Wksbsdrmr Sagblatt
Anzeigen-PreiS r
18S6.
Montag, den 16. Marx.
Bezirks-Fernsprecher No. 52.
Mo. 128.
Bezirks-Fernsprecher No. 52.
4«. Jahrgang.
Erscheint in zwei Ausgaben. — Brzngs-Preisr 50 Pfennig monatlich für beide Ausgaben zusammen. — Der Bezug kann jederzeit begonnen werden.
Verlag: Langgasse 27.
13,000 Abonnenten
Die einspaltige Petitzeile für locale Anzeigen 15 $fg., für auswärtige Anzeigen 25 Pfg. — Reklamen die Petitzcile für Wiesbaden 50 Pfg., für Auswärts 75 Pfg.
Abend-Ausgabe.
Herr Peters.
Wir haben kein Glück mit unseren „Afrikanern", und unsere Kolonialpolitik hat wenig Erfolge, aber desto mehr „Fälle" zu verzeichnen. Dem erledigten Fall Leist und dem noch unerledigten Fall Wehlan reiht sich jetzt würdig ein dritter Fall an, der hoffentlich seine gebührende Erledigung finden wird. Was der sozialdemokratische Abgeordnete Bebel im Reichstag gegen den zur Ruhe gesetzten Herrn Peters an Beschuldigungen vorgebracht hat, ohne daß der Ministerial-Direktor Kayser trotz heißen Bemühens fle entkräften konnte, das ist so stark, daß es selbst für unsere durch afrikanische Erfahrungen recht abgestumpften Nerven etwas viel erscheint.
Herr Bebel erhebt gegen Herrn Peters die durch vielfache Zeugen gestützte Behauptung, daß er am Kilimandscharo die Tochter eines Häuptlings, mit der er ein Verhältniß gehabt hatte und die ihm untreu geworden war, sans fa?on sammt dem Nebenbuhler habe aufhängen lassen! Herr Peters soll diesen unerhörten Vorgang später mit einer angeblichen Spionage der beiden „Verbrecher" motivirt haben. In einem Brief an den englischen Bischof Tucker hat aber nach der anscheinend durchaus glaubwürdigen Aussage des Herrn Bebel Dr. Peters erklärt, er sei mit dem betreffenden Mädchen „mohammedanisch" verheirathet gewesen und habe daher das Recht gehabt, sie als Ehebrecherin mit dem Tode zu bestrafen. (Inzwischen weist vr. Peters in einem Schreiben an den Grafen v. Arnim die Bebelschen Anschuldigungen als „Lüge oder leichtfertige Aeußerung" zurück und erklärt, der Hingerichtete Neger sei so wenig sein Diener gewesen, als das */e Jahr später Hingerichtete Mädchen seine Geli Elfterer habe sich des Diebstahls, letztere der Spiou^e schuldig gemacht. Das Urtheil sei ein kriegsgerichtliches, da gach der Niederlage des Herrn v. Zelewski die umwohnenden Stämme unbotmäßig und in Gärung gewesen wären. Einen Brief mit dem ihm vorgeworfenen Inhalt habe er weder an den Bischof Tucker noch an sonst Jemand gerichtet. D. 91.)
Die Mohrenwäsche, die der Regierungsvertreter am Freitag an Herrn Peters vornahm, war keine glückliche, sie ging nach dem Rezept vor sich, daff das, was ein Beamter gethan, schon deshalb gut sei, weil es ein Beamter gethan. Das Rezept ist aber ein falsches; nirgends hat sich deutlicher als in unseren Kolonieen die Unrichtigkeit des Sprichworts erwiesen, daß dem, dem ein Amt gegeben wird, auch der nöthige Verstand dazu als Mitgift werde. Was Herr Kayser zur Entlastung des Dr. Peters vorführte, hat die Position desselben nicht verbessert, sondern leider nur die unserer Kolonialverwaltung verschlechtert. Der Regierungsvertreter bestritt die Richtigkeit des von Herrn Bebel angeführten Vorwandes, der Herrn Peters zur Befriedigung seines Hangs zum Hängen gedient habe. Danach habe Peters den Burschen zeLängt, weil er einen Diebstahl nicht eingestanden (I), und das Mädchen, weil es einen wiederholten Fluchtversuch gemacht habe!! Wir hoffen, daß es nur eine mißverständliche Ausdrucksweise war, wenn die Rede des Herrn Kayser den Eindruck machte, aks ob er hiermit die Handlungsweise des Dr. Peters entschuldigen wollte! Der Versuch wäre jedenfalls umfassend mißglückt. Selbst die Reinwaschung des Herrn Kayser mußte den Eindruck Hervorrufen, daß die Barbarei, welche Dr. Peters zur Verdeckung noch schlimmerer Handlungsweisen vorschützte, eben nur einen Vorwand bedeutete. Und in den weitesten Kreisen wird man sich mit Recht über die Vertrauensseligkeit des Regierungsvertreters wundern, der die Behauptung des Herrn Peters, die Sicherheit der Station habe sein Verfahren erfordert, unbesehen als baare Münze hinnahm und mit einer allzu historischen Auffassung die Thaten des Herrn Peters an denen eines Pizarro zu messen geneigt war.
Mr sprechen die Hoffnung aus, daß der Fall Peters mit den sehr unglücklichen Erklärungen des Ministerialdirektors Kayser, der in falsch verstandener Ritterlichkeit den Dr. Peters mit dem eigenen Leibe zu schützen suchte, nicht erledigt sein wird, sondern daß auf Grund des jetzt gewonnenen Materials eine peinliche und strenge Untersuchung des Falles eingeleitet werde. Die Regierung hat allen Anlaß, zu zeigen, daß sie mit derartigen „Thaten" unglücklich awSzewählter Beamten nichts, aber auch nicht das Allermindeste, gemein habe. Sind es doch diese traurigen Vor- We gewesen, welche die Theilnahme für die kolonialen Bestrebungen bei uns so sehr gedämpft haben. Wir Deutsche können und wollen nicht vergessen, daß wir nicht als Eroberer, sondern als Kulturträger nach Afrika gegangen sind und daß der Wunsch, uncivilisirten Völkern den Segen der höheren Kultur und Gesittung zu bringen, das ideale Motiv unserer Kolonialbegeisterung gewesen ist. Angesichts der Erfahrungen, wie sie die Fälle Leist, Wehlan und Peters gezeitigt haben, darf man sich nicht wundern, wenn jene Begeisterung wesentlich dahingeschwunden ist.
Unsere Kolonialpolitik leidet an zwei Uebelständen. In Sachen der Disziplin und der behördlichen Reglementirerei find mit militärischer Schneidigkeit und unvermittelt unsere
Anschauungen und Gebräuche auf wilde und ungebundene Völkerschaften übertragen worden. In Sachen der Moral und Sitte aber hat sich nur zu oft die Neigung gezeigt, sich den Sitten oder vielmehr den Unsitten der „uncivilisirten Wilden" anzupassen. Etwas mehr Nachgiebigkeit in dem ersteren und etwas weniger in dem zweiten Punkte, dann würde unsere Kolonialpolitik weniger Mißerfolge aufweisen. Vielleicht würden wir dann auch endlich etwas von den so oft angekündigten „moralischen Eroberungen" hören, und vielleicht würde dann auch jener Häuptling von der nicht ganz unverständlichen Anschauung bekehrt werden, daß wir die schlechten Menschen nach Afrika schicken, die guten aber zu Hause behalten! P-
Deutscher Reichstag.
0 Berlin, 14. März.
Der Reichstag setzte heute die Berathung des Kolonialetats fort. Der Direktor der Kolouialabtheilung Kayls er theilt mit, der Reichskanzler habe infolge der gestrigen Angabe des Abg. Bebel, daß Dr. Peters an den Bischof Tucker einen Brief gerichtet habe, worin er die Hinrichtung des Negermädchens zu entschuldigen suchte, eine erneute Untersuchung des Falles angeordnet. Von dem Briefe sei bisher der Regierung nichts bekannt gewesen. — Abg. v. Massow (kons.) führt aus, daß der Fall Leist für seine Partei abgethan sei; der Fall Wehlan eigne sich nicht zur Erörterung, weil er noch in der Schwebe sei; der Verurtheilung dessen, was dem Dr. Peters nachgesagt werde, schließe sich seine Partei unter dem Vorbehalt an, daß das hier Angeführte buchstäblich wahr sei. Hoffentlich werde Peters in der Lage sein, sich bet der neuen Untersuchung zu reinigen. Unter keinen Umständen durften in Afrika die Grundsätze der Moral und der Kultur außer Acht gelassen werden. — Abg. Gras Arnim (Reichsp.) betont, daß der gestrige Tag einer der erschütterndsten gewesen sei, den er tm Reichstag erlebt habe, weil Peters ein Mann fei, der in der gesammtcn civilisirten Welt mit Achtung genannt werde, ein Mann, ohne den wir Ostafrika nicht besäßen. Peters habe dem Redner em Schriftstück übergeben, worin er darlege, daß das Meiste, was gestern gegen ihn vorgebracht worden sei, unwahr sei. Es sei falsch, daß er da« erwähnte Regermädchen aus Eifersucht habe aufhangen lassen. Es sei wegen Spionage und Konspirationen mit sechs Monaten Kettenhaft bestraft worden, sei aber entflohen und darauf habe das Todesurtheil vollzogen werden müssen. (?) Er, Peters, habe weder an den Bischof Tucker noch an sonst Jemanden einen solchen Brief geschrieben, wie der Abg. Bebel behauptet habe. Die vom Abg. Bebel angeführt«! Eitate aus dem vor fünf Jahren veröffentlichten Buch von Peters hätten im Zusammenhang einen ganz anderen Sinn. Die Stellung als Landeshauptmann am Tangauika habe Peters selbst abgelehnt. — Direktor Kayser bemerkt, Peters selbst habe ausgesagt, daß das Reger- mädchen eilte Art Freudenmädchen gewesen sei und er Umgang nut ihm gehabt habe. Daß Peters die Stellung als Landeshauptmann selbst abgelehnt habe, treffe nicht zu. — Abg. H a ni m a ch e r (nat.-lib.) vermißt in der Auskunft des Rcgierungsvertreters die Mtt- theilung, ob über die Hinrichtung Feststellungen erfolgt seien, und wer die Beisitzer des Gerichts, welches das Mädchen verurtheilte, gewesen feien; der preußische Justizminister müffe, wenn auch nur ein Zweifel über die Anwendbarkeit des Strafgesetzbuchs gegenüber den Beamten in Afrika bestehen sollte, die Staatsanwaltschaft zur Erhebung der Anklage veranlassen. — Direktor Kayser betont, daß er die strafrechtlichen Äestimmungen über den Mißbrauch der Amtsgewalt hier für anwendbar halte; das Gutachten des Oberstaatsanwalts am Kamn>ergericht vertrete aber die entgegengesetzte Auffassung, weil die Anwendbarkeit unseres Strafgesetzbuchs ein gewisses geregeltes Gerichtsverfahren in den Schutzgebieten voraussetze. Diese Lücke sei nun aus dem Wege der Verordnung ausgefüllt, und im Lause des Sommers werde das Gerichtsverfahren förmlich geordnet sein. Die Beisitzer des Gerichts wären ein Offizier und eilt Verwaltungsbeamter gewesen, ihre Aussagen hätten die juristische Schuld des Dr. Peters nicht ergebe». Die Akten über das Versahren seien nicht vollständig erhalten; es seien auch noch andere Personen vernommen worden, die damals an Ort und Stelle sich aufgehalten halten. Sei der Bries an den Bischof Tucker echt, so enthalte er allerdings ein Schuldbekenntniß. - Abg. Lenzmann (frets. Volksp.) fragt, auf Grund welches Gesetzes das Todesurtheil gegen die Reger gefällt worden sei, und wer Peters autorisirt habe, wegen Diebstahls oder Desertion das Todesurtheil zu fällen. Peters sei nach seinen Handlungen entweder ein Verrückter oder ein Scheusal. Was ihm die Kolonialpolitik so unsympathisch mache, das Jet bte Willkür, mit der die Reger behandelt wurden. Redner halt das Gutachten des Oberstaatsanwalts für unrichtig. Die bloße Amts- entsetzung genüge dem Rechtsbcwußtsein des Volkes nicht. Roch letzt sollte die strafrechtliche Anklage gegen Leist, Wehlati^ und Peters erhoben werden. — Der preußische Justizminister « chon «edt erklärt, im Falle Leist sei für die Entscheidung der Frage, ob eine Anklage erhoben werden könne, die Auskunft erforderlich gewesen, ob die Pfandweiber LeistS Obhut anvertraut gewesen sein. . Da darüber erst eine Anfrage in Kamerun erfolgen wußte, so sei dl« Antwort sehr spät eingetroffen; mittlerweile habe sich aber Leist nach Amerika begeben, und dadurch sei die Frage gegenstandslos geworden. Auf den Fall Peters könne er überhaupt nicht emgehen, weil davon der Justizverwaltung nichts bekannt fct. Im Falle Wehlan habe der Oberstaatsanwalt die Anwendung des Strafgesetzbuchs für ausgeschloffen, das Verfahren für aussichtslos erklärt und hinzugesügt, daß die Rothwendigkeit eines freisprechenden UrtheilS dem Publikum nicht verständlich sein und dem Ansehen der Justiz schaden würde (allerdings. D. R.). Er, Redner, habe das Gutachten prüfen lassen lind sich demselben mit allen Mitgliedern des Justizministeriums angeschloffen. — Abg. Bar t h (freis. Ser.) fragt, ob der Lieutenant Bronsart v. Schellendorff, der die Ausführung des Todesurtheils am Ki!lmand,charo verweigert habe, vernommen worden fei. —Direktor Kayser erwidert, Herr v. Bronsart sei vernommen worden; er habe ausgeiagt, daß er die Hinrichtung des Regerburschen, der zu dem Mädchen m Beziehung gestanden haben soll, gemißbilligt und davon dem Dr. Peters Mittheilung gemacht; ob er die Ausführung des Todesurtheils verweigert habe, sei mit Sicherheit nicht festzustellen. — Abg. Richter (freis. Volksp.) hält die Ausführungen des Dr. Peters in (einem dem Grafen Arnim übergebenen Schriftstücke für Wort
klaubereien und hebt hervor, es gehe uns nichts au, daß die Asrikareisenden anderer Länder, insbesondere Stanley, ähnliche Ausschreitungen begangen hätten. Stanley fei ein Ausländer und beziehe vom Deutschen Reiche kein Gehalt. Es fei bedauerlich.
daß Peters trotz seines Auftretens und seiner Mißerfolge für würdig erachtet worden fei, zum Landeshauptmann am Tangauika ernannt zu werden. Der Direktor Kayser habe die Ausschreitungen der Beamten in Afrika zu beschönigen versucht. Rach solchen Vorgängen muthe man dem Reichstag noch zu, Garantieen für die eentralafrikanische Eisenbahn z» übernehmen. Es sei im Gegentheil angezeigt, der Kolonialpolitik engere Grenzen zu ziehen. — Direktor Kayser verwahrt sich gegen den Vorwurf, daß er die Ausschreitungen von Kolonialbeamten beschönige, und verweist auf den bezüglich de« Verhaltens der Kolonialbeamten ergangenen Erlaß des Reichskanzlers, den er, Redner, veranlaßt habe. — Abg. Bebel (SozJ kommt auf die von ihm gestern vorgetragenen Be(chwerden zurück, beleuchtet seinen Standpunkt in den zur Sprache gebrachten Fällen und wirft dem Direktor Kayser vor, daß er die Ausschreitungen zu vertuschen suche. — Abg. Lieber (Centr.) führt aus, man müffe das Ergebniß der neuen Untersuchung abwarten, um dann über Peters ein Urtheil zu fällen. Das heutige Schriftstück des Dr. Peters habe allerdings den gestrigen Eindruck der Angelegenheit nicht zu beseitigen vermocht. Redner betont weiter, daß seine Partei entschlossen sei, gegen die uferlosen Flotteiipläne, für die bekanntlich Peter« agitire, ganz entschieden Front zu machen, und verlangt ferner, daß Mittel geschaffen würden, um Ausschreitungen der Kolonialbeamten zu verhüten und zu ahnden. (Der Präsident Frhr. v. Buol rügt nachträglich die von dem Abg. Bebel gethane Aeußerung, daß der Direktor Kayser die Ausschreitungen bet Beamten zu vertuschen suche, eine Aeußerung, in welcher ber Vorwurf einer Pflichtverletzung liege.) Fortsetzung Montag 1 Uhr.
*
Die Zuckersteuer-Ko mmission des Reichstags hielt am Freitag Abend eine Sitzung ab. Abg. Paasche (nat.-lib.) beantragte die Exportprämien für rohen Zucker bezw. Kandis bezw. alle anderen Sorten, die nach der Regierungsvorlage 4 bezw. 5,25 bezw. 4,60 Mk. betragen sollen, auf 3 resp. 4 resp. 3,50 Mk. fcst- znsetzen. Das Ergebniß der Berathung war die Annahme des Antrags Paasche mit 12 gegen 9 Stimmen. Dagegen stimmten vier Mitglieder des Centrums, beide freisinnigen Parteien und drei Sozialdemokraten. Mit demselben Stimmenvcrhältniß wurden dem Antrag Paaschc gemäß die Verbrauchsabgaben auf 21 Mk. festgesetzt. Die Regierung erklärte sich mit dieser Aenderung ber Vorlage ein» verstanddn. Die Annahme ber Vorlage auf dieser Grundlage mit Erhöhung des Kontingents auf 17 Doppelcentner gilt als gesichert. Man will die Vorlage noch vor den Osterferien zur Verabschiedung bringen.________
Preußischer Landtag.
Abgeordnetenhaus.
0 Berlin, 14. März.
Das Abgeordnetenhaus hat heute die dritte Lesung der Etats begonnen und zu Ende geführt, obwohl mehrfach, namentlich beim Centrum, das Bestreben hervortrat, in Kürze alles Das zu wiederholen, was in bet langwierigen Berathung gesagt worben war. Montag: Generalkommission für Ostpreußen u. A. — Betm Etat des Abgeordnetenhauses beschweren sich die Abga. Arendt (sreikons.) und Sattler (nat.-lib.) darüber, daß der Landtag zu pät einberufen werde. — Minister Miquel erläutert, daß der preußische Etat erst nach Fertigstellung des Reichsetats abgeschlossen werden könne. Die Art der Etatsverhandlungen des Reichstags erschwere die rechtzeitige Erledigung des preußischen Etats. — Beim Etat der Bauverwaltuna bittet Abg. v. Woyna (freikonf.), bei Auferlegung von Baupolizeigebühren möglichst milde zu verfahren und die Baugenehmigungen rasch zu erledigen. — Minister Thielen versichert, daß darin möglichst entgegeugekonimen werde, eine Aussicht über die Bauten auf dem Lande aber unumgänglich fei. Der Etat wird genehmigt. — Auf Anfrage des Abg. Zimmermann (freifonf.), wie es mit dem einheitlichen Gemeinde- verfassungsgefetz für Hef fen -Nassau stehe, erwidert Minister Frhr. v. d. Recke, daß durch den Todesfall des Verfasser« Verzögerungen eingetreten und nochmalige Erwägungen nothwendkg geworden seien. Die Vorlage werde voraussichtlich in ber nächsten Session vorgelegt werben können.
Deutsches Reich.
* Kerli«, 16. März. 600 Stellmachergesellen beschlossen in einer gestern abgehaltenen Versammlung, heute früh den Meistern die Forderung neunstündiger Arbeitszeit und zehn- procentiger Lohnerhöhung vorzulegen. Sollten diese Forderungen nicht bewilligt werden, so wird in allen Werkstellep die Arbeit niedergelegt werden. Nach den bisherigen Ergebnissen der Verhandlungen gilt der Generalstreik als ausgeschlossen. — In einer gestern Mittag in der Bötzowschen Brauerei stattgefundenen Anarchisten-Versammlung wurden die Anarchistenführer Redakteur Landauer und Spohr verhaftet, die über die Gründung einer freien anarchistischen Vereinigung für alle Gesellschaftsklassen sprachen. Die Versammlung wurde nicht aufgelöst.
Ausland.
* Luxemburg. Die Gerüchte über ein Unwohlsein be« Großherzogs sind erfunden. Der Landesfürst erfreut sich des besten Wohlbefindens und macht täglich feine gewöhnliche Spazierfahrt.
* GeSerreich-Uugarn. Anläßlich ber Rückkehr des Grafen Goluchowski au» Berlin schreibt das.Fremdewblatt : Der glanzvolle Empfang war ebenso ehrenvoll für ben Minister persönlich, wie er das enge Verhältniß ausdrücktc, bas zwischen ben beiden Mächten besteht. Die Besprechungen, die der Minister des Auswärtigen mit den maßgebenden deutschen Persönlichkeiten hatte, sind geeignet, dieses Verhältniß noch mehr zu befestigen und zu vertiefen. Mitten in dem Wellenschläge der allgemeinen Politik ist der Bund der zwei Mächte seit nunmehr 17 Jahren unverrückt geblieben und hat in allen Situationen seine Kraft und Festigkeit beibehalten." Das .Fremden» blatt" weist dann auf die irrthümlichen Auffassungen und Kombinationen der auswärtigen Preffe hin, betont aber, daß in neuerer Zeit immer mehr das Verständniß für die wahren Ziele und die Friedensliebe des mitteleuropäischen Bündnisses sich geltend mach«. Das Blatt sagt hierauf: „Rach Allem, was man vernimmt, find die politischen Kreise hüben und drüben von den politischen Ergebmffen der Besprechungen vollauf befriedigt. Die herrschende Tendenz bleibe immer, den Frieden unseres Erdtheils nicht in Gefahr -u bringen. Von dieser Tendenz find alle Mächte durchdrungen, vor Allem die dem Dreibund angehörigen, die ihrer Aufgabe treu bleibe», den Ken»
