irolidiirntr Sagblatt
Nnzelgen-PreiS t
1896
Dienstag, den 28. April
Vczirks-Ferlisprecher No. 52.
U». 198.
Bezirks-Fernsprecher N». 52.
Abend-Ausgabe
RI
v
8
3
l co
cn
CD
kV
S
-SS
3
' £D • _ CD
asa
<as
£
f
schrieben, und zwar mit solchen, die wirklich existiren: La Comtcsse de A., Mme B. oder M. C. haben in dem betreffenden Hanse gewohnt, aber sie befinden sich nicht mehr daselbst. Sie sind nach einer sehr entfernten Stadtgegend oder gar nach der Provinz oder ins Ausland verzogen, der Concierge kennt ihre Adresse nicht. All Dies hat der Schreib- küustler natürlich vorher festgcstellt, und so sind die Versuche, Erkundigungen einzuzichen, fruchtlos. In 90 Fällen von 100 begnügt die betreffende Herrschaft sich auch damit, zu erfahren, daß die gegebene Adresse richtig sei, und zweifelt nunmehr auch nicht an der Authenticität des Certisikats, um dann mit Erstaunen zu erkennen, daß derjenige, welcher sich in seiner früheren Stellung als das Modell eines Dieners erwiesen hatte, bei ihr das gerade Gcgentheil ist, wenn ihr überhaupt die Zeit für diese Erfahrung bleibt, da häufig nach recht kurzer Zeit der Betreffende unter Mitnahme einiger werthvollen Gegenstände verschwindet.
Natürlich besitzt Paris auch Gesindevermiethungs-Büreaus, deren Skrupulosität aber ebenfalls vielfach gar sehr zu wünschen übrig läßt, und Bücher, wie sie z. B. in Deutschland Vorschrift sind, giebt cs ebenso wenig, als, wie bemerkt, eine polizeiliche An- oder Abmeldung zu erfolgen hat, so daß es fast unmöglich ist, die Nichtigkeit der gemachten Angaben festzustellen, wenn eine Täuschung beabsichtigt wird.
Wohl existirt in Paris eine recht gute Einrichtung, nämlich die Vermiethungsbüreaus der Mairien, wo keinerlei Bezahlung beansprucht wird; aber selbst ehrliche und gute Dienstboten begeben sich fast nie dahin. Sie haben eine instinktive Furcht vor den Beamten, vor den zu erfüllenden Formalitäten und ziehen es vor, in den privaten Bureaux de placement gegen theures Geld eine, häufig recht schlechte Stelle nachgewiesen zu erhalten, denn auch solche giebt es ja unleugbar, und gewöhnlich sind es die Unerfahrenen und darum auch noch Unverdorbenen, die darauf hineinfallen. W. Waldau.
aber auch nicht leicht sein kann, Stellung zu erhalten, da die gewährten Zeugnisse, wenn überhaupt ein solches verlangt wird, nicht gerade befriedigend ausfallen können. Dies ist jedoch in Paris kein Hinderniß, denn da unsere, sonst manchmal recht inquisitorische Polizei sich um derlei Sachen nicht bekümmert, so werden die schönsten Certifikate eben aus eigener Machtvollkommenheit crtheilt nnd hat sich sogar hier eine Industrie herausgebildet, die sich der Anfertigung derselben widmet.
Es existirt nämlich ein Diencrschaftsmarkt in Paris, der aber mit dem, welchen uns die Oper „Martha" zeigt, keinerlei Aehnlichkeit besitzt, ja, die Bezeichnung Markt erscheint nicht recht angebracht, da weder Käufer noch auch Micther auf diesem erscheinen. Auf der Dienstbörse finden sich nur männliche und weibliche Personen der dienenden Klasse zusammen, die schon weniger oder mehr vom geraden Weg abgewichen sind, um sich gegenseitig Auskunft über ekwaige zu erhaltende Stellen zu geben, vor Allem aber einander über die „Tricks" zu belehren, welche an- zuwendcn sind, um einen Platz zu bekommen,. der gewöhnlich nur als ein zeitweiliger Unterschlupf be- lrachtet oder auch aus schlimmeren Motiven acceptirt wird, nämlich um einen etwaigen Diebstahl vor- zubereitcn. Diese Börse wird im Freien, nämlich auf dem Place de la Concorde und auf den Champs Elysees, abgehalten und dort finden sich auch die Künstler ein, die, wenn man den genügenden Preis anlegen kann, in schönster Handschrift und in wohlgesetztcn Phrasen, sogar auf Stempelpapier das Zcugniß ausstellen, daß Marie X. eine ausgezeichnete Köchin oder Jacques B. ein vortrefflicher Diener sei. Auch die Charaktereigenschaften derselben werden natürlich herausgestrichcn, um die Sache aber wahrscheinlicher zu machen, hin nnd wieder ein kleiner Tadel mit eingeflochten, z. B., daß die Köchin naschhaft, oder der Diener unfreundlich zn Kindern war. Diese Zeugnisse sind mit vollem Namen und Adresse unter-
44. Jahrgang.
Erscheint in zwei Ausgaben. — Bezngs-PreiSr 50 Pfennig monatlich für beide Ausgaben zusammen. — Der Bezug kann jederzeit begonnen werden.
(Nachdruck verboten.)
Pariser Dienstboten.
Paris, den 27. April.
Sich über Dienstmädchen zu unterhalten, hat stets für den Beweis eines beschränkten weiblichen Gesichtskreises ge- ■ gölten, und noch viel mehr ist dies augenblicklich der Fall, Ms wo unsere Frauen oder wenigstens doch ein Theil derselben s - das Führen des Haushalts als eine Nebenbeschäftigung, ja ein Mithandanlegen direkt als unter ihrer Würde betrachten. Und doch ist gerade infolge dieser Emanzipationsbestrebungen, f- von denen ja auch die unteren Klassen nicht verschont geblieben, diese Frage eine brennendere geworden, denn jetzt | noch mehr als ftüherhängt von der individuellen befriedigenden Lösung derselben die Gcmüthlichkeit und Behaglichkeit vieler Häuslichkeiten ab.
Die Großstädte sind es hauptsächlich, in denen die L Dienstbotenmisere sich am stärksten fühlbar macht, und in keiner dürfte dies in so hohem Maße der Fall sein als in M-.-Paris. Nicht nur übt diese schöne, lebenslustige, leichtsinnige |p Metropole auf die Töchter der Kreise, aus denen die helfenden Geister sich rekrutircn, insofern einen ungünstigen Einfluß aus, als viele es vorziehen, um ihre Freuden besser genieße» ; zu können, sich nicht in die „Sklaverei" zu begeben; die Einrichtungen der Pariser Wohnhäuser erschweren auch eine Kon- trolle über die Dienerschaft sehr, ja sind ein direkter Verderb für dieselbe. In den Apartements selbst ist nämlich nie ein L Raum für sie vorgesehen, sie schlafen alle im obersten Stockwerk des Hauses, und hier verlockt das böse Beispiel der ~ schon gewitzten Pariserin nach und nach auch die Unschuld : vom Lande. So ist denn der Dienstmädchen-Wechsel hier k noch ein weit häufigeres Vorkommniß als irgendwo anders -r .und wird noch dadurch sehr gefördert, daß nur eine acht- I tägige Kündigung beiderseits zu erfolgen hat.
Man sollte nun meinen, daß es so den Herrschaften 6 schwer wird, eine gute Dienerschaft zu finden, es für diese
Der unangenehme Gasgeruch im Betriebe läßt sich nicht vermeiden. Hierzu kommt der starke Gasgeruch, der bessdem häufigen Füllen der Gasbehälter sich unvermeidlich entwickelt. Wenn mit Auhäugewagen gefahren wird, muß nach ca 5 km Fahrt ein Laden des Gasbehälters vorgeiiommen werden; eine Fahrt von Wiesbaden bis Nüdcsheim würde somit ein viermaliges Laden der Gasbehälter erfordern. Damit der Motor nnd bas mitgeführte Kühlwasser sich nicht zu sehr erhitzen, wird man hierbei gern den Aufenthalt jedes Mal auf annähernd 10 Minuten bemessen.
Mit der Gasbahn können keine uennenswerthen Steigungen überwunden werden. In der Regel wird ein Gasmotorwagen nur im Stande sein, Steigungen von 6 m auf 1000 m zu überwinden, während der elektrische Wagen, infolge seiner bei Weitem höheren Leistungsfähigkeit, mit der gleichen Geschwindigkeit von 11 km pro Stunde mindestens 90 m auf 1000 m zu nehmen im Stande ist. — Es hat z. B. in Dessau nicht glücken wollen, einen leichten Aiihängc- wagen durch einen Gasmotorwagen über die nahe dem Bahnhof befindliche kleine Steigung zu bringen. In beide» Wagen befanden sich etwa 5 Personen, welche anssteigen und bei der Fortbewegung Hülfe leisten mußten. m
Während bei der einfachen sicheren elektrischen Wagenausiustung ein schnelles und sicheres Halten möglich ist, flößt die Wagen- ausrüstnng der Gasbahn ernstliche Vedeiiken hinsichtlich der Sicherheit des Verkehrs in den OrtSflraßeu ein, denn der Führer hat Schwierigkeiten, die vier Apparate auf dem Perron: den Hebel zur Reibungsknppelniig, die Bremse, die Signalglocke und den Hebel zum Variiren des Gasverbrauchs zu bedienen. So ist es in Dessau vorgekommen, daß Wagen der Gasbahn in die anliegenden Häuser gefahren sind, weil sie bei dem Heransspriugen ans der Kurve nicht rechtzeitig gebremst werden konuten.
Es sei nunmehr noch kurz die Velcuchtungsfrage berührt. Nach den von den Jntercssenten der Gasbahn gemachten Angaben soll das elektrische Licht dem Gaslicht gegenüber enoini theuer sein. Bei älteren elektrische» Beleuchtungsanlage» mag der angegebene Preis von 70 Pfennigen pro Kilowattstunde noch zutreffend fei». Ans dem Bericht über die Versammlung der Stadtverordneten in Frankfurt a. M. vom 7. April er. kann jedoch Jedermann ersehen, daß bei dieser neuere» Anlage der Selbstkostenpreis pro Kilowattstunde nur 5 bis 6 Pfennige beträgt; bei dem Stromverbrauch von 55 Watt pro Stunde würde sich somit für die 16-kerzige elektrische Lampe ein Selbstkostenpreis von nur ’/s Pfennig pro Stunde ergeben. Ein Verkauf zum Selbstkostenpreis ist aber ebenso wenig bei Gas, wie bei elektrischem Strom üblich. Wie cs in dieser Hinsicht betreffs der GaSbeleuchtnug gehalten werden kann, mag aus folgendem Bericht über die Stadtverordneteusitzimg in Rheydt vom 24. März d. I. entnommen werden: Die Stadt hatte bereits im Jahre 1894 Verhandlungen mit der Dessauer Gnsgesellschast, betreffend Einfühlung des AuerlichtS für die Straßenbeleuchtung, augekuüpst. Bei den bisherigen Schnitlbreniiern bat die Stadt für die Lrennflunde 1,75 Pf. zn zahlen, die Desiaucr Gefellschast forderte nun für das Auerlicht pro Brenustnude 3 Pfg., was eine Mehrbelastung von 10,000 Mk. jährlich für die Stadt ergeben würde. Die Gesellschaft erklärte sich jedoch bereit, das Auerlicht zu dem bisherigen Satze einznführen, ferner 1 Pfg. Abgabe für den Kubikmeter Leuchtgas und '/-Pfg- für den Kubikmeter Gas für technische Zwecke zu zahlen, tucini die Stadt ihr eine zwölfjährige Konzessionsverlängerung bewillige. Der alte Vertrag läuft 1919 ab. Nach den Erkiiudigimgen des Vorsitzenden haben nun die Städte Barmen, Elberfeld, Cleve, Duisburg, Solingen 2c„ welche eigene Gasanstalten besitzen, übereinstimmend erklärt, daß ihnen bei der Einführung des AuerlichtS überhaupt keine Mehrkosten entstanden seien. Die vergrößerten Betriebskosten würden durch die Ersparniß an Gas völlig ausgewogen. Angesichts dieser Auskünfte beschloß das Kollegium einstimmig, jede Vertragsverlängerung abzulehncn und im Uebrigeil an die Gasgesellschaft das billige Ansiuucu zu stellen, die bessere Beleuchtung kostenlos ein- zriführeu.
Wir hielten uns zu den vorstehenden SlnSsührliugeu im Interesse des Rheingans verpflichtet und sind zu weitercu Ausklärungen gern bereit, wenn solche als wüuscheuswerth erscheinen. " —e.
Deutscher Reichstag.
O Kerls». 27. April.
Stuf der Tagesordnung stehen zunächst wieder Wahlprüfnugen. Am Samstag hatte sich bei der namentlichen Abstimmung über die Gültigkeit der Wahl des Abg. Holz (Reichsp.) Beschlnßiinfähig- keit ergeben. Die namentliche Abstimmung ist somit zu wiederholen, wird jedoch eiustwcilcn ausgesetzt. Die Wahl des Abg. Pöhlmann (Reichsp.) beantragt die Kommission für ungültig zu erklären. Weiter beantragt die ^kommission, dem Reichskanzler die Akten zur Kcuntnißnahme und geeigneten Veranlassung mit Rücksicht aus da» bei den nachträglichen Beweiserhebungen stattgehabte Verfahren vorzulegcn. — Abg. Gürber (Elsässer) schildert das amtliche Eintrelen eines Comitös von Bürgermeistern für die Kandidatur Pöhlmanns und die AmtSentsetzung des Bürgermeisters Spieß in Schlettstadt, welcher sich geweigert hatte, seine Unterschrift für das Wahl-Cirkular zu Gunsten Pöhlmanns herzugebeu. — Staatssekretär v. Bötticher bemerkt, der Vorredner gehe zn weit, wenn er von napoleonischen Kandidaturen im Elsaß spreche. Derart amtliche Kandidaturen gebe es im Elsaß nicht. Die elsaß-lothriligische Regierung habe ferner bei den Zeugenvernehmungen, zu welche» die Wahl- protcste Anlaß gegeben hätten, ein durchanS rationelles Verfahren eingeschlagen. Ter Reichskanzler habe keine Ver- aulassuug, die elsaß-lolhringische Regierung zu desavoniren wie Vorredner. — Abg. Gamp (Reichsp.) erklärt, seine Freunde zögen, weil das Haus nicht beschlußfähig sei, den bereits gestellten Antrag auf namentliche Abstimmung über diese Wahl zurück. Desgleichen verzichte er, Redner, auf namentliche Abstimmung über die Wahl des Abg. Holz. Indem Redner näher auf die Wahl Pöhlmanns eingeht, betont er, selten seien Wahlprüfungen so gehässig und fanatisch aufgesaßt worden, wie die vorliegende. Thatsächlich sei der betreffende Wahlaufruf weder von allen Bürgcr- mcistern iinterschrieben worden, »och auch hätten die unterschriebenen Bürgermeister ihren amtlichen Charakter angegeben. Was Herrn Spieß anlauge, so stehe die Angabe, seine Ämtseritsetzuug sei im Zusammenhang mit den Vorgängen bei der Wahl erfolgt, in vollem Widerspruch zur Beweisausnahme. Es habe diese aber ergeben, daß Spieß sich mit seinen Kollegen und Vorgesetzten niemals zu stellen gewußt habe. Spieß sei ein Fanatiker. Er habe auch feinen Sohu vor Erlangung des militärpflichtigen Alters nach Frankreich auswanderu lassen. Ein solcher Mann hätte schon längst seines Postens enthoben werde» müssen. Redner kommt nach alledem zu dem Schluß, daß fein Grund vorliege, die Wahl Pöhlmanns für ungültig zn erklären. — Abg. v. Marquardseu (nat.-lib.) führt aus, er und noch drei andere Mitglieder der Wahl- prüfnligS-Kommission hätten au den Berathnngen nicht theil- nchmeii können; andernfalls wäre voraussichtlich die Ungültigkeit nicht mit so großer Mehrheit, nämlich mit 7 gegen 3 Stimmen, von der Kommission beantragt worden. Auch er bitte die Wahl für gültig zn erklären. — Abg. Spahn (Ceutr.) wendet, sich vornehmlich gegen die Ausführungen des StaatsfekretärS v. Bötticher, lieber die Beweiserhebungen beschließe der Reichstag. Wer beschließe über die Zeugen, welche vernommen werden sollen? Der Reichstag. Wer gebe die Legitimation dazu? Anch derReichs- tag. (Lebhafte Beifallsrufe.) Der Reichstag dürfe sich das Heft nicht ans den Händen nehmen lassen. (Stufe: Sehr richtig.) Er bitte daher, auf jeden Fall auch den Antrag der Kommission in" seinem zweiten Theile anzunehmen. — Abg. Beckh (fress. Äolksp.) rügt ebenfalls, daß jetzt nachträglich Seitens der elsässischen Regierung Vernehmungen zu Gunsten Pöhlmanns vorgenommen worden seien. — Abg. Simonis (Elsässer) bespricht die Absetzung des Bürgermeisters Spieß. — (Abg. Gamp ruft zweimal während der Ausführungen des Redners: unverschämt; das ist eine Unverschämtheit.) — Vicepräsident Schmidt ruft den Abg. Gamp hierfür zur Ordnung. — Abg. Simonis fährt fort, der Herr Staatssekretär habe bestritten, daß es sich um eine offizielle Kandidatur handle. Ja, dann möge doch der Herr Staatssekretär sagen, wie man diese Sorte Kandidaturen eigentlich nennen solle, doch höchstens hyper-offizielle Kandidaten. (Heiterkeit.) — Abg. Gamp (Reichsp.) bedauert, daß er sich vorhin zu einer solchen Aeußerung
Verlag: Langgasse 27.
13,000 Abonnenten
Die einspaltige Petitzeile für locale Anzeige» 15 Pfg., für auswärtige Anzeigen 25 Pfg. — Neclamen die Petitzeile für Wiesbaden 50 Pfg., für Auswärts 75 Pfg.
Kleinbahn im Rheingau.
Von sachverständiger Seite wird uns geschrieben: In letzter Zeit ist im Rheingau ein Schriftwerk verbreitet worden über * Störungen nnd Unfälle, welche bei elektrischen Straßenbahnen nut M oberirdischer Zuleitung vorgekommen sein sollen. Der Zweck bteier Verbreitung ist ein sehr durchsichtiger: es soll zu Gunsten der Gas- I bahn gegen eine elektrische Straßenbahn Stimmung gemacht werden. U Wollte man in ähnlicher Weise alle Störungen und Unfälle t verzeichnen, die mit Gas vorgekommen sind, so würde sich ein Ver- | zeichniß von dem Umfange eines Kouversations-Lexikons ergeben! Bei Gasbahnen können Unfälle allerdings nur in geringem Maße vorgekommen sein, weil derartige Bahnen — von den wenigen - Kilometern in Dessau abgesehen — fo gut wie gar nicht existiren; trotzdem sind der Gasbah» Störungen und Unfälle nicht erspart geblieben, vielleicht sind solche, nach Wageukilometern berechnet, sogar häufiger gewesen wie bei elektrischem Betrieb, Dampsbetneb oder Pferdebetrieb. . .. .
Es müssen doch gewichtige Grunde vorhanden sein, welche die Verwaltungen gerade der größten »nd bestverwalteten Städte veranlassen, die elektrische Straßenbahn der Gasbahn gegenüber zu bevorzugen. So ist z. B. für Dresden der elektrische Betrieb der Sttaßenbahneir gewählt, obgleich dort schon vor einigen Jahren derartige Wagen mit Gasmotorbetrieb, System Lührig, versuchsweise eingestellt waren. Von anderen Städten in Deutschland, welche zur Zeit elektrische Straßenbahnen bereits besitzen oder cin- zurichten im Begriff stehen, seien u.A.genannt: Aachen, Altenburg, Barmen-Elberfeld, Bochum, Bremen, Breslau, Berlin, Braunschweig, Chemnitz, Danzig, Dortmund, Dresden, Düsseldorf, Elbing, Erfurt, Essen a. d. Ruhr, Frankfurt a. M., Gelsenkirchen, Gera, Gotha, Halle a. S., Hamburg, Hannover, Königsberg, Lübeck, Memel, Mühlhausen i. E., München, Nürnberg, Plauen, Remscheid, Solingen, Spandau, Stuttgart, Steele, Ulm, Wiesbaden und Zwickau.
Als Hauptvorzug der Gasbahn wird ihre Billigkeit veuaunt, welche die Festsetzung niedrigster Fahrpreise ermöglichen soll. Die Thatsachen ergeben Folgendes: ....
Die Kosten für das Rohrnetz und die Komprinurstatiouen sind recht beträchtlich. Nach zuverlässigen Angaben stellen sich dieselben pro Kilometer Bahn, einschließlich der Wagen, welche je 12,000 Mk. kosten, auf ca. 75,000 Mk., ein Preis, der dem für elektrische Anlagen einfacherer Ausführung beinahe gleichkommt. .
Laut Geschäftsbericht der Deffaner Straßenbahn-Geiellfchaft, veröffentlicht im Anhaltifchcn Staats-Anzeiger vom 10. Januar 1895, haben die Betriebskosten, bestehend in Ausgaben für Gas, Löhne, Reparaturen, Putz- nnd Schmiermaterial, in den ersten 47 Tagen, so noch Alles neu war, 4312 Mk. betragen. Da in dieser Zeit ca. 21,000 Wagenkilometer znrückgelegt sind, betragen die Betriebskosten für 'das Wagenkilometer schon jetzt 21 Pfennige. Diese Zahl ist sehr hoch im Vergleich zu den Kosten bei elektrischem Betrieb, welche 12 Pfennige betrugen; sie ist eine Folge der vielen beweglichen Theile am Motor, als Verschließer, sowie des großen Verbranchs an Schmiermaterial.
Wir sind der Ansicht, daß Gasbahnen ganz geeignet sein mögen für Heinere Orte, die eigene Gasanstalt haben und einer Straßenbahn von geringer Ausdehnung bedürfen. Für das Rheingau er« e scheint uns aber eine derartige Bahn als durchaiis ungeeignet und schädigend wegen ihrer bisher unvermeidlichen Nachtheile. Von diesen p seien zunächst folgende genannt:
Beim Leergang wie bei der Fahrt verursachen die Gasmotoreii durch die Gasexplosionen und durch die stoßenden hin- und hcr- - gehenden Theile ein unangenehmes Geräusch; hierzu kommt das empfindliche Geräusch beim Ein- und Ausrücken des Getriebes. Wenn - dieses auch bei einer kurzen Fahrt nicht so stark auffällt, so kann cs b sich bei längerer Fahrt geradezu unleidlich bemerkbar machen. Hierzu kouimen die heftigen Schlingerbewegungeu, welche durch die hohe und seitliche Loge des Gasmotors und die hin- und hergehenden ; Theile der Maschine bedingt find.
