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1896

Donnerstag, den 9. April

Ko. 166

Bezirks-Fernsprecher No 52.

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Abend-Ausgabe

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Schon unzählige Male hat die Bevölkerung von Batavia Truppen fortzichen und stark gelichtet wiederkommen sehen, h«t ihnen beim Abschied und beim Wiedersehen zugejubelt, sie mit Ehrenbeweisen ausgelcitet und wieder eingeholt, schon seit langen Jahren, so lange die ältesten Bewohner es sich aus ihrer frühesten Jugend erinnern konnten.

Es war also nicht das Neue des Schauspiels, welches diese große Menge zusammenströmen ließ; auch die erwartete Abschiedsrede konnte der Magnet nicht sein, welcher so viel Bewegung veranlaßte; auch keinerlei außergewöhnliche Fest­lichkeiten standen bevor, und doch las man auf allen Ge­sichtern, daß dieser Auszug die allgemeine Theilnahme in ganz besonderer und ungewohnter Weise in Anspruch nahm.

Die äußerst sorgfältige Weise, mit welcher Negierung und Heeresverwaltung die Ausrüstung der Truppen betrieben hatten, die dunklen Gerüchte über des Feindes große Macht und der geheimnißvolle Nimbus, welcher das Atjehreich um­gab, das Alles war selbst in jene Kreise durchgedrungen, welche sich nie am politischen Leben belheiligten, und hatte bei Allen eine Spannung erweckt, wie sie früher nie erhört war.

Da trug der Wind einzelne Töne von der Kriegsmusik der nahenden Truppen herüber, und die Bewegung und das Gesumme in der Menge, von welcher sich einige Theile ab­schieden, um hoch in den Bäumen zu verschwinden, nahmen fortwährend zu. In der Ferne bei der Citadelle glänzte und funkelte es in der Morgensonne; ein Wald von Bajonetten, mit wallenden Fahnen dazwischen, wiegte sich langsam und rhythmisch hin und her bei der stets lauter klingenden Musik und dem Trommelwirbel.

Auch im Garten des Generalgouvernenrs wurde es jetzt lebendig und an den Hunderten grüßender und hin uttb her geschwungener Kopfbedeckungen konnte man gewahren, daß Se. Excellenz jetzt inmitten seines Stabes an dem Gartenthor das Expeditionscorps erwartete.

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(Nachdruck verboten.)

Mir werden unsere Pflicht erfüllen.

Von dem indischen Kapitän a. D. W. Jaeger.*)

Aus dem Holländischen übersetzt von L. van Hcemstede.

Man schreibt den 22. März Tausendachthundertdreiund­siebzig. Die Königin des ostindischen Archipels, das schöne Batavia, badet sich in der funkelnden Morgensonne. Das Jnsektenkonzert ist verstummt und die tausend Laute der Tropennacht sind verhallt, um den zahllosen Stimmen des Tages zu weichen, dem Geräusch auf den Straßen und Wegen und dem neu erwachten Leben in den endlosen Reihen weißer Villen, welche im Grün versteckt liegen.

Die noch schräg durch die Baumwipfel brechenden Licht- S strahlen glühen mit blendendem Glanz im zarten Gegitter der gefiederten Palmenkronen, blitzen in glitzerndem Dernant- ? schein in den Myriaden Thautropfen und zittern in s smaragdenem Schimmer über den grünen Grashalmen, die sich sanft in dem leichten Morgenlüftchen wiegen.

| Das schöne „Komngsplein" (Königsplatz) mit seinen breiten Alleen und fürstlichen Häusern ist noch einsam und still; hier, fern von dem Lärm und Leben des Kampfes um das Dasein, schlummert noch die Aristokratie der Beamten- und Handelswelt; auch ihre Villen schlummern noch mit geschlossenen Fensteraugen, während ringsherum die weniger vornehmen Viertel schon wach sind. Doch die ^ schnell höher steigende Sonne läßt allmählich auch die Notabel» des „Plein" erwachen, zu beginnen mit den zahl- ß reichen Dienern, die mit entsetzlicher Langsamkeit und orientalischer Indolenz aus den Nebengebäuden nacheinander 4 zum Vorschein kommen, um, auf den nackten Füßen umher- k *) Autor des vor Kurzem vou uns besprochenen intercffauten Buches „Erinnerungen eines indischen Offiziers". Verlag von 6, Eckard! in Kiel.

schlürfend, gähnend und sich streckend in den Marmor- gallerieen bei ihrer Arbeit niederzuhocken, bis die Stimme des Mandoors*) sie auseinander treibt.

Es ist allmählich 8 Uhr geworden, und so wie manche zarte Blume vor dem grellen Sonnenlicht und der ver­sengenden Gluth ihren Kelch schließt, so schließen sich auch die Villen durch das Niederlassen der Vorhänge und Jalousieen ab, und Alles scheint wieder zu schlummern. Die Frische der ersten Morgenstunden ist rasch von dem im wolkenlosen Aether steigenden Feuerball, der den Thermo­meter jede Minute um einen Grad höher treibt und einen drückend heißen Tag verkündet, aufgesogen.

Auf den breiten und ruhig-vornehmen Wegen, die das „Plein" umgeben, herrscht jedoch mehr Leben und Bewegung als gewöhnlich zu dieser Stunde. Herren und Damen in luftiger Morgentoilette, in offenen Kaleschen und allerlei anderen Fuhrwerken, Amazonen, Reiter und Fußgänger eilen im Schatten der doppelten Tamarindenreihe fort, Alle in der nämlichen Richtung und, wie es scheint, zum näm­lichen Ziele, Alle in der frohen Erwartung eines außer­gewöhnlichen Schauspiels, die bei den im Gänsemarsch hintereinander hertrottenden Inländern in lautem Festjubel sich äußert.

Es ist die Nordseite des großen Platzes, wohin die Menge strömt, und dort wird schon in der Ferne ein Punkt sichtbar, wo das Gewühl dichter wird und wo von allen Seiten eine neugierige Menge sich vor einem Gebäude zu- sammengeschaart hat, das nur theilweise aus den Gebüschen eines weitläufigen Gartens hervorragt. Es ist die Mckseite des Regierungsgebäudes, aus welchem Se. Excellenz der Generalgouverneur James Loudon über ein Weniges hervor­treten wird, um den nach Atjeh ausziehenden Truppen eine Abschiedsrede zu halten.

*) Oberaufseher.

Verlag: Langgaffe 27.

13,000 Abonnenten

Der Aufstand in Matabeleland (Rhodefia).

Während England aus eigener Initiative im Norden Afrikas durch die Expedition gegen Dongola kriegerische Ereignisse herbei- fübrt, hat im Süden des dunkeln Kontinents fich eine spontane, aufrührerische Bewegung vollzogen, die ernste Dimensionen an­zunehmen droht. Rings um die Hauptstadt des jüngsten britischen Kolonialstaats in Südafrika, Matabeleland, um Buluwayo herum, haben sich die Eingeborenen erhoben und einen Angriff gegen die englischen Positionen gemacht. Da die dort vorhandenen britischen kolonialen Streitkräfte an Zahl nur gering find, so hat die Sache ein so ernstes Aussehen genommen, daß

Mannschaften zur Hand hatte. Es war ein Uebergangszustand, der,wenn nicht sehr umsichtig und vorsichtig behandelt, immer eine gewisse Desorganisation mit sich bringt. Im vorliegenden Fall aber hatte die englische Regierung sehr rasch zugegriffen, und die Beamten der Chartered Company hatten die aus den Diensten zu entlassenden Mannschaften, auch die farbigen, gewiß nicht mit Begeisterung für die eingetretcnc Aendcrung zu erfüllen sich bemüht. Zudem fehlten jetzt der gefürchtete Dr. Jamesou und die sämmtlichen mit ihm bei Krügersdorp gefangen genommenen Mannschaften; auch C. Rhodes war nicht bei der Hand. Für einen Ausstandsvrrsuch also war der Augenblick sehr verlockend, und so ist die Empörung denn aus­gebrochen.

Das von denselben zunächst in Mitleidenschaft gezogene Gebiet nmgiebt Buluwayo im Norden, Osten und Süden. Die meisten der bisher genannten Orte finden unsere Leser auf bcistebender Karte, aber zahlreich werden zweifellos auch fernerhin die Namen sein, die austauchen, ohne daß man sie auf irgend einem Karten- blattc der Welt zu finden vermöchte, denn von einer auch nur

annähernden kartographischen Landesaufnahme ist in jenen Gebieten bisher nicht die Rede gewesen. Das Land selbst ist sehr reich an Edelmetall, speziell Gold, deffen in unserer Karte durch schwa«c Punkte bezeichnete Fundstellen fich von Südwesten nach Nordosten, im Laufe der Haupt- gcbirgszüge, durch das ganze Gebiet und weiter über den Zambefi hinaus bis zum Njassa-See erstrecken. Da» Streben nach dem Besitz dieser Gebiete, tue England zum Theil den Portugiesen abzu» zwingen verstanden hat, ist daher ein aus materiellen Gründen sehr erklärliches. Ihrig, Besitz sich nunmehr von Neuem gegen die Auf­ständischen zu sichern, werden die Engländer erhebliche Anstrengungen machen müssen; cs ist ein sehr kluger Schachzug des Präsidenten Krüger von Transvaal gewesen, daß er den in Bedrängniß ge- rathenen kritischen Nachbarn Kriegshülfe seiner Boeren anbot.

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Die einspaltige Petitzeile für locale Anzeige» 15 Psg., für auswärtige Anzeigen 25 Pfg. — Reklamen die Petitzeile für Wiesbaden 50 Pfg., für Auswärts 75 Pfg.

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44. Jahrgang.

Erscheint in zwei Ausgaben. — Bezugs-Preis: 60 Pfennig monatlich für beide Ausgaben zusammen. — Der Bezug kann jederzeit be­gonnen werden.

Art führen kann. Ans diesem Grunde erregen die in den Zeitungen gemeldeten Vorgänge in Matabeleland auch die all­gemeinste Aufmerkfamkeit; daS in Rede stehende Gebiet hat um deswillen noch ein etwas höheres Interesse, weil der hier s. Zt. geführte Feldzug gegen den Häuptling Lobeugula von Dr. Jameson geleitet wurde.

Die Matabcles sind ein ausnehmend kriegerischer Volksstamm, der sich über alle seine Nachbarn erhaben dünkt. Nur knirschend fügten sie sich in das Unvermeidliche, mit denselben ein und dasselbe Loos, nämlich die Herrschaft der Chartered Company, theilen zu muffen. Aber sie haben sich gewiß von Anfang an mit Äufstand- gedanken getragen. Wollten sie dieselben indessen zur Ausführung bringen, so war jetzt der gegebene Zeitpunkt. Der Chartered Company war die Militär- und Polizeigewalt von der englischen Regierung abgcnonimcn, während die letztere noch keine neuen zuverlässigen

Deutsches Keich.

* K erlitt, 9. April. Der 19. Deutsche Protestanten­tag ist gestern hier zusammen­getreten. Heber 100 Delegirte auS Deutschland, der Schweiz und Holland sind eingetroffen. Der gestrige Vormittag war den Be- rathungen des ständigen Ausschusses gewidmet, der den Bericht über die Thätigkeit des Vereins und seiner Zweigvereine entgegcnnahm. Heute beginnen die öffentlichen Verhand­lungen. — Die Konferenz zur Revision des internationalen Heber­einkommens über den Eisenbahn- Frachtverkehr, die am 16. März in Paris zusammengetreten war, hat ihre Arbeiten am 2. d. M. beendet und das Ergebniß in einem Schluß­protokoll niedergelegt, das den vertragschließenden Regierungen zur Genehmigung unterbreitet werden soll. Die Beschlüsse der Konferenz enthalten durchweg Verbesserungen des Hebereinkommens im Interesse von Handel und Verkehr, und wenn auch nicht alle Anträge durchgesetzt werden konnten, so wird doch den Wünschen derdeutschenJnteresseilten, wie der „Reichs-Anz." hört, in ver­

schiedenen wichtigen Punkten Rechnung getragen. Näheres kann erst mitgetheilt werden, wenn die Vertragsstaaten ihre Entschließungen getroffen haben. Die Delegirren haben, rot der „Neichs-Anz." hervorhebt, in Paris eine liebenswürdige und entgegenkommende Aufnahme gefunden.

* Der christlich soziale Parteitag für den Norden rind Osten des Reichs wurde gestern Vormittog nm 10 Uhr im Saale des Brandenburger Hauses in Berlin .mit dem Gesänge: „Ein' feste Burg ist unser Gott" eröffnet. Es sind 80 Delegirte anwesend. Hosprediger a. D. Stöcker führt den Vorsitz. Nach einer längeren Anfprache des Vorsitzenden referirte Fabrikbesitzer Krüger aus Brandenburg a. H. über die christlich-sozialen Aufgaben in der stüdlischen Bevölkerung. Auf Antrag des Pastors Noederbeck spricht der Parteitag Herrn Stöcker, dem verehrten und geliebten Vor­sitzenden, in dankbarer Anerkennung seiner ungebeugten Festigkeit auch gegenüber seinen neuen Gegnern aus dem konservativen Lager das volle Vertrauen aus und gelobt ferner, der Fahne in

man bereits von der Absendung regulärer Truppen nach Matabeleland spricht.

Einer jeden Verwickelung in Süd­afrika, die sich in der Nähe der Bocren- rcpublik Transvaal vollzieht, muß man ■ im Hinblick auf den Freibeuterzug Jamesons mit einem gewissen berechtigten Mißtrauen begegnen. So auch in dem vorliegenden Falle, und namentlich des­halb, weil Matabeleland, der nördliche Theil des von der britischen Südafrika- ' Gesellschaft verwalteten Gebietes, sich in unmittelbarer Nähe Transvaals, von dem es durch den Limpopo-Fluß ge­schieden ist, befindet. Unser beistehendeS Kartenbild giebt den in Rede stehenden Gebietstheil RhodesiaS, wie diese britische Erwerbung genannt wird, wieder. Zur Entwickelung der Situation ist Folgende» zu bemerken:

Der Hauptort ist das in unserer Karte, am Westende der Matoppo-Berge i gelegene Bulumayo, ein rasch auf- blühendes Gemeinwesen, früher der Kraal des Eingeborenen-HäuptlingsLobengula. ; Da» ganze Gebiet steht unter Verwaltung der Chartered-Company, einer von der L britischen Krone mit staatlichen Ver- waltungsbefugnisien auSgestatteten Er- werbsgesellschaft. Ueber diese Länder- i gebiete ist noch wenig bekannt, aber für sie gilt in verstärktem Maße, was für afrikanische Länder im Allgemeinen r Geltung hat, an und für fich bedeutet ! ein Ländergebiet nur wenig, und es 1 erhält seinen größeren Werth erst im Zusammenhänge mit benachbarten dolonieen durch Schaffung von Verkehrs­wegen, namentlich Eisenbahnen, ganz besonders aber durch jene Verbindung mit dem Meere. Das Streben her Engländer, durch Zusamuienhang nicht nur aller ihrer süd­afrikanischen Kolouieen, sondern auch durch Aufsaugung der felbst- ständigen Staaten, Transvaal und Orange-Freistaat, ein einheitliches, rings vom Meere bespültes Kolonialgebiet zu schaffen, ist also sehr verständlich, wenngleich die zum Zweck der Erreichung dieser Ziele vcrjuchte Vergewaltigung der selbständigen Staaten vom Standpunkte der Völkerrechte verwerflich ist.

Cecile Rhodcs, der vor Kurzem in Südafrika in Beira, (siehe die Karte) eingetroffen, und vou dort mit der Bahn durch das portugiesische Gebiet von Mozambique ins Innere gereist ist, wo er wohl bald, wenn ihn die Aufständischen nicht abfangen, auf dem Schauplatz der Unruhen eintreffeu wird, ist bekanntlich die eigentliche treibende Kraft bei allen Anschlägen auf die Sclbstänhigkcit der süd­afrikanischen Staaten. So kann man auch jetzt des Argwohns nicht ent- schlagcn, daß Rhoves bei der Sache seine Hand im Spiele hat,da dienoth- wcudig werdende stärkere Truppcneutsaltung in unmittelbarer Nähe der Aordgrenze Transvaals leicht zu „Zwischenfällen" bedenklicher

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