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19. Februar 189«. Seite 23

Wiesbadener Tagblatt (Morgen-Ausgabe). Verlag: Langgasse 27.

No. 83.' 44. Jahrgang

wurde jüngst eine Hoch- Gesprachsstoff bildete

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Dir hen4ig<Morgen-A«sgabrmnfaßr2» Seiten.

Peter Brenner,

Georg Pobge,

armer

Peter Senger,

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gärten.

(Schluß foloB

* Schwere Hochzeit. In Varis tm

zeit gefeiert, die für einen ganzen Tag den Gesprächsstoff bildete und das will in Varis viel sagen. Die Spanierin Carmen Riego, eine Schöne von 25 Jahren, die das stattliche Gewicht von 202 Kilo hat, vcrheirathete sich mit dem belgischen Riesen Cannon Berg, der nicht weniger als 260 Kilo wiegt. Die Neuvermählten haben in einer Vorstadt von Paris ein Bicrhaus eröffnet, und es braucht kaum gesagt zu werden, daß es stets besetzt ist, denn zahlreiche Neu­gierige finden sich ein, um das gewichtige Ehepaar zu bewundern.

Jas Feuilleton der Morgen-Ausgabe

enthält heute in der -

1. Krilage: Urber die Barriere. Roman von Engen Koenig. (13. Fortsegimg.)

3. Beilage: Wiesbadens bürgerliche Verhältnisse im Jahre 1724. Von Th. Schüler.

Alte, Maurer. Caspar Rohr, Mädchenschulmeister und Glöckner. Friedr. Groh, Schreiner. Philipp Groh, Häfner. Daniel Kimmel, Bäcker und Ackersmann. Anton Schreibers Witlwe, Waschfrau. Cornelius Fey, Schuhmacher, im Hauszins. Philipp Schmidt, Schneider. Mathäus Adolph, Schneider. Friedrich Todt, Bäcker. Jacob Dick, Schneider, fährt mit einem Pferd uff der Straß. Nicolaus Kingling, Schneider. Ewald Götz, Bäcker, lebt bei seinen Kindern. Simon Götz, Bäcker und Bierbrauer mit guter Gelegenheit, wenig Ackerbau. Nicolaus v. Erckel, Sattler. Friedr. Harf, Buchbinder, im Hauszins. Daniel Käßberger, Rothgerber. Wilhelm Conrad Noll, Hufschmied, wenig Ackerbau ohne Fuhrwesen. Heinrich Stern, Bäcker, wenig Feldbau ohne Fuhrwesen. Petek Dresse!, Schneider und Krämer, einige Weingärten. Jost Banenburg, Schlosser, im Hauszins. Heinrich Abner, Hufschmied, etwas Wein»

nährt sich mit Sauerwassertragen. Christoph Magk, Gürtler. Eberhard Kraft, Metzger und Ackersmann. Heinrich Pflüger, Metzger. Adam Tremus, Schuhmacher, dabei ein Krämchen. Peter Tremus, Säckler, sitzt im Hauszins. Wilh. Arn. Cron, Metzger. Anton Haßlochs Wittwe, eine Metzgerin. Georg Leonhard Bager, Maurer und Steinhaner. Phil. Luft, Metzger, dabei geringen Ackerbau ohne Fuhr. Jacob Bager, der Werkmeister, ein Maurer. Nicolaus Klein, ein Schuh­macher im Hauszins. Simon Schramm, Schuhmacher. Peter Hertz, Schneider und Ackersmann. Michael Michaelis im Gasthaus zum Lamm (Mctzgergasse), dabei Händler in Leinwand, Mehl, Oel rc., auch einen Ackerbau. Franz Nikolaus Magk (Mack), Sattler. Anton Küchler, Schneider. Peter lieber, Büchsenmacher. Adam Diener, Metzger. Daniel Becri (Begerö), Spengler und Lackirer. Michael Gemeiner, Schuhmacher. . Phil. Nicolaus Hoffmann, Bäcker. Philipp Pflüger, Barbierer, dabei Ackerbau. Gerhard Pfeifer, Häfner. Georg Friedrich Cron, Metzger und Ackers­mann. Georg Seiler, Metzger, sitzt in Hauszins. Georg Philipp Haßloch, Metzger. Martin Getto, ein Italiener mit einem Kramladen und einem Weingarten. Philipp Beck, Barbierer mit einem Kramladen und Ackerbau. Nicolaus Wallner, Gürtler, im Hauszins. Philipp Stern's Wwe., eine sehr arme Bäckerin. Johannes Schweickert, Handels­mann rc. Das Gasthaus zum goldenen Löwen (am Uhr­thurm, jetzt neu renovirt), welches gemeine Stadt aus Noth verkaufen müssen, wird jetzt von Michael Hoffmanns Wittwe bewohnt.. Das Haus zum Schwert (Metzger Hardt in der Marktstraße), jetzt dem vr. Speth gehörig und von ihm bewohnt. Friedrich Weichert, Faßbinder, Bierbrauerund Ackers­mann. Hans Jacob Wolf, Ackersmann. Heinrich Thon, Ackers­mann. Philipp Thon, desgleichen. Adam Dorsch, Faßbinder und Bierbrauer. Jacob Meinhardt, Schlosser. Georg Rupert, lebt vom Taglohn als Strohschneider. Heinrich Rödel, Zimmermann. Christoph Hoyers Wwe., Wollspinuerin.

Deuckers Wwe., nährt sich mit Brieftragen. Gerhard Friedr. Ruhwedel, Bäcker. Christian Weingart, Drechsler. Georg Rützel im Badhaus zum Vogelgesang (untere Wedergasse), dabei ein Kramladen, it. Schröpfer. Michael Wagner, ein geringer Fuhrmann. Sebastian Hehl, Wingertsmann und Taglöhner. Peter Pet'sch, Maurer und Taglöhner. Valentin Hachebcrger, Taglöhner. Otto Balth. Hübner, Schreiner. Philipp Trott, Schneider und Schröpfer im Badhaus zum Stern (früher Ecke der Weber- und Häfnergasse). Mathäus Christ, hat ein schlecht gering Fuhrwesen. Johannes Matthes' Frau, nährt sich mit ihren Kindern mit Spinnen, Stricken und Nähen. Sebastian Vorberg im Badhaus zur Lilie (Häfner­gasse), dabei ein Schneider und ein Schröpfer. Georg Phil. Mohr im Badhaus zum halben Mond, Schröpfer. Eberhard Groschwitzen Wittwe, Bäckerin. Georg Heinrich Constätter, Schlosser und Nachtwächter. Martin Thiel, Schlosser. Georg Neumann, Schreiner, hat geringe Ackerchen. Daniel Schöffer, Sirumpfftricker. Andreas Schultheiß jun., Maurer, handelt mit Sauerwasser. Georg Schweißguth, Maurer, vr. Rauch in dem Badhaus zu den zwei Böcken. Philipp Conradi, Schuhmacher. Gottfried Wagner, Zeugweber. Dilman König, Wagner. Nicolaus Reuhl, Ackcrsmann. Georg Ludwig Dreher, Schneider, im Hauszins. Wilhelm Weyrauch, Weißgerber, im Hauszins. Phil. Christoph Schmidt, Ackersmann. Jost Bürck der Alte, deSgl. Christoph Weiß, Faß­binder und Ackersmann. Conrad Bürck der Junge, ein Wingertsmaun, lebt vom Taglohn. Jacob Bernhard Schindler, hat ein geringes Pferd. Philipp Hinkels Ww. Hebamme. Nicolaus König, Wagner. Marsilius Schmidt, ffehr arm. Martin Schmidt, Häfner. Peter Brunner, Häfner. Philipp Ebehey, Häfner. Andreas Cron, Bäcker, im Hauszins.. Georg Queck, Schneider. Caspar Rüger, Metzger und Ackersmanns. Christian Denerlich Wwe., be­kommt Allmosen. Sebastian Traggässer, Schuhmacher,

Letzte Nachrichten.

Krrlin, 18. Februar. Die Generalversammlung der Bundes der Landwirt he wurde heute Mittag im Cirkns Busch mit einer Rede des Herrn v. Plötz eröffnet, welcher die WirthschaftS- politik von 1895 kritisirte, die sogenannten kleinen Mittel freudig begrüßte und eine beschleunigte Durchführung der­selben forderte, wenngleich sie den Ruin der Landwirthschaft nicht würden verhindern können. Redner bekämpfte die von der Regierung erfolgte Ablehnung des HeimstättengesetzeS und des Antrags, be­treffend das Aufhöreu der Rückzahlung derGrundsteuer-Entschädigung, und verlangte die Konversion der Staats- in ReichSrenten zum Zweck der Verminderung des Hypotheken-Zinsfußes, die Ver­schärfung des Seuchengesetzes, Einfuhrbeschränkungen für Milch, Gänse und Schweine und bezeichnete die Central-Darlehenskassen als kleines Hülfsmittel für einen nur beschränkten Kreis. Redner hofft auf Annahme des Margariucgesetzes.

Berlin, 18. Februar. Die streikenden Konfektions- arbei ter rechnen mit Sicherheit auf das Zustandekommen einer 20- bis 25-proc. Lohnerhöhung. Die Forderung der Betriebs- Werkstätten wird fast nirgends mehr erwähnt. Es Wird bereits dafür agitirt, daß der Generalstreik aufgehoben und in einen partiellen Streik 'eingetreten wird. Gestern kam es in mehreren Straßen zwischen arbeitenden und streikenden Konfcktionsarbeitern zu Hand­greiflichkeiten. Seit heule früh brennt der Dachstuhl eines Hauses int Stadttheil Moabit. Brandstiftung liegt vor.

Gelsenkirchen, 18. Februar. Heute Nacht hat ein Groß­feuer das Elablisseinent der Gebrüder Kaufmauu zerstört. Der Schaden beträgt 400,000 Mk. Verlust an Menschenleben ist nicht zu beklagen.

Wien, 18. Februar. Der Kaiser stattete heute Vormittag dem dentscheu Reichskanzler Fürsten Hohenlohe in dessen Hotel einen Besuch ab.

Konstantinopel, 18. Februar. Das Kriminalgericht ver- urtheilte den früheren Kommissar bei der Verwaltung der Ditontn,<'h\en Staatsschulden, Murad-Bey, in contumaciam zum j und erkannte auf Sequestration der Güter desselben.

Zkcw-LsFrlr,. 18. Februar. In einer Wäschefabrik in Tr oy bei New-Dors ' 'stand gestern ein Feuer. Unter den 300 dort beschäftigten Ft,.neu brach eine furchtbare Panik aus. Viele sprangen aus dem fünften Stockwerk herab. Einige wurde» getödtet. 20 bis 30 werden vermißt.

Heinrich Katisch, Ackersmann. Georg Schuhmacher, wenig Güter ohne Fuhr. Wagner, hat ein geringes Pferd. Bäcker, dem vorigen gleich. Georg Dentzer, Schneider. Joh. Vietor, Zeugweber. P der Landreuter, hat geringe Aecker. Caspar Wagner, Schuhmacher. Frau Pfarrer Schmidt, einen Ackerbau. Balthasar Philgus, Barbierer, wohlbestellten Ackerbau. Conrad Thiel, Sattler und Gastwirth zu den drei Kronen. Cantor Korb, etwas Güter ohne Fuhr. Georg Köppe, Barbierer und Gastwirth im Mohrenkopf (Neugasse), etwas Feldgüter ohne Fuhr. Philipp Heinrich Schmidt, Knopf­macher. David Schlitt's We., Ackerbau. Carl Jung, Schneider. Joh. Sattelberger, Schuhmacher. Caspar Stern, Wagner. Georg Schenerhofer, Hufschmied. Benedikt Hoffmann, Ackersmann. Andreas Schultheiß der

Conrad Ruß, Ackersmann. Caspar Königsfeld, desgl. Graft Schramm,

Aandr!.

Lebensverstchernngs- und Grsparniß - Sank in Ktnttgart. Das Jahr 1895 ist, was die Bewegung int VersicheruitgS- geschäft anbelangt, ein ganz hervorragend günstiges gewesen. Die

* Gin merkWÜrdiger ßcdjtefaU. In England, wo die Rechtspflege von derjenigen der Länder des Kontinents so sehr ver­schieden ist, ist sie bedeutend volksthümjicher als irgendwo, und so­wohl der Gang der Verhandlungen, als das Urtheil werden vom groben Publikum sehr oft mit großer Leidenschaft besprochen. Ein sensationeller Prozeß, der durch die Verurthcilung des Angeklagten zum Tode vor wenigen Tagen seinen Abschluß gefunden, beschäftigt in diesem Augenblick die öffentliche Meinung in hervorragender Weise. Ein junger Mann, Namens Alfred Chipperfield, hatte auf seiner Hochzeitsreise seine junge Fran ermordet, indem er ihr den Hals abschnitt. Die sachverständigen Netzte, die vom Geschworenengericht verhört wurden, hatten sich zu einer bestimmten Auslage nicht entschließen können und erklärten, ein Selbstmord sei ebenso wahrscheinlich als ein Mord. Der Angeklagte ßetbeuerte seine Unschuld und behauptete, seine junge Frau und er hätten zusammen sterben wollen, doch habe er fein Vorhaben nicht ganz aussühren können. In der öffentlichen Meinung bildete sich sofort eilte für bett Angeklagten günstige Strömung, und Viele sind der Ansicht, daß man einen Unschuldigen zum Tode verurtheilt habe. Man organifirte sofort nach dem Urtheils- spruch eine großartige Manifestation zu Gnusten des Verurtheilten, indem man an allen Enden der Stadt eine Bittschrift anflegte, in der die Begnadigung Chipperfields verlangt wird. Der Vater des 25er« urteilten hat die Initiative zu dieser Manifestation ergriffen. Das erste Exemplar der Bittschrift wurde auf einem Tisch vor seinem Hause den Vorübergehenden zur Unterschrift unterbreitet. Es ist sehr selten, daß Jemand an diesem Tisch vorübergeht, ohne für den jungen Chipperfield durch seine Unterschrift um Gnade zu bitten. Sogar Droschkenkutscher halten vor dem Hause an und lasten ihre Fahrgäste warten, bis sie auch ihre Unterschrift auf das Dokumeitt gesetzt haben. Die Bittschrift selbst ist in mehreren Hundert Exem­plaren vertheilt worden, und bereits am zweiten Tage konnte man mehr als 20,000 Unterschriften auf derselben zählen. Die Bitt­schrift selbst ist ein Dokument von nicht geringem Interesse. Der Vater des Unglücklichen behauptet nämlich in derselben, die von seinem Sohne vor dem Richter mit großer Beharrlichkeit verschwiegenen Gründe, die ihn mit seiner jungen Frau zum Selbst­mord trieben, zu kennen. Diese Gründe sollen keine anderen sein, als die bei dem Vcrurtheilten oft bemerkten momentanen Geistes­störungen, welche die Folgen eines Unfalls seien. Der Darstellung Robert Chipperfields zufolge wurde sein Sohn im Alter von 10 Jahren ins Gesicht gebissen. Die Wunden heilten rasch, doch blieb 6er Knabe während eines ganzen Jahres wie blöd­sinnig. Der Arzt, unter dessen Pflege der junge Chipperfield genas, erklärte dem Vater, er möge seinem Kinde jede heftige Gemüthsbcwegung zu vermeiden suchen, denn dieselbe würde die Symptome der Geisteskrankheit wieder zum Vor­schein Bringen. Der unglückliche Vater nimmt die Schuld seines Sohnes keinen Augenblick an und weist nach, daß das Verbrechen sich durch keinen Beweggrund rechtfertigen lasse, und er schließt: Wenn ein Mann ohne irgend einen Grund tobtet, dann ist er irrsinnig, und die Königin wird keilten Irrsinnigen wegen Mordes hittrichten lassen." Die Bittschrift deutet übrigens ebenfalls an, daß die junge Frau Chipperfields mehr als zwei Jahre vor ihrer Vermählung von Selbstmordgedaitken'verfolgt worden sei. Es wäre also sehr leicht möglich, daß man sich vor einem gerichtlichen Jrrthum befinde, deren auch bje englischen Gerichtsanualen manches Beispiel auswciseu.___________ ________________________

Kleine Chronik.

Von süns in der Köuigiit Louiseu-Grube zu Kattowitz ver­schütteten Bergleuten sind bisher ein Todter, ein leicht upd ein schwer Verletzter aufgef unbeu. Die Rettungsarbeiten werden fortgesetzt.

Eine wahre Tischklopser-Epidemie hat sich jetzt in Buckau bei Magdeburg eingestellt. Hat da irgend ein wunder- bedürftiger Mensch das schon altbekannte Tischklopfen hervorgeholt. Eigens werden dazu kleine Tischchen gebaut, in den Häusern herum­getragen, und ganz Buckan sitzt gläubig um diesen Wnndertisch herum und fragt das liebe Tischchen, tote alt man ist, wie viel Geld man in der Tasche hat ober ähnliche Sachen. Sogar sonst sehr vernünftige Leute sitzen darum und können sich das Experiment nicht auf natürliche Weise erklären, obwohl es in jedeut Konversations­lexikon nachzulesen ist. Ganz Buckau ist darüber in Aufregung und kann nicht mehr ruhig schlafen.

In 38 et ter bei Marburg erwürgte der 27-iahnge an­getrunkene Anstreicher Scherer aus Wuth den Easttoirth Jung. Der Thätcr wurde verhaftet.

Vermischtes.

* Ein Monarchen - Kongreß. Bekanntlich zählt der Herrscherstand zu denjenigen Ständen, die noch nicht einheitlich organisirt sind. Um diesem Bedürfnisse abzuhelfen, tagt gegen­wärtig in Varis ein Internationaler Monarchen-Kongreß, der gleichzeitig die Ausarbeitung eines Fürsten-Komments sich zur Auf­gabe gesetzt hat. Leider ist eine Anzahl der bedeutendsten euro- päischen Fürsten auf dem Kongreß nicht erschienen, so fehlen namentlich die sämmtlichen Kaiser unseres Kontinents und die meisten Könige. Dagegen haben sich u.A. eingesunden: König Prempeh der Aschantis, Fürst Ferdinand von Bulgarien, Königin Ranavalona von Madagaskar, König a. D. Milan von Serbien, König Menelik, Ring Bell, der König von Thule, der Fürst von Montenegro, der Herzog von Cumberland, der Schahzada von Afghanistan, der Fürst von Neuß älterer Linie, der König von Spanien, der Schah von Persien, der Mikado, Königin a. D. Liliokalani, Prinz Viktor Napoleon und der Herzog Philipp von Orleans, die beiden recht­mäßigen Könige von Frankreich, der Fürst von Monaco, Sultan Abdul Hamid und noch eine Anzahl schwarzer, brauner unb gelber Fürstlichkeiten aus bet alten und neuen Welt. Das erste Geschäft war die Wahl eines Präsidenten. Mau beschloß, denjenigen für bas Präsidium zu beftimmen, ber am liebsten regiert. Die Wahl siel einstimmig auf Ferdinanb von Bulgarien. Dann würbe ein Internationaler Verbanb gekrönter Häupter gegrünbet unb als Vorort für das nächste Jahr Sofia bestimmt. Zum Schluffe der Sitzung ereignete sich ein erheiternder Zwischenfall. König Prempeh hatte von der ihm freundlich zur Verfügung gestellten Whiskyflasche aus Zerstreutheit etwas reichlichen Gebrauch gemacht und war ein» geschlafen. Dies benutzte ein allerliebster südeuropäischer Monarch, den die lange Sitzung ermüdete, um ihm einen Streich zu spielen. Er zwickte den Aschantikönig unsanft in den südlichen, elastischsten Theil des Rückens, und Prempeh, verschlafen emportaumelud, schrie im Dusel:Die Engländer kommen! Rette Jeder, was er kann!

Geldmarkt.

Coursbericht der Frankfurter Effecten-Societät vom 18. Februar, Abends 5/i Uhr. Credit-Aktien 323V* DiSconto-Commandit 217. Staatsbahn 318 Vs, Lombarden 87V«, Gotthardbahn-Actien 171.70, Schweizer Central 130.20, Schweizer Nordost 127.70, Schweizer Union 88.20, Lanrahütte- Actien 152.30, Bochumer 158., Gelsenkirchener Bergwerks-Aktien --ssarpener, Italiener 83.90, Dresdener Bank Darinstädter Bank, Berliner Handelsgesellschaft Italienische Mittelmeer, Italienische Meridiouanx, , Battqne Ottomane. Hessische Ludwigsbahn. 3"/<>! Mexikaner., 6V° MexicanerTendenz: geschastslos.

Charakter derselben zu heben. Es ist der Straßenverkauf von Lebensmitteln gemeint. Noch vor wenigen Jahren be- fKränkte sich derselbe aus einzelne Beerenarten, unb das ist 3U rechtfertigen, denn bekanntlich müssen dieselben rasch ab- Kunb verbraucht werden, weil sie rasch verderben.

t8 aber ist das mit den Sachen, welche heute aus­gerufen werden: Gemüse, Apfelsinen, Meerrettig, Bückinge unb dergjeichen mehr. Die Bewohner des Wellritzviertels werden gewiß staunen, mit welcher Ausdauer man ihnen diese Sachen tagluti nabe bringt; es sieht geradezu aus, als ob Meerrettig und Apfelsinen ihre Hauptnahrungsmittel wären. Das Geschäft, das dabei gemacht wird, kann gewiß nicht bedeutend sein unb ist beschäftigungslosen Personen wohl zn gönnen, aber über­flüssige Belästigungen sollte man den.Bewohnern wenigstens ersparen. Diese zeigen sich regelmäßig bann, wenn sich zwei Händler nahe gerathen. Sie liegen dann viertelstundenlang einander gegenüber und der Wettstreit, wer von ihnen am lautesten schreien kann, wird mitunter ganz unerträglich. Wenn zuletzt der Klügere, ober besser gesagt ber Schwächere, nachgiebt, bann getchieht es meist unter einer Fluth von Schimpfwörtern auf ben lästigen Rivalen. Solche ©eenen kann man täglich beobachten, unb es wäre dringend zu wünschen, baß denselben ein gründliches Ende bereitet würde.

Größe des zum Abschluß gekommenen Neu-Geschäfts übersteigt wieder, wie dies seit einigen Jahren der Fall ist, alle vorherigen Jahrgänge. Um den gesteigerten Geschäftsgang in den letzten Jahren zu illustriren, stellen wir im Folgenden den in 1895 erreichten Ziffern diejenigen von 1890 gegenüber. Neue Versicherungs-Anträge in 1890: 31,6, in 1895 : 52 Millionen Mark, in 1895 also mehr gegen 1890: 20,4 Millionen. Davon gelangten zur Aufnahme 1890: 25,3, 1895 : 42,4 Millionen, in 1895 also mehr gegen 1890: 17,1 Millionen. Versicherungsstand Ende 1890 : 325V», Ende 1895: 446,4 Millionen Mark, soweit reiner Zuwachs seit 1890: 120,9 Millionen Mark. Der Reinzuwachs für 1895, allein betrachtet, beträgt 30,1 Millionen Mark gegen 26,3 im Vorjahre. Unter ReinznwachS ist der Zugang an Aufnahmen abzüglich ber im Laufe des betr. Jahres erfolgten Abgänge durch Tod, Ablauf, Kündigung rc. zu verstehen. Die Sterblichkeit hielt sich im vergangenen Jahre in normalen Grenzen; es kamen 1029 Sterbefälle mit 5,490,000 Mk. Versicherungssumme zur Anmeldung. Der Abgang infolge von Kündigung und Mangels Prämienzahlung, ist gegen das Vorjahr trotz größeren Gcsammtbestandes sogar ztirückgegangen.

* Hochreit auf dem Mond. Man schreibt ber «Frank:. Ztg." aus Düsselborf, 16. bs.: Wie alljährlich, feierte auch diesmal der Malkasten am Vorabend vordem Fasching sein Masken­fest iu den Räumen der städtischen Tonhalle. Dasselbe reihte sich an Glanz und Schönheit der Trachten ben früheren würdig an unb behauptete den alten Ruf ber weitberühmteu Düsseldorfer Künstler- feste. Eine Hochzeit auf dem Monde bildete das Programm des Festes, in dessen Rahmen allen Theilnehmern vollauf Gelegenheit geboten wurde, ber Faschingslust die Zügel schießen zu lassen. Die Grundidee zu dem Festspiel stammt von dem Maler Vincent Deckers; ber Inhalt ist kurz folgenber: Ein Lieutenant tritt eine Lustreise an. Sein kühner Geist trägt ihn babei hinauf bis zu bett Gefilden des Mondes, wo sein Luftschiff über einer Fcls- grotte landet. Nachdem er sich mit Mondungehenern unb allerlei Gesindel, das ans ben Höhlen und Kratern heranschleicht, herum- geschlagen, erscheint die Mondkänigstochter mit ihrer Begleitung. Bei dem Anblick des Lieutenants geräth sie selbstverständlich sofort in Entzücken. Auch er widersteht nicht lange und bald sind sie einig. Seine Majestät König Lunus giebt seine Einwilligung zu der Verbindung des Paares und eine Anzahl Goldklumpen als standesgemäße Mondmitgift. Eine glänzende Hochzeit wird ge­feiert, zu der die Abgesandten sämmtlicher umliegenden Gestirne, Planeten, Kometen rc. herbeieilen. Chorgcsänge der Mond­kälber, Reigen der Mondhosdamen und Tänze ber Mondkrieger, die unter dem Befehl des Lieutenants sogar einen strammen preußischen Parademarsch exekutireii, tragen nicht wenig zur Er­höhung des Glanzes der Feier bei. Zuletzt vereinigen sich dieMit- wirkendeii zu einem Festzug durch die Säle, worauf die Gnivpen und Reihen sich aufiöfen. Das farbenprächtige, figurenreiche Spiek"" bot in allen feinen Theilen große malerische Reize, und der fröhliche Inhalt leitete aufs Beste über zu der karnevalistischen Stimmung, die nunmehr das Fest beherrschte. Erft zu weit vorgerückter Stunde fand dasselbe seinen Abschluß. Dann wurde die herkömmliche Wallfahrt nach dem Malkasten angetreten, in dessen gastlichen Räumen die übliche Nachsitzung stattfand.