Einzelbild herunterladen
 

VieMkmr TsgM

1896

Bezirks-Fernfprecher 91». 52.

M«n1ag, dru 8. Ium.

N-. 262

Bezirks-Fernsprecher No. 52.

Abend-Ausgabe

s

S

-s

Deutscher Reichstag

iS

LS

ö

ti e

»

c Si

Ueber die soziale» Uflichtea der Gebildete» hat Professor Dr. S oh m dieser Tage zu Leipzig in einer von der kürzlich gegründeten Sozialwissenschaftlichen Vereinigung veranstalteten Versaminlnng Worte gesprochen, die auch über Leipzig hliiaus gehört zu werden verdienen. Sie lauten: „Die sozialen Pflichten sind Pflichten der Gesellschaft, der Nation. Deine Bildung hast Du vom Volke empfangen, darum gicb sicihm wieder zurück. Was heißt Bildung? Bildung ist Sein. Von fremder Meinung abhängig sein, heißt un­gebildet fein. Bildung bedeutet Freiheit, und darum aiebt sie Macht. Der Gebildete ist der geborene Freie, der Herr, der Ungebildete der geborene Knecht. Die Bildung giedt di- Herrschaft über die Nation, aber der Herrscher kann nur herrschen, indem er der Nation als Erzieher dien». Tie geschichtlichen Vorgänge aber zeigen, daß der Erzogene naturiiothwendig den Erzieher der Alleinherrschaft entsetzte und dann an der Erziehung, sowie an der Herrschaft über die Natioii Theil nahm. So entsetzte der Dritte, der Bürgerstand, den Adel von der Alleinherrschaft und nahm Theil an der Bildung und au der Herrschaft über die Nation. Seine Aufgabe aber ist es, den vierten, den Arbeiterstaud, zn erziehen, der dann gleichsafls Theilnabme an der Vilduiig und an der Herrschaft fordern wird. Zwar stehen wir noch am Anfang der Erziehung des vierten Standes; um unsere Aufgabe möglich zu vollbringen, dürfen wir nicht nur znruckblicken auf die Ereignisse der Vergangenheit, wir müssen die Front andern, der Znukiinft entgegen. Größere Werke, als geschaffen, bleiben noch zn thnn übrig. Seit Erringung der politischen Einheit tritt die Nation in zwei verschiedenen, ffch einander nicht verstehende» Klaffen hervor. Statt Bruderliebe Brnderhaß und doch ist das Leiden des vierten Standes das Leide» der ganzen Nation. Durch die mächtige Eiitwickeliing des Großkapitals ist der Staat nicht mehr wie früher im Stande, dafür zu sorgen, daß Jedem das Seme werde, die wirthschaftlichc Gesellschaft ist sich selbst überlassen, und daher muffen die Gebildeten bei der Erziehung des vierten Standes emgreifen. Dabei darf der dritte Stand nicht unbeachtet laffen, daß die den vierten Stand jetzt beleveiiden Ideen, die revolutionäre Gesinnung und die Gottlosigkeit, von dem dritten Stande ererbt sind. Des­halb müffen wir zunächst mit derArbeit an uns selbst ansangen. Wir müssen mehr wahrhafte christliche Bildung bethätigen und »ns mehr um die Leiden unserer Brüder bekümmern. Wir müffen aber mich, da es christliche Liebesthätigkeit nicht allein thnt, mit der christlichen Bildung die soziale Bildung verbinden, damit Urtheile über die wirthschaftlichcn Vorgänge Platz greife» könne». Die Nechtr- ordttung ist ein Haupttheil der sozialen Ordining, sie bildet den Schlussel zur sozialen Frage. Es braucht nur das Koalitions- und VereinSrecht, sowie das Wahlrecht erwähnt zu werde» Die Ge­bildete» werden die Führung des vierten Standes in die Hand be­kommen, sie werden die sozialdemokratischen Führer ihrer Fllhrer- rolle eiitsetze», luenn sie eiutreteu für die Gerechtigkeit im Sinne des vierten Standes und für befielt Interessen Opfer bringen. Soziale Bildung neben christlicher Bildung, Keiiiitiiiß des wirth- schastlichen Ledens und seiner Grimdsätze ist das erste, was von uns gefordert werden kann und die sozialwifienschaftliche Vereinigung ist gegründet worden, um möglichst in diesem Sinne zu arbeiten.“

r'

O Berlin, 6. Juni.

Der Reichstag beendete heute di- dritte Berathung des Börsen- aesetzes Abg. Graf K a n i tz (kons.) erblickt in dem Verbot des Getreideterminhandels für die Landwirthe einen Vortheil und empfiehlt seine Resolution bezüglich internationaler Verhandlnngk.t wegen allgemeiner Abschaffung des Getreideterminhandels. — Abg Lieber manu v. Sonnenberg (Resormp.) wendet sich gleichfalls gegen den Getreideterminhandel, bedauert, daß das Verbot des Terminhaiidels sich nur auf das Getreide be­schränke, und nennt das Börsengefetz einen Triumph des anti­semitischen Gedankens. Daß die Sozialdemokratcit das Gesetz ablehiiteii, sei für dasselbe die beste Empfehlnng. — Abg. Singer (Soz.) betont, daß die Haltung der Sozialdemokraten in dieser Frage von Anfang an konsequent gewesen sei. Die Sozialdemokraten hätten nicht Zuchthäusler, nicht Meineidige zu Führern, was nicht jede Partei von sich sagen könne. Er müsse das sagen, weil die Antisemiten so aufträten, daß man entweder mit dem Dreschflegel dreinschlagen oder fie stillschweigend verachten müsse. — Vieeprasident

OB

<0

Namen aulegen soll. Er schloß mit einem lebhaften Appell au die besitzenden Klassen, soziale Gesumnng zu zeigen und die Negternng toeit®ieUubernu8 lebhafte Diskussion zeigte da« große Interesse der Versammlmig an diesen Problemen, freilich auch nicht ganz den Optimismus des Referenten. Neben Oberbürgermeister Ruinelin- Stuttgart, der die Thätigkeit der Stadt im Arb-itSuaÄiveiS und Nothstaudsarbeiten ausführlich darlegte und Profeffor Max Weber- Freiburg, der auf den engen Zusammenhang mit dem BevolkeimigS- problem, beut proletarischen Bevölkerungsreservoir nn Osten dmwieS, dcfiuirte Pfarrer Naumann-Frankfurt a. M. Arbeitslosigkeit als Stehen zwischen Gewerbe-Ordnung und Armenrecht. Sie fit theits freiwillig — hier ist durch Erziehung zu helfe» —, theils »n- freiwillig. Diese kann gemildert werden: 1. durch tue orgamsirte Arbeiterschaft, vor Allem Bemühniigen um bessere technische Bildung; 2. durch Versicherung der Bezirks- und Kommunal- verwaltnngen für die ungelernten Arbeiter; durch Veranstaltung in der Barmherzigkeit, wie sie z. B. die Arbeiterkolon,een darstelleu. Neben anderen Nednern, darunter auch einigen Arbeitern, sprachen Professor Neumann-Tübingen und Professor Wagner-Berlin zur Milderung der Arbeitslosigkeit über die Erhöhung des Standard of life der Arbeiter, die Einrichtung freier Schulen, freien Begräbnisses und stärkerer Belastung der Wohlhabenden, auch f»r Praveiitiv- maßregeln gegen das SpeknlationSfieber. Im Schlußwort betonte Delbrück stark, daß die Arbeitslosigkeit keine Folge der starken Ver­mehrung, eine große Volkszunahme vielmehr im nationalen Interesse zu wünschen sei. t m ... .,

Damit schloß der an Anregungen und Begeisterung reiche Kongreß, lieber die Spezialkouseienzen am Nachmittag noch ein kurzes Wort. Pfarrer Niemeyer-Eichlinghofeii sprach über den Plau Paul Lechlers, vom Reich aus in großem Stile eine nationale Wohnungsreform zu veranftalten; Fran Geheinirath Lippnianii- Berli» vor 500- 600 Personen übet: „Die Frau int ©enicinbe» bienfte", wobei sie di- Arbeit bet englifdjen Fran tu der Armett- verwaltiing schilderte und für Deutschland Entsprechendes verlangte. Ihre Ausführungen wurden vollständig gebilligt. Endlich 8eid)ncte „och Professor Nein-Jena „Die politischen Parteien und die edjuk in äußerst fesselnder Weise und verlangte, daß die Schule mehr Sache der Familie werden müsse. Die Diskussion beschäftigte sich besonders mit der Stellung der Lehrer zu den Parteien und der Kirche. Di- geistliche Schulaufsicht soll fallen, die Person, Jesu Christi als Mittelpunkt wird bleiben.n y-

8

Ä

2

Der VII. rvaitgelisch-sor'mle Kongreß in Stuttgart.

Nach schwierigen, sorgfältigen Vorbereitiingen sand in Stuttgart mb 27. bis 29. Mai der VII. evangelisch-soziale Kongreß statt, dem einezahlreich besuchte Tagnngdes Gesainmtverbandesevaiigelycher Arbeitervereine vorangegangcn war. Trotz des Austritts des Hof- vrediaers a. D. Stöcker und einiger feiner Frennde aus dem Kon- ireß hatten in Stuttgart doch alle kirchlichen und politilchen Parteien mfammengehalten, um dem Kongreß einen lebhaften, würdigen fe fc ihfanfl zu bereiten. Die Zahl der Besucher betrug denn auch B ' „nen tausend, meist Schwaben, daneben ans Baden, Bayern, der Schweiz, dem Elsaß und der Pfalz, aus Hessen und Mittel-, ja selbst Norddeutschland. Kurz ans allen deutschen Gauen waren Ärenude erschienen. Die Stimmung war äußerst frisch und an- nereat; von Anfang bis zu Ende folgten die Theiluehmer mit größter Aufmerksamkeit den Vorträgen und Diskussionen. Schon in der LearübungSversammlnng am Abend des 27. Mai waren die An­wesenden getragen von einer kräftigen Begeisterung, als der Ober­bürgermeister Stuttgarts aufs Wärmste die Ziele des Kongresses anerkannte, als Prosessor Sohiu-Leipzig in glanzender Weise die Antithese „der Christ ist nicht sozial" und „der Christ ist doch sozial ausführte, als Professor Harnack-Berlin das grolle deutsche Pater- ^Dst^Hauptverhandlung begann am Morgen des 28. Mai. Nach einer prinzipielle» Ansprache des Vorsitzende», LaudcSokoiiomierath Nobbe-Berlin, über die Ziele und Zwecke des Kongresses, »ach den Begrüßungen des Vertreters der König!. Staatsregierung, Ober» reaierungsrath Nosthaf-Stuttgart, der Stuttgarter evangelischen Kirchengemeiude, Stadtdekan Weitbrecht, und dem Jahresbericht des Generalsekretärs, der die Zahl der Mitglieder ans 830, die Em- uahmen von 1896 auf 5400 Mk. angab, wurde eine SReiolution au» «enommen, die den Dank für Stöckers Verdienste, da« Bedauern über seinAnSscheiden und die Hoffnung „ans eine weite« Gemeinschaft evangelisch-sozialen Wirkens" ausdrückte. Dann erhielt Prof.Prediger D v. Soden-Berlin das Wort zu seinem Vortrag über die soziale Wirk­samkeit des im Amte stehenden Geistlichen, ihrRecht und ihre Grenzen. Im Eingang schilderte der Redner die verschiedenen Stimmungen Dieter Frage gegenüber, bezeichnete sie als religiöse und Knltnrsrage ersten Ranges, um bann eingehend die sozialen Rechte und Pflichten der Kirche zu untersuchen. Die Kirche hat drei Aufgaben: 1. die Predigt de« Evangelinms — nicht nur in der Rede, sondern m der That und Wahrheit; 2. die individiielle Seelsorge, die Geinein- schaftspflege; 3. die Praxis der Liebe, der es freilich an Organisation fehlt. Dadurch wird unmittelbar ein hochbedentsamer Beitrag zur Lösung der sozialen Schwierigkeiten gegeben. Denn 1. wird das Men chenniaterial so ein besseres; 2. wichtige ideale Jmpnlie, z B. die Ideen der Gerechtigkeit, Billigkeit, Brüderlichkeit, Schonung und Stärkung der Schwachen, Opserbereitschast u. a„ werden nie Volksleben gesenkt; 3. die christliche Genieiude umfaßt alle Glieder des Volkes.' Insofern ist, wer Christ ist, auch sozial.

Aber die Kirche kann sich damit nicht begmigen. Denn es reicht nicht ans, mit Almosen Bettler zu unterstützen und kraftvolle, auf­strebende Naturen sinken zu lassen. Anßerdem reifen die unteren Klassen zur Selbständigkeit heran. Die Kirche muß mehr thnn. Die Religion war immer an der sozialen Oiduiing interesfirt; das Christenthum fordert eine Revision der wirthschastlichen Ordnungen, wie es die Urgemeinbe, die Kirche des Mittelalters, wie es Luther verlangte. Denn fein Ziel ist nicht die christliche Persönlichkeit in der Vereinzelung, sondern der GesaniintorganismuS des Reiches Gottes. Die Kirche muß auf die Sozialfünden Hinweisen und ans die Abstellung der Mißstände hindrängen, ganz abgesehen von bett wechselubeu Planen der Politik Aber nun wie weit ? Nicht aus ber Bibel sind bie Vorschrnten für die Gestaltung des WirthschaftSlebens zu entnehmen. Daran hält Henle kein einziger Christlichsozialer mehr fest. Aber tu der Seelsorge ist einzuwirkeu für Assoziationen, im Wohnungswesen, Lolksvergnügnngeti, Wirthshanswesen, Beschaffnng von Arbeits­gelegenheiten, Hülfe gegen Arbeitslosigkeit; die Indifferenz gegen soziale Nothstände ist zu bekämpfen, eine gerechte Beurtheilnng der Sozialdemokratie zu erstreiten, nicht als Kampf der Besitzlosen gegen die Besitzenden, sondern als Kampf von Weltanschauung gegen Weltanschauung. Dann hat der Geistliche ein Recht, anderseits zur Geduld und Zufriedenheit zu mahnen. Wer mehr vermag, soll mehr thnn. Nur im Nahmen der Gemeinde zu bleiben, ist un­möglich. Und wenn er das Vertrauen eines kleinen Kreises ver­lier» dafür das der unteren Hunderttaufende gewinn», so war das des Einsatzes werlb. Mnthvoll und unbeirrt sollen sie Vorgehen.

i Der Korreferent Stadtpfarrer Planck-Eßlingen erkannte baS c soziale Wirken bes Geistlichen voll und ganz an, betonte aber, baß ber Geistliche sich vor unrechten Mitteln hüten muffe und nicht .Parteimaun“ werden dürfe. Die Grenzen liegen darin, das das Amt nicht nothleiden darf und bie sittlich-religiöse Behandlung der totalen Fragen in erste Linie treten muß. Freiheit und Gewissen- hastigkeit sind der gute, evangelische Grund des loyalen Wirkens der Geistlichen. Die lebhafte Diskussion stimmte den Grundgedanken ber beiden Referenten vollständig zu. Professor Sohm-Leipzig führte ans, wie das Evangelium zuerst soziale Persönlichkeiten schaffe; Pastor v. Nuckteschek-Haniburg erzählte von feiueiu Gemeinde­abend, ber Männer aller Schichten zu gemeinsamer Besprechung bet ihm vereinige; Pastor Rade-Frankfurt a. M. wünschte eine Ein- - Wirkung auf die Kirchenbehörben; Pastor Göhre-Frank»urt a. O. nahm für die Geistlichen eine sozial-versöhnenbe Thätigkeit in An­spruch. Es war eine erhebenbe Knudgebung für bie sozialen Pflichten der Geistliche». „ t „

Bor der Nachmiltagrsitzung würbe ein Telegramm Stocker« als Antwort auf die von einigen Freitiiben ihm übersandte Resolution verlesen: „Herzlichen Dank für den Gruß! Segen und Sieg für bie christlich-soziale Arbeit." Das Referat hielt Professor Rathgen- Ma.rburg über bie soziale Bebeutnug be8 Hanbels, dem eine leb­hafte Diskussion, insbesondere auch über bie Frage ber Konsum- reine, folgte. „ , „

Am Morgen bes 29. Mai refenrte Professor Delbrnck-Berlm, Herausgeber ber „Preußischen Jahrbücher", über bie Arbeitslosigkeit unb das Recht auf Arbeit. Er untersuchte bie Ursachen ber Arbeitslosigkeit, lehnte die vorgefchlageue staatliche oder öffentliche Ei-. Versicherung als Heilmittel ab und bezeichnete als Losung das auch von Bismarck anerkannte „Recht auf Arbeit", nicht auf Berufs­arbeit; vielmehr sind von den Kommunen und dem Staate Nolh- arbriten mit einem etwas kleineren Lohn, besonders Erdarbeiten em«richten und eine Menge Anstalten für fabrikmäßigen Betrieb. Außerdem empfahl Professor Delbrück den von Professor Schau; angeregten Gedanken des individuellen Sparzwang«, wonach jeder jung, Arbeiter etwa 30 Pf. wöchentlich auf ber Sparkaffe auf seinen

Verlag: Langgasse 27.

13,000 Abonnenten

Schmidt ersucht den Redner, sich bezüglich der Herren mi Hause etwas zu mäßigen. — Abg. Singer kommt hieraus nochinals auf den gestern gegen Herrn v. Ploetz gerichteten Angriff zurück imb wiederholt, daß Herr v. Ploetz thatsächlich an Borsenstzekulationen theilgenommen habe. - Abg. Hahn (wild) hebt demgegenüber hervor, daß es sich bei der Verurtheilung des Borsentreibens nur um Die Verurtheilniig unb Verhinderung von Ausbeutungen Anderer handle. Die wcuigen Abschlüsse, die Herr v. Ploetz gemacht habe, konnten kein Grund sein, ihn so zu beurteilen, wie es Singer gethan habe, v. Ploetz habe nichts gethan, wa« ihn zu ferner politischen Stellung- nähme in Gegensatz brächte. — Abg. Barth ^reif. Ber.) fuhrt aus daß bei einem Verbot des Termmhaudels sowohl tue Produ­zenten als auch die Konsnmeuten schlechter fahren mürben. Da» fei bie naturgemäße Folge der Verwandlung eines große» Marktes in einen kleineren. — Abg. Liebermann v. So n neu berg (Reforntp.) bemerlt in einer gegen den Abg. Singer gerichteten Erwiderung, daß Vorfällen, wie sie Singer erwähnt habe, jebe Partei ausgesetzt fei. Damit schließt bie Generaldebatte. — I» der Spezialberathnng beantragen zu bett §§ 38 und 39, ve- treffend die Voranssetznugen für Zulassung von Werthpapiere», die Abgg. Graf Arnim (Reichsp.), B a ch e m (Centr.) nttd Genosfen, daß die Verpflichtung zur Bilanzpnblikation, falls es sich nm Zu- lafsuna von Aktie» oder Obligationen ausländischer ErwerbS- gesellschasten handelt, sich nur auf die Dauer von fünf Jahren er- strecken und außerdem ganz in Wegfall kommen soll, wenn es sich um staatlich garautirte Obligationen handelt. Der Aiitrag wirb angenommen. Bei § 50, der den Börfenterutinhandel betriff», be­antrag» Abg. Graf Arnim (Reichsp.), daß Rechtsansprüche aus Termingeschäflcn, die im Ansland abgeschlossen wnrdett, aber in Dentschland verboten sind, unklagbar sein und eine Zwangs­vollstreckung ans Urlheilen anSländischer Gerichte foldje Ge­schäfte betreffend, nicht stattfinden solle». Der Antrag, gegen welche» sich der Präsident der ReichSbank, Koch, sowie der Staatsininister Frhr. v. Marschall anSgesprotheu haben, wird abgelebut. Bei § 82 wird befdjlofieu, daß das Gesetz am 1. Januar 1897 in Kraft tritt und daß die börsenmaßigeii Terniin- qeschäfte, die nur bis dahin gestattet sind, auch bis dahin abgewickelt sein müsse». — Die Resolutionen der Abgg. Graf Kan>tz (kons.) und Graf Arn im (Reichsp.) bezüglich internationaler Verhand­lungen wegen allgemeiner Abschaffung des Getreideterminhandels und bezüglich der Organisation der Prodnkteubörseu werden genehmigt. Schließlich wird das ganze Börsengefetz in der Gesammtabstimmnug angenommen. — Es folgt die erste Lesung des dentsch-japanychen Handelsvertrags. Abg. Münch-Färber (nat.-lib.) ist zwar gruub» sätzlich mit ber Vorlage cinverstanbeu, ha» aber Bedenken gegen einzelne Bestimmungen, mit denen Japan zu große Konzessionen gemacht worden seien. — Staatsininister Frhr. v. Marschall betont, daß die javanische Negierung es an Entgegenkommen nicht habe fehlen lassen, es sei jedoch an Zugeständuiffen nicht mehr zu erreichen ge­wesen. Der Vertrag bringe für bas gewerbliche Eigenthnm gegenüber den bisherigen Zliständen erhebliche Vortheile. Damit schließt die Debatte. Nächste Sitzung Montag, 2 Uhr: Zweite Leimig des deutsch- japauifchen Handelsvertrags; dritte Lesung der Gewerbenovelle.

Deutsches Keich.

* Hof. «uv Personal-Uachrichte». Der Großherzog von M e ck l e u b n r g - S d> w e r i n ist gestern Vormittag, 9 Uhr, wieder in Schwerin eingetroffeu.

* K erlitt, 8. Juni. Das gestern vom Reichstag an­genommene Börsengesetz tritt am 1. Januar 1897 in Kraft. Die Bestimmungen über das Börsen-Register treten mit dem 1. November 1896 in Wirksamkeit, die Vorschriften über Zulassung von Aktien eines zur Aktien- oder Kommandit- Gesellschaft ümgewandelten Unternehmens, von Antheil- scheinen oder Obligationen ausländischer Erwerbs-Gesell­schaften mit dem 1. Juli 1896. Der Abschluß der börsen- mäßigen Termingeschäfte ist nur bis znm 1. Januar 1897 gestattet, mit der Maßgabe, daß die bis zu diesem Tage abgeschlossenen Geschäfte auch bis dahin abgewickelt sein müssen.

* Ka,irischer Iournalistrntag. In Nürnberg tagte gestern die Versammlung bayrischer Journalisten, Schriftsteller und Verleger. Die Beiathiingen begannen Vormittags 9 Uhr. Ritter v Schmaedel ans München hielt die Festrede, auf welche der erste Bürgermeister Dr. v. Schuh mit einer Ansprache erwiderte, in der er auf die doheu fiultnraufgabeu de« Deutschen Schriftstellerbmide» hinwies und am Schluß die Anwesenden Namens der Stadt will- kommen hieß. Die Versammlung beschloß die Organisation einer bayrischen Berufsgenoffenschaft zur Wahrling ihrer Interessen, ferner die Schaffung von Humanitären Eiurichtuugen für die Angehörigen ihres Berufes. Des Weiteren wurde »ach lebhafter Debatte folgende Resolution einstimmig angenommen: Die Rechtspflege in Preßdelikten muß den thatsächlicheu Verhältnissen unter denen bie Herstellung einer Zeitung erfolgt, Rechnung tragen. Angesichts ber zunehmenden neuzeitlichen Gesetzesinterpretatioiien, welche bem Wese», ber Ausgabe unb bet Rechtssicherheit ber Presse znwiberlaufeu, ist es im öffentliche» unb im Interesse ber Presse geboten daß das Schwurgericht das unverrückbare Forum für alle Pießprozesse bleibe unb daß anhaltend unb entschieden mit allen geeigneten Mitteln im Wege der Partei, des ParlanieutS, der Vereine unb Versammlungen, sowie Preßthätigkeit, besonders auch mittels Orgauisiruiig aller im jouriialistischeu Berufe Stehende» dahin ge­wirkt wirb, baß die Versuche, die Prozeßverhältuisse der Presse zu verschlechtern, sowie den Gerichtsgaug der Preffe zu verrücken, ab­gelehnt werden.

* Rundschau im Reiche. In Deutschland finden in diesem Sommer nicht weniger als drei Gewerbe- Ans st eil» n gen statt, zu Berlin, Nürnberg und Kiel. Demgegenüber ist die Landwirth- fchaft nur mit einer großen Ausstellung vertreten, welche bie Deutsche Landwirthschasts-Gesellschast in den Tage» vom 11. bi» 15. Ium in Stuttgart-Cannstatt veranstaltet. — Der be­kannte Redakteur des „Bayrischen Vaterlands".0r. Sigl, brachte vor einiger Zeit einen ziemlich heftige» Artikel über den ver­storbenen österreichischen Erzherzog Karl Ludwig. AIS sich nun Sigl dieser Tage »ach seinem auf österreichischem Boden de- legenen Gut Thiersee begab, erließ die österreichische Be­hörde einen Haftbefehl. Sigl gelang es rndeß, im letzten Augenblick noch über die Grenze zu entfliehen - Die feierliche Einweihung der neuen von Profeffor Hehl erbauten G a r n i f o u k i r ch e in Hannover sand gestern '''Gegenwart des Prinzen und ber Prinzessin Friedrich Leopold als Vertreter des Kaiserpaare« statt. — Brs letzt sind bei der Reich Stags - ersatzstichwahl in» Ansbach f»r Dr. Conrad (Riyr. Volksp.) 7609. für Hufnagel (kouf.) 6963 Stimmen gezahlt. Die Ergebnisse au»

Anzelgen-Preis r

Die einspaltige Petitzeile für locale Anzeige« 15 Psg., für auswärtige Anzeigen 25 Psg. — Reelamen die Petitzeile für Wiesbaden 50 Psg-, für Auswärts 75 Psg.

«4. Jahrgang.

Erscheint in zivei Ausgaben. — Bezugs-Preisr 60 Pfennig monatlich für beide Ausgaben zusammeii. — Der Bezug kann jederzeit be­gonnen werden.