^Beilage 51111t Wiesbadener Tagblatt
Uo. 31. Morgen-Airsgabe
Sonntag, -en 19. Januar.
44 Jahrgang. 1896.
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II. Armee wurde am 19. Tours
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und greift gewiß heute wieder an. Berlin, den 20. Januar 1871.
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General v. Werder hat die Verfolgung der Armee Bourbakis unter glücklichen Gefechten begonnen.
Die I. Armee warf am 18. vorgeschobene Abtheilungeu der Nord-Armee von Beanvois auf St. Quentin zurück, wobei der Feind 1 Geschütz und 500 unverwundete Gefangene verlor. Aui 19. griff General v. Goeben die französische Stord-Nrmee in ihrer Stellung vor St. Quentin au. warf fit in 7stüudiger Schlacht aus allen Positionen und nach hartnäckigem Kampfe nach St. Quentin hinein. Bis jetzt konstatirt: 2 Geschütze im Feuer genommen, über 4000 un-
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Königliches Polizei-Präsidium,
von Wurmb.
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163te Depesche.
Versailles, den 20. Januar.
Der Kaiserin Königin in Berlin.
General v. Goeben hat gestern vor St. Qilcutin den Feind abermals geschlagen, in die Stadt hineingeworfen und will ihn heute verfolgen. So sind also alle drei Armeen zur Entsetzung von Paris geschlagen. Der gestrige Ausfall war stark an Truppen, ohne Erfolg, doch steht der Feind noch außerhalb Paris in der Ebene vom Mont Valörien
— Krirgsrriunrruug einte 80rre. Die ersteNachtrags- Lieferuilg zu dem interessanten Werke Kriegs-Erinnernngen: .Wie wir unser Eisern Kreuz erwarben!" (Berlin, Leipzig, Deutsches Verlagshans Bong n.Co.) bringt unter dem Titel: „Du schießen gut, kleines Kerl!" folgende Feldzugs-Erinnerung eines nassauischen LaudsniauneS: „„Du bist ein guter Schütze! Wenn ich lebend aus der Schlachl komme, werde ich Deinem Negimente melden, wie ruhig und brav ich Dich eben gesehen habe!" Das sagte mir am 6. August ein Offizier vom 50. Regimcnte, als wir zufällig an der Lifiere des Niederwaldes zusammentrafen, — zufällig, denn ich war vom 80. und vom 9. Corps und war da ganz allein zur"' geblieben." Der Schuhmacher Klärner aus Limburg a. L. .. zählte das so beiläufig, während ich mir bei ihm Maß nehmen ließ und nachdem ich ihn gefragt, wie er denn zum Eisernen Kreuze ge- kommen. „Wie kam denn der Offizier zu der lobenden Aeußerung?" fragte ich den Meister weiter, .bitte erzählen Sie mir davon!'
des Deutschen Reichs aus und theilte demselben zugleich den Beschluß mit, zur bleibenden Erinnerung an sein unvergeßliches Wirken für Kaiser und Reich das Bildniß des Fürsten in ganzer Figur in Lebensgröße malen zu lassen, sowie demselben einen Ehrenplatz im Reichskanzlerpalais anzuweisen. Dem Ministerpräsidenten Freiherrn v. Mittnacht wurde die Marmorbüste Kaiser Wilhelms des Ersten, dem Staatssekretär v. Stephan die Büste des Kaiser« verliehen. Der nengestiftete W i l h e lm s o r d e u ist ferner Gch.-RathHinzpcter, Pastor Bodelschwingh-Bielefcld, Fabrikbesitzer Brandts-Müncheu-GIadbach und den Fabrikanten Schlittgen-Marieuhütte verliehen. Verliehen find der Schwarze Adlerorden an dieStaatsminister a. D. Camp- hausen und Delbrück, die Kelle zum Großkreuz des Rothen Adlerordens an Staatsminister a. D. Hoffmann, das Großkreuz des Rothen Adlcrordens an Staat-Minister Grafen Bray-Stcinburg- Müiicheu, der Rothe Adlerorden 2. Klasse mit Eichenlaub, Krone und L-teru an Geheime Rath Krupp-Essen, der Rothe Adlerorden 2. Klasse mit Krone an Grasen Douglas, das Kontturkreuz de« Hohcuzollernordens nn Professor v. Werner. Ferner wurde Admiral Knorr in den erblichen Ädelstauü erhoben. Außerdem wurden einer großen Anzahl aktiver, sowie zur Disposition stehender Generale der erbliche Adelsstand, bezw. hohe Ordensauszeichuungen verliehen.
Karlsruhe, 18. Januar. Ein gleicher Gnadenerlaß wie für Preußen wird Seitens des Großberzogs im badischen „Staats- Anzetger" bekannt gegeben. — Eine Versammlung in der Festhalle zur tyeici' der Kaiser-Proklamation sandte folgendes Telegramm an bett Fürsten Bismarck: „Bei der heutigen Feier der 25-jahrtgen Wiederkehr des Tages der Kaiser-Proklamation entbietet die zahlreich versammelte Bürgerschaft der Haupt- und Residenzstadt Karlsruhe dem ersten Kanzler des nenerslandenen Reiches in dankbarer Empfindung dessen, was er um die Einigung und Wiederher,tellnng des Vaterlandes Große« vollbracht hat, ehrfurchtsvollen Gruß." Der Verlesung dieses Telegramms folgte ein donnerndes Hoch auf den Altreichskanzler und endloser Jubel und Hände- klatschen._________________________
Politische Tages-Rund schon.
— Der Entwurf eines bürgerlichen Gesetzbuches ist vorgestern vom Reichskanzler im Reichslag eingebracht worden. Es war die Rede davon gewesen, daß für gestern, als den GründungLtag des Reiches, eine Sitzung eigens zu dem Zweck der Entgegennahme dieser hoch- bedeutsamen Vorlage auboraumt werden solle. Aber die Mitlheilnng des Kanzlers hätte nicht eindrucksvoller sein können, als vorgestern, wo sie unerwartet und in unmittelbarem Anschluß an den Appell erfolgte, mit dem Herr v. Bennigsen die Parteien ausforderle, sich aus dem Gewühle des Jnteressenstreitcs zur Höhe patriotischer Anf- fassuug der Tagcsfragen emporzuheben. So hat der letzte Tag des ersten Vrerteljahrhunderls des Reiches seinen des Ereignisses, das wir gestern feierten, würdigen Augenblick im Hause der Vertretung der deutschen Nation gehabt. Möge dies ein glückliches Vorzeichen für den beginnenden Zeitabschnitt überhaupt sein und für die Vollendung des großen nationalen Werkes der Rechtseinigung insbesondere dadurch werden; daß der Reichstag die von seinem Präsidenten für die Behandlung des Bürgerlichen Gesetzbuches gegebene Richtschnur ohne Uebereilung und ohne Verzögerung so auffaßt, wie sie von Denjenigen verstanden worden ist, die die Mahnung des Kanzlers, Bedenken und Einzelwünschen Zurückhaltung anfzucrlegen, mit Beifall begleitet haben.
— Die Aufregung gegen Deutschland findet bei uns, so schreibt man aus Liverpool, wohl weniger I ein Echo als in ganz England, weil man hier das Vor- I gehen der britischen Chartered-Gesellschaften besser kennt und weiß, wie sehr dieselben stets die Rechte aller anderen j Personen mißachten, selbst unter Verletzung der ihnen nach I der betreffenden Charter auferlegten Verpflichtungen. Ve- I sonders ist man bei uns über das skandalöse Vorgehen der ! Niger-Co. entrüstet und verlangt, die Gelegenheit solle benutzt I werben, um sowohl mit dieser als mit der südafrikanischen reinen Tisch zu machen. Erstere hat soeben mit dem ihr gehörigen Dampfer „Croft" 200 Tonnen Pulver nach Akassa gesandt, was lediglich durch eine In- I diSkretion bekannt wurde. Man fragt sich nun mit I Recht, ob die Niger-Co. etwa auch Raubzüge ä la Jam eso u I unternehmen wolle, oder wozu sonst diese Sendung be- I stimmt sei. Die hiesige Regierung scheint aber endlich ein- | Zusehen, daß diesem Vorgehen ein Ende gemacht werden I müsse, denn sie hat an Stelle deö zum Gesandten in Peking ernannten Sir Claude Maedonald zu dessen Nachfolger I als Gouverneur de-Z Niger-Protektorats Mr. Ralph Moore I bestimmt, der als ein Feind der Uebergriffe der Chartered- I Compagnie gilt.
Jubiläumsfeier des Reichs.
C.T.C. Straßburg, 18. Januar. Die „Straßburger Korrefp." - veröffentlicht folgendes Allerhöchste Dekret Sr. Majestät des Kaisers: | Wir Wilhelm von Gottes Gnaden pp. wollen, um die 25-jährige | Wiederkehr des Tages, an welchem das Deutsche Reich begründet ; wurde, durch einen Akt besonderer Gnade zu bezeigen, allen deu- lentgen Personen, gegen welche bis zum ' heutigen Tage W (18. Januar 1896) durch Urtheil oder Strafbefehl eines elsaß- ' totimngifdjeu Gerichtes wegen Ueberschreitung auf Haft- oder »■ Geldstrafe oder wegen eine« Vergehens auf Freiheitsstrafe g'tton nicht mehr als 6 Wochen, oder auf Geldstrafe von I- *"6t mehr als 150 Mk. rechtskräftig erkannt ist, diese Strafe, l fniveit sie noch nicht vollstreckt ist, und die noch rückständigen sproßen tu Gnaden erlassen. Haftstrafen bleiben von dieser Gnadeii- - erweisung ausgeschlossen, sofern zugleich auf Ueberweifnng an die ULaiidespolizeibehörde erkannt ist. Ist in einer Entscheidung die fc ytrnrtbeilung wegen mehrerer strafbarer Handlungen ausgesprochen, WÄ greift diese Gnadenerweisuug nur Platz, sofern die Strafe ius- jmnnmtt das oben gewährte Maß nicht übersteigt. Unser Statt- | Mter in Elsaß-Lothringen hat für schleunige Bekanntmachung und k Ausführung dieses Erlasses Sorge zu tragen.
Berlin, 18. Januar 1896. Wilhelm. I. R.
fe «,. AerUn, 18. Januar. Der Kaiser sprach dem Fürsten ; Pj&Barct am heutigen Tage in einem sehr gnädigen Handschreiben W Allerhöchsten Dank für setne Verdienste um dieWtedetaufrichtung
jenes Weines, der aus getrockneten Korinthen hergestellt wird und für jüdische Kultuszwecke vielfach Verwendung findet. ®e naue’r Angaben über den Verbrauch dieses Weines fehlen in der russische» Statistik, doch kann man den gegen früher erheblich größeren Bedarf aus der Thatsache schließen, daß 1883 nur 4372 Pud, 1893 am bereits 198,051 Pud Korinthen nach Rußland eingeführt wurden.
Ausland.
* Oesterreich-Ungarn. Wie das „Grazer Tagbl." ans zuverlässiger Quelle erfährt, ist iniBefinden des österreichischen Thronfolgers eine bedrohliche Wendung eingetreten.
- Nufflaud. Es wird häufig behauptet, daßdieTrunk- ucht in Rußland im Steigen begriffen sei. Nach bett Ausweisen der russischen Statistik scheint dieseAunahme, was den Branntweinverbranch anlangt, nicht zuzutreffen. So ist trotz des Anwachsens der Bevölkerung der Verbrauch von Spiritus zurnckgegangeti. Im Jahre 1883 betrug dieser Verbrauch 28'/- Millionen Wedro — 1 Wedro hält 12'/- Liter — im Jahre 1893 war derselbe jedoch auf 22'/- Millionen Wedro gefüllten. Auch die Schankstätten haben sich vermindert; sie sind feit 1883 bis 1893 im europäischen Rußland von 120,272 auf 102,470 zprückgegcniaeu. Gesteigert hat sich in Rußland der Verbrauch Billiger einheimischer Weine, namentlich auch
Deutsches Keich,
* Rundschau im Reiche. Der protestantische Lehrer Ernst ,vud)8 in WeikerSgrnbeii wurde wegen Beschimpfung der Religion von der Strafkammer in Würzburg zu 4 Monaten Gefäuguiß verurlheilt. Der Staatsanwalt hatte 6 Monate beantragt. In seinem Plaidoyer bedauerte er, daß dem Verurtheilten die Ehrenrechte nicht könnten aberkannt werden. — Der Barbier Martens in Hamburg wurde wegen Majestätsbel eidigung vom Altonaer Landgericht zu zwei Jahren Gefängniß ver- nrtheilt, weil er während des letzten Kaiserbesnchs in Altona „Hoch die Anarchie!" gerufen, als der Monarch vorüberfuhr. — Der Marinemaschinist Gebhardt ist von Kiel nach Berlin abgereist, um dort gegen Wehlau weiter vernommen zu werden. Die Aussagen Gebhardts vor dem Stationschef werden wahrscheinlich eine Wiederaufnahme des Wehlau-Prozesses hei beiführen; Gebhardt verklagte Wehlau wegen Beleidigung.
I60ts Depesche
vom
Kriegs-Schauplatz.
Offizielle militärische Nachrichten.
Brsvillietzs, den 17. Januar.
In der Nacht znm 17. besetzte General Keller Frahier, überfiel Chenebier, nahm Bagage und machte etwa7 Offiziere, 400 Mann zu Gefangenen. Am Morgen, gegen 8 Uhr, griff Feind wiederholt, aber vergeblich, Chagey und Mittags Bethonconrt heftig an. Bei Montbeliard und westlich Lnze Maste Kanonade. — Um 4 Uhr Nachmittags griff der Feind den General Keller mit bedeutend überlegenen Kräften an, derselbe hielt jedoch die feste Stellung bei Frahier. Diesseitiger Verlust in den letzten drei Tagen etwa 1200 Mann todt und verwundet. b. 83erber.
1611e Depesche.
Versailles, ben 18. Januar.
Der Kaiserin Königin Augusta in Berlin.
Bourbaki hat nach dreitägiger Schlacht sich vor dem Werderschen heldeumüthigeii Widerstande zurückgezogen. Werder gebührt die höchste Anerkennung und seinen tapferen Truppen. - Wilhelm.
Versailles, den 18. Januar.
Am 17. erneuerter Versuch Bourbakis gegen den General Werder, der seine verschanzte und mit schwerem Geschütze verstärkte Position siegreich behauptete und alle Angriffe abwies. Diesseitige Verluste in den dreitägigen Kämpfen werden auf etwa 1200 Mann geschätzt. — Vor Paris Fortsetzung der Beschießung mit guter Wirkung. Diesseitiger Verlust: 2 Offiziere, 1 Manu tobt, 1 Offizier, 6 Mann verwunbet. v. PodbieISki.
Versailles, ben 18. Januar.
Die Armee des Generals Bourbaki ist nach dem durch die dreitägigen siegreichen Kämpfe des Generals o. Werder vereitelten Entsatz-Versuche von Belfort in vollem Rückzüge.
v. Podbielski.
Berlin, den 19. Januar 1871.
Ans Stadt und Kand.
Wiesbaden, 19. Jaguar.
I — Zur Erinnerung. Am 19. Januar 1886 sjgrb I JuleS Favre, der französische Advokat, der in Frankreichs I Politik eine so große Rolle gespielt hat und weltbekannt geworden I ist. Zu den uuversöhnlichsteu Gegnern Napoleons gehörend, war I er unter den Wenigen, die nach dem Rücktritt des Prinzen vost I Hohenzollern von der spanischen Thronkaubidatur einen Kriegsfall I als nicht mehr vorhauben erklärten. Er betrieb dann nach Sedan I die Absetzung der Napoleonideii und trat energisch als feuriger I Patriot für Frankreichs Vertheidignng ein. Nachdem feine erste I Mission als Friebensiinterhändler im September 1870 mißglück! I mar, übernahm er auch das zweite Mal, im Jannar 1871, dir I Sriebensunterljanbluugen, die erfolgreich waren, und leitete dann die I Versailler Präliminarien und den Frieden zu Frankfurt. — I Am 20. Januar 1813 starb bet deutsche Dichter Christoph I Martin Wieland, einer der deutschen Klassiker, der heute sich I immer noch von seinen zeitgenössischen Kollegen dadurch auSzeichnet, I daß feine Werke nicht nur im Bücherschrank stehen, sondern auch I gelesen werben. Seine ältesten Schriften find voll religiöser I Empfindsamkeit und Gefiihlsschwärmerei; während seiner zweiten I Periode wandte er sich zuerst dem Drama, dann aber dem eigenf» I licheu Gebiet seiner Begabung, dem Roman und der scherzhaften I Erzählung, zu. Von diese» sind heute noch stark beachtet die I „Adderiten", „Skgathon" und „Musarion", während ihm das hoch- berLhmte phantastische Heldengedicht „Oberon" die Unsterblichkeit I sichert.
— Kurhaus. Der einen Weltruf genießende, unverwüstliche I ijueite große Kurhaus - Maskenball wird nächsten I L-amstag, ben 25. Januar, ftattfinben; alle Nationen rüsten bereits | zn seinem Besuche. — Mittwoch findet das zweite Karnevals- I Konzert statt. — Sonntag, ben 26. Jannar — am Vorabend I des Allerhöchsten Geburtstages Sr. Majestät des Kaisers — findet | Fest - Konzert, Montag, den 27. Januar, Festball im I Kursaal statt. — Die übermorgen, Montag, Abends 8 Uhr, im I großen Saale ftattfinbenbe achte öffentliche Vorlesung wird sich | voraussichtlich zu einem ungemein interessanten Abende gestalten. I Lappland, diese ausgedehnte Landschaft im äußersten Norden I Europas, dieses rauhe, waldige Land, durch welches sich die Kette | der nordischen Alpen zieht, mit seinen Sturzbächen und Seen, in j welchem das Korn Ende Mai gesäet, Mitte August geerntet wird, I der Sommer heiß wie in Italien, der Winter lang und streng ist I — wirb Herr Dr. C. Th. Walter von der schwedischen Universität I Lund in anregendem Vortrag an der Hand von ea. 100 großeil I Lichtbildern erläutern. Herr Dr. Walter, dem der Ruf eines treff« I liehen Redners vorausgeht, hat Lappland mehrfach eingehenh I bereist, seine eigenartigen Bewohner mit ihren Rennthierheerdeii und I seine reiche Thier- und Pflanzenwelt aus eigener Anschauung kennen I gelernt. Die Photographieen zu allen Lichtbildern, welche der I Redner bringen wird, hat er an Ort und Stelle selbst auf genommen. I Das interessante Land dürste an Hand des photographisches I Apparates bis jetzt noch nicht so eingehend ergründet worden seit?. I Bei dem mäßigen Satze des Entrees zu den Kurhaus-Vorlesungen I wird ein reger Besuch der bevorstehenden jedenfalls nicht aus- I bleiben. — Das achte ChkluZ-Kouzert am nächsten Freitag, den I 24. Januar, giebt Gelegenheit, die gefeierte83riinat>onna der Berliner I Hosoper, Fräulein Ida Hiedler, und den russischen Pianisten Herrn I Wladimir v. Pachmaini, welcher bis dahin Deutschland fast nicht bereiste, dafür aber in Rußland, Oesterreich, England und Amerika einen berühmten Namen besitzt, znm ersten Male in unserer Stadt z» hören. — Soeben hat die Kurbirektion telegraphisch ein Engagement mit dem russischen Geiger Alexander Petschnikosf abgeschlossen. Es ist ihr damit gelungen, den neuesten sensationellsten Vertreter der Violine zn gemimten, der im October in Berlin plötzlich auftauchle und die dortige musikalische Welt in Staunen setzte.
— Dao UniforrrrirteUrtcraneu- und Landurehr-Corp» hatte den gestrigen nationalen Festtag dazu auserseheu, die Wethe seiner neuen Fahne zu begehen. Das Corps, und mit ihm Fahnen- Scputntiouen der übrigen hiesigen Krieger- und Militärvereine, sowie das Veteranen- und Landwehr-Corps von Frankfurt a M mit Fahne hatten sich in dem Gasthaus „Zu den drei Königen" tierfnmmelt, um rott hier aus um 4'/- Uhr unter Vorantritt eines Mufikcorps nach der Wohnung des Vor- sitzeuden des Corps, Herrn Grafen v. Zech, Rbeinftraße 95, zu tnarsch'.reu titid dort die neue Fahne abzuholen. Der Zug bewegte sich bann nach der Turnhalle, Hellmuiibstraße 33, tooselbst bie Fahnentveihe und die damit verbundenen Festlichkeiten stattfanden.
— Ueichshalleu-Theater. Mit der vorgestrigen sehr gut besuchten Vorstellung trat der übliche Personalwechsel ein. Das Programm eröffnete die fesche Soubrette, Fräulein Hedy Margä, welche bereitstem verflossenen Ensemble angehört hat. Ihr folgte der gewandte Lchattensilhouettist Herr Otto Masslos, dessen originelle Kunst stets stürmische Heiterkeit hervorrnft. Von bett neuen Spezialitäten produzirte sich zuerst Miß Victoria unter Assistenz von Miß Abele auf ber Krystall-Pyramide. Mit bem Besteigen dieses von Glasflaschen gebilbeten, leicht zerstörbaren Aufbaues läßt es bie Artistin aber nicht genug fein, sie führt auf der schwankenden Spitze desselben auch schwierige Jongleurkünste aus und wirb dafür durch vielen Beifall ausgezeichnet. Den Löwett- antheil des Beifalls heimsen jedoch „the two Komets“ mit ihren Hebungen am Doppeltrapez ein. Die zwei jungen aumuthigen Schwestern zeigen an dem hohen Doppeltrapez TricS, die ihrer Schwierigkeit, mehr aber noch der Schnelligkeit und unfehlbaren Sicherheit wegen, mit ber sie geboten werden, bas Publikum geradezu verblüffen. In einer anderen Nummer treten bie beiben Schwestern »och als Necktnrnerinnen auf und überraschen auch hier durch Leistungen, bie bem gewandtesten Turner Ehre uiachenwürben. Astarte, bie geheimiiißvolle Lufttänzerin arbeitet mit einem so geschickten scenifchen Apparat, daß sie mit ihren graziösen Bewegungen in freier ßuft eine vollendete Täuschung hervorruft. Schließlich sind noch bie mit vielem Geschmack zu- sammengestellten Marmorgruppen ber fünf Geschwister Diana, darunter Scenen ans ber Tellsage, und der Humorist, HerrLndwig Glaser, zu erwähnen, dessen drastische Komik von zwerchfellerschütternder Wirkung ist. Ein Besuch ber „Reichshalleu" ist lohnend und kann deshalb bestens empfohlen werden.
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162te Depesche.
Ans einem Telegramm Sr. Maj. des Kaisers und des Königs an Ihre Maj. die Kaiserin Königin entnommen.
Versailles, ben 19. Januar.
Ich kehre soeben von einem Ausfall-Gefechte zurück, das heftig an Kanonade war, aber ohne allen Erfolg.
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Nord-Armee von St. Quentin in 7ftünbigem Kampfe geschlagen. Bis jetzt über 4000 unverwundete Gefangene Und 2 Geschütze. v. G o e b e ni
Versailles, ben 19. Januar.
Vor Paris am 19. Ausfall bedeutender feindlicher Streitkräfte vom Mont Valerien ans gegen die Stellung bts 5. Armee-Corps zurückgewiesen. Kamps von Vormittags H Uhr bis nach Einbruch der Dunkelheit. Diesseitiger Verlust, so weit zu übersehen, nicht bedeutend. Belagerungs- Artillerie setzte ihr Feuer ununterbrochen mit gutem Erfolge fort.
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■ Ä Von Abtheilungeu der .... A ohne Widerstand besetzt.
“ X Die Beschießung von Longwy hat heute begonnen.
P v. Podbielski.
