2. SMge jiun Wiesda-ener Tagblatt
44. Jahrgang. 1896.
Mo. 41. Morgen-Ausgabe
Samstag, den 23. Januar,
1870.
1871.
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v. Krenski.
Aus Stadt und Land
Platz- mrd Kahnstrigirarle». Diejenigen beiden Nene- i im Personenverkehr auf den preußischen Staatseisenbahnen,
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— Zur Erinnerung. Es erschien der mit dem Bannflüche
heute Mittag die Festung.
Berlin, den 25. Januar 1871.
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Wiesbaden,25. Januar.
war am 25. Januar 1077, da des Papstes Gregor VII. belegte
allmähliche Umschreiben aller Schuldverpflichtungen der Krone, die in Händen von Privatpersonen sind, und dann kann unmittelbar zu der neuen Zeitrechnung übergegangen werden. Niemand wird dadurch geschädigt, eine Sache von größter Wichtigkeit wird aber durchgcsührt sein und der bloßstellende Kalenderfehler in Bergefsenheit gerathen.
* Afrika. Ans Durban wird gemeldet, daß vr. I am eso n und seine Offiziere am 21. d. M. dort eingetroffeu sind und sich sofort ans dem Dampfer „Victoria" via Snez-Kanal nach England eingeschifft haben (rcsp. als Gefangene eingeschifst worden sind. D.R.). — Wie den „Times" aus Kapstadt gemeldet wird, beginnt der Prozeß gegen die politische» Gefangene» i» Prätoria am 21. April. — Von englischer Seite ist wiederholt behauptet worden, daß Janiesons Truppe» nur deswegen unterlegen wären, weil Hunger und Strapazen sie kampfunfähig gemacht hatte», und weil sie ihrer 700 bi? 800 von einer Ueberzahl von 2000, nach anderen Berichten sogar 4000, Boeren umringt worden seien. Das sind einfache Uebertreibungen, mit denen man Jameson und feine Schaar zu Helden stempeln möchte. Die von den Truppen der Chortered Company ziirückgelegte Entfernung war 120 englische Meilen, und da der Marsch 50 Stunden in Anspruch nahm, so läßt sich gar nicht einfeljen, warum die Leute vollkommen ermattet auf dem Kampfplätze eingetroffen fein sollten, da doch die Boeren eine größere Entfernung in geringerer Zeit zurücklegten und vollständig leistungsfähig waren. Was nun das Zahlenverhältniß betrifft, io veröffentlicht der Londoner General-Konsul des Transvaals, Mr. White, eine ihm vom Staatssekretär in Prätoria zugegangene, offizielle Depesche, worin es heißt: „Zu Anfang des Gefechts am Mittwoch Mittag waren nicht einmal ganz 400 Bnrghers versammelt. Nach und nach stießen in der Ihnen bekannten gewohnten Weife kleine Abtheilnngeu von lO uiid 20 Mann zu ihnen. Jauiesons Beweguligen zwangen die BurgherS, Stellungen nach allen Seiten hin einzunehmen. Viele von ihnen koiiilten daher an dem eigentlichen Kampfe nicht theilnehmen, sodaß weniger als 400 Bnrghers Jameson zwangen, sich zu ergeben. Gegen Ende des Kampfes waren ungefähr 800 Bnrghers in der unmittelbaren Umgebung versammelt, während noch andere herbeieilten. Auf iinferer Seite wurden fünf Bnrghers gelobtet, davon waren 2 durch Zufall von Bnrghers er- schoffeu worden. Verwundet 3." So ist der wirkliche lind amtlich beglaubigte Thatbestaiid, und Die britische Tapferkeit hat sich wieder einmal als eitel Flunkerei erwiesen.
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entgegentritt, wünschen. Ader: „Wunsche un wolle
denn in der Provinz kümmert man sich um letztere, wenn man es überhaupt je gethan, schon seit geraumer Zeit nicht mehr.
Halbes „Lebenswende", dessen gleichgültiger, verworrener Inhalt nicht erst des Erzählens lohnt, krankt an denselben Fehlern, an denen die Stücke seiner näheren Genossen auf dem Parnaß meist schnell zu Grunde gingen: man kann für Handlung und Personen keine tiefere Theilnahme finden. Ich sehe ganz von den Studentenliebschafteu und den verbummelten Genies ab, die uns da vorgeführt tutb geschildert werden, das bühnenfähig zu finden oder völlig zu verwerfen, ist ja persönlicher Geschmack: nein, die Gestalten treten uns nicht menschlich näher, sie sind in vielen Einzelheiten auf das Getreueste der Wirklichkeit abgelauscht, aber sie sind nicht von warmem, innerem Leben erfüllt, wie auch das Ganze, gleich jenen Figuren, bloß ans lauter Einzelheiten besteht und uns, eben als Stückwerk, nicht zu fesseln, nicht fortzureißen vermag. Die Kunst des Dramatikers, die Kraft des Dichters fehlt, es sind photographische Arbeiten, aber keine künstlerischen Leistungen, und wenn jene Neuen, wie sie es oft genug gethan, hinausschrcien: „Wir wollen ja keine Dramatiker, wir wollen ja keine Dichter, wir wollen nur Lebensschiiderer sein", — so sagt jetzt das Publikum: „Nun gut, so bleibt unter Euch, wir kennen das reale Leben um uns herum, wir wollen einen Dramatiker, wir wollen einen Dichter habenI"
Und es hat ihn gestern von Neuem in Ernst v. Wilden- bruch gesunden, es wollte ihn finden, denn so nur erklärt sich die glückliche, behagliche Stimmung, die in dem Hause herrschte, ehe der Vorhang zum ersten Mal in die Höhe gegangen. Und nun nach den volltönenden Worten, den bewegenden Scenen, den geschickten Aktschlüssen — welch jubelnder, stürmischer, sich immer wieder erneuernder Beifall, der die Darsteller und den Dichter vier-, fünf-, fechsmal
* Deutsches Reich.
* Kerllir, 24. Januar. Das Cornitä für das Schnlze- Delitzfch-Denkmal hat befdjloffen, bas Denkmal — ein Staubbild — ans Marmor herzuftellen mit einem Postament ans Granit. Der Denkmalfoiibs beläuft sich zur Zeit auf mehr als 122,000 Mk.
Stelle treten; nein, nufer Theater-Publikum hat energisch und unzweideutig gezeigt, daß es dieser jüngsten und „allein seligmachenden" Nichtung herzlich überdrüssig ist, es will sich nicht mehr künstlich erwärmen für Gestalten und Geschichten aus der Berliner Boheme, die ihm völlig gleichgültig und im Grunde höchst zuwider sind, es will weder Schmutz und Verworfenheit auf der Bühne sehen, mit Absicht hiuanfgezerrt und mit Absicht recht breit getreten, noch auch Tendenz-Dramen ä la „Florian Geyer" und „Die Weber" haben, es ist endlich zur Einsicht gekommen, daß hinter der Kunst doch etwas Anderes steckt als der liebliche Berliner Straßcnjargon und die sogenannte Lcbenstreue mit den echten Bühnenrcquisitcn aus der Müll- kute und dem Rinnstein.
Mau wird sich später wundern, daß jene Einsicht so spät erst zu Tage trat, daß der Realismus längere Zeit hindurch seinen bestimmten Theil unseres Theaterlebens derart beeinflussen konnte; aber gerade in dem immer nach Veränderung haschenden großstädtischen Publikum erweckt ja alles „Neue" Interesse, und nach dem durchschlagenden Erfolge der Sudermannschen „Ehre" glaubte man, daß die junge Schule wirklich Bedeutsames und Dauerndes hervorbringen würde, und jetzt, wo man sieht, daß die so oft ausposaunte Ernte der Saat gar nicht entspricht, ist die Enttäuschung eint doppelt große und herbe und machte sich bei den letzten Stücken von Hauptmann und Halbe in schwer zu tadelnder Weise gewaltsam Stift. Diese wirklich kindisch zu nennende Empörung wird auch vorübergehen und wird einer völligen Gleichgültigkeit Platz machen; man wird die Theater, — es ist eigentlich nur noch das eine, das Deutsche —, welche noch ferner den „Ick"- und „Det"-Dramen einen Unterschlupf gewähren, einfach meiden, und damit ist das Schicksal der betreffenden Bühnen und ihrer Spezial-Dichter besiegelt,
168te Depesche
vom
Kriegs-Schauplatz.
Offizielle militärische Nachrichte».
Versailles, de» 24. Januar.
In dem Ausfall-Gefechte am 19. b. M. vor Paris betrug der diesseitige Verlust au Tobten, Verwunbeteii und Vermißten: 39 Offiziere, 616 Mann. Der Verlust des Feindes wird auf 6000 Mann geschätzt, da allein über 1000 vor der diesseitigen Front liegen gebliebene Tobte desselben konstatirl wurden. Gegen die Nord-Front von Paris find neue Batterieen auf nähere Distaneen in Thätigkeit getreten.
Abtheilungen der Süd-Armee haben südlich Besangon im Rücken der Bonrdakischen Armee den Doubs überschritten. 33 Eisenbahn-Wagen, zum Theil mit Proviant, find im Bahnhofe St. Vit genommen worden.
v. Podbielski.
Grandville, den 25. Januar, 3 Uhr 25 Milt.
Lougwy, feit 9 Tagen beschossen, hat soeben kapitulirt; 4000 Gefangene, 200 Geschütze genommen. Ich besetze
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Königliches Polizei-Präsidium, von Wurmb.
Lebtag noch nix gollel" sagt ber Bauer, und so Begehren denn alle die ins Pfefferland gewünschten liebel ruhig auf heimischer Erde weiter, und auch der Plackwinter wird bleiben, so lange eS ihm paßt. Warum die Landleute den gelinden Winter nicht mögen, das sagen folgende Baneriiregelu zur Genüge: „Je härter ber Januar, je besser wirb bas Jahr." — „Viel Frost unb Schnee im Januar, verspricht ein reich gesegnet Jahr." — „Ist ber Januar warm und naß, bann bleibt leer Scheuer unb Faß." — „Tanzen im Januar bie Mucken, muß der Bauer nach dem Futter gucken." — „Nichts ist gesünber, als ein kalter Winter, ein Frühling gelind, mit viel Wind, ein Sommer heiß, bann lohnt sich bet Schweiß." — Ma» verspricht sich eben vo» einem milbe» Winter nichts Gnies, doch fürchtet man weniger, baß sich seine Folge» bis auf ben Sommer erstrecken, als mau ben Nachwinter fürchtet, der denn auch nur allzu oft auf eine» anfangs milbe» Winter eintritt. Das hat uns auch bas Vorjahr gelehrt. Doch vielleicht haben die „ersahrenen Walbhüier" Recht, wen» sie meinen, aus bem gegenwärtigen Staub der Waldpflanzen einen bis ans Ende milden Winter prophezeien zu Dürfen; zu wünschen wäre es. Nun, sehen wir zu, wer Heuer Recht behält, bie Bauernregeln, die dabei beharren, auf einen schwachen Vorwinter folge ein strenger Nachwinter, ober bie Waldhüter, bk ba« Gegentheil Voraussagen. Offen geftanben, wir fürchten mehr bie Prophezeiungen ber Bauernregeln, als wir uns über bie ber Waldhüter Irene», trotzdem auch zahlreiche Beispiele für diese spreche».
— Falsche Fünfmar kscheine werden jetzt wieder mit mehr ober weniger Erfolg an ben Man» zu bringen gesucht. Zur Verhütung von Nachtheile» sei Darauf aufmerksam gemacht, daß bie Scheine au folgenben Merkmalen z» erkennen sind: Das Papier ist nicht gerippt, fühlt sich bünner an unb ist ca. zwei Millimeter schmäler als bas ber echten Scheine. Der Druck ist sehr schlecht ausgeführt. Als vorzügliches Erkennungszeichen bieiit ber Umstand, baß in ber Strafandrohung bas Wort „Wer" ganz undeutlich ist ober ganz fehlt.
rungtn im Personenverkehr auf ben preußischen Staatseisenbahnen, welche vom Publikum am meisten vermerkt werden, sind die besonderen Platzgebühren in v-Zügen und die Ba hustetg- gebühren. Nach dem Betriebsbericht der Staatsbahnverwaltung find im Jahre 1894/95, also vom 1. April 1894 bis 31. März 1895, im Ganzen 1,178,0W Platzkarten verkauft worden, wofür 1,831,113 Mk. erlöst wurden. Bahnsteigkarten wurde» nicht weniger als 9,649,060
Ausland.
* Nußland. In Rußland ist schon lange eine Bewegung tm Gange zur Einführung des gregorianischen Kalenders an Stelle ber jetzt um zwölf Tage zurückliegenden Zeitrechnung. In einem Neujahrsartikel beschäftigt sich bie „Nowoje Wremja" mit dieser Frage und schreibt darüber: Man bedenke, wohin man jetzt in zwölf Tagen mit den Blitzzüge» gelangen kann. Die sibirische Bahn wird fertig sein, und man wird daher den Eintritt des neuen Jahres tu Warschau astronomisch richtig feiern unb bann zu tinfenn veralteten Kalender-Neujahr an dem Ufer des Stillen Oceans fein können. Es ist leicht begreiflich, wie das die Rechnungen des Handels unb ber Industrie verwirrt, wie sehr es bei Reisen von Weste» »ach Osten unbequem ist, wen» man bei der Reise von Frankreich nach Japan sich in Rußland in einer tiefen Zeitgrube fühlt, deren westliche und östliche Maner zwölf Tage hoch ist. Die Unbegnemlichkeiten dieser Zeitgrube sind schon lange anerkannt worden. Mehrfach wurden Versuche zurVer- öeffening des Kalenders gemacht, jedesmal aber scheiterten sie an ber vorgefaßten Meinung, daß eine solche Maßnahme Aberglauben, Uuzusriebenheit unb religiösen Fanatismus im Volke erwecken würbe. Sind das nicht grundlose Besürchtungen, da die dunkle Volksniaffe auch jetzt sich nach Der Sonne richtet und das des Lesens kundige Volk, dessen Zahl mit jedem Jahre wächst, sehr wohl begreift, welche Schande es ist, nm zwölf Tage zuruckznbleiben nnd für sich das Privileg in Anspruch zu nehmen, unwissend und abergläubisch zu fein? Ganz andere Fehler find bei uns durch allerhöchsten Willen verbessert worden. Es bedarf nur einer halbjährigen Frist für das
deutsche Kaffer Heinrich IV. vor Canossa. Er erschien aller Seichen seiner Würde entkleidet, barfuß, im härenen Gewanbe, ohne bdach, ohne Speise und Trank, und drei Tage lang mußte er vor ben Thoren der Burg die Verzeihung des kirchliche» Oberhauptes erflehe». Es war der erste Fall, i« welchem der Kampf zwischen Kaiser und Papst öffentlich in die Erscheinung trat, und Die Völker Europas beachtete» De» Vorgang sehr wohl. Die Demüthigung des Kaisers war ganz dazu angethan, die Macht der Kirche und des Papstes ganz gewaltig zu heben.
— Parade. Wegen ber bei günstiger Witterung am Montag, den 27. Januar b. I., Mittags 12 Uhr, zur Feier bes Geburtstages Seiner Majestät des Kaisers unb Königs auf bem Kurfaalplatz ftattfinbenben Parade hiesiger Garnison ist ber Kursaalplatz von 11'/» Uhr Vormittags dis zur Beendigung der Parade für de» öffentlichen Verkehr gesperrt.
— Geuerai-zienteuant v. Memerty f. Am 24. Januar, 5V» Uhr Morgens, starb hierselbst im 82. Lebensjahre der General- Lieutenant z. D. Albert v. Memerty (Ritter des seltenen Ordens „pour le merite“ und noch vor Kurzem durch Verleihung des Kroneu-Orbeus I. Klaffe ausgezeichnet). Derselbe wurde am 8. Dezember 1814 als Sohn des Hauptmanns a. D. unb Gutsherrn v. Memerty am Damerkow in Pommern geboren unb trat am 8. März 1832 in bas 4. Greiiabier-Regimeut ein (jetziges Grenadier-Regiment König Friedrich II. [3. ostpreiißischesj Nr. 4). Er wurde im Jahr 1835 zum Sekonde-Lieuteuant, 1848 zum Premier- Lieutenant, 1852 zum Hauptmann und Compagnie-Ches befördert und während dieser Zeit vielfach in Kommaudos verwendet. Im Jahr 1858 wurde er Major und Kommandeur des 3. Bataillons 13. Landwehr-Regiments und im Jahr 1860 Kommandeur des Füsilier-Bataillons des 53. Infanterie-Regiments. 1863 unter Belassung in seiner Stellung zum Oberst-Lieutenant befördert, machte er ben Krieg gegen Dänemark mit (Düppel, Alfen). Nach bem FriebenSschluß würbe das Regiment nach Mainz verfetzt. Am 3. April 1865 wurde Oberst-Lieutenant v. M. zum Kommandeur des 4. ostpreußifcheu Greundier-NegimentS Nr. 5 in Danzig ernannt, nnd er machte in dieser Stellung beit Krieg gegen Oesterreich mit (am 8. Juni 1866 wurde M. zum Oberst befördert). Nach dem FriedenSfchluß kehrte das Regiment nach Danzig zurück. Sim 18. Juli 1870 wurde Oberst v. M. zum Kommandeur der
verkauft, wofür also 964,906 Mk. vereinnahmt wurden. Beide Neuerungen erbrachten mithin im Jahre 1894/95 zusammen bereits rund 2,796,000 Mk. Dieser Einnahmetitel ist im weiteren Steigen begriffen, ba sowohl bie Einrichtung von V-Zügen, als die Absperrung von Bahnhöfen in fortschreitendem Umfange betrieben wird.
3. Infanterie-Brigade ernannt unb am 26. Juli zum General-Major befördert. Seine Brigade nahm während des Krieges Theil an bett Gefechten östlich Metz (Colombey-Nouilly, Noiffeville :c.) unb rückte nach der am 26. Oktober erfolgten Uebcrgabe der Festung Metz auf Amiens vor,wo sie in ber ersten Schlacht ani26.November mitAuszeich- nung focht. Dann bilbete sie ben Kern ber Garnison von Amiens. Später nahm sie Theil an beit siegreichen Gefechten an ber Hallue (23. unb 24. Dezember) unb an der Berenuung ber Festung Psronne. In ber Schlacht von St. Quentin fommaiibirte General v. M. eine kombinirte Division, welche ben linken Flügel der bei genanntem Ort stehenden I. Armee zu decken hatte. Hier kam er in bie Lage, auf eigene Verantwortung bie Marschrichtung völlig zu äiibern, wo- burch er einem sehr gefährlichen Flankenangriff borbeugte. Er erhielt Dafür den Orden „pour le merite". Als ber dadurch hervorgemsene, siegreich geführte Kampf nahezu beendet war, traf ben in ber Fenerlinie haltenben General ein Geschoß, welches ihm ben rechten Oberschenkelknochen zerschmetterte. Die Heilung dieser schweren Wunde wurde durch die hiugebeudk Pflege feiner Gemablin ermöglicht, welche sofort nach empfangener Nachricht znm Kriegsschauplatz abreifte. Nach wiedererlangter Dienstfähigkeit wurde der General v. M. zum Kommandanten von Dauzig ernannt unb in dieser Stellung zum General-Lieutenant befördert. Im Jahre 1875 wurde er zur Allerhöchsten Disposition gestellt und siedelte mit feiner Familie nach Wiesbaden über. Vier Söhne des Entschlafenen gebären noch heute zur Armee, ein fünfter starb vor einigen Jahren in Homburg als Premier-Lieuteuautf int Füsilier-Regiment v. Gersdorff; eine Tochter ist an den Hauptmann der Landwehr unb Rittergutsbesitzer Schenther auf Kleinhof verheirathet. Der nun verstorbene General besaß eine sehr große Anzahl hoher unb niederer Kriegsverdienstordeu. Auch im Frieden war er von feinem oberste» Kriegsherrn durch hohe Orden ausgezeichnet worden, so am Gedenktage der Schlacht von Colombey, am 14. September v. I., durch Verleihung des Kroneu-Orbens 1. Klaffe. Die ÖrdenS- Defotatioiteii sind folgende: Rother Adler-Orden 2. Klasse mit Eichenlaub unb Schwertern am Ringe, Stern zn bemfelbcn, Rother Adler-Orben 3. Klaffe mit Schwertern unb Schleife, Rother Adler- Orden 4. Klaffe, Kronen-Orden 1. Klaffe, Orden pour le märite, Eisernes Kreuz 1. und 2. Klasse, Dienstkreuz, Mecklenburgischer Militärverbienstorden 1. Klasse (Kriegs-Auszeichnung), Russischer St. Annen-Orben 5. Klaffe unb die Denkmünzen für '1848/49, Alsenkreuz für 1864, für 1866 und für 1870/71.
— Pom Wetter. Wir haben gelindes Wetter — für diese Jahreszeit sogar sehr gelindes — das ist nicht zu läugnen. Vom rechten bärbeißigen Winter war bis jetzt wenig zu spüren; ein „Plackwinter" vertrat ihn bisher, ein Plackwinter, ber ben Schnee, ben er heute brachte, morgen schon wieder thanen ließ, der mit bem Regen nicht geizte unb ber es offenbar gut mit ben Armen meinte unb all ben Lebewesen, bie unter einem strengen Winter zu leiben haben. Trotz dieser Gutnüithigkeit aber sehen ihn Viele scheel au, unb namentlich bie Lanbwirthe wünschen ihn — wenn auch nicht gerabe zum Teufel, so doch zum Mindesten dorthin, „wo ber Pfeffer wächst", in jenes unglückliche Laub, in das sie und viele Andere alle Plagen, alle Schufte unb jebes Aergerniß, das ihnen
(Nachdruck verboten.)
Berliner Thealerbrief.
Das waren einmal zwei interessante Theaterabende, die M des Dienstag und Mittwoch! Sie spiegelten innerlich wie - äußerlich so recht die beiden Strömungen wieder, welche unsere s neueste Litteratur beherrschen: am Dienstag im „Deutschen r Theater" gelegentlich der Erstaufführung von Max Halbes s „Lebenswende" die Partei der jugendlichen Stürmer i und Dränger, am Mittwoch jene der Ruhigeren und s Besonnenen im „Berliner Theater" bei der Premiere S von Ernst v. Wildenbruchs „König Heinrich".
Lebhaft war in vielen Kreisen unserer Stadt, die E- sonst garnicht so besondere Theilnahme für Litteratur und | Kunst übrig haben, der (Streit der Meinungen, wem sich l von beiden dramaturgischen Kämpen die Palme des Sieges zuneigen würde — diese schwuren auf Halbe, jene auf | Wildenbruch, hier hielt man zur Fahne des Realismus, g. dort zu der des Idealismus, die Einen sagten den Anderen I eine gänzliche Niederlage voraus, und jede Partei war fest | davon überzeugt, daß ihr und nur ihr allein das „Victoria!" I erschallen würde.
t Nnn, um es gleich zu sagen: Wildenbruch ist der Sieger geblieben! Er hat am Mittwoch Abend einen seiner D schönsten und vollsten Erfolge errungen, die ihm, dem von M der Ruhmesgöttin ohnehin Bevorzugten, bisher zu Theil geworden sind. Max Halbes „Lebenswende" ist für den fr Verfasser und, was weit mehr bedeutet, für die [ Anhänger seiner Richtung zn einer schweren Schick- | salswende geworden. Nicht, weil das Stück, das k gänzlich abgefallen ist, wenig laugt, denn sein Autor kann l ja die Scharte, woran ich persönlich übrigens nicht glaube, ; bald wieder wett machen oder ein Anderer kann an feine
