosophen. Durch seine philologischen Betrach­tungen kam er ost zu den geistreichsten Gedanken und Worten, so fand er z. B. oder erfand er zu dem Worte „Leidenschaften" — Frendeuschaften", zu dem Worte „Vaterland" — .Kinderland" rc.

Was Nietzsche heute als Wahrheit erkannte, das wandelte er morgen j„ das Gegentheil nm. Er vergleicht sich mit einem Ringer, der zu olt sich selbst bezwungen, zu oft sich gegen seine eigene Kraft gestemmt. „Wir würden uns für unsere Meinung nicht verbrennen laffen, wir sind ihrer nicht so sicher, aber vielleicht dafür, daß wir unsere Meinung haben dürfen und — ändern dürfen", sagt er. Nietzsche will nichts wissen von einem abgeschlossenen Gedanken. Es giebt keinen Denker, der so systematisch an seinen eigenen Sätzen gezweifelt, wie Nietzsche. Er lacht sowohl über Diejenigen, welche gläubig nachbeteu, was er behauptet (Nietzscheaner), als auch über Diejenigen, die sich zu einer feierlichen Widerlegung seiner Gedanken emporraffem Was zwingt uns überhaupt zu der Annahme, daß es einen wesenhasten Gegensatz von wahr und falsch gäbe, genügt es nicht, Stufen der Scheinbarkeit anzunehmen? Wenn bei große Deuker die Menschen verachtet, so verachtet er ihre Faulheit. Die große Allgemeinheit bezeichnet er, wie Schopenhauer, als die „Fabrikwaare" der Natur. Der Sozialismus betrachtet die Menschen als gleich-

wurde.

Lemberg, 9. Juni. In Delatyu sind gestern 50 Häuser abgebrannt, darunter zwei Hotels.

Madrid, 9. Juni. In der Kammer erklärte der Fiuauz- miuister, die Regierung werde energisch gegen die Urheber des Attentats in Barcelona vorgehen. Die Kannn-r nahm einen Antrag an, worin die Empörung über die Urheber des Attentats und das Mitgefühl mit den Opfern ausgedrückt wird.

Karcelona, 9. Juni. Unter den bei der Explosion in der Straße Nncvos Cambios verwundeten Personen befinden sich ein Journalist und mehrere Soldaten. 2 Kinder und 3 Arbeiter, welche bei der Explosion verwundet wurden, sind gestorben. Zahlreiche ausländische Anarchisten, welche namentlich in den Vorstädten wohnen, werden streng überwacht.

Konstantinopel, 9. Juni. Vorgestern wurden die Schwester und Nichte des Dragomaus der serbischen Gesandtschaft, Terkhan, auf dem Wege zum Badeort Jalova, zwei Stauden vom Marmara- Meer, von einer Räuberbande überfallen. Der Mann, der die Damen begleitete, wurde gelobtet und die erste genannte Dame mit dem Austrage zurückgesandt, binnen 4 Tagen ein Löse­geld von 1000 Pfund zu erlegen. Die Pforte hat sofort die nöthigen Maßregeln angeorduet.

Konstantinopel, 9. Juni. Ein kleiner Dampfer der deutschen Botschaft, mit dem Botschafter und den Herren und Damen Der Botschaft au Bord, stieß auf der Fahrt von Therapia bei Dolnia-Baghtsche infolge Versagung des Steuers mit einem Segelschiff zusammen und erlitt starke Havarie. Sämmt- liche Insassen wurden gerettet; ein Matrose wurde verwundet.

Kraß, 9. Juni. (Reutermeldung.) Die Neber lebenden der französischen in der Landschaft Borgn ausgeriebenen Expedition, Hauptman Toutöe, 2 andere Europäer, 60 Ein­geborene und 120 Träger, befinden sich auf dem Wege «ach Lagos.

Depejchenbüreau Herold.

Krrlin, 9. Juni. Dem ehemaligen Rechtsanwalt Fried­mann wurde in diesen Tagen im llntersuchnugsgesängniß das Erkeiiulniß des EhreugerichtShofeS zu Leipzig eingehändigt, durch welches bekanntlich seine Ausschließung ans dem Rechtsanwaltsstand erfolgt Es wird bestätigt, daß Friedmann bereits seit mehreren Tagen im Besitz der Anklageschrift ist und daß die Sache bald spruchreif fein Dürfte. — Der Hauptzeuge im Prozesse Friedmann, Schneidermeister Berger, hat bisher keine Vorladung von dem

sittlicher Verworfenheit. Wie so oft, scheint auch hier die Wahrheit in der Mitte zu liegen. In Nietzsches Werken ist die tiefsinnigste Weisheit unb — Narrheit miteinander organisch verbunden. 3n einem Punkte aber dürften sich vielleicht Freunde wie Gegner des Philosophen vereinigen, nämlich darin, daß Nietzsche neben Schopenhauer der hervorragendste Stilist unter den Philofophen ist. — Nietzsche, der Sohn eines protestantischen Predigers, ftnbirte, nachbem er ein Gyuiuasinm absolvirt hatte, klassische Philologie. Nietzsche wurde von den Gelehrten seines Faches derart geschätzt, daß er, noch ehe er zuui Doktor promovirt war, als Lehrer zur Unibcrfitnt Bafel berufen wurde, wo er es in seltener Weise verstaub, seine Schüler zu fesseln und geistig an« iuregen. Im Jahre 1870 machte er den Feldzug als freiwilliger Krankenträger mit. Um diese Zeit wurde er von einem Kopsleiden desallen, das sich in periodisch auftretenden Schmerzen äußerte. 1878 war er Derartig köpf- und augenkrank, daß er seine Lehrthätigkeit eiustellen mußte. Er ging nach Italien, aber

auch dort wurde fein Zustand nicht bester. Im Herbst 1882, »achdem seine Philosophie bereits leuchtende Werke geschaffen batte, faßte Nietzsche Den merkwürdige» Entschluß, 10 Jahre sll-r fchriftstellerifchen Thätigkeit zu euffagen, um dadurch feine mystische Philosophie auf ihre Grundlage prüfen zu können. ®r hat aber erfreulicher Weise diesen Entschluß nicht ausgesührt, wildern umso mehr auf litterarischein Gebiet geleistet unb großartige Werke gefchaffen, bis er int Jahre 1889 in geistige Umnachtung ver­fiel unb der Obhut des Professors Binzwanger in Jena üder- Een werden mußte. Nietzsche war schon immer ein etwas be« berS veranlagter Mensch gewesen, dem das Abseitsstehen vom Weltgetriebe, das Alleinsein, das Liebste war. Von großem Duflufe auf Nietzsches Benehmen war seine Krankheit. Daß auch der Wahnsinn auf seine litterarischen Produktionen ^»gewirkt hat, ist ein Verdacht, den man nicht von der Hand weisen kann. Den Anhängern Lombrosos, der bekanntlich ttne Verwandtschaft von Genie und Irrsinn fonftatirte, ist allerdings diese Thatsache Master auf die Mühle. BemerkenSwerth ist, daß Nietzsche Alles, was er schrieb, aus seiner Eigenart hervorgebracht, Wit feinem Herzblute geschrieben hat. Er sagt auch einmal in einem feiner Werke: „Von allem Geschriebenen liebe ich nur das, was einer mit seinem Herzblute geschrieben hat." Man kann Nietzsche als einen neuen Religionsstister bezeichnen, denn er hat Ansätze zu «ticr neuen Glaubensreligion geschaffen. Nietzsche hat meistens mit dem Herzen gedacht, dabei hat er aber Zeiten gehabt, wo ihm vas nüchterne Denken über Alles ging. Wer Nietzsches

Aus Ktadt und Land.

Wiesbaden, 9. Juni.

— Personal-Nachrichten. Se. Excellenz Herr General- vjeutcnant z. D. v. Lenke hat nun ebenfalls unsere Stadt zum dauernden Wohnort gewählt und die Villa des Herrn Gäfgen, «lwinenstraße 18, gemiethet, in welche derselbe mit seiner Schwester Freifrau 6. Kayserlmgk, Schwiegermutter des Herrn Baron Ludwig » Knoop, in einigen Tagen einzuziehen gedenkt. Die schöne Lage dki Dortigen Gegend, die reine Luft und die herrliche Fernsicht auf 5, Stadt und Umgebung finden immer mehr Beachtung Seitens der zuziehenden Fremden.

— Königliche Schauspiele. Die formellen Eiuladungen »nm Abonnement für die Saison 1896/97 werden znm 1. August d.J. ergehen. Eine weitere Ausdehnung des jetzigen Abonnements kann -gier keinen Umständen erfolgen; die Neuabonniriingen müssen deut­sch auf die Ergänzung ausscheidender Abonnenten beschränkt bleiben, dagegen bleiben den jetzigen Inhabern von Abonnemeutsplätzen die- sklden bis Samstag, den 8. August er., referbirt. Nach Ablauf dieser ‘Trift für die eventuelle Erneuerung des Abonnemeuts wird Seitens £r Königlichen Intendantur über diese Plätze anderweit verfügt «erden. Es wird hierbei noch ganz besonders darauf ausiueiksam «macht, daß den jetzigen Abonnenten nur ihre seitherigen AdonnewentSplätze in gleicher Serie bis zum 8. August er. referbirt Meiben. Wünschen die betreffenden Abonueuten Platz oder Serie ,u wechseln, so muff en dieselben als neue Abonnenten behandelt werben und verlieren mit dem 8. August er. resp. dem Tage der ilbonnementsbestellung das Vorrecht auf den seitherigen Abounemeuts- Mtz. Abonnemeuts für Aufbewahrung Der Garderobe werden nicht mehr ansgegeben.

— Gkmerbeschule. Die in der Gewerbeschule im letzten ^chiiliahre angcfertigtcii Knaben-Handarbeiten werden, nach­dem die Ausstellung nunmehr beendet ist, am Mittwoch, den 10. Juni, Nachmittags 4 Uhr, an die Schüler verabfolgt.

— Unteroffizier-Vorschule Weilburg. Gestern Nach­mittag kam eine Abtheilung der Untcrosfizier-Lorschule Weilburg, welche sich auf einem Uebungsmarsche befindet, mit Musik hier an. Um '/«3 Uhr rückte dieselbe nach Biebrich ab, wo sie Nachts in bet Kaserne untergebradjt wurde. Die Abtheilnug bestand aus 5 Offizieren, 7 Unteroffizieren und 123 Zöglingen. Heute früh, 7'/- Ühr, erfolgte die Fortsetzung des Marsches durch den Rheiugau nach Oestrich, dann morgen nach Besuch des Niederwald-Denkmals Die Rückkehr nach Weilburg, tljeils zu Fuß und theils mit Der Eisenbahn.

— Glue Konferenz der KonfeKtionvschneider vou Hessen, Hessen-Nassau, der Pfalz und Uuterfranten sand am Sonntag in Frankfurt a. M. statt. Anwesend waren ca. 30 Personen, darunter Delegirte von Friedberg, Ludwigshafen, Mainz, Höchst, Biugen, Hochstadt, Hanau, Speyer, Würzburg, Darmstadt, Wiesbaden, Mannheim und Aschaffenburg. Die Delegirtcu schilderten die Ver- hättniffe in ihren Distrikten als größteutheils entsetzliche und gaben Beispiele von der Ausbeutung der Landschneider. Schließlich wurde beschlossen, am 5. und 6. Juli, wo es angängig ist, Versammlungen auf dem Lande abzuhalten, wo nicht, Flugblätter zu vertheileu. Sodann kam nachstehende Resolution zur einstimmigen Annahme: „Die heutige Konferenz der Schneider von Hessen, Hessen-Nassau, der Pfalz und Uuterfranten zu Frankfurt a. M. erkannte nach An­hörung der Debatte an, daß eine allgemeine Lohnansbesserung in der Konfektion unbedingt nothwendig ist. Die Konferenz verpflichtet alle Kollegen an denjenigen Orten, wo Konfektionsgeschäfte vor­handen sind, sofort Lohnkoiumisstonen zn wählen, soweit diese noch nicht bestehen. Am 15. Juli sind die ausgestellte» Forderungen den Unternehmern zu unterbreiten. Werden die Forderungen jedoch ab« gelehnt, bann sind die bestehenden Gewerbegerichte als Eiiiignngs- amttr anzurufen. Vor alle» Dingen ist Darauf zu sehen, Daß Die Tarife öffentlich in den Geschäftslokalen auszichäugen sind. Ferner verpflichtet die Konferenz alle Konfektionsschneider, sich der Orgaui- fation anzufchließen. Die Konferenz beschließt die Fordernug, betr. Einführung von Betriebswerkstätten, Hochzuhalte», jedoch verbleibt die praktische Durchfiihruug den einzelnen Orten."

— Mittelrheinifcher Grnossenschaftotag. Am 20. und 21. Juni tagt in Bockenheini der Verband der Erwerbs- unb WirthschastSgenossenschaften am Mittelrhein, einer der 32 Unter« verbände des von Schulze-Delitzsch gegründeten Allgemeinen deutschen EenossenschaftSverbaudeS. Dem Mittelrheinverband gehöre» z. B. 74 Genossenschaften (davon 69 Kreditgenossenschaften) mit zusammen annähernd 50,000 Mitglieder an. Die Versammlungen finden im Forellschen Saale am Samstag, 20. Juni, Nachmittags 4 Uhr, und am Sonntag, 21. Juni, Vormittags 9 Uhr, statt. Für Unter­haltung Der Gäste in Der freien Zeit sorgt Die Veranstaltung eines Gartenfestes unter Mitwirkung Des GesangoereiuS „Licderkranz", der Bockenheimer Turngenteindc unb bet Husarenkapelle. Am Sonntag giebt es ein Festmahl.

— Ei« b-dauerlicher Ungliicksfall hat am Samstag Abend eine Wiesbadener Radfahrerin betroffen. Dieselbe fuhr auf Der Kasteler Chaussee nach der Kurve zn, als ans dem Viadukt der Rheinbahn (Straße von Eibeiiheim) ein Biebricher Chaisensuhrlverk hm. Beide Theile vermochten nicht niehr einander auszuweicheii, und so fuhr die Radlerin direkt in das Fuhrwerk, fiel vorn Rad und kam mit dem einen Bein unter den Wagen, sodaß ihr beide Räder darüber gingen. Ihr männlicher Begleiter sowie andere Vorüber- Nhende nahmen sich sofort der Verunglückten an unb beförderten die­selbe in das Krankenhaus zu Biebrich, wo ihr bet erste Verbaub an­gelegt wurde. Noch am selben Abend wurde sie Hierher überführt.

werthig. Für Nietzsche ist die Gesammtheit der Dünger, aus dem sich die herrliche Blume des Genies entwickelt (trotzdem halt er die allgemeine Menschenliebe als die höchste Bethätiguug des Charakters), und im Verfolg dieses Gedankens hat er auch feine „Herren- Moral" und seine „Sklaven-Moral" geschaffen. Nach der Herren- Moral ist Kühnheit, Rücksichtslosigkeit, Zorn. Raublust das Vorrecht der Großen, während die Bethätigimg der Nächstenliebe, Barmherzig­keit Duldsamkeit der „Fabrikwaare" der Natur zukommt. Aber erst in seiner letzten Periode gelangte Nietzsche zu seiner Herren- Moral vorher dachte er ganz anders, das mögen vor Allem die beachten, die Nietzsche als moralisch-wahnsinnige, sittlich-verworfene Natur hiustellen. Mit Nietzsches Satz: „Der Mensch ist etwas, das überwuiiben werden muß", kommen wir auf die Idee des Ueber» Menschen. Eine Grundlage dieser Idee ist die Darwinsche Desceubeii,-Theorie, die Verlängerung der DeSceudeuz in die fernste Zukunft. Wie der Mensch aus dem Thier, so wird

sich der Uebermensch erst aus dem Menschen entwickeln. Im Verbältniß zum Uebermensche», desicn Beschaffenheit wir kaum zu ahnen vermögen, ist jeder Mensch nur ein Thier. Nach­dem Der Mensch die höchste menschliche Stufe, die Herren-Moral, erreicht hat, wird sein Egoismus, feine Starke, feine Unzufriedenheit das Streben nach ettvas Höherem entwickel», und so wird der Ucber- mculch entstehen, der stark aber nicht roh, milde aber nicht knechtisch fein wird. Der llebermenfd) wird nicht die Züge eines Nero tragen, er wird vielmehr das Gegentheil eines Uumenschen sein. Redner sprach zum Schluß den Gedanken aus, daß das System Nietzsches wohl zu widerlegen fein wird, daß die Persönlichkeit des großen Philosophen aber nie tobt zu machen ist. — Der von einem gewählten Publikum (darunter auch mehrere Damen) sehr zahlreich besucht- Vortrag fand reichen Beifall. — Nach Beendigung desselben meldete sich zunächst Herr Dr. Vierte zum Wort,um des Näheren auszuführen, daß der Redner Nietzsche im Allgemeinen zn milde behandelt habe, der Philosoph habe eben zeitlebens an „Widerspruchs-Wahnsinn" ge­litten unb es sei zu bebauem, baß er einen so großen Einfluß "‘ die Philosophie gewonnen habe. — Herr Professor Schuster stn Herrn Dr. Mcrte in der Hinsicht bei, daß Redner bett Philosof in etwas zn günstigem Lichte gezeigt habe. Es c"‘" ” habe Nietzsche als Philosoph doch wohl ni Dr. Wille sucht besonders die Ausführungen zu toiberkflen, worauf dieser noch Einiges VorhergesaAen anführt. Gegen UV« Uhr st des „Freidenker-Vereins," Herr Hoch, die Df

Geldmarkt.

Coursbericht der Frankfurter Börse vom 9. Juni, Mittags 12V« Uhr. Credit-Act. 301'/«—°/-, DiScouto-Commandit- Antheilc 210.70, Italiener 87.90, Staatsbahn-Actieii 310'/«—309'/-, Lombarden 91V«, Gottharbbahn-Actien 174.—, Centralbahn 140.20, Nordostbahn 140.30, Unionbabu 92.25, ßanra» Hütte - Actien 154.50, Gelsenkirchener Bergwerks - Aktien 169.—, Bochumer 159.80, Harpeuer 157.70, 3-proceutiae Mexikaner 26.40, 6-proceutige Mexikaner 94.50, 4-proceutige Ungarn —.—, Berliner Handels-Gesellschaft 151.90, Stal. Mittelmeer —, Bauque Ottomane —, Hess. Ludwigsbahn —, Darmstädter Bank —, Dresdener Bank 161.50, Jtal. Meridionanx —, Deutsche Bank —. Tendenz: sest.

Wie», 9. Juni. Oesterreichische Kredit-Actien 356.25. Staatsbahn-Actien 361.75, Lombardeti 101.62, Mark-Noten 58.86. Tendenz: —.

Tert« des icnbe

Untersuchungsrichter erhalten. — Die lungften drei kaiserlichen Prinzen werden am 20. d. M. in Kreuznach erwartet. Di- Kaiserin trifft wahrscheinlich am 27. d. M. Dort ein. — Die Fahrt der Hannoveraner zum Fürsten Bismarck findet am 5. Juli statt. — Dem „Berl. Tagebl." wird aus Köthen die überraschende Mittheilung gemacht, daß der begrabirte Kommerzien- rath Nathan Herzberg die Rückgabe des ihm verliehenen Diploms verweigert unb dasselbe bei einem Rechtsanwalt deponirt hat, welcher von ihm mit der Beschreitung des Klagewegs beauftragt worden ist. — Wie aus Wien gemelbet wird, will der Vicekönig Li-Hung-Tfchan!g am 12. Juli nach Berlin reifen, um vom Kaiser empfangen zu werden.

Wien, 9. Juni. Nach der Rede des Prinzen Ludwig von Bayern bei dem Bankett der deutschen Kolonie in Moskau verließen der Prinz Heinrich von Preußen, die übrigen Prinzen, sowie der deutsche Botschafter den Saal. — Die Rede des Prinzen Ludwig von Bayern auf dem Bankett der Moskauer deutschen Kolonie erregt auch hier ungeheure Sensation. Der Prinz soll sehr laut gesprochen und so unettvartct das Wort genommen haben, daß die Version, er hätte im Eiuvcrständniß mit dem Prinzen Heinrich von Preußen gesprochen, unrichtig ist.

Wien, 9. Juni. Die gestern Abend stattgehabte antisemitische Versaminlniig wurde, da Dr. Lueger in heftiger Weise gegen die ungarische Milleiiiiiumsfeier sprach, vom Regieruugs-Präsidenten aufgelöst.

Lemberg, 9. Juni. Gestern wüthete in dem Ort Drohowice eine verheerende Feuersbrunst. Etwa 300 Häuser sind nieder- gebrannt und mehrere Personen in de» Flamiuen umgefonuuen. Der Materialschaden ist enorm.

Kndnprst, 9. Jnni. Bei dem gestrigen Gedränge wurden von einer herabfallenden Eisenstange 2 Personen gelobtet und sieben verletzt. Mehrere Reiter sind gestürzt und verletzten sich erheblich. Viele Fälle von Hitzschlägen und Sonnenstichen kamen vor.

Krüssel, 9. Juni. Der Arbeiter Jacob hat im Wahnsinn seine Frau und sieben Kinder mit Arsenik vergiftet und fich bann erhängt.

Gmunden, 9. Jnni. Das Befinden des Prinzen von 6umberlaub hat sich wieder gebessert. Das Fieber hat ab» genonimen, das Aussehen der Wunden ist gut, Schlaf und Nahrungs­aufnahme genügend.

Paris, 9. Juni. Kaiser Wilhelm liefe derWittwe Jules S i in o u s durch den Grafen Munster eine theiluahmsvolle Kondolenz- Depesche überbringen unb giebt bekannt, daß er sich bei Jules Simons Begräbniß burch einen Spezialdelegirten vertreten lassen werde. Die wichtigste Stelle in der Depesche lautet: Die allgemeine Abrüstung, welche Simon wünschte, wäre ein Glück für beide Nationen gewesen. Kindische Manifestationen der Patriotenliga machten sie aber unmöglich. Zum Schlafe sagt der Kaiser: „Ich verneige mich am Sarge eines persönlichen Freuiides, welcher im allgemeinen Interesse selbst seine patriotischen Gesiihle ziirücktreteil ließ." Diese Depesche erregt hier große? Aufsehen. Auch dem Präsideiiteu Faure hat der Kaiser anläßlich des Todes Simons ein Beileids-Telegramm gesandt.

Karcelona, 9. Juni, liebet bas berfibte ®ombeu = 8lttentat wirb weiter gemeldet, baß bie Explosion stattfanb, als bet Priester mit ben heiligen Gerüchen vorüber war. Im Augenblick ber Explosion besauben sich bie Gläubigen noch in ftiieenbet Stellung. Die Polizei befahl sofort die strenge lleberwachung eines Hotels, von dessen Balkon die Bombe geschleudert worben fein soll. DerProbst und ber Stadtvorsteher haben dem General DespngolS, gegen welchen das Attentat gerichtet war, den Rath crtheilt,ben Belagerungszustand über Barcelona zu erklären. Zahlreiche Verhaftungen gefährlicher Anarchisten wurden bereits vorgenommen. Auf dem Thatcckke spielten sich herzzerrcifeeiide ©eenen ab. Die acht auf der Stelle ge= töbteten Personen sind schrecklich Derftümmelt.

Prnedig, 9. Juni. Die „Gazzetta bi Venezia" melbet, daß ein hoher Funktionär des Schatziniiiisteriuins uach Verübniig größerer Veruntreuungen geflüchtet sei.