SS. Januar-1896.
Mieslw-eirrr Tagvl«tt (M-»s-«-A««gal»-».
No. 37. Kette 15.
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Schriftsetzer
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|ic e®®llrtc“ S'escr "• Leserinnen werden freund liehst gebeten, bei allen Anfragen u. Bestellungen, welche sie auf '«mnil von Anzeigen im „W iesbadener Tagblatt«« machen, sich stets auf dasselbe beziehen zu wollen.
(11. Fortsetzung.)
N Frrtz um die Welt.
Reisebriefe von K. v. Ileugarte«.
(Nachdruck verboten.)
Der Weg von Merw nach Bairam-Ali führt auf seiner ganzen, 28 Werst betragenden Strecke durch einen öden, wenngleich nicht ganz unfruchtbaren Landstrich. Hin und wieder sieht man in weiter Entfernung die Zelte der Tcke-Turkmenen, Hunde- gebell deutet die Anwesenheit jener großen Schafsheerden au, die in der Nähe bewohnter Orte hier überall vorhanden sind, und auch einiges Wild, darunter Wölfe, Füchse, Antilopen, Stein- und Sandhühner trifft man an. Seitdem ich Merw verlassen habe, führte ich eine kleine, speziell für mich hergestellte Kugelbüchse mit mir, die in Anbetracht meiner bevorstehenden Reise durch Sibirien mir von den Offizieren eines in vorerwähnter Stadt stationirten KosakcuregimeutS als Andenken überreicht wurde. Dieses Gewehr ist ein Meisterstück in seiner Art, indem cs bei einem Gewicht von nur 5 Pfund eine Tragweite von über 300 Schritt entwickelt. Um einen Versuch anzustcllcn, legte ich während meiner nächtlichen Wanderung auf eine am Boden sitzende große Eule an. Dieser Umstand wurde zur Ursache eines originellen Abenteuers.
Der Schuß hallte durch die Nacht, ich hatte gefehlt und der Vogel erhob sich. Statt seiner stand jedoch plötzlich ein größerer, vierfüßiger dunkler Gegenstand vor mir, der Anstalten zu machen schien, sich zu nähern. Unerhört war es freilich, daß nach einem gefallenen Schuß irgend ein Raubthicr es wagen sollte, mich anzugreifen, nichtsdestoweniger schob ich jedoch schleunigst eine neue Patrone in den Lauf und beschloß bei der ersten verdächtigen Be- wegmig zu feuer». Der unheimliche Gegenstand, der bis hierzu eine Distanz von ca. 50 — 60 Schritt cingchalten hat, beginnt sich mir zu nähern; ich hebe die Büchse. Da vernehme ich plötzlich hinter mir ein heftiges Laufen, ich wende den Kopf und sehe einen großen weißen Hund in weiten Sprüngen auf niich zueilen. Ich mußte laut auflachen, als nun auch das schwarze Gespenst seinerseits sich als ein freundlich wedelnder Jagdhund entpuppte, der zusammen mit seinem weiße» Geführten sich offenbar verlaufen halte, und hinfort die größte Bereitwilligkeit kundthat an meiner Seite zu bleiben. Leider mußte ich mich schon in Keltschi beider Genossen entledigen, da sie sich auf dem glühenden steinharten Boden die Läufe derartig beschädigt hatten, daß sie schlechterdings nicht weiter „marschiren" fomtu».
Gleich nach 7 Uhr Morgens traf ich in Bairam-Ali ein, wo
ich mich durch ein kaltes Bad erfrischte und hernach eine Exkursion in die Ruinen unternahm.
Die Eisenbahnstation Bairam-Ali wird von allen Seiten von Trümmern ehemaliger Stadtmauern, Moscheen und Wohnhäusern umringt, die einen Flüchenraum von 104 Quadratwerst einnehmen, und wenngleich auch weit hinter mehreren Ruinenstätten in Persien zurückstehen, so doch durch ihren hohen historischen Werth und als leicht zugänglich sich einen Namen erworben haben.
Ich lasse ganz kurz einige historische Daten folgen, vordem ich zu einer gedrängten Schilderung schreite. Die ersten Nachrichten über Merw erhalten wir durch den persischen Gesetzgeber Zoroaster (2500 Jahre v. Ehr.), der dasselbe, was Pracht und Reichlhum anbelangt, den Städten Balcha und Hera zur Seite stellt. Dann wird im achten, sechsten, vierten und dritten Jahrhundert (v. Ehr.) wiederum durch persische Geschichtschreiber derselben gedacht, worauf sie quasi in Vergessenheit geräth, um erst im Jahre (420 n. Ehr.) als Residenz eines nestorianischen (christlichen) Metropoliten und als Heimstätte einer Anzahl von Missionären genannt zu werden. Im VII. Jahrhundert erheben die arabischen Heerführer Mohallab und Kutalba das alte Merw zum Kalifat; Kunst und Wissenschaft finden dort ein Asyl, Observatorien und Bibliotheken, an denen Christen als Lehre, thatig sind, werden ins Leben gerufen, und selbst Plato, Aristoteles und Hyppokrat wurden hier ins Syrische übertragen^ Das war eine Zeit, wo Merw einen Weltruf genoß. Dann noch einmal im XII. Jahrhundert unter Sultan Sandshar erwähnt die Geschichte dieser Stadt als eines Ortes voll herrlicher Bauten dann wird sie im Jahre 1219 durch Tuli-Chan, den Sohn de8 Tschmgis-Chan, zerstört, wobei angeblich 1,300,000 Menschen (nach persischen und arabischen Quellen) hingeschlachtet werden und nach einigen Versuchen, sie herzustellen, fällt sie endgiltig im Jahre 1795 öon den Bucharen vernichtet, um hernach als Trümmerstätte volle neunzig Jahre den räuberischen Teki-Turkmenen zum Schlupf» toin% 3« dienen Außer durch griechische, werden auch but& arabische Mltthe,langen die Nachrichten bestätigt, daß auch Alexander der Große es sich angelegen sein ließ, nach der dmch ihn erfolgten Eroberung von Merw, die Stadt anzubauen uZ zu ver;chönern.
Wendet man sich nun von der Station Bairam-Mi nach
