Mo. 380. 43. Jahrgang.
Wiesbadener Tagblatt tAbend-AnSgabe). «erlag: Zkanggaffe 37.
16 Ang»st 1895. Seite 3;
* Büdesheim, 15. August. Der Königliche Kreisphysikus Herr Somtcitsrath Dr. Keil ,st nach kurzer Krankheit gestorben.
* Dir», 15. August. Der Dachdecker Ernst Glöckner stürzte vom Dache eines Hauses auf das Straßenpflaster und wurde schwer verletzt nach Hause getragen. Das Unglück soll durch den Bruch eines Dachhakens verursacht worden sein.
* Crouüerg, 15. August. Auf dem HofgutSch walbach m Klem-L>chwalbach verunglückte gestern Vormittag der M Jahre alte, ledige Arbeiter August Manthei aus Mehlgasi itji Sretft Dcutschkronc. Derselbe war mit Fruchtmähen beschäftigt und schlug sich selbst mit der Sense ins Bein. Die Sense traf die innere Beinflächc von der Wade bis zmn Oberschenkel und dutch- schnltt das Fleisch und die Sehnen bis aus die Knochen.
* Bad Homburg, 15. August. Der „Tannusbote" meldet: Prinz Christian von Schleswig-Holstein traf heute hier ein. Hier- felbft wird in de» nächsten Tagen noch Großfürst Michael von Rußland mit seiner Gemahlin eintreffe». Auch der Prinz von Wales wird am Dienstag in Homburg erwartet. — Sir Edward Malet, der ehemalige englische Botschafter in Berlin, der Protektor der internationalen Lawn-Tcmiisspiele, die am 20. d. M. hier beginnen, ist heute zu längerer» Aufenthalt hier eingetroffen. Gestern traf der berühmte englische Chirurg Spencer Wells hier zum Kurgebranche ein.
Vermischtes.
* Ucber den UnglückskaU auf der Kermanlamerft zu stiel wird weiter berichtet: Die verunglückten Arbeiter waren ruf dem für den Norddeutschen Lloyd erbauten Auswanderer- dampser „Bonn" beschäftigt. Vom .Bonn" aus führte eine Brücke nach dem türkischen Torpedojäger, auf welchem sich kürzlich die furchtbare Explosion ereignete. Von diesem Fahrzeug aus stellte eine zweite Brücke die Verbindung mit dem Lande her. Als sich circa 30 Arbeiter auf dieser vor wenigen Tagen erbauten Laufbrücke befanden, stürzte dieselbe krachend zusammen. Au der 12 Meter tiefen Stelle kämpften die Verunglückten verzweifluugsvoll jung Leben. Der Eine zog den Anderen in die Tiefe. Gräßliche, erschütternde Scenen spielten sich im Wasser ad. Die sicheren Schwimmer wurden von den Nichtschwimmern erfaßt und an jeder Bewegung gehemmt. Auf diese Weise läßt sich die große Zahl der Todten trotz der unmittelbaren Nähe des Landes erklären. Eiu junger Arbeiter erfaßte mit drei Kameraden ein Brett, und alle drei suchten das Ufer zu erreichen. $ie drei Ilnglücksgefährte» wurden von den mit dem Tode Ringenden hiuabgezogen. Als der betreffende Arbeiter das Land erreicht hatte, waren die Kameraden verschwunden. Einem Werftarbeiter ist der Arm gebrochen worden; ein Maler erlitt durch einen Sturz auf den Tragebalken furchtbare Verletzungen am Unterleib, wurde indes; lebend nach den akademischen Heilanstalten geschafft. Bis znm Abend umstanden zahllose Menschen die Werft, die vollständig gezerrt war. Ein Taucher ist fortwährend mit der Untersuchung des Meergrundes beschäftigt. Sämmtliche Arbeiter waren deshalb auf die Benutzung der einen Brücke angewiesen. Am Montag und Dienstag hatte die Benutzung derselben ohne Unfall stattgesuuden. An der Unglücksstelle ist der Meeresboden morastig; dadurch wurde die Auffindung der Leichen außerordentlich erschwert. Die Direktion der Germauiawerft bezeichnete Ueberlastung der Lnufbrncke als Ursache des Unglücks. Eine Brückenspiere ist zilsammeugebrochen. Die Verunglückten sind in Kiel und Gaarden wohnhaft.
Kleine Chronik.
Die „elektrische Sta »da rte", welche die Kaiseryacht „H ohen zoll er n" seit Kurzem führt, ist, wie aus Cowes geschrieben wird, dort zum ersten Male regelmäßig in Thätigkeit §°>ktzt worden. Die Standarte ist in ihren natürlichen Farben mit dem Eisernen Kreuz durch elektrische Glühlämpchen nachgebildet; sie befindet sich am Hauptmast, während eine Kette elektrischer Beleuchtungskörper, Toppstagen ähnlich, sich über das Schiff hinziehen Bei der Kanalfeier hatten die englischen Kriegsfahrzeuge dadurch die "ufmerkiamkeit des Kaisers auf sich gelenkt, daß sie Abends die englische Kriegsstagge nm Hauptmast in elektrischem Beleuchtungs- Arrangement farbengetreu zeigten.
Aus Crefeld wird berichtet: Seit einiger Zeit wurde der Direktor Loy tion dem Gnßstahl-Aktienverein in Solingen oermlßt. Am Sonntag wurde bei Düffeldorf eine männliche Leiche gelandet. Man verniulhete, es sei die des Verschwundenen Die Annahme hat sich bestätigt. Loy soll in einem Aufalle von Wahnsinn Selbstmord begangen haben.
Ein vierzehnjähriges Mädchen sprang am Dienstag
J11, mbu rg, angeblich weil es von seiner Stiefmutter schlecht behandelt wurde, vor den Augen seiner Mitschülerinnen in ben beim Berliner Bahnhof belesenen Siiderkanal und ertrank, obgleich sofort Hülfe zur Stelle war.
Bei einem schweren Gewitter, das am Dienstag über Mecklenburg dahinzog, entzündete der Blitz den Schafstall auf Sfjtn v. Bülows Gute Kogel, nahe der lauenburgischen Stadt Molln belegen. Etwa 700 Schafe, die kurz zuvor zum Schutze vor dem wolkenbrnchartigen Regeil in den Stall getrieben waren, fanden den Tod in den Flammen.
Der Schuhmacher Finzel, der das Fräulein v. Plonsky in Koburg ermordet und beraubt hat und deshalb vom Schwurgericht m Gotha zum Tode verurtheilt worden ist, wurde im Hose des Zuchthauses zu Gräsentonna durch den Scharfrichter Hirsch aus Erfurt mittels der Guillotine hin gerichtet. Es ist das erste Todesurtheil, das unter der Regierung Herzog Alfreds gefällt und vollstreckt ist.
Bei einem Brande, der in der Nacht zum Donnerstag in Thorn den Dachstuhl des Baruchschen Hauses in der Hossttaße zerstörte, wollten zwei Dienstmädchen, die in der Dachkammer schliefen, im dritten Stock einander durch das Fenster Hülfe leisten, stürzten dabei aber auf den Hof und erlitten Bein- und Armbrüche söwie andere lebensgefährliche Verletzungen.
In einem vierstöckigen Neubau aus dem Nachtigallensteig in Königsberg sind sämmtliche gemauerte Treppen von oben bis unten erngestürzt. Die auf dem Bau beschäftigten Leute hatten die Einschalungen unter den gemauerten Bogen fortgenommen; als diele Arbeit vollendet war, stürzten die obersten Treppen plötzlich zusammen. Vier Arbeiter sind mehr oder minder schwer verletzt.
Inder Brückenkopfkaserue in Glogau brannten in der Rächt zum Donnerstag zwei Montirungskammern vollständig, eine dritte fast vollständig nieder. Die gesammte Garnison war Äarmirt. Das gerettete Material hat zum Theil beträchtlichen Schaden durch Master erlitten.
Ein Soldat vom pommerschen Jägerbataillon, der nach dem Ableben des Hauptmanns Abicht in der „Knlmer Zeitung" einen Nachruf m gebundener Redeweise erließ, wurde für dieses poetische Erzeugniß mit fünf Tagen strengem Arrest bestraft.
Aus Kattowitz wird gemeldet: Ein Kosakeii-Küiumaiido volhog heute auf den Zagorzer Gruben die Durch- vettschung von vierzehn Schleppern wegen Aufwiegelung. Der Streck wurde durch dieses drakonische Mittel beendet.
In der Leichenhalle zu Bozen brach am Montag ein Brand aus. Während die Leichenwächter sich ins Gasthaus zu ewem „Todtentrank" begaben, fiel eine brennende Kerze um. Tas Feuer ergriff die Leichen eine» Mannes und eines Kindes und ver- whlte ste grötztentheüs. Paffanten bemerkten den Feuerschein die versperrte Thur wurde gesprengt und der Brand gelöscht.
In Kiew hat ein furchtbarer Brand in der Radolastraße R> gefüllte SBaaienmagai ine eiugeäschert. Der Schaden qt enorm. Man vermuthet Brandstiftung.
Auf dem Bodensee kippte bei Altenau während eine«heftigen Sturmes eiu Segelboot um, in welchem sich ein Engländer und der BvotSfnhrer befanden. Beide ertranken.
Der 21 Jahre alte Schriftsetzer Ritzau, aus Zorze am stammend, ist am Dienstag aus der Jungfrau ver
unglückt., Er war mit dem Steindrucker Wawra aus Wien ohne Führer auf die Jungfrau gegangen. — Der „Franks. Ztg." wird zu bicicm llnglückssalle ans Sern, 15. August, telegraphirt: Wie ich aus bester Quelle erfahre, hatte der verunglückte Ritzau schon am Sonntag beim Aufstieg zur Rotthalhütte Krampfanfälle. Ritza» und sein Freund, Steindrucker Wawra aus Wien, waren gleichseitig mit einer anderen Expedition Dienstag Morgen 3 Uhr von der Rotthalhütte anfgebrochen. Dort, wo an einer gefahrvollen Stelle das sogenannte dritte Seil permanent an eisernen Bolzen befestigt ist, sagte Ritzau zu Wawra: „Ich kann nicht mehr weiter." Er war todtendlaß, fein Blick war starr, er glitt dem Wawra, der ihn an vier Fingern faßte, aus der Hand und stürzte kopfüber, zunächst 100 Meter tief, aus ein Schneeseld. Wawra sah ihn noch auf einen Felsen anfschlagen, dann entschwand er seinem Blick, man hörte nur »och Steine dröhnend in die Tiefe stürzen, die Ritzcnts Körper beim Absturz in Bewegung gefetzt hatte. Jene Expedition war bei der Katastrophe weiter vorwärts, da Ritzau und Wawra nicht nachgekommen waren. Wawra erstieg nach dem Unglück allein den Gipfel der Jungfrau und stieß "erst auf dem Notthalsattel wieder mit der Expedition zusammen, die aus zwei Führern und zwei Dculschschweizeru bestand.
Leo XIII. hat dem jungen Könige von Spanien zur Erinnerung an seine erste Beichte ein goldenes Kreuz mit fünfzehn prächtigen Brillanten und eine goldene Kette geschenkt. Die Geschenke waren von einem überaus herzlichen Handschreiben des Papstes begleitet.
GerichtssmU.
— Wiesbaden, 16.August. (Strafkammer.) Vorsitzender: Herr Landgerichtsdirektor Gran. Vertreter der König!. Staatsanwaltschaft: Herr Referendar Tecklenburg unter Assistenz des Herrn Gcrichts-Assessors Bethke. Den Gegenstand der ersten Verhandlung bildet der s. Zt. im .Tagblatt" erwähnte Schinkendiebstahl im städ tischen Schla ch tbau s hier. Ende Mai und Anfang Juni wurden dem Metzgermeister Jakob Rückert hier aus dessen Kühlrauin im Schlachthaus wiederholt Schinken gestohlen. R. brachte deshalb ein anderes Schloß an der Thür an, erreichte aber damit nicht den beabsichtigten Zweck, denn auch danach wurden ihm wiederum drei Schinken entwendet. R. zog einen Beamten des Schlachthauses zu Rache, und während sie vordem R.schen Kühlranm standen, bemerkte der Beamte in dem nebenan liegenden Raume der Gebrüder B. mehrere Schinken, welche dieselben Zeichen wie die R.schen trugen. Nach polizeilicher Anzeige wurden in dem B.schen Kühlranm sechs Schinken erhoben, welche »ach dem Urtheil vo» Sachverständigen sämmtlich von R. herrührten. Gegen die Gebrüder Karl und Friedrich B. wurde deshalb eine Untersuchung wegen Diebstahls eingeleitet, in bereit Verlauf Karl B. bekanntlich Selbstmord beging, indem er von der Mainzer Straßenbrücke aus in den Rhein sprang. Der 19 Jahre alte Friedrich B. erscheint deshalb heute allein auf der Anklagebank. Er stellt es entschieden in Abrede, an den Schinkendiebstählen beteiligt gewesen zu fei». Das Gericht stellt fest, daß etwa 6 Schinken im Werthe von je 10 Mk. gestohlen worden sind, 3 mittels Nachschlüssels, 3 aus dem offenen Raume, daß sich aber bezüglich des ersteren Diebstahls gegen Friedrich B. nichts Genügendes ergeben hätte. Bezüglich des zweiten Diebstahls wurde die Betheiligung des Friedrich B. angenommen, da derselbe bei Einleitung der Untersuchung dem Kriiuinalschutzniann gestand, daß einmal der N.sche Kühlranm zufällig offen gestanden, er und fein Bruder die Gelegenheit benutzt und 3 Schinken berausgenommeu hätten. Das Urtheil lautete auf 3 Monate Gefänguiß. — Demnächst erscheint eine jugendliche Diebesbande auf der Anklagebank, die beiden Schüler Georg U. und Jakob Schn., ferner der Maurerlehrling August H., Schloffer- lehrling Karl K., Lackirerlehrliug Johannes Bl. und Schlosser- lehrling Georg Kn. von hier, alle in 1881 geboten. Drei davon, II., Sch. iinb H., finb trotz ihrer Jugend wegen Diebstahls schon vorbestraft, der erstere mit 3 Tagen, die beiden andern mit einem Verweis. Die Taugenichtse sind im verflossenen Winter in etwa 20 Fällen in Häuser der Stift-, Müller-, Pageustecher«, Kapellenstraße, Grllnweg, Neuberg, Pauliiteii-, Theodoren-, Gustav-Freitag- und Wilhelinstraße eingebritngeii, haben Abfallrohre abgerissen, auch sonst mitgenommen, was gerade im Wege lag, wie Eimer, eine Badewanne rc., ihren Raub verkauft und ben Erlös vernascht. Ku. wurde sreigesprochen, die llebrigcn verurtheilt und zwar U. und Schn., als die Anführer, zu je 2 Monaten, H. zu 1 Monat und K. zu 14 Tagen Gesängniß.
Kehle Uacheichien,
Sontiuentnl • S tUgtavOtn. <4 om» agnli.
Kretin, 16. August. Die „Voss. Ztg." meldet aus London: Dem Vernehmen nach istLordWolseleyan Stelle des Herzogs von Cambridge zum Höchstkommaiidirenden der britischen Armee für fünf Jahre ernannt und tritt den Posten am 1. Oktober an. — Das „Kleine Journal" meldet ans Sofia: Eine zahlreiche Bande überfiel das Grab Stambulows, verwüstete die Kranzspenden und wollte die Ueberrefte des Todten hercuisnehnien. Die Polizei zerstreute die Attentäter.
Kerliu, 16. August. Das „Berl.Tagebl." meldet au» Erfurt: Die vorjährige Ausstellung hat einen definitiven Fehlbetrag von 114,000 Mk. ergeben. 52 Prozent werden von den Garanten eingezogen. — Der „Lokal-Anz." meldet aus Paris: Der Gemeinderath von Nancy hat bei der Negierung einen Protest gegen diePariser Weltausstellung im Jahre 1900 emgebracht. DieWeltausstellnngen in Paris schädigte» erfahruugs- gemaß bett Handel der Provinzen und nntzten der Industrie des Landes gar nichts, bewirkten vielmehr nur einen ungesunden Zuzug von später beschäftigungslosen Arbeitern nach Pari». Gleich- settig labmten die Weltausstellungen für Jahre die französische Politik, namentlich die auswärtige. Bei den jetzigen Schutzzöllen seien die Ausstellungen obeubrein überflüssig.
London, 16. August. Das Counts zur Verathung der Frage, betr. bie Eisenbahn zwischen Mombasa und Victoria- Nyarrza, genehmigte den Entwurf, sprach sich aber dahin aus, datz die Ter rain- und anderen Kosten von 2,240,000 Pfund Sterling ans ca. 1,755,000 Psnnd verringert werden können. Das Gomite schätzt die Betriebskosten auf 40,000 bis 50,000 Pfund pro Jahr inid glaubt, daß die Einnahnieudiesen Bettag übersteigen. Das Comitsglaubt, daß die Regierung, wenn sie das Unteniehmeii unterstützen wollte, selbst das nothige Kapital aufbringtit und die Eisenbahn Herstellen sollte.— 'S’1 U ii terI) ausbeantragte John Redmond ein Auiendement, welches um Aufklärung über das Verhalten der Regierung gegenüber dem Hause hinsichtlich der Regelung der Landreform und Wiedereiiisetzung der vertriebenen Pachter, sowie bezüglich der mdustnellen Lage Irlands ersucht. Dillon beantragte hierzu em Ainendeiueilt, dahin gehend, daß die Regierung eine Gesetzvorlage über Qte vorgenannten Gegenstände noch während der gegenwärtigen Seifion eiubringcn solle. Balsour erwiderte, daß es nicht nothwendig sei, einen Gesetzentwurf über die irische Laudfrage in dieser Session zu beratheu, er würde aber einen Entwurf über diesen Gegenstand gleich zu Anfang der nächsten Session einbringen. Während der Debatte unterbrach Tanner die Rede Harringtons, indem er dessen Aeußerungcn mit einem beleidigenden Ausdruck bezeichnete. Zur Ordnung gerufen, weigerte er sich, den Ausdruck zurückzunehmen, woran; der Staatssekretär für die Kolouieen, Chamberlain, die Ausschließung Tanners au« der Sitzung beantragte, welche ohne besondere Abstimmung angenommen wurde. Tanner entfernte sich mit dem Rute, er verlasse das Hans mit größerem Vergnügen, als er in dasselbe eingetreten sei, und, bereits an der Thür, schrie er auf Chamberlain zeigend: „Judas, Judas!" Darauf wurde die Debatte vertagt.
Leith, 16. August. Bevor der kaiserliche Zug Lowther Castle gestern verließ küßte der Kaiser und das ganze Gefolge Lady Lonsdale die Hand. Der Zug traf um 5 Wr Nachmittags ür
Leith auf dem festlich geschmückten Bahnhöfe ein, wo eine große Menicheumenge sich versammelt hatte. Der Kaiser wurde von den Biirgernieistern von Edinburgh unb Leith empfangen und dankte dem ersteren für die Freundlichkeit, welche die Einwohner Edinburghs den Offizieren der deutschen Flotte während ihres jüngsten Besuches im Firth of Forth erwiesen hätten. Darauf bestieg der Kaiser den Wagen und fuhr mit Lord Lonsdale bis zum Hafendamm. Der Weg dorthin war mit einer dichten Menschenmenge besetzt, welche den Kaiser mit begeisterten Hurrah- riifeti begrüßte. Die Häuser und die Schiffe im Hafen waren festlich geschmückt und beflaggt. Der Kaiser nahni alsdann Abschied von Lord Lonsdale und begab sich an Bord der Pinaffe, welche denselben unter den Hurrahrufen der Volksmenge nach der „Hohen- zolleru" übersetzte. Bald darauf lichtete die „Hohenzollcrn" bie Anker unb dampfte ab.
16. August. Die Untersuchung wegen derErmordinig Stambulows wird, wie die „Agence Balcauigue" meldet, eifrig fortgesetzt. Die Freilassung TüfektschiewS erfolgte, weil der Appellgerichtshof bei Prüfung der Akten konstatirte, daß die gegen Tüfcktschiew vorliegenden Verdachtsgründe nicht auSreichten, um eine Umwandlung der vorläufigen Haft in eine definitive zu rechtfertigen. Tüfektschiew bleibt übrigens zur Verfügung des Untersuchungsrichters. Außer Georgiew und dem Kutscher, welcher den Wagen Stambulows führte, hat die Gerichtsbehörde sich noch einer Anzahl anderer verdächtiger Individuen beuiächtigt. Obwohl der Untersuchungsrichter behauptet, daß nur eine Sache seststehe, nämlich, daß der noch unauffindbare Halu der Haupturheber des Attentats sei, versichert der Staatsanwalt doch, datz er schon bei dein gegenwärtigen Stande der Angelegenheit auf Grund gewisser Feststellungen und Eutdeckniigcu, welche noch geheim bleiben müssen, im Stande wäre, die Anklage zu erheben. Die Untersuchung wird vermuthlich noch einen Monat dauern.
Kosta, 16. August. Bei dem gestrigen Begräbnisse des Depu- tirteu Kitantlchew äußerte ein Redner, Kitantschew fei infolge ber schlechten Behanblung während seiner 3-jährigen Haft unter stambulow gestorben. Die erregte Volksmenge eilte znm Grabe Stambulows, welches von Gendarmen bewacht war, zertrümmerte die Grablampen und zerstörte einige Kränze.
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Koriin, 16. August. Der Kaiser verläßt am 19. August, nachdem er die Parade über die Kriegervereiue abgenommen hat, Berlin und begiebt sich nach Wilhelmshöhe, wo er zum Besuche der Kaiserin nach den bisherigen Dispositionen bis zum 27. August verweilen wird. — Das „Kleine Journal" meldet ans Sofia, daß alle Mittheiluugen über die Beziehungen Rußlands zu Bulgarien bei Abgang der Deputation sowie bei Rückkehr derselben unrichtig sind. Solche Beziehungen beständen überhaupt nicht. Das Ergebnitz der Reise sei vielmehr die erfreuliche Zusage, daß sich Rußland aller Feindseligkeiten gegen Bulgarien enthalten werde.
Kiol, 16. August. Nach den an maßgebender Stelle ein« gezogenen Erkundigungen ist über eine Explosion auf dem Kreuzer Gefion nichts bekannt.
~ (ßlfctt, 16. August. In dem M e i n e i d s p r o z e tz Schröder nahm die gestrige Verhandlung dadurch eine günstige Wenduiig für die Angeklagten, daß sich der Hauptbelastuugszeuge Gendarm Munter wiederholt in Widersprüche verwickelte.
Wien, 16. August. Die Kaiserin trifft Ende August auf Schloß Mariiuar ein, um sich später nach Korfu einzuschiffe», wo sie den ganzen Herbst unb Winterzubriugen will. — Das „Freindeit- blatt" meldet aus Sofia, daß, nachdem die Zustände in ruhigere Bahnen gelenkt seien, mit Gewißheit angenommen werden dürfe, daß politische Aufregniigeii für lange Zeit von Bulgarien verbannt seien.
Wien, 16. August. Die Krankheit des Erzherzogs Franz Ferdinand ist eine schwere, da der Herzog Husten und einen bösen Auswurf hat. Derselbe ist wahrscheinlich erblich belastet, indem die Mutter des Erzherzogs Kehlkopstuberkulvse hatte. Den Winter wird der Herzog in Egypten verbringen.
Sarajevo, 16. August. Zu nächster Nähe der moutenegriuischen Grenze wurde eine Gen da rm erie-P a trou ille, bestehend au»- Wachtmeister uub zwei Gendarmen, von bewaffneten Montenegrinern überfallen. Die beiden Gendarmen wurden gelobtet, ber Wachtmeister schwer verletzt. Die tobten Gendarmen wurden später total ausgeplüudert gefunden.
ilom, 16. August. Trotz des sehr befriedigenden GesundheitS» zu stand cs des Papstes geht das Gerücht, derselbe habe gestern im Vatikan die Kardinäle zusammenberufen uub mit ihnen eine Unterredung über das nächste Conclave gehabt, dies hat zu der Vermuthung Anlaß gegeben, ber Papst habe dem Karbinal Rampolla fein politisches Testament übergeben. — Drei katholische Journalisten aus Turin, Genua und Rom übergaben gestern dem Papst das erste Albnui mit Protestunterschriften gegen die Feier des 20. September. Außerdem überreichten ste einen PeterSpfenuig im Betrage von 10,000 Lire. Der Papst nahm beides freundlich an und drückte, auf den 20. September an« spielend, die Hoffnung aus, daß die Feste in Rom ruhig und ohne Unannehmlichkeiten für die Katholiken verlaufen möchten. Ferner sagte der Papst, er ließe sich durch diese Feier die Freude über den Ausfall der letzten Gemeiudewahlen nicht trüben, welche der katholischen Partei einen erheblichen Zuwachs gebracht hätten.
Madrid, 16. August. Die ersten Truppen sind in Gabis eingetroffen, unb bie Einschiffung derselben nach Cuba geht vor sich. Der Transport der Truppen von Mabrib nach dem Hafen hat großartige Kundgebungen Hervorgernfen, an welchen mehr als 100,000 Personen Theil nahmen. Civil- und Mililärbehörden waren anwesend. Der Bischof hielt eine Ansprache und segnete die Soldaten.
Vrldmarkt.
Coursdericht der Frankfurter Börse vom 16. Ang. Mittags 12'/, Uhr. — Credit-Actien 335’/«, DiSconto-Couiittandit- Antheile 223.—, Italiener 89.40, Staatsbahn-Actien 344.— Lombarden 96'/«, Gotthardbahu-Actien 186.—, Gentralbahn 147.20, Nordostbahn 143.70, Unioubahu 99.80, Lanrahütte-Actieii 141.50, Gelsenkirchener Bergwerks - Aktien 179.60, Bochumer 162.50 Harpener 166.30,3-proc. Mexikaner 25.70,6-proc. Mexikaner 91.80 ca., 4-proc. Ungarn —.—, Banque Ottomane—.—, Hess.LudwiaSbabn —, Türkische Loose —. Tendenz: fest.
Wien, 16. Ang. Oesterreichische Credit-Actien 400'/», Staatsbahn - Actien 411'/,, Sombarbeit —, Mark - Noten 59.48. Tendenz: fest.
Wasser-Ua ch richten.
△ Main», 16. August. Fahrpegel: Vormittags 2 m 26 cm gegen 2 m 16 cm am gestrigen Vormittag.
Dir tzmMgr Abrrtd-Ausgabr umfaßt 6 Srttrir.
