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Wiesbadener Tagblatt.

44. Jahrgang.

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Ko. 180. Bezirks-Fernsprecher No. 52.

1896

Freitag, den 17. April

BezirkS-Fernsprecher No. 52.

; Abendausgabe.

Die soziale Frage als Grziehnngsfrage. Die Thatsachen und Ursachen der sozialen Bewegung sind ungemein verwickelt, sie tragen theils ein wellbürger­liches, theils ein nationales, theils ein kommunales und lokales, theils auch ein rein persönliches Gepräge. Die so­genannte soziale Frage ist ein Inbegriff unendlich vieler Einzelfragen aus dem Gebiete der Körperlehre und Seelcn- lehre, der Politik und Sozialwisseuschaft; sie ist eine Er- nährungs-, Wohnungs-, Kieidungs-, Einkommens-, Bildungs- und Gemüthsfrage für einzelne Personen oder Familien und Berufsklasscn und gleichzeitig auch eine öffentliche Frage der Gesetzgebung und Verwaltung für Gemeinde und Staat, für untere und höhere Behörden, für Provinzen und Reiche und für weitverzweigte Verbindungen von Staaten und Völkern.

Die soziale Frage ist die Sphinx, welche nicht bloß dem neunzehnten, sondern auch dem zwanzigsten Jahrhundert noch viele Räthsel aufgeben wird, weil unser Erdball im ewigen Wechsel kreist und weil mit ihm auch seine Be­wohner in ihren Bedürfnissen, Ansprüchen, Erkenntnissen, Sitten und Beziehungen zu einander sich beständig ver­ändern. Die soziale Frage berührt sowohl die äußere» wie auch die inneren Seiten der menschlichen Entwickelung und des gesellschaftlichen Zusammenlebens und hängt mit der großen Politik und der Weltwirthschaft, mit Welternten und Weltmarktspreisen, mit den großen technischen Erfindungen und Fortschritten, mit der juristischen Form der Unter­nehmungen und der wirthschaftlichen Verfassung der Geschäfts­betriebe, mit der politischen Verfassung und dem politischen Wahlrecht, mit den verschiedenen staatlichen Gesetzen und Einrichtungen ebenso zusammen, wie mit den Sitten und freiwilligen Leistungen des Volkes und mit der Erziehung und Pflichterfüllung jedes einzelnen Menschen.

Es ist ganz besonders nothweudig, die soziale Frage auch als eine Frage der Erziehung und öffentlichen Pflicht für Jedermann zu behandeln. In jedem Menschen lebt der Trieb, neben der eigenen Lage auch die allgemeinen Ver­hältnisse zu verbessern, von denen unser Privatwohl abhängt. Wir müssen, um vorwärts zu kommen, zunächst uns selbst immer mehr ausbilden und besser erziehen, sodann aber auch unseren Mitmenschen eine bessere Erziehung und höhere Wohl­fahrt zu verschaffen suchen. Dadurch kann Jedermann die Lage seiner Umgebung erleichtern und ein Stück der sozialen Frage, sei es in materieller oder geistiger oder sittlicher Beziehung, mit lösen helfen. Die Menschen der Gegenwart kommen täglich miteinander in Berührung, hängen alle von­einander ab und bilden nicht bloß einen Volkskörper, sondern auch eine Volksseele. Die Thatsache, daß der ganze Volkskörper leidet, wenn einzelne Glieder krank sind, legt jebeni Einzelnen die Pflicht auf, sich mit der sozialen Frage zu beschäftigen und den Zusammenhang der gesell­schaftlichen Erscheinungen erkennen zu lernen, wie man den Zusammenhang der Naturerscheinungen zu begreifen sucht und zu diesem Zweck schon in der Volksschule in Physik unterrichtet wird.

Es müssen der Reihe nach alle Berufsklassen Stellung zur sozialen Frage nehmen und sich ihrer Pflichten bewußt >

werden, um dieselbe mit lösen zu-helfen. Einen ganz be­sonders wichtigen Beruf haben die Lehrer der Jugend. In einem dem Schreiber dieser Zeilen mitgetheilten, noch un- gedruckten Vortrag über die Stellung des Lehrers zur sozialen Frage spricht sich ein sächsischer Volksschullehrer unter Anderem folgendermaßen aus:Es scheint mir, als ob durch eine ein­heitliche, auf alle Schularten von der Volksschule bis zur Universität ausgedehnte und nach einem einheitlichen Plan, nach festen pädagogischen Grundsätzen entworfene und ausgesührte Schulorganisation, die keinerlei Rücksicht auf irgend welche Nebenzwecke nimmt, mehr für eine wahre Volkserziehung gethan werden könnte, als durch eine noch mehr heraus­gebildete und verfeinerte Technik des Unterrichtsbetriebs Seitens der Lehrerschaft." Auf einzelne Punkte eingehend, hält der betreffende Lehrer eine wöchentliche Zahl von zwei Stunden in der Fortbildungsschule für viel zu gering, um einen sicheren und nachhaltigen Einfluß auf die Gesinnung und die Anschauungen der jungen Leute auszuüben. Das größte Gewicht legt er auf die rechte Ausbildung des Gemüths und Willens, indem er Folgendes bemerkt:

Mich will bedünkcn, als ob wir Lehrer im Religionsunterricht, trotz der Mahnungen der Schulbehörden, immer noch zu viel Werth legten auf das äußerliche Wortwissen, statt auf das innere an­schauliche Erkennen, zu viel auf das nüchterne verstandesmäßige Begreifen, statt auf ein gemiithvolles Euwfindeu. Wir mühen uns ob,' den Kindern die schwierigsten theologischen Begriffe, die manche Andere auch nicht verstehen, verständlich zu machen, und führen ihren Geist in eine Vorstellungs- und Einpsindungswelt hinein, die ihrem kindlichen Vorstellungskreise und ihrer Empfindungsweise zu fern liegt rind die vielleicht für ein späteres Lebensalter, das 16. und 17. Lebensjahr, ganz geeignet wäre; wir beschäftigen sie mit Glaubenssätzen, deren Inhalt und Bedeutung sie nicht zu fassen vermögen, ohne immer zu wissen, ob das, was sie aussprechen, wirklich ihr freier, persönlicher, aus Bedürsniß mit Drang und Nothwendigkeit von ihren Lippen sich losreißender Glaube ist. Möglich, daß Einige« von diesen Dingen bei einigen später wirklich wach lind lebendig wird, aber bei wie vielen? ... Ich lebe der festen Ueberzeugung, daß wir in der Schule vor Allem das Wollen an- znregen haben, daß wir durch Beispiel, Unterricht und Zucht zu jeder Zeit im Herzen des Kindes den heiligen Entschluß wecken müssen, das Gute zu wollen und zu thuu aus'keinem anderen Grunde, als weil es eben das Gute ist. Erst dann, wenn ein Mensch aus diesem Grunde das Gute thut, können wir mit Recht von ihm sagen: er hat Frieden im Herzen, er ist versöhnt mit Gott, er glaubt aii ihn, er liebt ihn, er liebt die Brüder und wandelt Jesuui nach."

Am Schluß giebt der Vortragende auf die Frage:Wie sollen wir uns als Vaterlandsfreunde, Christen und Lehrer der sozialen Frage gegenüberstelleii?" folgende Antwort:

SDian spricht von Stützen der Gesellschaft und meint damit den Staat mit seiner Macht, oder die Kirche, oder die

Schule, die Familie, Sitte und Gewohnheit. Alles das ist gut, schön und richtig. Noch lieber aber höre ich drei

andere Dinge als Säulen und Stützen der Gesellschaft be­zeichnen: sie heißen Wahrheit, Gerechtigkeit und Nächstenliebe, aber die Liebe ist die größeste unter ihnen" . . .Wir Lehrer sollen durch Beobachte», Nachdenken und Studium die soziale Frage zu erforschen suchen, wir sollen warmen Antheil au dem Schicksal unserer Brüder nehmen, wir solle» nach Kräften dieNoth unserer Brüder zu lindern suchen, sei es geistige oder leibliche Noth, sei es innerhalb oder außerhalb der Schule, als wahre Volkslehrer, wie es Diesterweg wollte." vb.

Deutscher Reichstag.

O Lrrli», 16. April.

Präsident Buol eröffnet die Sitzung und ruft de» Herren ein freundliches Willkommen zu. Das Andenken des verstorbenen Ab­geordneten Kröber wird durch Erheben von den Sitzen geehrt. Zur

Berathung steht der Gesetzentwurf, betreffend die Bekämpfung des unlantereii Wettbewerbs, und zwar in zweiter Lesung. Nach einem kurzen Referat des Abgeordneten Meyer-Halle wird Boni § 1 zunächst Absatz 1 zur Berathung gestellt, welcher sich gegen unrichtige Angaben in öffentlichen Bekanntmachungen oder sonstigen für eine» größeren Personenkreis be­rechneten Mittheilungen richtet und dein interessirteii Konkurrenz- Gewerbetreibenden einen Anspruch giebt, gegen de» Be­treffende» auf Unterlassung der unrichtigen Angaben zu klagen. In der Vorlage werden die betreffende» unrichtigen Angabe» beschränkt auf solche über Beschaffenheit, Herstellungsart und Preisbemessungen von Waare», über Bezugsquellen, Besitz von Auszeichnungen. Adg. Lenzmann (frei?. Volksp.) beantragt Streichung dieser von der Kommisiiou eingesügten Generalbestimiming. Die Kommission hat beschlossen:über geschäftliche Verhältnisse, insbesondere über Beschaffenheit rc.". Abg. Singer (Soz.) hat den gleichen Wunsch wie Vorredner. Er sei kein Gegner des vorliegenden Gesetzes, aber ob seine Freunde dem­selben zustiuimen würden, das sei doch schließlich von der defini­tiven Fassung desselben abhängig. Die Bestimmungen, um die es sich hier handle, geben den, richterlichen Ermeffen gar zu viel Spiel­raum, ebenso den unberechtigten Demineiationen, der Chikane, während man doch nur einen Schutz für den reellen Kaufmann schaffe» wolle. Abg. Bassemia»» (nat.-lib.) bezeichnet die Geiieralklansel als nneutbehrlich und meint, auch ohne diese Klausel würde es in der ersten Zeit der Wirksamkeit eines solchen Gesetze? an de» Denuuctationen nicht fehlen. Daß das Ermesse» des Richters hier schädliche Folge» habe» könne, glaube er, Redner, nicht. Abg. Roer en (Centr.) tritt ebenfalls für die Kominisstonsfaffung eilt. § 1 sei die Hauptsache des ganzen Gesetzes, verliere aber an Werth, wenn man sich im Absatz 1 auf den Katalog unrichtiger Angaben beschränke und nicht gestatte, den Reklanieschmied auch bei irgendwelchen sonstigen unrichtigen Angaben zu treffe». Staatssekretär v. Bötticher führt ans, der Buiidesrath habe sich für die Ansicht entschieden, daß ein Spezialgesetz dem Richter spezielle Handhaben bieten müsse. Die Wirkung des Gesetzes werde durch die Fassung der Kommission jedenfalls nicht erhöht, das Gesetz vielmehr verschlechtert. Abg. Freiherr v. Langen (kons.) empfiehlt die Fassmig der Kommission. Abg. Viel hab en (Antis.) bezeichnet die Beibehaltung der Geiieralklansel als nothweudig. Damit wird Absatz 1 verlassen, lieber den Absatz 2 findet keine Debatte statt. Absatz 3 macht für unrichtige Angaben in Zeitungs-Inseraten auch die für den Inhalt der Zeitung verantwortlichen Personen haftbar, wen» der Redakteur die Unrichtigkeit der Angaben kannte oder nicht einen Verfasser bezw. Einsender nachweist, der in Deutsch­land gerichtlich zu fassen ist. Ein Antrag Viel ha den (Antis.) will diese ganze Bestimniimg streichen. Ein Antrag Roeren (Centr.) will die Worte streichen:oder nicht einen Verfasser nachweist re.". Abg. Roeren (Centr.)empfiehlt seine» Antrag und führt aus, ein vielbeschäftigter Redakteur bezw. Verleger sei gar nicht in der Lage, alle Inserate zu prüfen. Abg. Basse rmann (nat.-lib.) beantragt die Haftbarkeit des Redakteurs und Verlegers ansznschließe», wenn die unrichtigen Angaben im Anstrage eines Dritten in die Druckschrift ausgenommen worden sind und dies aus der Art der Bekanntmachung erkennbar hervorgetreteu ist oder der Einsender nachgewleseu wird.Geheime Rath Haust meint, es sei am besten die ganze Bestimmung zu streiche». Wolle das Haus das nicht, dann fei der Antrag Roeren dem Bassermaniischen, der die Sache zum Nachtheil der Presse zu sehr komplizire,vorzuziehen. Abg.V ie lh a be»(Antis.) begründet seinen Antrag, die ga:ize, von der Kommission eiiigefügte Bestimmung zu streichen, dergestalt, daß die Presse ebenso und ohne Ein­schränkung für unrichtige Angabe» i» den Inseraten haftbar sei. Abg. Meyer-Halle (frei)". Per.) tritt für den Kommissions- vorschläg ein. Damit schließt die Debatte. Abg. Bassermann (nat.-lib.) beantragt hierauf einen neuen Absatz dahin, die Ver- weiiditng von Namen, welche mit dem Handelsgebranch zur Benennung gewisser Waare» dienen, ohne deren Herkunft bezeichnen zu sölleu, fällt unter vorstehende Bestinnnuug nicht. Staats­sekretär v. Bötticher führt aus, wenn das Haus den Absatz 1, die Geiieralklansel, bestehen lasse, dann sei es doch nicht nöthig, den Antrag Bassermami anzuiiehmeu. Bei der nun folgende» Ab- ftimmung werden im Absatz 1 unter Ablehnung des Antrags Lenz­mann die Wortegeschäftliche Verhältnisse, insbesondere" aufrecht

(Nachdruck verboten.)

Friihlrikgsmoden.

(Eigener Aussatz für dasWiesbadener Tagblatt".) Wir», Mitte April.

Man pflegt in gewissen Kreisen der poetisch angehauchten Menschen zu spotten, die sich, dem Impuls tiefiunerlich empfundener Frühlingsbegeisterung folgend, gedrungen fühlen, des holden Lenzes Wonnen in Versen zu ver­herrlichen. In ähnlicher Art wird oft das Streben unserer Modedamen bespöttelt, wenn sie dem Frühling zu Liebe poetisch verklärte Trachten anlegen, farbreiche, duftige Gewänder, blumcngeschmückte Hüte, leichte Spitzen- Fichus, auf Goldgestellen drapirte, bunte Gazeschirme rc.; ihnen geht es wie jenen Dichtern, sie können's halt nicht anders. Jeder und Jede will dem holden Lenz in seiner Art die ihm gebührende Huldigung darbringen, und wie streng man auch oft mit den putzsüchtigen Weltkindern ins Gericht geht, so ist eine fesche Frühjahrstoilette oft noch anmuthender, daß unsere tonangebenden Schneiderinnen in angeborener Bescheidenheit behaupten, daß ihre Modelle wirklich Dichtungen und Kompositionen gleichen, die, wie jedes echte Kunstwerk, gewürdigt sein wollen. Gestatten wir uns das Vergnügen, die jungen, den Mode-Ateliers entstammenden Lenzeskinder auf ihren künstlerischen Werth hin zu prüfen! Wenn es schon wahr ist, daß die meisten eine ernste Kritik nicht vertragen, da sie zu bunt, überladen, zu wenig einheitlich geformt sind, der individuellen Erscheinung zu wenig Rechnung tragen, finden wir doch etliche, die, in Einfachheit der Form an die Antike erinnernd, durch den modernen Fron-Frou- Putz von echtem Parisianismus belebt erscheinen und, Alt und Jung gleich gut kleidend, der Frühjahrsmode zur Ehre ge­

reichen. Dies gilt von den aus einfarbigem Taffet, Alpacca, Grosgrain gefertigten Costumes ä la belle Helene, die seitwärts getheilte Röcke haben (die hand­breite Spalte läßt ein buntes Chine durchschimmern), Rund- taillen, deren Plastron, Kragen, Fraise, Gurt aus gleichem Chine gefertigt sind, Aermel, deren Untertheil, aus Chine gebildet, mit fünf aus Fischbein gearbeiteten Streifen vom Stoff des Rockes überwölbt ist, jeder einzelne Stoff mit passendem Sammet und Rüschen montirt. Da diese, trotz ihrer Fülle sehr kleidsamen Aermel-Ballons sich schwer durch einen Paletot praktiziren lassen würden, trägt man zu diesen Roben CapeS, deren Achselnähte zum Knöpfen eingerichtet sind; je zehn bis zwölf Knöpfe werden an jeder Seite beim Anziehen geöffnet, lassen den Fischbein-Ballon hindurch­schlüpfen, mittels eines innen angebrachten Zuges kann das Cape im Nu in einen fesch sitzenden Paletot umgeformt oder, wenn der Zug nicht geschlossen, als Pelerine getragen werde».

Derartige Kostüme mit Durchbruch-Effekten (Rock, Taille, Aermel mit möglichst buntem Grundstoff unterlegt) werden viel gesehen, desgleichen schwarze Roben, deren Rock glatt, unten nur mit einem handbreiten Doppelvolant umgeben, eine mit creme Spitzen applizirte Taille und hohe Rüsche von gleichen Spitzen zeigt, dazu Aermel ganz aus Points, weit über die Hand fallend, mit cremefarbiger Spitzenrüsche abschließend; zu diesen Kleidern trägt man mit Spitzen applizirte breite Medicis-Gürtel von Sammet, Leder oder travers gefaltetem Cr6pe de Chine. Als ganz reizende Neuheit präsentiren sich die Kobes Postillon aus glattem Lindener Sammet, der Rock in Zwickelform mit Goldlisiöre abgegrenzt, Weste von goldfarbigem Tuch, Leder, Pique oder Atlas mit Doppel­spitz, zweireihig mit Goldknöpfen geschlossen, darüber Sammet- Jaquet vorn offen, in Spitze auf der Weste endigend, rück­wärts Postillenschooß mit Goldknöpfen, die Aermel in großem

Ponff bis zum Ellbogen reichend, da mit handbreiter, gold­gestickter Nlanschette umgrenzt, die zu dem der Weste unter­setzten, reich in Gold gestickten Plastron paßt.

Eine sehr kleidsame Tracht für ältere Damen, welchen es ja zumeist auch noch Herzenssache ist, mit jedem neuen Frühjahr jugendlicher zu erscheinen, sind die ans grauem Alpacca gefertigten Prinzeßkleider, deren einzelne Theile in der Mitte mit gestickten Längsstreifcn geziert sind, eine Garnitur, die wesentlich dazu beiträgt, die Figur schlank er­scheinen zu lassen und das mit den Jahren sich einstellende Embonpoint schwinden zu lassen. Vorn hat die Prinzeßrobe eine breite, gestickte Doppel falte, die sich unter dem Gurt in zwei Faltenlagen theilt und den Rock wie eine Schärpe garnirt. Die acht Rocktheile sind in türkischen Farben mit unten breite», nach oben zu spitz anslaufenden Stickereien montirt; jeder Rocktheil ist steif mit Fibre-chamois gefüttert, mit dem anstoßenden Theil durch eine breit aufgesteppte Naht verbunden; auf der Taille beginnt die Stickerei am Gurt ganz schmal und verbreitet sich »ach oben hin, so daß sie in Brusthöhe den ganzen Fond bedeckt; auch die Aermel sind mit oben breiten, sich nach unten hin verjüngenden gestickten Streifen geziert, am Handgelenk mit voller Valencienne-Rüsche abgeschlossen, die auf reich mit Brillanten garnirte Bracelets auffällt.

Junge Damen tragen mit Vorliebe englische Kleider ans Mohair-diagonal mit kurzen Jackentaillen ä la Louis XV., Pagen-Jabot ans tiefgelben Spitzen, das auf einem Gilet aus verblaßtem pompejanischen Tuch als Chine-Einsatz aufliegt. Kleider aus dem neuen Changeant-Alpacca sieht man vielfach mit Sammet - Bandeaux garnirt, je drei auf dE Vordertheil der Taille, eine krause Spitzen-Draperie überbrückend, drei am Aermel, der oben gefaltet, am Ellbogen in einen Pouff ausläuft,