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Wiesbadener Sagblatt

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1896

Kamstag, den 30. Mal

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BezirkS-Fernfprecher No. 52.

Bezirks-Fernsprecher No. 52.

Abend■Ausgabe

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(Nachdruck verboten.)

Gin Debüt.

Novellette von Julius Pasig»

[ Stürmischer Applaus durchtobte das Haus, und immer und immer wieder mußte Azucena vor den Rampen er­scheinen, um der jubelberauschten Menge zu danken und Kußhände znzuwerfen für den enthusiastischen Beifall, den dies« der genialen, wunderbar schönen Sängerin zu spenden nicht müde wurde. Wer sie war? Woher sie kam? — i Niemand wußte cs zu sagen.

Unsere Geschichte spielt in der Residenz eines durch seine | Liebe zur Kunst bekannten, damals jugendlichen Fürsten des L Deutschen Reiches.

Eines Tages wurde dem Intendanten der Königlichen Theater eine Dame gemeldet. Die Karte, welche der - Kammerdiener auf silbernem Teller hereinbrachte, trug nur den einzigen Namen „Herrnione".

„Führe die Dame in den blauen Salon,* sagte der ’ Intendant, ein Aristokrat von gewinnendem Aussehen und einschmeichelnden Manieren, während er selbst durch eine । Seitenthür in den Salon eintrat. Unmittelbar nach ihm erschien in der weit geöffneten Flügelthür eine hohe, schlanke, in tiefe Trauer gekleidete Dame von imponirender Haltung; : ein dichter Schleier bedeckte das erschreckend bleiche Gesicht der Eintretenden, konnte aber zwei große schwarze Augen nicht verbergen, vor deren Schönheit und Feuer selbst der • alte, an schöne Augen durchaus nicht ungewöhnte Herr wie gebannt stehen blieb. Es waren dies aber auch in der - That ganz eigenthümliche, schlechterdings unerklärliche Augen, - der bestrickende Reiz' der Schlange und die Einfalt der

Taube, angeborene Herrschsucht und tiefe Demuth, vulkanisches ' Feuer und eisige Ruhe sprachen gleichzeitig aus denselben.

Arrzeigen-PrciS r

Die einspaltige Prtitzeile für locale Anzeige» 15 Pfg., für auswärtige Anzeigen 25 Pfg. — Reklamen die Petitzeile für Wiesbaden 50 Pfg., für Auswärts 75 Pfg.

Kilometern, 110,000 Einwohner, und an seiner 800 Kilometer langen Küste zahlreiche Korallenriffe, Inseln und kleine Einbuchtungen. Das Innere ist noch nicht erforscht. Im Norden ist der schiffbare Kaiserin-Augustafluß mit günstiger, nicht durch Riffe versperrter Mündung. Das Klima ist ein ausgesprochenes Tropenklima. An der Astrolabe-Bay befinden sich folgende Stationen: Friedrich Wilhelmshafen, Konstantinhafen und Stesansort. Der erstgenannte ist Sitz des Landeshauptmanns. Eine kleine polizeiliche Schutz- trnppe wird von der Neu-Guinea-Gesellschast unterhalten, ihre eine Hälfte ist im Friedrich WilhelmSbafen, die andere in HerbertShöhe im Bismarck-Archipel stationirt. Der Norddeutsche Lloyd unterhält Fahrten nach Kaiser Wilhelmsland, die Neu-Guinea-Gesellschaft solche zwischen diesem und dem Bismarck-Archipel.

Der Bismarck-Archipel hat bei 52,000 Quadratkilometer Ausdehnung 188,000 Einwohner. Die Inseln des Bismarck-Archipels sind die durch den St. Georg-Kanal getrennten Inseln Neu- Pommern mit der Gazellen-Halbinsel und Ncu-Meckleuburg. Im

und ein magnetischer, sinnverwirrender Zauber strahlte aus dem großen, bläulich schillernden, von langen, dunkeln Wimpern beschatteten feuchten Augapfel.

Die Fremde hob den Schleier und zeigte dem Grafen ein Gesicht von vollendeter Schönheit, die hohe Stirn, die feine Nase, der feste, beinal bitter geschlossene Mund waren wie in Marmor gemeißelt, und über das ganze Gesicht breitete sich ein Hauch tiefer Melancholie.

„Womit kann ich so glücklich fein, Ihnen zu dienen?" fragte der Intendant und lud mit einer höflichen Hand­bewegung feinen Gast ein, in einem der bequemen Fauteuils Platz zu nehmen, während er selbst, die eine Hand leicht auf ein vor ihm stehendes, mit Albums bedecktes Tischchen stützend, stehen blieb und forschend in das Gesicht der schönen Besucherin blickte.

„Herr Graf," antwortete die Fremde mit einem tiefen, glockenähnlichen Organ, das den Zuhörer durch einen eigen« thümlichen Ton merkwürdig ergriff, „ich habe eine große, große Bitte." Dabei hatte sie die Augen wie flehend gegen den aufrecht stehenden hohen Mann gerichtet, und aus diesen schönen Augen drangen zwei Thränen hervor und perlten langsam über die marmornen Wangen.

„Wenn cs in meiner Macht steht, diese Bitte zu er­füllen, so mögen Sie, mein Fräulein, trotzdem ich nicht die Ehre habe. Sie zu kennen, im Voraus ihrer Erfüllung ver­sichert fein."

Ein Seufzer entrang sich den Lippen der schönen Bitt­stellerin, und mit fest auf den Grafen gerichteten Blicken, gleichsam als wollte sie denselben beschwören, ihr die nun vorzutragende Bitte gewiß zu gewähren, fuhr sic mit vor Erregung zitternder Stimme fort:

„Herr Graf, ich bitte Sie, mich die Azucena im „Troubadour" singen zu lassen."

44. Jahrgang.

Erscheint in zwei Aiisgäbe». — Bezugs-PreiSr 50 Pfennig monatlich für beide Ausgaben zusammen. — Der Bezug kann jederzeit be­gonnen werden.

Nordweste» die Admiralitäts-Inseln. Im St. Georg-Kanal die Inselgruppe Neu-Lauenburg. Am nordwestlichen Ende von Neu- Mecklenburg die Insel Neu-Hannover. Sämmtliche, im Innern nicht erforschte Inseln sind gebirgig. Aus Neu-Mecklenburg Berge bis zu einer Höhe von 200 Meter. Die Inseln haben zahlreiche Küsteustiisse; der bedeutendste der Holmesfluß auf der Gazellen- Halbinsel. Auf den Inseln sind folgende Stationen: Im Innern Mioko und Matnpi. Hauptstation ist HerbertShöhe (Regierungssitz). Der Handel (Kopra, Baumwolle) wird namentlich durch die deutsche Handels- und Plantagen-Gesellschaft der Südsce-Jnseln und das deutsche Haiidlungshaus Hernsheim vermittelt. Der Archipel hat ein durch die Meeresumgebung gemildertes Tropen-Klima.

In den deutschen Südseegebieten, einschließlich Salomon-Inseln und Marschall-Inseln, sind folgende ErwerbSgesellschaficn thätig: N cu-G »in ea-Compagnie (gcgr. 1884, Sitz Berlin), Ja!uit-Gesellschäft (gegr. 1887,Sitz Hamburg), Astrolabe- Compa guie (gegr. 1891, Sitz Berlin), Deutsche Handels- uud Plantagen-Gesellschaft der Südsee-Jnseln (gegr. 1878, Sitz Hamburg).

Verlag: Langgasse 27. •

13,000 Abonnenten

Ein zweiter Seufzer und ein neuer Thränenstrom be­gleiteten diese Worte.

Befremdet und ergriffen zugleich faßte der Gras di« schmale weiße Hand der sonderbaren Bittstellerin:

„Wissen Sie auch, mein Kind — Sie erlauben doch meinem weißen Haar, daß ich Sie so nenne — wissen Sie auch, was cs heißt, hier bei uns in einer so bedeutenden Partie, welche unserem Publikum von den ersten Künstlern immer dargestellt wurde, zu dcbütircn?"

„Ich weiß es!"

„Haben Sie die Partie studirt, und wo, wenn ich fragen darf?"

„In Wien mit den besten Meistern."

„Wie aber, mein Fräulein, wenn dieses Debüt mcht den von Ihnen gehegten Erwartungen entsprechen fofiie? Würde Sie dies denn nicht abschrecken und, nach Ihrer ganz besonderen Bewegung zu schließen, sehr unglücklich machen?"

„Herr Graf, es soll das kein Debüt sein, ich will bloß einmal und eben die Azucena fingen, und was den zweiten Theil Ihrer theilnahmsvollen Frage betrifft, so danke ich Ihnen sehr, sehr für Ihre Güte, Ihr Mitgefühl, aber ich kann nicht noch unglücklicher werden, als ich es schon bin — lassen Sie mich, ich bitte, ich beschwöre Sie darum, lassen Sie mich die Azucena fingen, gewähren Sie mir diese eine Bitte, deren Erfüllung mich unendlich, unsagbar glücklich machen würde — ich glaube, ich kann die Azucena selbst hier fingen."

„Gut denn, mein Fräulein, erlauben Sie, daß ich den Kapellmeister rufen lasse, und unterziehen Sie sich dann einer Klavierprobe."

„Mein Wohlthäter, wie soll ich Ihnen danken!"

Der Graf klingelte und befahl dem Dicnep, 8en Kapell­meister, einen in der musikalischen Welt bochaefeicricn Mann, rufen zu lassen.

Das deutsche Schutzgebiet vonUeu-Guinea.

Zwischen dem Deutschen Reiche und der Nen-Guinea-Compagnie ist ein Abkommen, betreffend Uebernahuie der Landeshoheit durch daS Reich, getroffen worden, welches, da es einen Kostenaufwand von 273,000 Mark erfordert, dem Reichstag nach seinem am 2. Juni erfolgenden Wiederzusammentreten vorgelegt werden wird. Unter diesen Umständen ist die beistehende, die gesammten deutschen Be­sitzungen in der Südsee, sowie speziell das Gebiet der Nen-Guinea- Compagnie darstellende Kartenzeichnung sehr zeitgemäß.

Die Neu-Guinea-Compagnie, deren KaiserWilhelmsland und den Bismarck-Archipel umfassende Besitzungen in unserer Hauptkarte dargestcllt sind, übt inNachahmnug des Vor­bildes älterer holländischer und englicher Compagnieen mit Genehmigung des Reichs dort staatliche Hoheitsrcchte . aus. Zwar sind die Verhält­nisse in angemessener Weise geordnet, und die Verwaltung ist eine in jeder Hinsicht tüchtige, aber die Eigeuthüm- lichkeit, daß eine private Erwerbsgesellschaft anderen, 2 in ihrem Gebiete ansässigen Firmen und Missionsgesell­schaften gegenüber staatliche Hoheitsrechte vertreten soll, hat zu den mannigfachsten Unznträglichkeiten geführt. Da« zum Zweck der Aende- rnng nunmehr zwischen dem Reich und der Compagnie getroffene Abkommen beruht darauf, daß dieNeu-Guiuea- Compaguie auf die ihr ver­liehenen staatlichen Hoheits- rechte für daS ganze Schutz­gebiet verzichtet und daß diese Rechte mit den korrespon- dircndcn Pflichten vom Reich zu eigener Ausübung übcr- nonimcn werden; daß der ' Neu-Gmnea-Compaguie für die Opfer an Arbeit und Geld, die sie gebracht hat, : um daS Schutzgebiet zu ent­

decken, zu erforschen und für die Nutzbarmachung zu er-

; schließen, ein Entgelt gebühre; daß dieses Entgelt in der Belaffnug

f eines Theils der außer den Rechten der Landeshoheit ihr eilige«

räumten ausschließlichen Vermögensrechte zu bestehen habe; daß die so belassenen Rechte jedoch räumlich und zeitlich zu beschränken und daß sie nach Wahl des Reichs in einer bestimmten Frist vor Ablauf der Berechtigungsdauer durch Zahlung einer Geldsumme ablösbar sein sollen, lieber das hier in Rede stehende Kolonial- gcbiet ist Folgendes zu sagen: Die Besitzung der Neu-Guiuea- Compaguie umfaßt Kaiser Wilhelmsland und den Bismarck- Archipel; die weiteren deutschen, unter Reichsschutz stehenden Be­sitzungen in der Südsee umfassen den nördlichen Theil der Salomon-Inseln, ferner die Ma r schall-G r up!pe. Soweit erstreckt sich der gesammte Kolonialbesitz zu beiden Seiten des Aequators. Die Abgrenzung gegen die fremden Kolonialbesitzuugen (die spanischen Kolonieen, die englischen Besitzimgen auf den t. ■ Salomon-Inseln und die englischen und holländischen aufNeu-Guinea) ist durch Strichlinien bezw. Schraffirung auf unserer Karte markirt.

Kaiser Wilhelmsland bildet den östlichen Theil der Nordküste von Neu-Guinea. Es hat eine Größe von 181,000 Quadrat-

Volitifche Tages-Rundschau.

— Zum neuesten Erlaß des Justizministers schreibt man uns: Der preußische Justizminister Herr Schönstedt hat sich in der letzten Zeit nicht immer des allgemeinen Beifalls erfreuen können. Umso lebhafter muß die Zustimmung zu feiner Verfügung fein, daß die Justizbeamten dem rechtsuchenden Publikum freundlich be­gegnen und ihm, so weit es sich mit der Zeit und dcnAmts- pflichten vereinigen läßt, mit Rath und That an die Hand gehen sollen. Wir glauben nicht fehl zu gehen, wenn wir ver- mutheu, daß diese Ermahnung und der damit verknüpfte Tadel über Schroffheiten, die vorgekommcn feien, sich weniger an die Adresse der Richter, als an die der Subaltern- bcamten richtet. Es kommt freilich wohl-anch vor, daß ein Richter, durch das Uebermaß der Termine und sonstigerAmtsgeschäfte oder durch die Starrköpfigkeit der Parteien nervös gemacht, heftig wird. Das sollte nicht Vorkommen, aber es ist begreiflich. Im Allge­meinen aber sind die Richter gern bereit, den Hülfe- suchenden Rath und Aus­kunft zu ertheileu, schon uni ihnen die Kosten zu ersparen, die das Aufsuchen des Rechtsanwalts erfor­dert. Manche Richter gehen in dieser Bereitwilligkeit sogar so weit, daß sie da­durch das lebhafte Miß- „ Vergnügen der Anwälte, ; - die sich dadurch in ihrer Praxis geschädigt fühlen, erregen. Anders steht es mit den Subalternbeamten, die ihre regelmäßigen Büreau- Arbeiten zwar willig er­

ledigen, die aber wenig erfreut sind, wenn sie eine Klage aufnehmen oder Grundaklen zur Einsichlnahme vorlegen sollen. Es kommt nicht eben selten vor, daß ein wackeres Bäuerlein in der Gerichtsschreiberci so lange warten muß oder so unfreundlich empfangen wird, daß er das nächste Mal von vornherein zum Rechtsanwalt geht und lieber einige Mark opfert, als daß cs sich einer schroffen Behandlung aussetzt. Das entspricht nun keineswegs der anerkcnncnswertheu Ab­sicht der Justizverwaltung, dem kleinen Manne möglichst Kosten zu ersparen. Dabei muß noch offen gesagt werden, daß die Subalternbeamten nicht immer durch Mangel an Zeit und manchmal durch das Bedürfniß, ihre Ucberlcgenheit zu zeigen, veranlaßt werden, das Hülfe und Auskunft erbittende Publikum ein wenig von oben herab zu behandeln. Manche Sekretäre und Aktuare

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