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2. Beilage mm Wiesbadener Tügblatt.

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N». 53. W»rgrn-A»-g»bk. Samstag, de» 1. Februar. 44. Ial,rgai>g.

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Vi 1870. d 1871- |

y 177te Depesche H

J [ vom X

Kriegs-Schauplatz. |

i; Offizielle militärische Nachrichten. H

i \ Versailles, den 31. Januar.

jj Die Avantgarde der 14. Division erreichte am 29. Januar V 11 die Queue der französischen Armee und warf sie, unter a m Erstürmung der Dörfer Sombacourt und Choffois, auf Ä Pontarlier zurück. Der Feind verlor 6 Geschütze und A / i etwa 3000 Gefangene. §

j i Im Norde» und Westen Frankreichs ist die Durch- A \ i führnng des Waffenstillstandes im Gange. H

i i v. PodbielSki. A

i i Berlin, den 1. Februar 1871. H

1 i Königliches Polizei-Pt ästdium. A

A von Wurmb. s)

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In Johannesburg, Anfang Januar 1896.

Folgender Bericht vom Anfang Januar über die Vorgänge ins Transvaal, die dem Einfall der Engländer vorangingen und diesen wohl direkt veranlaßten, dürfte für unsere Leser von Interesse sein, da eine eingehende Darstellung darüber bisher noch nirgends er­schienen ist. Die hier wiedergegebene stammt aus der Feder euies Franzosen und kann daher wohl aus vollkommene Unparteilichkeit Anspruch machen:

Es war in Johannesburg ganz gut und seit lange bekannt, daß ein Aufstand sich vorbereitete, denn die Führer machten aus ihren Absichten gar kein Geheimuiß. Durch Reden, Manifeste und Artikel suchten sie die öffentliche Meinung zu gewinnen, indem sie die Lage der Ausländer in den düstersten Farben ausmalteu, sic als die Opfer der schändlichsten Ungerechtigkeit bezeichneten, die Transvaal-Regierung als eine tyrannische und korrumpirte hiustellten, während andererseits alle Vortheile vor Angeu gcsührt wurden, die den Fremden ans einer Revolution erwachsen müßten. So suchte man diese an den Gedanke» eines Umsturzes zu gewöhnen, der unabwendbar sei. Bei feder Zusammenkunst war dies das beliebteste Thema, das besonders von drei Männern: Lionel Phillips, HoSken und CH. Leonard in allen Tonarten variirtwurde. Daß es sich nicht um leere Drohuugesr handelte, bewiesen die be­deutenden Quantitäten an Waffen und Munition, die eingeschmuggelt worden waren und welche in der Mine Semmer und Jack lagerten, die ihrer centralen Lage wegen und der fast absoluten Kontrolle, die die Führer darüber ausübten, als Arsenal und Hauptquartier für den beabsichtigten Ausstand anSersehen worden war. Man be­hauptete, Sir Cecil Rhodes begünstige heimlich die Revolution und sein Bruder, Oberst Rhodes, wäre mir deshalb zum Direktor der GoldfieldS ernannt worden, um die Erhebung militärisch zu organisiren.

Diese Gerüchte und Drohungen erhielten die Fremden in Johannesburg in einer ständigen Aufregung. Nicht etwa, daß alle einem Ausstande günstig waren, nicht einmal die Engländer ganz und gar, die ja die Majorität der Ausländer bilden, während die Deutschen und Franzosen, Belgier und Amerikaner sich energisch dagegen erklärten. Zwei Reden, welche von den Herren G. Alba unv I. Berleiu gehalten wurden und letzteren Gefühlen Ausdruck gaben, indem sie zugleich das Regime der Boeren als ein durchaus gerechtes hinstellten, erregten stürmischen Beifall, denn man war sich durchaus klar darüber, daß die gegen dasselbe vorgebrachten Argumente nur ein Borwand seien, daß die Industrie durch eine Revolution nicht gewinnen können und daß, wenn Reformen nöthig wären, diese nicht gewaltsam, sondern nach und nach unter dem Druck der öffentlichen Meinung herbeigcführt werden mußten.

Die Führer erwiesen sich aber auch häufig gar zu naiv, denn nicht nur ergingen sie sich gegen die Negierung von Prätoria in den ärgsten Schmähungen, es wurde auch ganz offen ausgesprochen, daß die einzige Fahne, welche würdig sei über Transvaal zu wehen,die

noble Standarte Großbritanniens" sei. So schenkte mau natürlich ihren Bethenerungcii, sic thäten Alle» mir im gemeinschastlichen Interesse der Ausländer, keine» Glauben; mau hatte keine Lust, für Herrn Ceci! Rhodes die Kastanien aus dem Feuer zu holen, und die weißen Arbeiter, welche die Revolutionäre anwerben wollten, meiiitcn, sic seien nicht dumm genug, nm sich für die Kapitalisten in die Bresche zu werfen. Die Sache des Ansstaudes zählte also in Johannesburg selbst wenig Anhänger, die Masse der Bewohner, die nicht dem Reform-Comitö angehörie, konnte zwar nicht» thun, um einen eventuellen Ausbruch zu verhindern, aber sie zeigte sich eher der Regierniig sympathisch gesiniit und war auf alle Fälle ent­schlossen, die Ordnung nicht zu stören.

Dieses waren die Gefühle der Bewohner des Ortes, von dem fast Alles abhiug, und trotzdem glaublen die Verschwörer darauf rechnen zu können, daß im gegebenen Moment die meisten der Ausländer ihnen folgen würden. An Waffen fehlte es ja nicht, die sofort zur Bertheilling gelangen konnten, und so hofften sie ge­nügende Mannschasten zu haben, um einen Kampf mit den Boeren zu beginnen und so einen Bürgerkrieg herauf zu bcschwöreii, der der Regierung der Kapkolonie den Vorwand liefern sollte, bewaffnet einznschreiten. Man bemächtigte sich also zuerst der Stadt Johannes­burg, mn bei dem Zusammenwirken mit der Chartered nicht in dieser ein Hinderniß zu haben, und zwang unter der Behauptung, di- Boerenpolizei könne die Ordnung nicht aufrecht erhaltcu, diese, den Ort zu verlassen. So war denn hier das Terrain frei. Jameson sollte durch Gewaltmärsche sich nach Johannesburg dirigircu, der Rand würde sich erheben, und während em Tde>l der Anfstäudischen die Stadt vertheidigte, sollte der andere sich mit den Soldaten der Chartered vereinen und auf Prätoria marschireu, das natürlich fallen müsse.

Um dieses schöne Resultat zu erreichen, war ledoch eins nolhig, nämlich, daß die Boeren beim ersten Zusammentreffen geschlagen würden, und in dieser Beziehung machten die Anssländischen zwei große Fehler, erstens, indem sie darauf rechneten, die Ausländer würden mit ihnen gehen, was bei der herrschenden Stimmung zu erwarten'geradezu lächerlich war, und dann, indem sie die kriegerischen Eigenschaften der Boeren unterschätzten. Zu letzterem Jrrthnm wurden sie wodl verführt, weil die Regierung, obgleich sie über eine revolutionäre Bewegung, die sich so offen kund gab, natürlich nicht im Unklaren sein konnte, nichts dagegen that. Diese angeblichen Tyrannen achten eben die zugesicherte Rede- und Preßfreiheit, selbst wenn dieselbe mißbraucht wird, um zur Rebellion gegen sie anf- znreizen; sie warteten, bis diese selbst ausbrach, und dann haben sie gezeigt, daß sie ihr gewachsen sind.

KolMsche Tagco-Rundsch-m.

Zur Arbeit erst atistik. Bei dem weitreichenden Interesse, welches den seit 1892 im Gange befindlichen Arbeiten der Kommission für Arbeiterstatistik entgegengebracht wird, dürfte es angezeigt erscheinen, auf die Miitheilungen zurückzukommcn, welche der Staatssekretär des Innern, Herr v. Bötticher, jüngst im Reichstag über den Stand dieser Arbeiten gemacht hat, zumal da jene Miltheilungen in den Parlamentsberichten der Presse thcils unrichtig, theils nur verstümmelt wiedergegeben worden sind. Nach dem steuo- praphischen Bericht äußerle sich Herr v. Bötticher zunächst über die Erhebungen, welche Seitens der Kommission über die Zustände im Bäckergewerbe angestellt wurden. Diese Erhebungen sind bekanntlich schon seit längerer Zeit abgeschlossen, und die Kommission hat einen aus­führlichen Bericht darüber erstattet. Sie hat, freilich im Widerspruch mit der Anschauung einer Minderheit in ihrem Schoosie, welche eine Ueberschreitung der eigentlichen Aufgabe der Kommission darin erblickte, diese Erhebungen und ihr Ergebniß zur Grundlage eines formnlirten Gesetzentwurfs, betreffend die Einführung einer zwölfstündigen Maximal- arbeitszeit (einschließlich der Ruhepausen) im Bäckergemerbe, gemacht. Der Bundesrath hat diesem im Sommer 1894 ausgestellten Gesetzentwurf bisher keine Folge gegeben, viel­mehr hat die prenßische Staatsregiernng ihrerseits auf Grund

der Ermittelungen der Kommission unterm 16. Dezember v. I. im Bundesrath den Antrag auf Erlaß einer Verordnung gestellt, die darauf abzielt, die Mißstände im Bäckergewerbe zu beseitigen und insbesondere rücksichtlich der Feststellung der Arbeitszeit in diesem Gewerbe bestimmte Vorschriften zu treffen. Die Vorlage ist dem zuständigen Ausschuß des Bundes­raths überwiesen, und nach den Mittheilungen des Staats­sekretärs v. Bötticher darf ihrer baldigen Verabschiedung im Plenum des Bnndcsraths entgegengesehen werden. Weiterhin hat die Kommission Erhebungen über die Verhältnisse im Handels­gewerbe angestellt. Der Bericht darüber ist dem Reichskanzler bereits erstattet und soll in den nächsten Tagen dem Reichstag im Druck zngehen. Die Erhebungen, welche bie Kommission über das Müllergewerbe eingeleitet hat, sind bis auf die in der nächsten Sitzung der Kommission, die für Februar an- gesetzt ist, staitfindende mündliche Vernehmung von Auskunfts­personen beendet. Die Kommission wird alsdann an die Erstattung des Berichtes gehen müssen. Auch über die Verhältnisse im Gastwirthsgewerbe hat die Komn.'ssion eine Enguete veranstaltet. Die Antworten auf die schriftlichen Umfragen bei den Organen der Wirthe und deren Angestellten, sowie die sonstigen Erhebungen liegen bereits im Druck vor, sodaß die Feststellung des Ergebnisses und des Berichtes wohl gleichfalls Gegen­stand der nächsten Sitzmig der Kommission sein wird. Schließlich ist die Kommission mit einer Enquete über die Sonntagsarbeit im Biiineiischiffahrtsverkehr beschäftigt und sind allgemeine Erhebtingen über die Verhältnisse im Verkehrs­gewerbe in Aussicht genommen. Diese Zusammenstellung läßt den Ilmfang und die Bedeutung der Arbeiten der Kommission für Arbeiterstatistik erkennen. In den Erhebnngen und Be­richten der Kommission ist ein werthvolles Material für die Benrtheilnng der Arbeiterverhältnisse in Deutschland zu- sammengeträgen, das unzweifelhaft für die Wetterführung der Arbeiterschutzgesetzgebnng treffliche Dienste leisten wird. Nur sollte man nicht übersehen, daß nichts mehr geeignet ist, die Schwierigkeiten auf diesem Gebiet klar zn legen und zu vorsichtigem Vorwärtsschreiten zu mahnen, als gerade die Arbeiten der Kommission für Arbeiterstatistik.

Deutsches Deich»

* Deutsche Fischerei. Ruud 28,000 Personen liegen nach den über das Jayr 1894 95 vorliegenden Zahlen an den bedentcii» deren Fischereistatiouen der preußischen Küste der Fischerei ob, und zwar 14,902 als Berufe-, 11,408 als Gelegenheitssischer, sowie 1672 Knechte. Die Hochseefischerei wird besonders durch 28 größere Fischdauipser ausgeführt. Bei 50 bis 60,000 Mk. durchschnittlichen Jahresunkosten beträgt der Verdienst 60 bis 70,000 Mk. lieber die Erträge deS Flnßfanges mögen einige ungefähre Zahlen aus dem Weichselgebiet angeführt werden; dieselben betragen für Stör etwa 32,000, für Lachs und Aal 20,000, für Dorsch 10,000, für Weißfische 9000, für Neunaugen 8000 Mk. ic.; an allen Arten beziffert sich der Werth der in der Weichsel gefangenen Fische auf etwa 130,000 Mk. Jnteressan ist es, dem­gegenüber den Ertrag de» Heringsfanges in der Weichselmundungzu sehen der allein 140,000 Mk. betrug; die Zahl der gefangenen Heringe belief sich ans rund */« Million Schock. Die an der Fischerei in der gejammten Weichsel betheiligten Vereine wollen sich zu einem großen Verbände zusamuienschließeu, der Vorzugsweise für die Hebung der Lachszucht tvirken soll; es ist eine Vermehrung der Brutaussetznngeii bis auf wenigstens 1'/- Millionen Eier geplant, wozu der deutsche Fischerei-Verein sowie der galizische und der russische je 30(\000 bis 500,000 Eier liefern würden; auch das königlich ungarische Fischerei- Inspektorat würde wenigstens 40 bis 50,000 Stück tahrlich anSsetzen lassen. Die Hauptarbeit fällt dein galizischen LandeSfischerei-Veretn zu, da in deffen Gebiet die Brut der Hauptsache nach auszusetzen Ware.

Preuße» zur Eiuwandernug rgcheu ließ, wie Winke einer

(Nachdruck verboten.)

GlneMassen-Ausw«tt-eeungvouNass«ueru nach Ostpreußen, 17211725.

/Eigenes Feuilleton für dasWiesbadenerTagblatt".) Von TY. Schüler.

iU ^Nur^WeuigeS halte sich gcbeffert, so erzählt uns Schmoller im 30. Bande der Historischen Zeitschrift, als 1713 Friedlich Wilhelm I. den Thron bestieg. In dem beregten Laude war der Menschen­mangel damals noch so groß, daß 600 Menschen auf bet Ouadrat- meile, die jetzt etwa 3000 aufiümmt, hausten. Zu einzelnen Pfarr-

Preuße» abgetretene Amt Bürbach 39 Auswanderer. Das waren mit den voransgegangenen fast 40Ö Personen, eine Anzahl, die in jener Zeit, die die Lücken des 30-jährigen Krieges noch auftoteS, schwer ins Gewicht fiel. Die Veranlassung zu solchem Maffen- abznge gaben Briese aus den Kolonieen, die die Vorgefundenen Verhältnisse als sehr gute darstellten und in Verwaudtenkreisen zur Nachfolge aufforderten. Allerdings mußten die dort, ge­botenen Vortheile nicht wenig begehreiiswerth erscheinen, und es wird uns jene Massen-NuSwandening begreiflich, wenn wir bett Brief lesen, den ein Johannes Schmitt von Pillkallen ans an seine Mutter schrieb, er lautet:Mit wünschung alles gubeu, meine hertzallerliebste Mutter. Ich kau nicht nnderlasseu, mit dieser guden Gelegenheit mit wenigen zn berichden, wie daß wir nächst Gottes hülf und beystand feint in daß land gekommen. Erstlich feint toir auf Halverstat, von da Haden wir gefahren auf Berlin, von da auf Stedin und bau auf Königsberg, bau auf Insterburg und dan ms Land. Da sind wir auSgebeilt worben so lang biß unsre Heuser gedeckt feinb, welche nächst Gottes hüls (mit werben fertig sein. Dann es hat, Gott lob, ein Jeder ein schön Vorhand wie auch scheuer, ftal beuädst auch 2 Hüben lantz, darauf eins bekommen hat 4Psert, 4 Ochsen, 3 Küh, und wir bekommen auch noch 2 schwein, 2 schal, 2 Geuß, 2 Enten, 2 Hüner wie auch das klein HanSgerat, und ich hab mir auch selbst eine Kuh umb mein Gelt gekauft, daß wir im geringsten gar nicht zu klage» haben. Und wie wir aus die Schief sind gekommen, feind mir verpfleget worden mit aller leybesnodurft als Brott, Zwyback, Fleisch, Speck, Keß, Butter, summa alles, soaar auch den Doback, und an Zergelt hat ein Mannsperson be­kommen 4 Groschen, eine Frau 3 gute Groschen, ein Kind 2 Groschen jo lang biß wir ins land kommen sind, da haben wir Korn bekommen und bekommen daffelbige so lang bis wir selbst eingeernt haben, dann unser gn. H. König sorgt für uns bester als toier uns selbst einbilden können, und Wolde Gott, daß alle rechtschaffen Männer, sie mögen seyn wer sie wollen, bey unß roeren, sie bekommen alles genoch wie toier auch. Maß Mangel ist, Kirch und schul feinb noch wenig, aber sie werden nach und nach aufgebaut, doch können toier noch alle stund oder 2 stunden in die Kirch kommen." Nach den hier folgenden Grüßen lind Einladungen an Geschwister, Nachbarn und Freunde heißt es zum Schluß:Und wan Du etwan zu uns folbeft kommen, so bring mir doch ein Gesantbuch, Gebetbuch und ein Ney Testament mit. Ich schreybc in Bygal Nüske im Pytritischen Ambt, 3 stunden von Stallepin (Stallnpönen). Datum den 25. August 1723."

Der hier drohenden Entvölkerung seines Landes gedachte nun­mehr Fürst Wilhelm zn begegnen, wie es bereits im Frühjahr desselben Jahres Landgraf Karl von Hessen als vormundschaftliche. Regent im Fürstenthum Diez gethau hatte, ohne jedoch wie bw^r bie richtigen Mittel unb Wege zu finbeii. Als biesem imMarz 1-98 sein Regierungskollegium eine Anzahl Entlaffungsgesuche mit bei

äintern gehörten 2040 Dörfer. Die Laiidwirlhschast war auf die primitivste Stufe herabgesuiiken; der Bauer bestellte vielfach seine Hufe nicht mehr ganz, sondern hals sich damit, baß er einige nahe liegende Aecker jahraus, jahrein mit Roggen ober Hafer befäete. Obst- und Gemüsebau wurde gar nicht mehr gepflegt. Der denlsche Pflug war nahezu iinbekannt geworden. Irn größten Theile des Landes existlrten weder Wasser- noch Windmühlen, und als Friedrich Wilhelm I. bie erste Sagemühle, auf der das Holz mit Wasserkraft zerschnitten werden konnte, ins Land brachte, rief er die gewaltigsten Proteste der Königsberger Brettschneiberzunst wach.

Ans alledem ersehen wir, daß sich dem Könige em weites Arbeitsfeld öffnete, als er die Nenkolonifation Lithauens begann, in dein er mit der Zeit Hunderte von Dörfern neu anlegte und mit fleißigen Ackerbauern bevölkerte, viele andere erweiterte ober auf eine höhere Kulturstufe brachte, zahlreiche Kirchen, Schulen, Mühlen und Fabriken erbauen ließ und bie Gewerbe in ben größeren Orten hob. Seine 81 nfrufe zur Einwanderung, in denen er Reisegelder, freies Land, Banuiiterstützungen, Beihiilsen zum Beginn von Ge- schäfteii unb vollständig ausgerüstete Banernhöse in Aussicht stellte, sanden ihren Weg auch in bie uuwirthlichen Gegenden jenseits der Lahn und bewirkten, daß zu ben Taufenden, bie in Litbauen ihr Glück versuchten, ber Westerwalb einen erheblichen Prozentsatz stellte. Die Orte Berschktirren, Paladszcn, Pillkallen, Pillupönen und Stallupönen im heutigen RegieniugSbezirkGumbinuen, bie vielleicht mancher Nassauer bisher mit Mißachtung nennen hörte, sinb von einem tüchtigen, acferbaiitreibenben Menschenschläge bewohnt, in dem bas Blut unserer Landsleute kreist. Schon im Jahre 1723 konnte ber Kolonisator des Landes seinem Freunde Deffaner schreiben: Die Litthauer Bauern beginnen überall gut zu stehen sie haben solch Brot, bas mir gut schmecket unb sieht in ihren Baracken gut und toirtblid) ans, ba man Schüsseln Speck unb Fleisch fiiibet, bie Leute auch biet unb fett aussehen.". Aber auch bie Stäbte erfuhren manchen Zuwachs an8 Rostan; in Königsberg unb ® um binnen nahni namentlich bie Wollenweberzunft durch Zu­züge von dort einen merklichen Aufschwung. Vorzugsweise war es das Fürstenthum Dillenburg, bann aber auch Diez kinb Hadamar, das seine Lanbeski »der nach dem Osten entsandte. JmFrnhjiHr1<21 zogen ans Dillenburg, Seilhofen, Niederscheld, Fellerdille, Nieber- roßbach, Haiger, Haigerseelbach unb Allen darf 82 Personen nach Litbauen. Ihnen folgten im Frühjahr 1722 weitere 88 Personen aus den Slemtern Haiger und Ebersbach, in ihrem Vorhaben unter­stützt durch den Pfarrer Petri zu Ebersbach, dem die Noth der Leute zu Herzen ging. Im Jahre 1723 nahm der Abzug solche Dimensionen an, daß dem Fürsten Wilhelm zn Dillenburg um den Bestand seiner Untertbar.cn zu bangen begann; das Amt Herborn (Herborn, Medenbach, Uckersdorf, Amdorf, Schönbach, Breitscheid) stellte 60, das Amt Driedorf (Driedorf, Heisterberg, Gusternhain, Mademühlen, Seilhofen, Rabenscheid, Waldanbach) 57, das Amt Haiger (Haiger, Alleuborf, Manderbach) 27, ber Ort Eyershausen im bamaligeit Amte Tringenstein allein 36 unb bas zwischen Naffau-Oranicn und Nassäu-Weilburg gemeinschaftliche, 1816 au

Mißernten und Arbeitsstockung hatten nach de» fortgesetzten Kriegsdurchzügeu und Einquartierungen zu Beginn des vorigen Jahrhunderts, besonders bei den Kleinbauern des Westertoaldcs, eine Nothlagc geschaffen, die jeder Beschreibung spottet. Zur Be­schaffung der nöthigsten Lebensbedürfnisse hatte mau die wenigen Liegeujchasten längst versilbert oder mit Schulden belastet, und immer wieder klopfte Hunger unb Noth unerbittlich an manche Thür. In dieser sorgenvollen Zeit mußten bie verheißungsvollen Einlabniigen, bie König Friebrich Wilhelm I. von Preuße» zur Eiuwaiiberung nach Lithanen über ganz Deutschland ergehen ließ, wie Winke einer höhere» gütigen Vorsehung erscheinen unb bie Herzen jener Armen mit neuen Hoffnungen beleben.

Der anfänglich viel verkannte preußische Herrscher, ben erst neuere Geschichtsforscher in feinen weitgehenden Bestrebungen zur Hebung ber Kultur seines Laubes toürbigten unb als ben größten inneren" König bezeichneten, halte sich bie Reorganisation Preußens, bcSienigen Theiles be« allen Lithauens, ber heute bie Provinz Ostpreußen bilbet, zum Ziel gesteckt. Dieses ehemals polnische Lehen, baS ber Große Kurfürst nach jahrelangen Kämpfen von dieser Verbinbung gelöst, war zwar bei seiner fernen Lage vom Kriegsschauplatz während des 30-jährigen Neligionskrieges verschont ge­blieben, hatte bann aber inbeui späteren Kriege mit Polen umso stärkere Wunbcn empfangen. Einfälle von Barbaren, wie sie bentsche Lande seit beu Hunnen und Mongolen nicht mehr gesehen, brachten bas Land an ben Rand des Verderbens. Tie 1656 und 16o7so» ben Polen herbeigerufenen Torturen hausten so schrecklich, baß 13 stabte unb 249 kleinere Orte in Asche sanken; dabei wurden 23,000 Mcwchen erschlagen und 34,000 in die Sklaverei geführt. Einer seuche die nachher diesem Tartareu-Einsalle folgte, erlagen weitere 80,000 Menschen. Zwar führten die Unruhen in Polen gegen 1700 dem entvölkerten Landstriche nicht unbedeutende Einwanderungen zu, doch wurden immer wieder starke Lücken durch Krankheiten, die von Zeil zu Zeit wie ein Pesthauch von Asien ansgingeu, in die Be­völkerung gerissen; der furchtbaren Pest des Jahres 1709 fiel faft ein Drittel ber Bewohner zum Opfer. Nach zeitgenössischen Auf- zeichunngeil war mcilentoeit teilt Mensch mehr auzutreffeu, ganze Dörfer waren ausgestorben; Rinder und Pferde irrten wild auf beu unbebauten Feldern umher und gingen aus Mangel an Pflege

,t. ........ -nzohl Entlassungsgesuche mit ber

befürroorteuben Begründung vorlegte, daß bie AuStoauderunM- lustigen verschuldet, also arm unb entbehrlich seien, antworM vr, daß er dem Vorschläge seine Genehmigung und den Lernen bie ®r< laubniß zum Abzug nicht ertheile, da eine solche DiwHofi toM«