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Ko. 394.
Bezirks-Fernsprecher No. 52.
Samstag, den 24. Augnst.
Bezirks-Fernsprecher No. 52.
1895.
Abend-Ausgabe.
(Nachdruck verboten.)
Ans großer Zeit.
(Zeitungsstimmen aus dem Jahre 1870.)
25. August. Die deutschen Heere sind in vollem Marsche aus Paris. Der Kronprinz ist voran. Die 1. und 2. Armee ist lhm aesolgt, die Vortruppeu standen schon vor einigen Tagen nur zehn Meilen von Paris. Mac Mahon hat mit seinen Truppen ohne Schwertstreich Chalons geräumt und das berühmte Lager, den Stolz Frankreichs, verbrannt; er zieht sich nach Paris und nicht, wie man Anfangs glaubte, nach Metz, um Bazaine zu befreien. Die deutschen Reiter reiten mit Lust darauf los, sie sind weithin der Schrecken der Franzosen geworden, denn sie scheinen allgegenwärtig. Paris ist eine gewaltige, vielleicht nur allzu große Festung, von den Kanonen aber, mit denen die Werke besetzt sind, sagen die Pariser: schlechtes Zeug! Es sind meist alte Kanonen von 1840. Wenn nicht daSBoulognertzölzcheu niedergeschlagen würde, so glaubten die Pariser kaum an deu vollen Ernst. Das aber erschreckt sie; denn ohne Boulogner Hölzchen kein Paris, wie kein Rom ohne Papst und kein München ohne Bier. Der alte Thiers behauptet, 6Wochen lang könne sich Paris halten. DaSGeheimniß ist, er hofft m dieser Zeit auf Vcriuittclung der Neutralen.
Vor Metz stehen mehrere Corps der Hauptarmee, verstärkt durch Corps der Landwehr. Es wird eine furchtbare Belagerung, 430 schwere Geschütze ans Köln, Coblenz, Mainz und Wesel find eingetroffen, und die Artillerie hat bei Düppel Ulid- Alsen das Belagern gelernt. Drinueu in der Festuiig haben die Deutschen einen Alliirten, das ist die Roth und der Hunger; denn auf Bazaines Heer war nicht von den Proviant- itub Fouragemeistcrn gerechnet.
26. Aug u st. (AuS franzöfischen Zeitungen.) .Am 21. begab sich eine beträchtliche Menge Abend» vor das Hotel des Herrn v. Bismarck in Berliii. Länger als eine Stunde wurde dort von diesen durch das Unglück verzweifelten Leuten der Schrei: „Brod! Brod! ausgestoßen l Die das Hotel bewohnenden Leute zeigten sich am Fenster und antworteten: „Brod? Brod wollt Ihr haben? Sucht es in Paris!" Auf diese unmenschlichen Worte stürzte sich die Menge auf das Haus und zertrümmerte mit Steinwürfen alle Fensterscheiben. Es bedurfte zahlreicher Polizeibeamten, um das Haus und die Straße zu befreien. Das ist ein Beweis von beit Leiden, die der Krieg in Berlin erzeugt hat." (Patrie.)
27. August. Ganz genau können wir heute zwar nicht sagen, wo die Vorhnt unserer deutschen Heere steht, e» werden viele Orte genannt, und die Ulanen haben bereits Epernay, wo der beste Champagner in den kühlen Kellern auf fie wartet, mit ihren Lanzen hineingestochert; das aber können wir versichern, sie sind auf dem besten Wege und wandeln „auf den Spuren ihrer Bäter" von 1813 und 1815 und werden den Weg nach Paris nicht verfehle». Im Vorübergehen haben sie auch die Festung Longwy zur Uebergabe aufgefordert, die sich noch etwas ziert und sträubt. Noch weniger können wir bestimmt sagen, wo Napoleon steckt; man sagt, er sei am 25. August in Paris au gekommen und gedenke, wenn die Temperatur nicht angenehm sei, nach Bourges überzusiebeln, bas befestigt werben soll. Vom Prinzen Napoleon weiß man ganz gewiß, wo er ist, nämlich in Turin, wohin er sein Theuerstes geflüchtet hat; seine Fran mutz das nicht sein, denn er hätte sie in der Eile beinahe in Paris sitzen lassen, rein vergessen. Den Kaiser wollten die Leute auf dem Bahnhofe in Olmütz gesehen haben; es war ein israelitischer Haiidelsmami aus Prerau, der ihm frappant ähnlich sah. Die Leute halten wahrscheinlich an den ewigen Juden «dacht. (Hildb. Dorfztg.) — General v. Boni» ist ein wackerer Mann, der den Schreibern und Sprechern von Leitartikeln viel Kopfzerbrechen über Elsaß und Lothringen erspart hat, 1-,stellt er sich den Lothringern mittels Proklamation als vom König ernannten Geiieralgoiiverneur vor, 2. eröffnet er ihnen: „Die Gesetze des Landes bleiben vorläufig bis zur Einführung des allgemein deutschen Gesetzbuches in Kraft, lieber bas Wechselrecht und Münz- wesen werben nach erfolgtem Friedensschlüsse Gesetze uub Bestimmungen erfolgen." Die Lothringer haben bereits herausbuchstabirt, was das heißt.
28. August. Ein unterrichtetes Privatschreiben aus Pans theilt mit, daß der Herzog von Gramont seine Abende im Jockeyklub zu Paris zubringt. Als ihn Jemand vor einigen Tagen fragte, wie er sich habe in diesen gefährlichen Krieg stürzen können, antwortete der Herzog, er habe den früheren Kriegs Minister Leboeuf gefragt, ob er bereit sei. Dieser habe geantwortet: lieber unb über bereit (je suis archi-pret!) „Sonst," fügte ber Herzog hinzu, „hatte ich mich wohl gehütet, zu einem Kriege wegen einer Sache zu rathen, welche zu verhindern es zwanzig Mittel gab!" Diese charakteristische uub cynische Aeußerulig niacht jeben weiteren Kommentar überflüssig.— In Paris war bas Gerücht verbreitet, Napoleon fei gefangen, ohne baß zu einem Lösegclde gesammelt worben wäre. Der Kaiser war allerdings tu Lougeville, wie berichtet, nahe daran,, deutiche Kugeln verdarbcit ihm bas Frühstück, so schnell war er tu feinem Leben nicht auf bem Gaule. Mit Hülse eines Führers machte er sich auf Schleichwegen, bie er immer so sehr geliebt hat, durch Weiuberge, bereu Trauben basmal sauer waren, davon, kam endlich aus bie Laubstraße (matt könnte ihn wirklich einen Landstreicher neunen) und in sausendem Galopp in Verdun an, wo er auch wieder Fersengeld geben mußte. In Rheims ruhte er einen Augenblick von den Krtegsstrapazen aus. Rheims ist die alte KrömingSstadt. Er hatte lange genug versprochen, sein Werk zu krönen, jetzt reichen ihm die deutschen Soldaten das Salböl, und es heißt: Finis coronat opus. Ketue rettende Jungfrau von Orleans erscheint, Jungfrauen haben immer vor ihm ein Granen gehabt.
29. August. Ein auf dem Kriegsschauplätze anwesenber österreichischer Arzt Namens Emil Schw., welcher schon als Student bie Schlachtseiber Italiens im Jahre 1859, bann jene in Böhmen im Jahre 1866 als Arzt besucht hatte, um nach Kräften zu Helsen, bringt über bas Verhalten der verschiedenen Verwuttbeten intereffnule Mittheilungcn. Die Franzosen, gebeugt von ber Weh- muth über die harten Schläge des Schicksals, die ihr Vaterland erleidet, flehen oft um den Tod, der sie von aller Erdenaual be- freien soll, und Selbstmorde sind bereits vorgekommcn; ein kaum achtzehnjähriger Lieutenant, dem eine Kanonenkugel das rechte Bein zerschmettert hatte, erschoß sich mittels eines Revolvers. Die nord- beutfdjen Verwundeten bewahren eine stolze Ruhe — mannhaft überstehen sie selbst die peinlichsten Operationen. Klagen werden feiten laut. Den schwierigsten Stand verursachen den Aerzten die Bayern, welche überhaupt von allen im Feld stehenden deutschen Stäuimen die fürchterlichsten Raufer sind. Die Leichtverwundeten verderben sich oft durch ihr vieles Triuken, da ihnen die Civilbevölkerung Wein uub Bier zuschmuggelt. Burschen, welche Schüsse in ben Armen ober Beinen haben, hört man jodeln unb bubdn ; fie kennen nur eine Sehnsucht: bald gesund zu werde», „um wieder Alles z'sammenhauen zu können". Alle Truppen, so Deutsche als Franzosen, haben nur eine Stimme der Verwunderung über die Todesverachtung und faktische Tollkühnheit der Bayern, welche geschworen haben, weder Pardon »n geben, noch z« nehmen, da sie über die verschiedenen meuchlerischen Anfälle der Bauern und die bestialische Behandlung, die mehreren Jägern durch di« Tnrkos widcrflihr, dis zur Wnth entflammt sind. — lieber den eigentlichen Standpunkt der Truppen Mac Mahons fehlt es bisher noch immer an zuverlässigen Nachrichten; da jedoch das Erscheinen größerer feindlicher Truppeumassen auf der Linie Rheims-Mezivres ober gar weiter östlich jebeufalls schon hätte wahrgeuommen werben müssen, muß man noihwendiger Weise zu ber Annahme gelangen, baß bie Andeutungen ber Pariser Journale über ben geheimuißvolleu „Plan" Mac MahouS wiederum nur Flunkerei gewesen feien und daß der Marschall über SoissouS auf Paris znrückgehe.
30. August. Nach offiziellen telegraphischen Nachrichten ist am 29. August Mac Mahon von ber Armee bes Kronprinzen von Sachsen mit bem 4., 12. (sächsischen) und einem bayrischen Corps geschlagen und von Beaumont bis Monzon zurückgedrängt; 12 Geschütze, einige Tausend Gefangene uub viel Material gerietst in unsere Haube. Verluste mäßig. — Zu ben erfreulichsten Erscheinungen bes gegenwärtigen großartigen Krieges gehört auch bie wirklich wunderbare Einigkeit, ja, selbst herzliche Kameradschaftlichkeit, welche stets alle Truppen ohne Ausnahme, Preußen, Bayern, Württemberger unb Babener, gcgeucinanber beweisen. Wer früher bayrische uub preußische Truppen in einer Garnison zusammen sah, z. B. in Frankfurt a. M., dem konnte es nicht entgehen, daß stets eine gewisse Spannung zwischen
ihnen herrschte, unb 1866 haben unter allen sich gegenübersleheuben Feinben vielleicht bie Bayern unb Preußen sich am erbittertste» geschlagen. Jetzt ist bas gerabe Gegentheil eingetreten. Von alle» Kameraden finb besonders bie Bayern uub Preußen stet» bie besten zusammen, bie auch keine Gelegenheit vorübergehen lassen, ihre Brüderlichkeit recht sichtbar zu zeigen. Wickede erzählt in Bezug darauf: So sah ich, daß preußische Infanteristen mühsam Wasser herbeischleppten, um bayrischen Chevaurlegers beim Tränken ihrer Pferde zu helfen, unb wieder theileu die bayrischen Soldaten gewiß ihren letzten Trunk ans der Feldflasche unb ihren spärlichen Tabak im Tabaksbeutel mit ben Preußen. Eine höchst komische Scene war es, als Soldaten vom 18. preußischen Regiment, geborene Polen, bie etwas angeheitert waren unb nun, wie es ber Pole liebt, wenn er viel getrunken hat, ihre Freude durch Küssen bezeugten, sich recht herzhaft mit bayrischen Jägern, lauter stämmigen Alt-Bayern, abschmatzten unb umarmten. Später spielte ein Pole auf bem Dubelsack, ben er Gott weiß wo aufgetrieben hatte, unb Polen unb Bayern tanzten nun Franxaise auf bas Lebhafteste miteinanber. Und so ist eS überall, Bayern, Württemberger, Prenßeii, Badener, kurz alle Soldaten ber ©übarmee finb ein Herz unb eine Seele, unb auch noch nicht bie minbefte Unordnung ist zwischen ihnen vorgekommen.
31. August. Nach ben letzten Berichten muß in Metz ein Zustand uneudlichen Elends herrschen. Lazarethbrand oder Hospital- fendje. bereu Ausbruch in Metz gemeldet wird, diese furchtbare ait» steckende Krankheit, welche bis auf meileutoeiten Umkreis die Lust zu verpesten im Stande ist, verbniideu mit Mangel an Aerzten, an Kraukenpsteger-Persoual unb an Nahrungsmitteln, all Dieses wird schwerlich die Stabt befähigen, eine längere Belagerung anSzuhalten, zumal wenn zu bem vorhaubenen Ungemach bie feindlichen Balterieen uod) Brand unb Verwüstung in bie Ringmauern schleuberu. Es scheint absolut unmöglid), baß Bazaine seine passive Rolle noch lauge beibehält.
Politische Tages-Kun-schim.
— Die Reisen König Leopolds von Belgien fahren fort, die Presse sehr zu beschäftigen, unb nicht ein Tag vergeht, wo die Brüsseler Blätter nicht diese ober jene sonderbaren Deutungen auslänbischer Kollegen über diese Reisen mitzutheilen hätten. Natürlich haben die Pariser Skandalblätter in erster Linie von ber Reise des Königs nach London Notiz genommen, und zwar aus dem Grunde, weil zu derselben Zeit Kaiser Wilhelm sich in England aufhielt. Von da bis zur Erfindung einer geheimen Unterredung der zwei Monarchen war es gar nicht weit und hat das „Echo de Paris" dieselbe sich denn auch geleistet. Am 14. August, so schreibt dasselbe, hat in ber Wohnung des Lord Lonsdale eine Unterredung zwischen dem Könige Leopold und Kaiser Wilhelm II. stattgefunden. Bis spät in die Nacht hinein sollen die beiden Herrscher ihre Ansichten über die gegenwärtige Lage in Europa und besonders in Afrika ausgetauscht haben. Sonderbarer Weise meldet das Blatt nicht, daß der König von Belgien bei dieser Gelegenheit eine Abtretung Belgiens an Deutschland mit dem Kaiser besprochen. Die Reise Leopolds II. nach Frankreich scheint für die Blätter von weniger Bedeutung zu sein. Höchstens dürfte man in London sich etwas unangenehm berührt fühlen, denn was außer Zweifel zu stehen scheint, das ist, daß, König Leopold, als Souverain des Congostaates, dessen Interessen selbst bei den verschiedenen Mächten, die an denselben grenzen, venheidigt und vielleicht eine gemeinsame Aktion zum definitiven Zurückdrängen ber Derwische nach ihren Gebieten herbeizuführen sucht, zum allgemeinen Besten aller in Afrika bestehenden europäischen Kolonieen.
(Nachdruck verboten.)
Die Feldpost anno 70.
Von Martin Beck.
War's nicht schön bamals, als unsere Solbaten so fern von ber Heimath auf fremdem, französischem Boden standen und ihnen doch immer einmal ein Brieschen von daheim zufliegen konnte, um ihnen zu sagen, wie treu besorgt liebende Herzen der Eltern und Geschwister oder auch der Frau und Kinder fortwährend ihrer gedenken? Und war's nicht ebenso schön, daß fie selbst ihren Lieben daheim sofort wieder einen Liebesgruß zuschicken konnten und sie über ihr Schicksal kaum ein paar Tage in dunkler Ungewißheit zu lasten brauchten? Und dann, als dem liebevollen Grußaustausch bald auch freundliche Liebesgaben folgen durften, bie Hunger unb Kälte von den braven Soldaten rbhielten unb ihnen gar manche schöne Ueberraschnng, gar Wmchen, lange entbehrten Genuß unb sogar bie selige Freude des guten, alten, deutschen Weihnachtsfestes mitten ins Feindesland brachten?
Gewiß, das Alles war schön. Und die Feldpost, die das Alles ermöglichte und dem Krieg gar viel von dem schweren, sorgengequälten, unheimlichen Charakter früherer Zeiten nahm, wurde überall auf das Freudigste als eine segensreiche und bewundernswerthe Errungenschaft gepriesen. Etwas gar so Neues war sie freilich nicht. Nur in dieser Ausdehnung und Tüchtigkeit, wie 1870, hatte man sie noch nicht kennen gelernt.
Schon im Alierthum finden sich Spuren der Feldpost. Damals diente fie aber nur den Heerführern und dem amtlichen Schriftverkehr. Alexander der Große war, wie der römische Historiker Marens Jnnianns Justinus erzählt, der erste, der auck den Bedürfnissen der Mannschaften durch die Feld
post Rechnung trug. Im Mittelalter verschwanden alle Spuren ber Feldpost. Nur bie deutschen Ordensritter in Preußen unb nach ihnen Subtoig XI. von Frankreich, um 1464, unb Eduarb IV. von Englanb, um 1481, Der» toenbeten reitenbe Boten, eine Art von Felbkurieren, im Kriege zur Unterhaltung bes Verkehrs mit ber Heimath.
Die moberne Feldpost ist aber französischen Ursprungs unb stammt aus bem 17. Jahrhundert. Da ließen Gusbriant unb Tureitne am Oberrhein an bestimmten Tagen Briefe von ihren Truppen sammeln und unbesehen nach rückwärts an die nächsten französischen Postämter besorgen. Bei den damaligen Verkehrsverhältnissen war diese Besorgung aber höchst unsicher, und Briefe, die überhaupt an ihre Adresse gelangten, bedurften dazu mehrerer Monate.
Die erste preußische Feldpost errichtete 1716 Friedrich Wilhelm I. im Kriege gegen die Schweden in Vorpommern. Friedrich ber Große bildete sie später weiter aus, und die von ihm geschaffene Organisation besteht theilweise noch heute. 1778 bei Ausbruch des Bayrischen Erbfolgekrieges wurde eine umfassende Instruktion für ben Felbpostdienst ausgearbeitet. Und 1813 besaß schon jebeS preußische Armeecorps fein Feldpostamt unb feine Feldpoftexpeditionen für die einzelnen Brigaden, die den heutigen Divisionen entsprachen. Im Ganzen waren damals im Dienst 3 Feld- poflmeister, 27 Sekretäre, 4 Briefträger, 79 Postillone mit 193 Pferden und 27 Wagen. Doch beanspruchte die Route von Paris nach Berlin immer noch 12Tage. 1867 wurde dann eine neue Dienstordnung für die Feldpostanstalten festgesetzt.
1870 stand die Feldpost bereits 10 Tage nach der Mobilmachnng marschbereit. Bei jedem Armeecorps wurden unter dem Felbpostamt mobil gemacht zwei Feldexpebitionen für bie beiben Infanteriedivisionen, eine für die Kavalleriedivision und eine vierte, mit dem Feldpostamt verbundene.
für die Corpsartillerie, den Train rc. Das Postpersonal für ein Armeecorps betrug 74 Beamte mit 56 Pferden und 12 Wagen, während beim französischen Heere die gefammte Feldpost nur aus 74 Beamten bestand. Allerdings brauchte es auch nicht mehr, da es ja, so gern es auch erst feinett „Spaziergang nach Berlin" machen wollte, ans dem eigenen Lande nicht hinanskam unb, wo französische Armeen standen, bie französischen Postanstalten ihren regelmäßigen Dienst beibehielten, währenb sie beim Erscheinen deutscher Truppen überall sofort ihre Thätigkeit einstellten.
Die ganze Feldpost 1870 stand unter der Oberleitung des jetzigen Staatssekretärs des deutschen Reichspostamtes, Heinrichs v. Stephan, der damals vor 25 Jahren, am 1. Mai 1870, zum königlichen Generalpostbirektor erhoben und durch das hervorragende organisatorische Geschick, das er bei Einrichtung der Feldpost bewies, rasch zu einem ebenso populären Mann in ganz Deutschland wurde wie Bismarck und Moltke, wozu später noch mehr seine großartige Reformation des ganzen Postwesens beitrug. Er stellte die Feldpost unter die Leitung eines Feldoberpostmeisters, ber persönlich dem Felboberpostamt für bas Große Hauptquartier Vorstand. Unter diesem Feldoberpostamt standen die Feldpostämter für die Armeekommandos unb einzelnen Armeecorps unb bie im Rücken ber Armee nach Bebürfniß errichteten Etappen- unb Eisenbahnfelbpostämter. Den bireften Verkehr mit ben Truppen vermittelten bie einzelnen Feldpostexpebitionen.
Im Ganzen traten in Thätigkeit außer bem Feldoberpostamt fünf Armeepostämter und fünfzehn Feldpostämter, wozu mit Occupalion des französischen Gebietes allmählich noch fünf Etappenpostbirektionen kamen, so daß zuletzt 81 norddeutsche Feldpostbehörden in Thätigkeit waren. Ein besonderes Feldpostdepartement bearbeitete Tag und Nacht die täglichen
