Huartier-Grlednilse in Frankreich 1870/71.
Das letzte Drittel der Julimonats 1870 durchlebte» die Mainzer in Hangen und Bangen. Mußte doch jeder Einwohner sich lagen: „Fangen di« Franzosen so leichtfertig Krieg an, dann werde» sie auch heimlich sich dazu gerüstet haben und können jeden Tag vor Maiuz erscheinen." Denn zwischen hier und der Grenze lagen kaum zwei volle Bataillone Infanterie: das eine in Kaiserslautern, das andere in Saarbrücken, die hätten ein französisches Heer nicht lange aufgehalten. Aber das Prahlwort des französischen Kriegsministers Leboeuf: „Nous eommes archi-prets“ war eitel Flunkerei, die Franzosen waren nicht« weniger als zum Angriff fertig gerüstet. Al« daher hier in Mainz, etwa vom 25. Juli ab, fast jede halbe Stunde Tag und Nacht ununterbrochen jeder Eisenbahnzug an tOOO Mann Truppen nach der Gegend von Landau durchsnhrte, schwand allmählich die Bangigkeit, und man tröstete sich, daß „das Loch da unten bald voll Soldaten steckt".
Die ersten Truppen, welche Mainz verließen, waren die r h ei»i s ch e n Dragoner. Das Reginicnt ritt am 22. Juli znm Müusterthor hinaus. Am 2b. Juli folgte das 1. Nassauische Infanterie-Regiment Nr. 87 durchs Gauthor. „Du wirst sehen," sagte beim Abschied der mir befreundete Zahlmeister Kronbaucr in prophetischem Tone, „es gicbt etwas Welterfchütterndes in Frankreich, es wird heiße Kämpfe geben und eine große Zeit anbrechen." Seine Prophezeiung hat sich wirklich erfüllt. Auf dem Marsch« wandte sich «ine Frau auS Zabern an meinen Freund, erzählte ihm, sie sei ans Coblenz, aber mit einem Elsässer ver- hrirathet, und rief unter Thränen aus: „O, meine arme», jungen Landsleute, die Franzosen werden Euch Alle vernichten, Keiner von Such wird den Rhein Wiedersehen!" Der Zahlmeister suchte sie
•) Nach hinttrlassenen Aufzeichnungen eines Mainzers im „Mainzer Anzeiger" mitgetheilt.
wohl darüber zu beruhigen, aber er ließ eine Ungläubige zurück, die von der Uebcrlegeuhcit der Franzosen überzeugt war.
In einem Orte bei Tonchery kam der Mainzer F. C. Brechtel, Unteroffizier im 87. Regiment, zu einem Dampfmüller ins Quartier, der sich gerade mit einem Zahlmeister, welcher eine alte Kuh am Strick hielt, vergebens zu verständigen suchte. Mein „Meenzer", der flott französisch sprach, erklärte nun seinem Ouartiergcber: Der Zahlmeister wolle die alte Kuh gegen einen Sack Mehl vertauschen, womit der Müller auch zufrieden war. Aber nun sperrte er die Kuh vorsichtiger Weise statt in den Stall in die Scheuer, wo sie, allein und fremd, unausgesetzt muhte. Das störte einen Offizier in seiner Nachtruhe, er requirirle die Kuh, und als der Franzose deshalb in seiner Wulh ans die „Cochons allemands“ schimpfte, bekam er auch noch die Scheuer voll Einauartirung gelegt.
F. Zitz aus Mainz, Reserve-Lieutenant im 117. Regiment, lag Anfang Januar 1871 im Schloß zu Chateau neuf auf Relais. Sils er zum ersten Mal den Maire aufsnchte, war es bcieits dunkel. Er schellte am Thor, dasselbe ward von weiblicher Hand geöffnet uild Z. in echtem „Meenzer Deutsch" mit den Worten begrüßt: „Ei, guten Abend, Herr Zitz, sind Sie auch da?" Mitten im Feindesland persönlich gekannt und;,in seinem geliebten HeimathS- Dialekt angesprochen zu werden, überraschte natürlich de» Osfizier aufs Höchste. „Wer sind Sie den», mein Kind?" fragte jetzt der überraschte. „Ich bin die Fräulein Käbrich aus Mainz und Gesellschasterili bei der Frau Maire, die keine Kinder hat", war die Antwort. Mauchen vergnügten Abend bracht« jetzt unser Zitz in der bürgermeisterlichen Familie bei seiner litbenSwürdigeu Landsmännin zu, die schon einige Jahre hier .nnvertriebcu" weilte, und der Zufall führte ihr sogar bald darauf den eigenen Bruder, der im 118, Regiment diente, ins Onartier.
O. Basti an, Gastwirth an« Bacharach und Unterosfizier der Garde-Landwehr in einem rheinischen Regiment, lag Anfang 1871 vor Rouen. Eiil benachbartes Schloß reizt« zur Besichtigung,
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43. Jahrgang.
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R-. 388
Mittwoch, den 21. August.
Bezirks-Fernsprecher No. 52.
1895
Bezirks-Fernsprecher N». 52.
Abend-Ausgabe
Kraft gebrochen war, das Ende ist dann der Trunk und - ein
Die Wohnungsfrage.
Im hiesigen „Christlichen Arbeiterverein* wurde in den letzten Tagen der „Spar- und Bauverein für Arbeiter und kleiue Beamten" (auf Grund des Genossenschaftsgesetzes vom 1. Mai 1889) konstituirt. Damit ist auch in unserer Kurstadt der Weg beschritten, die sanitären und sittlichen Gefahren der Wohnungspoth beseitigen zu helfen.
Bei Gelegenheit dieser konstituirendeu Versammlung wurde von Herrn Dr. med. Kranz-Busch das Thema: „Die Wohnungsfrage in ihrer hygieinischen und sozialethischen Bedeutung" in schwungvoller Rede beleuchtet, die bei den zahlreich erschienenen Zuhörern begeisterte Aufnahme fand. Der Inhalt der Rede war u. A. etwa folgender:
zerbrochener Tranring! Aber in Tausende» von Fälle» liegt die '"lache dieses vielen leiblichen und geistigen Elends in der WohnungS- noth; das Haus ist da»» nicht mehr die Grundlage des Familienlebens und kamt es auch nicht fei», wo es nicht die Bedingungen stur die Entwicklung desselben bietet. Wenn der Mann von schwerer Tagesarbeit »ach Hause kommt und findet in seinem Heim keine Erholung in seinen kahlen, unfreundlichen vier Wänden, so verkümmert er, er wird stumpf, jede« edlere Gesiihl wird in ihm erstickt, das Herz verödet, uud schließlich fallt er dem Mörder Alkohol in die todtbringendcn Arnre, der ihm fein ganzes Hauswesen zu Grunde richtet. — Und nun noch eilt kurzes, düsteres Kapitel der Wohnungsfrage. Welch' furchtbare sittliche Gefahren drohen dem Arbeiterstunde durch die Woünungsuoth! Wo Eltern und Kinder in einem Raum zusammen schlafen muffen, da muß in vielen Fallen das Gefühl für sittliche Reinheit vernichtet werden. Mit Schauder muß es uns erfüllen, wenn wir au die Folgen denkeii. Der halberwachsene Sohu hat oft die Achtung vor der weiblichen Würde verloren, lange schon, ehe er in« Leben hinans- tritt. Die Tochter hat oft schon den zarten Hauch jungfräulicher Keuschheit eiiigebüßt, ehe sie konfirmirt wird. Und wenn sie dann das Elternhaus verlassen und hinausgeheu in die Welt ohne den festen sittlichen Halt, wie bald sind sie verloren! So wird das Familienleben, die Grundlage jede« sozialen und staatlichen Lebens, oft schon in der Wurzel vergiftet. Ja, man hat schon Töchter vor ihren eigenen Vätern retten müssen. ES ist ein schauerlicher Abgrund, der sich da vor uns austhut! Man sollte meinen, da ist jeder Sinn für Recht und Unrecht, jedes Empfinden für Sünde und Schande verloren gegangen. Aber wer will hier den Stein auf» 5“6eit? Verschafft erst dem Arbeiter die Bedingungen für eine geordnete Häuslichkeit, gebt ihm die Möglichkeit, ein glückliches, reines Familienleben zn führen, — und dann richtet! Eine besonders große sittliche Gefahr besteht noch darin, daß viele Arbeitersauiilien ihre Wohnung an sogeuaiiiite „Schlafburschen" oder „Schlafgäuger" abgeben und, da sie bei den meist hohen Miethpreisen oft nur einen einzige:! Wohnraunt erschwingen können, diesen nmt mit den betreffenden „Schlasbnrscheit" gemeinsam bewohnen. Hierdurch wird natürlich die Luft tu dem an sich schon überfüllten Raum noch mehr verschlechtert, aber noch schlimiuer sind hier oft die Folgen in sitt- l'cher Beziehung. Doch decken wir lieber den Schleier' über diese Zustande. Gott gebe mir, daß es damit bald besser werde! Zahlenmäßige Belege für das Gesagte mögen folgen. Ich' greife ba nur Einiges aus dem leider reichen Material heraus. ^>n B r e s l a il z. B. betrugen tm Jahre 1880 die nur aus eine m Ztmnier bestehenden Wohnnngen 59 pCt. der Gesa m m tz a h l. In Leipzig bestanden im Jahre 1885 25 pCt. der Wohnungen aus einem einzigen heizbaren Zimmer. Der vierte Theil aller Einwohner hatte Wohnungen, deren Fenster nur nach öem Hose führten. Und 1270 Familie!,, die nur über ein Zimmer verfügten, thcilten diesen knappen Dia um noch mit Schlafgängern. Es ist vor wenigen Wochen sestgestellt worben, daß von der Einwohnerschaft Londoiis 188,000 zn Viert in einem einzigen Zimmer wohnen, nub 3000 Hausen zn 8 ober noch mehr in einem Raum. Und wer ui Loudon gewesen ist und z. B. die Gegend von Whitechapel keiinen gelernt hat, der weiß, was das für Wohnungen find! Was kann nun dieser Wohnungsnoth gegenüber gefchehen? Das ist eine der wichtigsten Fragen unserer Zeit. Und wahrlich, es giebt auch kaum eine wichtigere Aufgabe, als die Reform auf die em Gebiet. Das Ideal wäre sicher die Anlage von fleineti Arbeiterhauseru mit Hofraum und Garten, für eine oder höchstens Met Fatmlien eingerichtet, und zwar am besten in Form von Kolonieen auf freiem, luftigem Terrain. Solche Arbeiterhäuser sollte man entschieden bauen, wo es die Verhältnisse mir irgend gestatten, ■d» gesundheitlicher Beziehung wäre dies schon geboten, weil dadurch der starke Zusammendrang von Menschen vermieden würde Dd vor allen Dingen ist nichts so sehr im Staude, den Sinn sur Häuslichkeit zu wecken und eine gesunde, gedeihliche Entwicklung des Familienlebens zu fördern, wie dies Alleinbewohuen eines eigenen Hanfes, und wäre letzteres auch noch so einfach und bescheiden. In Amerika und England und auch in einigen Theilen von Norddenlschland (z. B. in Bremen) hat man dieses Prinzip durchgeführt und sehr erfreuliche Resultate damit zu verzeichnen gehabt. Aber der Boden ist in große» Städten meist recht theuer, und barm» wird es sich oft nicht vermeiden laffen, auch größere Häuser für mehrere Familie« zu bauen. Doch gleichviel, wenn nur ’
„Die Wohnung, das Heim ist ja — außer seiner Bestiitimnng, dem Menschen als Aufenthaltsort zu dienen und ihm Schutz zu «währen bor_ den Unbilden und Gesahren der Witterung, — vor Allem die Stätte des Familienlebens, auf dessen gedeihlicher Entwicklung doch jedes geordnete Staatswesen beruht, und darum gebührt der Wohuungsfrage bei ihrer eminenten Wichtigkeit für den Einzelnen Wie für die Gesanimtheit des Volkes die größte Beachtung von Seiten des Volkssrenndes. In ihrem Schooße liegt noch manche Frage der Zukunft. Die Wohnungsfrage sollte barum auch derjenige Punkt sein, wo die soziale Reform anietzen muß, weil sie eben di« wesentlichste Bedingniig für die sittliche und kulturell« Zukunft der Nation enthält! Eine gute Wohnung muß geräumig, hell, warnt und trocken fein, und vor Allem reinlich; sie soll nach der Tagesarbeit behaglichen Aufenthalt bieten zur Erholung für Leib und Seele; sie soll zugleich ein Hort der Gesundheit und die Statte der reinsten, Herz und Geist erquickenden Freuden sein. Entspricht nun bi« Wohrntug des Arbeiters, des kleinen Mannes diesen Anforderungen? In tausend Fällen: nein! Welchen Jammer und Welches soziale und sittliche Elend begreift in taufenb und abertaufenb Fällen bas Wort „Arbeiterwohnniig" l m _ sich I Die Wohnung ist ba so oft statt eines Hortes der
ß Gesundheit eine Quelle von Gesundheitsstörungen, von Krankheiten
aller Art. Erkältungskrankheiten, Rheumatismus, Gicht-, Niereu- erkrankungen, Fieber, Katarrhe der Athmungsorgane, Angen- krankheiten und manch Anderes treffen wir als ständige Säfte in den feuchten und kalten Räumen; nnd dann das große Heer der Infektionskrankheiten, die in folchen ungesunden, unreinlichen Wohnungen ihre Brutstätten habe», die Tuberkulose, die Diphtherie, der Typhus und wie sie alle heiße», bis zur Cholera, jener furchtbaren Geißel der Menschheit, die auch da vornehmlich ihre Opfer sucht und findet, wo die Menschen in engen, dumpfen Räumen zusammenleben, ohne den wohlthätigen Hauch frischer Luft, ja oft ohne den warnten, belebenden Strahl von Gottes Sonne. Ist es denkbar, daß in solchen Wohnungen ein gesundes Geschlecht aufwachsen taun! Abgehärmte Frauen und arbeitsnusähige Männer, bleiche, hohlwangig«, skrophnlöse Kinder — das sind die Folgen solcher Wohnungeu für ihre Bewohner. O der Roth und des Elends! Und nun dastehen und sich sagen müssen: „Soviel Du auch zn lindern versuchst, es ist oft nur wie der Tropfen auf de» heißen Stein." Mehrer« Beispiele aus der eigenen Erfahrung, auch ans unserer Weltknrstadt, zeigten, daß der Redner nicht sprach wie der Blinde von der Farbe. — Jst's beim ein Wunder, daß bei solchen Verhältnissen so Mancher dem Elend im
eigenen Heim nicht mehr Stand hält und seine Erholung außerhalb seiner Familie sucht?! Man klagt heut zu
Tage so viel über den Verfall des Familienlebens, über die Zunahme der Trunksucht. Gewiß ist Mancher selbst schuld, daß es fo weit mit ihm gekommen ist, er hätte cs anders haben können; er hatte ein freundliches Heim, ein gutes, treues Weid, das für ihn sorgt«, aber da kamen leichtsinnige Freunbe, die ihn seinem Heim entfremdeten und ihn auf böse Wege führten, bis seine moralische
ZI »h V A Oft kzi* K S , r* Kahk u
bett Anforderungen derHygieme in jeder Hinsicht genügt wird, wenn nur Wohnungen sur di« Arbeiter geschaffen werben, die die Möglichkeit eines glückliche» und gemüthlichen Familieulebeus gewähr- leisteit,, und der Arbeiter dadurch in soziale Verhältnisse gebracht Wird, in denen er nicht Gefahr lauft, das Bewußtsein seiner Menschenwürde zu verlieren. Der Palast des Reichen und die Hütte deS armen Arbeiters,—zwischen diese» beiden Gegensätzen liegt groß und breit die soziale Frage. Dieser Gegensatz muß gemildert werden, und er kann auch gemildert werden, wenn sich mir warme Herzen und hulsreiche Hände bereit finden. Hier ist den meiischenfreund- Uchen Kapitalisteu ein weites Feld für eine überaus segensreiche zbatigfeit geboten, und es ist auch schon Manches geschehen; ich erinnere nur au die großartigen Erfolge der edlen Octavia Hill in London, die mit verhällnißniäßig kleinen Mitteln Gewaltiges geleistet hat. Und Gott sei Dank regt es sich auch bei utis. Obenan steht unser Kaiser, der mit tiefem Vetständniß die soziale Frage ersaßt hat, der ein warmes Herz hat für di« Roth seines Volkes und einen festen, energischen Willen besitzt, um dt« Aufgabe» der sozialen Refornt dnrchzusühren. Uud «och so mancher Name von gutem Klang steht in vorderster Reihe im Kamps um die innere und äußere Erneuerung nuferes Volkslebens. Aber noch stehen Viele abseits am Wege mit geschloffenen Hände», ohne Versianduiß für die großen Fragen der Zeit. Wir bekämpfen nicht minder die Gleichgültigkeit und Indolenz, die noch in weiten Kreisen der Besitzenden herrscht, gegenüber der Roth unserer Zeit als den dosen Geist her Unzufriedenheit und des Umsturzes, der da rüttelt an den Grundfesten aller göttlichen uud menschlichen Ordnung. Wir kenneu Alle ans der Schrift die Geschichte von dem Manne, der unter die Räuber gefallen war. Die Einen hatten ihn geschlagen, todeswund geschlagen, die Anderen gingen kalt und herzlos au ihm vorüber. War hier die Sünde der Einen so viel größer als die der Anderen; ist denn der Unterschied so groß? Wo sind die, die da janiuiert des Volkes? Wo find sie? Der Anfang ist auch bet uns gemacht, dem Arbeiter ein gesundes und billiges Heim zu schaffen. Die Verwirklichung dieser Ziele wird ein wichtiger Schntt weiter auf dem Wege zur „sozialen Versöhnung" fein.' _. / ebner schloß mit einem warn,herzige» Appell au die soziale Einsicht und barmherzige Nächstenliebe der vom Glücke mehr Gesegneten, damit das begonnene Werk zmn reichen Segen für den Arbeiter werde >.,nd fo das wanneLichl christlich-rRächsteuliebe belebend hiuemleuchte in die Herzen und Häuser auch unterer letzten Brüder.
Bis jetzt gehören der Baugenoffenschaft über 100 Mitglieder aus den verschiedensten Berufskreisev an, jedoch vor« läufig leider fast nur aus der Klasse des sogenannten „kleinen Mannes". Bei der großen sozialen Wichtigkeit der Sache wäre es aber dringend zu wünschen, daß auch unsere begüterteren Mitbürger der Sache nicht nur „sympathisch gegenübe stehen", sondern auch durch die That die humanen Bestrebungen des „Christlichen Arbeitervereins" fördern und auch an ihrem Theil auf diesem Gebiete mithelfen an der Lösung der sozialen Frage.
politische Tagrs-Rnndscha«.
— Die offiziöse gegen die zünftlerische Presse. Die „Nordd. Allg. Zig." beginnt in ihrem gestrigen Abendblatt eine Artikelreihe über die zünftlerische Presse. Im Eingang des ersten Artikels wendet sie sich energisch gegen die „maßlosen Angriffe" der zünftlerischen Presse gegen den Leiter des Reichsamts des Innern, Herrn v. Bötticher, und dessen angeblich „handwerkerfeindlichen Geheimen Räthe". Des Weiteren erklärt sich die „Nordd. Allg. Ztg." in längerer Ausführung gegen die Behauptung, daß der Befähigungsnachweis das einzige Mittel darstelle, um das Handwerk aus seiner Nothlage zu befreien.
— Zu den deutschen Festen. Die „Riforma", das Organ Crispis, schließt einen Artikel über die deutschen Einheitsfeste mit folgenden Worten: „Die sich in diese«
aber es gehörte einem Engländer, der feine Flagge gehißt und sich dadurch vo» Einqtiartirung befreit hatte. Bastian begab sich nun mit einigen Kameraden zum Kastellan und bat, das Schloß besichtige» zu dürfen. Da der Schloßherr abwesend sei, ward die Erlaubniß ertheitt. Unsere rheinische» Brüder aber waren „klar« Kerle", der Eine hatte als Kaufmann mehrer« Jahr« in Frankreich konditionirt und sprach perfekt französisch, der Andere, ein Musiker, war aus England heimbeordert worden und beherrschte da« Englisch« vollkommen, die Uebrigeii.Alle imponirende Gestalten, waren ebenfalls nicht auf beu Kopf gefallen. Der Kastellan übernahm die Führung. In einem Salon steht ein Klavier — der Musiker stürzt darauf wie beseffeii, greift in di« Tasten nnd spielt wie ein Gott! Sonaten, Oper», Phantasiee» entzaubert er dem feit 6 Monate» entbehrten Instrument und schwimmt in Wonne.
Andächtig lauschen die Kameraden — da öffnet sich langsam eine Thür und herein tritt ein alter Herr mit weißem Bart — es war ber Schloßherr selbst, der sich anfangs hatte verleugnen laffen. Er stellte sich in französischer Sprache vor und wünschte den Musiker kennen zu lernen, dessen herrliche« Spiel ihn angelockt, um ihm feine Anerkennung auszudrücken. Darauf übernahm der Kauf- tnann die Vorstellung feiner Kameraden im feinsten Französisch, während der Musiker im besten Englisch sich mti dem Schloßherrn unterhielt. Der Engländer war baff, noch mehr aber staunte er, da die Deutschen sich als Unteroffiziere zu erkennen gaben, er hatte sie mindestens für „Capitaines" gehalten uud konnte kaum begreifen, daß Unteroffiziere solche Kenntniffe und so viel gesellschaftliches Benehmen besaßen. „Kein Wunder," sprach er zuletzt, „wenn die Deutschen solche .Sergeant»" in ihrem Heere habe», daß fie dann Alles überwältigen. Mir war e» seither ein Räthsel, toarum die kriegerischen Franzosen stet» unterlagen, jetzt begreife ich e».*
Der Maler H. Schilling aus Mainz, Unteroffizier im 87. Regiment und der französischen Sprache mächtig, wohnte in einem Orte vor
