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2. Beilage pim Wiesbadener Tagblatt.

Uo. 17. Morgen-Ausgabe.

Kamstrrg, de» 11. Januar.

44. Jahrgang. 1896.

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147te Depesche

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Kriegs-Schanplatz.

Offizielle militärische Nachrichten.

Versailles, den 10. Januar. Der Königin Augusta in Berlin.

Gestern hatte General v. Werder südlich von Deioul bei VallcroiS ein glückliches Gefecht gegen Truppen von Bourbaki und machte 800 Gefangene. Desgleichen vor Belfort stürmten einige Bataillone das Dorf Sniijoutiit und machten 700 Gefangcue. — Hier wieder Nebel nach Schneefall, daher schwaches Feuer. Wilhelm.

Versailles, den 10. Januar.

Am 8. Nachmittags schlug Oberst v. Dannenberg bei Montbard einen Angriff garibaldinischer Freischaarcn zurück. — Am 9. stieß General v. Werder bei feinem Vormärsche auf Villersexel auf die Flanke des ‘20. französischen Corps, nahm den Ort, wobei 2 Srabsosfizierc, 14 Offiziere und über 500 Manu nebst 2 Adlern in unsere Hände sielen. Alle Angriffe des hierauf in bedeutender Starke sich enl- wickelnden Gegners, bei dem auch das 18. Corps eingriff, wurden mit diesseitigem geringen Verlust in der Liuie Dillersexel-Moimay und Marat abgewicien. — Die Truppen des Generals Chanzy wichen am 9. auf allen Punkten vor unseren vordringcndcn Kolonnen auf Le Man« zurück. — Der Abschnitt von Ardcnay wurde von unseren Töten überschritten, lieber 1000 Gefangene konstatirt, welche bis jetzt in unsere Hände gefallen sind. v. Podbielski.

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Im Lause des schiedenen Fronten antwortete mäßig.

Versailles, den 10. Jaunar.

10. wurde die Beschießung der ver- vou Paris frrtgcscßt. Der Fciud D.essciligcr Verlust 17 Mann.

o. PoddielSli.

Amiens, den 10. Januar.

jij Die gegen General Chanzy operirenden Truppen drangen am 10. inner fortwährenden siegreichen Gefechten mit ihren

9 Töten bi« auf 1 Meile an Le Mans heran. 1 Geschütz, 9 3 Mitrailleusen und über 2000 unverwnudete Gefangene A fielen in unsere Hände. Diesseitiger Verlust nicht sehr A bedeutend. — Der Verlust des Generals v. Werder im

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Gefechte bei Viilersexel betrug 13 Offiziere und etwas über

200 Mann. v. Pod bielski.

Berlin, den 11. Januar 1871.

Königliches Polizci-Präsidinm.

von Wurmt.

Peronne hat kapitnlirt, Besatzung von über 8000 Mann kriegsgefangen. v. (Soeben.

148ts Depesche.

Versailles, den 11. Januar.

Die Südafrikanische Republik Transvaal.

In beistehender Kartenskizze geben wir unseren Lesern ein Bild von Transvaal, oder, wie der Staat seit 1884 offiziell heißt, von der „Südafrikanischen Republik". Die Ereignisse der letzten Zeit hoben die kleine Boerenrepublik nuvermnthet in den Vordergrund des Interesses gerückt und man muß sich, trotz der nachträglichen Desavouirung des JamesonfchenFlibustierzuges durch die englischen Behörden in London wie im Kaplandc darauf gefaßt machen, von neuen Unruhen oder kriegerischen Vorgängen in Transvaal zu hören. In diesem Falle wird unsere Kartenskizze ein höchst willkommenes Orientirungsmittel bei allen einlaufenden, sonst kaum verständlichen Meldungen fein, weshalb cs zweckmäßig ist, die Karte anszubuvahren.

Der Einbruch Jamesous in das G-oiet von Transvaal erfolgte von Mafeking aus. Dieser Ort bildet die Endstation einer von Kapstadt nach Norden geführten, den Oranje-Freistaat und Trans­vaal an ihrer Westgrenze begleitenden Eisenbahn, deren weitere Fortsetzung nördlich nm Transvaal herum nach beit britischen Be­sitzungen am Zambesi geplant ist. Von Mafeking aus marschirte Jameson mit seiner nahe an 1000 Mann starken, mit Kanonen und Schnellteuergeschützen ausgerüsteten Kolonne ungeachtet der Proteste der Transvaalbeamteu in östlicher Richtung direkt auf I oh an ne s- bturg zu, überschritt den Elandssluß und erlitt daun^dank des energischen und entichlosjenen Gegenstoßes der Boercn, nnweit Johannesburg sofort eine entscheidende Niederlage bei Krügers­dorp, die ihn selbst in Gefangenschaft brachte.

Der Vorstoß auf Johannesburg war in mehrfacher Hinsicht ein vortrefflich geplantes Manöver. Einmal mußte er, wenn er Erfolg hatte — und au diesem zweifelte man auf britischer Seite keinen Augenblick — sofort die Verbindung Transvaals mit der ihm stets sympathisch gesinnten Orauje-Repüblck aus der Hanpl- bahnliiiik unterbrechen, und brachte das ExpeditionScorpS in un­mittelbare Nähe der Hauptstadt Prätoria, sodann ging der Vor­marsch der Abtheilniig der Längenrichtung nach durch das Gebiet der bedeutenden Goldfelder von Witwatersrand, in denen man au? den dort thängen fremden, vielfach englischen Elementen starkenZuzng erhoffen zu können glaubte. Schließlich war Johannesburg, von wo aus die zweifellos bestellte Aufforderung zum Einmaisch in Transvaal an Jameson ergangen war, der Hauptsitz der englischen, gegen die Selbständigkeit von Transvaal gerichteten Verschwörung, eignete sich also vorzüglich zur Basis für die weiteren Operationen. Aber die Engländer hatten dieses Mal wiedenim d e Rechnung ohne den Wirth gemacht. Die Boeren schlugen bekanntlich Jamesons Kolonne so gründlich bei Krügersdorp anss Haupt, daß bitftlbe vollständig vernichtet war. In weiterer Folge bot sofort der Oranje-Freistaat den Boeren seine Hülse an, und so wird, falls weitere Versuche zur Unterdrückung Transvaals gemacht werden, England sich einer natürlichen Koalition von zwei zwar recht kleinen, aber von einer äußerst tapferen und beispiellos zähen, freiheits­liebenden Völkerschaften gegenübersehen, welche die Sympathieen der ganzen gesitteten Welt und erforderlichenfalls die thatkrästige Uuter- flützung der meisten Staaten auf ihrer Seite haben.

Die Verhältnisse der einen Flächenraum von 327,000 qkm mit 490,000 Einwohner umfassenden Boerenrepublik Transvaal sind infofern eigenthümliche, als die Transvaalregierung ihre Haupt- einnahiue aus den Bodenschätzen an Gold zieht; sie verkauft Aiitheilscheine von den zahlreich im Lande vorhandenen Gold­feldern, deren Erlös den Hauptbestandtheil der sonst nur kümmer­lichen Staatseinnahme ansmacht. Der deutsche Reisende Mauch war der erste, welcher 1867 die Entdeckung von Goldfeldern in Südafrika, nämlich in dem nordwestlich von Transvaal gelegenen Tat! und 1870 int Südasien bei Lydenburg, machte. Das gab den Anstoß zum Goldsnchen im ganzen Lande, war zu den reichsten Funden und zu systematischer AuSbeutung und Produktion führte. Die letztere betrug schon 1893 im Ganzen 1,460,000 Unzen ä 72 Mk. wahrend sie noch 1887 erst 63,15ö Unzen auswies. Dem gegenüber

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stehen die alten Hauvtproduktionsländer von Gold nur mitfolgenbcn Zahlen im Jahre 1892 für ihr Gesarnnttgebiet: Die Veretnigteu Staaten von Nordamerika 1,600,000 Unzen und Australien 1,500,090 Unzen. Aus Grund der angefteüten eingehenden Unter­suchungen von Bergingeuieuren und anderen Sachverständigen nimmt man an, daß sich die Goldproduktion des Transvaal in den fontntenben Jahren noch weiter steigern wird, und eine Ab­nahme derselben tn absehbarer Zeit nicht zu erwarten steht. Die bedeutendste Zunahme unter allen Gold produzirendett Gebietender Erde weisen thatsächlich die Minendistrikte in Südafrika auf.

Die Bevölkerung, 490,000 Einwohner (Kassern), unter denen 120,000 Weiße, besteht aus Boers, welche die Herren des Landes und Großgrundbesiser find; ferner aus „Afrikandern", das sind in Südafrika geborene Weiße, aus Deutschen und Engländern, welche das Hauptkontigent der Städte und Minenbistrikte btlben, und ans Holländern. Die Hauptstadt Prätoria hat nur 6000, die südlich davon gelegene Stabt Johannesburg 55,000 weiße Einwohner. Die von Prätoria sich strahlenförmig verzweigenden EisenbahitUnien führen zum Theil zn Häfen am inbh'djen Ocean. Sie werden von einer holländischen Gesellschaft uurer staatlicher Zinsgarantie betrieben. Das Netz untfaßt die LinienLorenzo-Margues-Komati-Prätoria, deren erstgenannte Strecke in portugiesischem Besitz und Die in ihrer ganzen Ausdehnung nm 8. Juli 1895 eröffnet ist; ferner die Linie Prätoria-Vaalflnb (ntt der Grenze deL Oranje-Freistaates 134 km, 1. Januar 1893 er­öffnet); eine 50 km lange Zweigbahn nach Berberton ist im Bau. Außerdem gehört der Gesellschaft ritte Trambahn an de» Witwaiers- raubscheu Goldfeldern von Krügersdorp aus, bei Elauds foule in, nahe bei Johannesburg die Hauptbahn durchschneidend, überBocks- burg nach Springs in die Nähe der Goldfelder führend, die Linien,

auch zu in Dienst ein, England läßt ein weiteres Regiment, das aus Indien auf der Rückfahrt ist, in der Kapstadt zur Verstärkung der dortigen Garnison lattben und schickt Kriegsschiffe nach der Delagoa- Bai. In England selbst hallt es wider von Kriegslärm. Die Miliz soll modilisirt, die Armee-Reservisten sollen einbernsen werden. Die Bildung eilte« Fliegenden Geschwaders ist bereits aitgeorbnet, und in den Arsenalen herrscht die größte Thätigkeit. In den militärischeit Klubs des WestendS geht es zu, wie in einem Bienen­stöcke, der schwärmen will, und Alles wittert Krieg. Wo, wann, nut wem, weiß aber Nientaitd zn sagen. Man erwartet nur den Krieg und ist kriegslustig.

C.T.C. London, 10. Jaunar. Die „Times" erfahren aus Melbourne: Hier zeigt sich eine starke antideutsche Strömung. Die „Wacht am Rhein" wurde in einem Theater auSgezischt. Die Musik mußte „Hule Britannia“ spielen. — Dasselbe Blatt meldet aus Johannesburg vom 7. d. M.: 1500 Mann wurden gestern hier a»geworben, um nötlfigenfalls gegen die IlitlanderS zu fechten. Jetzt giebt es hier auch eine starke Partei Deutscher, bieder llitlandkrsbeweguug feindlich gegenüberstehen. Da die Bevölkerung die Lüden wieder öffnet, so ist dies ein Zeichen, daß die Stadt ruhig wird. Die Transvaal-Regierung hat 15,000 Pfund Stelling ausgeworfen, um der Roth zu steuern; in Johannesburg will sie auch Lebensmittel verthcflen.

Lissabon, 7. Januar. Ein Redakteur der Waldanschen Welt- Korrespondenz Hal an maßgebender Stelle Jttformationen ein» gezogen, ob Die von englischen Blättern aufgestellte Behauptung, Deutschland habe sich mit Portugal bereits vor dem Raubzuge Jamesous wegen der Landung von Truppen in der Delagoa-Bai verständigt, auf Wahrheit beruhe. Das Resultat war die bestimmte Er­klärung, solche Unterhand­lungen hätten nie statt- gefnnben, und Portugal wünsche in dem ganzen Streite auch die äußerste Reserve zu beobachten. Es habe genügend Schwierig­keiten in Indien, in Timor und an der Grenze des Transvaal selbst, wo es drei Expeditionen hätte ausrüsten müssen, von denen die letzte mit der Ergebung des Häuptlings Gungnnhaua soeben be­endigt sei, der als Ge­fangener sich auf dem Wege nach Lissabon be­findet. Die hiesigen leiten­den Staalsmäliuer sind auch überzeugt, der augen­blickliche Konflikt werde sich in Kürze in Güte lösen. Präsident Krüger wird von ihnen als ein sehr verständiger Mann betrachtet, der überhaupt nicht daran denken dürste, die Frage der vollständigen Unabhängigkeit des Trans­vaalstaates jetzt zurSprache zu bringen. Die viel­besprochene Depesche des Kaisers Wilhelm findet hier unbedingte Billigung.

zu denen noch eine von Prätoria in südöstlicher Richtung über Charleston nach Durban projcktirt ist, finden unsere Leser, ebenso wie die Goldfelder und Silberminen auf unserer Karte verzeichnet.

Die südafrikanische Republik ist seit dem Vertrage mit England von 1884 bis auf den einen Punkt selbständig, daß Verträge mit auswärtigen Staaten der Zustimmung Englands bedürfen. Im Uebrigeu ist sie unabhängig. Eine stehende Armee existirt nicht, dagegen ist jeder waffenfähige Bürger wehrpflichtig, und ein wie vortreffliches Material in dieser Hinsicht die Boers bilden, das haben, wie schon vor 15 Jahren am Ma ju da berge, die englischen Abenteurer soeben bei KrügerLdorp in empfindlichster Weise erfahren.

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Im Transvaal sind 250,000,000 Mk. angelegt. Davon sind 50,000,000 Mk. deutsches Geld. Deutschland" ist stark au der Netherlands South Asrican Bahn und der Nationalbank interessirt. Deutschland hat bedeutende Kaufkraft. Vor acht bis zehn Jahren betrug die deutsche Einfuhr nach dem Transvaal 300,000 Mk. jährlich, jetzt ist sie auf 12,000,000 Mk. gewachsen. In Johannesburg sind von den 50- bis 60,000 Einwohnern 15,000 Deutsche. In Prätoria und anderen Städten stellt sich der Prozentsatz der Deutschen noch höher. Was den deutschen Schisst.hrtsbetrieb nach dem Transvaal betrifft, so beweist der Umstand, daß jetzt wieder drei neue Schiffe für ihn gebaut werden, genug.

Die bekannten englischen Auf fassnugen, die das Maß des berechtigten nationalen Selbstbewußtseins weit überschreiten und höchstens durch die mit ihrer breiften Unverschämtheit verbundene Naivetät noch Erstanneu erregen, spiegeln sich auch in folgender Neußerung der „Westmiitster Gazette" wieder: Die Königin Victoria war, erstaunt, und unangenehm berührt von dem Telegramm des deutschen Kaisers an bett Präsidenten Krüger. Es beißt, daß die Königin ihrem Enkel in einem Privalbriefe ihre Meinung gesagt hat. Die, Königin ist die einzige Person, vor welcher der Kaiser eine gewisse Furcht (!) hat. Sie kann ziemlichen Einfluß über ihn ausüben, wie sie es im ersten Jahre feiner Regierung bewiesen bat. — Dem englischen Blatt mag die Beiirtheilung über» lassen fein, ob es gut daran tbut, nachdeut die öffent­liche Meinung in England so unglücklich ans der Rolle gefallen ist, auch noch die Königin in die Sache biueinznziehen. Für uns mag es als Maßstab für den Werth der englischen Wutd- ansbrüche dienen, wenn ein Blatt die Ritterlichkeit und pietätvolle Rücksicht, die unser Kaiser al? echt deutscher Mann seiner Groß- mutler im persönlichen Verkehr erweist, in fo niedriger Weise deutet. Damit richtet es sich selbst in den Augen seiner anständig benfenben Landsleute. Im Uebrigeu fei an eine Anekdote von Friedrich Wilhelm I. erinnert, bereit Nutzanwendung wir nicht ausznsühren brauchen. Der kernige Preußeukönig äußerte einstmals über die Ziimuthuugeu der englischen Politik: „Friedrich Wilhelm ist der Schwager von Georg, aber der König in Preußen ist niemals der Schwager des Königs von England".

London, 8. Januar. Die Lage im Transvaal bat sich ent­schieden gebessert. Die Johannesburger haben sich die Sache überlegt, haben ihre Waffen gestreckt und an die Boeren ausgeliefert; Jameson wurde vom Kriegsgericht zum Tode »erurtheilt, vorn Präsidenten Krüger aber begnadigt. Der Chartered Company hat die britische Regierung alle Waffen- und Munitions-Vorräthe abgenommen; Rhodes ist zurückgetreten oder, wie man behauptet, entlafieu; alle britischen Offiziere, die an dem Frcischärlerzug theilgcuommeu, werden angeblich aus der Armeeliste gestrichen. In ganz Südafrika brodelt es aber weiter. Von der Kap-Kolonie ziehen organisirte Freischaaren nach dem Transvaal. Rhodes modilisirt angeblich. Die Bürger des Oranje- Freistaates haben die Grenzen ihres Landes besetzt, die Boeren rücken

Deutsches Kelch.

* Zmn Fall fjammcvReht. Die „Kreuz-Zeitung" veröffent­licht einen Bericht über die Zeugenaussage des Oberstaatsanwalts Drescher bei der Verhandlung des Landgerichts Hannover uub bitryt eine Erklärung des Grasen Finckensteitt, welche darlegt: Der Kaufmann Flinsch legte am 21. Jnsi 1895 einen Vertrag ans den, Jahre 1890 mit gefälschter Unterschrift vor, verweigerte jedoch die Abschrift. Finckenstein telegraphirtedeshalbam 27. Julian Hammersteiil um Auskunft über bas Darlehensverbältniß und machte am 1. August derStaatsauwaltschaflNaniensder „Kreuz-Zeitung" Mittheilung, daß am 21. Juli ihm (Finckenstein) durch Flinsch der Vertrag vom 29. Juli 1890 mit zwei Wechselaccepten vorgelegt worden fei, dessen Unterschriften, soweit sie von Finckenstein herrührten, gefälscht seien. Da unter dem Vertrag auch die Unterschrift Hammersteius sich be­fand, wurde letzterer am 27. Juli telegraphisch zur Erklärung atts- geforbert, ohne bisher der Mnfforbernng zu genügen. Das Comitö er­suchte daher um weitere Veraulassung. Diese Auzeigebezeichuetder Ober­staatsanwalt Drescher als zweideutig und rälhselhaft.Wenn die Staats­anwaltschaft eine Aufklärung für uöthig erachtet, hätte Finckenstein sofort vernommen werden müssen, nicht erst am 9. September. Am 17. September erhielt Finckenstein ein Schreiben des Ober- staatsamvalts, daß die in der öffentlichen Erklärung des ComitöS der „Kreuz-Zeitung" angeküiidigten Unterlagen für die strafrechtliche Verfolgung Hammersteins bisher nicht eingegatigen feien. Hierauf erstattete Finckenstein dem Oberstaatsanwalt eingehenden Bericht. Finckenstein vermag nicht einznfeheti, wie hiernach seinerseits eine Verschleppung zu finden sei. Er fühlt in dieser Angelegenheit sich von jeden, Vorwurfe frei.

* Karlsruhe, 9. Januar. General v. Schlichting richtete bei feinem scheiden aus der Dienststellung des deutschen Heeres an den Oberbürgermeister von Karlsruhe einen herzlichen Abschiedsgruß und fügte hinzu: „Tie 7'/- Jahre an der Spitze des XIV. Armee­corps sind mir durch das liebenswürdige Entgegenkommen aller Behörden der Haupt- und Residenzstadt dienstanitlich leicht ge­worden und haben in ihrem Verlaus stets zu voller Harmonie ge» führt. Nicht unterlassen möchte ich bei meinem Scheiden, hierfür den allerverbindlichsten Dank auszusprechen. Badens Söhnen ist die erfreuliche Eintracht zwischen Civil- und Militärbehörden in der Fürsorge für das materielle Wohl der Soldaten zu gute gekommen, ich aber habe mich von Jahr zu Jahr mehr unter,den Mitgliedern der Karlsruher Bürgerschaft wohl und heimisch gefühlt. Wo das Gefühl der Zusammengehörigkeit sich stark entwickelt hat, fällt freilich auch die Abschiedsstunde besonders schwer ins Gewicht, doch taffen mich meine durch Jahre gepflegten Beziehungen zu allen Kreisen hiesiger Stadt die Hoffnung hegen, daß ihre Bewohner mich in freundlicher Erinnerung behalten werden. Ich rechne die hier mir vergönnte Zeit zu der schönsten meines Lebens und rufe der Haupt- und Residenzstadt Karlsruhe ein herzliches Lebewohl zu." Der Stadtrath hat beschlossen, dem Scheidenden die Dankbarkeit und Anhänglichkeit durch eine Ab­ordnung und eine Adresse auszufprechen.

* Uundschnn im Reiche. Gegen den im Brauweiler Prozesse verurtheilteu Redakreur Hofrichter findet am 10. Februar vor der Kölner Strafkammer eine Verhandlmig wegen Be­leidigung des Gendarmen Müuter sowie der gesammten Polizeiorgane und Gendarmerie des Regierungsbezirks Arnsberg statt. Die Beleidigung soll begangen fein durch die Behauptung nicht nachweislich wahrer Thatsachen über die bekannten Bergarbeiter- Versammlungen, welche die Vernrtheilung des Bergarbeiters Schröder und Genoffen im Gefolge hatten. Ein großer Zeugenapparat ist auf» geboten. Der Prozeß dürfte erneut ein weitgehendes Interesse bieten.