6. Seilage Mm Wiesbnüener Tagblatt
138.
44 Jahrgang. 1896
Sonntag, den 22. März.
: Uo. 139. Morgen-Ausgabe.
len.
ieS
>vr
e K
mermann«
oder
laaren,
ir'e ist
Anstalten
ochs tmd die den bisherigen Begriff vom Klasscnwese» und Herrschen in irgend
einer Form aufrecht erhält. Wir dienen Alle, aber Keiner herrscht.
Prof.
nm el düng
nden.
irnverein ’■
rechdauei hlossenen- en) 50 Pt
int neben
» geöffnet ellstrasseJ
liehti eben haue.
sichti ittesdi
neben risenplati. ile, in senst
Hung der Monfagg,
Mor en-Die
öffnet an ttags
Sommer» Uhr Vor. jungen zn inmelden, irrend der isen. Be- mservator
6 eöffhet ihentagei
h bis steht
ile.
—11 Ui»
der Bi<
auratioi
Philips
len neuen Grnndanschauung herauswachsen. Die auf ein neues _ , :em gerichteten Ideen müssen freimüthig und unabhängig von sonst damit verbundenen Auschnungen geprüft werden; kein deß- sallsiger Gedanke darf als Dogma auftreten. Das neue System mutz ebenso auf das Wohlergehen Aller bedacht sein, wie cs das Selbstbestiiymungsrecht jedes Einzelnen wahren muß.
Das Geld hat keinen Werth „an sich"; es ist nur Verkehrsmittel. Der Werlhmcsser für alle Erzeugnisse und sonstigen Preisbestimmungen ist „das Brod". Um unsere Ernährung handelt es sich, nicht um das Werthverhältniß von Edelmetallen.
fahren, daß Freundschaft wandelbar und Ruhm nicht immer ersprießlich ist. Noch am Sonnabend Mittag hing in einem Schaukasten der Leipzigerstraße sein großes, ordensgeschmücktes photographisches Bildniß aus, das am Montag früh durch das eines Hofgeistlichen ersetzt war, und die Patroneßdamen des Wohllhätigkeitsfestes im Kaiserhof, die in der vergangenen Woche „unseren Afrikaner" mit, sagen wir es ruhig, offenen Armen empfangen hätten, sie hätten ihm in dieser schaudernd ihren mehr oder weniger schönen Rücken gekehrt!
Aber glücklicher Weise brauchten sie sich nicht unsittlich zu entrüsten — wenigstens über Karl Peters nicht — denn jenes Wohlthätigke itsfest eröffnete die neue Woche, und es war nach der besagten Richtung hin keine Gefahr mehr im Verzüge. Eine neue, garnicht unüble Idee, Wohl- thätigkeit zu üben, brachte dieses Fest zum Ausdruck. Fünfundzwanzig Damen aus unseren besten Kreisen hatten sich vereint, der Kinder-Heim- und -Heilstätte zu Norderney weitere Mittel zu erschließen, derart, daß ein Souper veranstaltet wurde, bei welchem jede der Damen eine Tafel zugewiesen erhielt, zu der sie die Theilnehmer anfzufordern hatte. Der Preis^ für das Couvert, einschließlich des Weines, belief —sich auf zwanzig Mark, „ohne der Wohlthätigkcit Schranken zu setzen", und an sechshundert Damen und Herren hatten sich vereint, um einmal recht geschmackvoll wohlthätig zu sein. Fast Alle? war erschienen, was in Berlin ein Bischen ist oder cs sein will, Mitglieder der Hofgesellschaft, Reichstags- und Landtags- abgeordneke, Offiziere, Gelehrte, Künstler und Schriftsteller, Großindustrielle, auch wohlgenährte Börsianer, dicMehrzah' mit ihren Gattinnen und Töchtern, und wenn man diese kostbaren Toiletten und blitzcnven Schmuckstücke sah, so muß mau sich — bei diesem auffälligen Drange, wohlthätig zu sein — eigentlich wundern, daß es noch gar so viele Arme
in Berlin giebt! Aber es zeigte sieb auch wieder, wie viel Schönheit und Anmuth in der Berliner Damenwelt zn finden ist, denn eine Fülle entzückender und lieblicher Erscheinungen warzu bemerken, und darunter viel lockende Jugend, was sonst auf ähnlichen Festen, die mehr die Gattinnen und Mütter gepachtet zu haben scheinen, nicht der Fall ist. Diese Jugend mochte es namentlich arg bedauern, daß die Veranstalterinnen bei Abends sich nicht damit begnügt, die Erschienenen sich selbst zu überlassen und sich untereinander zu unterhalten, sondern noch einen Vertreter der „Urania" eingeladen hatten, einen recht ausgedehnten Experimental» Vortrag über die Röntgenschen unsichtbaren Strahlen zu halten. Wären letztere plötzlich von der enormen weißen Schirmwand auf die Zuhörerschaar gerichtet worden, wie manches ungeduldig pochende Herzchen, wie manches unruhig sich bewegende Füßchen wäre da offenbar geworden! Denn es sollte ja noch getanzt werden! Und als endlich die feurigen Weisen einer Zigeunerkapelle ertönten, da war plötzlich Alles wieder eitel Freude und Sonnenschein, und es wurde früh, recht früh, ehe der letzte Walzertakt verklungen, der in der Erinnerung unserer zierlichen Ballfeen ein längeres Echo bewahren dürfte, als der vordem gehörte Vortrag.
Aber sie sollen durchaus gelehrt, sehr gelehrt werden, unsere Damen, und sie können froh sein, wenn ihnen die Geheimnisse der Wissenschaft immer so bequem beigebracht werden, wie bei diesem Wohlthätigkeitsfeste. Da hat Professor Hottinger einen ganz anderen Plan, den er in einer zahlreich besuchten Versammlung kürzlich entwickelte, den Plan einer Frauenhochschule in Berlin, die ihren Studentinnen nicht nur das Alpha und Omega alles Wissens und Könnens .rschließt, sondern ihnen auch Aufenthalt und Beköstigung gewährt, Alles zusammen für dreihundert Mark im Jahr. Wie mancher Vater mag da wünschen, daß ftin Söhn, d«
1 Taunus«? bis 8 Uhr. r Abendtt Publikum, eim Post«
äffnet von acSts bis
st. 3 d auf dtf
Ggidys Keitrusrte.
(Schluß aus ber Abcud-AuSgabe Nr. 138.)
Gesundheit. Einer mit Den Geboten der Natur in Eiu- , klang stehenden Lebensweise und Gesundheitspflege ist die sorg- | Ktiefte Beachtung zu schenken; öffentliche Einrichtungen und Einzel- t- Gewöhnung.
Der vaterländische Grund und Boden gehört der Gemeinsamkeit. Der Bodenbesitzer betrachtet sich als: von der Gemeinsamkeit mit einem Stück Land „belehnt". Er zahlt dafür ein Entgelt, das sich nach dem Werth bestimmt, den das Stück Land für die ; Gemeinsamkeit hat. — Im Interesse einer gesicherten Volksernährung übernimmt die Gemeinsamkeit gegenüber dem Bodenbebauer eine Gewährleistung für die Verwerlhmig bes erbauten * Getreides. (Festsetzung bes Preises für inländisches Getreide; ausschließlicher Ankauf des etwa benöthigteu auSläiidiichen Getreides i' durch die Volksleitung (Regierung); amtlicher Verkauf dieses Getreides
(Nachdruck verboten?
Berliner Brief.
Der Fall Peters. — Wohltyätigkeit. — Frauenhochschule. — Gewerbe-Ausstellung.
—, den 19. März.
„Der Knabe Karl fängt an mir fürchterlich zu werden" — so mancher Zeitungsleser mag dies in den letzten Tagen i gedacht und geseufzt haben, als ihm zum Morgencafo und Nbeudbrod der „Fall Peters" mit erstaunlicher Regelmäßigkeit servirt-wurde. Was Karl Peters oft genug in seinen ehrgeizigen Träumen, an denen er nie arm gewesen, gewünscht und ersehnt haben mag, daß mit einem Schlage ganz Deutschland von ihm spricht und er in Aller Munde ist, das sah er, wenn auch nicht in der von ihm erhofften WWeise, erfüllt. Wenigstens in Berlin schien es von Sonn-
sich unnatürlichen Verbindung Oesterreichs und Rußlands, umso sonderbarer, als die beiden verbündeten Frauen grundverschiedene Naturen waren; Elisabeth eine rohe, ungebildete Natur, ganz unwürdig eine" Thrones, Maria Theresia das gerade Gegentheil. — Vi
Frie •stags v !, Mon edhöfe
An unsere Post-Abonnenten!
Um die erfahrungsgemäß beim Vierteljahrswechsel eintrctenben Störungen im Bezug zu vermeiden, ersuchen wir unsere verehr- | lichen Post-Abonnenten, schon jetzt die Erneuerung ihres ~ Abonnements bei den betreffenden Postanstalten bewerkstelligen |^-ju wollen. Bei dieser Gelegenheit sei darauf aufmerksam gemacht daß die Postbehörde nur Bestellungen annimmt auf gart $6 Onartslr (3 Monate), auf den 2. und 3. Monat oder auf den letzten Monat eines (Quartals.
Werlag des „Wiesbadener tziagölatt".
Handwerker. Trotz der Maschinen bleiben noch weite Thäligkeitsgebiete für das Handwerk offen. Eine sorgfältige AuS- bilduitg für diese Gebiete muß Seitens ber Gemeinsamkeit freigiebig unterstützt werden. Im Kunsthandwerk lebt die Emsigkeit und die Geschicklichkeit weiter. Von einer Rückkehr zu überlebten Einrichtungen kann keine Rede fein; Zopf und Zunft sind allenthalben Überwunden.
Die Industrie soll sich in friedlichem Wetteifer unter den Nationen zu möglichster Höhe anfschwittgen. Nicht, unt die Erwerbssucht Einzelner zu stillen; lediglich zur Befriedigung des im Volke vorhaitdenen Bedürfnisses und der etwa von auswärts kommenden Forderungen.
Die Kunst dient der Vervollkommnung mtferes inneren Menschen; was dazu nicht beiträgt, ist nicht Sun ft. Nur, was auf Andere veredelnd wirkt, ist ein Kunstwerk. Die Gemeinsamkeit wird die Kunst als ihre würdigste Dienerin schätzen und schützen.
Der Wissenschaft, soweit sie dem Leben bient, darf es an keiner Unterstützung Seitens ber Gemeinsamkeit fehlen. Manches, was heute als wissenschaftliches Sonbergut gilt, wirb Gemeingut werben. Dieser Wanblung entsprechenb wirb sich bie Verfassung unserer Hochschulen ändern.
Frieden. Voraussetzung für jede» Wandel nuferer Zustände in ber hier angebeuteten Richtung ist bet Friede. Friede heißt nicht: kein Kamps mehr; Friede heißt: kein Krieg mehr; kein Waffenkampf mehr. Die Knlturwelt ist in ihrer Entwicklung auf dem Standpunkte angelangt, wo sie zur weiteren Förderung ihrer Jntereffen des Krieges nicht mehr bedarf. Daß wir selbst den Krieg nicht wünschen, ober gar bes Krieges bebörfen, bethenern wir bei jeder Gelegenheit; die Nachbarn versichern dasselbe. Meinen wir es ehrlich mit unserem FriedenSgetede und trauen wir den Friedens-Versicherungen der Anderen, dann hindert uns nichts, bie betheuerte Friedensliebe durch Friedens-Vorbereitungen zn bethäfigeit. Krauen wir aber den Versicherungen ber Anderen nicht, bann müssen wir sie danach behandeln. Das heutige heuchlerische Waffenstillstauds- Verhältniß ist vornehmer Nationen unwürdig. Nicht Blittschen, Besorgnisse irgend welcher Art, oder gar Furcht weisen uns ans den Frieden; das Gefühl sowohl, wie die Erkeimtniß der Völker lehnen den Krieg als überwundene Erscheinung in ber Knlturentwicklung ab. Pflicht der Leiter unseres Volkslebens ist es, diese Anschauungen zur Geltung zu bringen, und, nach Maßgabe eines Umsichgreifens der gleichen Erkenntniß unter den Nachbarvölkern, entschlossen alle Folgerungen aus dem wirklichen und endgültigen Friedenszustanbe zu ziehen.
Das Werben befielt, was diese Gedanken austrebeit, hängt einzig und allein von dem Wollen der Gemeinsamkeit, von deut Wollen der Vernünftigen aller Kreise unseres Volkes, ab. Tiefes Wollen zu beleben, ist die nächste Aufgabe aller Derer, denen baS Wohl des Ganzen höher steht, als ein in den bisherigen Einrichtungen wurzelndes persönliches Interesse. Solches Wollen kann sich nur aus der erwachenden Erkenntniß heraus entwickeln. Dazu bedarf es neben einem unausgesetzten eifrigen Wirken auch einer gewissen Zeit. ES giebt keinen Bruch in ber Entwicklung; die Entwicklung ist nicht ohne stetigen Fortsetzungs-Zusammenhang zu denken; aber es giebt, wie in ber Entwicklung des Einzelnen, auch im Leben ber Völker Zeiten, in benen eine plötzlich erwachende Erkenntniß zu entschlossenem Thun brängt. — Verbände ober Säuberungen irgend welcher Art sind nicht geeignet, bett aus enbliche Einigung bes Volkes abzielenben Schritt vorzubereiten. Die sich lebiglich zu diesem Zweck bilbenbett Bereinigungen können dagegen gute Dienste leisten, wenn sie sich nicht durch Satzungen irgend welcher Art binden, und wenn sie keinerlei Absondernug darstellen. Vom ersten Tage ab müssen Männer und Frauen der bisher getrenntesten politischen und konfessionellen Richtungen, Männer und Frauen aller Lebensstellungen, zusammenwirken. — Thateu im eigentlichsten Sinne können nur von ber hierzu geordneten Stelle ausgeben. Die Volksvertretung ist die Werkstätte solchen Thuns. Die wirksamste Anregung zu einem fördernden Schritt in ber Entwicklung ist allzeit ein Entschluß, der vom König ausgeht. Diesem Entschluß müssen wir durch eigenes Wirken vorarbeiten. Die Entsendung der noth- toenbigen Männer in bie Volksvertretung ist das einzige, aber auch das unfehlbar wirkende Mittel zur Verwirklichung richtiger Anschauungen.
Deutsches Reich,
* Dis Aktienbangefellfchuft für kleine Wohnungen in Frankfurt a. W. hat 1895 wiederum sehr günstige Erfolge für ihre Bestrebungen zu verzeichnen, indem nur einige wenige Wohnungen frei wurden. Die Stetigkeit ber Miether zeigt bereit Zufriebeuheit betulich an unb aitbererfeit« ist auch die Gesellschaft glücklich in der Auswahl ber Nachfragendett gewesen. Die Gesellschaft hat zwar mit ihren ber Stadt so günstigen unb sozialpolitisch so gut durchdachten Bauplänen nicht durchdringen fön nett, sie wird aber trotzdem ber Nachfrage nach Wohnungen Rechnung trage 11 und mit Neubauten vorgehen. Allerdings kostet der Grund üub Boden, den sie zu bebauen gedenkt, mehr, als der vom Magistrat für die Gesellschaft in Aussicht genommene ge-
emfchätzung; fein Geheimwesen dabei. — Keinerlei Grenzz 011. Die Gemeinsamfeit sorgt für möglichste Entwickelung ber heimath- lichen Gewerbe. Sache Der Erziehung ist es, auf bie vorzugsweise Inanspruchnahme ber vom eigenen Volk geschaffenen Erzeugnisse zu verweisen. Industriezweige, bie bann noch eines Zollschutzes bedürfen, finb unberechtigt. Jede Belastung der benöthigten ausländischen Bobenerznignifie ist widersinnig.
Arbeite r. Wir sind Alle Arbeiter. Die Arbeit darf nicht l als Zwang betrachtet werden, sie ist Lebensbethätignug. Allerdings müssen wir unterscheiden: die Arbeit, biedern Einzelnen den Lebensunterhalt sichert, unb: bie Arbeit, die nur Beschäftigung für ihn ist.
inusstr. 1, rasserdem
90 Jahren, am 23. März 1806, wurde Joachim Murat, der Schwager Napoleons, zum Großherzog des neu geschaffenen Großherzogtbums Berg erhoben. Damit wurde auch in Deutschland zum ersten Mal ein Glied der Napoleonischen Familie a(s Herrscher eingesetzt, ohne daß jedoch, wie das anderweitig geschehen, die künftigen llnterthanen vorher auch nur ber Form nach befragt worden waren. Nachdem Preußen Kleve und Wesel an Napoleon Hal« abtreten müssen, wurden diese Landstriche mit dem von Bayern ein» getauschten Herzogthnm Berg vereinigt und bas Ganze von NapoleiK an Murat geschenkt. So konnte der rücksichtslose Eroberer m deutschen Landen damals verfahren, fiebrigen« brachte bie Fremdherrschaft den Bewohnern neben vielen Lasten auch manche Erleichterungen. Sie waren von dem Drucke des römischen und deutschen Rechts befreit und ohne Ablösung der Feudallasten entledigt ; auch schaffte ber Franzose wenigstens nicht, wie bie neuen Könige von Bayern unb Württemberg, bie Stände des Landes ab.
— Personal - Nachricht. Als ordentlicher Professor für Thierzucht und Thierphysiologie ist der landwirthschaftlicheWander» lehrer für den Regierungsbezirk Wiesbaden, Herr Rodert Müller, an die höhere laudwirthschaftliche Landes-Lehranstalt zp Tetschen-Liebwerd (Böhmen-Oesterreich) berufen worben. Die nassauische Lanbwirthschast verliert an ihm einen übef» aus rührigen Reformator auf thierzüchterischem Gebiete. Des bleibenden Andenkens aller vorwärts strebenden Lqndwirihe bes nassauischen Landes, welche ihn in der erst kurzen Zeit feiner Wirksamkeit Hierselbst kennen unb werthschötzen lernten, barf er versichert fein.
— Kurhaus. Bei entsprechender Witterung findet bas heutige (Sonntag) Nachmittags-Konzert mit beräubertem Programm int Freien statt.
— Thsologifchs Prüfung. Eine erste theologische Prüfung unb zugleich Aufnahmeprüfung für baS theologische Semmar in Herborn findet am 15. April statt. Meldungen unter Beifügung ber durch die Prüfungsordnung vorgeschriebenen Zeugnisfe unb eines Nachweises über bie Militärverhältuisse finb bis zum 4. Aprll an bie Königl. Seminar-Direktion in Herborn zu richten. — Das füx ben Bezug von ©tipenbien aus bem evangelischen Centrak- KircheusondS vorgeschriebene Tentamen ber Stipendiaten wirb am 15. April in Herborn abgehalten werden.
— FaudruirthflhaMtches Institut. Gestern Vormittag von 9 Uhr an fand bie öffentliche Schlußprüsuug der Zöglinge 6ä$ landwirthschaftlichen Instituts zu Hof Geisberg statt. Alß Gaju wohnten der Prüfung die Herren Landesbirektor Sartorius, Reg/ Rath v. Föller, Oberftlientenant a. D. Wilhelmi, sämtnilich vmt Wiesdaben, sowie einige Mitglieder des Kuratoriums, wie auch eilte Anzahl sonstiger Freunde der Anstalt bei. In welcher Weiie die einzelnen Lehrfächer von bett Zöglingen int vergangenen Winter gehört worden waren, dies bezeugten die klaren Antworten.
Aabend bis Montag kein anderes Gesprächsthema zu geben, F und immer wieder wurden auf das Beharrlichste und Aus- _ Iziebigste von Hinz und Kunz, im Norden wie Süden, tztere iö i ’m. Westen wie Osten der Stadt Herrn Karl Peters' k Afrika-Thaten besprochen. Viel Sympathiecn wurden hierbei für ihn nicht laut, aber trotzdem konnte man häufig die Ansicht vernehmen, daß es doch eigentlich nicht recht wäre, nter de» | im Reichstag, also gewissermaßen vor versammeltem Volke, Jemanden anzuklagen und zu verurtheilen, der nicht an | derselben Stelle, wenn auch nur eine Stunde, das Wort : ru seiner Vertheidigung ergreifen könne, denn wenn auch noch so viel gute Freunde für ihn eintreten, ist die Wirkung | doch lange nicht die gleiche, als wenn der Betreffende selbst sden Anschuldigungen persönlich gegcnübertritt. Die guten lyreunde, die sich sonst der Bekanntschaft des Herrn Peters - M gern laut rühmten, waren, von sehr wenigen Ausnahmen abgesehen, übrigens merkwürdig still, und auch „unser r Afrikaner", wie sie ihn häufig stolz genannt, mußte er
zürn Preise bes inläubifcften.)
WirthschaftSsystem. Die von unserer religiösen Er- keimtniß nicht abzuweisenben Ansprüche weiter Volkskreise au erhöhte materielle LebenSbebinguitgen erheischen neue Gesichtspunkte für rasse 13, H unser WirthschaftSsystem. Die zum Leben nothweubigen unb bie baS Leben verschönenden Güter müssen in reichlicherem Maße erzeugt werben; bie Beschaffung ber für ein menschenwürdiges Dasein nothwendigen Dinge muß Jedem ermöglicht fein; erhöhter Umsatz. Sin neues System kann nur erst aus ber zur Anerkennung ge
kostet hätte, aber sie wirb doch leiblich billig bauen. ES steht ihr außerbem hoher Gewinn an bereits früher erworbenem Baugruub in Aussicht. Daß ihre Bestrebungen auch Anerkennung finden, geht aus einer ihr gewordenen Schenkung beS Fabrikanten Josef Wertheim hervor. Dieser Herr hat der Gesellschaft 100,000 Mk. zugewenbet unb es besteht bie Absicht, bavon 30,000 Mk. zur Errichtung von Kinderhort, Lesehalle, VorlesungS- faal und Volksküche bei ben Häusern ber Gesellschaft zu verwenden, bie restliche Summe aber zur Errichtung von Wohnungen zn benutzen. Bekanntlich ist ber Höchstbetrag ber auf bie Aktien zu vertheilenoen Dividenbe 3'/i vCt. unb es können bie Ueberschüsse wieder zur Errichtung von Wohnungen verwendet werden. Die auf die geschenkten 70,000 Mk, entfallende Dividenbe soll jeboch nicht dem BaufondS zufließeu, sondern den RekonvaleSzenten-Austalten, sodaß mit den 100,000 Mk. die verschiedensten Seiten sozialer Roth entprechend gelindert werden dürsten. ________________________
Ausland.
* Italien. Im Monat Februar haben 23 Schiffe mit 14,452 heimathSmüden Italienern den Hafen von Genua verlassen. Von letzteren gingen 10,000 nach Brasilien, 3000 nach Argentinien und ber Rest vertheilte sich auf die übrigen Staaten Amerikas. ____________________
Aus Stadt und Land.
Wiesbaden, 23. März.
— Zur Erinnerung. Vor löOJahren, am 22. März 1746, unterzeichneten zwei Kaiserinnen, die beide mächtige Reiche regierten, ein Bündniß, bas in seiner Art charakteristisch für bie damaligeZest war. Es waren dies Maria Theresia von Oesterreich unb Elsiaoeth von Rußland, unb dies Bündniß richtete sich gegen Friedrich il. von Preußen, das in mächtigem Glanze am europäischen Himmel emporsteigende Gestirn. Das Bündniß war, abgesehen von der an
), Hanau,
lönigsteis« t Die Festsetzung eines Normal-ArbeitStageS genügt nicht; es handelt Iain) und sich UM die Sicherstellung eines Mindesteinkommen für L Jedermann ohne un verhält »ißmäßige Inanspruchnahme seiner Kraft. Einer Arbeiterschutz-Gesetzgebniig bedarf es nur so lange, als - es Arbeiter-Bedrücker giebt. In einer erzogenen Gemeinsamkeit kann es deren nicht geben. Weise Einrichtungen, die bem Arbeit- Sucher unter allen Umftänben lohnende Verwendung (unter würdigen Bedingungen) in den Arbeitsstätten ber Gemeinsamkeit bieten, nebenan/ werben balb die richtigen Anschauungen über Arbeiterbehandlmig
. Kästet p zum Grundsatz erheben. — Weder Staats-Sozialismus, noch Partei-Sozialismus; allenthalben freie Vereinbarung t unter erzogenen und gleichstehenden Volksgenoffen. Festsetzungen (Gesetze) nur insoweit, als eine Uebergangsjeit sie unbedingt fordert. ? Keine Gesindeordnung über bem AehnlicheS; keinerlei Einrichtung,
Steuern. Nur eine einzige, birefte Steuer (Abgabe); das Entgelt für den Bodenbesitz einbegriffen. Kein Gleichmachen; aber ein Ausgleich der heute zu großen Unterschiede durch kräftige, dem Berhältniß wirklich gerecht werdende Inanspruchnahme ber Vermögenden. Neben dieser einen Steuer keinerlei Belastung cb;; Belästigung; weder durch steuerliche Preiserhöhung der Woorrn, 1 b§i deinM des Verkehrs, des Genusses, noch durchsonstige Nebenabgaben irgend (Eingang g?. welcher Art, Almosen ober Wohlthätigkeitsforbernngen. Selbst-
