Wiesbadener Taglilatt.
44. Jahrgang.
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N». 56.
Bezirks-Fernsprecher No. 52.
Montag, den 3. Februar.
1896
BezirkS-Fernsprecher Vie. 52.
an bis zum jüngsten Soldaten, der in den ernsten Tagen treu ans- geharrt, durste der anerkeunenden Worte des Kriegsherrn sich freuen, welche den königlichen Dank begleiteten:
„Es lind gewaltige Erfolge, und sie gehören zu den größten Wasfenthaten aller Zeiten."
Ein erfolgreicher Zug des Generals Haun von Weyhern gegen Dijon räumte daun noch sehr schnell mit der dort bersammclten Armee Garibaldis auf, die sich in eiliger Flucht nach Chalon sur Saöne über die definitive Waffenstillstandsgreiize zurückzog. Bon allen Entscheidungen stand jetzt nur noch diejenige der Belagerung von Belfort ans.
Abend-Ausgabe
mit dem Rücken an die Schweizer Grenze gelehnt, nur den Augenblick erwartend, wo fie den Befehl zur Streckung der Waffen oder zum Uebertritt auf das neutrale Gebiet der Schweiz erhielt. Clinchaut, der nach dem Selbstmordversuch Bourbakis das Kommando führte, hatte sich mit Manteuffel in Verbindung gesetzt und berief sich auf verschiedene Telegramme aus Bordeaux, welche den am 28. in Versailles abgeschlossenen Waffenstillstand auch aus die Operationen der Süd-Armee ausdehiien wollten. Beharrlich wies Manteuffel alle Verhandlungen zurück: „Unbedingte Waffenstrecknug" lautete seine Forderung. Die Ost-Armee war nicht in den Waffenstillstand mit eingeschlosseu worden, sie mußte sich ergeben ober den Verzweiflungskampf führen, über dessen Ausgang kcin Zweifel herrschen konnte.
Am 1. Februar rückte Manlensfel zum entscheidenden Schlnfe- stoße vor; unter heftigen Kämpfen wich die französische 2Irniee hinter Pontarlier auf Schweizer Gebiet, wo sie am 2. Februar die Waffen streckte. Eine vierte französische Feldarniee war somit vom Kriegstheater verschwunden.
Kaiser Wilhelm erkannte in einem, die Wasfenthaten der «üd- armee in höchstem Grade preisenden Arweebesehl die Leistuugen der Truppen an. Jeder Mann derselben, vom kommandirenden General
Marschbewegungen können unsere Leser den Verlaus dieser Operation trefflich verfolgen. Werder war der Bonrbaklschen Armee bis Bcnume les Dames dicht gefolgt, hatte dort die 4. Reserve- Division auf das linke DoubS-Ufer entsendet, sich selbst aber westlich an die Hauptarmee hcrangezogen und bei Dampierre eine gegen Besanoon sichernde Stellung eingenommen, während das II. und VII. Corps direkt südöstlich ans die Schweizer Grenze zuging.
Die deutschen Truppen standen am 31. Januar folgendermaßen : 7 Corps bei Dommartin, Goux, Sept Foutaines, mit Behauptung der Straße Ornans-Poiitarlier. Auf St. Gorgon rückte die Division Schmeling, das 2. Corps stand, über Frasne vorgehend, mit dem 7. auf gleicher Höhe und besetzte mit dem Gros Domvierre. ~ . n ,
Ein heftiges Gefecht am 31. Januar hatte die Toner La Planse und Baux in die Hände der Dentscheu gebracht, und ihre Seitendetachements sperrten alle Straßen.
In einen engen Raum gepreßt, stand die franzostsche Armee
Bildung einer Siidarmee ans dem II., VII. und XIV. Corps, deren erstere beiden in der Höhe von Chatillon standen, während Werder das XIV.Corps an der Lisaine befehligte, der Versuch unternommen, die französische Ostarmee zu schlagen. Den Oberbefehl über die deutsche Snd- armee erhielt General v. Manteuffel, der mit seinen beiden Corps zwischen dem von Garibaldi mit 25,000 Mann besetzten Dijon und der von 20,000 Mann besetzten Festung LangreS unter Vermeidung von Gefechten, die nur auffallen tarnten, hindurchschlüpfen, die ganze Eiseubahn- verbüidung im Rücken lassen und sich statt dessen an rin gänzlich neues Bahn-Netz (Epinal-Vesoul) wieder anschließeu mußte. Als Maske gegen Garibaldi, fowie zum Schutze der Bahn bei Chatillon, welche für die II. Armee unentbehrlich war, wurde die pommerfche (8.) Brigade v. Kuppler dort als Etappe zurückgelaffen, fönst aber uirgeiids eine solche anfgestellt. Am 17. Januar stand die Armee Manteuffels am südlichen Fuße des HöhenzugeS. Das VII. Corps hatte sogar schon bis znr Saoite gestreift. In dieser Zeit fanden die Sclilachten an der Lisaine statt, über deren Verlauf General v. Manteuffel Nachricht von Belfort „über Versailles" bekam.
Das VII. Corps erreichte am 18. Januar ühautplitte, das II. Corps mit der Spitze Gray und die Saone.
Die Nachricht des glücklichen Ausganges der Schlachten an der Lisame (15., 16. und 17.) traf ein und mit ihr die Meldung vom Rückmarsch des Feindes: es haudelte sich nun darum, diesen vom Innern Frankreichs abzuschneiden u.die Schweizer Greife auf dem kürzesten Wege zu erreichen, nm den Rückzug Bourbakis von Montbeliard über Besanoon nach Süden ganz zu verriegeln. ....
General v. Manteuffel verfolgte hier dieselbe Taktik, welche bet
Deutscher Reichstag.
O gerillt, 1. Februar.
Auf der Tagesordnung stehen zunächst Zusatz-Erklärungen zu dem internationalen llebereinkommen von 1890 über den Eisenbahn- Frachtverkehr. Es soll dadurch den Staaten, die sich dein Uebereinfommen noch nicht augeschlofsen haben und den Beitritt beabsichtigen, dieser erleichtert bczw. geregelt werden. DieGenehmignug erfolgt debattelos. Es folgt die Berathnng des Jnstizetats. Bei dem Aiisgabetitel: Gehalt des Staatssekretärs wünscht Abg. Bassermann (nat.-lib.), eS möge bei Revision des HandelS- gesetzbuchs auch auf berechtigte Wünsche der Handlnugsgehülsen Rücksicht genommen werden, speziell betreffend die Kündigungsfristen und die Koukuirenzkiausel. In Bezug auf ersteren Pmikt empsiehlt er, die VertragSsreiheit aufzuheben unb eine Minimal-Kündigungrfrist, etwa von einem Monat, gesetzlich festzulegen. — Staatssekretär Nieberding führt aus, die verbündeten Regiermigen seien gewillt, bei der Neu Regelung des Handelsgesetzbuchs einen Ausgleich zwischen den Interessen von Arbeitgebern und Arbeitnehmern eintreten zu lassen. — Abg. Singer (Soz.) schließt sich dem Wunsche des Abg. Baffermann nach schleuniger Revision des Handelsgesetzbnchs an. Ich habe das Wort er- beten, um die Thätigkeit des jüngst verstorbenen LandgerichtsdirektorsBrausewetter zur Sprache zu bringen. In dem bekannten Gummischlauch-Prozeß, der sich ans Anlaß einer Polizeiattacke gegen Arbeitslose hier in Berlin gegen die Opfer dieser Polizeiattacke abipiclte, ging Herr Braufewetter mit den sonderbarsten Argumenten gegen die Vertheidiger vor (Redner citirt einige derselben). In diesem Zusammenhang fiel auch die zum geflügelten Wort gewordene Aeußerung: „Die Oeffentlichkeit existirt nicht I" Alle diese Aeufeernngen beweisen, daß der Mann seit Jahren nicht mehr den Ansprüchen genügte, die an den Inhaber eines so ver
antwortungsvollen Postens des Vorsitzenden einer Strafkammer gestellt werden müffen. Als Schwurgerichts-Vorsitzender hat sich Herr Braufewetter womöglich noch ärger bloßgestellt, namentlich dadurch, daß er die Geschworenen nicht belehrte, sondern sie durch den direkten Anschluß an die Anschauungen des Staatsanwalts zu beeinflussen suchte. Daß Herr Brause- Wetter seines krankhasteu Zustandes wegen schon seit Jahren die für einen Richter nothwendige Selbstbeherrschinm nicht mehr besaß, beweisen diese Aiislaffungen in drastischer Weise. Seine Krankheit kam im Dezember in voller Stärke nach einem heftigen Gewitter zum Ausbruch. Wenige Tage danach wurde er in eine Heilanstalt übergeführt. In der Zwischenzeit aber hatte er noch ein GerichlSurtheil abgefaßt, durch das zwei sozialdemokratische Schriftsteller, die eine beleidigende Aeußerung gegen einen meiningeuschen Beamten in das von ihnen redigirte Protokoll des Frankfurter sozialvemokratischeu Parteitages übernommen hatten, wegen dieser minimen Sache zu der horrenden Strafe von je drei Monaten Gesängniß Derurlbeilt wurden! (Hört! hört!) Dabei ist erwiesen, daß schon zwei Jahre vorher der Gerichtrphysikus zu einer Erklärung veranlaßt worden war, wonach die Handlungen des Herrn Brausetvetter schon damals unter einem krankhaften Einfluß
Sedan fo große Resultate erzielt hatte.
Heber den Plan Manteuffels besitzen wir das beste Urtheil aus dem Munde Moltkes. Als die Meldungen des Generals in Versailles kttttrafen, äußerte der Ches des großen Generalstabes sich dem König gegenüber über die Rechtsschwenkung der Süd-Armee. „Die Operation", fo sagte der große Stratege, „ist eine äußerst kühne, kann aber zu den größten Resultaten führen. Falls General v.Manteuffel einen Echec erleiden sollte, darf man ihn nicht fabeln, beim um große Erfolge zn erteilen, muß etwas gewagt werben!"
Während des Vormarsches der Südarmee griff die Brigade Kettler die garibaldinische Armee in Dijon am und trieb in mehrmaligen Gefechten die Truppen bis in die Stadt zurück. Streif- patrmiillen der Manteuffelschen Armee stießen am 21. bet Rioz auf Seitendetachements der französischen Hauptarmee, und nun vollzog Manteuffel eine Schwenkung nach Süden über Doll und Dampierne, nm sich dann Weiter in südöstlich gerichtetem Marsche der Bonrbakischen Armee fo anzulegen, daß dieselbe von ihrer Rüekzngslinie nach Südfraiikreich ab- geschnilteii wurde. An der Hand der in unserer Kartenskizze genau verzeichneten, mit den einzelnen Tagesdaten versehenen
Der Uebertritt der Donrbabischen Ostarmee in die Schwei; am 2. Februar 1871.
Bei Abschluß des Waffenstillstandes am 28. Februar 1871 war auf deut Süddeutschland am nächsten benachbarten Kriegsschauplatz im Südosten die Entscheidu»g noch nicht gefallen, weshalb dieses Gebiet von dem Waffenstillstand ausgeschlossen blieb. Die an der oberen Loire herbeigceilte Bonrbakische Ostarmee niachte den Versuch, Belfort zu entsetzen. Er mißlang, da General v. Werder mit dem XIV.ArmeecorpS an der Lisaine der französischen Armee eine Niederlage beibrachte, infolge deren diese Armee sich nach Südwesten, auf Besanoon zurückzog. Unmittelbar vorher war deutscherseits unter nrikl_____.1.___TT VIT ««ith
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Aus Kunst und Leben.
= Königliche Schauspiele. In der am Samstag stattgefundenen Aufführung von Wagners „Meistersinger" fang Brl. Mackrott znm elften Mal das „Evchen". Sie stattete diese artie mit all der Anmutb und Lieblichkeit aus, die man erwarten durfte; in gesanglicher Hinsicht kam vielleicht nur ihre Zwiesprache mit Hans Sachs im 2. Akt nicht ganz zu gewünschter G'llnng: die Deklamation blieb hier zuweilen noch etwas unveiständlich; .Aer- raschend gut gab die Stimme im 3. Akt ans und behielt namentlich in dem berühmten Quintettsatz sicher und mit ungetrübter Frische die Führung. Darstellerisch bot ihr „Evchen" eine Leistung von individueller Färbung; die dramatischen Höhepunkte kamen im Allgemeinen voll zu ihrem Recht. Frl. M a ck r o 11, welche in dieser Partie ihre theatralische Begabung von Nettem unwiderleglich erwiesen, wurde von dem zahlreich versammelten Publikum in wärmster Weise ausgezeichnet. Herr Bufsard vom Hoftheater in Karlsruhe gaftirte als „David". Der hier von früher her noch allgemein beliebte und gerade in dieser Nolle hochgeschätzte Künstler wurde mit Applaus empfangen i itd mit Kranzspenden bedacht. Mit Vergnügen überzeugte sich das Publikum, daß Herr Bussard seine vortrefflichen Eigenschaften in fcpiel und Gesang vollauf bewahrt hat. Die Leistungen der übrigen Darsteller, namentlich der Herren Müller (Sachs), Krauß lstolzing) undRudolph (Beckmesser), waren vorzüglich und verhalfen der Gesammt-Aufführung unter Kapellmeister Rebiceks Leitung zu glänzendem Erfolg.
* Nestdrnz-Thealer. Heinrich Siobitzers 3-aktiger Schwank D er Tu ge ndh el d", der gestern hier zum ersten Mal anfgeführt ward*. könnte vielleicht passender den Titel führen : „Der Gymnasiallehrer in Röthen ober des Pedanten Zähmung". Der Autor führt ,1118 nämlich in humoristischer Weise einen pedantischen Philologen und Kritiker vor, der im Begriff ist, ein von ihm al« talentvolle Arbeit erkanntes Stück herunter zu reißen, weil dem Helden Der ernstere sittliche Gehalt fehle, weil er in feiner Verliebtheit und in Verlegenheit Nothlügen gebrauchte, sich zu einem ^vuell hin- reißen ließ und gar mit der Polizei in Konflikt kam. Nun fuhrt chu Liebe und Eifersucht selber auf einen Maskenball, wo es dem ungeschickten Gelehrten fehr übel ergebt und er aus einer Verlegenheit in die andere gerätö. Und diese feine Verlegenheiten ziehen sich aus dem zweiten Akt in den britten hinüber, wo feine Entlarvung vor der Geliebten auf dem Spiele steht und wo
er, der Tugendheld, nachdem er vorher schon zum Duell gefordert und sich beschwippst bat, auch mit der Polizei in Konflikt gekommen ist, in die tollste Verlegeuheilsliigerei geräth, ganz ähnlich der Situation in Mamselle Ritouche mit dem „Nichts Belegtes dagewefen". Schließlich kommt et aber doch zu feiner Verlobung, ebenfo wie fein Freund, der Journalist Holtenau, der durch ihn tu den salschen Verdacht gerieth, feine, des Tugendhelden, Maskeuballthaten begangen zu haben. — Der Schwank arbeitet vorwiegend, die Handlung als Nebensache betrachtend, mit einer reichlichen Dosis Situationskomik, die sich wieder aus der Komödie der Irrungen und Verwechslungen ihre Hauptmotive holt, aber auch eine ganze znm Theil würdige Gesellschaft suchend auf den Boden zwingt ober im Tanz eine Statuette zu Boben reißt, eine Scene, die gar zu einem Aktschluß herbalten mußte. Im Uebiigcn kargte ber Autor nicht mit luftigen Bemerkungen, wobei er allerdings mehrfach die Chaufsee nach Kalan einschlug, z. B.: „Sophokles" — „Was für Kloß' ?" — „Ich kenne nur Kartoffelklöß'." — Tbatsache ist, daß sich bas Publikum weidlich amüfirte und viel und herzlich über den Unsinn lachte, womit der Zweck des Autors vollkommen erreicht sein dürfte und ber Zweck des Schwankes nicht minber. Gespielt wurde recht flott. Besonders Herr Brandt in der Titelrolle gab den Pedanten in Nöthen sehr komisch, nicht minder war Helene Schäle als Dienstmädchen Nanin in ihrem ureigensten, derbkomischeii Element. Auch Herr Baselt als ländlicher Tollpatsch Gottlieb entfaltete feinen reichen Humor. Sonst sind noch hervorzuheben die Damen Tegge, Fredt- Franken, Bünger und Sarno und die Herren Schwab, Gilziuger, Heiske und Grentzer. Da« Theater war recht gut besucht, und da auch die Vorstellungen von ©übermann« „Glück im Winkel" fortwährend regsten Zuspruch finden, so ist zu hoffen, daß sich das Interesse wieder mehr dem kleinen Musen- tempclchen zuwendet. Wenn etwas geboten wird und die Direktion sich von Mißgriffen fern hält, wird es sich doch vielleicht die Gunst zurückerobern, der es sich einst erfreuen durste. Sch. v. B.
* Konzert. Der unter Leitung des Herrn Karl Hof hei uz stehende „Evangelische Ki rchengesang-Verein" gab gestern, Sonntag, im Saale de« „Kasino" sein alljährliche« „weltliches" Konzert, in welchem er von der Konzertsängerin Frl. Margarethe Kuntz aus Frankfurt a. M. (Alt) und dem hiesigen Pianisten Herrn Otto Rosenkranz unterstützt wurde. Der Chor fang außer Schuberts bekannter .Gondelfahrt" und einem „Ave
Maria“ des alten Arcadelt (ans dem 16. Jahrhundert) Chor- lieber von Hauptmann, Seibert, Kunz und Schlosser. Es ist auch an dieser Stelle schon oft der löbliche Eifer rühmend hervorgehoben worden, mit dem sich der Verein .und fein Dirigent, und zwar in wohlthuendanspruchsloser Weise, ihrerSache widmen. Auch heute darf dies geschehen, wenn auch nicht immer das Gelingen dem Wollen gleichkam. Hin und wieder liefe die Intonation zu wünschen übrig, so z. B. inArcadeltS „Aye Maria“; doch war der reichlich gespendete Beifall in den meisten Fällen wohlverdient, lieber die Altistin, Fräulein Kuntz, ist recht Gutes zu berichten. Sie ist im Besitz einer fdjöiten, sonoren, wohlgebildeten Stimme, singt rein nnb spricht ziemlich gut aus. Was ihr zu diesen guten Gaben noch zu wünschen wäre, das ist ein wärmerer Hauch echter Leidenschaft und Eiupfiudnug. Hier mangelt es vorläufig noch. Die Sängerin trug Rossinis „L’orgia“ nnb Gesänge von Schubert, Schumann, Rubinstein und Brahm« vor und, als lebhaft begehrte Zugabe, noch d'Alberts „Zur Drossel sprach ber Fink". Sie wurde durch reichen Beifall belohnt. Der Pianist, Herr Rofenkranz, zeigte sich im Vortrag der cis-moll-Sonate von Beethoven, eines Stückes von Schumann und der 8. Rhapsodie von Liszt als gewandter Spieler, ber manche gute Eigenschaften vereinigt, jedoch im angewandten Kraftmaß in dem Lisztscheu Stück des Guten zu viel that.
* 3t»r Kurhaus Maskenball. „Also auf Wiedersehen auf dem Sten Maskenball" — das waren ihre letzten Worte gewesen ! Ein letzter inniger Händedruck, ein letzter heißer Blick au» diesen unergründlichen braunen Augen, die so eigenartig ans ber Seibenmaske leuchten und funkeln — nnb weg war sie, wie ein holder Spuk! Wer sie wohl fein mag? Keinen blaffen Schimmer! Baronin oder Ladenmädel — mir soll'« gleich fein — denn sie war geradezu entzückend. Toilette sehr chic, winzige kleine Händchen und dito Füßchen, ein süfee» kleines Mäulchen mit eigenartig scharfen, funkelnden Zähnen. Da saß ich nun auf dem rothen Divan im großen Saal, unter der Statue der Venns, die fo mild lächelnd „in all ihrer Weiblichkeit" auf die thörichte Schaar der Menschenkinder herabblickt und wartete. „Ob fie wohl kommen wird?!" Da unten zieht der bunte Strom der Masken an mir vorüber. Bunt ist er zwar, doch fehlen die wirklichen Charaktermasken. Unsere Damen verzichten immer mehr und mehr darauf, sich in irgend einer Tracht zu zeigen, und ber Alle» verhüllende „Schlafrock mit Kaputze" in allen
