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2. Mage Mn Wiesbaüener Tagblatt.

Uo. 23. Morgen-Ausgabe.

1870.

1871.

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156te Depesche

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Kriegs-Schauplatz.

Offizielle militärische Nachrichten.

Versailles, den 15. Januar.

Das Feuer der Forts Jffy, Vaiwrez und Montronge hat am 14. fast gänzlich geschwiegen. Die Beschießung der Besesiigungen und der Stadt wird ununterbrochen fort­gesetzt. Diesseitiger Verlust ganz nnbedeiitcild.

v. PodbielSki.

Versailles, den 15. Januar.

Von den in der Verfolgung der geschlagenen Armeen t.'S Generals Chanzy befindlichen Kolonnen gehen folgende Meldungen über den 14. ein: 1) General v. Schmidt sand bei Chapille (?), 2*/a Meilen weltlich Le Mans, eine feind­liche Division in Barry (?). Sofort energisch angegriffen, ging diese in regelloser Flucht auf Laval zurück, über 400 Gefangene in unseren Hände» lassend. Diesseitiger Verlust an Dodien und Verwundeten bestand nur in 1 Offizier und 19 Mann. 2) Lager von Conlie wurde nach wenig Schüssen besetzt und große Vorrälbe an Waffen, Munition und Proviant erbeutet. 8) Beaumont wurde nach leichtem Straßeu-Gefcchte besetzt, 40 Munitions-Wagen genommen und etwa 1000 Gefangene gemacht. — Ferner wird gemeldet, daß am 14. ein Detachement unter General w. Rantzau in Briare von größeren feindlichen Abtheilungen angegriffen wurde, jedoch unter geringem eigenen Verluste jid) durchschlug. v. PodbielSki.

Brövilliers, den 15. Januar.

Der Feind griff mich heute mit anscheinend 4 CorpS von Chagey bis Montbelliard lebhaft, besonders mit Artillerie, an. Auf allen Pnnklen ist der Angriff zurückgeschlagen und meine Positionen auf keiner Stelle durchbrochen. Diesseitige Verluste zwischen b- und 400 Mann. Der Kampf dauerte von Morgens '/-9 bis Abends '/-6 Uhr. v. Werder.

1571e Depesche.

Versailles, den 16. Januar. Der Königin Augusta in Berlin.

General v. Werder ist gestern von Bourbaki mit 4 Corps X in seiner Position vor Belfort bei Montbelliard und Chagey Angegriffen worden und hat in einem sechsstündigen Kampfe E alle Angriffe abgeschlagen, so daß an keiner Stelle der Feind ft die Stellung durchbrach. Verlust nur 300 bis 400 Manu, ft Hauptsächlich Artillerie-Kampf. ft

Bei Le Mans ist die Zahl der Gefangenen auf 20,000 A gestiegen, während des Rückzuges des Feindes nach Alen^on X nördlich und Laval westlich auch noch fortwährend Kriegs- L Material und Vorräthe erbeutet, sowie 4 Lokomotiven und 400 Waggons. Wilhelm. ft

Berlin, den 16. Januar 1871. ¥

Königliches Polizei-Präsidium- Ä

von Wurmb.

Zur Lage in England.

Unser Londoner »-Korrespondent schreibt uns unterm 14. b. M.:

Zn Anbetracht der vielen Schwierigkeiten, mit denen das hiesige Auswärtige Amt und das Kolonialministerium feit einigen Wochen zu kämpfen hatten, war es geradezu als ein Gluck im Interesse des Weltfriedens zu betrachten, daß das Parlament nicht tagte. Hätten sich nämlich die Differenzen mit den Vereinigten Staaten, Venezuela, Deutschland und dem Transvaal — von der orientalischen Frage gar nicht zu reden — während der parlamen­tarischen Session zugetragen, so würde sich der Jingois-

Danrrerstttg, den 16. Januar.

mus, der die Konservativen zu allen Zeiten beseelt, so unbändig gebürdet haben, daß schlimme Folgen unvermeidlich gewesen wären. Lord Salisbury soll sich aber anheischig gemacht haben, dem Parlament, das am 11. Februar zusammentritt, alle Dokumente vorzulegen, die sich auf die schwebenden Fragen beziehen. Einen vollen Einblick werden wir darum aber keineswegs in die einzelnen internationalen Angelegenheiten gewinnen, denn auf diplomatischem Gebiet stößt man ja aller nasenlang auf Warnungstafeln, die das Vordringen Wißbegieriger unter­sagen. Vielleicht wird man die Negierung aber doch von radikaler Seite befragen, ob das bekannte Telegramm des deutschen Kaisers und die Anwesenheit von 180 Mann der deutschen Kriegsmarine, oder selbst die Verdopplung derselben, genügender Anlaß für die Entsendung eines fliegenden Geschwaders, das Anfachcn kindisch-patriotischer Kundgebungen mit Hülfe einer lügnerischen Presse und die kriegerischen Vorbereitungen im stehenden Heere und unter den spaßhaften Bürgcrsoldaten war. Es beginnt nämlich in einigen britischen Hirnen zu dämmern, und man sagt sich nun, daß, ohne den Zwischenfall mit Deutschland, Lord Salisbury, von Gladstone und Rosebery sowie von dennbrigen barmherzigen Samaritern in England, der armenischen An­gelegenheit wegen, furchtbar gedrängt, eigentlich hätte in eine recht kritische Lage gerathen müssen. Er hat diese „Klippe" glücklich umschifft; doch wohl noch nie zuvor machte ein Staatsmann, nur um sich aus einer Verlegenheit zu ziehen, aus einem sonst nüchternen Volke einen solchen heulenden Haufen einfältiger Narren, wie in dem vor­liegenden Falle Lord Salisbury ans den Engländern. Weil es nicht gut anders geht, erklärt man nun die Angelegenheit mit Deutschland als erledigt, da ein persönlicher Briefwechsel zwischen der Königin Victoria und ihrem Enkelsohne die Monarchie davon überzeugt habe, daß letzterer keine feindlichen Gesinnungen gegen England hege. Die Transvaal-Affaire hängt indeß natürlich noch von der Verständigung zwischen Sir Herkules Nobinson und dem Präsidenten Krüger ab. Verlangte letzterer nur eine Geldentschädiglmg, so würde man jedenfalls umso schneller fertig, als eine solche von der Chartered Company und nicht von England zu bezahlen wäre; doch wenn die südaftikanische Republik, wie e§ scheint, darauf besteht, ohne jedes Wenn und Aber als ganz unabhängig anerkannt zu werden, und zu diesem Zweck die Aufhebung des Vertrages von 1884 verlangt, dann wäre für England guter Rath theuer. Es hängt also zunächst Alles davon ab, zu welchen Schritte» man sich zu­nächst in Präioria entschließt. Abgesehen davon, daß die Verhaftung ' so vieler leitender Johannesburger Persönlich­keiten große Verstimmung hervorrnft, läßt die Rede, welche Cecil Rhodes soeben in Kimberley hielt, und worin er unter Anderem sagte, seine politische Laufbahn sei keineswegs beendet, sondern habe im Gegentheil eben erst angefangen, neue Verwicklungen mit der Chartered Company befürchten. — Was dagegen Venezuela resp. die Vereinigten Staaten anbetrifft, so sucht man allerdings hüben und drüben nach einem Aus­wege, durch den sich keiner der Vetheiligten etwas ver­geben würde, und wenn nicht alle Anzeichen trügen, so fand man eilten solchen auch bereits. — Die Armenier hat man über der „furchtbaren Gefahr", die England Seitens Deutschlands durch die 180 Matrosen in der Delagoa-Bai drohte, vollständig vergessen. Lord Salisbury mußte dann trotz seiner bombastischen Reden, denen zufolge er bcu christlichen Brüdern in Armenien um jeden Preis beistchen wollte, force majeure Umständen (vide die 180 Matrosen) weichen. Für die Armenier, die im Vertrauen auf die ihnen so freigebig versprochene eng­lische Hülfe Aufstände austifteten und dadurch Hab und

44 Jahrgang. 1896.

Gut, wenn nicht Leben einbüßten, liegt in diesem Rückzug der „großmüthigen" Briten die Gefahr vollständiger Aus­rottung. Hie und da fängt man nun in den

hiesigen Zeitungen wieder an, anstatt der Hetzereien gegen Deutschland, der armenischen Angelegenheit zu erwähnen, doch wird Lord Salisbury die Bevölkerung dem unangenehmen Thema wohl noch einige Zeit fern­zuhalten vermögen, indem er im Hinweis auf die bewußte Gefahr von dem englischen Patriotismus die Verbannung aller Fragen verlangt, die nicht mit der Vermehrung der Biirgersoldaten und dergleichen zusammenhängen. Die Vorfälle der letzten Zeit haben jedoch den Engländern das Eine klar gemacht, daß sie nirgends Freunde besitzen. Man flicht aber hier vor, allenthalben lediglich auf vertragsmäßigen Rechten zu bestehen, und da John Bull sich trotzdem mit aller Welt herumzankt, so scheint daraus hervorzugehen, daß England den Wortlaut seiner Verträge in einem Sinne auslegt, den andere Staaten nicht aus demselben herauslesen können. Im Interesse des Weltfriedens wäre indeß zu wünschen, daß die Vorgänge der jüngsten Zeit Großbritannien über die seltsame Ein­seitigkeit seiner Beurtheilnng internationaler Angelegenheiten belehrten und es veranlaßten, in Zukunft alles Doppelsinnige zu vermeiden. ■ -- ।

Deutsches Deich.

* Sie Kaiseemanöver. Der „Köln. Ztg." zufolge solle» auf Initiative des Kaisers die diesjährigen Kaifermauöver sich wesentlich von früheren dadurch unterscheiden, daß sie von vorn­herein kriegsgemäß veranlagt werden. Sie sollen zwischen Bautzen und Görlitz slattfiuden und sehr hohe Anforderungen stellen. Auf der einen Seite sollen das 5. und 6. Armeecorps unter dem Befehl des Grafen Watdersce, aus der anderen Seite das sächsische 12. und. 8. Corps unter Befehl des Prinzen Georg von Sachsen stehen. Ans besonderen Wunsch des Kaisers werden für jede Armee Armeestäbe gebildet, in deren Händen die Leitung der Manöver verbleiben soll. Viel Besuch hoher Fürstlichkeiten sei in diesem Jahre nicht zu er­warten, umso mehr könne daher das Kriegsgemäße der Uebnngen in sein Recht treten.

* S<* Gidenvsege» war im Jahre 1895 in Preußen be­sonders reich. Nach einer Zusammenstellung der „Vofl. Ztg," wurden nicht weniger als 7038 preußische Orden und Ehrenzeichen verliehen gegen 6204 im Jahre 1894, 6503 im Jahre 1893, 5087 im Jahre 1892, 5550 im Jahre 1891 und 5177 im Jahre 1890. Der Schwarze Adlerorden ist fünfmal verliehen, der Rothe Adlerorden 2617 mal (im Vorjahre 2151 mal). Der Kronenorden gelangte 1809 (im Vorjahre 1458) mal zurVerlcihnng. DieKronenordenmeoaille ist 2 mal verliehen. Der Hohenzollernsche Hausorden ist nur 376 (im Vor- jahre422) mal verliehen. Das allgemeine Ehrenzeichen in Gold gelangte 253 (244) mal, das allgemeine Ehrenzeichen tu Silber 1733 (1552) mal zur Verleihung. Das Milstär-Ehrenzeichen I. Klaffe ist 2 (1) mal und das II. Klaffe 5 (17) mal verliehen. Die RettungSmedaiitz haben 105 (109) Personen erhalten. Der Johanniterorden ist an 98 (107) Adlige, der Luiseuorden an 11 (16) Frauen verliehest, Den Orden pour le merite hat der Oberst Freiherr v. Schele für kriegerische Verdienste als Gouverneur von Ostafrika erhalten. Dli Friedensllasse desselben Ordens ist 7 mal verliehen, und zwar 2 mal an Inländer und an 5 Ausländer. Die große goldene Medaille für Wissenschaft ist 1 mal verliehen.

* Kesitzstörnngen. Ein Grundbesitzer, auf dessen Aecker wiederholt die Geschosse eines benachbarten Militär-SchießpIatzeS flogen, hatte gegen den Reichs-Militärsiskus die Besitzstörnngsklage angestrengt unter der Begründung, daß er durch die bestehende Ge­fahr an der freien Bewirthschaftting und Benutzung der Aecker be­hindert worden sei. Der Kläger hat auch in der obersten Instanz obgesiegt. In dem Erkemttniß des fünften Civil- senats des Reichsgerichts heißt es — wie mitgetheilt wird — n. A.: Wenn die Revision des Militärfiskus sich daraus beruft, daß die Schießübungen militärisch uothwendig seien, daß dabei das lleberfliegen von Geschossen immer Vorkommen könne, ohne daß sich Vorkehrnugen dagegen treffen ließen und daß deshalb die Bekanntmachung an die beteiligten Aemter erlassen sei, welche die Zeit des Schießens, die Schußrichtung und die ge­troffenen Sichernngsmaßregeln angebe und das Publikum vor unvorfichtiger Annäherung warne, so wird damit die Thatsache, daß durch die Schießübuitgen der ruhige Besitz des Klägers gestört wird, nicht beseitigt. Der Einwand würde also nur

(Nachdruck verboten.)

Wir der Fächer entstand.

Von A. Schöbel.

s. Ein wildes wunderbares Land voller Glanz und Duft, voller Träume und Gluthen.

|| Zimmetwälder, Palmenhaine und Blüthenfelder dehnen sich bis hin zu einem blaufunkelnden Meer. Im Silber- geflock von dessen Brandung, unter dem niebeifinfenbtn Feuer der südlichen Sonne, ruht ein Weib, hingestützt wie «ine Sphinx. Alles leuchtet an ihr, das Haar, das Antlitz, ibie Glieder. Die Augen sind voll blauer Geheimnisse, sie blicken Räthsel.

E Dieses Weib ist des Traumlandes Königin, die Sphinx aller Sphinxe: die Schönheit! Ihr Gruß beseligt oder tödtet. So viele Stunden der Tag bat, so viele Launen gehen durch ihren Sinn. Das Unmögliche wird für sie möglich, das Wunderbare geschieht, ihr bient bas Lebendige unb das Unbeseelte. Jedes leiseste Begehren, kaum gehegt, fft es schon getilgt.

Unb nun ist bas Unerhörte geschehen: die Königin hat ■ -inen Wunsch und Niemand kann ihn ihr erfüllen. Schon ist des Landes Blüthe der grausamen Herrin zum Opfer ge­fallen, ihrer Laune, die ein neues, ein unbekanntes Spiel- £ug fordert! Die Wellen des Meeres haben die leblosen siörpcr der unglücklichen Thoren aufgenommen.

Alles hat man der Stolzen, Verwöhnten gebracht: ge­zähmte Löwen, tanzende Schlangen; künstliche Vögel, die mit Rachtigallenstimmen schmetterten unb sangen; ein Schiff, das M durch die Wolken hinsteuern ließ; — Gewänder aus «benben Schmetterlingen zusammengefügt, märchenhaft, bc- Mckend; Blumen, die niemals welkten; Ebelsteine von sinn- Wtoirrenber Pracht. Aber nichts von Alledem hatte die Wne Sphinx in Erstaunen zu setzen vermocht, nichts hatte em Lächeln um ihre Lippen gezaubert. Gereizt und von Wem Schauen und Prüfen ermattet, streckte sie sich endlich

neben den silbernen Wellen ans und zog den Schleier des Haars über ihr leuchtendes Antlitz.

Und das Meer sang ihr ein Schlummerlied und sandte seine Schätze herauf an den Strand. Goldbeschuppte Fischchen stiegen empor und Muscheln, die ihre Schalen öffneten und die Perlthrüiien des tiefen Grundes hinstreuten zu der Schön­heit Füßen. Seesterne wiegten sich auf der Fluth und die Mcernelken unb -Rosen schaukelten ihre zarten am Sonnen­licht sterbenden Blüthcn einem Blick der saphirblauen Sphinx- augen entgegen ---

Da rauschten die Wasser stärker. Ein Drachenschiff warf plätschernden Schaum auf und stieß zu Strande. Aber die Sphinx war eingeschlummert unter den Huldigungen des Meeres. Sie sah es nicht, daß aus dem Schiff ein Jüng­ling stieg von starken Gliedern und mondweißer Gesichts­farbe, mit gelben Haaren, dem eine Harfe im Arm ruhte. Leise wie ein Hanch berührte er die Saiten und fügte ans schimmernden Tönen ein Lied, das sich hineinschmeichelte in die rosigen Ohr-Muscheln der Schönheit. Sie schlug plötzlich die Augen auf und blickte dein Jüngling so hold entgegen, als wäre seine Erscheinung eine Fortsetzung ihres Traumes.

„Du bringst mir, was ich gewünscht, geahnt —"

„Ich bringe Dir — nichts!"

Sie fuhr empor. Ein gefangener Blitz entwich ans ihrem Ange. Daun senkte sie die Wimpern. Der Jüngling hatte den Saiten der Harfe einen wilden Accord entrissen. Leise klagte die schöne Sphinx: „Du mußt sterben gleich den Andern, wenn Du mir nicht schaffst, was ich begehre —"

Mit schrillem Klang riß eine Saite. Zornig rief der Jüngling: „Wie kann ich ahnen, was Deine Launen um­spielen —"

Die Angen der Königin flackerten begehrlich, während ihre Züge sich zu versteinen schienen. „Ich muß etwas haben, ein Spielzeug, das mir die Länge der Tage kürzt! Und nicht um die Welt kann ich's erlangen!"

«Um die Welt nicht! Aber um Dein Selbst! Um

Dich! —" Und er schaute ihr zwingend in die gefährlichen Augen.

Da richtete sie sich auf und sprach erzitternd: „Dein will ich gehören, von meinem Thron will ich steigen für Dich, wenn Du mir schaffst, was mich ergötzt —"

Der Jüngling nickte langsam. „Mein sollst Du ge­hören. Aber von Deinem Thron sollst Du nicht steigen, Du wirst ihn theilen mit mir. Schönheit und Dichtkunst gepaart — sie werden die Welt beherrschen."

„Du strebst mich zu beugen," sprach die Königin mit dunkler Stimme. „So geh' und rathe Dir den Tod an meiner Probe." Stolz richtete sie sich auf. „Bringen sollst Du mir, was vor mir kein Weib besessen. Bringen, was Träume birgt, was da ist, wie das Flüstern von Wipfeln, wie der Hauch der Nacht, wie der Glanz der Gestirne. Kühlung soll es mir geben für mein Haupt, das bi. Tages unter dem versengenden Strahl der gelben Sonne, des Nachts unter dem aufreizenden Licht der furchtbar rochen Mondscheibe leidet. Der Athem des Windes soll drin wohnen, und der wilde Duft der Blumen dieses Landes. Schmücken soll es mich, den Glanz meines Wesens erhöhen, — an Deine Lieder soll es mich mahnen, — an Deine Augen," setzte sie flüsternd hinzu und streckte dem Jüngling ihre weißen Hände entgegen. Aber wie er sich scheidend darüber neigte, kräuselte der Stolz ihre Lippen: „Der Schönheit wird keiner Herr!" sprach sie fest. „Auch Du nicht. Verblendeter!"

„Sie wird sich dem Dichter neigen", entgegnete gelassen der Jüngling und schritt dem Waldesdickicht entgegen. Er sah des Urwalds Herrlichkeit, die träumenden, gewaltigen Blumen der Wildniß, die Schlingpflanzen und Palmen. Aber sein Auge glitt drüber hin, wie über längst Bekanntes. Dem Dichter gehört die Welt, ihn kann nichts überraschen. Und holde Töne formend, Lieder sinnend, streifte der Jüng­ling unter den Dächern der Tamarisken dahin. Ihn er­füllte der Gedanke an die Schönheit, die er sich zu bezwingen gedachte.