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5. Mage jnm Wiesbadener Tagblatt

44. Jahrgang. 1896

Uo. 33. Morgen-Ausgabe

Dienstag, den 21. Januar.

1870.

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St. Quentin, den 20. Januar.

tz. Land.

Vorurtkeile.

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Der schrvärzcste aller Vasallen der englischen Krone ver­steht und spricht die Sprache seiner Obcrlehnshcrrin nicht, könnte er aber die Magazine lesen, die in London ver­öffentlicht werden, so dürfte er erkennen, daß unter Den­jenigen, deren Loos er beklagt, sich eine Menge befinden, welche dem von ihm befürworteten Gesetz den schärfsten Widerstand entgegensetzen würden. Durch König Khaina vielleicht auf den Gedanken gebracht, veranstaltete eins der hiesigen Journale kürzlich eine Art Plebiszit, aller­dings nur unter den wirklichen Bewohnern Großbritanniens, um deren Ansicht darüber zu erfahren, ob eine Frau ihren Gatten anbeten solle. Eine wahre Fluth von entrüsteten Antworten brach über den kühnen Fragesteller herein. Im grauen Alterthum, so schreibt eine junge Gelehrte, sind Schlangen, Krokodile und selbst Spinnen als Götter verehrt worden. Die erste Frau, welche eine Spinne anbetete, muß ungefähr vom gleichen intellektuellen Kaliber gewesen sein, als eine, bie einen Mann unserer Tage nnbetet. Sie, die Schreiberin, würde, vor die Wahl gestellt, noch der elfteren Geistesverwirrung den Vorzug geben. In ähnlicher Weise, wenn auch in weniger schroffer Form, drückten sich die anderen new women aus, und alle erklärten einstimmig, daß die Frau nicht nur in dem Manne keinen Gott sehen könne, weil sie ihm eben­bürtig, sondern weil sie ihm überlegen sei. Weshalb läßt z. B. bei einem Schiffbruch der Kapitän die Frauen zuerst in die Rettungsboote steigen? Weil er fühlt, daß sie die höheren Wesen sind, die der Welt zu erhalten vor Allem geboten erscheint. Früher ist all Dies instinktiv geschehen, jetzt sei aber die Menschheit zu der Einsicht gekommen, daß sowohl in Bezug auf die geistigen als die moralischen Eigen­schaften die Frau den Mann weit überrage; wenn aber Jemand ein unter ihm stehendes Geschöpf anbetet, so würdigt er sich herab.

Es ist nur erstaunlich, daß bei dieser Erkenutuiß ihrer

und Gemülh, welche das geeinigte Deutschland aus dem Chaos der winzigen Fürstenthümer erstehen ließen, hier ans» helfen, alle Schwierigkeiten zu überwinden, welche in feiner neuen Stellung erwachsen. Deutschland hat während der vergangenen 25 Jahre seinen hervorragenden Platz in der Welt würdig behauptet. Des Kaisers Behauptung, Deutschland sei ein Bollwerk des Friedens gewesen, ist keine leere Prahlerei. So lange Deutschland bei der Verfolgung seiner Jnteresseu und seines Ehrgeizes den Rechten Anderer die schuldige Rücksicht erweist, wird es die Zuneigung und Freundschaft der englische» Volkes haben. —-

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(Nachdruck verboten.)

New women.

London, 18. Januar.

Ms König Khama, der Herrscher von Bcchuanaland, England kürzlich mit einem Besuch beehrte, sollen es besonders zwei Dinge gewesen fein, welche sein höchstes Erstaunen erregten. Die Schönheit, das leuchtende Grün der Rasen­flächen und — die große Anzahl alter Jungfern. Für crstrre hegte er nichts als Bewunderung, sie erschienen ihm als das erstrebcnswertheste Produkt der modernen Civili- sation, eine staatliche Einrichtung jedoch, die es zuläßt, daß so viele weibliche Wesen unvermählt ihren Erdenweg wandeln, : flößte ihm nur geringe Achtung ein. Daß eine so mächtige Monarchin, wie die Königin Vietoria, dies ruhig mitnnsieht und daß in einem Reich, welches von einer Frau beherrscht wird, etwas Derartiges Vorkommen kann, erschien ihm unbegreiflich. In seinem Lande giebt es keine Fraucn- L frage, und er erklärte, falls er Großbritannien regierte, die­selbe unverzüglich lösen zu können.

Alte Jungfern sind eine Institution, welche iu Bechuana- Ifliib absolut unbekannt ist. Sobald die kleinen Negerinnen das dreizehnte Jahr zurückgelegt haben, werden sie aus höheren Befehl verhcirathet, und alle hegten für ihre L Gatten eine anbetende Liebe. Das Einzige, was sie als Gegenleistung verlangten, ist die tägliche Nahrung, sowie von Zeit zu Zeit einige Stockhiebe, was ihrer Eigenliebe schmeichelt, dlNske Eifersucht als Grund für dieselben voraus- i setzen. In England, wo die Mädchen sich später entwickelten, ' könnte man ja, so meinte König Khama, den Zeitpunkt der Verehelichung um 2 bis 3 Jahre hinausschieben und viel­leicht auch den Stock bei Seite lassen, dem die britischen Anschauungen nicht hold zu fein scheinen, aber die frühe und obligatorische Ehe sei absolut geboten.

Politische Tages-Rnndscha«.

— AusKopenhagen, 15. Januar, wird uns geschrieben: Das kaiserlich russische Ehepaar und die Kaiserin Wittwe werden mindestens 2 Monate als Gäste unseres Königs­hauses auf dem Schlosse Fredeusborg veriveilen, wohin sie sich Ende August auf der neuen Aacht „Standard" begeben wollen, die auf der hiesigen Werft von Barmeister u. Main beinahe fertiggestellt ist. Nach den jedenfalls sehr er­müdenden Krönungsfeierlichkciten soll dieser Anfcnthalt ihnen zur Erholung dienen, und deshalb liegt es auch nicht in ihrer Absicht, irgend welche offiziellen Besuche während 1896 an einem anderen Hofe zu machen. (Dem widerspricht eine Depesche in der Abeudnummer vom Samstag. D. R.) Die Franzosen beabsichtigen die Anwesenheit des Czareu zu einer Demonstration zu benutzen, indem sie dann ein Geschwader hersenden wollen, das Nikolaus II. zu besichtigen kaum unterlassen! könnte. Es erscheint indeß sehr fraglich, ob dieser wünscht, seine Freundschaft für die Republik noch mehr als früher öffent­lich zu bethätigen, so daß der Abstecher vielleicht unterbleibt. Jedenfalls ist entgegen dem, was von franzosenfrenndlicher Seite hier behauptet wird, die Ansicht des russischen Kaisers bisher nicht eingeholt worden.

— England und Frankreich. Unser Londoner n-Korrespondeut schreibt uns vom 16. ds.: Zur Unterstützung der Nachricht von der angeblichen Annäherung au Frankreich wird hier auf die Verständigung mit England über die Differenzen in Siam hingewiesen und daß erstere Macht bei der Erledigung derselben bedeutendeZugeständuisse gemacht habe. Ans der besten Quelle erfahre ich aber, daß ein bindender Vertrag bisher überhaupt nicht abgeschlossen ist und daß das betreffende Arrangement bereits Anfang Dezember entworfen gewesen, bevor die Transvaalfrage überhaupt anf- getaucht war. Frankreich hat bei dieser Gelegenheit auch kein Haar breit uachgegebcn, sondern nicht nur das erreicht, was cs stets verlangt, nämlich den Fluß Mekong als Grenze, sondern auch das Aufgebe» der Forderung Englands, einen Pufferstaat dort herznstellen. Mau hatte hier, da die Repu­blik nun einmal nicht nachgebe» wollte, auf einmal erkannt, daß die ganze Angelegenheit keinen wirklichen Werth für Großbritannien besitze, trotzdem besonders die englische Presse seiner Zeit, d. h. im Sommer 1893, sofort bei der Hand war, mit einem Kriege zu drohen, und Lord Rosebery cbin* falls erklärte, er würde derartige Forderungen Frankreichs „niemals" bewilligen können.

Ueberlegcnheit die new women cs bisher als einen so großen Fortschritt betrachten, in ihrem Wesen, ihrer Kleidung, ihren Gewohnheiten sich den männlichen Tyrannen zu nähern. Weshalb rauchen sie Cigaretten, benutzen sie mit solcher Vorliebe das Fahrrad, wünschen sie das weibliche Kostüm durch Rock und Pantalon zu ersetzen? Die Nachahmung ist be­kanntlich die zarteste Form der Schmeichelei, man sucht nur Diejenigen zu imitiren, welche man bewundert. Die „moderne Fran" behauptet, sie müsse auch durch äußere Zeichen anbeuten, baß sie sich von ber einstigen Sklaverei befreit hat; wenn sie aber dazu Dinge wählt, bereu ihr früherer Kerkermeister sich längst bedient, so zeigt sie doch damit, daß er vor ihr zu einer Erkenntnis; gelangt ist, die ihr erst seit einigen Jahren aufgegangen.

Nicht unsere Generation ist es ja übrigens, welche zuerst in manchen Frauenköpfen die Idee geboren hat, daß sie mit aller Macht die Schranken zerbrechen müssen, die ihnen an­geblich nicht die Natur, sondern die Willkür des Mannes gesetzt; auch in der vorhergehenden hatte sich dieselbe schon Bahn gebrochen und war in viel schlimmerer Weise zum Ausdruck gekommen. Damals erklärten die Emünzi- pirien den Moralgesetzen den Krieg und glaubten ihre Unabhängigkeit zu beweisen, indem sie sich über dieselben hinwegsetzten; heut sind es die sozialen und poli­tischen Verhältnisse, gegen die die moderne Frau kämpft; das Programm der neuen Schule ist ein viel umfassenderes, aber ein weit weniger gefährliches. Nur auf der Bühne und besonders in den Jbsenschcu Dramen begegnet man jetzt den Unverstandenen, die da glauben, jeder Pflicht über­hoben zu sein, um sich aus-, d. h. ihren Leidenschaften zu leben; die now women behaupten, daß die Gesellschaft sie hindere, ihre Intelligenz voll zu entwickeln, aber sie zählen bie weibliche Tugend nicht unter bie über Bord zn werfenden

Dettlings stimmen zum Inbiliinmstag.

Dem 18. Januar widmen fast alle deutschen Zeitungen nebst Festgedichten und historischen Erinnerungen auch große Festartikel an leitender Stelle, die meist auch einen Rückblick aus die letzten 25 Jahre geben. So schreibt die „Kölnische Zeitung":

Die Erfüllung eines heiße», lang gehegten Wunsches bringt saft immer eine gewisse Ernüchterung mit sich. Der zwischen Hoffnung und Furcht schwankende Freier ist idealer veranlagt, als der behäbige Ehemann. So will es uns scheinen, daß auch das deutsche Volk, als die der Einigung vorausgehenden Kämpfe es durchbebten, in mancher Hinsicht von höherer Denkungsart gewesen sei, als es jetzt nach Erreichung seines hohen Zieles ist. Handel, Verkehr und Wohlstand haben sich in großartiger Weise gehoben, allein Diejenigen, die nach dem französischen Kriege einen allgemeinen Ausschwung, ein gemeinsames, freudiges Streben auch auf geistigem Gebiete erhofften, sind enttäuscht worden. Aber wenn auch die materiellen Interessen im Vordergrund stehen, so haben wir doch den festen Glauben, daß in de» Tiefe» der Volksseele ein warmes Gefühl lebt, mag es gleich vor dem kalt geschäftigen Treiben des Alltags sich scheu verbergen.

Die„Hamburger Nachrichten" betonen die Festigkeit des nationalen Baues. Was mit dieser Wiedergeburt von Kaiser und Reich für unsere nationale Entwickelung, für die Macht, Würde und Wohlfahrt unseres Vaterlandes gewonnen war, das bot die denkbar beste Garantie des Bestandes »nd Gedeihens für die Zukunft und die Erfahrungen des ersten Vierteljahrhunderts, das feit der Gründung des Reiches verstrichen ist, haben uns von der Festigkeit des großen nationalen Baues überzeugt, der heute vor 25 Jahren seine höchste Weihe erhielt. Wir fühlen, daß er fest und sicher von Meisterhand auf dem Fundamente errichtet ist, dem eine unvergleichliche Staatskunst in langer, mühevoller und

Deutsches Deich.

* Kenervestnitung. lieber bie Fortschritte, welche die Be­strebungen um Einführung der fakultativen Feuerbestattung int ver­stossene» Jahre in Deutschland gemacht haben, berichtete in der neulichen Generalversammlung des Berliner „Vereins für Feuer­bestattung" der Vorsitzende, Stadtverordlieter E. Matterne. Während Preuße» immer noch aus seinem ablehnenden Staiidpunkt verharrt, bat nach dem Vorgänge von Sachsen-Kob»rg-Gotha, Baden und Bamburg nunmehr auch ein vierter deutscher Bundesstaat, nämlich achseu-Weimar-Eisenach, formell seine Zustimmung zur Eiiisührung der fakultativen Fenerbestattiing ausgesprochen. In Apolda und Jena könne» neue Krematorien errichtet werde». Auch der württem- bcrgische Landtag bat nach eingehenden Debatten sich für die fakultative Feuerbestattung ausgesprochen. Dem Berliner Magistrat ist ans seine unter dem 16. März an den Minister des Innern gerichtete Petition um Freigabe der sogenannten Secirleichen für die

schwieriger Vorarbeit alle bie Festigkeit verliehen hatte, deren es be­durfte, um den neuen Ban zu tragen und ihn, wenn Sturm und Wetter tosten, gegen unterirdische Erschütterungen zu sichern. Unter der Versailler Versammlung von Fürsten, Staatsmännern und Generalen, bie sich heute vor 25 Jahren um Kaiser Wilhelm I. fchaarten und ihm begeistert znjubelten, war wohl fein Einziger, der es für möglich gehalten hätte, daß wir uns ber Wieder­errichtung des deutschen Kaiserthunis auch nur fünf Jahre in Frieden zn erfreuen haben würden, ohne genöthigt zu werden, das so schwer Errungene in einem Kriege zu vertheidigen. Aber der mächtig aufgerichtete Ban des Deutschen Reiches, beffeu gewaltiges Gefüge das staunende Ausland im Werden hatte er­kennen können, erwies sich als heilsam abschreckend, und so gelang es dem großen Meister, das von seiner Hand gebaute Haus nicht nur auf 5, sondern auf 20 Jahre hinaus vor Erschütterungen durch Sturm und Wetter zu bewahren, und als er es anderer Obhut anvertraueu mußte, da war fein Ansehen und feine Macht so be­festigt, daß sie nicht so leicht mehr ins Wanken gerathen konnten, selbst wenn Fehler gemacht mürbe.

Die „Kreuz-Zeitn ng" warnt, sich von den Tageskämpsen beirren zu lassen. Die Freude an dem, was wir errungen haben und was nun doch, Gott fei cs gedankt, besteht, wird nur gestört, wenn wir vom wüsten Parteigezänk der Gegenwart umtobt, auf die Ideale rückwärts blicken, bie uns nm „jungen Morgen" vorgeschwebt. Allein so uiiergnicklich biejer Haber ist, so sehr wir dadurch ail- gemibert werden, so trübe Eindrücke er uns nur zu häufig hinter­läßt, der Zug geht doch nach oben. Wir meinen eben, einen anderen Weg giebt es' hier nicht, weil es Gegensätze zn überwinden gilt, die nicht künstlich geschaffen worden sind, sondern in der Natnr ber Dinge selbst, in dem innersten Bedürsniß der Natur iuie in den Voraussetzungen ihres geschichtlichen Werdeganges ronrjelu.

Die freisinnigen Blätter bemängeln den erhofften freiheitlichen Ansbau des Reiches. So meint die „Freisinnige Ztg.": „Ans eigener Kraft hat das deutsche Volk in stetiger und harter Arbeit in 25 Friedensjahre» es vennocht, bie Lebenslage aller Klassen ber Bevölkerung, nicht zu in miiibeften auch ber Arbeiter, erheblich zn Berbeffern. Auch das Geistesleben ber Nation hat in Kunst und Wissenschaft in ebenbürtigem Wettkampfe mit allen anderen Nationen Erfolge erzielt, würdig der deutschen Geistesheroen in der Ver­gangenheit. Die Neichsgewolt dagegen Hot nach Innen mit nichten den Erwartnngen und Hoffnungen entsprochen, welche vor 25 Jahren an ihre Stärkung und Ausbreitung geknüpst wurden. Zwar die Opfer, welche das Volk au Gut und Blut, an Steuer« und Militärlasten für das Reich zu bringen hat, sind fortgesetzt gesteigert worden. Aber die neuere Reichsgesetzgebung hat sich auf großen Gebieten nicht förderlich erwiesen, um dein Volke die Auf­bringung dieser Lasten und den Fortschritt in Wohlfahrt und Bildung zu erleichtern. Im Gegentheil sind in mancher Beziehung die Grundlagen der Gesetzgebung des Norddeutschen Bundes ge­schmälert ober gar ins Gegentheil verkehrt worden.

Das sozialdemokratische Hauptorgan, der „V o r w ä rt s", ergießt natürlich ein volles Maß von Spott über den Jnbiläumstag. Das Volk habe mit der Gründung des Reiches nichts zu thun. ES sei eine dicke Lüge, daß dieses Reich bie Ibeale ber Nation erfüllt habe. Nur bis zum Junker- und Polizeisozialismus hätten wir es gebracht. Das bürgerliche Gesetzbuch sei ein Berg Makulatur; ein würbiges Denkmal der Zustände in den Reichslaiiden seien bie wuchtigen Anklagen gegen das Deutsche Reich, das ihnen nur Steuern und Polizeidrnck gebracht.

Die demokratische „Volks-Zeitung" meint: Die Idealisten, bie Jahrzehnte lang im Anblick der kleinstaatlichen Misere in den Zeiten des berüchtigten Bundestages und der nicht minder be­rüchtigten „heiligen Allianz", den Glauben genährt hotten, aus der benlschen Einheit werde die deutsche Freiheit entsprießen, wie mürben sie heute vor Zorn und Scham erröthen, lebten sie auf und könnten sie sich überzeugen, was für — Ideologen sie gewesen 1 Den Schluß bildet eine Aufforderung, freisinniger Wähler zu werde». Wähle im Sinne des politischen Fortschritts gegen die Reaktion. Und nach aber 25 Jahren wird es schöner, lichter sein im deutschen Vaterlanbel Nicht mehr gehe die Bahn bergab, sondern bergauf!

Paris, 20. Januar. Der „Teinps" schreibt: Anläßlich ber Jubelfeier in Deutschland acceptirt Frankreich bei allen Vor­behalten betreff« seines unverjährbaren Rechtes auf bie ihm ent­rissenen Provinzen nichtsdestowemger loyal und ohne Hintergedanke» die germanische Einheit des Deutschen Reiches. Man muß übrigens gestehe», daß Kaiser Wilhelm sich zu bemühe» scheint, uns die Achtung der Reichseinheit zu erleichtern, luenii er, wie bei ber gestrigen Jubelfeier, anstatt schmerzliche Erinuerungen hervorzuheben und schlecht vernarbte Wnnben zn öffnen, die koloniale Ausdehnung des Reiches betont und dem ©realer Britain ein größeres Deutsch­land gegenüber stellt.

London, 20. Januar. Die „Times" sagen in ihrem Leitartikel über die deutsche Jubelfeier: Die Differenzen, welche England mit Deutschland haben mag, können England nicht abhalte», Deutschlands Vorzügen den Tribut der Bewiuiderung zu zollen. Zweifellos werden biefelbeii edle» Eigenschafteil von Herz, Hand

$ Erste Armee hat gestern einen glänzeiiden Sieg bei A St. Qnenliu erfochten; hieran betheiligten sich außer A Truppen ber I. Armee Truppen bes sächsische» Generals a Gras Lippe. St. Qiientin am Abend besetzt, nachdem das 1 19. Regiment von ber Division des Prinzen Albrecht den * Bahnhof mit Sturm genommen. Mehrfache glückliche {p Kavallerie-Attacken. 6 Geschütze und etwa 10,000 nuver- ® mundete Gefangene genommen. Ueberoll Zeichen ber Ä größten Auflösung ber feindlichen Armee. Unser Verlust X noch nicht konstatirt, ber der Franzosen viel größer.

£ v. Sperling.

9? Berlin, den 21. Januar 1871.

x Königliches Polizei-Präsidium»

k von Wurmb.

164te Depesche

vom

Kriegs-Schauplatz.

Offizielle militärische Nachrichten.

Versailles, den 20. Januar. Der Kaiser n Königin in Berlin.

General v. (Soeben hat noch gestern Abend nach dem Sturme des Eifenbahnhofes durch da« 19. Regiment St. Quentin durch die Division Prinz Albrecht Sohn und eine Brigade des 8. Corps besetzt und den nach Norden und Oste» zersprengte» Feind heute verfolgt. — Hier ist bis jetzt, 2 Uhr, Alles still; bie Truppen stehen aber gegenseitig in Position. Wilhelm.

Versailles, den 20. Januar.

General v. (Soeben meldet: Noch am Abend des 19. wurde der Bahnhof von St. Quentin von den diesseitigen Truppen erstürmt und demnächst die Stadt selbst besetzt. In berfelbeu wurde» 2000 Verwundete des Feindes vor- gefunde»; außerdem hatte sich bis zum Morgen des 20. die Zahl der in unsere Hände gefallenen unverwundeten Gefangenen auf 7000 vermehrt. 6 Geschütze waren ge­nommen worden. — Diesseitiger Verlust vor Paris am 19. wird auf etwa 400 Mann geschätzt. Der Verlust des Feiiides war so bedeutend, daß derselbe um einen 48-stündigen Waffenstillstand nachfnchte. 500 Mann des Gegner« wurden gefangen. v. Podbielski.