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Samstag, de» 2. Mai.
1896,
Bezirks-Fernsprecher Äo. 52.
BezirkS-Fernsprecher N». 52.
Abend-Ausgabe
(Fortsetzung statt Schluß.)
(Nachdruck verboten.)
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Alle Abtheilungen der ersten Weltausstellung in Paris (1855) wurden von der französischen tief in Schatten gestellt, und Eugenie war zu klug und zu patriotisch, um nicht das, was französischem Boden entstammte, ins rechte Licht zu stellen und zu protegiren. Die Aussteller anderseits waren gute Geschäftsleute und boten Alles auf, ihren Beifall zu gewinnen. Man hatte damit begonnen, seine Töchter nach ihr zu nennen, den wohlthätigen Anstalten ihren Namen beizulegen, nun benannten die Industriellen ihre Maaren nach ihr. Und war es endlich dem Fabrikanten geglückt, ihr Interesse auf sich zu lenken, so war sein Glück gemacht, denn sie fand nie einen Preis zu hoch, und was sie kaufte, kam sofort in die Mode.
Doch die Mode gestattet nicht einmal dem Schönen und Charakteristischen, seinen Platz lange zu behaupten. Was sie immer Schönes erfunden haben mag, sie opfert cs beständig zu Gunsten neuer Einfälle. Was die Weltausstellung in die Mode gebracht, wurde wieder verdrängt, und unmittelbar nach Schluß derselben vollzog sich eine denkwürdige Umwälzung auf dem Gebiete der weiblichen Toilette.
Eugenie erwartete Mutterfreuden, und sie erfand die Krinoline — wie die Einen meinten, um ihren Zustand zu verbergen, wie die Anderen behaupteten, um ihn umgekehrt möglichst augenfällig zu machen.
Gewohnt, Eugenie als die Schöpferin der Krinoline zu betrachten, pflegt man es zu übersehen, daß dieselbe nur eine neue Form des Fischbeinrocks ist, der sowohl im sechzehnten wie im siebzehnten und achtzehnten Jahrhundert seine Rolle gespielt. Eugenie nahm die Mode unter einem neuen Namen und in einer neuen, vollkommenem Form wieder auf, und Eins ist sicher, niemals hatte der Fischbeinrock — oder die Krinoline, wie er nun hieß — eine ähnliche Rolle gespielt, noch nie hatte er eine solche Vollkommenheit, eine solcheAusbreitung wie zur Zeit des zweite«
schneider aufwendeten, um ihre Zufriedenheit zu gewinnen, geschah es doch äußerst selten, daß eine Toilette ihr ganz gefiel.
In der Jugend hatte Eugenie sich kurze Zeit künstlerischen Bestrebungen hingegeben, und sie malte recht hübsch. Dieses Kunstverstäudniß kam ihr jetzt zu statten. Sie machte ihre Bekleidung zu einem förmlichen künstlerischen Studium, und die Sphäre der Mode rückte unter ihrer Obhut zur Welt der Kunst empor.
Eine Revolution, die sie fast unmittelbar vornahm, stimmte sie doch mit ihrem Gefühl für ihre Würde als Kaiserin, war die Wiedereinführung der langen Schleppe. Man adoptirte die Mode ohne Rücksicht auf Stand und Stellung. Einstmals, in uralten Tagen, hatten die Schleppen die Säle des Hofes gefegt, jetzt fegten sie die Straßen und die Zimmer der Bürgersleute.
Vor der Thronbesteigung Eugenies war die unbeholfene Weiblichkeit modern gewesen. Als cs jedoch Sitte wurde, Eugenie zu kopiren, wurde die Weiblichkeit bei Seite gesetzt. Sie brachte Herrenkragen und Herrenmanschetten und viele andere kleine Dinge, die auf Emanzipation hindeuteten, in die Mode. Unter ihrem Scepter erhielt die Toilette überhaupt einen männlichen Zuschnitt. Die verwegene Reiterin munterte zu einer Mannhaftigkeit auf, die man plötzlich ungemein kleidsam fand.
Der Krimkrieg brach aus, und mit ihm kamen die türkischen Shawls wieder ans Licht. Vereinzelt waren sie schon früher in Gebrauch gewesen, allein sie kamen hoch. Nun wollten sie Alle haben. Französische Fabrikanten ahmten sie in unechten Stoffen nach und machten ausgezeichnete Geschäfte. Binnen Kurzem waren sie in jedes Dorf in Europa gedrungen. Die Schulmeisterin, die Frau des Oekonomen, wie Jhro Gnaden die Frau Gräfin, Alle mußten durchaus in solch einem Shawl zur Kirche wandet
Die Ermordung des Schahs.
Wie schon im Morgenblatt durch Telegramm gemeldet, ist der Schah von Persien von Mörderhand erschossen worden. Nassr ed-din Schah en schah (König der Könige) war am 18. Juli 1831 geboren und folgte im September 1848 seinem Vater Mahomed Schah auf dem Throne, sitzt also jetzt säst 48 Jahre ans dem Thron, des verfallenden PerserrcicheS. Er war der vierte Souverain der Dynastie Kadschar. Nachdem er den Thron bestiegen hatte — er war schon vorher zum Nachfolger bestimmt worden »nd die energisch ausgesprochene Anerkennung desselben von Seiten Englands und Rußlands hielt die übrigen Thronprätendenten fern — ernannte er, so schreibt die „Franks. Ztg.", den Sohn eines Kocher zum Wesir. Dieser unterdrückte mit fester Hand einen Aufruhr in Cborassan und einen Priestcr- aufstand in Jrpahan, erleichterte den Steuerdruck, suchte die Willkür der Gouverneure zu zügeln und die Finanzen zu heben, allein da-er auch gegen die Günstlinge des Hose» und deren lose Sitten mit Strenge vorging, so unterlag er bald den Hofkabalen und er wurde 1851 auf Befehl des Schah ermordet. Sehr bald richteten sich die Dolche von Mördern gegen den Schah selbst, denn am 15. August 1852 verübten drei Männer der Babis-Sekte, deren Stifter hingerichtet worden war, ein Attentat gegen ihn, wofür die ganze Sekte unter unbeschreiblichen Martern »erfolgt wurde. Der Krimkrieg brachte neue Konflikte zwischen den Persern und ihrem Herrscher, denn letzterer nahm Partei für Rußland und gegen die Türkei, während die Bevölkerung instinktiv heraussühlte, daß ersteres ein gefährlicherer Feind Persiens ist, als letztere. Mit England gerieth der Schah in jener Zeit wiederholt in Konflikte, da er durchaus Herat seinem Reiche ein« verleiben wollte, die Engländer dies aber nicht gestatteten. E» kam sogar zum Kampfe mit der englischen Flotte, und erst im Jahre 1857 wurde unter französischer Vermittlung Friede geschlossen. Auswärtige Kriege hat übrigens Persien seit 1860 nicht mehr zu bestehen gehabt, desto häusiger wurden aber die Unruhen im Inneren. Jin Jahre 1877 glaubte Nassr ed-din zwar die bedrängte Sage der Türkei benutzen zu können, um Bagdad zuiiick- zuverlangen, allein er stieß dabei auf den Widerstand der iniiham- medanischen Bevölkerung und mußte deshalb den Plan aufgeben. Dagegen erhielt Persien durch teu Berliner Vertrag die von den Türken 1850 besetzte Stadt Kotur zurück. Ein am 21. Dezember 1881 mit Rußland abgeschlossener Vertrag setzte die Grenze zwischen
Kaiserin Eugenie als Beherrscherin der Mode.
Von Clara Tschudi.
Das Schlafzimmer der Kaiserin, in dessen unmittelbarer Nähe ihr Oratorium lag, war von ihren übrigen Gemächern sehr verschieden. Ihm fehlte das individuelle Gepräge. Das mit reichen Stoffen drapirte Bett stand auf einer Erhöhung und glich einem Throne. In diesem Gemach bewahrte sie die goldene Tugendrose, die ihr der Papst verehrt, und neben ihrem Bett ragte eine ihr ebenfalls vom heiligen Vater alljährlich .mit seinem Segen gespendete Palme. Am Tage hielt sich Eugenie niemals in diesem Gemach auf. Desto mehr Zeit verbrachte sie in dem anstoßenden Ankleidezimmer, in dem sich große, bewegliche Spiegel, mit deren Hülfe sie sich von allen Seiten sehen konnte, befanden.
In dem oberhalb liegenden Stockwerk, mit ihren Privat- gemöchern durch Sprachrohre und Elevatore in Verbindung gesetzt, befanden sich die Säle, in denen sich ihre weibliche Dienerschaft aufhielt. Hier gab es förmliche Magazine von Seidenstoffen, Sammeten, fertigen Kleidern, allen erdenklichen Toilettengegenständen. In ungeheueren, längs der Wände laufenden Schränken wurden Kleider und Mäntel aller Farben und Faxons, sowie Wäsche rc. aufbewahrt. Daneben gab es eigene Gelasse für Hüte, Schuhe und Stiefel, Parapluies, Sommermantillen rc.
In einem der Zimmer hatte die Kaiserin lebensgroße Gliederpuppen aufstellen lassen, die bis auf die diskretesten Einzelheiten wie lebendige weibliche Wesen angekleidet waren und an Höhe und Formenfülle der Figur der Kaiserin genau entsprachen.
Trotz aller Sorgfalt, welche die Modisten und Damen-
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Persien und dem von den Russen eroberten Turkmenen-Gebiet fest. Seitdem drückt Rußland mit feinem ganzen Schwergewicht auf Persien, wo infolgedessen der englische Einfluß immer mehr zurück- gegangen ist.
Nassr ed-din war bet erste persische Schah, der Reifen in» Ausland unternahm (1873, 1878 und 1889) und bei der Gelegenheit zahlreiche abendländische Schlösser in Unordnung brachte und sonstige morgeulänbifdie Dinge that, über die zahlreiche Anekdoten noch heute umgehen. Allein er hat bei der Versuchen, das, was er auf diesen Reisen gesehen, auch in feinem Reich einzuführen, meist kein Glück gehabt, denn die Reformen waren ohne die Hülfe von Fremden nicht auSznsühren, und so regte sich bald der Neid der Einheimischen gegen jene. Als mntbmaßlicher Nachfolger gilt der am 25. Marz 1853 geborene Prinz Musaffer ed-din Mirza, der selbst schon 5 Söhne und 15 Töchter hat.
lieber das Attentat liegen bis jetzt folgende Nachrichten vor:
Teheran, 1. Mai. Das Attentat auf den Schah erfolgte am Nachmittag. Der Mörder schoß auf den Schah in dein Augenblick, in welchem dieser die Gabmoichee des Wallfahrtsortes Schah Abdul-Asim, sechs Meilen südlich von Teheran, betrat.
Kerli», 1. Mai. Aus Teheran meldet das „Bureau Renttr": Es war 2 Uhr Nachmittags, als der Mörder, ein Fanatiker, auf den Schah einen Pistolenschuß abgab, der Nassr-eddin in der Herzgegend traf. Der Schah wurde zuWageu nach dem Palast gebracht. Er starb nm 4 Uhr Nachmittags. Die Ruhe wurde in keiner Weise gestört. Der Thronfolger wird unverzüglich aus TaebriS hier eintreffen. — Der Schah wird entweder in Abdul-Asim beerdigt ober in Khun, wo sich Gräber der persischen Könige befinden. Der Thronfolger Musaffer ed-din Mirza ist der älteste Sohn des Schahs. Unruhen sind bei der Thronfolge nicht zu erwarten.
Pari», 2. Mai. Die hiesige persische Botschaft theilt mit, daß der Mörder des Schahs der bynastieseindlichen Sekte der Babis angehört hat, welche in letzter Zeit stark gemaßregelt wurde. (Die Babi« sind eine feit vierzig Jahren bestehende Sekte, die sich vom Islam losgelöst und religiöse-poliiische Ziele verfolgt, namentlich die Verdrängung der herrschenden Dynastie auftrebt. Die persische Regierung ist seit Langem bestrebt, diese Sekte auszurotten, von der aus schon mehrere Attentate gegen den Schah [f. o.] ausgingen.) Der Thronfolger, welcher europäisch gebildet, ist ein Freund fremder Kultur. Der Schah wird in Khmi bestattet werden. Abdul- Asim, wo der Schah ermordet wurde, ist ein heiliger Ort, wo ein Nachkomme des Propheten begraben ist. Die Bewohner von Teheran pflegen dorthin zu wallfahren. Der Schah selbst ist gleich anderen gläubigen Muselmännern oft dorthin gepilgert, so auch nm Freitag, welcher ein heiliger Tag der Muselmänner ist. — Der Schah wollte anläßlich der Pariser Weltausstellung im Jahre 1900 wieder nach Europa kommen. — Der persische Gesandte in Paris erklärte, daß die Thronfolge des ältesten Sohnes de» ermordeten Schah keinerlei Schwierigkeiten bereiten dürfte.
C.T.C. London, 2. Mai. Den „Times" wird aus Teheran von gestern gemeldet: Dort herrsche ziemliche Beunruhigung und Prinz Kainrau-Mirza Nahil-es-Saltaueh habe sich auf Verlangen der Regierung in seinen Palast zurückgezogen. Eine Zeit lang hätte viel Unzufriedenheit wegen der Thenerung der Lebensmittel, welche zum Theil durch übermäßige Ausgabe von Kupfermünzen veranlaßt fei, geherrscht.
Der erste Mai.
D.B.H. Kerlitt, 1. Mai. Soweit bis jetzt bekannt, ist die Maifeier Hierselbst ruhig verlaufen. E» fanden zahlreiche Versammlungen statt, die säst sämmtlich stark besucht waren. In sämmtlichen Versammlungen, die Vormittags abgehalten wurden, ließen die Anarchisten und Sozialisten ein Flugblatt: „Maien- Weckrus" vertheilen, welches die Arbeiter anfforbert, dem Ziele des dauernden Welten-Mai, der Herrschastslosigkeit, zuznflreben. Die einzelnen Gruppen-Versammlungen waren schwach besuch-.
D.B.H. München, 1. Mai. Hier ist Alle» ruhig verlaufen. In acht Volksversammlungen wurden gleichlautende Resolutionen, betr. den Achtstundentag, angenommen.
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Die einspaltige Petitzeile für locale Anzeigen 15 Psg., für auswärtige Anzeigen 25 Psg. — Reklamen die Petitzeile für Wiesbaden 50 Psg., für Auswärts 75 Psg.
(Nachdruck verboten.)
Die Eröffnung der Berliner Gewerbe-Ausstellung 1896.
— Kerlitt, 1. Mai.
Kein Zweifel, die Ausstellung hat Glück, nicht bloß in ihrer über alle Erwartung schnell in den letzten Tagen geförderten Vollendung, die sie heute bei Anlegung keines zu strengen Maßstabes wirklich vollendet erscheinen läßt. Glück auch in dein herrlichen, ionnigen Maientage, der nach einem kalten und regnerische» April eute über ihr aufgegangen ist. Das war ein Leben in dem von den ersten warmen Frühlingslüften grün angehauchten Ausstellungs- Gelände! Zwar gab es hier nur Eingeladene, aber sie zahm« immerhin »ach Lausenden. Andere ungezählte Tausende standen Kopf an Kopf gedrängt an den Zusnhrwegen, besonders längs der Spree und auf allen sie überspringenden Brücken; denn bar sollte der Kaiser, von Potsdam her kommend, auf seinem Dgmpfer „Alexandra" passiren. Waren schon alle Straßen in der Nähe der Ausstellung reich geschmückt, hier wurden sie durch die Entfaltung von Fahnin und bunten Wimpeln längs der Ufer über* boten. Mit nur geringer Verspätung langte die „Alexandra" am festlich beforirten Landungssteg au. Zum Empfang der hohen Herrschaften waren hier, nächst den drei Leitern des geschäftsführenden Ansschnffes, der Protektor der Ausstellung, Prinz Friedrich Leopold, und deren Ehrenpräsident, der preußische Handelsminister Herr v. Berlepsch, versammelt. Prinz Friedrich Leopold reichte alsbald der in maigrüner Toilette, auf dem Haupt ein mit Oraugenblüthen ganürteS Hütchen, erschienenen Kaiserin den Arm und setzte sich an die Spitze des Zuges. Ihm folgte der Kaiser im Gespräch mit Herrn v. Berlepsch und dem Landrath v. Stubenranch. So bewegte sich der Zug unter den Hochrufen des spalierbildenden Publikums nach dem Haiipt-Ausstellungsgebände, vor dem, längs des Wasserbasfins, die erste Compagnie des dritten Garde-Regiments Aufstellung genommen halte. An bereu Front unter den Klängen des Präsentir- marscheS entlang schreitend, wurden die hohen Herrschaften durch ben jubelnben Znrnf bes in unb vor ber halbrunden Wandelhalle versammelten, znm größten Theil aus Damen bestehenden Publikums begrüßt. Beim Eintritt in ben eigentlichen Festraum, bie Kuppelhalle, ertönte, von zwei Musikcorps gespielt, der Wagnersche Kaisermarsch, nachher fangen bie Berliner Liebertafeln eine Hymne; in beiden Fällen bewährte sich bie Akustik bes Raums auf« Großartigste. Inzwischen waten bie höchsten unb hohen Herrschaften auf bas unter einem Balbachin erbaute Pobium geleitet worben. Rechts vom Balbachin nahmen bie hohen Beamten unb Würbenträger, die tofffaaten, bie Botschafter unb Gesandten, links bie Mitglieder des rbeitsausschnsses nebst ihren Damen, die Mitglieder des geschästs- führenben Ausschusses, bie Ehrenpräsidenten und die Vorsitzenden der Gruppen, daneben die Architekten, die Ehrensyndiei und alle anderen geladenen Gäste Aufstellung. Aus vom Ehrenpräsidenten erbetene und von Er. Majestät ertheilte Erlaudniß besann nunmehr ber Festakt mit einer Rebe beS ersten Vorsitzende des Arbeitsansschusses, KommerzienraihS Kühnemann, des leitenden Organisators auch der letzten 1879 stcittgehabten Berliner Ausstellung. Redner gab eine gedrängte Schilderung der Mühen, welche diese Ausstellung verursacht, unb bat, sie als ein Zeichen rastlosen Bürgerfleißes gelten zu lassen, berufen, ben Ruhm ber Stabt zu mehren, die sich mit Stolz Sr. Majestät Haupt- unb Resibenzstadt nenne. Ihm folgte mit einer Ansprache an den Protektor ber Ausstellung, ben Prinzen Friedrich Leopold, ber erste Stellvertreter bes Vorsitzenden, Baumeister unb LaubtagS-Abgeordneter Fetisch, unb biefem mit einem Dank an ben Ehrenpräsidenten, v. Berlepsch, unb an bie Stabt Berlin ber zweite Stellvertreter, Geh. Kommerzienrath Goldberger, worauf ber Ehrenpräsident an ben Kaiser bie Bitte richtete, bie Ausstellung als eröffnet erklären zu bürfeu. Auf ertheilteErlaubniß würbe sofort das Signal zum Loslassen ber Maschinen gegeben, worauf burch bas LängSschiff hindurch von der dahinterliegeiiden Maschinenhalle her sich das summende Geräusch bewegter Maschinerie als Signal des mm erfolgenden Rundgangs durch bie Ausstellung
4«. Jahrgang.
Erscheint in zwei Ausgaben. — Bezugs-Preis: 50 Pfennig monatlich für beibe Ausgaben zusammen. — Der Bezug kann jederzeit begonnen werbe«.
vernehmbar machte. Ein Hoch auf ben Kaiser hatte sich an bie Kühnemannsche Rebe angeschlosseii, gefolgt vom Gesang ber Nationalhymne.
Der Rnndgang ber höchsten und hohen Herrschaften durch bie Ausstellung behüte sich viel länger aus, als ursprünglich in Aussicht genommen war. Der Kaiser war ersichtlich von Vielem höchst überrascht unb sprach überall seine Anerkeminng aus. Es war '/-8 Uhr, als bas Ziel, bas mächtige, halb in ber Spree, halb in einem Seitenkanal berfelbeu gelegene Kaiserschiff erreicht würbe. Hier sollte ein Imbiß eingenommen und bann bie Rückfahrt mit ber „Alexandra" angetreten werben. Berichterstatter hat letzteren Zeitpunkt nicht abwarten können. Bis um V-4 Uhr ertönten noch von Borb bes in natürlicher Große kopirteu Lloyd-Dampfers „Bremen" die Fanfaren der Garde-Küraffiere zum Zengniß, baß ber hohe Besuch noch an Bord weilte. Gegenüber, am Stralaner Ufer, standen Tausende, ebenso war bie benachbarte Eisenbahnbrücke vom Publiknin belagert.
Ganz allgemein ist ber Einbrnck, baß bie Ausstellnng ein Erfolg ist, wie er kaum größer erwartet werben konnte. Die ursprüngliche Ranmvertheilnng ist mehrfach durch bie über alle Voraussicht große Betheiligiing verändert worden. Die tremiendeii Zäune zwischen dem größeren südlichen unb dem kleineren nördlichen, an ber Spree belegeneil Theil bes Geländes sind längst gefallen, da? Planum ber Treptower Chaussee ist als Ansstelluiigsplatz mit Nutzen verwerthet, weil es manchem leichten Gebäude ein willkommenes Funbarnent bietet. Rittlings dazu ist das Verwaltungsgebäude am Haupteingang errichtet, das wie bie meisten Ans- stellungSgebäude in jenem phantastischen Stil gebaut ist, ben man, als feiner bestimmten Kunstgattung zu unterstellen, vielleicht ben Berliner Ausstellnugssti! taufen wirb, ber da von beit Fähigkeiten ber Berliner Architekten rühmendes Zengitiß ablegt. —u.
