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«»• Jahrgang.
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S«. 372
Montag, den 12. August
Bezirks-Fernsprecher No. 52.
1895
Bezirks-Fernsprecher No. 52.
Abend»Ausgabe
Rockstroh geleistet hat. Diese Genugthuung besteht zunächst in der Zahlung einer Summe von 200,000 Francs, die zur Schadloshaltung der Mutter des Ermordeten der Leipziger Firma, für die derselbe thätig gewesen ist, sowie zur theilweisen Bestreitung der dem Reiche aus der Sache erwachsenen Unkosten Verwendung finden wird. Ferner ist der Rest der für die Ermordung des Reichsangehörigen Neumann geschuldeten Summe im Betrage von 50,000 Francs, der erst im Oktober dieses Jahres fällig war, schon jetzt baar entrichtet worden. Außerdem hat der Sultan die Absetzung der Beamten ausgesprochen, deren Verhalten in der Angelegenheit Rockstroh der kaiserlichen Negierung Anlaß zu berechtigten Klagen gegeben hatte. Dem kaiserlichen Vertreter in Tanger ist hierüber eine amtliche Mittheilung der maroccanischen Negierung zugegangen. Da außerdem eine Bestrafung der an der Mordthat direkt betheiligten Personen von maroccanischer Seite wiederholt zugcsagt worden ist, hat die von der Regierung des Sultans gewährte Sühne als ausreichend erachtet werden können- Es sind jetzt nur noch Nebenpunkte zu ordnen.
— Nationalitäten-Kongreß inBudapest. Ein Theil der zum Nationalitäten-Kongreß eingetrosfenen rumänischen, serbischen und slovenischen Vertreter, denen, obgleich sie mit Legitimationskarten versehen waren, der Eintritt in den Vcrhandlungssaal verwehrt wurde, versammelte sich zur Unterschreibung eines Protestes, in welchem Naniens Tausender von Rumänen, Serben und Slovenen aufs Entschiedenste gegen die Beschlüsse der Nationalitäten-Versamnilung Verwahrung eingelegt und der ungarischen Regierung nahe gelegt wird, die Versammlung zu verbieten, da dieselbe sowohl für die Nationalitarenals auch fürdas Vaterland gefährlicheJntentiouen verfolge. Das auf dem Nationalitäten-Kongresse verlesene und als einstimmig angenommen verkündigte Programm besteht aus 21 Punkten. Dasselbe wünscht hauptsächlich Wahrung der Integrität des Landes, dem jedoch ein Volk nicht das Gepräge geben dürfe, einen Bund zwischen Slovenen, Rumänen und Serben unter Aufrechterhaltung des bisherigen Programms der nationalen Autonomie int Rahmen der Komitatseintheilung, Reform des Nationalitätsund Wahlgesetzes, Revision der kirchenpolitischen Gesetze rc. Nach unbedeutenden Zwischenfällen wurde der Kongreß unter Absingung des „Hcj Slovanje" geschlossen.
— Zur Lage in Bulgarien. Den Blättern von Sofia zufolge soll die Koalition zwischen der liberalen anti- russischcn Partei, den Anhängern Stambulows und Radoslawows eine vollzogene Thatsache sein, nachdem Stambulows Tod die persönlichen Differenzen beseitigt habe. Pekkmv wird die Führung übernehmen. — Das Journal „Mir" bespricht die für Montag Vormittag erwartete Ankunft des Prinzen Ferdinand in Sofia und bemerkt dazu, daß die Stadtverwaltung Vorbereitungen zu einem glänzenden Empfange treffe. Das Blatt billigt diese Absicht und fügt hinzu: Wir müssen mit allen Kräften unsere Liebe und Anhänglichkeit an den Fürsten Ferdinand bezeugen und einen äußeren und inneren Feinden beweisen, daß ihre Angriffe keine andere Folge gehabt haben, als unsere Liebe für den Fürsten und die Dynastie zu erhöhen. — Die Organe Radoslawows besprechen in abfälliger Weise die Nachrichten über die angeblich beabsichtigteUnabhängigkeits-
deutscher Profcsiorcii, die, wenn sie einmal dies „Land der Freiheit" betreten, anscheinend besonders freisinnige Anschauung haben. Man trifft diese schöne und reiche Geselligkeit in den kleinen, rosen- und rebennmrankten Profcssorenhäusern der Universitätsstadt, in denen neben einem grotzdenkenden Manne eine hochsinnigc Frau das Regiment führt. Denn diese.Gehülfin" kann ein Züricher Universitäts- Professor dabei absolut nicht entbehren, und sie muß hochsinnig sein, weil sie sich sonst niemals in die eigenartigen Verhältnisse hineinfinden kann, die daraus entstehen, datz Mann und Fran sich auf wissenschastlicheni Gebiet als Lehrer und Schülerin begegnen. Wer aber ein solches Hans findet und dort frei ans- und ringehcn darf, der vergißt das fein Leben lang nicht und trägt den reichsten Gewinn für alle Zeit davon.
Ein solcher Verkehr mit einem gütigen und einsichtsvollen Lehrer gehört zu dem Edelsten, was Zürich bieten kann. Dicht daneben steht dann der Verkehr mit gleichgesinnten Kollegen beiderlei Ge- schlcchts. Zurich verdient den Namen einer „ArbeitSunivcrsität" vollauf. Em paar bunte Bänder und Mützen trifft man wohl auch unter den Hellen Frauenkleidern in den Sälen und Wandelgängen;
Schoren einigen Schweizer schlagenden Verbindungen an, „Zofingia", „Helvetia" rc., und die Mitglieder dieser Verbindungen sind cs auch, die noch einen stillen Protest gegen da» Fraucnstudinm erheben, indem sie — ich bitte nicht zu lachen — die studirenden Francn von den Einladungen zn ihrer alljährlichen „Maifahrt" ausschlicßen und sich ihre Damen nur aus der „guten Züricher Gesellschaft" wählen. Aber da scheint ihre Feindseligkeit auch aufzuhören, unb daß sie sonst roh gegen ihre Kolleginnen aufgetreten feien, habe ich nie gehört. Man wird überhaupt in der Form fast nie einen Verstoß auf der Universität wahrnchmen, das geht Alles ganz glatt. Aber wer länger dort ist lind mitarbeitet, der merkt mit der Zeit doch, daß Brodneid, Ucbelwollcii, Haß und Neid durchaus noch unter der Asche schlummern, daß sic in Zürich ebenso bestehen wie die Gefühle achtungSvollcrFreundschaftniid fröblichenZusammcnstrebens.
Die aber kennt man dort auch, und nichts giebt der Universität einen eigenartigeren Zug als dies kaineradschastliche Nebeneinander von Männern und Frauen. Die Vorlesungen find auf allen Fakultäten gemeinsame, und ein Professor, der einmal für seine weiblichen Studirenden einen, besoiideren Kurs las, hat durchaus nicht allgeuleinc Dankbarkeit geerntet. Denn gerade die Haltung in
haben, wenn sie nicht besondere Zwecke verfolgten. Worauf diese hinausliefen, läßt sich leicht errathen, wenn auch von den stattgefundenen pourparlers vorerst noch nichts an die Oeffent- lichkeit drang. Daß das Zusammenwirken der westeuropäischen Republik mit dem Selbstherrscher des Ostens den britischen Interessen zuwider läuft und England leicht in einen Krieg verwickeln könnte, haben die Äeigmffc der jüngsten Zeit gezeigt. Man sucht deshalb durch die Annäherung an den Dreibund ein Gegengewicht für die franco-russische Verbrüderung zu schaffen. Das konservativ-unionistische Kabinett neigt einer thätigen auswärtigen Politik zu und wird darin von einer überwältigenden Majorität unterstützt. Lord Salisbury ist nicht im Mindesten geneigt, Ueberhebungen des Zwcibundes ruhig hinzunehmen, die er indeß jedenfalls schon heute Voraussicht. Mittlerweile wird nun die Lage der in China wohnenden Engländer und sonstigen Ausländer zusehends gefährlicher. Nicht allein folgte der Ermordung der Missionare in Fukien ein Angriff auf die britische und die amerikanische Station in Futschau bei Canton auf dem Fuße, der allerdings weniger tragisch verlief, da nur Hab und Gut verloren ging und keine Mordthaten verübt wurden, sondern es hat auch den Anschein, als ob die Fremden überall in China, mit möglicher Ausnahme der Vertragshafenplätze, durch den Fanatismus der Eingeborenen unmittelbar gefährdet wären. Unter solchen Umständen sollten alle Mächte gemeinsam handeln, um einerseits die bereits begangenen Verbrechen zu ahnden und anderseits Leben und Eigenthnm der europäischen und amerikanischen Staatsangehörigen zu schützen. Die Pekinger Negierung fügte sich allerdings ohne allen Widerspruch den Forderungen, die der britische Gesandte stellte, nm die Missethäter von Kutscheng zu bestrafen, und stellte dem englischen Konsul in Futschau sofort Truppen zur Verfügung, die ihn zu seiner Sicherheit nach dem Schauplatz der Mordthaten begleiteten. An Ort und Stelle angelangt, überließ sich die Soldateska jedoch dem Zeitvertreib, die Ueberreste des Hauses des ermordeten Pastors und die daran stoßenden Gebäulichkeiten vollends auszuplündern. Dieser Vorfall liefert den besten Beweis, daß China unfähig ist, die int Innern des Landes lebenden Europäer und Amerikaner zu beschützen, und das giebt den Mächten eigentlich freie Hand. Rußland und Frankreich dürften aus politischen Gründen zögern, ohne Weiteres einzugrcifen, und es fragt sich nun, ob die Vereinigten Staaten und England zusammengehen und eventuell von Deutschland begleitet sein werden. Das wäre der eMAnlaß zu einer Trennung des Zweibundes von den übrigen Staaten, und wenngleich dem auch keine besondere Wichtigkeit beigcmessen werden könnte, würde das Ereigniß doch einen schroffen Gegensatz zwischen dem Dreibunde und seinen Freunden einerseits und dem Zweibunde anderseits markiren.
England nnd Deutschland.
Unser Londonern-Korrespondent schreibtunterm 10-August: Alljährlich, wenn der Kaiser der Segelregatta in Cowes wegen nach England kommt, begrüßen die hiesigen Zeitungen dieses Ereigniß in kürzeren oder längeren Leitartikeln, je nachdem die sogenannte saure Gurkenzeit bereits ihre Schatten zu werfen und Stoff mehr oder weniger knapp zu werden begann. Ich erinnere mich, daß der „Standard" bei früheren Gelegenheiten aus gleichem Anlaß von unserem Kaiser, genau wie neulich, als von Englands Freund und Bmtdesgenossen schrieb, und nahm attf Grund dessen sogar einmal Veranlassung, Sir Charles Sitte über die Möglichkeit eines deutsch-englischen Bündnisses zu befragen. Dieser hervorragende Politiker erklärte mir damals, daß ein. solches nicht bestände, daß aber, sollte Lord Salisbury je irgend welche Verbindlichkeiten in dieser Hinsicht eingegangen sein, das Haus der Gemeinen, das zu jener Zeit von den Radikalen geleitet wurde, niemals das Geld bewilligen würde, um die bewaffnete Be- theiligung Englands an einem Streite zu ermöglichen, bei dem es mehr als die direktesten Interessen Großbritanniens zu schützen gälte. Als geradezu spaßhaft darf es nun bezeichnet werden, daß soeben einer jener fast schablonenmäßigen Leitartikel des „Standard" in der ganzen Welt eine fast grenzenlose Erregung hervorrief. Es läßt sich das nur damit erklären, daß die Zeiten besonders ereignißschwanger find, und daß dämm selbst allgemeinen Redensarten eines angeblich halbofsiziösen Organs ganz besondere Bedeutung beigemessen wird. Wenn man indeß nur wüßte, auf welche Weise solche Leitartikel oftmals entstehen, würde mau sich schwerlich über sie ereifern. Dem „Standard" aber macht die Geschichte natürlich riesigen Spaß, und täglich füllt er nun seine Spalten mit den Aeußerungen der fremden Presse über jenes Artikelchen, das weder halboffiziös war, noch die englische Meinung wiederspiegelte, sondern einfach irgend einer harmlosen, unverantwortlichen Feder entschlüpfte. — Wahr ist allerdings, daß von Seiten der Regierung der kaiserliche Besuch zu einem ganz besonderen Ereigniß gemacht wurde. Der Premier richtete es so ein, daß er Se. Majestät sofort nach Ankunft begrüßen konnte, und er verblieb dann als Gast der Königin in Osborne, obgleich die dringendsten Geschäfte seine Anwesenheit in der Hauptstadt erheischten. Er kehrte denn auch am folgenden Tage dahin zurück und benutzte eine späte Stunde des Nachmittags, um den Gesandten der Türkei, der Vereinigten Staaten, Brasiliens und Japans, sowie dem russischen Charge d’affaires Audienzen zu ertheilen. Lord Salisbury hatte indeß dem Hoflager kaum den Rücken gekehrt, als der Herzog von Devonshire, der sogenannte Co-Prcmier, dann Balfour, der erste Lord des Schatzamtes und Führer des Unterhauses, und endlich Chamberlain, der Kolonialminister, gleichzeitig eintrafen, um dem hohen Gaste ihre Aufwartung zu machen. Diese vier Minister, augenblicklich die mächtigsten nnd einflußreichsten Männer in England, würden sich so kurz vor Eröffnung des Parlamentes kaum nach der Insel Wight begeben
Züricher Studentinnen.
In der „Neuen Deutschen Rundschau" giebt Dr. Käthe Schumacher in einem ausführlichen Aussatz interessante Schilderungen über das Leben der weiblichen Studireudeil in Zürich, ihre Beziehungen zu den Bürgern, Professoren und männlichen Kommilitonen. Wir entnehmen den lescnSwcrthen Ausführungen Folgendes:
Die Universität Zürich als Behörde unb Verwaltung Begegnet ihrer gemischten Hörerschaft mit vollster Gerechtigkeit unb macht nie einen Unterschied zwischen Männern und Frauen. So kennt die Züricher Amtssprache denn auch nur „Studirendc", nicht etwa — wie da» in Deutschland UsuS geworden — Studenten und Studentinneii. — Kurz, von oben herab ist der studireuden Fran nichts in den Weg eunb von Amts wegen kamt sic sich dort cbcnso als „akademischen
_ r" fühlen wie ihre männlichen Kollegen. Aber die Stadt denkt schon ganz anders; sie zerfällt ja auch in zwei ganz scharf geschiedene Thcile: die alte Stadt unten am See und die Universität mit Studenten- und Professorenviertel oben am Berge. Und beide Haden fchr wenig Gemeinsames. Unten am See wohnt der Züricher Groß- unb Kleinhandel, hält sich der Schweizer Patrizier reich und abiehneud in glätten, altenHärisern; oben amBerge wohntet» buntes, internationales ölkchen in Micthshäusern, unb selbst ber Verkehr btr Universitätr- profefforcn — sofern sic nicht eingeseffenc Schweizer sinb — geht feilen in da» untere Zürich hinab. — Denn dieses untere Zürich ist streng konservativ: nimmt cs den stubircnbeit Mann als ein Kullur- rrforderniß, fo hält c» die studirende Fra» (gemeinhin) für eine unzulässige Neuerung, unb da es diese nicht abthun kann, so dreht c» ihr den Rücken. Folgende Keine Geschichte, die thatsächlich passirt ist, läßt das deutlich erkennen: Eine junge Deutsche, die ihre Pensionszeit mit zwei jungen Züricherinnen in Lausanne verlebt hat, erhält die Erlanbniß zu fhibiren. Sie schreibt freudestrahlend an ihre Freundinnen, „daß sic nach Zürich kommen werde", und erhält ebenso freudestrahlende Einladniigen, die jungen Damen in ihrem Elternhause aufzusuchen. — I» ihrem Dankbrief fügt die »eine Deutsche bei, daß sic als Studirendc nach Zürich kommen werde. Darauf von der einen Seite eisiges Schweigen, von der anderen die schüchterne — wahrscheinlich von btr Mama iuspirirtc Antwort: man werde sich sehr freuen, Hildegard auf der Straße zu begegnen. Und diese Ueberzengung, daß man wohl mit einer Studirenden amtlich und sachlich verkehren, sic aber
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Politische Tages-Rundschau.
— Zur maroccanischen Frage meldet die „Norddeutsche Allgemeine Zeitung": Die Rückberufung des deutschen Geschwaders ans den maroccanischen Gewässern, die bereits verschiedene Blätter zu melden wußten, ist nunmehr in der That erfolgt, nachdem die maroccanische Regierung die verlangte Genugthuung für die Ermordung des Reichsangehörigen gesellschaftlich trotzdem nicht für voll gelten lassen kann, diese Ueberzengung ist nicht nur in Züricher Patrizier-, sondern auch tu Züricher Prosessorenkreiseii noch auzutreffeu, und es kann geschehen, daß derselbe Mann, der im Seminar oder Vorlefnngsziniiner seiner Schülerin vollste Gerechtigkeit widerfahren laßt, sie, wenn er ihr im Ballsaal begegnet, kaltblütig schneidet. Warum? Nicht etwa, weil er, sondern einfach, weil ein Theil der fletiieu Züricher Welt schlecht von ihr denkt und er — über seine Amtspflicht hinaus - sich nicht berufen suhlt, für „Frauenrechte" etnjutreten. Die Art, wie ein jeder der Professoren sich im Einzelnen zu seiner weiblichen Hörerschaft stellt, wie er Etiketten- oder Takt- frageit löst, ist ungemein interessant zu beobachten. Schou die Anrede dieser gemischten Verfaminlnngen z. B. giebt zu den verschiedensten Variationen Anlaß, und jede ist einem Glaubensbekenntniß in Sachen yrauenemaniipation gleichzuerachten. Der Eine, die Saalthür auf- reißeud unb mit Bergsteigerschritten dar Katheder erklinmiciid, ruft laut: „Geehrte Anwesende" unb setzt sich so einfach über bie Schwierigkeit weg. Der Auberc, am historischen Rechte festhalteud, das doch btt Uniüerfitäteii zuerst für den Manu schuf, sagt milde und ernst: „Meine Herren und Damen". Ein Dritter — obgleich oje ^>älfte feiner Zuhörerschaft ans Frauen besteht, schlendert ein: »Meine Herren" — in den Saal, unb ein Vierter sagt mit ebenso bewußter Absicht: „Meine Damen und Herren". — Eine schlaflose Nacht soll es einmal einen Privatdozenten, der drei Hörer unb eine Hörerin hatte — gekostet haben, ob er nun: „MeineHerren und meine Dame", oder umgekehrt ober einfach: „Geehrte Airwefeude" sagen sollte.
Soweit meine Erfahrung reicht, geht ber persönliche Verkehr zwischen Schweizer Professoren und ihren ausländischen Schülerinnen über den Hörsaal, das Seminarzimmer, einen gemeinsamen Nachhauseweg nicht hinaus: stets bereit, eine sachliche Frage schnell unb gewissenhaft zu beantworten und in allem Wissenschaftlichen zu helfen, schieben sie bie Jnbivibualität, bie vor ihnen steht, und das Problem, bas sie verkörpert, vollkonimen von sich ab. — Mit ihren Schülern kommen sie von Zeit zu Zeit in einem Bierhaufe zusammen, was gewiß keine ideale Vereinigung, immerhin aber besser als gar keine ist. Hiervon nun ist bie Fran ausgeschlossen unb wird es bleiben, bis nicht eine auberc Form ber Privatgeselligkeit erwählt wird, bie nämlich lm. vofenore|i&aufe. ~ Man findet diese Art ber Geselligkeit unb be» Verkehrs von Lehrer unb Schülerin aber auch in Zürich unb zwar — so weit meine Erfahrung reicht — gerade in ben Häusern
