Mkslm-Mr Tiigbliltt
48. Jahrgang.
No. 384
Montag, den 19. Augnst
1895
Vezlrkö-Fernsprecher Wo. 52.
Bezirks-Fernsprecher Wo. 52.
Abend-flusgahe
(Forts, statt Schluß aus Nr. 382.)
(Nachdruck verböten.)
Diesem Bericht des „Wolffschen Telcgraphen-BüreauS" möge noch als Ergänzung ein Auszug aus dem Festbericht unseres Berliner Feuilleionisten Paul Lindenberg folgen, in dem er heißt:
Leider kamen wir damals noch nicht zur Attacke. Aber die heiße Arbeit sollte uns nicht erspart bleiben. Nun, Sie kennen ja Alle den Verlauf der blutigen Schlacht. Wir Husaren attackirten mehrere Male, und wenn wir auch nicht den Ruhm der schweren Brigade Bredow davontrugen, so haben wir den Herren Franzosen doch tapfer zugesetzt. Mehrere Bataillone sprengten wir, eine Batterie blieb in unseren Händen; bis tief in die Aufstellung des Feindes drangen wir ein, ja, der Kommandeur der braunschweigigen Husaren, unseres Schwester-Regiments in der Brigade, kreuzte sogar mit dem Marschall Bazaine den Säbel. Um ein Haar hätten wir den Marschall gefangen genommen. Da brausten mehrere frische französische Reiter-Regimenter auf uns ein. Unsere Pferde waren schon zu ermüdet, wir konnten nicht widerstehen, und zurück fluthete die wilde Jagd. Bei dieser Gelegenheit wurde mir mein Pferd unter dem Leibe erschossen, ich konnte mich nicht schnell genug unter dem znsammengebrochenen Pferde hervorarbeiten, mehrere^ Lauciers drangen auf mich ein, einer durchbohrte meine Schulter mit der Lanze; ich wäre verloren gewesen, wenn sich nicht ein braver Husar meiner Schwadron den Lanciers entgegengeworfen; er hieb einen der Burschen vom Pferde, des anderen Gaul versetzte er einen Hieb über die Rase, daß es sich hoch emporbäumte und sich überschlug. In diesem Moment riß mich der brave Bursche empor. „Fassen Sie meinen Steigbügel, Herr Rittmeister", rief er. Mit der letzten Kraft, die ich besaß, klammerte ich mich an den Bügel, der Husar faßte mich, allerdings etwas unsanft, am Kragen, und so schleifte er mich aus dem Getümmel und half mir auf ein lediges Pferd. Ich habe den braven Burschen nicht wiedergesehen. Bei einer späteren Attacke
Goldiger Sonnenschein fluthete heute Morgen auf Berlin herab, deflen Straßen vielfachen Flaggenschmnck aufwiesen und aus denen schon von früh an ein reges Leben unb Treiben waltete. Hin zu den Linden! war für viele Tausende die Losung, und sür eine beträchtliche Zahl von ihnen war es nicht bloße Neugierde an buntem Schaugepränge, welche sie den oft weiten Weg antreten ließ, sondern ein inniges Herzeusbediirfuiß, der Feier nahe zu sein, die mit der Gruiidsteiulegung für das Nationaldeukmal des unvergeßlichen ersten Kaisers verknüpft war. Viele Krieger, die mit Stolz ihre Medaillen trugen, waren unter den sich langsam dahin- drängenden Schaaren zu bemerken, und manch wehmüthiger Blick flog zu *• ■ ■ " ......
Prinzen Friedrich Wilhelm, und die todesmuthige Treue des von dem Feldmarschall Grafen Roon in den Waffen geschulten Volkes verbürgten den Erfolg. Aus der blutigen Saat ging die von Gott gesegnete Ernte deutscher Einheit hervor, und unter bem Schutze des mit harten Opfern erreichten Friedens darf Deutschland unbesorgt der Pflege seiner idealen Güter und seiner wirthschaftlichen Interessen sich bingeben. Auf diesem Wege ging Kaiser Wilhelm I. bahnbrechend voran: Kunst und Wissenschaft, Ackerbau und Gewerbe, Handel und Schiffahrt erfreuten sich gleichmäßig seiner Fürsorge. Mit dem inneren Ausbau des Reiches hielt gleichen Schritt das auf die Heilung der
gesellschaftlichen Schäden gerichtete Bestreben des Kaisers. Seiner erleuchteten Anregung ist es zu verdanken, daß Deutschland zuerst den Weg werkthätiger Förderung des Wohls der arbeitenden Klassen betreten hat. Rastlos bis zum letzten Athemzuge auf des Reiches Wohlfahrt bedacht, geliebt unb verehrt von feinen Verbündeten und von seinem dankbaren Volke, das seiner Führung rückhaltlos vertraute, sichtbar gesegnet in seinem selbstlosen Wollen unb Vollbringen, — so lebt der große Kaiser in der Erinnerung der Zeitgenossen, das leuchtende Vorbild eines Vaters des Vaterlandes, und so wird er, dess'sind wir gewiß, in dem Gedächtnis; der kommenden Völker fortleben. Um Zeugniß abzulegen von der iiiiaus- loschlichen Dankbarkeit, welche Deutschlands Fürste» und Völker ihm zollen, soll sich fein Standbild in Stein und Erz hier erheben. Es werde ein Wahrzeichen der Liebe zum Vaterland, die in großer Zeit Gut und Blut eiusetzte für des Reiches Herrlichkeit, ein Wahrzeichen der Treue, die in Kaiser Wilhelms Thaten das Band, welches die deutschen Stämme umschlingt, zu einem unauflöslichen gefestigt hat! Möge das Denkmal stets ans ein glückliches und zufriedeiies Volk nieberfdjanen; das walte Gott! Gegenwärtige Urkunde haben Wir in zwei Ausfertigungen mit Unserer Allerhöchsteigenhändigen Unterschrift vollzogen und mit Unserem großen Kaiserlichen Jnstegel versehen lassen. Wir befehlen, von diesen Ausfertigungen die eine in den Grundstein
des Denkmals niederzulegen, die andere in unserem Archive aiifzubewahren. Gegeben Berlin int Schloß, den 18. August 1895. Gez. Wilhelm; ggz. Fürst zu Hohenlohe." — Hierauf wurden die zur Versenkung in den Grundstein bestimmten Gegenstände in eine Kapsel verschlossen unb in die dafür hergestellte Höhlung versenkt. Es überreichte sodann der Kgl. bayrische stimmführeude Bevollmächtigte zum BundeSrath Graf Lerchenfelb-Köseriug dem Kaiser mit folgender Ansprache die Kelle: „Ew Kaiserliche unb Königliche Majestät wollen allergnäbigst geruhen, ben Grunbstein zu legen zu einem Denkmal, welchestDeutschlanb erinnern soll an eine große Zeit. Diese Zeit steht in der Geschichte verkörpert in der erhabenen Gestalt Kaiser Wilhelms I., des Kriegsheiben, der vor nunmehr 25 Jahren, als der Feind innere Marken bedrohte, die Söhne Deutschlands von Sieg zu Sieg gesührt, des Friedensfürsten, der Deutschlands Fürsten uud Stämme geeint und dem neu erstandenen bleiche eine üiciu tuntiger Blüthe eröffnet hat. Was Deutschland dem großen Kaiser verdankt, bar steht fest in den Herzen aller Menschen. Dem zum Zeugniß besitzt chon mancher Gau, manche Stabt im Reiche Denkmäler, die in Marmor oder Erz die Züge Kaiser Wilhelms I. tragen. Auf dem Steine, de» heute Ew. Kaiserlich Königliche Majestät versenken werden, soll sich aber das Denkmal erhebe», welches die gesammte deutsche Nation dem Begründer ihrer Größe unb Einheit errichten will. Möge das Denkmal gelinge«; möge dos fertige Denkmal noch die Urenkel erinnern an den hehren Muth unb die hohe Weisheit des große» Kaisers, und möge es sie mahnen, alle Zeit dicht znsammeuzustehen für Kaiser und Reich! Mit diesem Wunsche bitte ich Ew Kaiserlich Königliche Majestät Namens des BundeSraths, aus meinen Händen Kelle und Mörtel entgegenzuitehme».' — Der Kaiser warf den bereit gehaltene» Mörtel in die Vertiefung für deu Grundsteiu, unb die Meister des Maurer- unb Sleiimietzgewerbes setzte» das Verschlußstück auf. Sodann überreichte der Präsident des Reichstags, Freiherr v. Buol, dem Kaiser mit folgender Anrede den Hammer: „Em Kaiserliche Majestät wolle» heule a» einem Gedenktage ruhmreicher Ereignisse den Grundstein legen zu dem Nationaldenkmal, welches aus eigenster Initiative des Volkes deffeii Vertreter in einstimmiger Harmonie mit dem Bundesrath dem Gründer des Deutschen Reiches als eine würdige Versinnbildlichung des Dank- tefühls für ihren hochieligen großen Kaiser Wilhelm I.unter lebhaftem Widerhall aus allen Kreisen gewidmet Haden. So möge das Denkmal beim erstehen hier in der Mitte seines Volkes, besten bewundernde Begeisterung unb Liebe ihm von Berg und Thal, von Meer zu Meer
Der Invalide.
Skizze von £>. v. Brune».
Auf Schloß Neuhaus war große Gesellschaft. Man feierte den fünfundzwanzigsten Gedenktag der Schlacht bei Mars-la- Tour, in welcher der General v. Waltitz, damals ein junger Rittmeister, schwer verwundet worden war. Der General, schon seit mehreren Jahren außer Dienst, ließ den Tag in keinem Jahr vorübergehen, ohne einen Kreis von Freunden um sich zu versammeln. Die benachbarten Gutsbesitzer, die Offiziere des im nächsten Städtchen liegenden Kürassier- Regiments und andere Bekannte und Freunde des Hausherrn waren auch heute erschienen, um den Erinnerungstag festlich mit diesem zu begehen.
Man war soeben vom Tisch aufgestanden. Die Damen saßen auf der Veranda, einige Herren halten sich bereits zu ihnen gesellt, andere spielten mit den jungen Damen in dem Park Croquet, während die älteren Herren noch bei einem Glase Champagner im Speisesaal ihre Erinnerungen aus dem Kriege und dem Garnisonleben austauschten.
„Ja, meine Herren," wandte sich der General, eine sympathische alte Soldatenerscheinung mit schneeweißem Haar und Schnurrbart und jugendlich blitzenden blauen Augen, an die jüngeren Offiziere, „das war ein heißer Tag heute vor fünfundzwanzig Jahren. Wir Husaren waren seit dem frühen Morgen im Sattel. Bei Rezonville entdeckten wir ein feindliches Biwak, Major Koerber, der Kommandeur unserer reitenden Artillerie, sandte einige Granaten in das feindliche Lager. Sie hätten sehen müssen, wie die Chasseurs und Dragoner des Prinzen Murat in alle Winde zerstoben.
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Die Grundsteinlegung - des Kaiser Wilhrtm-Drnlrmals in Kertin.
wb. Kerlin, 18. August.
Die feierliche Grundsteinlegung des Denkmals für weiland Kaiser Wilhelm I. hat heute Vormittag, 9 Uhr, bei herrlichstem Wetter auf bei» DenkinalSplatze stattgefunden. Letzterer war zu diesem Zweck i» b.sonders prächtiger Weise dekorirt; namentlich der Kaiserpavillon bildete einen hervorragenden Schmuck desselben. Unmittelbar vor der Treppe, welche zum Pavillon hinauf« führte, befand sich der ©lunbftein und vor diesem die Kanzel, von welcher herab Generalsuperintendeiit Faber die Weiherede hielt. Früh 8 Uhr waren die Fahnen unb Standarten, welche zur Feier besohlen waren, im Hofe des Königlichen Schlosses mit Eichenlaub geschmückt und zum Festplatze gebracht worben, wo sie zu beiben Seite» bes Grimbsteines Ausstellung erhielten. 8m Eingänge zum Kaiserpavillon war ein Unteroffizier-Doppelposten des Regiments ber Garbes bu Corps, ani G rnubfteiu ein solcher des 1. Garbe-Regiments zu Fuß im Parabeauzuge aufgestellt. Die Leibcompagnie des 1. Garbe-Regiments zu Fuß mit ben historischen Greuabiermützen hatte mit ber NegimentSmusik unb ben Spielleute» des 1. Bataillons auf der Schloßfreiheit, die Leib- :Scadro» der Gardes du Corps der Leibcompagnie gegenüber Aufstellung genommen. Alle umliegenden Gebäude hatten überreichen Flaggen- nnb Gnirlanbenschmuck angelegt und waren mit Zuschauern in ben Fenstern, auf ben Ballonen unb selbst auf ben Dächern dicht besetzt. Bereits um 8lA Uhr hatten bie fürstliche» Personen nebst Gefolge und die zur Vollziehung der Hammerschläge geladenen Personen ini Kaiserpavillon, rechts und links vom Grundstein die Mitglieder des BnnbeSraths und des ReichSlags sowie der beide» Häuser des preußischen Landtags, zu beiden Seiten des Pavillons die Wirklichen Geheirnräthe, die Generale unb Admirale, die Rätbe erster Klasse, die Regimeutskommaudenre, die Räthe zweiter Klaffe und die übrigen eiugelabeiien Personen Aufstellung genommen, während die Geistlichen vor ber Kanzel ihre Plätze eingenommen hatten. Die SBaubeamteii, die Künstler und die Meister des Maurer- unb SteimnetzgewerbcS waren hinter den Grundstein getreten. Um 9 Uhr begab sich der Kaiser durch Portal III des König!. Schlosses nach dem Festplatze. Die Truppe» - präsentirte», und unter den Klänge» einer Fanfare geleitete ber Reichskanzler ben Kaiser in den Pavillon.
Nachdem der Kaiser denselben betreten, nahm die Feier ihren Anfang. Der Kaiser verlas zunächst folgende in den Grundstein zu legende Urkunde, welche ihm von, Reichskanzler überreicht wurde: „Wir Wilhelm von Gottes Gnaden, Deutscher Kaiser unb König von Preuße» rc. thu» kund und fügen hiermit zu wisse», daß Wir beschlossen haben, im Wanten der Fürsten unb freien Städte der Reiches ben Grundstein zu einem Denkmal zu legen, welches nach einmütiger Willenskundgebung der gesetzgebenden Körperschaften dem Andenken Unseres in Gott ruhenden Herrn Großvaters, Kaisers Wilhelm des Großen Majestät gewidmet werden soll. Wir vollziehen diesen feierlichen Akt an dem Tage, au welchem vor 25 Jahre» der unvergeßliche Kaiser Deutschlands Söhne int Kampfe für des Vaterlandes Ehre nnb Freiheit zu entscheidendem Siege geführt hat. Kaiser Wilhelms I. Jugend reicht zurück in die Zeit schwerer Heimsuchung; aber wie es dem Jüngling vergönnt war, die begeisterte Erhebung des Volke» zu schatten und selbst mitzukämpfen für die Befreiung von fremdem Joche, so hat er auch ben ruhmreichen Thron seiner Väter berufen, den deutschen Stämmen die heißersehnte Einheit wiederzugeben, und dem neuerstandenen Reiche die blühende Machtstellung in der Staatenwelt sicher» dürfe». Nicht ohne hartes Ringe», nicht ohne blutige Kämpfe ist dieses Ziel erreicht worden. In unerschütterlich festem Vertrauen auf Gott, in fester Zuversicht auf die sittlichen Kräfte der Nation, welche sich gegenüber großer Gefahr zu ungeahnter Hohe entwickelten, hat Kaiser Wilhelm die Bahn zur Sicherung unserer Unabhängigkeit betreten. Die opferbereite Eiumüthigkeit der deutsche» Fürsten, der weise Rath unb die that- fräftige Unterstützung seines Reichskanzlers, des Fürsten Bismarck, die vollendete Kriegskunst feines genialen Feldherrn, des Felb- marfchalls Grafen Moltke, das unvergleichliche Geschick der kühnen zur Führung de» Heeres berufenen Heide», vorauf des Kron-
entgegenraufdjten, als er feine Träume ins Leben rief! ES möge erstehen zur bleibenden Erinnerung auch für die kommende» Geschlechter an ihn, dessen thatenreicheS Lebe» neben der Stärkung der Machtstellung des Reiches als eines Hortes des Friedens unablässig gewidmet war dem Bemühen für das Wohl aller Klasse» unseres Volkes! Es möge erstehen als ein ehernes Zeichen, daß, soweit deutsche Herzen schlage» und deutsche Sprache Hingt, die Dankbarkeit nie erloschen wird! Gottes Segen ruhe auf dem begonnenen Werke, zu dessen Weihe ich Ew. Majestät Namens ber deutschen Volksvertretung ben Hammer ehrfurchtsvoll überreichen darf, auf baß basselbe unter Ew. Majestät hoffnungsreicher Regierung unb für alle kommenden Zeiten unser theueres Vaterland nur im Friede» und im ungetrübten Glücke schaue» möge!"
Hierauf vollzog der Kaiser die drei Hammerschläge mit den Worte»: „Den Gefallenen znm Gedächtniß, ben Lebenben zur Erinnerung, den künftigen Geschlechter» zur Nacheiferung!" Programmniäßig folgten die Hammerschläge des Kronprinzen, des Großherzogs von Bade», der Prinzen und Priuzefsiune» rc. Bei bem ersten Hammerschlage wurde ein Salut von 101 Schüssen ab- gefeuert; die Musik spielte einen Choral. Darauf hielt General- fuperiutenbeiit Faber bie Weiherede.
Stach der Ansprache spielte die Musik: „Nun danket alle Gott". Der Reichskanzler brachte ein begeistert aufgenommenes Hoch auf den Kaiser aus. Die Truppen präientirten, und die Musik intonirte „Heil Dir int Siegerkranz". Die Feier verlief auf das Glänzendste und machte auf alle Theilnehmer den erhebendsten Eindruck. Die umliegeitben Straßen waren von einer dichten Menschenmenge besetzt.
festlichen Schmuck wies der Denkmalsplatz gegenüber dem Trmmphportale des Schlosse» auf. Mehrere Tribünen, hinter denen ich von Tanneiiguirlanbe» umwundene Flaggenmasten befanden, aumtcu ihn von zwei Seiten ein; an der demSchloßportale gegenüber gelegenen Wasserfeste war der Kaiserpavillon errichtet, der sich ins vergoldeten Säulen erhob und aus (theilweise schon recht fabelt« chemig aussehenben) purpurnen Selben- und Sammetstoffe» bestand, von denen vor» golddurchwirkte Banner mit bem preußischen Adler herabhingen, während der dahinter aufragende gewaltige Flaggenmast ei» goldenes W II. zeigte. In deut mit Topfpflanzen verzierte» Zelte lab man die vergoldete Koloffalbüste Kaiser Wilhelms I., vor dem Eingänge erstreckte sich ein breites, rothausgefchlagenes Podium, von welchem Stufe» zu dem aus einem mächtige» Sandsteinblocke bestehenden Grundsteine, der die goldene Inschrift „18. August 1895" trug, herabsührteu, unb hinter diesem Grundsteine war ber gleichfalls roth bekleidete Altar aufgeschlagen. Rechts uud links vom Pavillon sah mau je zwei weiße Säulen mit dem vo» einem goldenen Lorbeerkranz umrahmten eisernen Kreuze, von ihnen aus erstreckten sich in weitem Halbbogen Flaggenmasten mit die Wappetr der Bunbesstaaten zeigenden Sannern. Ein frohsinnige» Bild gewährten bie Tribünen mit ihrem zahlreichen Damenflor in sommerlich-hellen Kostümen, ein stanzender Kreis versammelte sich unten um den Grundstein, lllle Uniformen waren vertreten, und mit ihnen vermischten ich die goldgestickten Röcke der hohe» Beamte», die Talare ber Geistliche», die schwarze» Civilkleider der 8lbgeorb»eten. In vielen bekannten Erscheinungen trat noch einmal bas Zeitalter Kaiser Wilhelms vor uns hi» — wie oft hat man ihn in der Umgebung jener hochgewachsenen, ergrauten Generale gesehen, die dort leise plaudernd zuiammenstehen, da Gras Lehndorff,
ben Schaaren zu bemerke», und manch wehmüthiger ... .. dem schlichte» Palais hinüber, hinter beffen jetzt weiß verhängtem Eckfenster man so oft die ehrwürdige Gestalt des großen Kaisers gesehen.
des Regiments, die ich nicht mehr mitreiten konnte, ist er schwer verwundet worden. Ob er noch lebt, weiß ich nicht."
„Du hättest Dich einmal nach ihm erkundigen sollen, Papa", meinte des Generals Töchterchen, indem fie sich sanft an ihn schmiegte.
„Ja, mein Kind, ich hatte es mir auch vorgenommen. Aber wie denn das so geht, man kommt darüber hinweg. Ein Glas jedoch dem Andenken des treuen, tapfer» Burschen wollen wir heute weihen. Stoßt an, der tapfere Husar von Mars-la-Tonr soll leben! Hoch! Hoch! Und nochmals hoch!"
Die Musik intonirte einen Tusch, und jubelnd stimmte die Gesellschaft in das Hoch ein.
„Wir haben heute übrigens einen alten Kriegskameraden von Ihnen auf der Landstraße getroffen, Herr General," wandte sich nach beendigtem Hoch der Kürassier-Rittmeister an den Gastgeber. „Der alte Knabe behauptete sogar, in demselben Regiment gedient zu haben wie Sie, Herr General."
„Das wäre ein glücklicher Zufall! Wer war der alle Kamerad?"
„Ein armer, halbverkommener Scheerenschleifer, Herr General. Er besaß das eiserne Kreuz — wenn er es nur von Rechts wegen trägt."
„Haben Sie den Mann nicht zu mir gewiesen?"
„Ja, Herr General. Mir schien, daß der Mann einer kleinen Unterstützung sehr bedürftig war."
„Ein alter, tapferer Husar, der das eiserne Kreuz trägt, als Scheerenschleifer auf der Landstraße! Welch grausame Ironie des Schicksals!"
Ein Diener trat zögernd an den General heran und überbrachte ihm eine Meldung.
Ei, zum Henker mit dem Diensteifer dieses jungen
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