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Wiesbadener Tagblatt.

43. Jahrgang.

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U«. 356.

Bezirks-Fernsprecher No. 52.

Freitag, den 2. August.

1895

vezirkS-Fernsprecher No. 52.

Abend-Ausgabe

Sa. 4 Off. 79 Mau»,

Dem gegenüber standen auf deutscher Seite: bei a die in 3 Theile auScinandergezogeue 6. Com­pagnie des 40. Infanterie-Regiments; bei b die 7. Compagnie desselben Regiments, welche schwachen Abtheiluugen ganz allein den Sudrand von Saar-

Saarbrücken ihre Stellung bis aufs Aenßerste festhielteu, war ein würdiger Abschluß jener standhaften Ausdauer.

Durch eine» Gefangene» hatte man erfahre», daß der Kaiser und der kaiserliche Prinz Zuschauer dieses ungleichen Kampfes gewesen waren. ES kostete der kleine» Schaar:

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brücken zu decken hatten. Weiter zurück hielten bei c an der Brücke die 5. Compagnie des 40. Regiments und die 2. und 3. Schwadron des 7. Ulanen-Regimcnts; in Brebach, bei d, die 8. Compagnie des 40. Regiments und zwei Geschütze der 6. leichten Batterie der 8. Artillerie-Regiments. In e, bei Malstatt, stand die 10. Compagnie der 69. Regiments und in f, bei Raschpfahl, nahmen 2 Bataillone de« 40. Regiments, eine Eskadron der 9. Husaren und eine leichte Batterie des 8. Artillerie-Regiments eine Ausnahmestellung für die schwachen Vorpoftcndetachcments ein.

Die französischen Truppen entwickelten sich am Morgen des

größtentheils von, 2. Bataillon Regiments Nr. 40. Die Fahnr des 1. Bataillons dieses Regiments war durch einen Granatsplitter getroffen worden. Der Verlust des Gegners belief sich auf 6 Offiziere und 80 Mann. Den Kampf eines ganzen sranzösischelr Corps gegen einige Compagnicen nannten die Deutschen spottend „eilte Hebung gegen einen markirteu Feind". Dieser ganze Vorfall hat im Hinblick ans die nnverhältnißmäßig großen Mittel, welche von den Franzosen znr Erreichung eines winzigen Vortheils in Thätigkeit gesetzt wurde», eine vorwiegend komische Seite. Es ist dies der einzige Fall im Verlauf des ganzen Krieges geblieben, in welchem französische Soldaten nicht als Gefangene deutschen Boden betreten haben.

Wenige Tage darauf wendete sich schon das Blatt, der Aufmarsch der kriegsscrtig vorrückenden deutschen HeereStheile war vollzogen, und es sielen die für den demnächstigm Kriegsverlauf entscheidenden Schläge von Weißenburg, Wörth und Spichern.

2. August und rückten wie auf dem Exerciiplatz vor. Vor der Stadt stellten sich ihnen die genannten preußischen Compagnieen entgegen, welche nach fast eiustündigem Geplänkel hinter die Saar znrückgingeu, unterstützt von dem anderen Ufer durch das Feuer von 4 Geschützen und 5 Compagnieen, die zu ihrer Rettung erschienen waren. Demnächst zog das ganze preußische Detachement unter dein Feuer der französischen Geschütze und Milrailleitsen nach Norden ab. Die Franzosen folgten nicht über die Saar.

Fast 14 Tage lang hatten die schwachen Abtheiluugen unter Oberstlieutenant vou Pestel der feindlichen Armee unmittelbar gegenübergestandeu. Die Zähigkeit, mit welcher sie im Gefecht bei

Politische Tages-Rundschau.

— Zusammenkunft Hohenlohe Goluchowsky. Die„Nordd. Allg. Ztg." bringt nunmehr den wirklichen Sachverhalt über das Unterbleiben des in der vorigen Woche ange- kündigten Besuchs Seitens des österreichischen Ministers des Aeußercn, Grafen Goluchowsky, bei dem Fürsten Hohenlohe in Alt-Aussee. Der Sachverhalt besteht in einem vierfachen Depeschen­wechsel. Graf Goluchoivsky kündigte dem Reichs­kanzler von Ischl aus feinen Besuch an. Dies Telegramm wurde dahin beantwortet, daß der Fürst von Hohenlohe auf einem Jagdausfluge int Hochgebirge weile, von dem er erst Samstag zurückerwartet werde. Graf Goluchowsky dankte hierauf für diese Benachrichtigung und theilte mit, geuöthigt zu sein, nach Wien zurückzukehren, fügte aber hinzu, daß er in nächster Zeit in Ischl eintresfe und seinen beabsichtigten Besuch in Alt-Aussee machen werde. Fürst Hohenlohe antwortete, daß er mit Vergnügen dem Besuche des Grafen Goluchowsky entgegeusehe. — Das Eintreffen des Ministers Goluchowsky bei dem Fürsten Hohenlohe ist auf de» 4. August festgesetzt.

— Bismarcks Organ, die „Hamburger Nachrichten", stellt gegenüber den Angriffen anläßlich der Rede Bismarcks an die Landwirthe fest, daß der Fürst vor siebzehn Jahren schon dieselben Ansichten mit fast denselben Worten vertreten habe, und veröffentlicht dann den Wortlaut zweier Reden aus den Jahren 1878 und 1879. Das Blatt schließt mit den Worten:

Zwischen dem „allmächtigen" Minister von 1878/1879 und dem einfachen Privatmann von 1895 sei kein Unterschied.

— Wegen der Handwerker-Konferenz wird von verschiedenen Seiten behauptet, daß die bisherigen Berichte der Zuverlässigkeit entbehren. Znr „Beruhigung aller inter- essirten Kreise" glaubt das „B. T." bemerken zu können, daß absolut keine Rede davon sein kann, daß die Zünftler die Negierung schon „in der Tasche hätten". Es bleibe

Der franMsche Angriff auf Saarbrücken

2. August 1870,

Am heutigen Tage vor fünfundzwanzig Jahren lieferten die Franzosen das „siegreiche" Gefecht bei Saarbrücken, in welchem sie die deutsche Grenze überschreitend, in der Stärke von einem Armee-Corps die preußischen Truppen, welche im Ganzen drei Bataillone, vier Erkadrons und eine Batterie stark waren, südlich der Saar ans Saarbrücken verdrängten. Seit dem 31. Juli hatte sich in der Lage auf französischer Seite nichts geändert, während die deutschen Heeres­säulen von Nordosten, aus der Pfalz, gegen die Saarlinie avaneirte». In Paris war man unruhig ob der Unthätigkeit der Rheiuartnee, bei welcher sich Kaiser Napoleon befand, und so beschloß man denn, mit dem 2. Armeecorps, General Frossard, einen Vorstoß zu machen.

Die Bewegungen der französischen Trnppen, völlig ungehindert vom Feinde, vollzogen sich wie auf dem Exercirplatz; unsere beisteheude Karte giebt eine genaue Darstellung der Situation, wie sie sich bald nach Beginn de» Vormarsches am 2. August, Vor­mittags 10 Uhr, gestaltet hatte. Das Hauptquartier des Generals Froffard befand sich in Forbach (links auf nuferer Karte). Von hier ans ging das Gros des 2. Corps in der Richtung der Chaussee nach Saarbrücken vor. In der linken Flanke wurde diese Vorwärtsbewegung durch ein gegen Völklingen entsandtes Detachement des 3. Corps, in der rechten Flanke durch ein von Saargentütid aus entsandtes Detachement des 5. Corps gedeckt.

Die Stellung der französischen Truppen des 2. Corps unmittelbar nach dem Ueberfdjreiten der Grenze war folgende: Bei dem in unserer Karte mit 1 bezeichnete» Punkte befanden sich 2 Bataillone und 1 Schwadron Chasseur«, bei 2 ein Bataillon an der Bahnlinie bei Drahtzug; 3 war eine 12-psündige Batterie; 4 drei Eskadron« Chasseurs; 5 die Brigade Ponget mit fünf Bataillonen ; 6 die Brigade Valags mit fünf Bataillonen; 7 die Brigade Jolivet mit sechs Bataillonen; 8 hier SBatterieeu Reserve-Artillerie und zwei Compagnieen Genie-Reserve; 9 ein Jäger- Bataillon und eine Genie-Compagnie; 10 die Brigade Bastoul mit vier Bataillonen; 11 der Rest der Kavallerie-Division; 12 die Brigade Doöns mit sechs Bataillonen und drei Batteriee»; 13 die Brigade Michelet mit fünf Bataillonen; 14 zwei Bataillone; 15 ein Bataillon, eine Compagnie des Genie-Regiments und eine Batterie; 16 ein Jäger- Bataillon.

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(Nachdruck verboten.)

Mas unsere braven Mitkämpfer erzählen.

Persönliche FeldzngS-Erlebnisse.

Bon Bernhard Ohrenberg.

Die Schlachten non Weißenburg und Wörth.

II.

Am 5. August waren die ersten Morgenstunden köstlich, noch ruhte tiefer Frieden über den zerstampften Fluren, aus den Vogesenwäldern stiegen leichte Nebelschleier empor, der Rundblick von der Höhe des Gaißbcrgs war entzückend und ließ mich für kurze Zeit vergessen, daß ich mich auf dem Kriegspfade befand; aber meine harmonische Stimmung wurde nur zu bald getrübt, als ich zwei gefesselte Spione eSkorliren sah; der eine von ihnen war der Bürgermeister von Riedseltz, ein älterer, finsterblickender Mann.

Der Tag wurde glühend heiß, sodaß der Marsch nach Worth, infolge der schwülenLuft und der erstickenden Staub­massen, äußerst beschwerlich war; ich empfand den Durst immer peinigender, da erblickte ich in einem Gehöft nahe der Straße ein schönes, schlankes Mädchen, das am Brunnen einen Krug mit krystallhellem Quellwaffcr füllte; rasch sprang ich aus der Kolonne auf die schmucke Elsässerin zu und bat auf Französisch um ein Glas Wasser. Da blitzten mich ihre dunkeln Augen zornsprühend an, und von den haßverzerrten Lippen zischten die Worte: „Je vons donnerai un vor de sang!“ (Ich werde Ihnen einen Becher mit Blut reichen.) — Ich war sprachlos gegenüber solchem Fanatismus der ursprünglich deutschen Bevölkerung.

Das 37. Regiment und das 6. Grenadier-Regiment bildeten jetzt die Avantgarde und nahmen Vorposten-Stellung auf den Höhen hinter Preuschdorf, östlich von Wörth.

Nach dem langen, anstrengenden Marsch wäre den Truppen erquickende Nachtruhe sehr nöthig gewesen, — es sollte aber Inders kommen. Ich hatte bis nach 11 Uhr Abends aus

einem gewaltigen Ungethüm von Faß rothen Landwein au die Mannschaften vertheilen lassen und streckte dann die müden Glieder in einem Kartoffelfelde aus; es mochte zwischen der ersten und zweiten Morgenstunde feitt, als ein Gewitter mit unheimlicher Gemalt losbrach, der Regen ergoß sich molkenbruchartig, jede Furche zwischen den Kartoffeldämmen verwandelte sich in einen Bach, sodaß mir und den Mannschaften thatsächlich das Erdreich unter dem Rücken fortgeschwemmt wurde; — es war eilte schauder­hafte Nacht, aber auch sie nahm ein Ende.

Als der Morgen graute, machte sich bei den äußersten Vorposten bereits große Unruhe bemerkbar, vereinzelte Schüsse knatterten, und die Kanonen spielten den Brumm­baß dazu. Es ist ja bekannt, daß die Schlacht vou Wörth und Fröschwiller einen Tag früher geschlagen wurde, als beabsichtigt war; zum besscreu Verständniß der sich in ganz unerwarteter Weise entwickelnden Ereignisse muß ich einige Miltheilungen über die Stellungen des Feindes und der III. Armee entflechten. Der Kronprinz, dessen Haupt­quartier sich in Snlz befand, hatte in Erfahrung gebracht, daß Mae Mahon bemüht war, fortgesetzt Verstärkungen heranzuziehen, und wollte deshalb den gewaltigen Kampf gegen die äußerst feste und günstige Stellung der Franzosen erst dann beginnen, wenn das 11. Armee-Corps unter General-Lieutenant von Bose in die beabsichtigte Schlacht­linie eingerückt war. Von einem schwer verwundeten Zuaven- Ofsizier, der nach beendeter Schlacht drei Tage mit mir in demselben Raume lag, erfuhr ich Näheres über die Streitkräfte, die dem Marschall am 6. August znr Ver­fügung standen. Nachdem die geschlagene Division Douay, unter Führung deL Generals Pellö, Hagenau erreicht hatte, wurden die Truppen per Bahn bis in die Stühe von Wörth befördert; zu dieser Division gesellte sich noch eine Division vom VII. Corps unter Conseil-Dnmesnil, fodaß Mae Mahon zehn Infanterie- und fünf

Kavallerie-Brigaden unter seinem Befehl vereinigte. Ferner hatte Napoleon am Abend des 5. August den Marschall be­nachrichtigt, daß auch das V. Corps, unter Failly, zu seiner Disposition gestellt werde. Hocherfreut über diese bedeutende Verstärkung soll Mac Mahon ausgcrufen haben: „Messieurs les Prassiens, je vons tiens!“ Dann telegraphirte er an General Failly die Aufforderung, so bald als möglich mit seinem Corps zu ihm zu stoßen. Aber Failly, dessen Corps weit auseinandergezerrt war und der befürchtete, von Zwei­brücken aus selbst angegriffen zu werden, beschränkte sich darauf, nur der 3. Division, die bei Bitsch stand, zu be­fehlen, am anderen Tage nach Wörth abzumarschiren. Demnach erhielt Mae Mahon die Verstärkung durch das V. Corps nicht, und nur diesem Umstande hätten die Prnssiens den Sieg bei Wörth zu verdanken, versicherte mir sehr erregt der nervöse Znaven-Ofsizier. Uebrigens hat sich Mac Mahon über den Anmarsch und die Stellungen der III. Armee völlig im Unklaren befunden und erwartete, beispielsweise, von Norden angegriffen zn werden; er beging denselben unbegreiflichen Fehler wie Douay bei Weißenburg und unterließ es, sich durch weit vorgeschobene Kavallerie- Patrouillen von den Bewegungen und der Stärke des Feindes Kenntniß zn verschaffen. Die Aufstellnng der Franzosen am 6. August war folgende: Ans dem linken Flügel stand die 1. Division (Ducrot) in paralleler Richtung der Straße Fröschwiller-Reichshofen, später nahm sie durch eine Rechts­schwenkung bei Fröschwiller Stellung. Das Centruin bildete die 3. Division (Raoul) in Fröschwiller und Wörth. Dieser tapfere General, der in der Schlacht seinen Tod fand, leistete den zähesten Widerstand, der dem V. Corps fürchterliche Verluste gekostet hat.

De» rechte» Flügel bildete die 4. Division (Lactigne) von Elsaßhausen bis Albrechtshauserhof, durch vorgeschobene Bataillone den Niederwald festhaltend, später stand diese Division in zurückgebogener Flanke Morsbrunn gegenüber