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f f 5. Seilage juin lUhsbnih'iuT (Tngblntt.

Sonntag, den 10, Mai.

44. Jahrgang. 1896.

Ko. 219. Morgen-Ausgabe.

Ans Kunst und Leben.

träge". 1. 2. Leipz." 1895. Carlyle, LH.

I. Neuberg. Aust. 2. Berl. 1893. Zcrnii

bürgt, daß Busberg, der bekannte Staatsmann Kaiser Ferdinands I., einen Ableger des Strauchs von Konstan­tinopel mitgebracht habe. Zuerst treffen wir ihn nun in den reichen westlichen Provinzen der Habsburger, in Flandern und Brabant, wo die Bewohnerschaft derselben nicht müde wird, den neuen Zierstrauch anzustaunen. Die geringe Pflege, deren der Flieder von der Hand des Menschen bedarf, die schnelle Art und Weise, wie er sich fortpflanzt und verbreitet, bewirkten, daß man ihn bald hier, bald dort auftauchen und festen Fuß gewinnen sah. Wenn er irgendwo im Garten gepflegt wurde, durfte man dessen gewiß sein, daß auch außerhalb der Umftiedigung desselben bald ein Trieb aus der Erde hervorgucken und so weiter gedeihen werde. In jedem Fall ist Mittel­europa innerhalb einer verhältnißmäßig ganz kurzen Zeit­spanne mit Flieder bestanden. Dabei ist, wie sein Ursprung in Deutschland, so auch seine eigentliche Heimath nicht einmal mit annähernder Sicherheit festzustellen. Neben den beiden eben angedeuteten Ländern gelten auch die Süd­abhänge der Karpathen in Ungarn und Siebenbürgen für die Heimath unseres Flieders. Andere suchen diese viel weiter im Osten, ja selbst in China. Wie dem aber auch sei unter allen Umständen, sagt Max Hesdörffer, der bekannte treffliche Hortologe,gehört der Flieder zu unseren ältesten Kulturpflanzen; nirgends mehr ist er wildwachsend gefunden worden und weder vom sogenannten persischen, noch vom chinesischen Flieder kann der Beweis geführt werden, daß er in jenen Ländern ursprünglich heimisch war, nach denen er benannt ist".

Die Mode im Bund mit dem bizarren Bestreben, die Kinder des Lenzes auch in der kalten Jahreszeit dem Menschen zugänglich zu machen, hat bekanntlich dafür ge­sorgt, daß wir jetzt sogar mitten im Winter unsere Räume mit blühendem Flieder schmücken können. Aber was ist die mattfarbige, krankhaft ausschauende Blüthe des Winters neben der in Gesundheit prangenden, ebenso reich blühenden

Reiches kein Wandel eintreten wird. Wilhelm I., der Un­vergeßliche, und sein großer Berather, dem als dem Meister auch des heute gefeierten Werkes wir Dank und Huldigung darbringen, haben für uitsere Stellung m Völkerkreisen Ueberlieferungen hinterlassen, die nichts durchzubrechen vermag. Die Germayia auf dem Niederwald, zu deren Füßen unsere südwest-deutschen Freunde das Friedensfest begehen werden, wacht über Deutschlands Sicherheit, nicht aber blickt sie drohend ins Nachbarland. Sie ist das Symbol der deutschen Politik.

als auch köstlich duftenden, welche der Lenz eben jetzt gebiert? Recht und echt eine Treibhauspflanze in des Wortes ge­läufigstem Sinn, die sich in keiner Hinsicht mit der Spende vergleichen läßt, welche Allmutter Natur der Menschheit schenkt!Weit stolzer und schöner," sagt der obengenannte Autor,sehen die Blüthen am Gartenstrauche, als im Winter aus. Zwei und drei, ja selbst vier und sechs große Blüthen- trauben schmücken im Mai jeden kräftigen Zweig des Flieders. Tief beugen sich oft die starken Aeste unter der Last ihres schier unerschöpflichen Blüthensegcns, ganze Gärten verwandeln sich auf Wochen in lilafarbige und weiße Blüthen- felder, deren süßer Honigduft vom Winde weithin verbreitet wird." Um solchen blühenden Fliederstrauch summt und gaukelt es ohne Unterlaß. Es ist, als schicke Allmutter Natur alle ihre Lieblinge her, damit sie sich an. der Schönheit der kleinen, zierlichen Blüthlein weiden und an ihrem Duft sich berauschen. Wie der Mensch aber den Flieder liebt, das braucht kaum des Näheren geschildert zu werden. Zu keiner Zeit des Jahres sind wir so empfänglich gestimmt für den Zauber der Vegetation, wie eben jetzt, da der Flieder blüht, und der Dichter hat recht, wenn er singt:

Die Welt wird schöner mit jedem Tag, Ma» weiß nicht, was noch werden mag. Das Blühen will nicht enden!"---

Unsere weit vorgeschrittene Gartenkunst hat sich natürlich nicht begnügt, beiden einfach kleinblüthigen Arten des Flieders, wie sie auf uns gekommen, stehen zu bleiben, sondern viel­mehr daraus andere weitere zu erzielen, die sowohl durch eine große, volle Blüthe wie auch durch immer neueFarben- töne das Auge entzücken. Vom Duft gar nicht zu reden, den auch diese neuen Sorten wie aus einem unsichtbaren Füllhorn über den Menschen, der in die Nähe solch eines Fliederstrauchs kommt, ergießen! Und allerdings muß man zugeben, daß Paris noch immer einen sehr bedeutenden Markt für die Kultur der edelsten und schönsten Flieder, arten bildet. Aber neuerdings bieten nicht allein Wien und

v. Gcbhardt-Harnack,Texte u. Untersuch.". 4. Leipz. 18881893. -Zeitschrift f. Kirchengesch.". 16. Gotha 1896. -Zeitschrift d. hist. Ges. f. d. Prov. Posen". 10. Pos. 1895. (Geschenk.)Monu­mente Germ. hist. Leg. sect. IV. 1. Hannov. 1893.Monu­mente Germ, peedag.. 17. Berl. 1896. -Zeit- und Streitfrage», Pädagog.". 8. WieSb. 1896. Ohlert, 81.,Deutsche höhere Schule". Hannov. 1896.Philippi, Ad.,Kunst d. Rede". Leipz. 1896.

-Königliche Lqudrsdivliothrk. Neu erworbene Bücher. Zwei Wochen ausgestellt, dann verleihbar, wenn nicht mit * be­zeichnet. Borausbestellungen im Lesezimmer.Zeitung, Archäol.". 24. 2628. Berl. 186671. Schuchhardt, C.,Schliemanns Aus­grabungen". Leipz. 1890. Schliemann, H.,Ausgrab, in Troja 1890". Leipz. 1891. Dörpfcld, W.,Troja 1893". Leipz. 1894. v. Gebhardt-Harnack,Texte - - - -..... -

-Zeitschrift f. Kirchengesch.".

Geheimer Medizinalrath vr. Pfeiffer in Weimar besitzt eine ziemlich vollständige, 83 Exemplare umfassende Sammlung von Medaillen, die auf den englischen Arzt vr. Zenner und die Impfung geschlagen worden sind. Diese interessante Sammlung wird demnächst in Berlin ausgestellt sein, und zwar auf der Aus­stellung, die mit der am 14. Mai im Berliner Rathhaussaale stätt- findenben Zeuner-Feier verbunden sein wird.

Ans Stadt nnd Kand.

Wiesbaden, 10. Mai.

Zur Erinnerung. Vor80Jahren, am 10. Mai 1816, ist der berühmte Weltreisende und Rkifeschriststeller Friedrich Ger stacker geboren, der sich auch als fruchtbarer und sehr gern gelesener Romanschriftsteller auszeichnete. Er hat die UrwäldK Nordamerikas, wie Südamerika nnd Australien durchstreift und einen Schatz von Erfahrungen gesammelt. In 44 Bänden feiner Werke schildert er die Sitten fremder, meist halbwilder Völker; alle seine Erzählungen sind sehr fesielnd und spannend geschrieben, dabei

Ausland.

* <5re||britmmirtu Bei der vorgestrigen Kolonial­debatte im eiialischen Unterhaus sagte Harcourt: Die jüngst veröffentlichten EhlffMelcgramme beweisen, daß Jamesons Chartered Company und Rhodes nicht unschuldig seien. Die Expedition sei in Johannesburg und in Kapstadt Seitens der verantwortlichen Haupkdirektoren der Company geplant gewesen. Die Regierung entehre sich, wenn sie sich zu Mitschuldigen der unehrenhafte» Handlungsweise der Conjpany mache. Die Chiffretelegramme böte» ein schmutzige« Gemälde von der Jobber-Reichspolitik. Die Zukunft Südafrikas sei schwer geschädigt. England sei vor der Welt blobgestellt. Die Regierung dürfe die Company nicht in den Händen der jetzigen Leiter weiterbesteheu lassen, welche thcils ehrlich, theils fähig, aber unehrlich seien. Sonst sei eine freundliche Einigung mit Transvaal unmöglich und nicht überraschend, daß Kruger anderswo Hülfe suche. (Zurufe.) Die gekennzeichneten Machenschaften schufen das SchimpfwortPerfides Albion". Chamberlain antwortete, bei Beurtheilung des Cecil Rhodes müßten die vergangenen Verdienste mitsprechen. Ohne solche Männer wäre Englands Geschichte au Landbesitz ärmer. Die Regierung habe Maßregeln getroffen, welche die Wiederkehr und das Unheil eines Truppenmißbrauchs verhindern. Sie habe Krüger alle wünschenswerlhen Garantier» gegeben. Der Company sei Zeit zu lassen, selbständig die Demission Rhodes' zu erwägen, deffen bester Platz in jedem Falle in Südafrika sei. Nach dem Ende des Prozesses werde die Regierung die ganze Angelegen­heit, einschließlich der VcrwaltungSweise der Chartered Company, nachprüfen. Die Regierung betrachte hierzu al« geeignet die Ein­berufung eines gemeinsamen Ausschusses aus dem Oberhause und Unterhause. Die Politik der Regierung sei, die Wiederkehr bedauer­licher Vorfälle zu verhindern, sowie mit allen legitimen Mitteln den Briten in Transvaal eine gerechte nnd gleiche Behandlung zu sichern. Die Freundschaft werden die dortigen Stämme Herstellen. Im weiteren Verlauf seiner Rede betonte Chamberlain, das Haupt­ziel jeder britischen Regierung in Südafrika sei, die Stellung eines vorherrschenden Staates dort zu bewahren (lauter Beifall), ferner die Eintracht der beiderseitigen Rassen herbeizuführen, ähnlich dem befriedigenden Zustand in Canada, in der Kapkolonie und dem Oranje-Freistaat. Die abweichende Lage in Transvaal entspreche den beiderseitigen Fehlern. Die Wiederabtretung Transvaals »ach der Niederlage bei Majuba-Hill sei eine großherzige That Englands gewesen, die Transvaal erwiderte, indem cs den Vertrag von 1881 durch fortwährende Einfälle in Gebiete außerhalb Transvaals und das britische Gebiet verletzte. Die nach 1881 erlassenen Gesetze riefen die berechtigten Beschwerden der UitlandcrS hervor. Rhodes' unerfüllter Herzenswunsch, die friedliche Verbindung aller südafrikanischen Staaten zu einem gemeinsamen Ziele unter deui Schutze der britischen Flagge, müsse das Ziel irder Regierung bleiben. Ein Ultimatum wurde jetzt Krüger nicht gestellt, da das­selbe unfehlbar einen lange dauernden Krieg herbeiaesührt hätte. England beanspruche nicht ein Einmischungsrecht in die Transvaal- Angelegenheiten, aber das Recht freundschaftlicher Vorstellungen und Rathschläge. Nunmehr sei Geduld behufs Erreichung eines Arrange­ments in Südafrika nöthig.

Schiller,Briefe", Hrsg. v. Ionas, 16. Stuttg. Greif, Mart., Ges. Werke." 2. Leipz. 1896. Marschall, W.,Plaudereien u. Vor­träge". 1. 2. Leipz. 1895. Carlyle, Th.,Helden", deutsch von I. Neuberg. Aust. 2. Berl. 1893. Zernin, Gebh.,A. v. Soeben". 1. Berl. 1895. Mylius, I. C.,Familien MyliuS". Buttstädt 1895. (Geschenk.) Bulling, C.,Deutsche Frau u bürgerl. Gesetzbuch". Aufl. 2. Berl. 1896. -Verfassungsurkunde, Preuß.", komm, von E. Schwartz. Berl. 1896. «Tagemnh meiner Reise um die Erde". 2. Wien 1896. Nausen, Fridtj.,Auf Schneeschuhen durch Grönland". 1. 2. Hamb. 1891. -«Archiv, Ungar., für Medizin". 1. 2. Wiesb. 1893. 94.Encyklopaedie der Naturw.". in, 1. (Hdb. d. Phys. 2,-.) Breslau 1896.

Moore, F., Lepidopt. lud. 2. Lond. 189396.Bericht über die Weltausstellung in Chicago 1893". 1. 2. Berl. 1894. (Geschenk.) Schwenke, P.,Silberbiblioth. Herz. Albrechts v. Pr". Leipz. 1894. (Geschenks -Vicaire, G.,Livres du XIXe siScle. 1.2. Paris 1894,95. -Halbjahrskatalog", Hinrichs', 1895,2. Leipz. 1896. Goldschmidt, R., Was ist Geld?" Leipz. 1894. (Geschenk.) Grothe, L.,Lebenr- versich. am Weihnachtsk.". Wiesb. 1896. Lade, E. v.,Obst- und Gartenbau in Monrepos". Aufl. 2. Wiesb. 1895.Buch, Idsteiner rothe", Auszug v. K. v. Neuenstein. KarlSr. 1896. «Soden a. T., seine Heilmittel u. Zndikat.". Sod. 1896. Schroetex, A.,Wiesbadener Thcaterfrage 1848". Wiesb. 1896. (Geschenk.)Wochenblatt, Musikal.". 1. Leipz. 1870. (Geschenk.)

* ziaDänischer Kunstverein. Neu ausgestellte Bilder. Pon H. Hartung in Düsseldorf zwei Buder:Knusperhäuschen" ausHänsel und Grcthel" undWaldlandschaft" (reizvolle Land­schaften von höchst künstlerischer Durchführung). Von A. W etn» berget hier zwei Bilder:Aus den Hoy'n" (Motiv aus HeßuA bei Wiesbaden) undGordonsetter und stichelhaariger VorstehhilW, Hühner vorsteheud" Motiv bei Cnrve). In diesen beiden M- mäldeii, deren erstes ein paar Rehe in herbstlichem Felde zeigt, hat der treffliche Künstler den Beweis erbracht, daß er nun auch der Landschaft Meister geworden ist. Schon früher waren seine bezüg- licheu Motive immer sehr glücklich gewählt, aber den BildeH mangelte der Luftton unddie Farm ging nicht zurück". Dar hat sich im Laufe der letzten Jahre merklich geändert und so hat Herr Weinberger dem alten Spruch:Was Hänschen mcht lerksi, lernt Haus nimmermehr", ein ordentliches Schnippchen geschlackex. Die erwähnten beiden Bilder sind unseres Erachtens die bestkst, welche der Künstler jemals geschaffen, nud muffen durch ihre Motive, wie durch die gute Wiedergabe der Natur auf Jeden ansprechend wirken.

* Die Millenninnrs-Vantaions. Aus Wien wird be­richtet : Dieser Tage erregte auf der Ringstraße ein Herr großes Aufsehen durch die Hose, die er trug. Er war direkt aus Budapest angekommen und hatte sich dort eine sogenannte Millenniums-Hofe" anfertigen lassen. Ans größerer Entfernung präsentirt sich dieses merkwürdige Bleinkleid als ein zwar außer­gewöhnlich, nämlich horizontal gestreiftes Beinkleid, in der Nahe sieht man jedoch genau schwarz auf weiß in Pepita-Dessin eingewebte Ziffern in folgender Form:

1000 1000 1000 1000

1000 1000 1000 1000 1000 1009 1000 1000 Ob dieseMode" wohl viele Anhänger finden wird?

* Dersch irden» Mittheilungen. Der bekannte und einst so beliebte Wiener Komiker Martin K räuser, recte Katerzabek, wurde in Wien unterstandslos ausgegriffen, und, da er aller Rüttel entblößt ist, in das Vcrsürgungehaiis überführt. Krämer spielte schon feit Jahren nicht mehr. Seine beste Zeit verbrachte er am Josephstädter Theater und am Fürst-Theater. Muser ist durch Krankheit und Hunger furchtbar herabgekommtn. Er steht im 57. Lebensjahre.

Znm 10, Mai.

Heute schließt sich der Kreis der ErinnerungStage an die größte Zeit, die Deutschland in einer tausendjährigen Geschichte zu durchleben beschieden war. Am 10. Mai 1871 erhielt es in der alten Kaiserstadt Frankfurt verbrieft und besiegelt, was ihm seine Söhne durch ihre alles Preisens spottende Tapferkeit, Otzferfreudigkeit und Ausdauer er= worbA. Zwar die Waffen hatten seit dem Uebertritt der französischen Ostarmee auf schweizerisches Gebiet geruht, und am 26. Februar wgr zu Versailles ein vorläufiger Friedens- »Ktrag zwischen Bismarck unb den süddeutschen Ministern Allerseits und dem wenige Tage vorher zum Chef bg; französischen Regierung ernannten Thiers und Mlius Favre andererseits unterzeichnet worden. Aber die Ihn 28. März in Brüssel eröffneten Verhandlungen über den endgültigen Abschluß hatten Ende April noch kein Ergebniß gehabt, sodaß Fürst Bismarck sich am 2. Mai in einer ReichZtagsrede nicht völlig frei von der Besorgniß zeigte, die Feindseligkeiten könnten wieder ausgenommen werden. Thiers faßte diese Kundgebung des deutschen Bundeskanzlers als ernste Mahnung auf und entsandte tote und den Finanzminister Pouyer-Quertier nach Frankfurt, wo Bismarck die Verhandlungen fort-

gefttzt zu sehen wünschte und wohin er sich selbst am L Mai begab. Von da ab ließen sich die Schwierigkeiten rasch beseitigen und am 10., Mittags 2 Uhr, setzten Bismarck und Favre ihre Namen unter den endgültigen Friedens­vertrag. Und nun läuteten allüberall in deutschen Landen die Fmerglocken, die so manchem herrlichen, aber blutig er­kauften Sieg geklungen hatten, den jubelnd begrüßten Frieden ein. Die Frucht war von dem Siegesbaum ge­brochen. Die Frankfurter Urkunde brachte die völkerrechtlich bindende Anerkennung dessen, was nicht nur Frankreich, auch andere Staaten und Völker Deutschland nimmermehr hatten zugestehen wollen: das Recht der Alleinbestimmung im eigenen Hause. Zwar hatten die süddeutschen Staaten den Vertrag noch zu genehmigen gehabt, aber es war eiit Kaiser, der Repräsentant eines geeinten Deutschlands, mit dem das Oberhaupt des ftanzösischen Staates die Rati­fikationen auszutauschen hatte. Das Friedensinstrument brachte weiter dieSchlüssel" zu unserem Hause, Straßburg und Metz, die festen Plätze der wieder mit dem Vaterlande vereinigten, in argen Zeiten theils schnöd geraubten, theils schnöd dahingegebenen deutschen Landestheile am linken Ufer dcS oberen Rheins, der Morgengabe des ersten Hohenzollern- kaisers an das deutsche Volk. Deutschland hatte sein Recht gefunden. Es hat dies Recht die fünfund­zwanzig Jahre hindurch treulich gewahrt, aber es hat auch, und dies ist das Schwerere, die Macht, die ihm der gewaltige Krieg gegeben, niemals mißbraucht. Standen seine Waffenerfolge ohne Beispiel in der Geschichte da, so gilt bieS nicht minder von der Mäßigung, der Achtung ftemden Rechts, die entgegen den Erwartungen einer ganzen Welt daS Zeichen seiner Politik nach dem Krieg und bis auf den heutigen Tag gewesen sind. Das gute Gewissen, mit dem wir die Schlachtentage eines uns aufgedrungenen Krieges feiern durften, bildet das Beste auch des heutigen Friedensfestes. . Treu dem am 18. Januar zu Versailles abgelegten Gelöb- niß seines ersten Kaisers hat Deutschland nicht nur Frieden gehalten, sondern es auch allen anderen Völkern leicht ge­macht, mit ihm in Frieden zu leben. Der neue europäische Arpand, den der Frankfurter Vertrag geschaffen, ist ein Zustand des Friedens geworden, und das Deutsche Reich ist rs> dem der Welttheil diesen Segen verdankt. Der Charakter 5eS deutschen Volkes und der Geist seiner Herrscher bürgt dafür, daß hierin im zweiten Vierteljahrhundert des

(Nachdruck verboten.)

Der Flieder blüht!

Von Th. B. Gall.

Noch gestern war keine Blüthe zu sehen. Nur hier und da schimcherte bereits das Lila oder Weiß durch die noch fest geschlossene Hülle. Man meinte, es dürsten noch Tage vergehen, bis diese sich erschließen würde. Der ganze Baum nahm sich beinahe traurig aus in den dunkeln Farbenlönen, welche er zeigte. Aber nun ist er aufgeblüht und leuchtet und duftet in den Garten und wird uns auf dem Markt zum Kauf geboten.Ja, der Flieder blüht!"

Und nun hinaus in den Garten, wo sich eben eine Traube jungfräulich entknospeter Blüthen an die andere schmiegt! Der Thau perlt noch an den zarten Blättlein; im Gezweig aber schlüpft die Nachtigall, die den Flieder nicht minder zu lieben scheint als der Mensch selber. Ist es der Duft, welcher es unserer gefiederten kleinen Sängerin Mechau hat, jener wunderholde, milde Odem, welcher den Blüthlein entströmt, oder sind es diese in ihrer ebenso ein­fachen wie zauberhaften Schönheit? Wären wir früher ge­kommen, so hätten wir sie noch fingen gehört; nun müssen wir uns jedoch gedulden, bis der Abend seine Macht wieder abgetreten. Unser Fliederstrauch aber fühlt sich inzwischen gar wohlig in dem Strahlennetz, mit welchem Frau Sonne ihn umspinnt. Und die offenen Blüthlein raunen es den geschloffenen Schwesterknospen zu, wie schön die Welt sei und was sie Alles zu sehen bekommen. Da guckt eine nach der anderen, neugierig geworden, heraus in den Tag und in die Sonne. Erst freilich zaghaft, verschlafen; bann aber wuthig und ohne Besinnen.

Der Flieder ist in unseren Gärten, überhaupt in Europa, Mnißmäßig jungen Ursprungs. Erst seit dem Ende 16. Jahrhunderts wurde er Gegenstand einer horto- Kultur. Damals nannte man ihnpersischer" oder «Mch ,türkischer" Flieder, und die Meinung galt als Der«

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