4. Mage zum Mesbaüener Tagblatt.
Uo. 81. Morgen-Ausgabe.
Freitag, den 81. Iannar.
44. Jahrgang. 1896.
1870.
1871.
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Störung stattgefnnden.
Von unseren BclagerungS-Botterieeu sah Preußische Fahne auf Jssy flattern.
Heute Schnee und Thauwetter.
Eben rückte das 5. Jager-Bataillon ein, das 19. September aus Vorposten stand und doch
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175te Depesche
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Kriegs-Schauplatz.
Offizielle militärische Nachrichten.
Versailles, den 30. Januar.
Der Kaiserin und Königin in Berlin.
Die Uebergabe aller Forts hat nid. St. Denis im Laufe des gestrigen Tages ohne alle Widersetzlichkeit und
Z Arbois, den 30. Januar.
Die Avantgarde der Süd-Armee (14. Division) erreichte 5 gestern, Nachmittags, die abziehende französische Armee ? 1 Meile westlich Pontarlier an der Schweizer Grenze. Die Dörfer Sombaconrt und Chasfois mit Sturm ge- £ nommcn, gegen 3000 Gefangene und 6 Geschütze genommen.
Gras Wartenslebeu. i Berlin, den 31. Januar 1871.
i Königliches Polizei-Präsidium.
X von Wurmb.
176te Depesche.
Versailles, den 30. Januar.
Lor Paris nahm am 30. die Durchführung der Konvention ungestört ihren Fortgang.
Bei Blois verbrannte Oberst v. Below am 28. die Brücke, da der Feind auf dem linken Ufer der Loire gegen die Stadt vordrang. Letzterer zog am 29. wieder in südlicher Richtung ab.
Das II. Corps nahm am 28. bei Nozeroy einen feindlichen Wagen-Trausport.
Die 4. Reserve-Division war am 26. bis Passavant vorgedrungen und hatte wieder 200 Gefangene gemacht.
Die Bourbakischen Corps befanden sich zwischen den Kolonnen des Generals v. Mantcnffel und der Schweizer
Der Waffenstillstand am 31. Januar 1871.
Der artilleristische Angriff auf Paris hatte int Verlaufe der Zeil zur vollen Wirkung geführt; die meisten Forts und Außen- roette auf den Angrisfsfronten waren völlig zerstört, und auch der zuletzt aus der Nordseite, gegen St. Denis geführte Geschützkampf hatte die VertheidigungSfähigkeit der Werke hier vernichtet. Man entschied sich nun dafür, St. Denis förmlich anzugreise», und ging zu diesem Zweck mit 4 Batterieeu näher vor. Die Wirkung war eine so günstige, daß man beschloß, noch eine Reihe von Battcrieen anzulegen, die in der Nacht zum 28. auch fertig gestellt wurden. (Dieselben kamen jedoch nicht mehr zum Feuer.) Biele Bewohner hatten die Vorstadt verlassen, und die Werke lagen, fast zum Sturm reif, zerstört, sodaß ein gewaltsamer Angriff hier fast sicheren Erfolg gehabt haben würde.
Gegen die Ostfront wurde der Angriff nicht fortgesetzt, weil da» Gelände sich dazu nicht eignete; nur an dem hohen Marne-Ufer wurden zwei Batterieen erbaut, um die Halbinsel St. Maur besser zu beherrschen. In der Südfront dagegen hatten die französischen Forts d'Jssy und Vauvres so gelitten, daß sie nicht mehr als ver- rheidigungsfähig gelten konnten; die Kasematten und Gebäude waren zerstört, das Pulver herausgeschafft und in den Pnlver- räumen verbarg sich die Mannschaft; von Geschützen konnten nur hier und da eins ausgestellt werden, da die Scharten zerstört und die Wallgänge zerrissen waren. Selbst aus der Stadtbesestignng, welche in Bastionen sich nm die Stadt hernmzog, war die Artillerie- Wirkimg kaum mehr zu fürchten.
Unzweifelhaft gab es keinen Ausweg mehr als die Kapitulation der Hauptstadt, jede Zögerung steigerte die Roth und zwang zur Annahme härterer Bedingungen. Wurden nicht ungesäumt alle
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kriegsgefangen, jedoch in der Erwartung eines baldigen Friedens noch nicht abgeführt. Am 29. wurden die Forts und St. Denis besetzt. 602 Feld- und 1362 schwere Geschütze fielen in die Hände der Deutschen, dazu 177,000 Gewehre rc. lieber das Bild, welches die Kriegslage bei Beginn des Waffenstillstandes, am 31. Januar 1871, bot, giebt unsere beistehende Kartenskizze eine anschauliche Darstellung. Auf Grund des Waffenstillstandes war eine Demarkationslinie vereinbart, von welcher beide Parteien selbst ihre Vorposten auf 10 km Entfernung zurückzuziehen hatten. Die Linie lief von der Seine-Müudnng südlich bis zur Sarthe, kreuzte zwischen Tours und Angers die Loire, folgte der Creuse, wandte sich östlich nach Vierzon, Clamecy, Chagm; und schloß sich dann, CHLlon für Saöne nördlich umgehend, südlich Lons le Saulnier und St. Laurent der schweizerischen Grenze an. Anfänglich jedoch, so lange die Armee Bourbakis noch nicht besiegt war, nahm die Demarkationslinie hier im Südosten einen solchen Verlauf, daß die Departements Jura, Doubs und Cöte d'Or vom Waffenstillstand ausgeschlossen waren. Die beiden nördlichen Departemeuts Pas de Calais und du Nord sowie die Lchidspitze vor Havre blieben besonders abgetrennt.
Den noch von französische» Truppen behaupteten Festungen innerhalb des von den Deutschen besetzten Gebiets wurde ein ihrer Größe entsprechender Rayon zugetheilt.
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Eifenbahnen freigegeben, um aus weitestem Umkreise Lebensmittel heranzuführen, so mußten unausbleiblich die Schrecknisse einer wirklichen Hungersnoth über mehr als zwei Millionen Einwohner herem- brechen, denen später nicht mehr zu begegnen war. Aber Niemand wagte das verhängnißvolleWort Kapitulation auszusprechen, Niemand die Verantwortlichkeit für das unausweichlich Gewordene zu über» nehmen. Endlich erschien denn Herr Jules Favre in Versailles, um Verhandlungen, zunächst wegen Waffenstillstandes, auznknüpfen. Auf deutscher Seite kam man diesem Wunsch entgegen, mußte aber selbstverständlich Bürgschaft dafür fordern, daß nach erfolgter Versorgung der Hauptstadt dort nicht der Widerstand fortgesetzt werde. Die Uebergabe sämmtlicher Forts, eiuschließlich des Mont Valerien und der Stadt St. Denis, sowie die Entwaffnung des Hauptwalles wurden gefordert und zugestandeu.
Der eigentliche Waffenstillstand wurde am 28. für das ganze Landabgeschlossen, mit Ausnahme des Departements Jura, Doubs und Cüte d'Or, weil sich die Herren Strategen der Regierung an jenem Tage noch Berge von Erfolgen von den Bewegungen Bourbakis versprachen. Die ganze Besatzung von Paris wurde
deutscher Examinirtrnpps überschritten werden durfte. Paris zahlte eine Kriegrsteuer von 200 Millionen Francs.
Aber zweifelhaft war es noch, ob die Partei des „Krieges & outrance- in Bordeaux den Anordnungen der Pariser Regierung sich auschließen, ob endlich die eiuznbernfende Nationalversammlung den vom Sieger gestellten Friedensbediugungen zustimmen würde. Aus französischer wie auf deutscher Seite wurden daher diejenigen Maßregel» ergriffen, tvelche nöthig waren, um erforderlichen Falls den Krieg wieder auszunehmen.
Die Vertbeilung der französischeii Heere war hierzu bei Schluß des Waffcnstillstaudcs wenig günstig, die der deutschen ausgezeichnet.
Auf deutscher Seite lunr vor Allem auf Ergänzung der Truppe» zur vollen Kriegsstärke und Wiederherstellungfdes Materials Bedacht genommen. Die-Forts von Paris waren sogleich mit gegen dir Stadtunuvallung gekehrter Front armirt. In und zwischen denselben standen 680 Geschütze, darunter 145 eroberte französische, mehr als genug, um die unruhige Bevölkerung im Zaume zu halten. Ein Tbeil der bisher zur Einschließung verwendeten Streitkräfte war abkömmlich geworden und schon behufs befferer Unterbringung der Truppen von dort zu verlegen. Außerdem erschien es zweckmäßig, die II. Armee zu verstärken, welche die Hauptkräste des Gegners vor sich hatte.
Auch der Kommandant der Besatzung von Laugres erhob Schwierigkeiten und zog sich erst am 7. Februar in seinen Rayon zurück, noch später General Rolland in Besangon. Auxonne wollte Anfangs die Eisenbahn nicht freigeben. Bitsch, welches ernstlich anzugreifen nicht der Mühe werth gewesen war, verwarf die Konvention, die Einschließung mußte sogar verstärkt werde», und erst im März, als mit wirksamem Angriff gedroht wurde, verließ die Besatzung ihren Felskegel. ....
Auch die Freischärler fügten sich nicht sogleich, und an verschiedenen Punkten kam es noch zu Zusammenstößen mit ihnen. Nachdem aber die Verhältuisse endlich geregelt, fanden ernstliche Zwistigkeiten zwischen der Bevölkerung und den deutschen Truppen während der ganzen Dauer des WaffcnstillitandeS nicht mehr statt. .. „ t
Vor Paris hatten alle Corps die vor ihrer Front Iicgcnben Forts besetzt, das V. insbesondere den Valerien und das IV. auch die Stadt St. Denis. Zwischen den Forts und der Hauptumwallung blieb ebenfalls eine neutrale Zone, welche auch von Civilpersonen nur auf den vertragsmäßig freigegebenen Straßen unter Kontrolle
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(Nachdruck verboten.)
Das tanfendjähnge Ungarn.
Kndapest, im Januar 1896.
Tausend Jahre sind es in diesem Jahre, daß Arpüd an der Spitze seiner kriegerischen Schaarcn nach Ungarn kam und, die slavischen Völkerschaften von ihren Sitzen vertreibend, von diesem gesegnete» Lande Besitz nahm.
Die Urheimath der Ungarn breitete sich in Asien ans dem Gebiete nächst den Flüssen Unter-Jrtis und Ural ans, wo sie in der Nachbarschaft der ihnen verwandten finnungarischen und türkisch-tatarischen Völker hausten und von der Jagd, der Fischerei, vornehmlich aber von der Viehzucht lebten. Eine spätere Welle der Völkerwanderung warf die Ungarn gen Westen. Auf dieser Wanderung erst wurden sie eine Nation. Bis dahin waren sie unter besonderen Häuptern in sieben Nationen getheilt gewesen. Um den Anstürmen der sie umgebenden kriegerischen Völker leichter widerstehen zu können, vereinigten sich nun die sieben Stämme in dem neuen Vaterlande zwischen den Strömen Prnlh, Szereth und Dnjister und wählten Arpäd, den Sohn des weisesten der Führer, des bereits greisen Almos, zu ihrem Fürsten. Jedoch von den kriegerischen Petschegaten bedrängt, wanderten sie alsbald noch weiter westwärts und gelangten so nach dem heutigen Ungarn, in die von den Karpathen umkränzten, von der Donau und der Theiß durchströmten Ebenen. Da unterwarfen sie, wie eben angedeutet, die unter verschiedenen Fürsten lebenden slavischen Völker und, wo seit Jahrtausenden keine einheitliche Nation zu entstehen vermocht hatte, da begründeten sie in den Jahren 895 bis 896 nach Ehr. Geb. einen Staat.
Während ihrer Wanderschaft waren sie ans einem Hirtenvolk ein Kriegervolk gelvorden, das auf feinen schnellen Nossen und mit seinen gefürchteten Pfeilen bald auf allerlei "Raubzüge ansging. Aber die zwei verlorenen Schlachten bei Merseburg und Augsburg (933 und 955) ernüchterten sie und drängten sie auf den Pfad ruhiger Entwicklung, den Pfad westlicher Kultur. So werden sie ihrem altheidnischen Götzendienste untreu, verlassen ihre Natur-Gottheiten, denen sie im dunklen Dickicht, auf Bergeskämmen oder in von Quellen durchrauschten Hainen weiße Rosse geopfert, und beugen sich vor dem Christenthum.
Von da ab erst, da Arpüds Sproß, der nachmals heilig gesprochene Stephan, im Jahre 1000 als Apostel seine Nation bekehrt und aus der Hand des Papstes die Königs- krone erhält, beginnt die große Mission des Ungarn-Volkes.
Nachdem sein Nachfolger, der zweite heilige König Ladislaus I., noch ein neues Land: Kroatien erobert, erfüllte Ungarn znm ersten Mal seinen vielhundertjährigen Berus, im Schutze des eigenen Vaterlandes ein Wall der Christenheit zu sein gegen die heidnischen Völker des Ostens.
Ebenso wie gegen das deutsche und griechische Kaiserreich wehrte sich'das kleine Ungarvolk auch gegen Türken und Tataren und weiß seinen Bestand und seine Unabhängigkeit ebeusowohl unter den Arpüden, die bis 1301 regierten, wie unter den folgenden Anjoux zu behaupten.
Namentlich unter den letzteren nimmt Ungarn an Bevölkerung, Vermögen und Kultur einen großen Aufschwung. Es folgen Ludwig der Große, der den Besitzstand des Landes mächtig erweitert, und Sigismund, der, 1410 zum deutschen Kaiser gewählt, sich durch Johann Hunyadi der Türken erwehrt. Unter der Periode der Könige aus gemischten Häusern, die
nun anhebt, zerfällt das einst mächtige ungarische Reich in drei Theile, und Ferdinand von Habsburg, der erste König aus dem österreichischen Herrscherhause, muß mit den Türken und den siebenbürgischen Fürsten seine Herrschaft theileu.
Die Aera Habsburg, unter der auch die Lehren Luthers und Calvins ins Land bringen, gehört der neueren Geschichte an und ist als solche zu sehr bekannt, als daß hier eine Charakteristik von Nöthen wäre.
Unter diesem Herrscherhanse ist Ungarn zu jener hohen Entwicklung und kulturellen Bedeutung gelangt, der es sich heute erfreut und die cs ermöglicht, daß Ungarn sich bereit macht, dem In- und Auslände aus Anlaß seines tausendjährigen Bestandes seinen eivilisatorischen Fortschritt, die geistigen und volkswirthschaftlichen Verhältnisse des Landes in einer großartigen nationalen Millenniums-Ausstellung vor Augen zu führen.
Diese Ausstellung, die am 2. Mai 1896 von ihrem obersten Protektor, vom Kaiser-König Franz Joses, eröffnet wird, soll nicht nur eine großartige Schaustellung des ungarischen Handels und Gewerbes werden, sondern gleichzeitig die historische Entwicklung des Landes zur Anschauung bringen.
Zu diesem Behnfe sind die Hanptmomente der kulturellen Entwicklung Ungarns in einer eigenen historischen Ausstellung von der Landnahme an bis zum heutigen Tage nach geschichtlichen Epochen in großen künstlerischen Schöpfungen baulich dargestellt worden. Es sind dies drei große Gebäude-Gruppen, die eine im romantischen Stile mit den Baudenkmälern aus der Zeit der Arpaden, die andere mit den mittelalterlichen gothischen Ritterburgen aus der Aera der Könige aus den gemischten Häusern und
