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Seite 58. 5. April 1896.

Wiesbadener Tagblatt (Morgen-Ausgabe). Verlag: Langgasse 27.

44. Jahrgang. N». 161

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Und lag im tiefsten Staube Dein kfoffen und Sehnen auch Dich heilt der Dsterglaube, Der sel'ge Frühlingshauch. Laß welken und verglühen, Nichts kann auf ewig vergehn. Hier giebt's ein neues Blühen Und dort ein Auferstehn.

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Da' die den befo trat fc an

stehenden Kartenbilde wicdergcgcbenen Situation ist ein gemeinsames Zusammenwirken aller in Betracht kommenden Mächte jetzt zu er­warten, wenn auch die englisch-cgyptische Aktion zunächst in erster Linie zur Ausführung kommt. Die Entfernungen sind bei dem in Petracht kommenden Gebiete allerdings bedeutende. So ist der östlichste Punkt der congostaatlichen Positionen am oberen Uelle nur 60 geographische Meilen von Bor, dem südlichsten Posten der Derwische am Nil, entfernt. Von CH ar tum liegt Dongu, eben jene östlichste belgische Station, in der Luftlinie etwa 180 geo­graphische Meilen ab. Da der Sudan aber dünn bevölkert ist, so sind diese Entfernungen für die Derwische gefährlicher als für etwaige nach einem kombinirten Plan von verschiedenen Seiten gleichzeitig oordringende Angreifer, da jene ihre beschränkten Streitkräfte viel zu sehr verzetteln müßten, wollten sie ihr Gesammtreich vertheidigen, während die auf Chartum von Norden, Osten, Süden und Südwesten losarbeitenden Angreifer sich immer näher kommen, nm die für die fernere Zukunft Central-Afrikas in gegenwärtigem Zeitpunkte ent­scheidendste Wendung der Dinge herbeiznführen.

waldRaus" intonirte, und als das Hochzeitspaar näher ! brr

kam, die alarmirte Wache abtreten mußte rc. Nach einer ! fone

Verordnung aus dem Jahre 1843 fei es verboten, an den Wagen I

Auszeichnungen zu machen, die den königlichen Gespanne, ' der

ähnlich" wären, namentlich müßten Adler am Laternenknans, Wappen ; am Wagenschlag, wie Geschirr- oder Bockdecken entfernt werden ic. Die Anwesenden protestirten gegen derartige Zurückversetzung und machten geltend, daß die Wunsche der Publikums, die Geschmacks­bildung der Gegenwart unaufhaltsam dahin drängen, im Fuhrwerk das Beste zu bieten, und es befremdlich erscheinen könne, daß von Polizeiwegen etwa M Fuhrbefitzcr von Brautgespannen an eine Ver­ordnung von 1843 erinnert werden. Während allgemein eine Auf­besserung des Fuhrwesens wümcheiiSwerth, erscheine der Obrigkeit dasHochzeitSfuhrwesen der Reichsresidenz zu splendid. Der Vorsteher der Gewerbe-Angelegenheiten stellte zum Schluß den Erlaß einer das Hochzeitssuhrwefen regelnden Polizei-Verordnung in Aussicht und damit war die Konferenz beendet. Die Geschichte klingt wie ein Aprilscherz".

Rermilthtes.

* Militärische Ehren sind snngen Eheleuten in letzter Zeit in Berlin durch die Neue Wache Unter den Linden beinahe erwiesen worden. DerFuhrhalter" berichtet über diesen Vorgang, der eines gewiffen Humors nicht entbehrt: Am letzten Montag waren die Besitzer von Braut- (Hochzeits-) Wagen zu dem Vor­steher der Gewerbe- und Markt-Angelegenheitenim Jnterefle der Fuhrherrn und Fuhrhalter" geladen. Er wurde ihnen mstgetheilt, daß seit einiger Zeit die Brautgespanne derart reich ausgestattet und dekorirt seien, daß sie von königlichen Gespannen kaum zu unterscheiden; es sei oorgekommen, daß die Wache am Kastanien-

Im Reichohallen-Thratrr hat von dem seit dem 1. d.M. dort auftretenden Künstler-Personal der Gesangshumorist, Herr Bernhard Marx, unstreitig den größten Erfolg. Herr Marx tritt nun schon zum dritten Male hier auf und hat bedeutende Fortschritte gemacht. Seme gut pointirten Couplets und Deklamationen sind von zwerchfellerschütternder Wirkung. Fräulein Mizzi Schütz, eine fesche Soubrette, bringt mit angenehmer Stimme ihre heiteren Vorträge zur vollen Geltung. Ihm folgen Miß Pauline mit schwierigen, aber sicher auSgeführteii Produktionen auf der Stuhl­pyramide. Mr. Staar überrascht das Publikum mit seinerSusanne", die, wenn sie auf einen Stuhl geschleudert wird, zusammenschlägt wie eine Kautschukfigur, sich aber schließlich als ein junger Manu mit keckem, blondem Schnurrbärtchenentpuppt". Die Geschwister Ramcau als stotteGesangsduettistinnen befchließen den ersten Theil des Programms, beffen zweiter Theil durchRenaiis Gallerie lebender Bilder moderner Meister" eröffnet wird. Die II. Serie:Das Blumenjahr", kommt zur Darstellung, wobei die 12 Monate durch einzelne geschickt arrangirte Bilder sehr effektvoll charakterisirt werden. Die Truppe Pignet, aus zwei Damen, einem kleinen Mädchen und einem Herrn bestehend, leistet in der Parterre-Gymnastik ganz Hervorragendes. Schließlich sind nach die eleganten und schneidigen Herren Wallno und Merteno alsamüsante Charaktere" zu er­wähnen. Die damit nur kurz erwähnten mannigfachen Darbietungen des gegenwärtigenNeichshallen"-EnfembleS werden sicherlich aut.. Besuchern der Vorstellungen, namentlich an den beiden Feiertagen, einige Stunden angenehmer Unterhaltung bieten.

Ans Kunst und leben.

* In Sangers Kuustsalo» Tauiiusstraße 2 ist derzeit Fritz Haß'Satirischer Zeitspiegel" ausgestellt. In denM. N. N." schreibt v. Ostini über diesen Cyklus: Viel Aussehen erregt ein Cyklus von politischen und sozialen Karikaturen, welchen der Gesammttitel Satirischer Zeitspiegel" beigelegt ist. Der Autor Fritz Haß debü- tirte int Vorjahr bei denSezesstonisten" mit einem erschütternden Bild aus dem Leben der ArmenTodt" und einem in seinen malerischen Werthen hochstehenden Selbstporträt. Hier tritt «ns der junge Künstler als Denker und Dichter entgegen, ein wenig radikal und auch ein wenig gewaltsam in feiner Originalität vielleicht, aber unzweifelhaft geistreich und inter­essant. In zehn allegorischen Blättern zeigt er uns die Presse, wie sie die Fäden der Mariolietten im Welttheater lenkt, die Land- wirthschast, wie sie ganz nach der Auffassung des Herrn v. Ploetz Vern Verderben entgegengebt, die Industrie und die Sklaverei der Arbeiter, Handel und Kapital, Medizin, Theologie, Philosophie, Justiz, Militär. Ein BlattRoyalismus und Anarchismus" zeigt, im Gegensatz zu dem alten Gedanken, im Herrscher den Landesvater zu habe», den durch einen scheidenden Vorhang entfremdeten oder fremd gewordenen Herrscher, den der gährende Volksgeist einerseits Und die Schmeichelei andererseits gefährdet.

* Wieder «ine neue Zlrnhlennrt entdeckt! Im Verlag von Schmitz und Olbertz in Düsseldorf ist eine BroschüreMagische Strahlen. Die Gewinnung photographischer Lichtbilder lediglich durch odisch-magnelische Ausstrahlung des menschlichen Körpers. Von L. Tormin. Mit Abbildungen. Preis 50 Pf." erschienen, in welcher Experimente beschrieben werden, durch welche es gelang, eine neue bis jetzt unbekannte Strahlenart zu entdecken. Die Herren Professor Crola an der Kgl. Kuiistakademie in Düsseldorf und Magnetopath Tormin ebendaselbst setzten photographische Platten in vollständiger Dunkelheit der Einwirkung des nach Reichenbachs und Mesmers Theorieen dem menschlichen Körper eiitströmeiideii magnetischen ober Od-FluidumS aus unb es gelang ihnen, barmt Vilber zu erzielen, von denen einige im Buche abgebildet sind.

3m Krajkowoer Walde bei Schrimm (Posen) wurde von Forst» beamten ein ungefähr 22-jähriges gut gekleidetes Mädchen er­mordet atifgcfunben. Der Hals war bis auf die Wirbelsäule mit dem Messer durchschnitten. Vom Mörder fehlt bis jetzt jede Spur.

Der Standesbeamte in Weimar, Martin, erhängte sich in der vorletzten Nacht in einer benachbarten Schlucht. Der Beweggrund zu dem Selbstmord ist noch nicht bekannt.

In Bruchsal starb ein Knabe, bei Wasser aus einem Glas getrunken hatte, in bem zuvor Maiglöckchen standen. Die Unter­suchung ergab, daß in der Pflanze zwei Giftstoffe enthalten sind, Konvallarin und Konvallomarin, letzteres ein starkes Herzgift.

Durch die bayrischen Blätter ging jüngst die Mittheiluna, daß in einer Singspielhalle in Ingolstadt ein Sergeant wahrend eines Gesangsvortrags die anwesenden Soldaten nach dem Ausweis über die Erlaubniß zum Ansgehen koiitroflirt habe. Er that die» so geräuschvoll, daß das Publikum gegen die Störung remonftrirte unb der Sänger seinen Vortrag unterbrechen mußte. Wie jetzt berichtet wird, hat der Sergeant vom FesttingSgonvernement 5 Tage Arrest erhalten, weil--er den Vorfall nicht gemeldet hatte. Wege»

seines Verhaltens selbst erhielt er alskorrekt" eine Belohnung.

Ans Steinamanger, 2. April, wird berichtet: DieOrtschch Nemes Magasfy wurde heute von einer furchtbaren Feuer»

Lus Stadt und Kand.

W iesbaden, 5. April. Estern!

Mein Herz, vergiß die Sorgen, vergiß des winters (Qual!

Lin Auferstehungsmorgen Erscheint auch Dir einmal. Aus trüber Gedanken Banden Mach' Dich nun endlich frei, -Dein Heiland ist erstanden, Auch Dir noch winkt der Mai.

Kleine Chronik.

DerRennfutter des deutschenKaiserS, welcher auf der Werft von Clyde erbaut wird, dürfte, wie ein Privat-Telegramm aus London meldet, Anfang Mai fertiggestellt sein. Die Gesammt- länge beträgt 120 Fuß, in der Breite 25 Fuß, 6 Zoll Holz liegen unter Wasser. Das Material für den Kiel ist anierikanische Ulme, für den oberen Theil des Kutters Mahagoni. Ferner ist viel von dem neuen Stahl zur Verwelidung gekommen, wie er neuerdings für die Torpedozerstörer Üblich ist.

Gegenden homöopathischen ArztDi-. Volbeding in Düffel» darf ist jetzt auch Anklage wegen versuchter Bestechung deSPolizei- kominiffars Blase erhoben worden.

* Eine ganz merstMiirdtgr Abschtedsfrier fand in der Schule eines lothringischen _ Dorfes statt, dessen Buben den Ruf ganz besonderer Boshaftigkeit gegen den leweiligen Schulmonarchen genießen. Der Jubilar, welcher dieser Tage dort das Seepter uieder- legte, hatte die Bürde seiner LLstrde lange unter Seufzern getragen, unb diesem Gefühl verlieh er in der letzten Stunde, die er ertbeilte, entsprechenden Ausdruck, indem er die gespannt lauschende Jugend, lautKöln. Volks-Ztg.", folgendermaßen anrebete:Ihr Vieh» buwen l Die Stund, , wo ich schun so lang ersehnt hab, isch jetzt enbli fumnte, wo ich Euch Viehvolk los werd. Ihr brächen eich nit mit mir ze freue Ihr kriegen Webber en Andere! Ich krieg e schöni Penzion, wo ich bervun lewe kann. Awer faujen's (fagt's) eiten Alten: sie brunchen sich nit ze verzürne, es gehr net üs ihrem Sack; ich krieg's vun der Staatsregienlng" Bis dahin hatte die Spannung der bösen Buben angehalten; jetzt ober konnte der eine der Krakehlkuaben seine angeborene Nichts­nutzigkeit nicht länger bezähmen, unb er unterbrach den Strom der Rede seines Erziehers durch den Zwischenruf:Kannscht'S froh stu; wenn vier dir's nniefte genn (geben), no kannscht noch lang warte, bis 's bekämscht!" Angesichts eines so kainpffertigen Gegners unter­blieb der Rest der Abschiedsrebe. Die Alten aber waren hoch entzückt, als ihnen bie neueste Tbat aus dem Kreise ihrer hoffnungsvollen Sprößliiige hinterbracht wurde:Mer ment rein, br Gaischt (Geist) hett's den Bnä ingenn (eingegeben)*, meinte der Eine stolz;von uns Alte hätt's feuer so guet fertig gebrung (gebracht)!" Inzwischen verjuchtsder Andere", die ungezogenen Stricke zur Tugend zu leiten.

* Kobe» die Ameise» eine Sprache? Es ist nicht mehr als billig, nachdem bie Sprache der Assen und neuerdings auch der Katzen sorgsamer Beobachtung gewürdigt wird, auch der Frage nahe zu treten, ob bie Ameisen, bie ber Naturforscher als eines der intelligentesten Lebewesen verehrt, nicht ebenfalls ein für uns er­kennbares VerstäiibigungSmittel untereinanber| besitzen. Nach der amerikanischen s-!Bod)cn(d)riftScientific\ American ist der sehr bekannte irische Noiurgelehrle Sir James Boyle stets für die BehauptunA ein­getreten, daß auch die Ameisen ihre eigene Sprache besäßen, durch die sie sich ihre Wunsche und Besorgnisse mittheilten. Eines Tages begegnete Boyle einem Ameifenvolke, das augenscheinlich neue Quartiere aufsuchte. Alle schienen in bester Laune, unb der Beobachter sah, baß oftmals zwei, wenn sie einander begegneten, bie Köpfe zusammensteckten, als ob sie sich etwas Wichtiges zu sagen hätten. Um über die Fähigkeit ber Ameisen, sich Mit­theilungen untereinander zus machen, größere Gewißheit zu erhalten, töbtete er plötzlich eine von jenen, bie sich im Vortrab beS Zuges befanden. Diejenigen Ameisen, bie ans ber Nahe Augenzeugen bes Mordes waren, flüchteten sich eilends, machten aber an der Spitze der sich vorwärts bewegenden Kolonne Halt, indem sie ihre Fühler zusammenlegteii. Sofort trennte sich die Kolonne nach rechts und nach links, sodaß Niemand von den uachfolgeiideu in Weniger als sechs Fuß Entfernung an der Leiche vorüberkam, obgleich diese mitten auf bet gewählten Straße lag. Der Schluß, ben Sohle aus dieser fein beobachteten Ameiseugeschichte zog, wird von wenigen Naturforschern, die über bas Leben ber Ameisen Erfahrungen ge­sammelt haben, angezweifelt werden.

* Humoristische». Theorie undPraxiS. 81.:. . . Was willst Du nun mit dem vielen (Selbe anfangen, das Dir Dein Buch gegen bie Ehe Angebracht hat?" B.:Ich werde meine Anna hciratheu!"

* Gberst und Lieutenant. Das Schuldenmachen der Offiziere wird in ber österreichischen Armee sehr streng gealjnbet unb mancher der Herren muß oft lange unfreiwillig bas Zimmer hüten, weil ber gestrenge Oberst von irgend einem Manichäer eine Klage erhalten hat. Ein Agramer Blatt erzählt nun folgende ergötzliche Geschichte: In einem Regirnente das jedoch nicht in Aararn garnisonirt diente ein junger lustiger, immer zu Streichen aufgelegter Lieutenant, der von einem Geldgeber, dem er 100 Gulden schuldete, verklagt 9K woiden war. Der Oberst des Regiments war in Bezug auf Schulden i Jjfi

äußerst streng, und dem Lieutenant, der um 11 Uhr zum Regiments- :

rapport bestimmt worden war, blühten sichere 30 Tage Zimmerarrest, wenn er bis dahin die Sache nicht ordnete. Nach Hause zu schreiben, war schon zu spät, ini Ort war kein Geld aufzutreiben, was thun? Um 'Ml Uhr klopft es an ber Kanzlei bes Obersten. Auf seinHerein!" tritt ber Lieutenant ein.Herr Oberst, ich bitte gehorsamst, darf ich mit bem Herrn Obersten einige Worte privat sprechen?" Sitte", entgegnete ber Gestrenge.Ich bin von meinem Geld­geber geklagt worben und bin um 11 Uhr zum Regimentsrapport bestimmt. Wenn ich bie Sache bis bahin nicht ordne, bann sperrt mich ber Herr Negimeiitsfommanbant in einer halben Stunbe sicher ein. Ich bitte habet den Herrn Obersten, mir 100 Gulden zu leihen." Ganz perplex sah der Oberst den Lieutenant an, der mit dem unschuldigsten Gesichte von der Welt vor ihm stand. Endlich griff der Gestrenge in die Geldtasche und gab dem Lieutenant die gewünschte Summe. Nach einer halben Stunde stand der Lieutenant mit der Quittung vor bem Regimentskommandeur, der große Mühe hatte, während des Rapports ernst zu bleiben.

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Vorschuß-Kerri». Auf den im Jnseratentheil enthaltenen Abdruck des Geschäftsberichts für 1895 besAllgemeinen Vorfchuß- uub Sparkassen-ÄereinS E. G. zu Wiesbaden" machen wir unsere Leser hiermit besonders aufmerksam.

ileber de» Schluß der Ladengeschäfte äußern sich auch die vorn Fürsten Bismarck inspirirteuHamburger Nachrichten". Das Blatt meint, die ReichSkomniisfion für Statistik habe sich mit der Zeit ausgebildet zu einem Organ für Ersinnung von sozial­politischen Geietzesprojekteu.Man schaudert vor dem Gedanken an die Polizeiwirthschaft, zu welcher wir unter ber Anleitung ber Kom­mission nothwendgg gelangen würden." Die Frage des Ladenschlusses läßt sich nur inbtbibualiftrenb lösen, nicht gleichmäßig für größere Gebiete und selbst für dieselbe Stadt nur unter Jubividualisirung der einzelnen Branchen. In einer Großstadt bie Bevölkerung außer Stand setzen wollen, nach 8 Uhr Abends sich mit den unentbehrlichen Lebensmitteln zu versehen, das sei einfach Unsinn. Es grenze gradezn an Hochmuthswahnsinn, alle Verhältnisse auf solche Weise in eine Gesetzesschablone eiuzwängeu zu wollen. Mau versuche nur einmal die Durchführung einer solchen Gesetzgebung! Sie würde gar bald von dem allgemeinen Unwillen hinweggefegt fein, unb die Sonntagsruhe vielleicht noch obendrein".

85 Ehr» sind gestern auf bem hiesigen Standesamt ge­schlossen worden, eine Zahl, die bisher noch nicht erreicht worden war.

Für dir Wittwe und die fünf unversorgten Kinder des im Rhein permiglückten Schiffers Birk ans Schierstein gingen bei dem Verlag desWiesbadener Tagblatt" weiter ein: von M. D. 1 Mk., PH. M. 10 Mk., St. 1 Mk., in Sumina bis jetzt 421 Mk. 90 Pf.

Unfall, gestern ist dem Bierfahrer Jakob Frei ans Mainz, bei ber Schöfferhof-Brauerei daselbst bedienstet, bei dein Abladen von Fässern vor einer Wirthschaft in ber Röberstraße ein Faß auf bie linke Hand gefallen, wodurch zwei Finger erheblich verletzt wurden. Im städtischen Krankenhanse wurde dem Verletzten sofort ärztliche Hülfe zu Theil.

Urr-ins-Aachrichtru.

(Kurze (Eiche Berichte werden bereütvmigst unter Meter Uederlchrift ausgenommen.'

* Am Charfteitag unternahm dieTurn-Gesellschaft" ihren üblichen Frühjahrs-Turngang nach Idstein, und zwar über den Trompeter, Eschenhahner Heide, Escheichahn. Am Trompeter wurden die Tiirnfahrer von einem kleinen Schneegestöber überrascht, bas die Theilnehmer jedoch wenig störte. Die Aussicht war hübsch, und namentlich präsentirte sich der Feldberg in feinem weißen Kleide prächtig. In Idstein wurde bie einige 30 Theilnehmer zählende Turnerschaar im Hotel Merz nach nahezu 4-stündiger Wanbernng durch vorzügliche Speisen unb Getränke gestärkt. Der Zug 8 Uhr 54 Min. führte die Turnfahrer nach Hause zurück.

* Am 2. Ostertag hat derWiesbadener Rhein-und Taunus-Klub" für den Nachmittag eine Familientour nach bem ßeniaberg geplant. Die Abfahrt findet um 2 Uhr 33 Min. mit ber Rheinbahn nach Walluf statt, von wo nach Bubenheim übergefetzt und von da zuni ßeniaberg gewandert wird. Boni Leniaberg findet der Abstieg nach Gonsenheim statt. Von hier aus kann bie Straßen­bahn nach Mainz unb von ba bie Bahn zur Heimfahrt benutzt werden. Sei günstiger Witterung dürste sich eine große Theilnehmer- zahl für diese hübsche Tour finden.

* Der Ring-und Fecht-KlubGermania" veraiistaltet am zweiten Dfterfeiertag ein Familienfest in ber RestaurationZur Waldlust". Die Seranftaltung findet auch bei ungünstiger Witterung statt.

* Die GesellschaftFidelio" unternimmt am 2. Ostertag einen Ausflug nach Schierstein (Zum Deutschen Kaiser"). Abfahrt um 2.30 Uhr vom Rheinbahnhof. (Sonntags-Billett.)

* DerBienenzüchter-Verein für Wiesbaden und Umgegend" hält nm nächsten Sonntag, den 12. April a. c Nach­mittags 31/« Uhr, bei seinem Mitglied, Herrn Gastwirth Wendland, Moritzstraße 36 hier, eine Mouatsversanimluiig ab. Auf bet Tages­ordnung stehen u. A.: Die Genehmigung des in ber letzten Ver­sammlung gesoßten Beschlusses wegen ber voraussichtlich im nächsten Jahre hier abzuhaltenden Wanderversammlung deutsch-österreichischer Bienenzüchter, verbunden mit einer Ausstellung von Bienenvölkern, Bienengeräthen, Honig, Wachs re. re., und Vortrag. Auch Nicht- Mitglieder sind eingeladen.

* Einen Atbleten-Wettstreit veranstaltet berAthleteu-Kliib Germania" hier am 3. Mai d. Js. imRömersaal", Dotzheimer- straße. Der Klub ist in voller Thätigkeit, um das Fest zu einem großartigen zu gestalten.''

Stimm,» ans -em Nnlrlilwm.

<Aur BeröflentNchuugeu unter dieser Ueberjchrift übernimmt die Reduktion keinerlei Betantworwng.)

♦Suumeuique! Die Büste unseres größten Dichterfürsten soll allo auf Beschluß unserer Stadtoäter Platz machen für das Standbild unseres vielgeliebten Kaiser Friedrich!! Warum das? Das hieße: aus Pietät eine Jmpietät begehen. Kaiser Friedrich war selbst ein zu großer Verehrer Schiller«, als daß er dazu seine Zustimmung hätte geben können. Aus Pietät gegen unsere beiden Heroen sollte man das nicht lhun. Siebt es nicht so viele schöne Plätze in Wiesbaden für ein Kaiser Friedrich- Monument! Warum stellt man es nicht aus den Markt in Mitte zwischen bem König!. Schlöffe unb bem Hauptportal ber Kirche? ober auf den Wilhelmsplatzober in bie Anlagen auf bem Warmen-Damm? Schiller ist nun einmal der freilich schönste Platz Wiesbadens gegeben, da soll er aber auch bleiben ! Ein ausrichtiger Verehrer Kaiser Friedrichs und Schillers.

* ©ranbrrg i. 4. April. Die Kaiserin Friedrich ist heute zu mehrstündigem Besuche hier eingetroffen.

Zur Erinnerung. Am 5. April 1813 erhielten die preußischen Truppen in ber Schlacht bei Möckern dieSluttaufe". Es war der erste Kampf und Sieg der neuen Truppen, die gegen den französischen Gewalthaber erstanden waren, unb es zeigte sich sofort, daß in ihnen ein anderes, frischeres Leben pulsirte, als in den einer vergangenen Zeit angehörenden Heeren von Jena und Auerstädt. Der Tag von Möckern bedeutet für Deutschland ben Beginn der Säuberung heimischer Erde von fremden Eindringlingen unb bie Morgenröthe einer neuer Zeit. Am 6. Apri 1 1520 starb ber für alle Zeiten hochberühmte italienische Maler Raffael Santi (Sanzio). Seine zahlreichen Gemälde, theils religiösen, theils allegorischen und historischen Inhalts, die sich im Original im Vatikan Bytom, sowie in den größten und bedeutendsten Museen der eit finden, werden noch heute von unseren Künstlern ftubirt. eine rastlose Thätigkeit hat dem Meister ein frühes Ende bereitet; er ist nur 37 Jahre alt geworden. Die Plastik der Alten und die Gernüthstiefe des ChristenthnmS, schöpferische Phantasie und Natiir- studiurn, vollendet sichere Zeichnung, ebenso individuell charakterisirende, als gleichmäßig normale Formen, Straft und Feinheit des malerisch beseelenden Kolorits, die ursprüngliche harmonische Begabung, alle diese Seiten in müheloser Freiheit zu reiner Verschmelzung ineinander zu verweben, alles Das macht Raffael zum größten Maler feiner Zeit. Am 7. April 1747 starb ein tapferer KriegSmann, dessen Name eine seltene Popularität erreicht hat, deralte Dessauer"; ein Mann, der so ganz und gar ein Kind seiner Zeit war, daß er, losgelöst von dieser, einen ebenso abstoßenden Eindruck macht, wie er im Rahmen derselben als eine sympathische und bedeutende Persönlichkeit erscheint. Leopold I., Fürst von Anhalt-Dessau, war ber eigentliche Schöpfer der trefflichen KriegsaiiSbilbung des preußischen Heeres, die diesem ein so großes Uebergewicht in Europa gab. Vierzig Jahre lang stand der alte Dessauer an ber Spitze ber Truppen, sie in strengster Kriegszucht haltend unter Anwendung harter und grausamer Strafen (Spießruthen). Dafür aber erwarb er sich und den Truppen glanzenden Kriegsruhm im spanischen Grbfolgefliege, im nordischen Krieg und in den beiden schlesischen Kriegen. Die Regierung von Anhalt-Dessau führte er zum Segen des Landes, wenn auch strenge und nach bem Geiste seiner Zeit gewalithätig. Er war es, der den eisernen Ladestock bei der Armee einsührte.

Personal-Nachrichten. Dem Kgl. Sauitätsrath Herrn vr. med. Arnold Pagenstecher ist der Charakter als Geheimer San itatsrath verliehen worben. An Stelle des auf seinen Antrag aus bem Vorstand des Psarr-Wittwen- und Waisen-Fonds ans- geschiedenen Herrn Ober-Regiernngsraths Dr. Stockmann hier ist Herr Konsistorialrath Müller in Hannover zum Mitglied des Vorstands des Pfarr-Wstiwen- undWaisen-Fonds ernannt worden.

Ktvmarck-Kiiste. Gerade in diesen Tagen, da Wiesbaden sich anschickt, dem Fürsten Bismarck ein würdiges Denkmal zu er» richten, durste eine lebensgroße Büste des Alt-ReichskanzlerS von dem Berliner Bildhauer Pfretzschner, die in dem Schaufenster ber Sud)= unb Kunsthandlung von Heinrich Roemer, Langgaffe 32, ausgestellt ist, großes Interesse erregen. Pfretzschner ist durch feinen jxntwurf zu dem Bismarck-Denkmal ber deutschen Corpssrubenteu ODf ber Iniibelsburg rühmlich bekannt. Seine neuaiisgefteflte Büste Mt E Vorzüge dieses Entwurfs: künstlerische Auffassung und große Naturwahrheit.